Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Marcus, Greil: Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

Das Anliegen von Greil Marcus ist klar: es ist der Song, der zählt. Nicht die Musikgeschichte, nicht die Wirkungsgeschichte und der Chart-Erfolg schon mal gar nicht. Hat der Song mehr als dieses gewisse Etwas? Hat er den richtigen Wumms? Führt er ein Eigenleben durch die Jahrzehnte hindurch? Dann könnte es sich um einen jener Rock’n’Roll Songs handeln, die ein eigenes Energiezentrum darstellen. Songs, die nicht vom Künstler erschaffen wurden, sondern die sich einen Künstler gesucht haben, um hinaus in die Welt zu kommen. Transmission von Joy Divison ist ein solcher Song (mehr Gedanken zur Band Joy Division hier auf meinem Blog). Doch dafür, dass der Song wichtiger ist als die Musikgeschichte, findet sich in dem Buch „Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs“ sehr viel zur Musikgeschichte. Für meinen Geschmack zuviel, zu wild und zu intuitiv verknüpft. Weil es über die Band einen Musikfilm gibt und der Hauptdarsteller in einem anderen Film mitgespielt hat,…

weiterlesen

Ich habe heute keine Top Songs 2015 für Dich

Grooveblog auf Facebook

Mein Kollege vom Grooveblog meinte, dass auch wir am Jahresende zurückblicken oder hören könnten. Da hat er recht, doch die erhofften Top-5 Songs 2015 kann ich ihm und Euch diesmal nicht bieten. Wirklich nicht. Und das verblüfft mich selbst. Was ich aber bieten kann sind meine Top 5 Erlebnisse mit Musik 2015. Deren Existenz erklärt dann auch die Abwesenheit der Hitliste: Der Student über mir – Stille – Youtube nervt – Musik da draußen – Stuttgarter Nervengeflecht. Bonus-Kapitel: Musik lesen. Der Student über mir Der Student über mir mag Musik. Das merke ich an den vielen Amazon-Paketen, die ich für ihn annehme, die eindeutig Vinyl-LPs enthalten. Aber was hört er eigentlich? Am Anfang drang ein undefinierbares Gewummer durch die Decke an meinem Schreibtisch, der anscheinend genau unter seiner Anlage steht. Monate später AC/DC und dann auf einmal drei Tage Nirvana Teen Spirit in Endlos-Schleife. Es gibt Schlimmeres, aber irgendwie fühlte ich mich alt dabei. Aktuell…

weiterlesen

Joy Division: alle Songtexte und viel Raum für Legendenbildung

Buch Songtexte Joy Division Ian Curtis

Zwei Essays, alle Songtexte und Fragmente und sehr viel Raum zur Legendenbildung: das enthält der edel ausgestattete Band So This Is Permanence – Joy Division. Songtexte und Notizen. Deborah Curtis, die Witwe des Sängers, Dichters und Perfomance-Künstlers – anders kann man seine Bühnenauftritte kaum bezeichnen – erzählt im ersten Text des Buches von ihrer Liebe zu Ian Curtis, den sie als sensiblen, von seiner Arbeit besessenen Künstler wahrnimmt. Das ist sehr persönlich und verankert den Ausnahmekünstler im normalen Leben. Aber bei mir kam bei der Lektüre der Eindruck auf, dass hier doch viel ausgeblendet wird. Das kann aber auch an der Kürze des Textes liegen. Belesen und dystopisch Joy Division waren eine Band, die Ian Curtis nach seiner Vorstellung geformt hatte, und die war von Belesenheit geprägt und zutiefst dystopisch. S. 19 Spannender finde ich den zweiten Essay und die Verbindungen zur Literatur, die Jon Savage darin aufzählt. Wahrscheinlich gab es schon Semesterarbeiten und literaturwissenschaftliche Studien über die…

weiterlesen

Wer ist nur diese Alice? 101 Fragen der Popmusik

101 Fragen der Popmusik Who is Alice

Guter Grund für mich, das Büchlein „Who the fuck is Alice?“ zu lieben, ist, dass ein Song meiner Lieblingsband enthalten ist. Can i get in your pants? verleitet die Autoren Evelyn Peternel und Andreas R. Peternell zu einem kleinen Exkurs über die Geschichte der Damenunterhose. Das geht erstens genau haarscharf am Thema des Songs der Cramps vorbei und zeigt zweitens prima, wie das Buch funktioniert. Die Frage des Songs wird nur als Ausgangspunkt für eigene Querdenkereien genommen. Und wie das bei Querdenkereien so ist, kann der Leser dem mal ganz großartig folgen und manchmal überhaupt nicht. So hat sich mir der Gedankensprung von Alles klar Herr Kommissar? zur Entstehungsgeschichte des SOS nicht wirklich erschlossen. Genau mein Humor war hingegen die Frage Das soll ich sein?, die Blumfeld stellen, mit dem Bilderbuch „Das kleine Ich bin Ich“ von Mira Lobe zu beantworten. Großes Musical ist es auch Was hat Dich nur so ruiniert? mit wahren Geschichten…

