Wie wird Landschaft sichtbar? Durch Spaziergangswissenschaft!

Es gibt Bücher, die würde ich mir im Leben nicht kaufen. Ganz einfach, weil ich von ihrer Existenz gar nichts weiß. Wer mir und meinen Lese-Vorlieben schon länger folgt, ahnt, wie perplex ich ob dieser Aussage bin. Ich bin eine Kreuz-und-quer-Leserin und ich schätze die Arbeit kleinerer Verlage sehr. Aber das Buch „Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft“ von Lucius Burckhardt, erschienen im Martin Schmitz Verlag, war mir noch nie begegnet.

Zum Glück habe ich einen sehr guten Freund, der dieses Buch in der Karl Krämer Fachbuchhandlung entdeckt hat. Sein erster Gedanke war anscheinend „Spaziergangswissenschaft? Dagmar!“, wozu sicherlich unsere gemeinsamen Instawalks beigetragen haben. So wurde aus dem Buch ein Geburtstagsgeschenk für mich – was für ein glücklicher Zufall!

Kann ich von einem Buch begeistert sein, an dem ich sehr lange gelesen habe, weil es sich zwischendurch zog? Ich kann, denn diese Essays waren nie als Buch geplant. Es ist eine Sammlung von Vorträgen, Interviews und Artikeln. Mit Wiederholungen ist daher zu rechnen. Was aber wiederum passt, denn auch unsere Spaziergänge wiederholen sich.

Doch womit beschäftigt sich ein Promenadologe, also ein Spaziergangswissenschaftler?

Das Fach könnte auch Landschaftsästhetik genannt werden. Wir fragen uns, weshalb Landschaft schön ist und worin diese Schönheit besteht.

Lucius Burckhardt – Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft S. 306

Dabei geht er vom Idealfall aus: Ein Stadtmensch bricht auf, spaziert zum Stadtrand, die Besiedelung wird lichter. Sie erreicht den Waldrand, steigt höher, kommt zu einem Aussichtspunkt. Dann das gleiche wieder zurück. Aus all den Einzelbeobachtungen formt sie in ihrem Kopf eine Landschaft.

Indem sie sich langsam durch die Landschaft bewegt, eröffnen sich Perspektiven und Details, die bei schneller Fortbewegung möglicherweise übersehen werden würden. Der Spaziergang wird somit zu einer Reise, die neue Einsichten und Erkenntnisse ermöglicht.

Die Spaziergangswissenschaft fordert uns dazu auf, unsere Beziehung zur Umwelt zu überdenken und bewusster zu gestalten. Sie erinnert uns daran, dass die Schönheit der Landschaft weniger in ihrer äußeren Erscheinung liegt, sondern mehr in der Art und Weise, wie wir sie betrachten und erleben. Indem die Welt um uns herum erkunden, können wir unsere ästhetische Wahrnehmung schärfen und eine größere Verbundenheit zur Natur entwickeln.

Ab hier stellen wir uns erzählerische Querverknüpfungen vor. Natürlich kommt Beuys drin vor. Aber auch die Instandbesetzer von Zürich, klassische Parks, die Documenta, Stadtplanung und ganz viel „wir Menschen und unser Verhalten“- so wie hier:

In einem Dorf, das schöner werden will, genügt es eben nicht, zwei Bänke auf den Dorfplatz zu stellen und mit Begonien zu umpflanzen; solange das Zeigen von Müßiggang im sozialen Kontext eines Dorfes mit Sanktionen belegt wird, werden sich auf diesen Bänken höchstens Betrunkene aufhalten.

Lucius Burckhardt – Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft S. 208

Lucius Burckhardt starb 2003. Was er wohl zu dem Phänomen der Instawalks gesagt hätte? Auch das sind Spaziergänge im Sinne der Strollology, der Spaziergangswissenschaft. Wir treffen uns, um zu flanieren, und versuchen, unsere Umgebung anders, intensiver wahrzunehmen und in einen neuen Kontext zu setzen. Ich glaube, in der Theorie hätte ihm das gefallen. Was er hingegen zu unserem Medium Instagram gesagt hätte, das hätte ich wirklich gerne gehört!


Bibliographische Angaben:

Lucius Burckhardt

Warum ist Landschaft schön?
Die Spaziergangswissenschaft

Martin Schmitz Verlag


Wandern, spazierengehen, flanieren – das scheint ein ergiebiges Buch-Thema zu sein!

Londoner Monster-Maulwürfe und britisches Landleben: Fantasy von Mark Hayden

Buch: Mark Hayden - Die 13. Hexe. Aus der Serie: Die Königswacht - Band 1

Wer hat den Göttern Handys gegeben und was ist im Londoner Abwasser, dass ein Riesenmaulwurf entstehen konnte? Wie bitte kommt ein ehemaliger Kampfjet-Pilot, der direkt aus einem Thriller von Tom Clancy entsprungen sein könnte, in einen Fantasy-Roman? Ist es noch Urban Fantasy, wenn zwar die Tunnel unter London ein wichtiger Schauplatz sind, die andere Hälfte der Handlung aber auf dem Land spielt?

