Ein Kommunist, ein Feinschmecker und die Magie guten Essens: Der Gourmet von Lu Wenfu

Was aussieht wie ein kleiner Lese-Snack für zwischendurch ist tatsächlich eine literarische Köstlichkeit, die Herz und Geist lange nährt. Auf gut 170 Seiten erzählt Lu Wenfu die Geschichte von Gao Xiaoting, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt, und seinem Lieblingsfeind, dem Kapitalisten und Gourmet Zhu Ziye. Für Gao ist Essen zunächst nichts weiter als ein Grundbedürfnis. Als er, mittlerweile überzeugter Kommunist, zum Leiter eines Luxusrestaurants gemacht wird, verwandelt er es zum Entsetzen des Feinschmeckers in ein Lokal für die Arbeiterklasse mit dem Charme einer Großkantine. Doch das Leben hat mit den beiden ganz eigene Pläne. Die Politik wandelt sich, die Einstellung zum Luxus auch. Nur die Liebe der Menschen zum Essen bleibt. Als Gao beginnt zu verstehen, warum gutes Essen mehr als nur Nahrungsaufnahme ist, gibt es kaum noch jemanden, der die alten südchinesischen Rezepte noch kennt – aber viele, die sich danach sehnen. Und der Gourmet? Hat all die Jahre immer wieder Wege gefunden, seiner kulinarischen Leidenschaft nachzugehen. Notgedrungen arbeiten die beiden ein weiteres Mal zusammen … 170 Seiten, die schmecken – doch eines macht…

weiterlesen

Französische Bistro-Küche von einfach & lecker bis oh là là!

80 Seiten über Wein, 400 Seiten über Essen. Ich mag die klare Ansage auf dem Buchrücken des Kochbuchs »Bistro, Bistro! 100% französische Küche«. Ein bisschen erinnert das Buch an den Manufactum-Katalog: Es gibt sie noch, die guten Dinge. Das, was früher auf den Speisekarten der Bistros stand. Diese Welt jenseits von Baguette frites und Touristenmenüs. Wir können sie wieder aufleben lassen, wir müssen es nur wollen! Manche Rezepte wirken tatsächlich ein wenig aus der Zeit gefallen: Markknochen mit Austern oder Froschschenkel. Bei anderen frage ich mich, wo ich bitte diese Zutaten herbekommen soll. Schnecken oder Merguez erhalte ich in den zum Glück für mich nicht so weit entfernten Supermärkten im Elsass. Aber Scheidenmuscheln oder Entenmägen? Andere wiederum verblüffen durch ihre Einfachheit. Doch bei fast jedem Rezept denke ich mir: Her damit – das würde ich wirklich gerne essen! Viele der Kochrezepte stammen zudem aus einer Zeit, in der es selbstverständlich war, alles zu verwerten – das ganze Tier samt Innereien genauso wie Gemüse-Reste und altes Brot. Auch wilder Spargel und andere Leckereien, die man auf…

weiterlesen

Ist das schon Völlerei oder noch Genuss?

Sehr viele von uns neigen dazu, beim Thema Essen über das Ziel „Ernährung" weit hinauszuschießen. Doch ist das schon Völlerei oder noch Genuss?

Völlerei! Auch wenn ich ganz sicher nicht in Kategorien wie Todsünden denke, ist Völlerei doch ein Wort, bei dem mein schlechtes Gewissen gleich zuckt. Warum eigentlich? All-you-can-eat war noch nie mein Ding. Ich habe mich schon lange nicht mehr so vollgefressen, dass ich in ein Fresskoma gefallen wäre und mich nicht rühren konnte. Meine Portionen sind kleiner geworden, der Genuss dafür größer. Aber wäre der Christstollen heute Morgen zum Frühstück nötig gewesen? Beginnt Völlerei erst beim Überfressen oder schon dann, wenn wir mehr Kalorien zu uns nehmen, als wir bräuchten? Ein zuckendes schlechtes Gewissen ist für mich eher kein Grund, zu einem Buch zu greifen. Doch wenn sich der Restaurantkritiker Jürgen Dollase, der zudem begnadet gut erzählen kann, dem Thema Völlerei widmet – dann will ich das lesen! 100 Seiten später weiß ich: alles richtig gemacht. Sowohl mit meinen kleineren Portionen, dem bewussten Genuss, der auch mal über meinem Kalorienbedarf liegt, als auch mit der Wahl des Buches. Sehr schnell, aber nicht ohne mit einem Kardinal zu sprechen, verlässt Dollase den Themenbereich der Todsünde und…

