Make „Mädchen“ great again

Riot Grrrl Revisited Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung

Mädchen war für mich immer ein guter Begriff, gerade zu ein Ehrentitel. Mädchen – das bedeutet für mich unbändige Kraft, Offenheit und Lebenslust. Als Mädchen entdecken wir die Welt und probieren aus, was wir vom Leben wollen. Wir haben die Möglichkeit, alles auszutesten: Wir können auf den Baum klettern oder ihn malen. Wir können mit den Jungs raufen oder mit ihnen die Welt verändern. Wir können alles sein, wir müssten uns nur entscheiden. Aber wir haben noch Zeit – wir müssen noch gar nichts. Als ich das erste Mal von einer Frau ermahnt wurde, weil ich mich und meine Kolleginnen als Mädels bezeichnet habe, war ich perplex. Sie wiederum war irritiert, warum mir nicht bewusst war, dass Mädchen ein Begriff ist, der erwachsene Frauen klein macht. Es folgte eine lange, bereichernde Diskussion. Seit dem passe ich auf, in welchem Kontext ich Begriffe wie Mädchen, Mädels oder Girls verwende. Interessant war,…

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Vorsicht, Reizwort (aber nicht für mich): Richtig gendern.

Mit Sprache beschreiben wir nicht nur die Welt, wir gestalten sie auch. Wenn ich möchte, dass sich die Welt ändert – und das will ich – dann ist ein Schritt zum Ziel, meinen Sprachgebrauch kritisch zu überprüfen. Eine gerechtere Sprache ist ein kleiner Baustein, der dazu beiträgt, Artikel 3 des Grundgesetz umzusetzen. Um so erstaunlicher, was für einen Aufschrei geschlechtergerechte Sprache verursacht! Dabei ist es sehr wohl möglich, Texte zu gendern, ohne dass der Lesefluss ins Stocken gerät. Es ist alles nur eine Frage des Könnens und Wollens – bei beidem hilft dieses Buch. Gewohnheit, du träges Tier Für meinen Geschmack nutze ich selbst geschlechtergerechte Sprache nicht konsequent genug. Warum? Es ist die Macht der Gewohnheit. Schnell einen Text runterschreiben und auf veröffentlichen klicken – das ist meine Art, Blogbeiträge zu verfassen. So kommt es, dass ich mich immer mal wieder aus alter Gewohnheit selbst als Blogger oder Leser bezeichne.…

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Rabenvater Staat – Plädoyer für einen Neustart in der Familienpolitik

Jenna Bejhrends - Rabenvater Staat. Plädoyer für einen Neustart in der Familienpolitik. Sachbuch. DTV Verlag

Flickwerk ist noch eine beschönigende Bezeichnung für all die Gesetze, die Eltern und Kinder betreffen. Manches wie das Ehegatten-Splitting stammt aus einer längst vergangenen Zeit, anderes wurde erlassen, um eine bestimmte Wählerklientel zu bedienen. Einiges ist schlicht und einfach unlogisch – so wie 19% Mehrwertsteuer auf Windeln zum Beispiel. Ganz chaotisch wird es bei der Frage, wer in Patchwork-Familien für welches Kind welche Entscheidung treffen darf. Jenna Behrends analysiert dieses Kuddelmuddel kenntnisreich und detailliert. Ihr Ziel ist eine Gesellschaft, in der Vereinbarkeit möglich ist. Dabei hat sie die tatsächlichen Lebenswelten von Eltern im Blick: Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, berufstätige Eltern oder Beziehungen, in denen ein Partner wegen der Kinder kürzer tritt – sie alle brauchen Unterstützung. Familie ist, wo Kinder sind Jenna Behrends verwendet diese schlichte Definition, die einfach alle Formen des menschlichen Zusammenlebens umfasst. Im Weltbild der CDU wäre das ein riesiger Fortschritt, dem ich applaudieren würde. Doch nach dieser…

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Bauhaus-Frauen. So viel Talent, so viele Hindernisse.