Und gibt es in dieser Geschichte irgendetwas, was einfach normal abläuft?

Nein, gibt es nicht.

Anders gesagt:
Ich hatte nicht nur wegen des schrägen Humors viel Spaß mit „Die 13. Hexe – Königswacht 1“ von Mark Hayden. Das Buch gleicht einem wilden Ritt durch sämtliche Spannungs- und Phantastik-Genre und streift außerdem auch Witchcore und Cottagecore, die Londoner Finanzwelt, Harry Potter und was weiß ich noch alles.

Dabei offenbart der Autor die Hintergründe seiner Figuren in ganz kleinen Informationshäppchen, was zu herrlichen Überraschungen führt. Allein mit der Familienkonstellation oder mit dem kriminellen Vorleben der Hauptfigur könnte man eine Buch-Serie füllen. Insgesamt sehr erfrischend für Fantasy-Vielleser*innen, wenn auch ein gründlicheres Korrektorat dem Buch gutgetan hätte. Da gab es einige Stellen, an denen Begriffe aus vorangegangenen Überarbeitungen sinnfrei im Satz stehen geblieben sind.


Bibliografische Angaben:

Mark Hayden
Übersetzt von Oliver Hoffmann

Die 13. Hexe
Königswacht Band 1

Lindwurm Verlag – Bedey & Thoms Media


Hier könnt ihr mehr Fantasy-Buchtipps auf meinem Blog entdecken. Das hier ist ein ganz besonderes Schmankerl: Das absolut ultimative Geheimrezept für erfolgreiche Fantasy-Romane – quasi das Bestseller-Erfolgsrezept überhaupt! Ehrlich!

Einer der Pfauen war verrückt geworden

Isabell Bogdan - Der Pfau. Das Cover des Buches spiegelt sich auf einer Glasfläche, auf der eine Figur eines Pfaus steht

„Ich hätte gerne „Der Pfau“ von Isabel Bogdan. Aber bitte im englischen Original.“. Ich kann mir gut vorstellen, dass sich diese kleine Szene schon längst in einer deutschen Buchhandlung zugetragen hat. Die Krimi-Komödie „Der Pfau“ wirkt so durch und durch britisch, dass es doch gar nicht sein kann, dass es sich hier um ein deutsches Buch handelt.

Ein heruntergekommener Landsitz, der mit mehr Liebe als Geld halbwegs in Schuss gehalten wird. Der Zusammenhalt in einem Dorf in den schottischen Highlands. Alte Damen, die sich zum Tee treffen. Einfach alles, was wir mit dem Miss-Marple-High-Tea-Krimi-England verbinden, findet seinen Platz in diesem Buch. Gleichzeitig wird genau diese Vorstellung ganz subtil ironisch kommentiert. Was dazu führt, das in meinem Umfeld jede Leserin diese Geschichte in ihr Herz geschlossen hat – wenn auch aus unterschiedlichen, generationen-übergreifenden Gründen. Die eine amüsiert sich über die Teambuilding-Maßnahme der Investment-Banker, die andere über die überdrehte Dosis British-Cosy-Crime und die dritte über die Gags, die sie an die Film-Komödien ihrer Jugend erinnern. Alle miteinander haben das Buch vom ersten Satz an geliebt. Der lautet:

„Einer der Pfauen war verrückt geworden“

Isabel Bogdan – Der Pfau

Schon hier wird klar: Die Sache wird aus dem Ruder laufen. Und so kommt es. Immer, wenn man beim Lesen denkt, jetzt müsste Isabell Bogdan sich langsam mal an die Lösung des Rätsels machen, setzt sie noch einen drauf. Ich hatte besonderen Spaß daran, dass selbst die uralten elektrischen Installationen des schottischen Schlosses wesentlich zu den Verwicklungen beitragen. Jede*r, der schon mal einen Altbau renoviert hat, kann das nachvollziehen. Und die Auflösung nach der Auflösung des Durcheinanders ist einfach herzerwärmend!


Bibliographische Angaben:

Isabel Bogdan

Der Pfau

Insel Taschenbuch


Mehr von Isabel Bogdan auf meinem Buch-Blog: Wohnverwandschaften

Vor 10 Jahren habe ich schon einmal ein Buch von Isabel Bogdan besprochen: Sachen machen

Wandern bei Nacht. Was wir in der Dunkelheit erleben können

Wandern bei Nacht. Poetisches Sachbuch von John Lewis-Stempel. Ich halte das Buch bei Nacht aus dem Fenster in Richtung Garten.

Das Leuchten schneeweiß blühender Obstbäume in der Nacht, das unverschämt laute Schmatzen eines Igels: Nachts verändert sich jeder Garten. Doch ich erlebe das meist nur vom Fenster. Ganz anders der Autor John Lewis-Stempel. Er nutzt Anfälle von Schlaflosigkeit, zieht nachts mit seinem Hund los und lässt uns in „Wandern bei Nacht. Was wir in der Dunkelheit erleben können“ mit nahezu poetischen Miniaturen daran teilhaben.

