Hörwürdigkeiten statt Sehenswürdigkeiten: das Buch der Klänge

Sachbuch-Rezension: Das Buch der Klänge

„A duck’s quack doesn’t echo and no-one knows the reason why“ besagt ein britisches Sprichwort: Das Quaken einer Ente erzeugt kein Echo und keiner weiß warum. Wenn Trevor Cox, Professor für technische Akustik und Sachbuch-Autor, eine solche Aussage hört, dann betrachtet er sie als persönliche Herausforderung und forscht nach. Kann das überhaupt sein? Und wie um Himmels Willen kann man diese Aussage überprüfen? Versuche in freier Wildbahn sorgen für Amusement bei der Lokalpresse, aber nicht für wissenschaftliche Ergebnisse. Ein anderer Versuchsansatz wird gewählt. Zuerst braucht der Wissenschaftler eine Ente, dann einen reflexionsarmen Raum für eine Basismessung eines echofreien Quakens. Anschließend wird die Ente Daisy in einen Hallraum gesetzt und siehe – oder besser – höre da: ihr Quaken erzeugt sehr wohl ein Echo. Wir hatten den ultimativen Sound-Effekt für einen Horrorfilm geschaffen, vorausgesetzt, eine Killerente spielt die Hauptrolle. S. 143 Doch damit gibt sich Trevor Cox noch nicht zufrieden. Wie es…

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Die Magier von Montparnasse

Fantasy Rezension Magier von Montparnasse

Ich mag Bücher, die sich Zeit lassen und mich trotzdem von der ersten Seite an in ihren Bann ziehen. Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka ist ein solches Buch. Der eigensinnige Fantasy-Roman verrät nicht gleich, wohin er den Leser führen will. Es könnte sich um Steampunk handeln. Zeit und Ort, Paris in den goldenen Zwanziger Jahren, lassen das vermuten. Doch mechanische Uhren sind fast die einzigen technischen Errungenschaften, die für die Handlung wichtig sind. Diese Uhren sind jedoch nur ein klein wenig anders als das, was wir erwarten. Dafür gibt es aber eine Erklärung und die hat mit Steampunk nichts zu tun. Es könnte sich um ein Märchen handeln, mit verzauberten Äpfeln und einer schlafenden Schönheit. Doch die Äpfel waren möglicherweise nur ein Symbol und auch eine schlafende Schönheit könnte immer noch die Fäden des Geschehens in der Hand haben. Auf jeden Fall ist es eine Liebesgeschichte, auch wenn die…

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Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Sachbuch Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Kauen, schlucken, verdauen, raus damit. Klingt einfach. So einfach, dass ich nicht allzu viel darüber wusste, wie Verdauung im Detail funktioniert. Sie funktioniert halt irgendwie, manchmal besser, manchmal schlechter. Auch das Verdauung mit dem Kauen anfängt, war mir bewusst. Ich erinnere mich an den Versuch in der Grundschule: Brot so lange kauen, bis es süß schmeckt. Dass man aber eigentlich noch nicht mal aktiv schlucken muss, sondern einfach so lange weiter kauen kann, bis sich der Speisebrei von alleine auf den Weg macht, war mir neu. Ich habe es natürlich beim nächsten Essen überprüft: es stimmt. Adrian Schulte erklärt in seinem Buch alle Zusammenhänge rund um die Verdauung so, dass man sie leicht nachvollziehen kann. Er folgt in seinen Erklärungen einfach dem Weg der Nahrung durch den menschlichen Körper. Wir essen, kauen … oder schlingen wir? Spülen wir Nahrungsbrocken mit einem Getränk herunter? War es ein kohlensäurehaltiges Getränk? Solche Details…

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Wie leben? Wie wohnen? Wie arbeiten? Zukunftsbilder im Hack Museum

Im Hack Museum war ich nun schon lange nicht mehr, was nicht daran liegt, dass es für eine Mannheimerin wie mich auf der falschen Rheinseite liegt. Ehrlich! Für eine gute Ausstellung fahre ich sogar nach Ludwigshafen. Allein, es gab schon lange keine Ausstellung mehr, die mich gelockt hätte. Aber jetzt: Wie leben? Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto Wie wollen wir leben? Wie wollen wir wohnen? Wie wollen wir arbeiten? Welche Gedanken haben sich Künstler dazu gemacht? Das ist ein Ausstellungsthema, das perfekt zu Ludwigshafen passt. Diese Stadt leidet noch heute unter den Folgen städtebaulicher Visionen vergangener Zeiten: marode Hochstraßen, verödete Fußgängerzonen und einem Bahnhof, bei dem das Umsteigen vom Regional- in den Fernverkehr zum Wanderevent mutiert. (Immerhin wurde in Ludwigshafen 1902 der Pfälzerwald-Verein gegründet.) Was noch möglich gewesen wäre Mit etwas mehr Mut oder einem größeren Budget oder mit etwas weniger Sponsoring durch die BASF hätte man genau das zum…

