War alles schon immer so? Maschine steht still

Die Maschine steht still - E.M. Forster - kurzer Roman

Alles schon da gewesen, dieses online ist nichts Neues. Früher die Nachbarin am Küchenfenster, heute Facebook.

Von heute nach gestern geschaut klingt das alles plausibel. Die Möglichkeiten sind neu, das menschliche Verhalten nicht.

Wer aber Die Maschine steht still von E. M. Forster liest schaut von gestern auf heute und wieder zurück – und erschrickt.

Das, was uns heute in unserer Online-Welt als problematisch oder sogar gruselig erscheinen könnte, hat er voraus gesehen. Dabei kümmert sich E. M. Forster weniger um technische Funktionen. Er stellt den Menschen und sein Verhalten in den Mittelpunkt, seine Bereitschaft, für Sicherheit und Bequemlichkeit eigenes Erleben aufzugeben.

Dieser Spiegel stammt von gestern. Die Erzählung erschien 1909 zum ersten Mal. Müsste ein so alter Spiegel nicht blind sein? Müsste es nicht irgendwo eine Stelle geben, an der der Leser von heute sich mit einem „Ja, aber …“ an das sichere Ufer retten könnte.

Gibt es nicht. Selbst der Schluss, den man heute sicherlich anders schreiben würde, gibt uns keine Chance, ein Bollwerk aus unserer Modernität zu errichten, das uns vor diesem Blick auf die Menschheit schützen würde.


Infos zum Buch:

E. M. Forster

übersetzt von Gregor Runge

Hoffmann und Campe

Aus der Kurzbeschreibung des Verlags:

E. M. Forsters visionäres Werk wirft Fragen auf, die von großer Aktualität sind: Wie kann der Mensch seine Selbstbestimmung wahren gegenüber Maschinen, die immer stärker unser Leben bestimmen?

Ausführliche Rezensionen bei


Mehr SF-Buchtipps auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Vom Gestern in die Zukunft der SF: Ann Leckie – Die Maschinen.

Unkonferenz – das Literaturcamp Heidelberg

Das Literaturcamp Heidelcamp ist ein offenes Barcamp, eine Unkonferenz rund ums Buch, die Literatur, das Schreiben und Veröffentlichen. Es machte seinen Namen diesmal alle Ehre – noch unkonferenziger als das, was ich in den zwei Tagen erlebte, geht kaum.

Das begann mit dem Anfang: extra eine halbe Stunde früher starten als letztes Jahr um dann eine halbe Stunde mit der Technik rumschraddeln, bis endlich alles läuft. Das hätte man durchaus auch vorher proben können. Auch ein kleines Skript, was es alles zu sagen gibt, könnte helfen. Über die Hälfte der Anwesenden war noch nie auf einem Barcamp – da muss man auch ein wenig erklären, dass alles in Selbstorganisation abläuft. Dann müsste man auch am zweiten morgen nicht so schimpfen, dass Müll wegräumen und leere Flaschen in die Kästen zurückstellen nicht geklappt hat.

Egal, ich hab Euch trotzdem lieb.

Unkonferenz – jede Session ist unerwartet und anders

Der Herausgeber der Literaturzeitschrift Richtungsding stellt sein Projekt auf dem Literaturcamp Heidelberg vor
In welche Richtung wollte eigentlich das Richtungsding?

Meine erste Session war gleich Unkonferenz pur.

„Mein Name ist Paul und ich habe ein teures Hobby: ich gebe eine Literaturzeitschrift heraus.“

Das Publisher-Paradoxon nannte er seine Session und wollte seine These ergründen, dass es mehr Menschen gibt, die in einer Literaturzeitschrift veröffentlichen wollen, als solche, die diese Zeitschrift kaufen würden.

Belegen wollte er es mit seinem eigenen Projekt Richtungsding.

Doch schon nach 10 Minuten begann das Publikum daran zu zweifeln, dass seine Zeitschrift als Beispiel geeignet sei und begann, sehr klug und direkt, Marketing und Vertrieb zu hinterfragen.

