Gärtner-Museum: Leben anno 1900

Die sehenswerte und gut erhaltene Altstadt Bambergs hätte alleine wohl nicht für die Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe genügt. Doch Bamberg besitzt mit seinem Stadtteil Gartenstadt einen ganz besonderen Schatz: eine einmalige innerstädtische Kulturlandschaft voller Gartenflächen – Obst- und Gemüseanbau mitten in der Stadt. Das Gärtner-Museum befindet sich in einem typischen Bamberger Gärtnerhaus von 1767: ein paar kleine Zimmer, ein Stall und ein schmaler, langer Garten hinter dem Haus. Angebaut wurden dort Obst und Gemüse, Süßholz, Blumen und Kräuter; gehandelt wurde über Bamberg hinaus mit Früchten, Gemüse, Heilkräutern und Sämereien. Das Museum zeigt Original-Werkzeug und Alltagsgegenstände und macht damit das Leben der Gärtner und Häcker greifbarer. Der Garten ist Teil des Museums. Dort werden die typischen Pflanzen von damals angebaut. Für Gärtner von heute kommt das fast einer garten-archäologischen Entdeckungsreise gleich: ich glaube nur wenige hätten das Spezialwerkzeug zum Schwarzwurzel ernten auf Anhieb richtig benannt. Um 1900 kam die Gärtner-Familie, der das Haus ursprünglich gehörte, zu wirtschaftlichen Wohlstand. Das Anwesen…

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Wie es einst war – Fundstücke von anno dunnemal

Sachbuch Wie es einst war

Milchgeschwister. Knickerbocker. Contenance. Bahnsteigkarte. Pleureuse. Ausdruckstanz. Solche Begriffe erwartet man in einem Buch mit dem Titel „Wie es einst war – Schönes und Wissenswertes aus Großmutters Zeiten“ Homosexualitit. Lehrerinnenzölibat. Cafè Achteck. Flapper. Isadora Duncan. Solche Begriffe, Anekdoten und Namen machen „Wie es einst war“ erst so richtig spannend. Kurioses und Vergessenes Thomas Blubacher erinnert in 350 Artikeln an die Zeit von vor 100 Jahren. Alltagsgegenstände beschreibt er genauso wie Kurioses und stilbildende Persönlichkeiten. Vieles davon ist in Vergessenheit geraten, manches davon zu Recht. Bei einigen Begriffen und Gegenstände hatte ich nur eine vage Vorstellung, was sich dahinter verbirgt; andere waren wohlbekannt. Mich hat das Buch gleich am Anfang bei A wie Ameisler gepackt. Ein Ameisler sammelte Ameiseneier in den Wäldern, eine schmerzhafte und mühselige Tätigkeit. Diese verkaufte er dann für gutes Geld als Vogelfutter für die Ziervögel der Städter! Und ich dachte, das Verwöhnen von Haustieren sei eine recht neue Erfindung … Eine kleine, locker zu lesende Entdeckungsreise…

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Museumsbesuch – Gründerzeit-Museum – Charlotte von Mahlsdorf

Der Besuch im Gründerzeit-Museum in Berlin-Mahlsdorf hatte Auswirkungen auf meine „Das muss ich unbedingt noch lesen!“ – Liste, die eigentlich doch wirklich schon lang genug ist! Dabei habe ich das Museum eigentlich aus einem ganz anderen Grund besucht. Ich lebe in einem Haus, das 1900 erbaut wurde. Das entfacht meine Neugier. Wie haben die Menschen damals in diesen Räumen gelebt? Warum ist der Grundriß genau so und nicht anders? Wie sah der Garten aus? Antworten auf solche Fragen bietet das Gründerzeit-Museum. Charlotte von Mahlsdorf hat komplette Wohnungseinrichtungen aus der Zeit, in der sie groß geworden ist, gesammelt. Sogar ein vollständiges Schlafzimmer samt Kinderbett ist dabei. Unsere kompetente und erzählfreudige Führerin erklärt wirklich jeden einzelnen Gegenstand im Raum – von der Funktionsweise des Ofens bis hin zur Haartüte. Die Damen haben damals die Haare aus der Bürste in einer Haartüte gesammelt. Der Friseur hat ihnen daraus dann falsche Haarteile hergestellt. Auch die Frage, warum Nachttische Marmorplatten…

