Wenn heilige Kühe ins Gras beißen

Wenn heilige Kühe ins Gras beißen - Sachbuch

Zwei Dinge haben mich auf das Buch „Wenn heilige Kühe ins Gras beißen“ neugierig gemacht: Das Cover mit dem Sternbild der heiligen Kühe und die Vorgeschichte der Autorin.

Betsy Chasse war die Produzentin des Films „What the Bleep do we know“, der in meinem esoterisch-spirituell interessierten Umfeld durchaus den Status einer Heiligen Kuh hat.

Ich selbst habe den Film zwar nicht gesehen, wurde aber doch ständig von Buchhandelskunden darauf angesprochen und kenne daher viele Zusammenfassung des Inhalts. Vor allen Dingen konnte ich beobachten, wie der Film beim Zuschauer Interesse für ganz neue, andere Themen weckte.

Wie geht das Leben nach so einem spirituellen Erfolg weiter?

Betsy Chasse genehmigt dem Leser einen Panoramablick durch das Schlüsselloch auf ihr Leben nach „What the Bleep do we know“. Manchmal dachte ich mir, dass ich es so genau gar nicht wissen möchte.

Nach dem Film ging also ihre Ehe in die Brüche, sie ist jetzt alleinerziehende Mutter und finanziell ging auch recht viel schief. Das ist nicht schön, aber auch wiederum nicht so tragisch, als das man es nicht lösen könnte. Anhand dieser Schicksalsschläge stellt sie alles in Frage, was sie im Zusammenhang mit „What the Bleep do we know“ gelernt hat und das macht sie sehr, sehr gründlich.

Ihr Einleitungskapitel – ja, ich gehöre zu den Lesern, die Vorworte und Einleitungen lesen – ist mehr Rotz und Rock’n’Roll als Spiritualität. Das wirkt durchaus erfrischend, geht aber leider zu Lasten der inneren Erzählzusammenhänge. Darauf folgt ein Kapitel über Selbstwertgefühl und über „wie lerne ich, mich schön zu finden, wenn ich eigentlich kurz und moppelig bin“. Dieses Kapitel war für mich eine Enttäuschung. Ich empfand es als flach und banal und hätte das Buch danach am liebsten schon weggelegt.

Heilige Kühe, Quantenphysik und Engelkarten

Doch Betsy Chasse hat noch mehr heilige Kühe auf ihrer Weide stehen. Das Kapitel namens „Die verrückte Geschichte über Quantenphysik und Engelkarten und wie all das absolut alles und nichts bedeutet“, in dem sie ihren eigenen Film auseinandernimmt, hat mich mit dem Buch versöhnt. Der nächste Abschnitt über Das Gesetz der Anziehung und warum das alles doch nicht so einfach ist, wie es ihr eigener Film und „The Secret“ darstellen, ist absolut großartig!

Diese beiden Filme waren gut in dem Sinne, dass sie sich mit Ideen und Konzepten auseinadersetzen, die, wenn sie wirklich verstanden und richtig eingesetzt werden, Menschen tatsächlich helfen, sich das Leben zu erschaffen, nach dem sie sich so sehnen. Aber in mancherlei Hinsicht haben sie mehr Schaden angerichtet, als dass sie von Nutzen waren, vor allen Dingen in unserer „Gib mir die Lösung in 30 Sekunden“-Generation. S. 109

Wenn ich die Gelegenheit hätte, Betsy Chasse ein Buch zu empfehlen dann wäre es sicherlich Jack Kornfields „Nach der Erleuchtung Wäsche waschen und Kartoffeln schälen“. Spirituelle Erfahrungen sind nichts, worauf man sich ausruhen könnte, denn das Leben geht weiter. So lautet auch eine Erkenntnis der Autorin, dass die Frage, wie man ein spirituelles Leben führen kann, in die Irre führt, denn das Leben ist an sich spirituell. Ich bin sehr gespannt, was diese Frau in zehn Jahren macht!


Infos zum Buch:

Betsy Chasse
Wenn heilige Kühe ins Gras beißen
Spiritualität für Realisten

LEO Verlag
Neuauflage 2019 mit neuem Cover


 Auch in diesem spirituellen Buch steckt Rock’n’Roll: Handbuch urbane Spiritualität

Räuchern mit Kräutern und Harzen – Buch-Tipps

Der Sommer ist nass, die Schnaken sind wieder da – das ist meine aktuelle Ausrede, um wieder nach Herzenslust zu räuchern. Der Rauch von Kräutern und Harzen hilft in der Tat gegen die Stechmücken und so lange sich die Nachbarn nicht beschweren (was nicht mehr lange dauern kann) räucher ich kräftig weiter.

Derzeit habe ich, je nach Stimmung, ein Faible für Kampher und für Lavendelblüten. Überhaupt experimentiere ich gerne mit allem, was der Garten hergibt: Mädesüß, Salbei, Rosmarin, Beifuß oder auch Gänseblümchen haben sich schon bewährt. Wobei ich betonen möchte, dass ich am liebsten im Freien räucher – in der Wohnung sind mir viele Düfte dann doch zu intensiv. Dort bevorzuge ich Räucherstäbchen, Räucherkegel und Duftöle.

