Zoë Beck – Brixton Hill – Rezension

Eigentlich lese ich ja keine Krimis. Auch keine Thriller. Eigentlich wollte ich in Brixton Hill auch nur kurz reinlesen, weil ich neugierig auf Zoë Becks Schreibstil war. Bereits nach wenigen Sätzen war klar, dass es diesmal anders laufen wird. Die Geschichte entwickelt bereits auf der ersten Seite einen Sog, der das ganze Buch lang andauert. Dieser Sog wird durch den Rhythmus der Erzählung noch verstärkt. Jeder Satz und jedes Kapitel hat die genau richtige Länge und wie bei einem Musikstück fügt sich eines in das andere ein. Was mich an den meisten Krimis stört, ist, dass der Autor Mord und Totschlag einsetzt, um Spannung zu erzeugen. Muss das sein, Menschen zur Unterhaltung anderer umzubringen – wenn auch nur literarisch? Für mich sollte ein guter Autor Spannung auch ohne Gewalt erzeugen können. Wenn ihm das gelungen ist, kann er sich in Ruhe überlegen, wieviel Brutalität seine Geschichte braucht und was er…

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Rudi Beiser – Kraft und Magie der Heilpflanzen – Rezension

Der Dezember hielt einige Leseüberraschungen für mich bereit. So begegnete mir in diesen Tagen das für mich schönste Buch 2013: „Kraft und Magie der Heilpflanzen“ Das beginnt schon beim Textil-Einband, der wunderbar in der Hand liegt und eine Buch-Kuschlerin wie mich sofort begeistert. Auch das Layout und die Illustrationen sind ein Genuss! Ganz mutig wurde weitesgehend auf Bestimmungsfotos verzichtet und den Tusch-Aquarellen von Stephanie Böhm viel Platz eingeräumt. So wirkt das Buch wie ein altes, magisches Hausbuch. Anhand von 9 Pflanzen erklärt Rudi Beiser die traditionelle Sicht auf Heilpflanzen: Holunder, Wegerich, Dost, Wegwarte, Eisenkraut, Gundermann, Johanniskraut, Beifuß und Brennnessel. Dabei geht er ausführlich auf Brauchtum und Symbolik ein. Neuere Erkenntnisse der Pharmazie erwähnt er eher nur nebenbei und Rezepte für Tees, Räucherungen und Tinkturen bietet er nur sparsam an. Vor allen Dingen ist sein Buch „Kraft und Magie der Heilpflanzen“ eine Einladung zu einer genussvollen Reise durch die Welt und…

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Museumsbesuch – Gründerzeit-Museum – Charlotte von Mahlsdorf

Der Besuch im Gründerzeit-Museum in Berlin-Mahlsdorf hatte Auswirkungen auf meine „Das muss ich unbedingt noch lesen!“ – Liste, die eigentlich doch wirklich schon lang genug ist! Dabei habe ich das Museum eigentlich aus einem ganz anderen Grund besucht. Ich lebe in einem Haus, das 1900 erbaut wurde. Das entfacht meine Neugier. Wie haben die Menschen damals in diesen Räumen gelebt? Warum ist der Grundriß genau so und nicht anders? Wie sah der Garten aus? Antworten auf solche Fragen bietet das Gründerzeit-Museum. Charlotte von Mahlsdorf hat komplette Wohnungseinrichtungen aus der Zeit, in der sie groß geworden ist, gesammelt. Sogar ein vollständiges Schlafzimmer samt Kinderbett ist dabei. Unsere kompetente und erzählfreudige Führerin erklärt wirklich jeden einzelnen Gegenstand im Raum – von der Funktionsweise des Ofens bis hin zur Haartüte. Die Damen haben damals die Haare aus der Bürste in einer Haartüte gesammelt. Der Friseur hat ihnen daraus dann falsche Haarteile hergestellt. Auch…

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Buchhandels-Flashmob 6.12.2013

