Clever und Smart – sie werden 60

Clever und Smart - Comic

Zu Clever und Smart hatten wir Schüler damals eine eindeutige Meinung: Top oder Flop. Kult oder geht gar nicht. Dazwischen gab es nichts. Ganz so einfach war es dann doch nicht. Comic lesen war im Gegensatz zu Büchern kein reines Privatvergnügen. Es war immer auch ein Signal nach außen: Schau her, ich teile deinen Humor. Was irgendwas zwischen „ich mag dich“ und „ich gehöre dazu“ bedeutete. Nur Musik hatte eine noch stärkere Signalwirkung. Dazu kam, dass nur die wenigsten von uns sich Clever und Smart Comics gekauft haben. Wir haben sie uns ausgeliehen, was den sozialen Kitt noch weiter verstärkte. Clever und Smart werden 60. Ich werde 50. Wie wohl eine Begegnung heute ausgehen würde? Hallo Gags aus meiner Schulzeit, hallo Clever und Smart! Das Ende vorneweg: ich zupfe ab jetzt Freunde am Ärmel, ob sie sich vorstellen könnten, wieder Clever und Smart zu lesen. Denn ich hatte einen Riesenspaß mit den beiden Agenten, ihren …

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Dagmar sucht das Glück und findet nur ein personalisiertes Buch

Kinderbuch personalisiert: Dagmar sucht das Glück. Hier könnte auch dein Name stehen.

In den 90er Jahren boten wir in der Buchhandlung bereits personalisierte Kinderbücher an. Der Name des Kindes erschien auf dem Cover und auf einigen Seiten im Buch – das war es. Wenn ich mich recht erinnere, lag dem Ganzen ein Franchise-Modell zugrunde. Wir bekamen die Maschinen für Druck und Bindung und die Rohlinge geliefert, für den Vertrieb mussten wir selbst sorgen. Unser Einsatz für den Verkauf der Bücher hielt sich jedoch in Grenzen. Wir waren alle miteinander Buchhändler geworden, weil wir gute Geschichten liebten. Die Geschichten, die in den personalisierten Kinderbüchern erzählt wurden, entfachten unsere Leidenschaft nicht. Zudem sahen wir mit unserem erwachsenen Blick genau, wo der Name des Kindes in das bereits bestehende Buch hineingedruckt wurde. Für mich hatten diese Bücher keinen Zauber. Das war damals – wie wird heute personalisiert? Heute würde ich den Büchern ihren Herstellungsprozess nicht mehr ansehen – dank Digitaldruck. Wir „dengelten“ die Kinderbüchern mit Namen damals in der Buchhandlung…

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Leichte Sprache, einfache Sprache, Online-Sprache

Buchcover: Ratgeber Leichte Sprache aus dem Duden Verlag

„Du verbindest hier mit einem ‚und‘ – schau doch mal, ob Du zwei Sätze daraus machen kannst.“ Dieser Schreibtipp war für mich der Auslöser, mich mit Leichter Sprache zu beschäftigen.* Doch solche Vereinfachungen, die die Lesbarkeit von Online-Texten deutlich erhöhen, sind eigentlich gar nicht das Thema bei Leichter Sprache. Hier geht es um Inklusion von Menschen mit Sprachverständnis-Schwierigkeiten und um Barriere-Freiheit. Was bringt es mir also für meine Arbeit als Online-Texterin und für mein Hobby Bloggen, mich mit Leichter Sprache zu befassen? Eine Menge. Beginnen wir am Anfang, mit der Definition. Was ist Leichte Sprache? Ein schönes Beispiel findet Ihr auf der Webseite Hurraki, dem Wörterbuch für Leichte Sprache: Hurraki ist ein Wörterbuch für Leichte Sprache Viele Menschen reden umständlich. Nicht jeder versteht das. Die Wörter bei Hurraki soll jeder verstehen können. Niemand soll ausgegrenzt werden. Quelle: https://hurraki.de/wiki/Hauptseite Genau so funktioniert Leichte Sprache: kurze Sätze, eine Information pro Satz, allgemein bekannte Wörter. Dabei folgt die Sprache einem…

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Disruptive thinking. Machen Menschen den Unterschied?

disruptive thinking. was nun? Doppelseite aus dem Buch.

