Wayne Dyer erhält eine Botschaft – Buch-Tipp

Es war der Co-Autor, der mich auf dieses Buch neugierig machte. Ich schätze Wayne Dyer für seine kindliche Begeisterungsfähigkeit und sein Talent, gleichzeitig klar und quer zu denken. Enthusiastisch stürzt er sich auf neue Themen und reißt mich als Leser dabei jedes Mal mit. Daher war ich bereit, Wayne Dyer auch auf seiner Channeling-Entdeckungsreise zu begleiten. Diese Gespräche mit der geistigen Welt sind so gar nicht mein Ding, denn ich gehe davon aus, dass alle Antworten schon in uns liegen und auch dort gefunden werden können, ganz direkt und ohne Umweg. Doch an Erklärungen und Denk-Modellen, wie das Leben und das Universum funktionieren, bin ich immer interessiert; andere Sichtweisen machen mich neugierig. Diese Ausgangslage, die sicherlich bei jedem Leser anders ist, führte bei mir dazu, dass ich das erste Drittel des Buches langweilig fand (schon wieder das Gesetz der Anziehung!), das zweite Drittel sehr interessant und das letzte Drittel über Politik und gentechnisch veränderte Lebensmittel als…

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Alles so schön bunt hier: German Pop

German Pop - Ausstellung in der Schirn in Frankfurt Eingangsbereich

Alles so schön bunt hier: das erste, was der Besucher in der Ausstellung „German Pop“ zu sehen bekommt, ist eine Wand mit bunten Neon-Schriftzügen. Ein guter Start, denn diese Installation von Ferdinand Kriwet vereint beide Seiten der deutschen Variante der Pop-Art: das poppig banale mit der Gesellschaftskritik; German Pop und Kapitalistischer Realismus. Insgesamt empfand ich die Ausstellung als sehr kompakt. Sie hinterließ bei mir den Eindruck, eine 45-Minuten-Doku im Fernsehen gesehen zu haben: schöne Bilder, zu wenig Informationen, kaum Ansatzpunkte zur Vertiefung. Für mich hat sich die Museumsbesuch aus zwei Gründen dann doch gelohnt. Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke und Klaus Staeck, bei denen ich bisher ihr Lebenswerk betrachtet habe, wurden in einem bestimmten Jahrzehnt mit einer bestimmten Schaffensperiode verankert. Das erschafft Zusammenhänge, die mir vorher so nicht bekannt waren. Eine breitere Bildauswahl wäre hier jedoch wünschenswert gewesen. Der zweite Grund, warum sich der Besuch der Ausstellung „German Pop“ für mich gelohnt hat, ist, dass ich…

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Manet Cézanne Van Gogh – aus aller Welt zu Gast in der Kunsthalle Mannheim

Zum Glück habe ich es doch noch in die Ausstellung „Manet Cézanne Van Gogh – aus aller Welt zu Gast“ in der Kunsthalle in Mannheim geschafft, die nur noch bis zum 18. Januar 2015 gezeigt wird. Ich hätte sonst wirklich etwas verpasst! Es ist eine kleine, feine Ausstellung, die Bilder aus dem Bestand der Mannheimer Kunsthalle Leihgaben aus großen Museen gegenüber stellt. Das klingt jetzt erst einmal sperrig, ist aber eine hochspannende Schule des Sehens. Mittelpunkt der Ausstellung ist natürlich „Die Erschießung des Kaisers Maximilian von Mexiko“ von Édouard Manet. Auch diesmal habe ich mir das Recht des Laien herausgenommen und dieses Juwel der Mannheimer Sammlung weitesgehend ignoriert. Umso länger habe ich mich in den letzten beiden Räumen aufgehalten, was aber auch daran lag, dass man vor lauter Besuchern am Dreikönigstag kaum einen Blick auf die Pfingstrosen von Renoir und die Blumen von Van Gogh, die dem rein gelben „Yellow Painting“ gegenüber gestellt wurden, erhaschen konnte. Das kam…

