Kabinett der Phantasten – Literarische Gespenster-Heftchen

Grusel-Häppchen für Buch-Jäger Anscheinend gibt es sie noch, die leidenschaftlichen Buch-Jäger und Bücher-Sammler. Sie haben wohl nur die Jagdgründe gewechselt, denn in der Buchhandlung sind sie mir in den letzten Jahren kaum noch begegnet. Es muss sie aber noch geben, sonst könnte eine Reihe wie „Kabinett der Phantasten“ wohl kaum existieren. Bei der Buch-Serie „Kabinett der Phantasten“ handelt es sich um „literarische Gespenster-Heftchen“. Die Kurzgeschichten werden vom Literaturwissenschaftler Heiko Postma ausgewählt und zum Teil auch neu übersetzt. Unter diesen Schmuckstücken befindet sich zum Beispiel das ursprüngliche Eröffnungskapitel aus Bram Stokers Dracula. Dieses Kapitel hat es damals nicht in das Buch geschafft, weil es schon Vampirmotive vorweg nimmt. Oscar Wilde, Friedrich Gerstäcker, E.T.A. Hoffmann, Friedrich Gerstäcker, Lord Byron, Walter Scott und Gustav Meyrink –  das „Kabinett der Phantasten“ wartet mit vielen großen Schriftsteller-Namen auf. Es gibt aber auch wunderbare, unbekannte Geschichten zu entdecken. Eine kleine, feine Grusel-Bibliothek für Liebhaber. Infos zur Buch-Serie: Kabinett der Phantasten Herausgeber Heiko…

weiterlesen

Susanne Diehm – Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens – Rezension

Genre-Grenzgänger: Ein Roman ist ein Roman ist ein Sachbuch über das Schreiben „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ ist ein Fachbuch, das vorgibt, ein Roman zu sein und in dem die Heldin lernt, einen Roman zu schreiben, woraus dann doch ein Fachbuch wird. Was daran liegen könnte, dass ihr Leben romanhaft genug ist. So hat Hannah am Ende des Buches genug Stoff für einen Roman zusammen und stellt in der Geschichte eine Fortsetzung der Geschichte in Aussicht. Damit ist „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ von Susanne Diehm ein Genre-Grenzgänger der besonderen Art. Um das zu verstehen, sollte man erst mal einen Blick auf den Verlag werfen. Der Schibri-Verlag ist nach eigener Aussage der „führende Fachverlag für Theaterpädagogik, Kreatives Schreiben und praktischer Philosophie im deutschsprachigen Raum“ – also lauter Themen, bei denen man mit Geradeaus-Denken nicht sehr weit kommt. „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ dürfte sich im Schibri-Verlag sehr zuhause fühlen. Die Protagonistin nutzt,…

weiterlesen

Gary Dexter – Der Marodeur von Oxford. Psychopathia Sexualis und andere menschliche Rätsel

„Es gibt nichts Trügerischeres als eine offensichtliche Tatsache.“Sir Arthur Conan Doyle Gleich in der ersten Geschichte ist mir ein Satz begegnet, der mich für den Rest des Buches nicht mehr los ließ: „Und ich dachte, ich sei fast der Einzige …“ Doch erst einmal der Reihe nach: Dr. Henry St. Liver löst Kriminalfälle im viktorianischen England, die meist ohne wirkliches Verbechen auskommen und die alle einen erotisch-fetischistischen Hintergrund haben. Er kommt den Tätern durch logisches Denken auf die Spur. Sein enormes Wissen über die noch recht neue wissenschaftliche Fachrichtung der Sexualpsychologie hilft ihm dabei weiter. Ihm zur Seite steht kein Dr. Watson, sondern Olive Salter, eine leicht hypochondrische Schriftstellerin, die in Australien aufwuchs. Ihre Karriere als Autorin kommt erst in Gang, als der wortkarge Oscar Wilde eine Rezension veröffentlicht. Für eine recht sachliche Zusammenfassung des Inhalts waren das schon ziemlich viele Querverweise, oder? Und das ist harmlos im Vergleich zu dem, was in „Der Marodeur von…