Mehr als einmal vergaß ich, weiter zu lesen, denn sein wunderbarer Schreibstil verführte mich, in eigenen Erinnerungen spazieren gehe. Ich sah wieder die Eule auf einer Plakatwand im Industriegebiet sitzen. Ich hatte sie entdeckt, als ich von einer Kneipentour zurück radelte. Oder die verstörende Geräusche, die mich letzten Sommer geweckt hatten. Es klang, als würde jemand schwer arbeitend den Garten umdekorieren. Tatsächlich lagen am Morgen einige Steine rund um den kleinen Gartenteich nicht mehr an ihrem Platz. Trotzdem dauerte es noch Wochen, bis wir begriffen, dass wir nachts einen Waschbären zu Gast haben.

Zuverlässig führten mich meine Gedankengänge weiter zurück zu den Nachtwanderungen meiner Kindheit. Abends ging es mit den Eltern von der Ferienwohnung zu Fuß durch den Wald in die Gaststätte im nächsten Ort. Auf dem Hinweg haben wir uns schon Wurzeln und andere Stolperfallen eingeprägt. So konnten wir auf dem Rückweg die Taschenlampe meist aus lassen. Doch meine letzte Nachtwanderung habe ich vor ein paar Jahren gemacht, als mich die Nachricht erreichte, dass ein guter Freund gestorben war. Ich hielt es nicht mehr in der Wohnung aus und lief einfach los.

Wenn meine Gedanken diesen Punkt erreicht hatten, griff ich wieder zum Buch. Und stellte fest: Poesie tröstet nicht nur – sie ist auch ein erstaunlich gutes Handwerkszeug, um Naturerlebnisse sehr exakt zu beschreiben.

Doch „Wandern bei Nacht“ bietet mehr als poetische Naturbeschreibungen. Sie sind eine Einflugschneise, hin zu detailgenauen Beobachtungen und naturwissenschaftlichen Erklärungen. Dabei findet kleines und alltägliches genauso seinen Platz wie große und seltene Phänomene.

Während ich nach Westen schaue, in die ungestört stille Nacht von Wales, erscheint ein Bogen aus weißem Licht am Himmel und überspannt die Erde. Ich taumele, verspüre Furcht, als wäre ich für einen allmächtigen Offenbarungsmoment auserkoren worden … Endlich setzt prosaische Physik ein: ich sehe einen Regenbogen bei Nacht. Einen Mondbogen.

John Lewis-Stempel, Wandern bei Nacht – S. 32

Jetzt könnte man selbstverständlich sagen, John Lewis-Stempel hat gut schreiben. Er lebt in Wales inmitten von Feldern, Weiden und kleinen Wäldern. Die Natur beginnt quasi auf seinem Grundstück. Doch Eule und Fledermaus, Igel und Waschbär, Zikaden und der Duft des blühenden Geißblatts – all das kann ich auch hier in meinem Vorort am Rande der Großstadt erleben.

Nur in einem hat John Lewis-Stempel einen Standortvorteil, den er reichlich ausnutzt: Sternenlicht. Er lebt weit genug entfernt von der Lichtverschmutzung der Städte.

Wir haben die Nacht verbannt, schon vor langer Zeit. Es gibt Stadtmenschen, die noch nie die Sterne gesehen haben, die das tröstliche Gefühl nicht kennen, von den weichen Schwingen der Nacht umfangen zu werden. Es gibt Nächte von solcher Stille und Schönheit, dass sie wie Balsam für die Seele wirken …

John Lewis-Stempel, Wandern bei Nacht – S. 16

Doch eines werfe ich dem Buch, das nur ein Büchlein ist, wirklich vor: Es ist zu kurz. Ich hätte den Autoren gerne noch länger auf seinen nächtlichen Streifzügen begleitet!


Bibliographische Angaben:

John Lewis-Stempel

Aus dem Englischen von Sofia Blind

Wandern bei Nacht
Was wir in der Dunkelheit erleben können

DUMONT Buchverlag


Gute Gründe, warum DUMONT ein Lieblingsverlag von mir ist: Bücher wie dieses – und wie „Bäume in der Kunst

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst – Jakob Schwerdtfeger

Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst. Das Sachbuch liegt auf einem aufgeschlagenen Kunst-Bildband

Ohne Museen, ohne mich ist ein Satz, den ich häufiger sage. Klar, dass ich damit exakt zur Zielgruppe des Buches gehöre. Ich plane ja sogar meine Urlaube um Museumsbesuche drumherum. Ich hatte viel Spaß mit „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Kunst“. Das Buch des Kunst-Comedians Jakob Schwerdtfeger gleicht einem wilden Ritt durch die Kunstwelt, der nichts auslässt: schreckliche Nicht-Erklärungstexte in Ausstellungen, seltsame Rituale auf Aktionen, eigene unbeholfene Kunstversuche, geheime Tresorräume von Sammlern, Skulpturen auf Verkehrskreiseln und Dates im Museum. Also eine Reise zu einfach allen Orten, an denen wir Kunst oder Ansichten über Kunst begegnen können.

