Museumsbesuch – Gründerzeit-Museum – Charlotte von Mahlsdorf

Der Besuch im Gründerzeit-Museum in Berlin-Mahlsdorf hatte Auswirkungen auf meine „Das muss ich unbedingt noch lesen!“ – Liste, die eigentlich doch wirklich schon lang genug ist! Dabei habe ich das Museum eigentlich aus einem ganz anderen Grund besucht. Ich lebe in einem Haus, das 1900 erbaut wurde. Das entfacht meine Neugier. Wie haben die Menschen damals in diesen Räumen gelebt? Warum ist der Grundriß genau so und nicht anders? Wie sah der Garten aus? Antworten auf solche Fragen bietet das Gründerzeit-Museum. Charlotte von Mahlsdorf hat komplette Wohnungseinrichtungen aus der Zeit, in der sie groß geworden ist, gesammelt. Sogar ein vollständiges Schlafzimmer samt Kinderbett ist dabei. Unsere kompetente und erzählfreudige Führerin erklärt wirklich jeden einzelnen Gegenstand im Raum – von der Funktionsweise des Ofens bis hin zur Haartüte. Die Damen haben damals die Haare aus der Bürste in einer Haartüte gesammelt. Der Friseur hat ihnen daraus dann falsche Haarteile hergestellt. Auch…

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Ernst Haffner – Blutsbrüder – Kurzbesprechung

Berlin, 1932 Jungs. Aus Erziehungsanstalten ausgerissen, aus desolaten Familien geflüchtet, auf der Straße gelandet. Mädchen kommen fast nur als Überträgerinnen von Geschlechtskrankheiten vor. Halt gibt die Clique. Gemeinsam findet man immer eine warme Suppe, einen Platz zum Übernachten, das nächste Bier, einen Wintermantel. »Man liest es mit Gier und Spannung, wie man ehedem Räuber- und Indianergeschichten gelesen hat« schrieb der Münchener Simplicissimus – damals. Und heute? Erstaunlich, wie frisch dieses verschollene Werk auch heute noch ist. Der Autor Ernst Haffner begleitet die Jungs der Clique mit viel Verständnis und der nötigen inneren Distanz. Dies ermöglicht dem Leser ein einzigartiges Mit-Erleben und zieht ihn ins Buch hinein. Bei allem Realismus und aller Härte gibt es seltene Momente der Wärme und Geborgenheit. Doch Hoffnung gibt es nur für zwei der Blutsbrüder und dies auch nur, weil sie nicht blind dem Bandenchef folgen. Bleibt die Frage, was aus dem Autor geworden ist. Man…

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Museumsbesuch – Citânia de Briteiros – Portugal

Museum Citania Briteiros

800 v. Christus war Citânia de Briteiros eine große keltische Siedlung. Heute ist Citânia de Briteiros ein Museum, das gutes und festes Schuhwerk erfordert. Fast 200 Häuserfundamente der keltiberischen Siedlung wurden mittlerweile ausgegraben. Häuserfundamente, Wasserrinnen, Verbindungsstraßen – also Steine, Steine und nochmals Steine. Diese gilt es zu erkunden, zu erlaufen, zu erklettern. Nur so kann man den Reiz des Ortes erfahren. Der Begriff Häuserfundamente passt nicht wirklich. Grundstücksgrenzen wäre wohl treffender. Jede Familie hatte einen abgegrenzten Bereich, den sie je nach Bedarf bebaute. Wenn man annimmt, das eine Familie aus mindestens 8 Mitgliedern besteht, wohnten in Citânia de Briteiros um die 1600 Personen. Wahrscheinlich waren es mehr. Wie das Leben dort wohl ausgesehen haben mag? Auf einmal sah ich nicht nur Steine, sondern eine kleine Stadt und kletterte fasziniert weiter. Das Museum und ich, wir laden Euch jetzt zu einer virtuellen Rundtour durch Citânia de Briteiros ein. Den Spaß des Kletterns habt…

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Museumsbesuch – Der Hohenhof in Hagen

Das altmodische Wort Wohnsitz ist für mich der einzige Begriff, der zur Villa Hohenhof in Hagen passt. Der Hohenhof war der Familienwohnsitz des Gründers des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus und wurde 1906 bis 1908 vom Architekten Henry van de Velde konzipiert und erbaut. Dieses Gesamtkunstwerk des Jugendstils ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Sogar die Ausstattung der repräsentativen Räume wie Möbel, Wanddekorationen, Lampen und Stoffe bis hin zu Heizkörperverkleidungen sind unverändert erhalten geblieben! Dies macht das Museum „Villa Hohenhof“, eine Außenstelle des Osthaus-Museums in Hagen, zu etwas ganz besonderem. Auf lichtbild.org findet ihr großartige Fotos, die das Besondere dieses Hauses aufzeigen. Dort erkennt ihr auch, das diese Form des Jugendstils so gar nichts mit floraler Leichtigkeit zu tun hat, wie es zum Beispiel beim Wiener Jugendstil der Fall ist. Hier zeigt sich der Jugendstil von seiner eher sachlichen Seite und weist den Weg zum Bauhaus-Stil. Von der Straßenseite zeigt sich der Hohenhof…

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