Natürlich habe ich auch in diesem Fall zu Büchern gegriffen. Diese beiden kann ich zum Einstieg empfehlen:

Räuchern mit heimischen Pflanzen – meine Buch-Tipps

Mein Räucherkistchen Räuchern mit heimischen Pflanzen. Set mit Buch und Räucherwerk

Wer nicht so gerne experimentiert, keine geeigneten Räucherpflanzen im Garten hat und lieber etwas strukturierter an das Thema herangehen möchte, dem kann ich „Mein Räucherkistchen – Räuchern mit heimischen Pflanzen“ aus dem Kosmos Verlag empfehlen. Ein hübsches Einsteiger-Set, bestehend aus einem Büchlein mit allen nötigen Infos und einer Holzkiste mit einer feinen Auswahl an Räucherwerk: Angelika-Wurzel, Alant-Wurzel, Lavendelblüten, Weißer Salbei, Rosenblüten, Wermut, Dammar, Myrrhe und Weihrauch. Das macht Lust, gleich ein Feuer zu machen und loszulegen.

Heilende Rituale mit Räucherwerk - Buch-Tipp zum Räuchern mit Pflanzen

Wer selbst geeignete Pflanzen sammeln möchte oder vielleicht sogar Räucherwerk selbst herstellen möchte, dem kann ich das umfassende Buch „Heilende Rituale mit Räucherwerk“ ans Herz legen. Ein großartiges, sehr informatives Grundlagenwerk, das alle Aspekte des Räucherns behandelt. Zudem kann man damit auch sehr gut seine eigenen Räucher-Rituale entwickeln. Aber man muss nicht!

Das wären meine beiden Buch-Tipps für Einsteiger*innen. Doch es gibt noch weitere Titel, die ich euch empfehlen kann. Hier meine Buch-Liste (frisch aktualisiert im Januar 2026):

Räuchern mit Kräutern, Harzen und Hölzern – Weiterführende Literatur

Perfekt für Einsteiger, die bisher weder Räucherwerk noch Literatur besitzen, ist das eingangs vorgestellte Set:

Christine Fuchs
Mein Räucherkistchen
Räuchern mit heimischen Pflanzen
Set aus Buch und Räucherwerk
Nymphenburger im Kosmos Verlag
Noch bei verschiedenen Online-Shops erhältlich

Wer nur ein Buch als Nachschlagewerk sucht und sich das Räucherwerk lieber selbst zusammenstellt könnte zu diesen Titeln greifen:

Eine schöne, kompakte Einführung in das Thema Räuchern mit Kräutern und Harzen kommt von Susanne Berk.

Susanne Berk
Einfach räuchern
Anwendung, Wirkung und Rituale
Koha Verlag
Gibt es natürlich auch direkt beim Berk Versand, bei dem ihr auch gutes Räucherwerk bekommt

Deutlich ausführlicher ist das Buch aus dem Hans Nietsch Verlag:

Gerhard Merz
Heilende Rituale mit Räucherwerk
Reinigen und energetisieren mit Wurzeln, Kräutern, Hölzern und Harzen

Hans Nietsch Verlag

In eine ähnliche Richtung geht dieses Handbuch aus dem Freya Verlag:

Daniela Dettling
Handbuch des Räucherns
Kräuter – Wurzeln – Rinde – Harze

Freya Verlag

Für tiefer gehende Information, für einen Ausflug in die Kulturgeschichte und für Erläuterungen zum spirituellen Räuchern empfehle ich Bücher von Thomas Kinkele und Christian Rätsch.
Diese Autoren gehen auch auf Ethnobotanik, Schamanentum und andere kulturelle Hintergründe ein.

Thomas Kinkele
Psychologie des Räucherns
Die starke Wirkung subtiler Düfte
Windpferd Verlag
Derzeit nur gebraucht erhältlich – aber auch die anderen Bücher von ihm sind zu empfehlen!

Christian Rätsch
Räucherstoffe
Der Atem des Drachen. 72 Pflanzenporträts. Ethnobotanik, Rituale und praktische Anwendungen
AT Verlag


So weit die Empfehlungsliste – hier meine Rezension zu dem Taschenbuch von Susanne Berk

 Und hier die Besprechung zu dem Handbuch von Daniela Dettling:

 

 

 

Einfach genial – Handbuch der Inspiration

Handbuch der Inspiration Einfach genial

Wo ist die Muse, wenn man sie braucht? Kann man kreative Ideen erzwingen? Das wohl kaum, aber es gibt Mittel und Wege, Inspiration und Kreativität im eigenen Leben zu verankern.

Regine Rompa erzählt in „Einfach genial – Kleines Handbuch der Inspiration“ von Genies, Forschern und Künstlern und ihren ganz persönlichen Tricks und Kniffen im kreativen Alltag.

Da wäre zum Beispiel die Kunst des klugen Hinterfragens, die Sir Isaac Newton praktiziert hat:

Warum hat Gott die Welt da erschaffen, wo sie ist und nicht einen Meter weiter links?

Natürlich dürfen die faulen Äpfel, deren Duft bei Friedrich Schiller für kreative Höhenflüge sorgten, nicht fehlen. Mein persönlicher Liebling ist die Geschichte von Nick Cave, dem Rockstar, der jeden Morgen wie ein Bankangestellter in sein Kellerbüro geht, um Songs zu schreiben.

Doch die Autorin erzählt nicht einfach Anekdoten. Die Geschichten aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten dienen nur dazu, grundlegende Bedingungen der Kreativität zu erläutern. Neugier, Innenschau, Ausprobieren sowie Außenseitertum sind nur einige davon.

„Einfach genial – Kleines Handbuch der Inspiration“ ist sowohl ein Ratgeber als auch ein Wohlfühl-Büchlein. Diese Kombination ist selten. Die meisten Autoren können nur eines schreiben: entweder ein wohltuendes Geschenk-Büchlein oder einen praktischen Ratgeber. Regine Rompa kann nicht nur beides, sie macht daraus auch noch ein rundum gelungenes, inspirierendes Buch.