Kunst im öffentlichen Raum kann identitätsstiftend sein, besonders, wenn es sonst nicht viele Sehenswürdigkeiten gibt. Ich komme aus Hannover, ich weiß, wovon ich rede.

Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst. Seite 165

Der Seitenhieb bezieht sich auf die Nanas, Skulpturen von Niki de Saint Phalle. Sie wurden zunächst von den Bürgern Hannovers als „Stadtverschandelung“ bezeichnet – und sind heute so beliebt, das sogar eine Eisbärin im Zoo Nana getauft wurde.

Gleichzeitig zeigt dieses Zitat die Herangehensweise von Jakob Schwertfeger. Er macht keine Witze um ihrer selbst willen. Seine Gags sind Türöffner. Lachen hilft auch bei der Kunstvermittlung!

Lesespaß für geübte Museumsgänger*innen, Gelegenheitsbesucher und Kunstbanausen

Denn mit seiner lockeren Art richtet sich Jakob Schwerdtfeger nicht nur an Nerds wie mich, die freiwillig in Museen gehen. Er hat eine Mission: Menschen für Kunst begeistern. Dank seiner pointierten Erzählweise dürfte ihm das gut gelingen. Anekdoten über Macken der Künstlerinnen, Räuberpistolen von Fälschungen und Kunstdiebstählen und Kopfschütteln über Preise, die Kunstwerke auf Aktionen erzielen: Egal ob Schwerdtfeger Fakten vermittelt oder Witze erzählt – alles geschieht stets wohldosiert und den Leserinnen zugewandt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass er damit Menschen ermutigt, den Bildern und Skulpturen einen zweiten Blick zu schenken. Und dann? Dann muss die Kunst das tun, was sie sehr gut kann: von alleine wirken.


Infos zum Buch:

Jakob Schwerdtfeger

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst

DTV

Podcast von Jakob Schwerdtfeger mit der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

Kunstsnack


Und wie schön ist bitte diese Danksagung?!

Ich danke Vincent van Gogh und meinem Opa Stefan, weil ich beide mal in einem Satz erwähnen wollte und weil sie mir die Welt der Kunst eröffnet haben.

Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst. Seite 181

Bei mir würden da Miro und meine Kunstlehrerin Doris Erbacher stehen.


Mehr über meine Museumsliebe auf meinem Blog. Und hier:

Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams – Mouhanad Khorchide

Sieben verlorene Perlen.
Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams. Roman von Mouhanad Khorchide

Im Islam ist es normal, dass … – bei solchen Formulierungen zucke ich zusammen. Was weiß der Sprechende über den Islam und seine Bandbreite? Ist ihm bewusst, dass es „den Islam“ genauso wenig gibt wie „das Christentum“? Zwischen den Vorstellungen der Christen des Bible Belts in den USA und dem, was mir der evangelische Pfarrer im Konfirmanden-Unterricht vermittelt hat, liegen Welten. Auch wenn ich nur einen geringen Einblick in die Glaubenswelt der Muslime habe, weiß ich doch, dass es bei ihnen ebenfalls so ist. Was ich bis zu diesem Buch zwar ahnte, aber nicht sicher wusste: Genau wie bei der Bibel sind auch beim Koran viele Auslegungen möglich. Die können sich genauso fundamental unterscheiden wie die Frage, ob Eva aus der Rippe oder der (gleichberechtigten) Seite Adams gemacht wurde.

So weit die Gründe, warum ich neugierig war auf „Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams“ von Mouhanad Khorchide. Und nun Vorhang auf für ein bemerkenswertes Buch:

Eine Reise durch den Islam in all seinen Ausprägungen

Rayyan wächst als Sohn staatenloser Palästinenser in Saudi-Arabien auf. Dort darf er auf Grund seiner Staatenlosigkeit nicht studieren, weswegen ihn seine Eltern nach Europa schicken. Das ist die realistische Ebene der Erzählung. Die zweite ist magisch-realistisch: Rayyan hadert mit der Frage, warum der Islam heute keine Hochkultur mehr ist. Ein Traum führt ihn daraufhin nach Mekka. Dort begegnet er dem geheimnisvollen Scheich Hasan, der ihm eine muslimische Gebetskette schenkt. „Finde die sieben verlorenen Perlen und du wirst verstehen, was dem Islam heute fehlt.“ Damit beginnt Rayyans Mission.