Was könnte ich im Bauhaus-Jubiläumsjahr noch über ein Buch wie Bauhaus-Frauen von Ulrike Müller schreiben, was ihr nicht längst schon irgendwo gelesen habt? Ich konzentriere mich daher erst einmal auf das Wesentliche: Das Buch ist gut und ersetzt einen ganzen Stapel an Lektüre. Biographien, Kunstgeschichte, Feminismus – alles drin auf moderaten 160 Seiten. Das Bauhaus war für mich lange eher ein Kuriosum. Was soll an weißen Würfelhäusern besonderes sein? Meine Einschätzung änderte sich, als ich zum ersten Mal in einem der Meisterhäuser in Dessau stand. Dieses Licht! Der Blick nach draußen! Die nächste Annäherung an das Phänomen Bauhaus erfolgte über die Kinderbücher aus dem Seemann Henschel Verlag – die Bauhaus Stadt aus der Reihe habe ich auf meinem Kinderbuchblog vorgestellt. Die Kinderbücher machten es mir einfach, das Bauhaus zu verstehen, weil sie sehr klar das Wesentliche und die innovative Leistung herausarbeiten. Den dritten Zugang fand ich über die Biografien. Über…

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Drachen, Daoismus und die Sache mit dem Feminismus: Erdsee

Vorkenntnisse können den Einstieg in ein Buch erschweren. Über Erdsee von Ursula Le Guin hatte ich im Vorfeld viel gelesen. Philosophisch und feministisch sollte der Fantasy-Zyklus sein. Ich war gespannt. Die Philosophie fand ich sofort. Den Daoismus habe ich erst später darin erkannt. Den Feminismus hingegen sah ich erst mal nicht. Wie auch, wenn im ersten Band »Der Magier der Erdsee« quasi keine Frauen vorkommen? Eine Fantasy-Geschichte, die sich in Ruhe entwickeln darf Gestört hat mich das nicht, denn der Erdsee-Zyklus ist Fantasy nach meinem Geschmack. Eine Geschichte, die sich entwickeln darf. Helden, die eine Wandlung durchmachen. Eine klug ausgedachte Welt. Kämpfe nur dann, wenn sie für die Handlung nötig sind. Drachen. Spannung, Überraschungen und interessante Charaktere. Aber die Geschichte beginnt in einer reinen Männerwelt. Erst im zweiten Band erscheinen Frauen. Doch ihre Welt ist eher noch restriktiver als die Gesellschaft der Magier. Erst das Aufeinanderprallen von Ged, dem Magier,…

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Das kunstseidene Mädchen.

Das kunstseidene Mädchen Irmgard Keun Doris ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt. Sie will nicht mehr tagaus, tagein lange Briefe tippen, sondern ein Star werden. Sie will hinaus in die große Welt, ins Berlin der Roaring Twenties.

Nach einer wirklich sehr langen Sachbuch-Phase ist in diesem Jahr die Lust auf Romane zurückgekehrt. Doch während ich bei Sachbüchern eine Vorliebe für neue Themen habe, greife ich bei Romanen derzeit lieber zu Büchern, die sich schon längst bewährt haben. So wie Irmgard Keuns Das kunstseidene Mädchen, das ich gerade mit viel Vergnügen zu Ende gelesen habe. Es ist die Sprache, die den Roman auch heute noch zu einem Genuss macht. … ein Nasenflügelbeben wie ein belgisches Riesenkaninchen beim Kohlfressen Irmgard Keun – Das kunstseidene Mädchen Leicht schnodderig, nicht immer grammatikalisch korrekt, doch dafür sehr nah an der gesprochenen Sprache und dem persönlichen Erleben. So wirkt das Buch von 1932 auch heute noch vor allem eines: frisch. Was lese ich als nächstes? Und warum? Für mich ist es interessant zu beobachten, wie ich meine Lektüre auswähle. Während ich mich auf meinem Kinderbuch-Blog treiben lasse und zu Büchern begreife, die mir…

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Frau Bauhaus – das Leben der Ise Frank

Jana Revedin JEDER HIER NENNT MICH FRAU BAUHAUS Das Leben der Ise Frank. Ein biografischer Roman

