Rebellinnen zu Fuß: Mit welcher Wanderin würde ich losziehen?

Anneke Lubkowitz: Rebellinnen zu Fuß. Auf den Spuren von 11 literarischen Wanderinnen. Das erzählende Sachbuch liegt auf einer aufgeschlagenen Wanderkarte des Pfläzerwald Vereins.

Obwohl mich das Thema sehr reizt, hätte ich beinahe dieses Buch nicht gelesen. Rosa Cover, gelbe Schrift und der Titel „Rebellinnen zu Fuß“. Alles daran schreit „Ich bin ein Frauenbuch!“ Und ich dachte: „Gendermarketing? Nicht mit mir.“
Als dann die dritte Leserin meines Vertrauens das Buch lobend erwähnte, habe ich meine Rosa-Allergie überwunden. Zum Glück! Es hat sich gelohnt.

Anneke Lubkowitz schreibt über Frauen, die neue Wege beschritten. Und das gleich in vielfacher Hinsicht. Sie nahmen sich das Recht heraus, so zu leben, wie sie es wollten – sei es bei der Wahl ihrer Partner*innen, beim Schreiben oder beim Draußensein, beim Naturerleben und Wandern. Literarische Wanderinnen nennt Anneke Lubkowitz diese Frauen. Ich hatte mit Kurzbiografien im Stil von „11 Schriftstellerinnen, die Du kennen musst“ gerechnet. Doch Lubkowitz verknüpft deren Leben und Schaffen sehr klug mit autobiografischen Reflexionen und eigenen Wanderungen. Dabei merkt sie, dass sie nicht über diese Frauen schreiben kann, ohne über die Geschichte des Feminismus zu reflektieren. Genau das macht für mich den Reiz des Buches aus.

Elf Frauen, elf Arten zu gehen – und meine Verteidigung der gemütlichen Tour

Jede dieser Frauen verstand unter Wandern etwas anderes. Manches trifft meine Vorstellung vom Loslaufen und Draußensein, anderes ist mir fremd. Auf gar keinen Fall würde ich mit Simone de Beauvoir losziehen. Für sie war Wandern eine ernste Angelegenheit, lustvolles Verirren inbegriffen. Kein Wunder, dass sie am liebsten alleine unterwegs war. Für mich klingen die Schilderungen eher wie eine Grenzerfahrung, auf die ich verzichten kann.
Emmy Hennings Wanderungen – sie lebte eine Zeitlang als fahrende Schauspielerin – könnte man auch als Landstreicherei bezeichnen. Octavia Butler hingegen blieb näher am Vertrauten und brachte von ihren Streifzügen durch die Vorstädte Beobachtungen mit, die in ihre Science-Fiction-Romane einflossen.

Welche dieser Wanderinnen wäre meine Begleiterin? Vermutlich keine, denn ich laufe einfach durch den Pfälzerwald, komme zur Ruhe und hoffe auf die nächste Hütte mit Rieslingschorle. Ob das überhaupt als Wandern zählt, das habe ich mich schon einmal gefragt und bei Reclam, im Ministerium und in der Sportwissenschaft nach Antworten gesucht. Simone de Beauvoir würde über meine Verteidigung der gemütlichen Tour sicherlich nur den Kopf schütteln!


Infos zum Buch:

Anneke Lubkowitz

Rebellinnen zu Fuß
Auf den Spuren von 11 literarischen Wanderinnen

Erzählendes Sachbuch

Kein & Aber Verlag

Buchbesprechung auf dem Blog Lilo liest


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