Mir gab die Session viel, denn ich nahm nicht nur einen Haufen intelligente Fragen mit, sondern auch das beste Foto, dass ich auf dem Literaturcamp 17 gemacht habe. Danke Paul – seit deiner Session denke ich darüber nach, wie veröffentlichen ohne Zielgruppe funktionieren könnte. Daher betrachte ich diese Session als ein gutes Beispiel, was Unkonferenzen leisten können. Wer jedoch erwartet hatte, in dieser Session eine Art Schulung zu bekommen, war enttäuscht.

Anna von Ink of Books referiert über: Lebe deinen Blog
Lebe deinen Blog – Anna macht es vor.

Eine unerwartet gute Schulung bot hingegen Lebe Deinen Blog von Anna alias Ink of Books. Sehr souverän, sehr kompakt und mit viel mehr Informationen, als ich dachte, dass man in 45 Minuten packen könnte. Ein Blog ist ein Gesamtpaket und besteht aus Bildsprache, Tonalität und persönlicher Erzählstimme. Ein Blog ist aber auch eine Reise hin zu der Persönlichkeit, die man auf dem Blog sein möchte. Diese Blogpersönlichkeit ist nicht deckungsgleich mit der Privatperson hinter dem Blog. Übrigens könnte ich meinen Blog nicht so einfach mit drei Hashtags charakterisieren, wie Anna das vorschlägt. Ich werde weiter darüber nachdenken und bedanke mich für die kluge Session!

Auf jedem Barcamp sollte man sich mindestens eine Session anhören, von deren Thema man nichts versteht. Zu gerne hätte ich den Vortrag von Ingeborg von der EBookerei zum Thema barrierefreie EBooks gehört. Allein die Göttin des Zeitplans war mir nicht hold. Nun, es liefen auch immer 8 Sessions parallel. Wir haben also alle gefühlt mehr verpasst als gehört. Auch das gehört zu einer Unkonferenz dazu.

Alternativ habe ich mir dann „Schreiben fürs Hören“ herausgesucht, denn von Podcast oder Radio-Journalismus verstehe ich wenig. Was für eine muntere und bereichernde Session von Nora alias Die Anachronistin und Kati alias Kati quatscht. Auch dieser Vortrag war ein gutes Beispiel dafür, was Unkonferenzen leisten können – improvisiert, erfrischend und frei Schnauze. Auf einmal verstand ich dann doch was vom Thema: Schreiben fürs Hören ist näher am Online schreiben als am Print schreiben.

Klaus N. Frick, seit sehr langer Zeit Perry-Rhodan-Redakteur, könnte ich stundenlang zuhören. Er bot in seiner Session einen Werkstattbericht: Wie entsteht die Serie, welche Formate können die alten Heftchen ersetzen, was haben Karl May und Perry Rhodan gemeinsam und wie um Himmels Willen bekommen wir mehr weibliche Protagonisten … Großartig. Und hiermit äußere ich meinen ersten Wunsch für das #litcamp18: Klaus, mach doch mal was zu Punk und Literatur!

Was ist ein Barsortiment und was hat Amazon damit zu tun: Heiko und Michael vom Barsortiment Umbreit boten einen Einblick in die Welt eines Dienstleisters, der außerhalb des Buchhandels kaum wahr genommen wird. Was mir hier im Gedächtnis bleibt ist: Kunde bestellt ein Buch bei Amazon, Amazon bestellt beim Barsortiment, denn das große A hat weniger Bücher vorrätig als ein Barsortiment. Die liefern das Buch nach Polen und von dort liefert Amazon das Buch wieder nach Deutschland. Da fehlen mir die Worte, um einen solchen Wahnsinn zu beschreiben.

Meine Neugier führte mich auch in die Session des Astikos Verlags, da mich interessierte, wie sie ihr dezentrales Team organisieren. Aus der Session wurde schnell im Zusammenspiel mit Kollegen des Carl Auer Verlags ein Erfahrungsaustausch – danke dafür!

Einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen wollte ich bei dieser Session bekommen: Mojoreads, ehemals log.os, tritt an um die Plattform für alle Belange des buchischen Lebensstils zu werden. Spannendes Projekt, definitiv. Ich werde es weiter verfolgen!

Aber was wünsche ich mir für das #litcamp18?