Regine Rompa überzeugt mich auch diesmal wieder mit ihrem frischen Stil, ihrem Ideenreichtum und ihrer klar strukturierten Herangehensweise. Ihr Ratgeber für Mädchen „Alles geht! Wie Du Deine Träume verwirklichst“ hat mich im letzten Jahr schon begeistert – die Rezension dazu findet ihr auf meinem Kinderbuch-Blog.


Infos zum Buch:

Regine Rompa
Einfach genial
Kleines Handbuch der Inspiration

Verlag Herder
ISBN: 978-3-451-06698-6


Wer Inspiration und kreative Arbeit wertschätzt, sollte die Techniken des Unkreativseins genauso verstehen wie das Handwerkszeug der Kreativen. Hier der passende Buch-Tipp!

Vertraue dem Meister in Dir – Praxisbuch

Remo Rittiner Vertraue dem Meister in Dir

Remo Rittiner hatte mich schon mit seinem Yoga-Therapiebuch begeistert. Deswegen war es klar, dass ich sein neues Buch „Vertraue dem Meister in Dir“ unbedingt lesen wollte.

Doch wie es manchmal so ist – das Buch und ich, wir fanden erst einmal nicht zusammen. Ich habe es sogar ungelesen aus dem Urlaub zurück gebracht. Es ist definitv eines dieser Bücher, für das man den genau passenden Zeitpunkt abpassen muss, sonst rauscht es einfach so an einem vorbei.

Jetzt war der Zeitpunkt da.

Achtsame Lebensführung, nachhaltige Ernährung, spirituelle Praktiken sind wichtige Bausteine in seinem Konzept. Doch vor allen Dingen führt der Weg zum inneren Meister durch Jetzt, Stille und Klarheit:

Zunächst kommt es darauf an, überhaupt anwesend und wach zu sein für das, was um uns herum und in uns vor sich geht. Um sich der Fülle unseres Leben bewusst zu werden, gibt es drei wertvolle Schlüssel – das Jetzt, die Stille und die Klarheit.

Erst dann sind wir in der Lage, die innere Stimme auch wirklich zuverlässig zu hören. Eigentlich klingt das alles ganz einfach und eigentlich ist das auch alles nicht neu. Doch das Leben ist bunt und vielfältig und lenkt immer wieder von dem ab, was man schon weiß. Mit einem sanften Lächeln und ganz ohne Druck lädt uns Remo Rittiner zur Selbsterforschung ein und ermutigt uns, Schritt für Schritt unserem inneren Meister entgegen zugehen.

Schmunzeln musste ich beim Vorwort von Ruediger Dahlke, der es zwar einerseits schafft, das Besondere am Lebenswerk Remo Rittiners herauszuarbeiten, andererseits jedoch ziemlich viel über sich selbst schreibt.

Remo Rittiner stößt keine Veränderung an, das wäre zu brutal. Sein Vorgehen ist viel sanfter, empathischer. Diesem sanften Druck kann man sich nur schwer entziehen und so fühlt man sich schnell ermuntert, Veränderungen anzugehen. Hier ein kleiner Schritt, dort etwas ausprobieren. Und jedesmal, wenn ich bereit war, einen Gedanken von ihm anzunehmen und etwas von seinen Vorschlägen auszuprobieren, sah ich den Autor lächeln.

Ein schönes Gefühl!


Infos zum Buch:

Remo Rittiner
Vertraue dem Meister in Dir
Dem Leben zuversichtlich begegnen und das höchste Potenzial verwirklichen
Praxisbuch mit Übungen

Windpferd Verlag
ISBN 978-3-86410-050-5

(Beim Windpferd Verlag gab es ein Ende und einen Neubeginn. Auf der Website erscheint das Buch nicht mehr. Manche Online-Buchhandlungen haben es aber noch – zum Beispiel hier)


Zwei Yoga-Bücher von Remo Rittiner auf meinem Buch-Blog:

Warum Du (k)ein Buddhist bist – ich übrigens auch nicht

Weshalb sie (k)ein Buddhist sind - Buch-Tipp

Eine räucherstäbchen-freie Einführung in die Philosophie des Buddhismus – genau das bietet das Taschenbuch „Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind“ des jungen Lamas Dzongsar Jamyang Khyentse.

Keine Mantras, keine Meditationsübungen – der Autor klärt kurz, warum der Buddhismus keine Religion ist und dringt dann gleich zum Kern der buddhistischen Philosophie vor. Sein Thema sind die Vier Siegel; die vier Lehrsätze des historischen Buddhas, auf denen alles weitere aufbaut.

Wer diese vier Sätze nicht verstanden und verinnerlicht hat, kann für den Autor kein Buddhist sein – auch dann nicht, wenn er meditiert und Achtsamkeit praktiziert und dadurch zum friedlicheren Menschen wird.

In der Übersetzung von Staphan Schuhmacher lauten diese Kernthesen des Buddhismus wie folgt:

  • Alle zusammengesetzten Dinge sind vergänglich.
  • Alle Gefühle sind Schmerz.
  • Alle Dinge haben keine eigenständige Existenz.
  • Nirvâna ist jenseits von Konzepten.