Khorchides Erzählung ist klug konstruiert. Schon in Saudi-Arabien erfährt Rayyan wegen seines Status Ausgrenzung: fehlende Bildungschancen, schlechtere Jobs, keine Krankenversicherung. Als er mit dem Studium in Österreich beginnt, fällt er aus allen Wolken: er als fremder Student ist dort krankenversichert! Warum ist der Westen, der doch laut seiner bisherigen Lehrer dekadent und verdorben sei, barmherziger zu ihm als seine eigenen Glaubensbrüder?
Als nächstes sucht er eine Moschee für sein Freitagsgebet. Die Suche gestaltet sich schwieriger als erwartet und führt die Leser*innen so nach und nach zu allen Ausprägungen des Islams in Europa. Dabei begegnen uns Frauen mit und ohne Kopftuch, Sufi-Meister, schwule Muslime, Fundamentalisten, Konvertiten – eben einfach die ganze Vielfalt des Glaubens. Mit jeder neuen Begegnung wird Rayyans Gebetskette ein bisschen vollständiger.

In den wenigen schlechten Momenten des Buches hat diese Handlungskonstruktion den Charme eines hölzernen Lehrgedichts. Doch in allen anderen Momenten ist sie schlicht weg empathisch und augenöffnend. Denn das ist Mouhanad Khorchide wichtig. Er hat nicht die eine Deutung, die eine Auslegung des Glaubens parat. Er gibt Denkanstöße, die er gleich darauf von vielen Seiten beleuchtet. Dafür verbindet er das Gestern mit dem Heute, die Philosophie mit der Politik, die Moral mit der Realität, die Geschichte mit der Zukunft. Grundlegende Aspekte des Glaubens werden ausführlich und wertschätzend diskutiert und mit Koran-Zitaten belegt. Dabei wendet er sich ausdrücklich gegen einen politischen Islam, der den Glauben benutzt, um die eigene Macht zu stabilisieren und dafür Menschenrechtsverletzungen und Armut in Kauf nimmt. Stattdessen rückt er zentrale Werte der islamischen Kultur in den Mittelpunkt und schildert den Islam als eine zukunftsfähige Religion der Barmherzigkeit und Menschenliebe.

Religiös sein bedeutet, Hand der Liebe zu sein.

Mouhanad Khorchide: Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams. S. 42

Die „Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams“ ist kein Buch der einfachen Antworten. Genau deswegen habe ich es mit großem Gewinn gelesen.


Bibliographische Angaben zum Buch:

Mouhanad Khorchide

Sieben verlorene Perlen.
Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams.

Bonifatius Verlag


Wenn wir schon mal bei den großen Weltreligionen sind: Wie gut kennt ihr euch mit dem Judentum aus? Dieses Buch erzählt von den jüdischen Festen und dem jüdischen Familienleben.


Talus – Die Hexen von Edinburgh

Liza Grimm - Talus Band 1. Die Hexen von Edinburgh

Zu allererst: Liza Grimm kann schreiben. Dieses Buch ist einfach handwerklich gut. Das beginnt bei den abwechslungsreichen Satzlängen und hört bei den guten, realistischen Dialogen noch lange nicht auf. Dann dieser Weltenbau der Hexen, Geister und Tarot, eine Welt voller Magie und das tatsächliche Edinburgh ganz locker miteinander verknüpft. Der lässige Mix an Genre-Elementen von Horror bis hin zu diversen Fantasy-Subgenre gelingt ihr großartig.

Allerdings hat sie mich mit der Prise Young Adult manchmal verloren. Mich interessiert es einfach nicht, wer wem gerade warum schöne Augen macht und wer von wem mit einem unausgesprochenen Halbsatz missverstanden wurde.

Um so mehr gewonnen hat mich Liza Grimm mit dem Schluss des ersten Bands ihrer Talus-Trilogie. Das berührt auf herzerwärmende Art die großen Fragen des Lebens: Was bin ich bereit, für eine bessere Welt zu leisten? Und was ist wirklich mein größter Herzenswunsch – und was meine größte Angst?

Doch am meisten fasziniert hat sie mich mit den feinen Verknüpfungen, die vom magischen Denken, das viele Kinder und manche Erwachsene haben, zu einer magischen Welt führt, die ihre Magie gerade zu verlieren scheint.

Mag ich sehr – könnte auf die Liste der Buch-Serien kommen, die ich vielleicht weiter lesen werde (was bei mir nicht so selbstverständlich ist – mehr dazu hier).


Infos zum Buch:

Liza Grimm

Talus
Die Hexen von Edinburgh

Droemer Knaur


Hier findet ihr mehr Fantasy-Buchtipps auf meinem Blog. Wie wäre es zum Beispiel mit dem absoluten Geheimrezept für erfolgreiche Fantasy-Schmöker?

Neongrau

Neongrau. Buch von Aiki Mira

Neongrau – in dieser Wortschöpfung steckt schon alles, was den SF-Roman von Aiki Mira auszeichnet. Kühle Technik, poetische Sehnsucht und das Ausloten von Zwischentönen. Aber auch der starke Wille, etwas Neues zu erschaffen – zum Beispiel ein besseres Leben. Für sich, für nahestehende Menschen, für alle.