Was braucht eine Idee, um richtig groß zu werden? Einen Visionär. Jemanden, der an seine Vision glaubt, und Menschen, die die Arbeit machen. Das war Walter Gropius sicherlich bewusst, als er Ise Frank mit den Worten „Ise, ich brauche Sie!“ einen Heiratsantrag machte. Ehen, die auf gebraucht werden basieren, sind selten glücklich. So enthält dieser Anfang eigentlich schon die ganze Geschichte. Oder auch nicht. Denn auch wenn das Buch Jeder nennt mich hier Frau Bauhaus mit dem Kennenlernen von Walter Gropius und Ise Frank beginnt, so versucht Jana Revedin doch, uns den ganzen Menschen Ise Frank nahe zu bringen. Dabei verweilt die Autorin jedoch in einer schwebenden Distanz zu ihrer Hauptfigur. Identifizieren fällt schwer. Verstehen gelingt, wenn auch die inneren Beweggründe für Ises Entscheidungen nicht immer klar nachvollzogen werden können. Doch genau das habe ich auch als Ehrlichkeit empfunden: Wer weiß denn schon wirklich, welchem Plan er in seinem Leben gefolgt…

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Our Piece of Punk – ein feministischer Blick auf Punk & DIY

Sachbuch: Our piece of Punk - ein queer feministischer Blick auf Punk und DIY.

Lies ein Buch und danach weißt Du, was Du Dir alles an Musik anhören solltest. Darauf hatte ich ein wenig gehofft, aber ganz so leicht wollten es mir die Autorinnen dann doch nicht machen. Our Piece of Punk ist kein Kanon, kein Überblick über die queere und feministische Punk- und DIY-Szene nach den Riot Grrrls. Es ist eher eine Collage, eine Sammlung an Meinungen, Lebensläufen und Ansichten, die in Streitgesprächen, Comics, Zeichnungen und persönlichen Berichten dokumentiert werden. Das so entstandene Gesamtkunstwerk passt in Herangehensweise und Layout perfekt zum Thema. Und es macht Lust, selbst loszulegen, mehr zu machen, auszuprobieren, Fehler nicht tragisch zu nehmen. Diese Haltung steht im Vordergrund – Feminismus ist dabei meist einfach nur ein Handwerkszeug um zu erkennen, was uns behindert und wie wir das ändern können. So wurde Punk beim Lesen für mich wieder zu dem, was er ursprünglich mal für mich war: eine unbändige Energie,…

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Unsagbare Dinge. Eine unschreibbare Rezension.

Am 2. Januar 2016 bezeichnete ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder als Feministin. Auslöser waren weniger die Ereignisse in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof als viel mehr das, was darauf folgte. Viele Männer (und einige wenige Frauen) fühlten sich auf einmal für den Schutz von Frauen zuständig. Sie erklärten mir, dass ich gefährdet sei und legten auch gleich fest, was ich für meine Sicherheit zu tun hätte: wo ich hingehen darf und wo nicht, was ich anzuziehen habe und was nicht und wie viel Abstand ich von meinen Mitmenschen zu halten habe. Ganz ehrlich, liebe selbst ernannten Retter: bringt erst mal Euer Leben in Ordnung und dann unterhalte ich mich gerne mit Euch darüber, wer Schutz braucht und vor allem Dingen vor wem und wie. Wer jungen Frauen erklärt, sie dürfen nicht dieselben Fehler begehen, nicht genauso viel Spaß haben und nicht dieselben Risiken eingehen wie junge…

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Muslim Girls oder was ein Kopftuch bedeuten kann, aber nicht muss

Muslim Girls. Sachbuch.

Meine ganz persönliche Kopftuchgeschichte spielt in den 70er Jahren. Für meine Oma war ein Kopftuch ein ganz normales, ungemein praktisches Kleidungsstück. Es hielt bei Wind die Haare aus dem Gesicht, schützte im Sommer vor der Sonne, bei der Gartenarbeit vor dem Dreck und fing an den Schläfen und im Nacken den Schweiß auf. Bei schlechtem Wetter hielt es warm, ein leichter Regen machte dem Kopftuch nichts aus. Damit verhinderte das Kopftuch Ohrenschmerzen und, wenn man es in die Stirn zog, Stirnhöhlenentzündungen. Sehr praktisch und angenehmer zu tragen als eine Mütze. Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und trug ein Kopftuch. Wahrscheinlich war ich, Jahrgang 68, gerade eben noch Grundschülerin. Meine langen, dunklen Haare schauten unter dem Kopftuch heraus, das ich mir bestimmt in die Stirn gezogen hatte, denn es wehte ein frischer Wind. Meine dunklen Augen blitzten darunter hervor. Da hörte ich es: „Scheiß Türkin!“ Laut und deutlich wurde mir…

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