weiterlesen

Altes, Neues, Unerwartetes – Frankfurter Buchmesse 2013

Meine 27. Frankfurter Buchmesse

Wenn ich richtig gezählt habe, war die #fbm13 meine 27. Frankfurter Buchmesse. 2x war ich als Schülerin dort, 24x als Buchhändlerin. Das klingt nach Messe-Routine. Trotzdem verlaufe ich mich pro Messe mindestens einmal und staune jedes Mal aufs Neue über die schiere Größe der Buchmesse. Meine letzten Buchmessenbesuche waren im Vorfeld einfach zu organisieren. Diesmal war die Ausgangslage für mich komplexer: Ich habe gelacht, geredet, geknuddelt, geflauscht, gestaunt, gelesen und Visitenkarten verteilt. Ein besonderes Gute-Laune-Highlight war für mich das Gespräch mit den Verlegerinnen des Südpol-Verlags. Ihre Unternehmensphilosophie würde ich mit „Machen, ausprobieren, lernen, Erfolg haben“ umschreiben. Ein gutes Beispiel dafür sind die Fotos auf ihrer Facebook-Seite, die dokumentieren, wie aus einem Haufen Bretter allmählich ein Buchmessen-Stand wird. Ich hätte nie gedacht, das die Mini-Kojen der Buchmesse so stimmungsvoll sein können! Vom Kleinverlag zu den ganz Großen: Random House hatte knapp 100 Buchblogger zu sich eingeladen. Die Bloggerbetreuung durch die Mitarbeiter der Verlage CBJ, Heyne fliegt,…

weiterlesen

Bücherbüffet in Karlsruhe

Nach der Buchmesse wird für mich in diesem Jahr vor der Buchmesse sein. Auf die große Buchmesse in Frankfurt folgt für mich als Kontrastprogramm das Bücherbüffet in Karlsruhe. Dort werde ich viele Buchmenschen treffen, lecker essen und mich über das Programm von rund 30 Verlagen informieren. Von diesen Verlagen kenne ich gerade mal drei und bei einer Handvoll weiterer habe ich eine grobe Vorstellung, was sie veröffentlichen. Der Rest wird für mich spannendes Neuland sein. Für mich steht an diesem Tag ein Wechsel der Blickrichtung an, auf den ich mich sehr freue. In meiner Selbstwahrnehmung habe ich mich schon immer über Kleinverlage informiert. Doch was ist für eine Buchhändlerin in einer großen Filialbuchhandlung mit Zentraleinkauf ein Kleinverlag? Wie klein ist klein? In der Welt der Buchhandelsketten gilt als Kleinverlag ein Verlag, der es nicht ins Zentrallager schafft. Die Titel dieser Verlage braucht ein großer Buchhändler seiner Meinung nach nicht und seine Kunden angeblich nur auf Bestellung.…

weiterlesen

Simone Dalbert – Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin – Rezension

So isses – genau so: Aus dem Leben einer Buchhändlerin Simone Dalbert bloggt als Papiergeflüster, facebooked als Buchhandlung Schöningh, twittert als Buchgeflüster und schreibt in ihrem wunderbaren Stil Erlebnisse aus dem Alltag einer Buchhändlerin auf. Diese Freude am Kommunizieren führte dazu, das sie jetzt ihr eigenes Buch verkaufen kann. „Papiergeflüster – Aus dem Leben einer Buchhändlerin“ enthält Anekdoten und Liebenswertes aus dem Berufsalltag und ich kann nur bestätigen: so isses! Genau so. Vom Schaufenster-Yoga bis hin zu dem loriot-haften „Das Buch war rot!“ habe ich alles schon so erlebt. Ein Klassiker des Buchhändlerlebens sind die Mißverständnisse am Abholfach. Am Tag der Bestellung weiß der Kunde den Autor nicht; wenn er das Buch abholen möchte, nennt er stolz den Autorennamen, dabei liegt das Buch auf den Namen des Kunden zurück. Ihre sehr schöne Sammlung möchte ich um zwei Dialoge ergänzen: „Auf welchen Namen haben Sie das Buch bestellt?“ „Auf meinen“ Noch schöner war folgende Antwort: „Auf Meier.“ „Und wie schreiben…