weiterlesen

Auf einmal war Mannheim cool: Schwefel

LP-Cover der Band Schwefel aus Mannheim

Natürlich war Mannheim in den 80er Jahren für mich langweilig. Die Stadt war unschuldig. Ich war ein Teenager und wusste es nicht besser. Die Tatsache, dass ich heute immer noch in Mannheim lebe, zeigt, dass sich meine Haltung zu meiner Heimatstadt geändert hat. Ich kann auch genau den Abend benennen, an dem sich mein Mannheim-Bild zu verändern begann. Wie so vieles, was für mich wirklich wichtig war und blieb, fand auch dieses Ereignis im Cafe Old Vienna statt. Das Lokal ist Geschichte. Seine Reinkarnation nach dem Abriss des Gebäudes, das New Vienna, habe ich deswegen nie betreten. Wahrscheinlich hatte ich mir dieses Konzert im Old Vienna, das mein Mannheim-Bild änderte, nicht bewusst rausgesucht. Entweder war ich sowieso schon seit dem Nachmittag dort und blieb einfach. Oder ein guter Freund empfahl mir die Band eindringlichst*. An dem Abend, irgendwann in den 80er Jahren, trat im Old Vienna die Band Schwefel auf. Musik aus Mannheim, auf der Höhe…

weiterlesen

Fan war ich eigentlich nicht: Kim Gordon und Sonic Youth

Kim Gordon Girl in a band Autobiographie Sonic Youth

Rock’n’Roll war das nicht: Sonic Youth waren mir damals zu künstlerisch wertvoll. Zu wenig Unterleib. Anerkannt gute Songs, aber insgesamt zu kopflastig. Aber da stand Kim Gordon. Sie blieb mir im Gedächtnis. Ohne, das ich allzu viel über sie wusste, war sie für mich ein Role Model – eine Frau, wie ich mir Frauen vorstellte. Dafür brauchte es keinen feministischen Diskurs, dafür brauchte es eine Frau, die tat, was sie tat, inmitten von Männern und dabei sehr zufrieden aussah. Sie war für mich ein Vorbild – einfach dadurch, dass sie so auf der Bühne stand, wie sie da stand und einfach dadurch, dass sie ihre Version von Musik machte. Cool war sie für mich – aber wie ich jetzt nach der Lektüre von „Girl in a band“ weiß, sah sie das anders. Coolness war für sie ein weiteres künstlerisches Konzept. Den feministischen Diskurs würde ich heute nach der Lektüre liebend gerne mit ihr führen. Wahlweise…

weiterlesen

Neil Young – ein Hippie träumt von der perfekten Modell-Eisenbahn

Autobiografie Neil Young

Neil Young eröffnet seine autobiographischen Fragmente mit Überlegungen und Schwärmereien zu seiner Lionel Modelleisenbahn. Das ist, gelinde gesagt, ein unerwarteter Einstieg in das Buch eines Rockstars. Überhaupt ist so einiges überraschend an seinen Erinnerungen, die munter zwischen den Jahrzehnten und Themen hin und her springen und doch völlig in der Gegenwart und seiner Person verwurzelt sind. Ja, man erfährt einiges über seine Musik, seine Weggefährten. Und ja, es gibt Anekdoten am Rande der Legalität. „Ein Hippie-Traum“ ist definitiv das Buch eines Rockstars. Doch es ist noch viel mehr.

weiterlesen

God is a DJ: Musikwelten im REM Mannheim. Museumsbesuch

„God is a DJ“ – mit diesem Zitat beginnt die großartige Ausstellung „Musikwelten“ im Bassermannhaus des Reiss-Engelhorn-Museums in Mannheim. Vorher heißt es „Kopfhörer auf“ und reinlaufen in das geheimnisvolle Halbdunkel. Das ist kein klassischer Museumsbesuch, denn Musikinstrumente nur anschauen, das wäre öd … Eigentlich finde ich Führungen via Audioguide langweilig, denn der Kopfhörer kapselt mich von meinen Begleitern ab. Audioguide ist für mich die lasst-mich-doch-alle-in-Ruhe-Variante des Museumsbesuch, eine Notlösung. Diesmal nicht. Heh, ich habe in der Ausstellung getanzt! Die Ausstellung basiert auf der Freudenberg-Sammlung. Von den knapp 2000 Musikinstrumenten der Sammlung sind rund 200 zu sehen und viele davon zu hören. Das reicht locker für eine völkerkundliche Reise um die Welt – Musik der Götter, als Verbindung zu den Ahnen, als rituell-religiöses Element, höfisches Zeremionell (hier bringen sie auch kurz die Mannheimer Schule unter), Tanz und Trance … Dazu Verbindungen zu Klassik, Swing, Jazz, Gorillaz, Queen, Iron Maiden … Ich hatte den Eindruck, dass der Musik-Ethnologe, der…