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2016 – ruhig weitergehen

Mantra für 2016: ruhig weitergehen

Mein Mantra für 2016 lautet ruhig weitergehen. Natürlich gehört dazu eine Geschichte und damit ich diese Geschichte und das Mantra nicht vergesse, schreibe ich es hier auf. In 2015 habe ich die Kunst, mir selbst im Weg zu stehen, verfeinert und weiterentwickelt. Aber das macht nichts, denn während ich mir da so im Weg rum stand, konnte ich mich in Ruhe betrachten und besser kennenlernen. So war 2015 für mich nicht das allerbeste Jahr; aber es war so, wie es war, genau richtig. Was war, was ist, wo soll es hingehen? Die Antworten auf solche Fragen finde ich da draußen, in der Natur. In diesem Fall bei einem Spaziergang durch die frostigen Rheinwiesen, am ersten kalten Tag des Winters. Tief durchatmen, zur Ruhe kommen, den Kopf leeren. Wo komme ich her, wo bin ich jetzt, wo soll die Reise hingehen? Wenn ich zur Ruhe gekommen bin und die Fragen für mich…

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Ich habe heute keine Top Songs 2015 für Dich

Grooveblog auf Facebook

Mein Kollege vom Grooveblog meinte, dass auch wir am Jahresende zurückblicken oder hören könnten. Da hat er recht, doch die erhofften Top-5 Songs 2015 kann ich ihm und Euch diesmal nicht bieten. Wirklich nicht. Und das verblüfft mich selbst. Was ich aber bieten kann sind meine Top 5 Erlebnisse mit Musik 2015. Deren Existenz erklärt dann auch die Abwesenheit der Hitliste: Der Student über mir – Stille – Youtube nervt – Musik da draußen – Stuttgarter Nervengeflecht. Bonus-Kapitel: Musik lesen. Der Student über mir Der Student über mir mag Musik. Das merke ich an den vielen Amazon-Paketen, die ich für ihn annehme, die eindeutig Vinyl-LPs enthalten. Aber was hört er eigentlich? Am Anfang drang ein undefinierbares Gewummer durch die Decke an meinem Schreibtisch, der anscheinend genau unter seiner Anlage steht. Monate später AC/DC und dann auf einmal drei Tage Nirvana Teen Spirit in Endlos-Schleife. Es gibt Schlimmeres, aber irgendwie fühlte…

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Joy Division: alle Songtexte und viel Raum für Legendenbildung

Buch Songtexte Joy Division Ian Curtis

Zwei Essays, alle Songtexte und Fragmente und sehr viel Raum zur Legendenbildung: das enthält der edel ausgestattete Band So This Is Permanence – Joy Division. Songtexte und Notizen. Deborah Curtis, die Witwe des Sängers, Dichters und Perfomance-Künstlers – anders kann man seine Bühnenauftritte kaum bezeichnen – erzählt im ersten Text des Buches von ihrer Liebe zu Ian Curtis, den sie als sensiblen, von seiner Arbeit besessenen Künstler wahrnimmt. Das ist sehr persönlich und verankert den Ausnahmekünstler im normalen Leben. Aber bei mir kam bei der Lektüre der Eindruck auf, dass hier doch viel ausgeblendet wird. Das kann aber auch an der Kürze des Textes liegen. Belesen und dystopisch Joy Division waren eine Band, die Ian Curtis nach seiner Vorstellung geformt hatte, und die war von Belesenheit geprägt und zutiefst dystopisch. S. 19 Spannender finde ich den zweiten Essay und die Verbindungen zur Literatur, die Jon Savage darin aufzählt. Wahrscheinlich gab es schon Semesterarbeiten…

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Botanik für Gärtner oder warum Kräuter nicht unbedingt ein Kraut sind

Sachbuch in wunderschöner Ausstattung: Botanik für Gärtner

Was macht der Hobby-Gärtner im Winter? Gartenbücher lesen. Vom Frühjahr träumen. Hoffen, endlich zu verstehen, wie diese lateinischen Namen aufgebaut sind und was es mit den Handelsnamen auf sich hat. Bei allen drei Tätigkeiten hilft „Botanik für Gärtner“ doch sehr und ein wunderbarer Zeitvertreib ist es noch obendrein. Eigentlich könnten mir als Gärtnerin die lateinischen Namen recht egal sein. Ich probiere aus, welche Pflanzen meine Einladung, sich in meinem Garten anzusiedeln, annehmen. Was funktioniert, bleibt. Zumindest so lange, bis es überhand nimmt … aber das ist eine andere Geschichte. Wie das, was bleibt und das, was geht, nun von den Botanikern bezeichnet wird, ist erst einmal nicht wichtig. Wichtig wird es dann, wenn ich das Gehen und Bleiben genauer verstehen will. Dann greife ich zu Fachbüchern und beginne, die abtrünnige oder aufmüpfige Pflanze zu suchen. Ist es ein Gärtner-Gartenbuch, zu dem ich greife, finde ich sie meist recht schnell. Handelt es…

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Mein innerer Schweinehund bleibt zu Hause: Vorsätze verwirklichen durch Motivation