Manchmal denke ich mir, dass gerade wir Buchhändlerinnen perfekt auf das digitale Zeitalter vorbereitet sind. Schließlich konnten wir schon in Stichwörtern und Schlagwörtern denken, bevor es Begriffe wie Keywords und SEO gab. Wenn ich dann in dem Buch Disruptive Thinking lese, dass Nichtwissen aushalten eine Schlüsselqualifikation für das Disruptive Zeitalter sei, denke ich mir schon wieder, dass ich als Buchhändlerin darauf perfekt vorbereitet bin. Wir lernen schon im allerersten Lehrjahr, dass wir nicht auf alle Kundenfragen sofort eine Antwort haben. Mit etwas Ausdauer und Talent haben wir dann schon nur wenige Jahre später Strategien entwickelt, wie wir mit unserem Nichtwissen umgehen und es in Verkaufserfolge umwandeln können. Doch ich schweife ab und das schon bevor wir zum Buch „Disruptive Thinking. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist“ kommen. Das kann ja heiter werden. Disruption. Schon erlebt. Ich hatte schon seit einiger Zeit kein Wirtschaftssachbuch mehr gelesen. Die letzten Hypes und Buzzwords berührten mich nicht. Industrie…

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Jede Buchmesse ist anders schön. Wie war diese?

Jede Buchmesse ist anders schön, jede hat eine andere Grundstimmung, jede fühlt sich anders an. In mir diskutiert gerade die Leserin mit der Bloggerin mit der Buchhändlerin mit der Online Marketing Managerin, was denn nun diese Buchmesse auszeichnet. Ich versuche, das mal zu sortieren. Die Leserin sagt, dass die ganz großen Themen, die anscheinend jeder Verlag machen MUSS, diesmal fehlten, und fand das sehr wohltuend. Wie schön wäre eine Buchwelt, in der weniger Bücher erscheinen, aber dafür mehr Bücher, die unbedingt hinaus in die Welt wollen. Bücher, die eine Herzensangelegenheit sind. Für die Buchbloggerin war die Welt erst einmal in Ordnung. Bücher, Blogger*innen und Wertschätzung für Blogs überall. Sie freute sich an Sätzen von Verlagsmitarbeitern wie „Ja, wir schauen uns die Blogs erst mal an.“ und „Klar verfolgen wir, ob wir auch die Beleglinks erhalten!“. Noch mehr freute sie sich über Anekdoten, dass Blogger von Verlagsmitarbeitern erkannt wurden, obwohl sie noch nie etwas miteinander zu…

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Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

Buch Cover: LAURENT GOUNELLE Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden

Allzu viel hat Alice, die erfolgreiche Marketing- und Kommunikations-Beraterin, noch nie über Gott nachgedacht. Mann mit weißem Bart auf einer Wolke? Lächerlich. Zeitverschwendung, ihr Leben beschäftigt sie voll auf. Vermisst hat sie nichts. Ihrem Jugendfreund Jérémie, der in ihrer Heimatstadt Cluny Priester ist und vor einer fast leeren Kirche predigt, fehlt aber offensichtlich etwas ganz Wichtiges: eine gescheite Marketing- und PR-Strategie! Sie beschließt, ihm zu helfen. Sie geht es gründlich an, mit genau den Methoden, die ihr im Job zum Erfolg verhelfen. Quellenstudien – sie liest die Bibel. Mehrfach. Fühlt sich aber wohler damit, sie in einem neutralen Buchumschlag zu verstecken. Was würden die Leute sonst denken? Sie fragt sich, was die Gläubigen suchen. Schließlich muss man die Zielgruppe kennen. Sie feilt am Auftritt des Priesters. Sie verändert die Show, pardon, den Gottesdienst … und das, was für sie als Job begann, verändert sie. Schuld daran ist ihre Reise durch die Welt des Glaubens und der…