weiterlesen

Sommerhit – Projekt Mixtape

Eine ganz einfache Frage: Was ist dein Sommerhit? Diese Frage hatte „and so Annie waits“ für ihr Projekt Mixtape im Juli gestellt. Wie das so bei einfachen Fragen ist, fielen die Reaktionen darauf ganz unterschiedlich aus. Während ich mich sofort vor meinem inneren Auge auf der Fahrt nach Südfrankreich sah und ein ganz bestimmtes Lied hörte, verklebten meinem Kollegen vom Grooveblog* sofort die Ohren vor lauter Bacardi- und Langnese-Songs. Erst als ich ihm die Gehörgänge mit „Dancing in the streets“ und „Summertime“ in der Version von Ella Fitzgerald freispülte, fand er einen für ihn akzeptablen Sommerhit: „Sex in der Wüste“ von IDEAL. Feine Wahl. Der Sand ist heiß. Kein Schatten weit und breit. Die Cola kocht. Man liegt im eigenen Schweiß. Für mich ist der ultimative All-time-Sommerhit „Voilà l’été“ von Les negresses vertes. Es kann keinen anderen Sommerhit geben. Dieses Lied hatten wir immer auf der Urlaubsfahrt nach Südfrankreich dabei. Erst auf Cassette, dann auf CD.…

weiterlesen

Grooveblog – Prince – Diamonds & Pearls Tour 1992

1992 hatten wir, die Buchhändlerin und der Buchhändler alias Grooveblog, etwas zu feiern. Was? Das wird hier nicht verraten.  Aber das wie … Prince – Diamonds & Pearls Tour 1. Juli 1992 Stuttgart Schleyerhalle Ich vermute, dass die Hälfte des Publikums so wie ich nicht so ganz wusste, was auf uns zukommen würde. Die andere Hälfte fühlte sich gleich zu Hause: Angehörige der US-Armee, die fest mit einer Party dieser Größenordnung gerechnet hatten. Natürlich kannte ich die Videos und rechnete daher mit einem bombastischen Bühnenbild und viel Choreographie im Sinne von Tanzeinlagen, wenn nicht gerade gesungen wird. Das war zu klein gedacht. Ich erinnere mich an ein rauschendes Fest, ich erinnere mich an viel lila-farbenes Licht, ich erinnere mich, den ganzen Abend getanzt zu haben … und ich weiß, das „Purple Rain“ liveso verdammt großartig ist, wie ich es mir erträumt hatte. Das Live-Video „Erotic City Housequake“ vermittelt einen guten Eindruck von dem, was dann wirklich…

weiterlesen

Blogger schenken Lesefreude – Bonustrack: Und uns verbrennt die Nacht

Blog den Welttag des Buches – Blogger schenken Lesefreude. Bonustrack. Meine zweite Verlosung auf dem Grooveblog: Das Kultbuch „Und uns verbrennt die Nacht“ Als GeschichtenAgentin mag ich nicht nur Bücher, sondern auch Musik – insbesondere Musik, die Geschichten erzählt oder Musik, mit der ich Geschichten erlebt habe. Zusammen mit einem guten Freund betreibe ich auf Facebook den Grooveblog. Auch dort verlosen wir zum Welttag des Buches 2013 Bücher – schaut mal vorbei! Der Buchhändler vom Grooveblog verlost „Herr Lehmann“ von Sven Regener und  ich, die Buchhändlerin vom Grooveblog, verlose „Und uns verbrennt die Nacht – Roman mit Jim Morrison“ von Craig Kee Strete. Die Geschichte, die für mich zu diesem Buch gehört, erzähle ich Euch gleich hier: Ohne den Roman mit Jim Morrison “Uns verbrennt die Nacht” wäre meine Jugend unvollständig gewesen. Wobei mir nicht mehr so ganz klar ist, wie ich an das Buch gekommen bin. Von meinen Eltern werde ich es wohl kaum bekommen haben und aus ihrem Bücherschrank habe…

weiterlesen