weiterlesen

Alltagstauglich & gesund: indische Küche

Gesundes Indien – als ich den Titel des Kochbuchs las, kam mir diese Formulierung wie ein weißer Schimmel vor. Kann denn eine so gemüse-lastige Küche wie die indische ungesund sein? Okay, die Süßspeisen haben es in sich, Laddoos sind pures Hüftgold und zu viel Nan dürfte die gleiche Wirkung haben wie unser Weißbrot. Aber was bitte könnte an einem Curry aus frischem Gemüse nicht gesund sein? Der Untertitel bringt die Lösung: Es geht um einfache indische Gerichte für jeden Tag. Chetna Makan ist Hobbyköchin und Bloggerin. Ihre Mission ist es, die klassische indische Küche mit all ihren frischen, gesunden Zutaten in den westlichen Alltag zu transferieren. Dafür ist es notwendig, den Arbeitsaufwand zu minimieren, denn die traditionellen Rezepte sind zeitintensiv: Sie erfordern eine Hausfrau, die mehrere Stunden für das Kochen aufwenden kann und jeden Tag frische Lebensmittel einkauft. Chetna Makan zeigt, dass das nicht nötig ist. Außerdem versucht sie, weniger Zucker und Ghee zu verwenden und die Nährstoffe der Zutaten besser zu erhalten. Ihr Kochbuch basiert auf einem Baukastenprinzip mit Grundrezepten für Dal, Curry, Byriani…

weiterlesen

Vincent Klink – Erinnerungen eines Kochs

Biografie: Vincent Klink Sitting Küchenbull Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs

„In den eigenen Bauch investieren“ ist kein Rat in Zeiten von Niedrigzinsen, sondern eine Lebensweisheit von Vincent Klink. Er, der dank oder wegen seines Vaters schon mit 24 Jahren sein eigenes Restaurant hatte, hat offensichtlich gründlich in seinen Bauch investiert und ist mit seiner Frau quer durch Frankreich und Italien gereist, um zu erleben, was Meisterköche servieren. Für ihn war das die Fortsetzung seiner recht kurzen Ausbildungszeit. Respekt vor Handwerkskunst und Lust, über den Tellerrand zu schauen, prägen seit dem seine Art zu kochen. „Sitting Küchenbull – Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs“ ist ein Buch, das man nicht hungrig lesen sollte. Auch ein Glas Wasser als Getränk zum Buch passt nicht, denn es wird üppig geschlemmt und reichlich getrunken. Ansonsten gibt Vincent Klink sich große Mühe, sich selbst als toller Hecht darzustellen. Doch das nimmt man ihm sofort ab, denn seine Anekdoten sind nicht nur amüsant, sie spiegeln auch perfekt seine Lebensphilosophie wieder. Für Buchmenschen wie mich gibt es ein Bonuskapitel, in dem er erzählt, wie durch einen Anruf bei Loriot letztendlich zuerst der kulinarische Almanach…

weiterlesen

Elsass. Gibt es auch jenseits der Weinstraße.

Für die Pfalz gibt es wohlwollend blumige Namen wie Toskana Deutschlands. Von den Pfälzern selbst wird das wenn überhaupt nur gegenüber Außergewärtigen, Touristen, benutzt. Das gilt auch für »Der Norden Frankreichs« oder »Wo Frankreich nahe ist« – zwei Umschreibungen, die ich noch nie verstanden habe, denn demnach wären Pfälzer Fast-Elsässer. Oder umgekehrt. Wenn ich in das nahegelegene Elsass fahre, ist es für mich offensichtlich, das ich in einem anderen Land bin. Die Dörfer sehen anders aus. Die Menschen gehen am Wochenende anderen Hobbys nach – Quadfahren, angeln, picknicken. Zumindest ist das mein Eindruck, wenn ich dort wandere. Die Wälder leiden zudem unter einem eklatanten Mangel an Pfälzer Hütten mit Einkehrmöglichkeiten. Womit die Beweisführung abgeschlossen ist: Trotz Wein, Sandstein und Burgen ähneln sich die Pfalz und das Elsass nicht. Daran, dass die Supermärkte sonntags nicht offen haben, merkt man aber auch deutlich, dass das Elsass nicht Frankreich ist. Genau diese Eigenständigkeit zeigt Petra van Cronenburg in ihrem Buch »Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt.« Vielfältiges Elsass, quicklebendig Ihr Elsass umfasst so viel mehr…