Das halb abgesoffene Hamburg im Jahr 2112 ist eine unschöne, aber logische Weiterentwicklung der Welt von heute. Doch das Leben geht weiter. Die Wohnungen haben Fluttüren, es gibt ein paar Fähren mehr. Ratten mutieren. Die Kommentare auf Social Media sind immer noch toxisch, weswegen das Miteinander in privaten Chats gelebt wird. Das Bedürfnis nach Flucht aus dem Alltag ist groß. Gaming Events füllen die Stadien und die Subkultur trifft sich in leerstehenden Häusern und halb unter Wasser stehenden Tunneln.

Die Gesellschaft ist diverser geworden und bleibt doch den alten Vorurteilen verhaftet. Mittendrin Jugendliche, die zu einer Clique zusammenwachsen könnten, eine Familie, die keine mehr ist, und VIPs, deren Leben nicht mehr ihnen gehört.

Wenn ein Buch Cyberpunk-Elemente enthält, ist der Vergleich mit William Gibson nicht weit. »Neongrau – Game over im Neurosubstrat« hat etwas, was ich bei Gibson immer vermisst habe: nahbare Figuren. Während Gibsons Protagonisten mir meist wie eine Projektionsfläche für seine Gesellschaftsentwürfe erscheinen, schreibt Aiki Kira über real wirkende Personen. Die Held*innen sind echte Menschen, mitten in einer Entwicklung und voller Widersprüche. Dafür habe ich den manchmal etwas fragmentarischen Spannungsbogen, über den Carsten Kuhr in seiner Rezension bei den Booknerds schreibt, gerne in Kauf genommen.

Bücher mit einem so atmosphärisch-dichten Weltenbau wie »Neongrau« begleiten mich häufig bis in meine Träume. Überraschend war, dass ich nicht vom allgegenwärtigen Wasser und auch nicht von der morbiden Schönheit Hamburgs geträumt habe – sondern von Musik. Das ist nur ein Nebenstrang der Handlung, dem Aiki Mira aber so viel Liebe geschenkt hat, dass mich die Playlist zur Entstehung des Buches interessieren würde!


Infos zum Buch:

Aiki Mira

Neongrau
Game over im Neurosubstrat

Polarise Verlag in der Verlagsgruppe Bedey & Thoms


Manchmal schrieb William Gibson Sprüche für das Buchhändlerinnen-Poesiealbum. Dafür bitte hier entlang:

Feministische Musikgeschichte: Die Rache der She-Punks – Buch und Playlist

Buch von Vivien Goldman: Die Rache der She-Punks. Das Cover zeigt ein ikonisches Foto von Debbie Harry of Blondie, Viv Albertine - The Slits, Siouxsie Sioux, Chrissie Hynde - The Pretenders, Poly Styrene - X-Ray Spex  und Pauline Black - The Selector

Habe ich das Buch nun ausgelesen oder ausgehört? Wie zuletzt beim Punk-Roman von Tijan Sila habe ich auch »Die Rache der She-Punks« gleich mit einer Spotify-Playlist genossen. Vivien Goldman stellt jedem Kapitel eine thematisch passende Auswahl an Songs vorneweg: Girly Identity, Geld, Love/Unlove und Protest. Nette Menschen habe daraus Playlists kuratiert, was das Lesevergnügen enorm erhöht.

Ja, dieses Buch macht Spaß. Vivien Goldman erzählt lebendig, geradezu quirlig. Sie weiß genau, wann eine Anekdote das beste Mittel ist, eine Aussage zu unterstreichen. Sie vermittelt immer im passenden Moment theoretisches Hintergrundwissen zum Feminismus, zu Kreativität und zur Musikbranche. Aber vor allem gibt sie den Musikerinnen Raum und lässt sie erzählen. Denn Vivien Goldman kennt sie alle: Poly Styrene, Chrissie Hynde, Blondie, aber auch ESG, Neneh Cherry und Maid of Ace und Skinny Girl Diet. Also nicht nur die Heldinnen der ersten Stunde, sondern auch die, die folgten. Und nicht nur die, die Punk im Sinne von »3,2,1 Krach« spielen, sondern auch die, die mit der punkigen DIY-Haltung Musik machen. Und nicht nur die, die wir in Europa wahrgenommen haben, sondern zum Beispiel auch Bands aus Indien und Latein-Amerika.

Die große Überraschung an dem Buch sind die Querverbindungen, die Vivien Goldman findet. Mal in der musikalischen Herangehensweise, mal in den Bedingungen, unter denen die Musik entsteht oder im Ziel des Protests. Da wird schon deutlich, warum die Autorin den Spitznamen »Punk-Professorin« trägt. Sie verbindet das Musikwissen eines Nerds mit einem klugen Blick auf weibliche Realitäten und der klaren Mission, Frauen zu ermutigen, ihr Ding zu machen. Eindeutige Lese- und Hör-Empfehlung!


Infos zum Buch:

Vivien Goldman
Die Rache der She-Punks
Eine feministische Musikgeschichte von Poly Styrene bis Pussy Riot

Aus dem Englischen übersetzt von Vojin Saša Vukadinovic

Ventil Verlag

Und wenn ihr schon mal im Online-Shop des Ventil Verlags stöbert, werft noch einen Blick auf diese Bücher:

Punk as F*ck. Die Szene aus FLINTA-Perspektive.