Danach folgt noch die Empfehlung des Buddhas „Glaube nichts, hinterfrage alles“ und die philosophische Achterbahnfahrt kann beginnen. Spätestens beim Konzept der Leere wurde mir persönlich schwindelig. Zum Glück ist Dzongsar Jamyang Khyentse ein aufmerksamer Lehrer, der genau weiß, was er seinen Lesern zumutet und immer zur passenden Zeit einen lockeren Spruch parat hat.

Dieser Buddhist provoziert gerne und gut

Das Buch wird zusammengehalten von der rotzfrechen, leicht provokanten Sprache des Autors. Hier eine kleine Kostprobe:

„Als geschulter Buddhist bin ich jedoch auch nicht ganz einverstanden, wenn der Buddhismus mit nichts anderem als mit Vegetarismus, Gewaltlosigkeit, Frieden und Meditation in Verbindung gebracht wird. Prinz Siddhârtha, der alle Annehmlichkeiten und allen Luxus eines Palastlebens opferte, muss nach mehr als nach Passivität und Grünzeug gesucht haben, als er sich aufmachte, Erleuchtung zu finden.“

All das hat so gar nichts mit dem Wellness-Buddhismus mancher Ratgeber zu tun. Dieses Buch verlangt einen aktiven Leser, der Spaß am Mitdenken und am Hinterfragen hat. Für mich ein großes, philosophisches Vergnügen.

Doch zur Buddhistin werde ich in absehbarer Zeit nicht, denn ich scheitere immer noch am Konzept der Leere. Macht nichts, bleibe ich bei den Räucherstäbchen 😉


Infos zum Buch:

Dzongsar Jamyang Khyentse
Übersetzung von Stephan Schuhmacher
Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind

Windpferd Verlag


Noch mehr Wege, sich dem Buddhismus anzunähern, bieten diese Beiträge auf meinem Buch-Blog:


Einführung in die buddhistische Psychotherapie

Buddhistische PSychotherapie Windpferd

Die „Einführung in die Buddhistische Psychotherapie“ von Dr. Matthias Ennenbach hat gerade mal 140 kleine Seiten. Die könnte man bei normalen Lesetempo doch mal schnell eben an einen Nachmittag wegschmökern, oder?

Ich konnte es nicht.

Bei den 140 Seiten handelt es sich um ein hochdosiertes Buch-Konzentrat, das einen 600-Seiten-Wälzer ersetzt.

Anders kann ich mir nicht erklären, warum ich nicht mehr als ein Kapitel am Tag geschafft habe …

Das Leben ist, wie es ist

„Probleme sind normal, sie treten immer wieder auf. Aber wir dürfen sie nicht noch selbst verstärken und zu mehr machen, als sie bereits sind.“ S. 30

Das Leben ist, wie es ist. Wir träumen von ruhigeren, glücklicheren, gesünderen Zeiten und leiden daran, das es anders kommt als erhofft. Darum setzt die buddhistische Psychotherapie nicht bei den Problemen an, denn ein Leben ohne Probleme gibt es nicht. Sie setzt beim Menschen selbst an – und beginnt dabei bei der Körperhaltung und der Bauchatmung.

Matthias Ennenbach kann diese Vorgehensweise wissenschaftlich begründen. Es geht um das Zusammenspiel von Sympathikus und Parasympathikus und um Nervenbahnen, die sich neu bilden, wenn wir etwas Neues lernen. Das, was die moderne Wissenschaft mittlerweile herausgefunden hat, war schon immer in den buddhistischen Schriften enthalten.

Doch wer jetzt hofft, dass er mit ein bisschen Entspannung, einem tiefen Atem und ein wenig Meditation die Wende in seinem Leben herbeiführen kann, der erhält ein mitfühlendes Lächeln des Autors. Auf die erste Erkenntnis folgt das Üben, noch mehr Üben und dann noch viel mehr üben. Wie und warum geübt werden soll, das erklärt der Autor klar und deutlich. Die beiliegende CD hilft bei der Vertiefung. Segeln lernt man bei schönem Wetter, um es zu können, wenn der nächste Sturm aufzieht.

So ausgerüstet kann die nächste Krise kommen, der wir dann schon etwas gelassener begegnen können. Und eines Tages können wir uns vom Leiden befreien. Das sind große Ziele, die aber nach diesen 140 Seiten Buch-Konzentrat greifbar nah erscheinen.

Auch wenn man schon vieles zu den Themen Achtsamkeit und Meditation gelesen hat, lohnt sich diese Lektüre auf Grund der gelungenen Verbindung von Wissenschaft, Buddhismus und Psychotherapie immer noch. Die klare, prägnante und von Mitgefühl geprägte Sprache macht dieses Buch zu einem Genuss!


Infos zum Buch:

Matthias Ennenbach
Einführung in die buddhistische Psychotherapie
Eine Integration buddhistischer und psychotherapeutischer Methoden

Windpferd Verlag


Man muss übrigens keine Buddhistin sein, um diese Buch zu mögen. Und der Buddhismus ist auch keine Religion, sondern eine Philosophie. Das wird in diesem Buch hervorragend erklärt:

Angst als Chance – Brücken zur Selbstheilung

Sachbuch Angst als Chance

Kristina Brodes „Angst als Chance – Diagnose Krebs“ wünsche ich viele Leser. Vor allen Dingen wünsche ich diesem Buch Leser, die sich NICHT in der Notsituation namens Krebs befinden- und hoffentlich auch niemals befinden werden.

Die Techniken zur Selbstheilung auf emotionaler und körperlicher Ebene, die Kristina Brode entwickelt und zusammengetragen hat, funktionieren in jeder dramatischen Lebenssituation und bei jeder schweren Krankheit. Ich finde es ratsam, sich solche Techniken anzueignen, bevor sie überlebens-notwendig werden.