weiterlesen

Limo, Fassbrause und Brausepulver selbstgemacht

Kochbuch Limo Spritz und Brause selbstmachen

So beginnt eines der Rezepte aus dem Buch „Limo, Spritz & Brause“: Für die Limetten-Minze-Limonade nehme man 1,1 Liter Wasser und 700 g hellen Rohrohrzucker … An diesem Satz bin ich aus zweierlei Gründen hängen geblieben. Einmal, weil es eine Weile gedauert hat, bis ich die Buchstaben in Rohrohrzucker richtig sortiert hatte: Roh-Rohrzucker. Der zweite Grund war die schiere Menge an Zucker: 700 Gramm für 1,5 Liter Sirup. Ein Wellness-Aromawasser ist das nicht. Limonade ist hier eine ernste Angelegenheit. Doch es gibt auch eine Kräuterlimonade, die mit 2 EL Honig und 250 ml Apfelsaft auskommt. Oder eine Johannisbeer-Melonen-Limo, für die 3 EL Agavendicksaft verwendet werden. Klar, all das ist auch Zucker. Doch vielleicht sollte ich erst einmal mit diesen Rezepten starten, denn diese Mengen sorgen nicht für ganz so viel Unruhe unter meinen inneren Ernährungsberatern. Dabei ist das Prinzip ganz klar: zum Durstlöschen ist Wasser immer besser geeignet. Diese selbstgemachten Limos sind Genussmittel, hergestellt aus frischen, saisonalen Zutaten ohne Konservierungsstoffe. Sie sind nicht dafür gedacht, literweise hinuntergestürzt zu werden. So betrachtet passt für mich die…

weiterlesen

Yoga und Ernährung: Yoga Kitchen

Yoga und Ernährung: Yoga kitchen

Yoga alleine kann die Lebensqualität schon entscheidend verbessern; das Duo Yoga und Ernährung bietet noch einmal mehr Möglichkeiten. Das Buch „Yoga Kitchen“ enthält Übungsfolgen und Ernährungspläne für fünf konkrete, wohlbekannte Lebensphasen: Anstatt immer die gleiche Reihenfolge von Sonnengrüßen und Asanas zu üben wird hier also empfohlen, die Yoga-Praxis den tatsächlichen Bedürfnissen und der jeweiligen Lebenssituation anzupassen. Einfach das machen, was einem gut tut. Aber bitte mit Plan und konsequent: es wird empfohlen, das gewählte Programm 40 Tage zu verfolgen. Die Yoga-Übungen sind recht knapp erklärt und durch die Bank weg eher für Fortgeschrittene geeignet. Genau damit verschenkt das Buch in meinen Augen jede Menge Potential. Dabei wäre es sehr einfach gewesen, jeweils eine leichtere Variation für Noch-nicht-so-geübte Yogis zu ergänzen. Meist hätte dafür ein Satz genügt. Noch etwas stört mich an den Anleitungen: zu jeder Asana gehört genau ein Foto, die den Endzustand der Übung zeigt. Da die Übungen zum Teil sehr komplex sind fehlt so die Orientierung, wie man diese Haltung überhaupt aufbaut. Die fertige Verbrezelung sieht toll aus – doch wie gelange ich dort hin? Das erinnert mich…

weiterlesen

Ibiza Happy Hippie Cooking

Ibiza Kochbuch Happy Hippie Cooking

Dringendes Bedürfnis an trüben Februartagen: Sommer herbeilesen. Da zudem gerade meine Küche renoviert wird und ich nicht kochen kann lese ich den Sommer mit einem Ibiza-Kochbuch herbei: Happy Hippie Cooking. Elke Clörs, die selbst auf Ibiza lebt, stellt Menschen vor, die genau wie sie auf der Insel die Möglichkeit gefunden haben, ihren Traum zu leben. Das hat etwas vom Besuch bei Freunden – bei Freunden mit besonders bunten Wohnungen oder bei solchen, die weit draußen in der Natur leben. Wenn Freunde sich besuchen wird gefeiert und gekocht. 70 Rezepte, alle miteinander cross-over-mediterran-natürlich-lecker, bei denen aber auch durchaus mal die Heimatländer der happy Hippies eine Rolle spielen: Auberginenauflauf Parmigiana, grüne Bohnen in Tomatensauce mit Paneer, Süßkartoffeltortilla oder Vanilleporridge mit Erdbeeren und Chia. Rezepte von Menschen, die es sich gerne gut gehen lassen. Unbekümmert leben, kochen, wohnen. Es ist ein sehr persönliches Kochbuch, dass die Menschen mit ihrem Lebensweg und ihren Lebensträumen in den Mittelpunkt stellt; ein sehr buntes Kochbuch voller Bilder, das zum Schmökern und Träumen einlädt. Nebenbei erfährt man auch, was es mit der Kombination von…