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Charme, Erotik, Provokation: ein Blick auf Bücher aus Frankreich

Zitronentörtchen aus Frankreich

Alle lasen Bukowski, also las ich Anais Nin, damals im Gymnasium. Verstanden habe ich sie erst mal nicht. Dazu fehlte mir noch vielerlei Erfahrung. Aber das störte mich nicht: Die Faszination war groß und das genügte mir vollkommen. Aber hoppla,  was sucht Anis Nin in diesem  Beitrag? Nun, dass ihre Bücher zwar in Paris entstanden sind und wohl auch nur dort entstehen konnten, sie aber gar keine Französin ist, fiel mir erst später auf. Dieser erste Kontakt mit französischer Literatur oder mit dem, was ich für französische Literatur hielt, enthielt also schon alles, was mich in meinem weiteren Leserinnen-Leben begleiten würde. Frankreich, das war Lust, Charme, Erotik, Grenzgänger, freieres Denken, Kunst, eigensinnige Frauen. Zudem zeigt dieser Erstkontakt auch, dass immer mein Bild von Frankreich meinen Blick auf die Bücher überlagert hat. So war Literatur aus Frankreich vor allen Dingen immer eines: das, was deutsche oder angelsächsische Literatur nicht hatte. Zur französischen Literatur griff ich stets…

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Parthenon of books – Tempel der verbotenen Bücher

Nun ist er selbst im Kunsthimmel, der Tempel der verbotenen Bücher auf der Documenta 14. Ich hatte mich sehr darauf gefreut. Dann stand ich davor, daneben und darin – und wurde nicht so recht warm damit. Seltsam, oder?   War mir der Tempel der verbotenen Bücher zu groß? Nein, eigentlich nicht. Er war groß, sehr groß. Aber der Standort hat das gut vertragen und gegen Kunst im öffentlichen Raum, die sich nicht einfügt, sondern sperrig und laut ist, habe ich gar nichts einzuwenden. Ganz im Gegenteil.   Die Fernwirkung des Parthenons war genial. Aber was war innen? Bei Büchern kommt es doch auf das Innen an, oder? Dort fand ich nichts, noch nicht mal einen inspirierenden Leerraum, den ich hätte füllen können. Der Tempel der verbotenen Bücher wirkte von innen wie ein potemkinsches Dorf.   Ist das alles, was Bücher heute noch können? Eine mahnende Fernwirkung? Meinen Fotos sieht man meine Irritation sehr deutlich an.…

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Der erste Buchblog-Award. Sind wir jetzt angekommen?

Blog GeschichtenAgentin beim ersten Buchblog Award

Braucht es diesen Buchblog-Award? Ja, denn er macht die Vielfalt der Buchblogs sichtbar. Rund 400 Blogs nehmen teil, das dürfte knapp ein Drittel der aktiven Buchblogger sein. Nicht schlecht für die erste Runde und die Longlist zeigt, dass wirklich aus jedem Dorf ein Hund, aus jedem Bücherregal ein Wurm, aus jedem Lese-Universum ein Vertreter dabei ist. Warum bin ich beim Buchblog-Award dabei? Die einfache Antwort ist, dass ich mit meinem Blog dazu beitragen möchte, eben genau diese Vielfalt an Lesern, Bloggern und Büchern sichtbar zu machen. So einen Blog wie diesen gibt es kein zweites Mal auf der Liste. Circa 399 andere Blogs können das ebenso von sich behaupten. Nochmal – warum bin ich dabei? OK, die etwas längere Antwort lautet ungefähr so: Als wir damals Blogger schenken Lesefreude starteten, wollten wir mehr als nur den Welttag des Buches feiern. Wir wollten zeigen, dass wir Buchblogger Teil der Buchwelt sind – und ein verdammt lebendiger…