Doch Kristina Brode geht es nicht um einfaches Überleben. Überleben ist ihr zu wenig, denn hier fehlt die Idee, die Vison, wie das eigene Leben nach der Krankheit aussehen könnte. Und ohne diese Vision mangelt es häufig an Mut. Ohne Mut überwiegt die Angst und Angst lähmt das Immunsystem und damit die Selbstheilungs-Kräfte.

Eine der ersten Fragen, die die Autorin ihren Patienten stellt, lautet daher: Wofür lohnt es sich für mich, zu leben? Ab hier beginnt die Suche nach einem neuen Lebensgefühl, das zur Gesundheit führt: Leben wie nie zuvor.

Ein durch und durch lebensbejahender Ansatz, der mich begeistert. Damit der Patient dieses neue Lebensgefühl erreichen kann, gibt sie ihm einen bunten Strauß an Techniken und Maßnahmen zur Hand. Alles, was sich als wirksam erwiesen hat, ist ihr recht – egal, aus welcher Tradition und aus welcher Wissenschaft es stammt.

Wissenschaft, Herzenswärme und Spiritualität

Im Zentrum ihrer Arbeit steht die Psychosynthese, eine Form der transpersonalen Psychotherapie. Darauf baut sie in ihren Patientengesprächen auf. Das ist der wissenschaftliche Anteil an ihrem Konzept.

Doch Krankenhäuser und Arztgespräche sind voll von wissenschaftlichen Theorien. Daran mangelt es dem von der Diagnose geschockten Patienten nun wahrlich nicht. Glaube tut not.

Hier kommt das zweite große Talent von Kristina Brode ins Spiel. Ihr gelingt es, Menschen zu ermutigen, auf „das große Ganze hinter allem“ zu vertrauen. Akzeptiere, dass manches andernorts entschieden wird. Gib Dein Schicksal ab und lebe wie nie zuvor. So werden Energien freigesetzt, die die Selbstheilung in Gang bringen. So entstehen Freiräume, die mit Leben gefüllt werden wollen. Ich kann mir gut vorstellen, dass ihr das auch bei solchen Menschen gelingt, die sich ihr Leben weit entfernt von aller Religion eingerichtet haben.

Das dritte große Talent ist ihre Herzenswärme und ihr ehrliches Interesse an den Menschen und ihren Schicksalen. Diese Herzenswärme strahlt aus jeder Zeile und hat mich bei meiner Lektüre tief berührt.

Ich wünsche mir, dass viele Menschen den Mut finden, dieses kluge Buch einfach so, ohne äußeren Anlass zu lesen.

Mein Leben hat es jetzt schon bereichert.


Infos zum Buch:

Dr. Kristina Brode

Angst als Chance
Diagnose Krebs: Brücken zur Selbstheilung und zu einem neuen Lebensgefühl
Ein Handbuch für Betroffene

Scorpio Verlag
ISBN  978-3-943416-30-5

Mehr Infos zur Psychosynthese und zur Arbeit von Dr. Kristina Brode findet ihr hier: www.circadian.de


Update 2016:

Und auf einmal befinde ich mich mit meiner Rezension auf der Rückseite der englischen Ausgabe …


Es gibt kein zweites Buch, keinen zweiten Ratgeber wie diesen auf meinem Buch-Blog. Aber da Angst und Wut eng beieinander liegen, empfehle ich euch an dieser Stelle Wut ist ein Geschenk.

Catharina Roland – Awake – Ein Reiseführer ins Erwachen – Rezension

Buchcover: Awake. Ein Reiseführer ins Erwachen. Erschienen im Trinity Verlag

2012, 2013, 2014 – Awake

Bücher müssen sich ganz schön anstrengen.

Sie müssen nicht nur gut sein, sie müssen auch noch zum richtigen Zeitpunkt im Leben des Lesers erscheinen.

„Awake – Ein Reiseführer ins Erwachen“ stammt aus dem Jahr 2012. In dem Jahr habe ich das Buch schlicht und einfach ignoriert, weil ich mit anderen Dingen beschäftigt war. Probleme lösen, Gedanken machen, Wege suchen, Tunnelblick bekommen. Was man halt so tut, wenn man meint, unbedingt eine Lösung finden zu müssen.

2013 war ich dann mit den Ergebnissen dieser Herangehensweise vollauf beschäftigt.

Jetzt schreiben wir das Jahr 2014. Auf sehr interessanten, verschlungen Pfaden erschien „Awake“ wieder in meinem Blickfeld. Genau zum richtigen Zeitpunkt – diesmal passt es perfekt.

„Awake – Ein Reiseführer ins Erwachen“ ist ein charmanter Werkzeugkasten. Die Autorin Catharina Roland ist kein Guru, keine Lehrerin. Sie ist einfach nur ein Mensch, der sich Fragen stellt und Antworten sucht. Dafür hat sie viel gelesen, vieles ausprobiert und mit vielen Menschen gesprochen. Alle Antworten hat sie für sich überprüft und ausprobiert. Die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen.

Die Antworten, die ihren ganz persönlichen Eignungstest bestanden haben, stellt sie in ihrem Buch vor. Eine bunte Mischung an Techniken, die durch Person und Leben der Catharina Roland zusammengehalten werden. Das hat Charme, das ist nachvollziehbar. Vor allen Dingen ist das ganz nah am Leben des Lesers, denn genau so gehen wir doch auch vor!