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Naturkundemuseum Kassel #nkm3d

Naturkundemuseum Kassel Octopus in der Ausstellung #nkm3d

HUCH – wer will mir denn da die Handtasche ausräumen? Noch nicht mal mehr im Museum ist man sicher – unerhört! Wenn schon am Eröffnungstag der Ausstellung im Naturkundemuseum Kassel solche Geschichten passieren – wo soll das alles hinführen? Wo das im Laufe der nächsten Monate hinführt kann man tagesaktuell auf Instagram, Twitter und Facebook unter dem Hashtag #nkm3d – NaturKundeMuseum3D – beobachten. Ich bin gespannt auf die Ideen und Bilder! In dieser Ausstellung ist nämlich nicht nur Fotografieren erwünscht sondern auch der intensive Einsatz von Smartphones. Diese gemalten 3D-Tiere möchte raus aus dem Museum, raus in dieses Neuland – da helfe ich doch gerne beim auswildern! Ob das ganze nun wirklich etwas mit Kassel und seiner Naturgeschichte zu tun hat war mir, als Besucherin aus Mannheim, reichlich egal. Ich hatte meinen Spaß – das war mir wichtiger. Und ich glaube, dass sahen die meisten der herumsausenden Kinder genauso.Sie fanden die begehbaren Bilder einfach toll und ließen…

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Fliegende Zeilen – ein poetisches Spiel

Gesellschaftsspiel: Fliegende Zeilen

Fabulierspaß – allein schon für dieses Wort mag ich das Spiel „Fliegende Zeilen“. Fabulieren ist ein Wort, das ich in meinen aktiven Sprachschatz aufnehmen sollte. Der ist zwar durch das Bloggen auch dieses Jahr wieder größer geworden – nur E-Mail schreiben wirkt sich nicht so bereichernd auf den Wortschatz aus – aber es gibt immer noch ausreichend Platz in meiner Wortschatztruhe. Im Spiel „Fliegende Zeilen“ bekommen die Fabulierspaß-Beteiligten zu vorgegebenen Zitaten Aufgaben gestellt. Die können zum Beispiel so lauten: Es gilt, aus Zitaten wie diesen einen originellen, schrägen, berührenden, witzigen, tragischen, verschachtelten, spannenden oder beeindruckenden Text zu erschaffen: Die Zeit dafür ist knapp – gerade mal 90 Sekunden dauert es, bis die Sanduhr abgelaufen ist. Das beflügelt! Dann will ich doch mal testen, was mir so einfällt – Zeit läuft! „Tauschen Sie ein Wort“ lautet schon seit Generationen das Motto des kleinen Landes Wortistan. Aber mein Vater war Buchhalter. Er hatte nur Worte wie Jahresabschluss-Regelung, Bilanzierungsprognose…

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Sachen machen – was ich immer schon tun wollte

Sachen machen - Isabel Bogdan

„Sachen machen“ von Isabel Bogdan ist ein Buch, das man besser nicht am Jahresende lesen sollte, denn es könnte eine gewisse melancholische Grundtendenz verstärken – insbesondere dann, wenn die Liste der Sachen, die man machen wollte, mal wieder länger ist als die Liste der Sachen, die man getan hat. Andererseits sollte man „Sachen machen“ gerade am Jahresende lesen, denn es gibt einem viele gute Ideen, was man im nächsten Jahr alles machen könnte und wie sich das anfühlen würde. Hüpfen und rutschen steht auf jeden Fall ganz oben auf der Liste. Das kann man zum Beispiel bei einem Ü-18-Abend auf einem Indoor-Spielplatz für Kinder machen: Das ist unter anderem deswegen eine tolle Sache, weil ich es dem Weltgeist ein bisschen übelnehme, dass er Hüpfburgen erst erfunden hat, als ich schon zu groß dafür war und nicht mehr reindurfte. Aber jetzt: Hüpfburg! Rutschen! Trampolin! Klettern! Jippie! Viele der Sachen, die Isabel Bogdan im Laufe eines Jahres…