Ich war dabei: Wenn Buch-Blogger*innen die Buchhandlungen entern Als Brösel’s Bücherregal zum Buchhandels-Flashmob für den 6.12. 2013 aufrief lautete mein Plan, zur Bücherinsel in Brühl zu radeln und meine Ex-Habel-Kollegin zu besuchen. Ein sehr kurzfristiger Urlaub führte mich dann jedoch nach Berlin. Sorry Bärbel, statt Besuch und Einkauf gibt es also nur eine Empfehlung von mir. Wer richtig gute Kinderbuch-Tipps sucht und im Raum Mannheim-Schwetzingen-Heidelberg lebt, dem lege ich die Bücherinsel in Brühl und ihre neue Filiale in Schwetzingen in der Fußgängerzone ans Herz! So habe ich stattdessen in Berlin Bücher gekauft. Mein Weg hat mich natürlich zur Kult-Buchhandlung Ocelot geführt, die sich definitiv zur Pilgerstätte entwickelt hat. Bis mir jemand das Gegenteil beweist, behaupte ich weiterhin, dass dieses Konzept einer literarischen Begegnungsstätte nur in Berlin funktionieren kann. Dort gab es mit Alain de Bottons „Religion for Atheists“ Hirnfutter für mich. Am nächsten Tag stolperte ich über die Buchbox-Filiale in…

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Kabinett der Phantasten – Literarische Gespenster-Heftchen

Grusel-Häppchen für Buch-Jäger Anscheinend gibt es sie noch, die leidenschaftlichen Buch-Jäger und Bücher-Sammler. Sie haben wohl nur die Jagdgründe gewechselt, denn in der Buchhandlung sind sie mir in den letzten Jahren kaum noch begegnet. Es muss sie aber noch geben, sonst könnte eine Reihe wie „Kabinett der Phantasten“ wohl kaum existieren. Bei der Buch-Serie „Kabinett der Phantasten“ handelt es sich um „literarische Gespenster-Heftchen“. Die Kurzgeschichten werden vom Literaturwissenschaftler Heiko Postma ausgewählt und zum Teil auch neu übersetzt. Unter diesen Schmuckstücken befindet sich zum Beispiel das ursprüngliche Eröffnungskapitel aus Bram Stokers Dracula. Dieses Kapitel hat es damals nicht in das Buch geschafft, weil es schon Vampirmotive vorweg nimmt. Oscar Wilde, Friedrich Gerstäcker, E.T.A. Hoffmann, Friedrich Gerstäcker, Lord Byron, Walter Scott und Gustav Meyrink –  das „Kabinett der Phantasten“ wartet mit vielen großen Schriftsteller-Namen auf. Es gibt aber auch wunderbare, unbekannte Geschichten zu entdecken. Eine kleine, feine Grusel-Bibliothek für Liebhaber. Infos zur Buch-Serie:…

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Maike Grunwald – Vom Glück mit Katzen zu wohnen – Rezension

Von Kratzbäumen und Sofas Den Begriff „Coffeetable-Book“ mochte ich noch nie. Seelenschmeichler-Bücher fände ich angemessener. Coffeetable-Book klingt nach einer wohl aufgeräumten Wohnung, die exquisit dekoriert wurde. Mittendrin auf einem kleinen Tisch, der sonst zu nichts nütze ist, liegt ein schön anzusehendes, aufgeschlagenes Buch. Möglicherweise gibt es solche Wohnungen. „Vom Glück mit Katzen zu wohnen“ gibt sich wirklich große Mühe, mich an deren Existenz glauben zu lassen. So tauche ich ein in diese wunderschönen Wohnwelten, in denen die Menschen nicht mehr Bücher haben, als in ihre Regale passen und in denen die Bügelwäsche an einem Ort liegt, den niemand sieht. Auch ohne Katzen wären diese Wohnungen schön und es gibt in dem Buch einige Altbau-Wohnungen, in die ich sofort einziehen würde. Die Präsenz der Katzen macht alles noch schöner. Schon überlege ich wieder, wo in meiner Wohnung ein Katzenklo hinpassen würde und wer sich um die Katzen kümmern könnte, wenn ich…