weiterlesen

Hauptsache Gemüse: von der Beilage zum Star

Kochbuch Hauptsache Gemüse

Hauptsache Gemüse. Das ist der Titel des Kochbuchs, könnte aber genauso ein guter Vorsatz für mich für das nächste Jahr sein. Mit dem Gemüse verlief es bei mir ähnlich wie mit dem Salat: es dauerte lange, bis wir gute Freunde wurden. Der Salat meiner Kindheit war der Kopfsalat. Die Salatsauce meiner Mutter bestand aus Fondor, die meiner Oma aus Zucker und Zitronensaft. Als Teenager begann ich, den Salat roh zu essen, ganz ohne Sauce. Dass es auch andere Salatsaucen gab als die beiden, die ich kannte und nicht mehr essen mochte, lernte ich erst später. Auch beim Gemüse gab es für jede Sorte genau eine passende Art, sie zu kochen. Zucchini wurden ausgehöhlt und mit Hackfleisch gefüllt, Spinat wurde gedünstet und mit Sahne erschlagen. Beides lecker! Doch es geht auch anders, abwechslungsreicher, wie die Gemüserezepte für jeden Tag aus dem Kochbuch „Hauptsache Gemüse“ zeigen. Nicht nur bei den Zubereitungen gibt es viel mehr Möglichkeiten, sondern auch beim Gemüse selbst. Im Buch ist viel von Texturen und Aromen die Rede; von Gemüse, das zum genau richtigen…

weiterlesen

Aufs Brot – Rezeptideen für Belegte und richtig dicke Ritter

Aufs Brot - Brotaufstriche und mehr Kochbuch

Was gab es in den Kochbüchern und Ernährungsratgebern dieses Jahr nicht schon alles zu lesen: Panik vor der Weizenwampe auf der einen Seite, die Wiederentdeckung der Stulle auf der anderen. Und ich? Ich befinde mich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen und habe mit viel Freude in dem Kochbuch „Aufs Brot“ von Maik Schacht gestöbert. Meinen Brotkonsum habe ich eingeschränkt und lebe gut damit. Getroffen hat es bei mir vor allen Dingen das mittägliche Pausenbrot, dass ich durch Sahnequark mit Obst ersetzt habe – die LOGI-Methode lässt grüßen. Dafür genieße ich mein Abendbrot um so bewusster. Wenn ich denn gutes Brot bekomme … Brot bekomme ich eigentlich überall, sogar an der Tankstelle. Ich suche aber handwerklich gut gemachtes Brot, das nicht nur schmeckt, sondern auch verträglich ist. Wenn man dann so wie ich in einem ganz normalen, nicht-hippen Vorort wohnt, gestaltet sich der Einkauf gar nicht so einfach. Was für ein Glück, dass Abels Marktbäckerei auch den Rheinauer Wochenmarkt besucht! Brot könnte ich natürlich auch selbst backen, aber daran habe ich mich bisher noch nicht gewagt.…

weiterlesen

Eintopf: Morgens, mittags und abends

Kochbuch Eintopf oder besser aus einem Topf

Dieses Kochbuch nimmt seine Mission ernst, sehr ernst: Eintopf zum Frühstück, zum Mittagessen und natürlich auch zum Abendessen. Heiß, lauwarm oder kalt; für den Esstisch und zum Mitnehmen. Suppen und Eintöpfe, aber auch backen, dämpfen und räuchern in einem Topf. Wenn ich also hier in der Überschrift von Eintopf rede, wird das dem Buch nicht wirklich gerecht. Alle Gerichte können zwar tatsächlich mit nur einem Topf zubereitet werden, aber nicht alles, was aus einem Topf kommt, ist deswegen auch ein Eintopf. Wer auch immer für den Abwasch zuständig ist – er wird sich freuen, wenn aus diesem Buch gekocht wird! Die Rezepte reichen von bodenständig und traditionell bis exotisch und überraschend. Gerade bei den ausgefalleneren Rezepten fand ich die Getränketipps sehr hilfreich. Zu jedem Rezept gibt es Variationen und Alternativen zur Würzung. Beherzt salzen und pfeffern – in diese Formulierung habe ich mich verliebt. Wann passiert einem Kochbuchleser das schon mal, das er einen Satz aus der Kochanleitung ins Herz schließt? Was ich unbedingt ausprobieren möchte ist Bulgur mit Spargel und Zitronenverbene. Schwetzinger Spargel frisch vom…

weiterlesen