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Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst

Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst - Zitat

Natürlich ist mein Leserinnen-Herz für schön gestaltete Bücher besonders empfänglich. Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst hat ein wunderbar griffiges Papier mit einer leichten Struktur, ein sehr stimmiges Cover, Illustrationen, die wie ein Begleit-Akkord dem Text eine weitere Stimme hinzufügen und ein Layout, das den Inhalt unterstützt. Mein Leserinnen-Kopf hingegen sucht Inspiration und Ideen. Beide zusammen freuen sich über eine gute Geschichte und eine klug gewählte Sprache. Mit Die schönen Dinge siehst du nur, wenn du langsam gehst sind beide glücklich – Kopf und Herz. Wenn Du einen Zen-Mönch um Rat fragst Wenn Du einen Zen-Mönch um Rat fragst, kann es sein, dass Dich die Antwort eine Weile beschäftigen wird. Gelassenheit und Weisheit gibt es immer noch nicht als Zaubertrank mit sofortiger Wirkung. Als Leser sollte man daher Zeit für dieses Buch einplanen, das einen schon durch seinen Aufbau entschleunigt. Jedes Kapitel widmet sich einem großem Lebensthema wie Innehalten, Leidenschaft, Beziehungen, Zukunft und…

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Endlich lesen was ich will: Skulduggery Pleasant

eBook skulduggery pleasant jugendbuch mit einem Skelett im Anzug auf dem Cover

Endlich lesen, was ich will. Das dachte ich mir, als ich vor ein paar Jahren die Ladenfläche der Buchhandlung verließ und nicht mehr lesen musste, was verkauft werden sollte. Lust hatte ich aber auch auf Bücher, die ich jahrelang im Stapel verkauft hatte, ohne sie jemals selbst zu lesen. Warum auch? Ich war mir auch so sicher, dass sie gut sind. Manchmal hatte ich kurz reingelesen. Noch viel häufiger hatte ich mich auf das Urteil meiner Testleser-Gang verlassen. Wenn diese Kinder und Jugendlichen ihre Leseexemplare samt Bewertungsbogen zurück brachten konnte ich meist schon am Gesichtsausdruck erkennen, ob das Buch gut war. Bei Skulduggery haben sie alle gestrahlt – Jungs genauso wie Mädchen. Schock deine Eltern, lies Skulduggery Pleasant Endlich lesen, was ich will, dachten sich in der Tat auch viele Kids, die damals in der Buchhandlung anno 2007 zum ersten Band der Serie Skulduggery Pleasant griffen. Kaum ein Jugendbuch hat den Slogan Schock Deine Eltern, lies…

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Unkonferenz – das Literaturcamp Heidelberg

Das Literaturcamp Heidelcamp ist ein offenes Barcamp, eine Unkonferenz rund ums Buch, die Literatur, das Schreiben und Veröffentlichen. Es machte seinen Namen diesmal alle Ehre – noch unkonferenziger als das, was ich in den zwei Tagen erlebte, geht kaum. Das begann mit dem Anfang: extra eine halbe Stunde früher starten als letztes Jahr um dann eine halbe Stunde mit der Technik rumschraddeln, bis endlich alles läuft. Das hätte man durchaus auch vorher proben können. Auch ein kleines Skript, was es alles zu sagen gibt, könnte helfen. Über die Hälfte der Anwesenden war noch nie auf einem Barcamp – da muss man auch ein wenig erklären, dass alles in Selbstorganisation abläuft. Dann müsste man auch am zweiten morgen nicht so schimpfen, dass Müll wegräumen und leere Flaschen in die Kästen zurückstellen nicht geklappt hat. Egal, ich hab Euch trotzdem lieb. Unkonferenz – jede Session ist unerwartet und anders Meine erste Session war gleich Unkonferenz pur. „Mein…

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