weiterlesen

Iron Buchblogger – #ironBB

Mein neuestes Blog-Abenteuer: Iron Buch-Blogger Mein neuestes Blog-Abenteuer begann für mich mit einer kleinen Twitter-Meldung: „@IronBuchBlogger folgt Dir jetzt auf Twitter“. Bitte wer? Ich folgte dem Link zu einer damals noch recht kargen Internet-Seite, las und meldete sofort das Buchkind, meinen neuen Bilderbuch- und Kinderbuch-Blog an. Vernetzungsprojekten kann ich einfach nicht widerstehen … So kam es, dass ich quasi schon vor dem eigentlichen Start der „Iron Buchblogger“ dabei war. Eine Woche später liegen bereits über 30 Anmeldungen vor. Das Projekt trifft offensichtlich den Nerv vieler Buchblogger und das freut mich! Hinter dieser Idee stecken Leander Wattig und Charlotte Reimann. Wie man sich den Ehrentitel des „Iron Buchbloggers“ verdienen kann und was die beiden damit erreichen wollen, erklären sie ganz prima auf Ironbuchblogger.de. Doch woher kommt die Idee und wohin soll die Reise der „Iron Buchblogger“ gehen? Neugierig, wie ich nun mal bin, habe ich Charlotte diese zwei Fragen gestellt. Lest hier ihre Antworten: Wie ist die Idee zu…

weiterlesen

Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher

Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher Warum dann negative Rezensionen schreiben? Ich schreibe nur sehr selten Verrisse. Wenn mir ein Buch nicht gefällt oder meine Erwartungen nicht erfüllt, lege ich es zur Seite. Das Leben ist zu kurz für schlechte Bücher. In ganz seltenen Fällen ist mein Leidensdruck als Leserin dann doch so groß, das ich eine negative Rezension schreibe. Doch dafür muss einiges zusammenkommen. Manchmal schreibe ich als enttäuschter Fan, da ich mir sicher bin, das der Autor es eigentlich besser kann. Meist jedoch schreibe ich eine negative Rezension dann, wenn folgende Mängel auftreten: Gute Bücher sind mir wichtig. Sehr wichtig. Mit solchen Mängeln wird für mich das Werk dem Medium Buch nicht gerecht. Derzeit schreiben wir ja alle. Ins Internet. Tag für Tag. Wer schreibt ist ein Autor. Autoren schreiben Bücher. Also kann jeder, der ins Internet schreiben kann, auch Bücher schreiben. Ist doch logisch, oder? Besonders anfällig für diese Theorie…

weiterlesen

R. Sriram – Wünsche Dir alles – Rezension

Sriram wünsch Dir was

Kann das gut gehen? Der Yoga-Philosoph und der Ratgeberverlag Was war ich skeptisch, als ich die Ankündigung zu „Wünsche Dir alles. Erwarte nichts und werde reich beschenkt“ las. Der große Yoga-Philosoph veröffentlicht jetzt bei dem populären Ratgeberverlag GU – kann das gut gehen? Und dann noch dieser Titel: „Wünsche Dir alles. Erwarte nichts und werde reich beschenkt“. Braucht die Welt wirklich noch ein weiteres Wunschbuch? Kurz: ja, die Welt kann dieses Buch meiner Meinung nach gut gebrauchen. Das Buch hingegen bräuchte einen anderen Titel – aber dann wäre es eben kein GU-Titel. Wie es sich für einen guten Lehrer gehört, holt R. Sriram den Schüler dort ab, wo er steht. So kann man das Buch auf verschiedene Arten lesen: als praktischer Lebensratgeber, als Streifzug durch die Bhagavad Gita oder als Möglichkeit, die eigene Yoga-Praxis zu vertiefen. Doch keine Sorge – Yoga-Vorkenntnisse braucht man für die Lektüre nicht. Die Asanas sind erstaunlich schlicht und einfach gehalten und natürlich genau deswegen…