Awake – was soll das heißen? Was bedeutet Erwachen?

„Erwachen heißt: sich der übernommenen Programme und Überzeugungen bewusst zu werden.“

S. 26

Catharina Roland fängt also erst einmal an, mit einem ganz kleinen Besen vor der eigenen Haustür zu kehren. Genau wegen dieser Herangehensweise liebe ich das Buch. Erst einmal dort hinschauen, wo es weh tut. Lösen, klären. Schritt für Schritt vom Ego zum Universum – erst das eine klären, dann sich dem nächsten zuwenden. Lösungswege entstehen, indem man sie geht. Das ist zutiefst ehrlich und wohltuend.


Infos zum Buch:

Catharina Roland

Awake – Ein Reiseführer ins Erwachen

Das Praxisbuch mit vielen Tools

Trinity Verlag
ISBN: 978-3-941837-58-4

Homepage zum Film


Bei mir auf dem Buch-Blog findet ihr Buch-Tipps rund um bewusstes Leben, Achtsamkeit und Spiritualität.

Lorenz Marti – "Eine Handvoll Sternenstaub" und "Übrigens, das Leben ist schön" – Rezension

Buchcover: Eine Handvoll Sternenstaub: Was das Universum über das Glück des Daseins erzählt. Autor: Lorenz MArti

Eine Reise zu den Sternen: Wissenschaft und Mystik durch Poesie vereint

Mir den Sternenhimmel erklären zu wollen, ist keine gute Idee. Selbst dann nicht, wenn das Ziel nicht wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn, sondern Romantik sein soll. Das liegt nicht daran, das mich die Pracht der Sterne kalt lässt. Ich finde die Sterne schön, beeindruckend schön. Doch die Namen und die Entfernungen interessieren mich einfach nicht.

Wozu auch? Ich werde nicht zu den Sternen reisen und noch schöner werden die Sterne durch die technischen Daten auch nicht.

Wesentlich interessanter wird das Thema für mich dann, wenn man mir anbietet, mit Hilfe der Poesie und der Mythen zu den Sternen zu reisen.

„Die Wissenschaft braucht die Mystik nicht und die Mystik nicht die Wissenschaft, aber der Mensch braucht beides.“ Fritjof Capra

Lorenz Marti ist es mit seinem Buch „Eine Handvoll Sternenstaub – Was das Universum über das Glück des Daseins erzählt“ tatsächlich gelungen, mich für Quantentheorie, Physik und Astrologie zu begeistern. Er lässt Physiker genauso zu Wort kommen wie Mystiker und Poeten. Er nimmt den Leser mit auf eine Reise, die vom Kleinsten zum Größten führt; einmal das Universum auf den Spuren des Lichts durchquert und anschließend wieder zurückkehrt auf die Erde und zu den Menschen mit ihren Fragen nach dem Sinn des Ganzen.
„Eine Handvoll Sternenstaub“ ist ein wundervoll leichtes und poetisches Buch, das zwei Welten, die nur selten zusammenfinden dürfen, verbindet.

Kurze Texte, die lange nachwirken: Übrigens, das Leben ist schön

Auch in „Übrigens, das Leben ist schön – Entdeckungen auf der Rückseite des Selbstverständlichen“ widmet sich Lorenz Marti den großen philosophischen und spirituellen Themen.

Doch diesmal reist er nicht zu den Sternen. Es sind die kleinen banalen Stolpersteine des Alltags, anhand derer er seine Leser zum Philosophieren und Staunen einlädt. Ein Loch im Socken, das Lied der Amsel, der Weg zum Kleiderschrank – wer achtsam durch sein Leben geht, kann in jedem Augenblick neue Entdeckungen machen und sich mit der Schönheit des Lebens verbinden.

„Übrigens, das Leben ist schön“ ist mein derzeitiges Tee-Pausen-Buch. Zwei Geschichten lesen, tief durchatmen und mit dem Alltag weitermachen. Wirkt und tut gut!


Infos zu den Büchern:

Lorenz Marti

„Übrigens, das Leben ist schön – Entdeckungen auf der Rückseite des Selbstverständlichen“

Zuerst im Kreuz Verlag erschienen, jetzt bei Herder als E-Book


„Eine Handvoll Sternenstaub – Was das Universum über das Glück des Daseins erzählt“

Zuerst Kreuz Verlag, jetzt Herder Taschenbuch


Der Autor Lorenz Marti ist 2020 verstorben. Hier ein Nachruf


Mein Tipp für ein weiteres philosophisch-spirituelles Wohlfühlbuch: Mohsen Charifi – Ein Tag mit der Liebe

Isabel Arés – Das Orakel der indischen Götter – Kartenset

Orakel Karten indische Götter

Alles so schön bunt hier: Das Orakel der indischen Götter

Bunt ist es und ein wenig kitschig. Authentisch wirkt es auf mich deswegen trotzdem nicht, denn wäre es ein indisches Orakel-Set, wäre es bestimmt noch bunter*. Wahrscheinlich würde es auch glitzern und blinken. Möglicherweise wären die Karten auch aus Plastik und beim Öffnen der Schachtel würde ein Geräusch ertönen.

Aber egal, denn wenn eine Europäerin die indischen Götter zu Rate zieht, kann das in meinen Augen eh nur eine Annäherung auf verschlungenen Pfaden sein. Einer meiner Pfade heißt Yoga. Ich übe Asanas, die nach indischen Göttern und Legenden benannt sind. Grund genug, neugierig zu sein, warum diese Yoga-Übungen nach Hanuman, Garuda und Nataraja benannt sind.