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Ernst Haffner – Blutsbrüder – Kurzbesprechung

Berlin, 1932 Jungs. Aus Erziehungsanstalten ausgerissen, aus desolaten Familien geflüchtet, auf der Straße gelandet. Mädchen kommen fast nur als Überträgerinnen von Geschlechtskrankheiten vor. Halt gibt die Clique. Gemeinsam findet man immer eine warme Suppe, einen Platz zum Übernachten, das nächste Bier, einen Wintermantel. »Man liest es mit Gier und Spannung, wie man ehedem Räuber- und Indianergeschichten gelesen hat« schrieb der Münchener Simplicissimus – damals. Und heute? Erstaunlich, wie frisch dieses verschollene Werk auch heute noch ist. Der Autor Ernst Haffner begleitet die Jungs der Clique mit viel Verständnis und der nötigen inneren Distanz. Dies ermöglicht dem Leser ein einzigartiges Mit-Erleben und zieht ihn ins Buch hinein. Bei allem Realismus und aller Härte gibt es seltene Momente der Wärme und Geborgenheit. Doch Hoffnung gibt es nur für zwei der Blutsbrüder und dies auch nur, weil sie nicht blind dem Bandenchef folgen. Bleibt die Frage, was aus dem Autor geworden ist. Man weiß es nicht. Infos zum…

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Museumsbesuch – Citânia de Briteiros – Portugal

Museum Citania Briteiros

800 v. Christus war Citânia de Briteiros eine große keltische Siedlung. Heute ist Citânia de Briteiros ein Museum, das gutes und festes Schuhwerk erfordert. Fast 200 Häuserfundamente der keltiberischen Siedlung wurden mittlerweile ausgegraben. Häuserfundamente, Wasserrinnen, Verbindungsstraßen – also Steine, Steine und nochmals Steine. Diese gilt es zu erkunden, zu erlaufen, zu erklettern. Nur so kann man den Reiz des Ortes erfahren. Der Begriff Häuserfundamente passt nicht wirklich. Grundstücksgrenzen wäre wohl treffender. Jede Familie hatte einen abgegrenzten Bereich, den sie je nach Bedarf bebaute. Wenn man annimmt, das eine Familie aus mindestens 8 Mitgliedern besteht, wohnten in Citânia de Briteiros um die 1600 Personen. Wahrscheinlich waren es mehr. Wie das Leben dort wohl ausgesehen haben mag? Auf einmal sah ich nicht nur Steine, sondern eine kleine Stadt und kletterte fasziniert weiter. Das Museum und ich, wir laden Euch jetzt zu einer virtuellen Rundtour durch Citânia de Briteiros ein. Den Spaß des Kletterns habt ihr so nicht – aber…

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Museumsbesuch – Der Hohenhof in Hagen

Das altmodische Wort Wohnsitz ist für mich der einzige Begriff, der zur Villa Hohenhof in Hagen passt. Der Hohenhof war der Familienwohnsitz des Gründers des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus und wurde 1906 bis 1908 vom Architekten Henry van de Velde konzipiert und erbaut. Dieses Gesamtkunstwerk des Jugendstils ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Sogar die Ausstattung der repräsentativen Räume wie Möbel, Wanddekorationen, Lampen und Stoffe bis hin zu Heizkörperverkleidungen sind unverändert erhalten geblieben! Dies macht das Museum „Villa Hohenhof“, eine Außenstelle des Osthaus-Museums in Hagen, zu etwas ganz besonderem. Auf lichtbild.org findet ihr großartige Fotos, die das Besondere dieses Hauses aufzeigen. Dort erkennt ihr auch, das diese Form des Jugendstils so gar nichts mit floraler Leichtigkeit zu tun hat, wie es zum Beispiel beim Wiener Jugendstil der Fall ist. Hier zeigt sich der Jugendstil von seiner eher sachlichen Seite und weist den Weg zum Bauhaus-Stil. Von der Straßenseite zeigt sich der Hohenhof grau, wuchtig und assymetrisch, denn…

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