Die Magier von Montparnasse

Fantasy Rezension Magier von Montparnasse

Ich mag Bücher, die sich Zeit lassen und mich trotzdem von der ersten Seite an in ihren Bann ziehen. Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka ist ein solches Buch. Der eigensinnige Fantasy-Roman verrät nicht gleich, wohin er den Leser führen will. Es könnte sich um Steampunk handeln. Zeit und Ort, Paris in den goldenen Zwanziger Jahren, lassen das vermuten. Doch mechanische Uhren sind fast die einzigen technischen Errungenschaften, die für die Handlung wichtig sind. Diese Uhren sind jedoch nur ein klein wenig anders als das, was wir erwarten. Dafür gibt es aber eine Erklärung und die hat mit Steampunk nichts zu tun. Es könnte sich um ein Märchen handeln, mit verzauberten Äpfeln und einer schlafenden Schönheit. Doch die Äpfel waren möglicherweise nur ein Symbol und auch eine schlafende Schönheit könnte immer noch die Fäden des Geschehens in der Hand haben. Auf jeden Fall ist es eine Liebesgeschichte, auch wenn die…

weiterlesen

Pubertäre Punk-Elfen – Die Elfen von New York wiedergelesen

Cover Elfen New York 1996

Damit ich einen Roman aufhebe, muss er mich schon sehr beeindruckt haben oder mich an eine besondere Phase meines Lebens erinnern. Der Platz für Bücher in meiner Wohnung ist strikt begrenzt. Wenn die Bücher nicht mehr in das Regal passen, sortiere ich aus. Da ich mich meist auch noch nach 10 Jahren sehr gut an die Handlung eines Romans erinnern kann, hebe ich eher Sachbücher als Romane auf. Das Kult-Buch, das bei mir drei Umzüge überstand Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich nun einen aufgehobenen Roman wieder zur Hand genommen. „Die Elfen von New York“ von Martin Millar erschien 1994 bei Eichborn und kam 1996 als Taschenbuch bei DTV heraus. Wahrscheinlich habe ich es damals direkt nach Erscheinen des Taschenbuchs gelesen. Also sind jetzt 19 Jahre seit der Lektüre vergangen (hier ein HILFE-ich-werde-alt-Geräusch vorstellen). Mich hat es damals mit seiner rotzfrechen Art beeindruckt und ich habe es…

weiterlesen

Blut aus Silber: Zosia, Maroto und die Hornwölfe

Alex Marshall: Blut aus Silber - Fantasy

Alte Helden mit arthritischen Knochen. Junge Stutzer, die dem langweiligen Leben als Adlige entfliehen wollen. Hornwölfe mit äußerst komplexen Moralvorstellungen und Clan-Regeln. Dazu dann noch seltsame Religionen und eine blutjunge Päpstin, alte Götter und Teufel sowie Menschen, die vor allem dem letzten Detail zu wenig Aufmerksamkeit schenken. Alex Marshall – wer auch immer sich hinter diesem Pseudonym verbirgt – wirft seine Protagonisten mitten in das Geschehen. Wer sie sind und wie sie in dieses Lied, in diese Geschichte, geraten sind, verrät er erst so nach und nach. Der Landschaft misst der Autor nicht all zuviel Bedeutung bei. Sie ist der Ort des Geschehens, mehr nicht, und wird vor allem durchritten. Nur das Meer, das beeindruckt ihn. Ich mag seine Art zu erzählen, seine Halbsätze und Skizzen, lassen sie mir doch viel Raum für eigenes Kopfkino. Choi erlebt man zum Beispiel zuerst als Kampfwächterin in Aktion. Das Beziehungsgeflecht der Personen in…

weiterlesen

Fingerhutsommer – Mit Peter Grant aufs Land

Fingerhutsommer Cover Taschenbuch

Süffig, sehr süffig liest sich das neue Buch von Ben Aaronovitch „Fingerhutsommer“. Bei den letzten Büchern der Serie hatte ich, obwohl sie mir alle ausnehmend gut gefallen haben, immer etwas zum Mäkeln. Mal verzettelte sich der Autor mit zu vielen Figuren, mal erschloss sich mir der Sinn eines ganzen Kapitels für die gesamte Handlung nicht so recht. Aber diesmal passt alles: Tempo, Witz, Rhythmus, Timing, Figuren, Logik – einfach alles fein, alles hervorragend ausgearbeitet! Der Humor ist vielfältiger geworden und zum Glück werden die Witze über gute und schlechte Architektur, die in Band 4 „Der böse Ort“ begannen, fortgesetzt. Es könnte sein, dass der junge, magisch begabte Polizist Peter Grant auf dem besten Weg ist, erwachsen zu werden – aber allzu eilig hat er es Göttin sei Dank dabei nicht. Solange Beverly, die Flussgöttin, in seiner Nähe ist, bleibt genug Raum für Unvernunft und Unverhofftes. Bisher spielten alle Bücher der…

weiterlesen

Kürzere Sätze ergeben noch kein Jugendbuch: die letzte Drachentöterin

Jasper Fforde - Die letzte DRachentöterin Band 1

Die Magie ist schwach geworden in den Ununited Kingdoms und Bürokratie macht den Zauberern das Leben schwer. Auf fliegenden Teppichen dürfen keine Personen mehr transportiert werden und der Präkogniker sagt in der Gärtnerei die Farben der Blüten voraus. KAZAM, die Vermittlungsagentur für Zauberer läuft schlecht und die Pleite naht. Organisiert wird der Broterwerb von Jennifer Strange, die noch nicht ahnt, dass sie die letzte Drachentöterin ist und bald in einem gepanzerten, stacheligen Rolls Royce in ein wildes, seit 400 Jahren unberührtes Land fahren wird. Auf Jasper Fforde und seine wild sprudelnden verrückten Ideen ist auch diesmal wieder Verlass. Ich habe mich köstlich amüsiert – so lange ich ignoriert habe, dass es ein Jugendbuch sein soll. Eine jugendliche Drachentöterin macht noch kein Jugendbuch Jennifer Strange ist von Anfang an recht selbstbewusst. Woher sie als Findelkind dieses Selbstbewusstsein zieht, bleibt nebulös. Eine innere Wandlung macht sie nicht durch. Das ist einer der…

weiterlesen

Der Ozean am Ende der Straße

Neil Gaiman - Ozean am Ende der Straße - Roman

Es scheint, dass die Ankunft des Opal-Schürfers die Welt in dem kleinen englischen Ort in Schieflage bringt. Doch dem ist nicht so. Es sind die finanziellen Schwierigkeiten der Eltern, die dafür sorgen, dass die Welt des siebenjährigen Helden an den Rändern auszufransen beginnt. Dort, wo die Welt ausfranst, können seltsame Wesen eindringen. Oberflächlich betrachtet sorgen sie dafür, dass die Menschen bekommen, was sie sich so sehr wünschen. Eine beängstigende Vorstellung, denn diese Wünsche sind von Gier geprägt. Der Held aus „Der Ozean am Ende der Straße“ möchte eigentlich nur, dass seine kleine Welt in Ordnung ist und dass Erwachsene einfach nur große Menschen sind, denen man vertrauen kann. Als einziger erkennt er die Gefahr. Wie gut, dass gerade hier in diesem kleinen Ort schon immer die Hempstock-Frauen wohnen und ihren Ozean am Ende der Straße pflegen. Doch am Ende wird unser Held trotz aller Opfer mit einem Loch im Herzen…

weiterlesen

Baba Jaga – ganz besondere Urban Fantasy

Toby Barlow, Baba Jaga, Roman, Urban Fantasy

Spione aus aller Herren Länder, alte russische Hexen, die immer schön bleiben, und häßliche alte Hexen, die seit Anbeginn der Zeit Männern Unglück bringen, Liebhaber und gehörnte Ehemänner, erfolglose Literaten und Jazzmusiker kurz vor dem Durchbruch – all diese Figuren treffen in „Baba Jaga“ im Paris der Nachkriegszeit aufeinander. Damit wir uns auf gar keinen Fall langweilen gibt es noch korrupte Polizisten, übereifrige Detektive, die in einen Floh verwandelt werden, verrückte Wissenschaftler, ein junges Mädchen mit einem Huhn und jede Menge Eulengewölle, die geraucht werden. Fehlt noch was? Ja klar – die große Liebe, für die es nie zu spät ist, spielt eine wichtige Rolle. Aber ob sie Glück bringt? Baba Jaga, der Jazz und der Rhythmus der Figuren So faszinierend die Geschichte ist, ein wenig mehr Feinschliff hätte ihr gut getan. Damit meine ich nicht nur die gelegentlichen Wortwiederholungen, die die Sätze holpern lassen. Toby Barlow verleiht jeder Figur…

weiterlesen

Der eiserne Druide 2 – Verhext

Eiserne Druide Band 2 von Kevin Hearne: Verhext

Randvoll mit guten Ideen – auch der zweite Band der „Chronik des eisernen Druiden“ begeistert mich. Ohne zuviel von der Handlung zu verraten und damit zu spoilern, kann ich leider nur ein paar Details nennen. So begegnet der eiserne Druide diesmal deutschen Hexen, die nur einen einzigen Fluch beherrschen. Dafür können sie diesen Zauberspruch mit geradezu industrieller Präzision abfeuern – deutsche Wertarbeit. Auch die Idee, dass sich ausgerechnet Bacchantinnen in Tempe, Arizona – dort wohnt der eiserne Druide – ansiedeln wollen, hat Kevin Hearne sehr schön ausgearbeitet und mit unerwarteten Wendungen versehen. Kevin Hearne hat nicht nur neue und gute Ideen, er denkt sie auch zuende und verwendet sie nur dann, wenn sie die Handlung wirklich voranbringen. Ihm gelingen die Action-Szenen genauso gut wie die Witze. Sogar seine Sex-Szenen mit zickigen Göttinnen passen – das ist selten. Weniger schön finde ich, dass der Verlag mit Erscheinen des zweiten Bands die Optik der…

weiterlesen

Der böse Ort – Magische Architektur in London

Aaronovitch Band 4: Der böse Ort - Urban Fantasy

Moderne Architektur ist böse. Sie dient nur dazu, dem Menschen seine Energie zu rauben, um sie anschließend für magische Zwecke nutzen zu können. Mit dieser Theorie könnte man so einiges an menschlichem Fehlverhalten erklären und vielleicht würde der Einsatz von Magiern in manchen Brennpunkten eine Wende zum Guten herbeiführen. Vielleicht wären ja wirklich lokale Götter und Naturwesen bereit, ein solches Vorhaben zu unterstützen und böse Orte zu heilen? Ben Aaronovitch präsentiert auch im vierten Band um den Londoner Detective und Nachwuchs-Zauberer Peter Grant interessante Erklärungsansätze für den Zustand unserer Städte. Der Plot ist diesmal nicht ganz ausbalanciert; insbesondere die Kapitel über das Frühjahrsfest der Flussgötter sind zu lang geraten. Die Persönlichkeitsentwicklung der Hauptdarsteller nimmt ordentlich an Fahrt auf. Das stimmt mich optimistisch für die nächsten Folgen der Serie. Leider führt das dazu, dass ein paar der logischen Erklärungen für den eigentlichen Kriminalfall etwas knapp geraten. Selbst Urban Fantasy funktioniert mit einem Mindestmaß an logischen…

weiterlesen

Kabinett der Phantasten – Literarische Gespenster-Heftchen

Grusel-Häppchen für Buch-Jäger Anscheinend gibt es sie noch, die leidenschaftlichen Buch-Jäger und Bücher-Sammler. Sie haben wohl nur die Jagdgründe gewechselt, denn in der Buchhandlung sind sie mir in den letzten Jahren kaum noch begegnet. Es muss sie aber noch geben, sonst könnte eine Reihe wie „Kabinett der Phantasten“ wohl kaum existieren. Bei der Buch-Serie „Kabinett der Phantasten“ handelt es sich um „literarische Gespenster-Heftchen“. Die Kurzgeschichten werden vom Literaturwissenschaftler Heiko Postma ausgewählt und zum Teil auch neu übersetzt. Unter diesen Schmuckstücken befindet sich zum Beispiel das ursprüngliche Eröffnungskapitel aus Bram Stokers Dracula. Dieses Kapitel hat es damals nicht in das Buch geschafft, weil es schon Vampirmotive vorweg nimmt. Oscar Wilde, Friedrich Gerstäcker, E.T.A. Hoffmann, Friedrich Gerstäcker, Lord Byron, Walter Scott und Gustav Meyrink –  das „Kabinett der Phantasten“ wartet mit vielen großen Schriftsteller-Namen auf. Es gibt aber auch wunderbare, unbekannte Geschichten zu entdecken. Eine kleine, feine Grusel-Bibliothek für Liebhaber. Infos zur Buch-Serie:…

weiterlesen

Terry Pratchett – Dunkle Halunken – Rezension

Dickens, Königin Victoria und die Kanalisation Terry Pratchett hat mit „Dunkle Halunken“ seine literarischen Schulden beglichen. Im Laufe der Jahrzehnte hat er für seine fast 40 Scheibenwelt-Romane sehr vieles aus der Londoner Stadtgeschichte entliehen, entlehnt und stibitzt. Der Fluss Ankh und die Themse, der Stadtteil Schatten und Seven Dial, die Wache und die Metropolitan Polizei von Robert Peel haben viel miteinander gemeinsam. Ankh Morpork und London sind mindestens seelenverwandt. Mir kommt es so vor, als hätte Sir Terry Pratchett nun als Dank für diese unerschöpfliche Inspirationsquelle London ein Denkmal in Buchform gesetzt. „Dunkle Halunken“ ist vor allen Dingen ein London-Roman, der ein wenig an Charles Dickens erinnern soll. Konzipiert wurde er als All-Ager, ein Nicht-Genre, mit dem ich nicht so wirklich warm werde. Es macht die Bücher meist nicht besser, wenn sie ein für ein sowohl-als-auch Publikum geschrieben werden. Genau das ist für mich der Wermutstropfen an „Dunkle Halunken“. Für…

weiterlesen

Katja Behrens – Adam und das Volk der Bäume – Rezension

Das Volk der Bäume: Was ist der Mensch ohne Wurzeln? Manche Menschen entspannen sich am Meer, andere in den Bergen. Berge oder Meer? Das ist mir egal, Hauptsache es gibt dort einen Wald. Wenn ich Wald sage, meine ich einen richtigen Wald, keine in praktische Planquadrate aufgeteilte Forstplantage mit lauter altersgleichen Bäumen und schnurgeraden Wegen, auf denen man morgens schon sieht, wen man nachmittags zum Kaffee treffen wird. Ich meine auch keine pädagogische Erziehungs- und Ertüchtigungsanstalt mit grundschulgerechten Schautafeln und einer für Jogger optimierten Wegeführung. Ich meine einen richtigen Wald; einen, in dem man vor lauter Wald die Bäume nicht sieht. In solch einem Wald würde ich mich gerne unter einem Baum setzen und warten, dass sich ein Rotkehlchen auf meine Schulter setzt. Mir ist das noch nie passiert. Für Adam, den Helden aus Katja Behrens „Adam und das Volk der Bäume“, ist das jedoch die Normalität. Rotkehlchen sind zwar…

weiterlesen