Riot Grrrl Revisited.
Oder lest hier meine Rezension.

Our Piece of Punk.
Meine Meinung zum Buch hier


Noch mehr Krach:

Unter Bäumen ist mir wohl

Buch von Helmut Schreier:

Unter Bäumen

Aus der Reihe: European essays on nature and landscape

KJM Buchverlag

Ein Wald, der zum Urwald wurde, weil er im Niemandsland zwischen BRD und DDR lag. Etwas, was Wald genannt wird, aber eine Forst-Plantage ist. Ein Waldstück, das ein fürstliches Jagdgebiet war. Bäume, die auf Dünen wachsen. Die Wälder, die Helmut Schreier für sein Buch ausgewählt hat, sind klug zusammengestellt. So unterschiedlich, wie sie sind, haben sie doch eines gemeinsam: An ihnen lässt sich gut ablesen, dass das, was wir Wald nennen, stets von Menschen gemacht wurde. Forstwirtschaft, Jagdgebiet, Waldweide – es sind die Maßnahmen der Menschen und die Antwort der Natur darauf, die aus Bäumen und Unterholz einen Wald formen.

Im Vergleich zu alten Buchenurwäldern oder Bergwäldern sind diese Wälder eher unscheinbar. Wälder, wie wir sie überall in Deutschland haben könnten. Doch jeder ist einzigartig, wenn man genau hinschaut. Und das tut Helmut Schreier. Er schaut genau hin, wie der Wald aussieht und woraus er besteht. Er blickt aber auch auf seine Geschichte und darauf, wie der Wald früher ausgesehen hat, und was zwischen damals und heute mit ihm passiert ist. Sein Buch ist ein Streifzug durch die Natur, die Wissenschaft und durch die Kulturgeschichte.

Jeder irgendwie dem Wald verbundene Gegenstand, der mit dem Werkzeug der Fächer Biologie, Ökologie, der Forstwissenschaften und der Geschichtsschreibung untersucht werden kann, bietet uns einen Zugang zur Annäherung.

Helmut Schreier: Unter Bäumen – European essays on nature and landscape. S. 114

Im Wald und unter Bäumen: Entdeckungen machen, sich treiben lassen, ankommen

Innenseiten aus dem Buch von Helmut Schreier

Unter Bäumen

Aus der Reihe: European essays on nature and landscape

KJM Buchverlag

Es ist schön, mit Helmut Schreier durch die Wälder zu streifen. Doch mehr als einmal hätte ich mir gewünscht, dass er mich an seinem erzählerischen roten Faden, den er sicher für sich hatte, hätte teilhaben lassen. Dann wäre für mich klarer gewesen, warum er mir seine Naturbeobachtungen und Ausflüge in die Geschichte erzählen möchte. Dann hätte ein tieferer Dialog zwischen dem Buch und mir begonnen.

So war es für mich vor allem eines: ein wunderbarer Startpunkt, um in eigenen Erinnerungen an Wald-Begegnungen zu schwelgen.

Was durch die Buchausstattung verstärkt wurde: Wie schön sind bitte Papier, Layout, Druckqualität und Haptik des Umschlags bei diesem Buch? Schon allein das macht Lust, noch mehr aus der Buchreihe „European essays on nature and landscape“ zu lesen!

Unter Bäumen ist mir wohl. Ihre Nähe gibt mir Gelassenheit, den Vorschein des Gefühls, angekommen zu sein.

Helmut Schreier: Unter Bäumen – European essays on nature and landscape. S. 11

Weitere Angaben zum Buch:

Helmut Schreier

Unter Bäumen

Aus der Reihe: European essays on nature and landscape

KJM Buchverlag


„Unter Bäumen ist mir wohl“ könnte auch mein Motto sein. Hier noch ein passender Buchtipp: Bäume in der Kunst

Zurück ins Wasteland: Laylayland von Judith und Christian Vogt

Laylayland, die Fortsetzung zum Buch Wasteland von J. C. Vogt

Bei Buchserien kann ich gnadenlos sein: Ich lese sie fast nie weiter. Selbst dann nicht, wenn mich beim ersten Band Sprache und Weltenbau überzeugt haben. Warum soll ich mich an diese eine Buchwelt fesseln? Es gibt doch noch so viele andere! Ich bin Poly-Leserin, immer bereit für eine neue Buchliebe.

Dass ich also Laylayland, die Fortsetzung zu Wasteland, unbedingt lesen wollte, sagt schon alles.

Dabei bescherte mir der erste Band Albträume. Zu beklemmend waren die Bunkerszenen für mich. Auch das apokalyptische Szenario machte mir, die das Genre der Dystopien sonst meidet, zu schaffen. (Meine Rezension zu Wasteland findet ihr hier)

Doch es gab Hoffnung. Hopepunk eben. Und am Ende sattelten Layla und Zeeto das Motorrad, packten Baby Mtoto in den Beiwagen und ritten in den Sonnenaufgang, auf der Suche nach einer besseren Zukunft. Ein progressiv-phantastischer Schluss, der perfekt passte – und mein Kopfkino startete.

