
Fotografieren oder knipsen? Es hat eine Weile gedauert, bis ich meine Fotos nicht mehr als Geknipse bezeichnet habe. Meine ersten Bilder, gemacht mit einfachen analogen Automatikkameras, zeigten nie das, was ich eigentlich gesehen hatte. Doch bis der Film entwickelt war, wusste ich nicht mehr, wie die Situation vor Ort war. Wenn mir jemand eine bessere, sprich teurere Kamera in die Hand drückte, und mir etwas von Blende und Belichtungszeit erzählte, stieg ich aus. Ich wollte kreativ sein und nicht Ingenieurwissenschaften studieren.
Dann passierte dreierlei: Handykameras, meine Beschäftigung mit Kunst und Instagram. Dazu später mehr.
Fotografieren lernen: anfangen, üben, kritisch bleiben
Ich stelle mir vor, dass Autor Lars Poeck bei dieser Beschreibung wissend nickt. Auf jeden Fall fühle ich mich sehr wohl mit seinem Buch „Kreative Fotoaufgaben. Woche für Woche bessere Fotos“. Sein Ziel ist es, Leser*innen zu motivieren, häufiger zur Kamera zu greifen. Dabei ist es erst einmal egal, ob es sich um ein Smartphone, eine hochtechnische Spiegelreflexkamera oder eine schlichte Spaßkamera handelt. Der beste Foto ist immer der, den man gerade zur Hand hat.
Viel wichtiger sind Lust am Ausprobieren, Motive als solche erkennen und Fachwissen zur Bildgestaltung. Damit hatte er mich. Wer eine technische Herangehensweise bevorzugt, lernt in den Einführungskapiteln genug über Blende, Belichtungszeiten und ISO-Werte. Wer das nicht braucht oder nicht wissen will, kann es gut überblättern.
Auf die Theorie folgt die Praxis. Mit 52 kreativen Fotoaufgaben kann das Gelesene gleich angewendet werden. Ganz ehrlich: So weit bin ich noch gar nicht. Ich habe sie mir zwar schon angeschaut und Ideen gesammelt, kehre aber derzeit immer wieder zu den Grundlagen zurück.
Meine Game-Changer: Handykamera, klassische Kunst und Instagram
Die Kamera, die ich immer dabei habe, ist mein Handy. Viele der Fotos poste ich auf Instagram. Das ist gut so, denn dann prüfe ich sie noch einmal kritisch. Zeigt das Bild das, was ich gesehen habe, das, was ich zeigen wollte? Hatte ich den richtigen Blickwinkel? Wird es durch Bearbeitung, insbesondere durch Zuschneiden, besser? Was kann ich jetzt noch optimieren, was hätte ich im Moment der Aufnahme gleich anders machen können?
Bei dieser kritischen Betrachtung ist mir das Fotobuch von Lars Poeck eine große Hilfe. Er erklärt die Basics gründlich und gut verständlich. Jedes Bild braucht einen Vordergrund, Licht und Linien als Mittel der Bildgestaltung – all das sind Bildtechniken, die Fotos besser machen. Viele dieser Techniken sind mir aus einem anderen Zusammenhang vertraut: aus der Bildbetrachtung in der Kunst. Das ist mein Weg, denn dieses Wissen hilft mir mehr als technisches Know-how zu Blende und Belichtung. Damit verlasse ich den Bereich des Geknipses.
Vielleicht kann ich den Unterschied zwischen Knipsen und Fotografieren für mich so definieren: eine Absicht zu haben, bevor man auf den Auslöser drückt. In etwa zu wissen, was ich hier eigentlich tue. Genau dabei hilft das Buch: Es liefert nicht nur Technikwissen, sondern vor allem Anlässe, dieses Wissen sofort anzuwenden.
Doch eine Frage bleibt. Eine Foto-Aufgabe lautet „Geh auf Augenhöhe“. Gemeint ist: Leg dich auf den Boden und fotografiere von dort. Schön, aber wie komme ich jetzt wieder hoch?

Infos zum Buch:
Lars Poeck
Kreative Foto-Aufgaben
Woche für Woche bessere Fotos. Projekt 52 – Dein Foto der Woche

Ergänzend dazu gibt es Fotokarten, die gut zum Mitnehmen geeignet sind. Der Kartenfächer lässt sich auseinandernehmen und neu zusammensetzen. Auf den Karten, die beidseitig bedruckt sind, findet ihr das Wissen in verdichteter Form und passende Aufgabe. Ideal für Menschen, die vor allem Inspiration für neue Bildmotive und Fototechniken suchen.
Lars Poeck
Fotokarten. Magische Bildgestaltung
50 Inspirationen für bessere Fotos. Fotokarten zum Inspirieren, Nachmachen und Lernen
Ebenfalls sehr zu empfehlen: der Insta-Kanal von Lars Poeck ig-fotografie und seine gleichnamige Website.
Buch und Karten wurden mir vom humboldt Verlag kostenlos als Rezensionsexemplare zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür! Mein Erfahrungsbericht gibt meine persönliche und unabhängige Meinung wieder.
Anregungen für kreativere Fotos gesucht? Drei Bücher, die ich hier auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin besprochen habe:
- Wie haben Sie das gemacht? 50 Fotografinnen, die Geschichte schrieben, und ihre Techniken
- Advanced Selfie – die ganz hohe Kunst des Selbstporträts
- Schule des Sehens: gebt dem Zufall eine Chance! Notizen zur Fotogestaltung von Peter Jenny
Oder hier: Kreativitäts-Ratgeber, die wirklich inspirieren. Rezensionen und Empfehlungen für alle, die ihre kreative Seite entfalten wollen