Der andere Pfad heißt Tarot. Was passiert, wenn ich klassisches europäisches Kartenlegen mit indischen Götter-Karten verbinde?

In meinem Fall nicht viel.

Das liegt daran, das es den Karten im Gegensatz zum Tarot an innerem Zusammenhang mangelt. Jede Karte ist ein Solitär und erzählt eine Geschichte für sich. Bei einer Legung aus mehreren Karten ergänzen sich die Einzelgeschichten jedoch nicht zwangsläufig zu einem großen Ganzen, wie das beim Tarot der Fall ist. Da nützt es auch nichts, wenn im Büchlein, das dem Orakel beiliegt, aus der klassischen Dreier-Legung Shivas Dreizack wird.

Als Tageskarte, Wochen-Motto oder Meditationsthema ist „Das Orakel der indischen Götter“ jedoch großartig! In diesem Zusammenhang nutze ich es gerne. Heute begleitet mich die Karte Nr. 31 „Skanda“. Den kenne ich nun wiederum nicht vom Yoga, sondern von meiner Indien-Reise als Bruder von Ganesh unter dem Namen Murugan. Daher schließe ich mich der vorgeschlagenen Deutung der Karte „Ich nehme mir meinen Raum“, die sich auf den Kriegsgott bezieht, nicht an. Das Kartendeck und ich, wir haben so unsere Schwierigkeiten … macht nichts, mir gefällt es trotzdem!

Aber wo ist eigentlich das ausführliche Begleitbuch, das der Klappentext verspricht? Das Heftchen kann da kaum gemeint sein.


Informationen zu den Orakel-Karten:

Isabel Arés
Das Orakel der indischen Götter

44 Karten mit Anleitungsbuch

Ullstein Allegria Verlag


Einmal Karten legen so richtig gegen den Strich bürsten? Dann bitte hier entlang – Hausfrauen-Tarot für Frauen mit viel Humor (ich habe schallend gelacht und es gleich in mein Herz geschlossen!)


Thomas Grüter – Magisches Denken – Rezension

Cover des E-Books "Magisches Denken" von Thomas Grüter

Eines gleich vorneweg: Ich habe das Buch „Magisches Denken – Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst“ mit großem Interesse und viel Freude gelesen, weil der Autor und ich einen sehr unterschiedlichen Blick auf die Welt haben.

Thomas Grüter hat eine Mission, die er gründlich und gewissenhaft verfolgt:

„Auf Dauer werden das magische Denken und die Unvernunft nachlassen müssen, wenn Menschen überleben wollen.“ (S. 286)

Die Rettung der Menschheit betrifft auch mich und ich möchte dann doch gerne wissen, warum ich gerettet werden muss und wie das geschehen soll.

Was bedeutet Magisches Denken?

Die Kennzeichen magischen Denkens leitet er sehr schön ab. Dazu gehören zum Beispiel die Beeinflussung der Außenwelt durch Worte, Rituale oder Gedanken; der Glaube, das die Zukunft vorhersehbar ist und eine Verbindung zwischen Symbol und Wirklichkeit. (S. 32)

In den anschließenden Kapiteln sucht er eine psychologische und/oder neurobiologische Erläuterung für das magische Denken. Unser Gehirn sucht ständig nach Erklärungen und Verbindungen zwischen Ereignissen.
Das ist angeblich ein Überbleibsel aus der Zeit, als der Mensch Raubtier-Beute war. Damals war es gut, schnell entscheiden zu können, ob der Schatten im Gras ein hungriger Tiger oder etwas ungefährlicheres ist. Deswegen versuchen wir heute noch, jeden Schatten im Gras zu erklären und sei es mit einer Elfe.

Sehr interessant sind seine Ausführungen zum Thema Geisteskrankheiten und magisches Denken. Doch zum Leidwesen des Autors ist magisches Denken wohl doch keine Geistesstörung.

Dann folgen ein paar Kapitel, deren Sinn und Zweck für das Buch sich mir nur bedingt erschließen: Kurzbiographien von Paracelcus bis Hahnemann sowie ein ironischer Nostradamus-Orakel-Generator und eine Anleitung, wie man sich eine esoterische Geheimlehre bastelt. OK, dann soll „Magisches Denken – Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst“ wohl doch kein wissenschaftliches Werk sein – gut und interessant zu lesen ist es allemal.

Was wirft Thomas Grüter dem magischen Denken nun eigentlich vor?

Das listet er auf S. 283 auf.

  • Es behindert den medizinischen Fortschritt
  • Es hilft Betrügern beim Verkauf unwirksamer Medizin oder „zauberkräftiger“ Gegenstände
  • Es schafft einen Markt für unsinnige esoterische Bücher und Seminare
  • Es hat die Hexenjagden legitimiert und ist daher für den Tod hundertausender angeblicher Hexen verantwortlich
  • Es behindert den wissenschaftlichen Fortschritt und verwirrt die Köpfe der Wissenschaftler
  • Es macht die Religion erst möglich.

Ist dem so? Einige Punkte sehe ich anders:

Magisches Denken behindert den medizinischen Fortschritt und hilft beim Verkauf unwirksamer Medizin.

Im Buch nennt Thomas Grüter als konkretes Beispiel dafür die Homöopathie. In dem Fall sage ich mir ganz pragmatisch „Wer heilt hat recht.“ Das Heuschnupfen-Mittel, das mir persönlich eine zeitlang am besten geholfen hat, war ein homöopathisches. Mir ist das egal – wenn mir jemand ein Placebo gibt, das genauso gut hilft, nehme ich auch das.