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Terry Pratchett – Dunkle Halunken – Rezension

Dickens, Königin Victoria und die Kanalisation Terry Pratchett hat mit „Dunkle Halunken“ seine literarischen Schulden beglichen. Im Laufe der Jahrzehnte hat er für seine fast 40 Scheibenwelt-Romane sehr vieles aus der Londoner Stadtgeschichte entliehen, entlehnt und stibitzt. Der Fluss Ankh und die Themse, der Stadtteil Schatten und Seven Dial, die Wache und die Metropolitan Polizei von Robert Peel haben viel miteinander gemeinsam. Ankh Morpork und London sind mindestens seelenverwandt. Mir kommt es so vor, als hätte Sir Terry Pratchett nun als Dank für diese unerschöpfliche Inspirationsquelle London ein Denkmal in Buchform gesetzt. „Dunkle Halunken“ ist vor allen Dingen ein London-Roman, der ein wenig an Charles Dickens erinnern soll. Konzipiert wurde er als All-Ager, ein Nicht-Genre, mit dem ich nicht so wirklich warm werde. Es macht die Bücher meist nicht besser, wenn sie ein für ein sowohl-als-auch Publikum geschrieben werden. Genau das ist für mich der Wermutstropfen an „Dunkle Halunken“. Für…

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Katja Behrens – Adam und das Volk der Bäume – Rezension

Das Volk der Bäume: Was ist der Mensch ohne Wurzeln? Manche Menschen entspannen sich am Meer, andere in den Bergen. Berge oder Meer? Das ist mir egal, Hauptsache es gibt dort einen Wald. Wenn ich Wald sage, meine ich einen richtigen Wald, keine in praktische Planquadrate aufgeteilte Forstplantage mit lauter altersgleichen Bäumen und schnurgeraden Wegen, auf denen man morgens schon sieht, wen man nachmittags zum Kaffee treffen wird. Ich meine auch keine pädagogische Erziehungs- und Ertüchtigungsanstalt mit grundschulgerechten Schautafeln und einer für Jogger optimierten Wegeführung. Ich meine einen richtigen Wald; einen, in dem man vor lauter Wald die Bäume nicht sieht. In solch einem Wald würde ich mich gerne unter einem Baum setzen und warten, dass sich ein Rotkehlchen auf meine Schulter setzt. Mir ist das noch nie passiert. Für Adam, den Helden aus Katja Behrens „Adam und das Volk der Bäume“, ist das jedoch die Normalität. Rotkehlchen sind zwar…

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Susanne Diehm – Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens – Rezension

Genre-Grenzgänger: Ein Roman ist ein Roman ist ein Sachbuch über das Schreiben „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ ist ein Fachbuch, das vorgibt, ein Roman zu sein und in dem die Heldin lernt, einen Roman zu schreiben, woraus dann doch ein Fachbuch wird. Was daran liegen könnte, dass ihr Leben romanhaft genug ist. So hat Hannah am Ende des Buches genug Stoff für einen Roman zusammen und stellt in der Geschichte eine Fortsetzung der Geschichte in Aussicht. Damit ist „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ von Susanne Diehm ein Genre-Grenzgänger der besonderen Art. Um das zu verstehen, sollte man erst mal einen Blick auf den Verlag werfen. Der Schibri-Verlag ist nach eigener Aussage der „führende Fachverlag für Theaterpädagogik, Kreatives Schreiben und praktischer Philosophie im deutschsprachigen Raum“ – also lauter Themen, bei denen man mit Geradeaus-Denken nicht sehr weit kommt. „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ dürfte sich im Schibri-Verlag sehr…