Hopepunk ist, wenn alles aussichtslos erscheint – aber du und deine Leute, ihr versucht es trotzdem, bildet Banden, seid gleichzeitig rauchend wütend und radikal zärtlich. Laylayland, der Nachfolger von Wasteland vom Vögte-Duo, ist das Buch für alle, die Utopien in Dystopien errichten wollen.

Website Plan 9 Verlag

Wie bitte könnte diese Geschichte weitergehen?

Als wäre das nicht genug, gab es noch einen Grund, warum ich Wasteland 2 unbedingt lesen wollte: ein Verlagswechsel. Band 1 erschien sozusagen bei einem Major Label, Band 2 hingegen ist durch und durch Indie. Würde man so etwas merken?

Meiner Meinung nach: Ja – und nicht nur am Formatwechsel. Sorry liebe Buchsammler*innen, das sieht nicht gut im Regal aus! Ich kann jetzt nur mutmaßen, aber mein Eindruck ist, dass es beim Plan 9 Verlag eine klare Ansage an die Autoren gab: macht! Und genau das taten Judith und Christian Vogt.

Natürlich kann das auch daran liegen, dass sie mittlerweile vertrauter mit der Welt von Wasteland waren und Dinge über ihre Protagonist*innen wussten, die ihnen vorher nicht bewusst waren. Auf jeden Fall steckt in Band 2 so viel mehr als in dem ersten – alles ist plastischer, wilder, freier, aber gleichzeitig auch detaillierter und noch durchdachter.

Doch wie geht die Geschichte nun weiter? Mit Handlung nacherzählen habe ich es einfach nicht – schaut mal bei Rezensionsnerdista rein, die außerdem auch noch aufschlüsselt, wie divers der Roman erzählt ist. Ein Aspekt fehlt bei ihr, den ich ergänzen möchte: Hat schon jemals jemand im Genre SF die Frage, wann das Baby Hunger bekommen und schreien wird, als spannungsförderndes Element verwendet? Das ist nur eines der vielen Details, die Laylayland so großartig machen.

Doch jetzt heißt es Abschied nehmen vom Wasteland. Die Geschichte ist rund und zu Ende erzählt. Obwohl – was macht eigentlich Root 2.0, der Internet-Schamane, als nächstes?


Infos zum Buch:

Judith und Christian Vogt

Laylayland
(Wasteland Band 2)

Plan 9 Verlag

Wasteland Band 1 – Droemer Knaur


Hoffnung in einer postapokalyptischen Welt: Wasteland von Judith und Christian Vogt


Berlin, Berlin – die Vögte können auch Berlin: Anarchie Deco


Auch der kleinste Schuber der progressiven Phantastik stammt von „den Vögten“:

Climate Fiction mit Wow-Effekt: Exit this city

Climate Fiction aus Deutschland: Exit this city von Lisa-Marie Reuter

„Exit this city“ stellt die Welt, wie wir sie kennen, auf den Kopf – und entwickelt doch das, was wir erleben, konsequent weiter. Indien ist dank seiner Hightech-Firmen der Sieger des Globalisierungsrennens. Tagestemperaturen weit über 40 Grad sind dort normal geworden. Überleben ist nur mit Hitzeanzügen möglich. Deutschland ist hingegen nur noch ein Agrarstaat und versinkt im fruchtbaren Schlamm. Starkregen im Frühjahr, kurze heiße Sommer, die gerade eben das Getreide reifen lassen. Die Gewinne streichen Agrar-Konzerne aus Indien ein. Genmanipulierte Bienen sollen die Erträge steigern. Doch ihr Stich ist tödlich und die Landarbeiter*innen planen den Aufstand.

Dazwischen indische Göttinnen, ein Mann ohne Gedächtnis, die Gewinnerin einer Reality-Show (der Preis war die Flucht von ihrer Heimatinsel, die wegen des Klimawandels im Meer versank) Supercomputer mit Eigenleben und ein sprechender Hund. Es ist ein wildes Puzzle, dass Lisa-Marie Reuter vor ihren Leser*innen ausbreitet. Doch jedes Teil bekommt seinen passenden Platz.

Ganz abgesehen davon: Einen SF-Roman, genauer gesagt Climate Fiction aus Deutschland, mit einem Showdown in einem Rechenzentrum, das in der altehrwürdigen Würzburger Festung versteckt ist, muss ich einfach ins Herz schließen!


Angaben zum Buch:

Lisa-Marie Reuter

Exit this city

Fischer Tor Verlag

Ein Buch mit Wow-Effekt“: Rezension auf dem Blog Phantastisch Lesen

Climate Fiction – mehr über das Genre beim Deutschlandfunk


Ein Buch, das gut dazu passt: Wasteland