Magisches Denken schafft einen Markt für unsinnige esoterische Bücher und den Verkauf „zauberkräftiger“ Gegenstände.

Ob etwas für ihn Sinn macht oder nicht kann nur der Käufer entscheiden. Auch worin der Sinn besteht kann nur der Käufer entscheiden.  Mündige Menschen brauchen keinen Wissenschaftler, der für sie entscheidet, was wirksam und sinnvoll ist. Sie sind in der Lage, das für sich selbst herauszufinden; auf ihrem ganz eigenen persönlichen Weg. Das ist für mich der Punkt, an dem das Weltbild des Autors und meines am meisten auseinandergehen: das Thema Selbstverantwortung blendet er komplett aus.

Magisches Denken hat die Hexenjagden legitimiert.

Waren das nicht vielmehr Gier, Macht und Dummheit?

Magisches Denken verwirrt die Köpfe der Wissenschaftler.

Die Bewertung dieses Arguments möchte ich gerne den Wissenschaftlern überlassen. Ich würde das, was Thomas Grüter im entsprechenden Kapitel beschreibt, eher als Betriebsblindheit bezeichnen denn als Verwirrung durch magisches Denken beschreiben.

Magisches Denken macht die Religion erst möglich.

Da bin ich doch direkt einverstanden!

Alles in allem erklärt Thomas Grüter in „Magisches Denken – Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst“ sein Weltbild sehr schlüssig und gut nachvollziehbar.  Das Weltbild der Lakandonen, wie es der Schamanismus-Forscher Christian Rätsch beschreibt, ist für mich jedoch genauso schlüssig. Daher überzeugt mich Thomas Grüter nicht so sehr, dass ich vollständig zu „seinem Glauben“, zu seiner Wissenschaftskirche, übertreten würde. Denn nichts anderes als das ist es für mich: ein weiterer dogmatischer Blick auf die Welt und die Menschen, der Zwischenstufen und Grautöne nicht zulässt.


Infos zum Buch:

Thomas Grüter

Magisches Denken
Wie es entsteht und wie es uns beeinflusst

Fischer Verlag

(Hier zeigt sich wieder die Stärke der E-Books: Das Buch erschien 2010. Die Print-Ausgabe ist längst vergriffen. Als E-Book ist es 16 Jahre später immer noch lieferbar.)


Wolf-Dieter Storl ist für mich jemand, der beides verbindet: Wissenschaft und Magisches Denken. Wer wissen möchte, wie das zusammengeht – hier sind meine Buch-Tipps:

Christian Rätsch – Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen – Rezension

Cover des Buchs Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen von Christian Rätsch

Wie schmeckt eigentlich gegrillter Papagei? Die Frage geht mir seit der Lektüre von Christian Rätschs Autobiographie „Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ nicht mehr aus dem Kopf.

Bevor sich jetzt wütende Veganer auf mich stürzen, möchte ich betonen, dass ich nicht vorhabe, den Papagei in der Nachbarschaft mit Pfeil und Bogen zu erschießen, um ihn am offenen Feuer zu grillen.

In „Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ beschreibt Christian Rätsch, wie er mit den Lakandonen, bei denen er ein Jahr lebt, auf Papageienjagd geht. Die Aufregung der Jagd und seine Vorfreude auf das leckere Papageienfleisch sind greifbar, regelrecht spürbar. All das Fremde des Lebens mit einem Maya-Volk wurde für mich in dieser Passage in einem magischen Lesemoment zusammengefasst.

Die zweite Schlüsselszene verbindet für mich die fast nicht mehr greifbare europäische magische Tradition mit der, zumindestens damals noch, lebendigen, magischen Maya-Tradition.
Ein Lakandone, der sich den Fuß verknackst hat, fragt Rätsch, ob er einen Zauberspruch kennt. Christian Rätsch antwortet ehrlich, das er nur einen zur Heilung von Pferden kennt. Dem Lakandonen ist es recht und so kommt dieser Zauberspruch in den Dschungel:

Phol und Wodan begaben sich in den Wald
Da wurde dem Fohlen des Herrn/Balders sein Fuß verrenkt
Da besprach ihn Sinthgunt, die Schwester der Sunna
Da besprach ihn Frija, die Schwester der Volla.
Da besprach ihn Wodan, wie er es wohl konnte.
So Beinrenkung, so Blutrenkung,
so Gliedrenkung:
Bein zu Bein, Blut zu Blut,
Glied zu Glied, wie wenn sie geleimt wären

Christian Rätsch ist in der Welt von Wissenschaft und Forschung genauso verwurzelt wie in der Welt von Mythos und Magie. Für ihn ist das kein Widerspruch. Beides sind in sich schlüssige Systeme; beides sind funktionierende Weltbilder; beides will gelebt und erzählt werden.

„Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ basiert auf Tagebucheinträgen. Das macht es wunderbar authentisch. Die verbindenden Kapitel haben jedoch erzählerische Schwächen – aber vielleicht bin ich auch einfach durch Wolf-Dieter Storl,  der ein begnadeter Erzähler ist, verwöhnt.


Infos zum Buch:

Christian Rätsch

Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen
Meine Erlebnisse bei den Erben der Maya

Heyne Taschenbuch
ISBN: 978-3-453-70123-6

Update 2026: derzeit nur im Kosmos Verlag als eBook erhältlich


Mehr von Christian Rätsch auf meinem Blog: Abgründige Weihnachten. Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes.