Ausgestorben, um zu bleiben: Dinosaurier

T. Rex mit bunten Federn.

Fragt man heute einen Studenten, wie denn der T. Rex ausgesehen hat, und ob er mal einen zeichnen könnte, wird das Ergebnis höchstwahrscheinlich nicht so aussehen, wie der Dinosaurier auf dem Bild links. Wahrscheinlich ist der Dino näher an dem, was Jurassic Park uns zeigte. Oder sogar näher an den Dinosauriern, die die Comics unserer Kindheit bevölkerten, oder an den Plüschgesellen, die sich das Kinderzimmer mit uns teilten. Die Kinderbücher sind nicht schuld. Was ist Was und Co. geben schon längst alle den aktuellen Stand der Forschung wieder. Trotzdem bleibt der Dino in unserem Kopf eine große, schuppige, grün-braune Echse. Dabei war er wohl eher ein bunter Vogel. Das Rotkehlchen, ein heimlicher T. Rex Was ich in meiner Schulzeit über die Urzeit gelernt habe, hat sich mittlerweile alles als falsch herausgestellt. Die nächsten Verwandten der Dinosaurier sind die Vögel, nicht die Krokodile. Fossilien aus China belegen, dass Dinosaurier Federn hatten. Doch das alleine wäre kein Beweis. Warum die Gleichung Federn = Vogel nicht aufgeht und warum eine fundamentalistische Christin anhand stinkender Knochen den entscheidenden Beweis…

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1900 – Vegetarier, Sinnsucher und Visionäre am Monte Verità

Sachbuch: Peter Michalzik 1900 Vegetarier, Künstler und Visionäre suchen nach dem neuen Paradies

Ein anderes, ein besseres Leben ist möglich. Um diese Hoffnung wahr werden zu lassen, müssen wir unser Ändern leben – das galt für Sinnsucher um 1900 genauso wie heute. Aktuell setzen wir bei Themen wie »Wie wollen wir miteinander leben?« Und »Wie wollen wir konsumieren?« an. Aber welche Fragen bewegten frühere Generationen, zum Beispiel die Reformbewegung um 1900? Vegetarismus, freie Liebe, Konsumverzicht, künstlerischer Selbstausdruck. Visionen von einem freien, besseren Leben waren auch damals schon mit Fragen der Gesundheit, der Ernährung und mit der Ablösung von Familienstrukturen verbunden. Diskutiert und erprobt wurde das in einem Netzwerk – ganz ohne Internet, aber mit Briefen, Begegnungen und einem zentralen Ort: Monte Verità, am Ufer des Lago Maggiore. Peter Michalzik lässt dieses Netzwerk in seinem Buch 1900. Vegetarier, Künstler und Visionäre suchen nach dem neuen Paradies lebendig werden. Wir begegnen so unterschiedlichen Menschen wie Emmy und Hugo Ball, Hermann Hesse, Max Weber, Käthe Kruse, Ernst Bloch und Erich Mühsam. Sie leben, lieben, gestalten, diskutieren und streiten: um Tier- und Naturschutz, um freie Liebe, um die Gleichstellung der Frau und…

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Burgen für neugierige Einsteiger

Sachbuch zum Thema Burgen: Ritterburgen aus der Buchreihe Beck Wissen

Burgen gibt es hier in der Pfalz mehr als genug. Roter Sandstein, Reste eines Turms, ein Schild, das eine Jahreszahl angibt und weitere Informationen, die nur dem Fachmann etwas sagen, Brennnesseln, Eidechsen. In der Burg oder etwas unterhalb eine Pfälzer Hütter oder Gastwirtschaft, in der man gut einkehren kann. Das war lange mein Bild von Burgen. Mit jeder Reise kam eine neue Idee, ein neues Bild dazu, wie eine Burg aussehen konnte. Bauwerke von Vauban, Fake-Festungen wie Carcassone, Katharerburgen, wehrhafte Wasserschlösser, slawische Wallanlagen, keltische Ringwälle und Menschen in Kostümen, die versuchen, das Leben in Burgen in Großbritannien zum Leben zu erwecken. Nur die Einkehrmöglichkeiten waren nie so gut wie in der Pfalz. Fantasy, Romantik und Historiker Die slawische Wallanlage Groß-Raden und die imposanten Burgen der Katharer weckten dann meine Neugier. Ein Buch musste her. Meine Wahl fiel auf eine Einstiegslektüre: Ritterburgen – Bauwerk, Herrschaft und Kultur aus der Reihe Beck Wissen. Ich schätze die Reihe sehr, habe aber auch schon Bücher abbrechen müssen, weil sie für mich zu fachlich, zu trocken und zu sehr für…

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Mittelmeer. Ausgelesen.

Das Mittelmerr. Eine Biographie.

Uff. #ausgelesen. 960 Seiten Das Mittelmeer. Eine Biographie. OK, diese Seitenzahl beinhaltet das Register, das ich nicht gelesen habe. Trotzdem: 820 Seiten Text. Der Autor ist nicht daran schuld, dass ich fast 8 Monate an diesem Buch gelesen habe. Wirklich nicht. Es ist einfach verdammt viel Stoff, diese Geschichte des Mittelmeers von der Urzeit bis ins Jahr 2010. Je näher wir unserer Zeit kamen, desto langsamer habe ich gelesen. Am Autor liegt es wirklich nicht. Sein Erzählrhythmus ist toll. Manchmal macht er Strecke und fasst etliche Jahrzehnte mit vielen Königen und noch mehr Schlachten auf wenigen Seiten zusammen. Dann belohnt er den Leser, in dem er das Tempo raus nimmt und seitenlang ein Einzelschicksal erzählt, das mehr illustriert als jede Abfolge von Herrschern. Auf eine Seeschlacht, die es aus gutem Grund zu betrachten gilt, folgt eine einprägsame Anekdote, die den Lauf der Zeit zusammenfasst. Schuld ist der Autor an etwas anderem: dass dieses Buch so häufig bei mir auf Instagram erschien wie kein anderes zuvor. Es hat mich fasziniert. Die Silvesterparty 2017 hätte ich beinahe…

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Rheinisches Landesmuseum Trier

Eingang zum Rheinischen Landesmuseum Trier

Ein großes, begehbares Geschichtsbuch: so kam mir das Rheinische Landesmuseum in Trier vor. Eines dieser Museen, bei denen man sich erinnern sollte, dass es keinerlei Verpflichtung gibt, sich jedes einzelne Schaustück anzuschauen. Geht auch gar nicht, denn dazu gibt es einfach zu viele Funde im Raum Trier. Ein wenig Frühzeit, sehr schöne Objekte aus der Zeit der Kelten, etwas über die Franken, das Mittelalter. Dazwischen vor allen Dingen Römer in allen Varianten: Leben und lieben, wohnen und arbeiten, Krieg und Spiele. Landesmuseum Trier – viele Scherben und gute Gründe, römischen Wein zu meiden Bei einer solchen Fülle ist es schwierig, einzelne Objekte im Gedächtnis zu behalten. Das hier blieb bei mir hängen (völlig unsortiert und subjektiv): Kurz: Besuch lohnt sich, Zeit mitbringen. Informationen zum Rheinischen Landesmuseum Trier findet Ihr hier auf der Webseite. Ohne Museen, ohne mich! Egal, wie das Wetter ist, ob zuhause oder im Urlaub: Ich bin eine leidenschaftliche Museumsbesucherin. Hier findet ihr meine Tipps und Erlebnisse.

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Nur schöner Schein? Barock Ausstellung in Mannheim

Barock Ausstellung im Engelhorn Museum Mannheim

Nicht überzeugen konnte mich die Ausstellung „Barock. Nur schöner Schein?“ im Reiss Engelhorn Museum in Mannheim. Das begann schon damit, dass ich mir eine Taschenlampe gewünscht hätte. Die Barock Ausstellung ist sehr schlecht ausgeleuchtet. Die Schilder auf den Vitrinen haben eine weiße Schrift auf grauen Grund was im Zusammenspiel mit dem Licht dazu führte, dass ich einiges nicht lesen konnte. Auch mit dem Aufbau der Ausstellung wurde ich nicht warm. „Ausgewählte Exponate präsentieren Vielschichtigkeit des barocken Zeitalters“ heißt es auf der Webseite zur Ausstellung und genau das beschreibt für mich eines der Probleme, dass ich mit der Schau hatte. Es war ein durchzappen durch ein Zeitalter. Mir fehlte der rote Faden. Gleichzeitig waren die Themenfelder – Raum, Körper, Wissen, Ordnung, Glauben und Zeit – so abstrakt gewählt und formuliert, dass es mir schwer fiel, mir einen eigenen roten Faden zu spinnen. Der dritte Grund, warum mich die Ausstellung enttäuscht hat, war der fehlende Regionalbezug. Es gab zum Themenfeld Ordnung Stadtpläne von der Quadratestadt Mannheim und der Fächerstadt Karlsruhe, irgendwo wurde auch mal der Kurfürst gesichtet und…

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Quedlinburg – Reise durch sechs Jahrhunderte Stadtgeschichte

Gasse in Quedlinburg

Noch gibt es sie, die unperfekten Ecken in Quedlinburg. Häuser, an denen der Putz in großen Stücken abblättert. Fassaden, die gestützt werden müssen. Fenster, durch die man auch ohne vergilbte Gardinen nicht hindurchblicken könnte. Doch es sind nicht mehr viele. An solchen Häusern kann man verfolgen, wie sich die Nutzung im Laufe der Jahrhunderte geändert hat: hier ein zusätzliches Fenster, dort ein verblasstes Gewerbeschild und ganz oben unter der Dachrinne Reste einer alten Telefonleitung. In Quedlinburg wird das Stadtleben der letzten Jahrhunderte sichtbar: die neuesten Häuser und Stadtvillen stammen aus der Gründerzeit, einige zeigen Jugendstilelemente. Das älteste Haus stammt aus dem 14. Jahrhundert. Es ist unscheinbar – ich hätte es bei meinem ersten Besuch vor über 15 Jahren übersehen, wenn nicht eine Reisegruppe mit Stadtführer davor gestanden hätte. Es gibt Häuser aus jeder Bauperiode, eine architektonische Reise quer durch die Jahrhunderte. Das macht für mich den besonderen Reiz der Stadt Quedlinburg aus, die zum Unesco Weltkulturerbe erklärt wurde. An einigen der noch nicht sanierten Häusern und Brachen hängen große Werbeplakate einst hoffnungsfroher Investoren. Sie verkünden…

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Mein Kampf gegen rechts – Sachbuch-Empfehlung

Vor allen Dingen bin ich froh, dass meine Oma nicht mehr mitbekommt, dass ich das Buch „Mein Kampf gegen rechts“ lese; dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der ich es für nötig halte, ein solches Buch zu lesen. Genau wie das Ergebnis der Landtagswahl 2016, bei der die AfD ein Direktmandat im Mannheimer Norden holte, hätte sie meine Lektüre mit einem energischen Kopfschütteln kommentiert und sich gefragt, ob die Menschen wirklich so dumm sind, dass sich Geschichte wiederholen könnte. Manche der Aktivisten, die in dem Buch „Mein Kampf gegen rechts“ vorgestellt werden, fragen sich das auch. Andere denken sich nur „Das kann man so nicht lassen“ und wieder andere sind einfach in diese Diskussionen, Grabenkämpfe und Unaushaltbarkeiten hineingeraten. Allen gemeinsam ist, dass sie sich Gedanken machen, Stellung beziehen, sich sichtbar machen und aktiv werden: Schulklassen nach Polen in die KZs begleiten, mit Jugendlichen diskutieren, die mit den Neonazis liebäugeln, Gegendemos organisieren, Flüchtlingen helfen oder rechtsradikale Aufkleber und Schmierereien entfernen. Es gibt viel zu tun; jeder macht das, was er kann. Einfach so, weil…

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Anarchistische Entdeckungen, die nur auf der Leipziger Buchmesse möglich sind

Sach-Comic Kleine Geschichte des Anarchismus

Bei diesem Beitrag muss ich aufpassen. Er könnte mir zu sentimental geraten. Verlag Graswurzelrevolution – dieser Name lockt bei mir viele Sätze hervor, die mit „damals“ beginnen. Liegt daran, dass ich den Verlag als Abiturientin entdeckt habe. Hinterfragen, genau wissen wollen, überprüfen, ob es nicht noch ganz andere Alternativen gibt, als die im Lehrplan vorgeschlagenen – das war für mich wichtig. Nicht, dass meine Lehrer mich auf den Pfad gebracht hätten, aber die zufällige Anwesenheit von Werbematerialien anarchistischer Verlage und des Schwarzen Fadens neben meinem Geschichts-Lehrbuch auf dem Schreibtisch wurde doch wohlwollend zur Kenntnis genommen. Oder verkläre ich das im Nachhinein? Eines verkläre ich ganz sicher nicht: Früher konnte man solche Verlage auch auf der Frankfurter Buchmesse antreffen. Ich fand das toll und habe begeistert in Programmen gestöbert, von denen ich sonst mit viel Glück einige Titel in Mannheim in der Xanthippe oder im Anderen Buchladen finden konnte. Vielfalt, Freiheit, Gegenentwürfe – mir ging es nie ums Recht haben, sondern darum, zu erfahren, was noch möglich sein könnte. Heute finde ich diese Verlage nicht mehr…

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Bier ist gut, sagte der Arzt: Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot im TECHNOSEUM in Mannheim

Sudhaube

Bier ist gut, sagte der Arzt früher tatsächlich einmal und empfahl Kindern, Kranken und stillenden Müttern alkoholarmes Nährbier. Auch heute hat so ziemlich jeder, egal ober er oder sie Bier trinkt oder nicht, eine Meinung zum Thema Bier. Genau das macht einen Besuch der Ausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ im Technoseum in Mannheim zu einem vergnüglichen Ausflug. Einfach mal in den mittleren Teil der Ausstellung stellen, dort wo die alten Werbeschilder hängen, und die Ohren spitzen. Heidelberger Schlossqual und Karlsruher Friedhofsbräu – in diesem Raum fliegen im Publikum die Sprüche und Verballhornungen tief. Bellemer und Parkbräu – da werden Party-Erinnerungen unterschiedlichster Qualitäten wach. Das Kölsch, das nicht zu Alt werden darf – Grabenkämpfe flammen auf, befeuert von regionalen Spitzfindigkeiten. Bier ist ein hoch emotionales Thema. Wer eine Ausstellung dazu machen will, braucht Fingerspitzengefühl, um alle Befindlichkeiten von Anonymen Alkoholikern über Braumeister bis hin zu Craftbeer-Fans einzusammeln. Dazu bedarf es noch einer besonderen Gründlichkeit, um alle Aspekte aufzugreifen: Geschichte der Braukunst, Brotbier aus dem alten Ägypten und Brauen als alchemistische Kunst, Zünfte und Industrialisierung,…

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Jüdisches Museum in Worms – Museumstipp

Synagoge Worms im Frühling

Synagoge, Mikwe und jüdisches Museum – all das kann man in Worms ganz entspannt an einem Vormittag besichtigen. Und es lohnt sich! Die Synagoge wurde 1174, zeitgleich mit dem romanischen Dom in Worms, erbaut; das Ritualbad, die Mikwe, wurde 1185 erbaut. 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt und in den Folgejahren komplett verwüstet. 1961 entschlossen sich Stadt und Bürger, die Synagoge unter Verwendung der wenigen noch existierenden Original-Bauteile wieder aufzubauen. Eine jüdische Gemeinde existiert in Worms allerdings bis heute noch nicht wieder. Neben der besonderen Geschichte der Synagoge hat mich bei meinem Museumsbesuch das Ritualbad und seine Atmosphäre beeindruckt. Das Jüdische Museum besteht aus drei kleinen Räumen mit einer wohl durchdachten Sammlung. Im ersten Raum wird etwas zur Geschichte der Juden in Worms und zu den SchUM-Städten erzählt, die seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe sind. SchUM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen Namen der drei Städte zusammen und ist der Begriff, den die Juden selbst für ihre Heimat verwendeten: Die Ausstellung im Keller hat mich am meisten interessiert. Anhand der jüdischen Feste und Feiertage und der dazugehörigen…

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Gärtner-Museum: Leben anno 1900

Die sehenswerte und gut erhaltene Altstadt Bambergs hätte alleine wohl nicht für die Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe genügt. Doch Bamberg besitzt mit seinem Stadtteil Gartenstadt einen ganz besonderen Schatz: eine einmalige innerstädtische Kulturlandschaft voller Gartenflächen – Obst- und Gemüseanbau mitten in der Stadt. Das Gärtner-Museum befindet sich in einem typischen Bamberger Gärtnerhaus von 1767: ein paar kleine Zimmer, ein Stall und ein schmaler, langer Garten hinter dem Haus. Angebaut wurden dort Obst und Gemüse, Süßholz, Blumen und Kräuter; gehandelt wurde über Bamberg hinaus mit Früchten, Gemüse, Heilkräutern und Sämereien. Das Museum zeigt Original-Werkzeug und Alltagsgegenstände und macht damit das Leben der Gärtner und Häcker greifbarer. Der Garten ist Teil des Museums. Dort werden die typischen Pflanzen von damals angebaut. Für Gärtner von heute kommt das fast einer garten-archäologischen Entdeckungsreise gleich: ich glaube nur wenige hätten das Spezialwerkzeug zum Schwarzwurzel ernten auf Anhieb richtig benannt. Um 1900 kam die Gärtner-Familie, der das Haus ursprünglich gehörte, zu wirtschaftlichen Wohlstand. Das Anwesen wurde umgebaut, die Zimmer wurden nobler. Genau dieser Zustand wird heute gezeigt. Eine solch aufwändige Schablonen-Malerei an Decke und Wände…

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