Mit Wald oder Kunst bekommt man mich garantiert vor die Haustür. Beides zusammen? Noch besser! Willkommen auf dem Waldkunstpfad Darmstadt, wo Bäume und Kunstwerke eine WG bilden, die ich so nicht erwartet hätte. Wer rechnet auch schon mit einem hölzernen U-Boot im Wald!
Der Waldkunstpfad liegt zwischen Böllenfalltor und Ludwigshöhe im Darmstädter Stadtwald, einem naturnahen Erholungswald mit alten Buchen. Der Verein für Internationale Waldkunst e.V. veranstaltet dort seit 2002 alle zwei Jahre ein mehrwöchiges Symposium, bei dem Künstler*innen unter einem wechselnden Thema neue Werke schaffen. Diese Kunstobjekte entstehen genau für diesen Wald und werden entlang des Weges platziert. Manches wechselt im Zweijahresrhythmus, manches darf bleiben und wird nach und nach selbst zu Wald. Der Waldkunstpfad ist eben kein Museum für die Ewigkeit, sondern Natur.
Mich hat fasziniert, wie die Kunstwerke den Blick auf den Wald verändern. Ich konnte es an mir selbst beobachten. Nach einer halben Stunde begann ich, hinter jedem verdrehten Stamm und jedem unerwarteten Lichteinfall ein neues Kunstobjekt zu vermuten. Manchmal lag ich richtig, doch viel häufiger war es Schönheit, die die Natur selbst erschaffen hatte.

Auf dem Pfad gibt es ein Objekt, das den Darmstädtern besonders ans Herz gewachsen ist. 2004, beim 2. Internationalen Waldkunstpfad unter dem Motto „Expeditionen“, schuf der deutsche Künstler Roger Rigorth ein rund 20 Meter langes Holz-U-Boot, das aussieht, als sei es gerade aus dem Waldboden aufgetaucht – Bug voran, Richtung Waldweg, mit begehbarem Turm. Der ursprüngliche Titel des Werks war „Standortbestimmung“. Holz und Wetter machten dem Boot über die Jahre zu schaffen. Wegen Witterungsschäden musste es schließlich 2018 aus Sicherheitsgründen abgebaut werden. Doch es wurde schmerzlich vermisst! Dank einer Spendenaktion konnte das U-Boot pünktlich zum 10. Internationalen Waldkunstpfad 2020 am gleichen Ort in gleicher Größe neu gebaut werden – diesmal robuster, damit es die nächsten Jahrzehnte überdauern kann.
Warum ausgerechnet ein U-Boot, mitten im Wald, fernab jeden Gewässers? Die Antwort liegt in Rigorths Kindheit. Ihn verfolgte ein Bild aus dem National Geographic Magazin: ein amerikanisches U-Boot, das erstmals die Eisdecke des Nordpols durchbrach. Aus dieser frühen Faszination fürs überraschende Auftauchen wurde Jahrzehnte später sein Beitrag zum Waldkunstpfad. Nur bricht sein U-Boot statt durch das Packeis durch den sandigen Waldboden. Etwas kindlich, etwas absurd und ziemlich charmant. Das gilt eigentlich für fast alle Kunstwerke auf dem Waldkunstpfad – so auch für Soundwave (hier kann man den Wald zum Klingen bringen) oder für Wolkenkuckucksheim, die überdimensionierten Vogelhäuschen von Fredie Beckmans, die auch an der Grube Messel stehen.






Der Waldkunstpfad Darmstadt ist der Beweis, dass man für Kunstgenuss kein Museum braucht. Festes Schuhwerk, etwas Mückenspray und Entdeckergeist genügen völlig!
Für wen lohnt sich ein Besuch auf dem Waldkunstpfad Darmstadt?
- Naturliebhaber, Flaneusen, Wanderer: Der Weg selbst ist ein leichter Spazierweg. Er ist auch ohne besonderes Interesse an Kunst ein schöner, entspannter Spaziergang. (Verschiedene Varianten möglich. Zum Beispiel auf Komoot als Rundweg mit gut 5 km)
- Kunst- und Kulturinteressierte: Wer Land Art / Naturkunst mag, findet hier eine ungewöhnliche Verbindung von Kunst und Wald – ideal für alle, die abseits klassischer Museen etwas erleben möchten.
- Familien mit Kindern: Der Pfad durch den lichten Buchenwald eignet sich gut für einen Familienausflug.
- Fotograf*innen: Die Kombination aus Waldkulisse und Kunstobjekten bietet viele interessante Motive.
Mehr Infos zum Waldkunstpfad findet ihr auf der Website des Vereins Waldkunst und in diesem Blog-Beitrag von Britta Kadolsky
Ohne Kunst, ohne mich: Museums-Tipps hier auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin
Auf dem Waldkunstpfad heißt es: selbst schauen! Es gibt keine richtige Anleitung für den Weg. Das Konzept kommt euch bekannt vor? Dann kennt ihr wahrscheinlich auch das Museum Insel Hombroich, über das ich hier schreibe.