Sachbuch zum Thema Motivation: der innere Schweinehund bleibt zu Hause

Disziplin wird überbewertet, Motivation ist der Schlüssel zu erfolgreichen Lebensstil-Veränderungen – das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht. Doch die Motivation hat einen Gegenspieler namens innerer Schweinehund, der misstrauische jede Veränderung beäugt. Stefan Bienenstein weiß Rat. Viel erfolgsversprechender, als sich mit Disziplin zu zwingen, sei es, zu wissen, wie der innere Schweinehund tickt, und ihn ernst zu nehmen. Nur so kann man ihn entweder umgehen – dann bleibt der innere Schweinehund zu Hause, während man selbst zum Sport geht – oder man kann ihn sogar von der Veränderung überzeugen. Ich selbst hatte natürlich sehr viele gute Gründe, dieses Jahr weniger zu trainieren. Mal sehen, was 2016 bringen wird … Das ist ein typischer, mir wohl bekannter Satz des Motivationsverhinderer! Sofort anfangen heißt hier die Devise. Aber damit bin ich doch schon so oft gescheitert! Scheitern ist laut Stefan Bienenstein nur eine Frage des Blickwinkels. Gerade seine Ratschläge, ein vermeintliches Scheitern…

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Pubertäre Punk-Elfen – Die Elfen von New York wiedergelesen

Cover Elfen New York 1996

Damit ich einen Roman aufhebe, muss er mich schon sehr beeindruckt haben oder mich an eine besondere Phase meines Lebens erinnern. Der Platz für Bücher in meiner Wohnung ist strikt begrenzt. Wenn die Bücher nicht mehr in das Regal passen, sortiere ich aus. Da ich mich meist auch noch nach 10 Jahren sehr gut an die Handlung eines Romans erinnern kann, hebe ich eher Sachbücher als Romane auf. Das Kult-Buch, das bei mir drei Umzüge überstand Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich nun einen aufgehobenen Roman wieder zur Hand genommen. „Die Elfen von New York“ von Martin Millar erschien 1994 bei Eichborn und kam 1996 als Taschenbuch bei DTV heraus. Wahrscheinlich habe ich es damals direkt nach Erscheinen des Taschenbuchs gelesen. Also sind jetzt 19 Jahre seit der Lektüre vergangen (hier ein HILFE-ich-werde-alt-Geräusch vorstellen). Mich hat es damals mit seiner rotzfrechen Art beeindruckt und ich habe es…

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10 nutzlose Supertalente und ein super nützliches Bonus-Talent

Fahrrad Wand hoch - Supertalente gesucht

Es gibt so Dinge, die kann man wirklich großartig und beeindruckend. Leider keine vernünftigen Dinge oder zum Geld verdienen nützliche Dinge. Mama arbeitet hat eine Liste mit 11 Supertalenten erstellt und mir damit so etwas wie einen Blogger-Ohrwurm in den Kopf gesetzt. Diesen Blogger-Ohrwurm lasse ich nun frei – ab hinaus in die Blogosphäre mit Dir! Hier ist, nach dem Buchmessen-ABC, dem ABC der Inspiration und dem 20 Dinge über mich Blogstöckchen meine neue Liste mit 10 absolut unnützen Supertalenten und einem absolut nützlichem unnützen Supertalent: Und nun mein super-nützliches Bonus-Talent: Exakt dann, wenn der Korken mit einem satten Plopp die Sektflasche verlässt, komme ich auf der Party an. Immer. Das wolltet Ihr doch sicherlich schon immer wissen, oder? Was sind denn Eure völlig nutzlosen Supertalente? *Für ganz Neugierige: Das Foto habe ich hier aufgenommen.      

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Wald – reine Natur oder vom Menschen ruiniert? Der Waldführer von Peter Wohlleben klärt auf

Peter Wohlleben - Menschenspuren im Wald

Zuerst dachte ich, ich hätte den Weg verloren. Mein Wanderweg, der sich bis dahin schön durch die französischen Alpen schlängelte, war nicht mehr zu sehen. Das, was ich sah, ähnelte mehr eine Baustelle als einem Weg. Die Reifen der Maschinen hatten 30 cm tiefe Furchen hinterlassen, deren Grund knallhart war. Die Erde war so uneben, dass ich Angst hatte, mir den Knöchel zu verknacksen. Obwohl der Waldweg doppelt so breit war, wie ich es von zu Hause kannte, waren die Bäume an den Seiten von den Maschinen beschädigt worden. Für den Förster und Autor Peter Wohlleben sind die Schäden, die von solch schweren Maschinen verursacht werden, der wahre Feind des Ökosystems Wald und der Hauptgrund für das immer noch fortschreitende Waldsterben. Durch diese Art der Bewirtschaftung wird der Boden extrem verdichtet, Mikroorganismen und Kleinstlebewesen getötet und Wurzeln schwer beschädigt. Ein so verdichteter Waldboden speichert weniger Wasser, Trockenschäden an den Bäumen…

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