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Kochbuch-Urlaub: Die portugiesische Küche

Portugal Kochbuch: Die portugiesische Küche

Portugal habe ich erst viel zu spät für mich entdeckt. Südfrankreich war lange Jahre mein Lieblingsreiseziel. Bis zu dem Jahr, in dem ich im Herbst spontan einen warmen, sonnigen Ort suchte und Urlaub an der Algarve machte. Dieser Urlaub hatte Folgen. Eine Folge davon leuchtet mir sonnengelb aus dem Kochbuch-Regal entgegen: „Die portugiesische Küche A Cozinha Portuguesa“. Ich habe mich in Portugal auf Anhieb wohlgefühlt: schöne Landschaft, warmes, sonniges Wetter, unglaublich nette, angenehme Menschen und allerfeinstes Essen aus frischen Zutaten. Schon nach zwei Tagen konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum es so lange gedauert hat, bis ich diesen Winkel Europas für mich entdeckt habe. Daran, dass ich mich spontan und sofort wohl gefühlt habe, war auch das Essen schuld – insbesondere das beste Grillhähnchen meines Lebens, das es an einem Tag gab, an dem es viel zu heiß zum wandern war. Im Oktober. Nach dem Hähnchen wollte ich erst recht nicht mehr wandern. Lieber dachte ich…

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Reise in den Alltag – Ein Jahr an der Côte d’Azur

Reisebericht - Ein jahr an der Côte d'Azur

„Beinahe wäre ich beim Joggen auf den Oliven auf der Straße ausgerutscht.“ S. 164 Ist so ein Satz nicht einfach dreist und gemein? Überhaupt erfordert die Lektüre von „Ein Jahr an der Côte d’Azur“ einiges an Charakterstärke und Gelassenheit. Andernfalls muss der Leser vor Neid in sein Lesezeichen beißen. Oder sich damit trösten, dass die Aussicht vom Balkon der Wohnung in Nizza, in der Annika Joeres ein Jahr lang mit ihrem Freund lebt, zwar wunderschön, dafür jedoch die Wohnung selbst eine Bruchbude ist. Das war den beiden bei der Besichtigung vor lauter Meerblick gar nicht aufgefallen. Annika Joeres schwankt zwischen Leben-im-Süden-Verzauberung und nüchternen Blick auf den Alltag als Expat – genau das macht das Buch für mich so authentisch. Sie schwärmt von Spaziergängen an der Strandpromenade und von Wanderungen im Hinterland und flucht über die unzuverlässige Internet-Verbindung, die ihre Arbeit als Journalistin behindert. Auch sie wartet – wie anscheinend alle Schriftsteller in Südfrankreich – auf Handwerker und…

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Der Ozean am Ende der Straße

Neil Gaiman - Ozean am Ende der Straße - Roman

Es scheint, dass die Ankunft des Opal-Schürfers die Welt in dem kleinen englischen Ort in Schieflage bringt. Doch dem ist nicht so. Es sind die finanziellen Schwierigkeiten der Eltern, die dafür sorgen, dass die Welt des siebenjährigen Helden an den Rändern auszufransen beginnt. Dort, wo die Welt ausfranst, können seltsame Wesen eindringen. Oberflächlich betrachtet sorgen sie dafür, dass die Menschen bekommen, was sie sich so sehr wünschen. Eine beängstigende Vorstellung, denn diese Wünsche sind von Gier geprägt. Der Held aus „Der Ozean am Ende der Straße“ möchte eigentlich nur, dass seine kleine Welt in Ordnung ist und dass Erwachsene einfach nur große Menschen sind, denen man vertrauen kann. Als einziger erkennt er die Gefahr. Wie gut, dass gerade hier in diesem kleinen Ort schon immer die Hempstock-Frauen wohnen und ihren Ozean am Ende der Straße pflegen. Doch am Ende wird unser Held trotz aller Opfer mit einem Loch im Herzen zurückbleiben. Wie kannst Du in…

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Achtsame Ernährung mit der Yogi Methode