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Gary Dexter – Der Marodeur von Oxford. Psychopathia Sexualis und andere menschliche Rätsel

„Es gibt nichts Trügerischeres als eine offensichtliche Tatsache.“Sir Arthur Conan Doyle Gleich in der ersten Geschichte ist mir ein Satz begegnet, der mich für den Rest des Buches nicht mehr los ließ: „Und ich dachte, ich sei fast der Einzige …“ Doch erst einmal der Reihe nach: Dr. Henry St. Liver löst Kriminalfälle im viktorianischen England, die meist ohne wirkliches Verbechen auskommen und die alle einen erotisch-fetischistischen Hintergrund haben. Er kommt den Tätern durch logisches Denken auf die Spur. Sein enormes Wissen über die noch recht neue wissenschaftliche Fachrichtung der Sexualpsychologie hilft ihm dabei weiter. Ihm zur Seite steht kein Dr. Watson, sondern Olive Salter, eine leicht hypochondrische Schriftstellerin, die in Australien aufwuchs. Ihre Karriere als Autorin kommt erst in Gang, als der wortkarge Oscar Wilde eine Rezension veröffentlicht. Für eine recht sachliche Zusammenfassung des Inhalts waren das schon ziemlich viele Querverweise, oder? Und das ist harmlos im Vergleich zu dem,…

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Ernst Haffner – Blutsbrüder – Kurzbesprechung

Berlin, 1932 Jungs. Aus Erziehungsanstalten ausgerissen, aus desolaten Familien geflüchtet, auf der Straße gelandet. Mädchen kommen fast nur als Überträgerinnen von Geschlechtskrankheiten vor. Halt gibt die Clique. Gemeinsam findet man immer eine warme Suppe, einen Platz zum Übernachten, das nächste Bier, einen Wintermantel. »Man liest es mit Gier und Spannung, wie man ehedem Räuber- und Indianergeschichten gelesen hat« schrieb der Münchener Simplicissimus – damals. Und heute? Erstaunlich, wie frisch dieses verschollene Werk auch heute noch ist. Der Autor Ernst Haffner begleitet die Jungs der Clique mit viel Verständnis und der nötigen inneren Distanz. Dies ermöglicht dem Leser ein einzigartiges Mit-Erleben und zieht ihn ins Buch hinein. Bei allem Realismus und aller Härte gibt es seltene Momente der Wärme und Geborgenheit. Doch Hoffnung gibt es nur für zwei der Blutsbrüder und dies auch nur, weil sie nicht blind dem Bandenchef folgen. Bleibt die Frage, was aus dem Autor geworden ist. Man…

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Isabel Arés – Das Orakel der indischen Götter – Kartenset

Orakel Karten indische Götter

Alles so schön bunt hier: Das Orakel der indischen Götter Bunt ist es und ein wenig kitschig. Authentisch wirkt es auf mich deswegen trotzdem nicht, denn wäre es ein indisches Orakel-Set, wäre es bestimmt noch bunter*. Wahrscheinlich würde es auch glitzern und blinken. Möglicherweise wären die Karten auch aus Plastik und beim Öffnen der Schachtel würde ein Geräusch ertönen. Aber egal, denn wenn eine Europäerin die indischen Götter zu Rate zieht, kann das in meinen Augen eh nur eine Annäherung auf verschlungenen Pfaden sein. Einer meiner Pfade heißt Yoga. Ich übe Asanas, die nach indischen Göttern und Legenden benannt sind. Grund genug, neugierig zu sein, warum diese Yoga-Übungen nach Hanuman, Garuda und Nataraja benannt sind. Der andere Pfad heißt Tarot. Was passiert, wenn ich klassisches europäisches Kartenlegen mit indischen Götter-Karten verbinde? In meinem Fall nicht viel. Das liegt daran, das es den Karten im Gegensatz zum Tarot an innerem Zusammenhang mangelt.…

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