weiterlesen

Mein Eintrag im DMOZ

Nicht immer alles glauben, was in Fachbüchern steht: so kam ich zu meinem Eintrag im DMOZ Ich gestehe: ich bin bücher-gläubig. Ob ich deswegen Buchhändlerin gelernt habe oder ob ich bücher-gläubig bin, weil ich im Buchhandel arbeite – das wäre eine interessante Frage für ein Gespräch unter Freunden an einem lauen Sommerabend. Tatsache ist: wenn ich mich in ein Thema vertiefen will (und ich will mich ständig in ein neues Thema vertiefen) greife ich zum Buch. Um genau zu sein: zu vielen Büchern. Berufskrankheit. Seit ich zu bloggen begonnen habe, fresse ich Fachbücher: Social Media, Texten fürs Web, Online Marketing, Geschichte und Zukunft des Internets … alles, außer Programmierung. Letzteres kommt wahrscheinlich ab Herbst auf meinen Lesestapel … In allen Fachbüchern stand, das es gut sei, sich um einen Eintrag im DMOZ – Open Directory Project zu bemühen. Das DMOZ ist ein von Menschen betreutes Internet-Verzeichnis; eine Link-Sammlung deluxe. Mit einem Eintrag im DMOZ würde…

weiterlesen

Christian Rätsch – Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen – Rezension

Wie schmeckt eigentlich gegrillter Papagei? Die Frage geht mir seit der Lektüre von Christian Rätschs Autobiographie „Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ nicht mehr aus dem Kopf. Bevor sich jetzt wütende Veganer auf mich stürzen, möchte ich betonen, dass ich nicht vorhabe, den Papagei in der Nachbarschaft mit Pfeil und Bogen zu erschießen, um ihn am offenen Feuer zu grillen. In „Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ beschreibt Christian Rätsch, wie er mit den Lakandonen, bei denen er ein Jahr lebt, auf Papageienjagd geht. Die Aufregung der Jagd und seine Vorfreude auf das leckere Papageienfleisch sind greifbar, regelrecht spürbar. All das Fremde des Lebens mit einem Maya-Volk wurde für mich in dieser Passage in einem magischen Lesemoment zusammengefasst. Die zweite Schlüsselszene verbindet für mich die fast nicht mehr greifbare europäische magische Tradition mit der, zumindestens damals noch, lebendigen, magischen Maya-Tradition.Ein Lakandone, der sich den Fuß verknackst hat, fragt Rätsch, ob er…

weiterlesen

Abschied auf Raten: ein Nachruf auf den Brockhaus

Überraschend kommt es nicht, traurig ist es trotzdem: Bertelsmann beginnt, sich vom Brockhaus zu trennen. Als Mannheimerin und Buchhändlerin konnte ich das Drama um die Marken Brockhaus, Meyer, Bibliographisches Institut und Duden aus nächster Nähe beobachten. Beschleunigt wurde der Niedergang durch die grandiose Fehlentscheidung, noch einmal eine große Brockhaus-Enzyklopädie zu verlegen – und durch Wikipedia. Aber das kann es nicht allein gewesen sein, oder? Die Haltung des Verlagshauses BI klang für mich lange Zeit nach „Wir waren schon immer da, deswegen wird es uns auch immer geben.“ Als sich die kritische Situation nicht mehr länger ausblenden ließ, begann wilder Aktionismus. Brockhaus wurde an Bertelsmann verkauft, der Direktvertrieb gleich mit dazu. Im Bertelsmann Lexikon Verlag wurde zumindest der Kinder-Brockhaus weiterentwickelt und die inhaltliche Substanz der Lexika für Kalender erfolgreich ausgeschlachtet. Die große Brockhaus-Enzyklopädie verkaufte sich nur schleppend. Im BI wurden indessen neue Konzepte entwickelt und dann nicht weiterverfolgt. Ein Beispiel dafür ist der Bereich erzählendes Kinderbuch und hier…

weiterlesen