Achtsame Ernährung mit der Yogi-Metode - 30 Tage Challenge vegan ayurvedisch yogisch

Eigentlich wollte ich nur ganz kurz in dieses Buch reinlesen, weil mich die Meinung des Autors interessiert – und schwupps, hatte ich mich festgelesen. Dabei geht es in „Die Yogi Methode – 30 Tage Challenge zur achtsamen Ernährung“ vor allen Dingen um vegane Ernährung, die mich höchstens als philosophisches Phänomen interessiert. Doch das Buch beginnt mit einer sehr motivierend geschriebenen Einleitung zum Thema, was Ernährung für Körper, Geist und Seele bedeutet und warum uns Ernährungsumstellungen als so schwierig erscheinen. Dieser Absatz sorgte dafür, dass ich an der Yogi-Methode hängenblieb: Ernährung ist etwas sehr Persönliches, etwas, mit dem wir uns bewusst oder unbewusst identifizieren. Sie ist unser ständiger Begleiter und bestimmt einen Großteil unseres Tages. Sie erfordert Routine und Regelmäßigkeit und bietet dadurch einen gewissen Halt. Rüttelt man an diesem Halt, erzeugt das Angst, die wiederum Aggression hervorruft. … Menschen, die bewusst einen bestimmten Ernährungsstil wählen, fühlen sich angegriffen, da sie denken, dass man ihre Entscheidung…

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Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften

Weber Alles fühlt Lebenswissenschaft

Eine Neu-Interpretation der Biologie, die zu einem veränderten Welt- und Menschenbild führt – das ist die Mission des Biologen und Philosophen Andreas Weber. Im Mittelpunkt steht bei ihm der fühlende Körper, die fühlende Zelle, die leben will und ihr ganzes Dasein danach gestaltet. Dieses Grundprinzip des Leben-wollens – weg von dem, was sich schlecht anfühlt und hin zu dem, was sich gut anfühlt – wohnt jedem Stück Natur inne. Deswegen kann man Mensch und Natur nicht getrennt voneinander betrachten. Wir sind Natur und nur mit der Natur sind wir ganz. Wissenschaftsgeschichte, Biologie, Philosophie, persönliche Betrachtungen und – ja, auch – Poesie: all das ist in dem Buch „Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften“ von Andreas Weber enthalten. Ich konnte dem Lauf seiner Gedanken nicht immer folgen, aber es gab auf jeder Seite für mich etwas zum Entdecken; etwas, das mich zum Staunen brachte oder etwas, das ich einfach genießen konnte: Infos zum…

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Kunsthalle Schweinfurt – Expressiver Realismus im Hallenbad

Eintrittskarte Kunsthalle Schweinfurt expressiver Realismus

Schweinfurt ist eine Stadt, die nicht gerade auf meinen üblichen Reiserouten liegt. Daher war klar: wenn ich mal halbwegs dort in der Nähe vorbeikomme, werde ich anhalten und ins Museum gehen. Doch nicht das bekannte „Museum Georg Schäfer“ war mein Ziel und schon gar nicht die Spitzweg-Ausstellung, die zu diesem Zeitpunkt lief. Mein Ziel waren die knatschgelben Türen der Kunsthalle Schweinfurt, hinter denen ich eine für mich neue Kunstrichtung entdeckte: Expressiver Realismus. Expressionismus ist klar, Realismus auch. Aber was bitte ist Expressiver Realismus und wieso hatte ich bis dahin nichts davon gehört? Die Maler des Expressiven Realismus sind eine „Lost Generation“. Noch bevor sie Erfolg haben konnten wurden sie als „entartet“ bezeichnet. Ihre Künstlerkarriere wurde unterbrochen, wenn nicht sogar beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach dem Krieg wendete sich die Öffentlichkeit anderen Kunstströmungen zu. Erst in den 1980er Jahren wurden die Maler des Expressiven Realismus wiederentdeckt. Museumsmitarbeiter und Kunsthistoriker mögen mir bitte diese saloppe Formulierung verzeihen…

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