Diese Zwischenüberschrift besagt schon mal zweierlei: ich habe in meiner eigenen Session, SEO für Menschen, die lieber schreiben als sich um Technik zu kümmern, gut aufgepasst und ich möchte 2018 wieder dabei sein, denn ich habe diese Unkonferenz ins Herz geschlossen.

Wünsche habe ich einige.

  • Ich wünsche mir ein Publikum, dass seine Erwartungshaltung ablegt und nicht davon ausgeht, Kurz-Schulungen zu bekommen, die sich mindestens auf VHS-Niveau bewegen.
  • Ich wünsche mir eine stärkere Durchmischung der Sparten. Manchmal hatte ich den Eindruck, dass es parallel ein Barcamp für Autoren, eines für Blogger und eines für Verlagsmitarbeiter gab.
  • Ich wünsche mir mehr Out-of-the-Box Themen; Sessions, bei denen der Zusammenhang zum Buch erst auf den zweiten Blick klar wird. Zum Beispiel eine Punksession.
  • Ich wünsche mir noch mehr Kinder auf dem Literaturcamp – die Kinderbetreuung macht das möglich – sowie Sessions zu Kinderbüchern.
  • Ich wünsche mir, dass die Orga in der Einführung nicht nur darauf hinweist, dass jeder eine Session anbieten sollte, sondern auch darauf, dass jeder mindestens eine Session besucht, die ein für ihn absolut unbekanntes Thema behandelt.

Und was wünscht Ihr Euch für das #litcamp18?

Ein Besucher der Unkonferenz: Sehr müder Hund auf dem #litcamp17
Ermüdeter Teilnehmer auf dem #litcamp17. Was er wohl über die Unkonferenz denkt?

Session verpasst? Hier gibt es manches zum Anschauen.

Rückblick auf das Literaturcamp Heidelberg 2016:

SEO für Menschen, die lieber schreiben als sich um Technik zu kümmern

SEO für Menschen, die lieber schreiben als sich um Technik zu kümmern. Wie kann ich nur mit Text Google beeindrucken? Meine Session auf dem #litcamp16
SEO-Session am Qualitätssonntag des Literaturcamps.

SEO für Menschen, die lieber schreiben als sich um Technik zu kümmern. Wie kann ich nur mit Text Google beeindrucken?

Das war das Thema der Session, die ich am zweiten Tag des Literaturcamp Heidelbergs #litcamp17 angeboten haben.

Wie versprochen stelle ich mein Skript für die Session online. Die echte Session lief natürlich anders. Dazu findet Ihr am Ende einige Anmerkungen.

Danke für Eure Fragen und Erfahrungen! Wenn Ihr über die Session schreibt, verlinke ich Euch gerne. Und wenn ihr Fragen oder Ergänzungen habt, dann freue ich mich über Eure Kommentare!

SEO für Menschen, die lieber schreiben

Wieviele eurer Blog- oder Webseitenbesucher kommen über Google?

Bei mir sind es 60%

Lohnt sich also, ein bisschen SEO zu betreiben, damit mehr davon kommen.

Ich skizziere euch einen Weg, der bei SEO das in den Mittelpunkt stellt, was ihr wahrscheinlich am liebsten macht: schreiben.

Schreibt zuerst einen großartigen Text. Fertig?

Fasst die Kernaussage des Texts in zwei Sätzen zusammen. Diese beiden Sätze gut aufheben, die brauchen wir am Schluss noch einmal.

Klappt nicht? Dann solltet ihr euren Text eh noch einmal überdenken, ob er schon klar, griffig & richtig gut ist!

Gut. Perspektivenwechsel. Nehmt diese beiden Sätze mit der Kernaussage. Stellt euch einen Menschen vor, der diesen Text unbedingt lesen will und der Google dafür nutzt, um ihn zu finden.

Mit welchen Begriffen sucht er?

Kommen diese Begriffe schon in eurem Text vor?
Ja? Prima!
Nein? Dann bessern wir jetzt nach.

Setzt diese Begriffe an folgenden Stellen ein:
Überschrift, erster und letzter Absatz, in mindestens einer Zwischenüberschrift.

Es gibt Buchblogs, auf denen Begriffe wie Buch, Bücher, lesen, Rezension, Buchempfehlung so gut wie gar nicht vorkommen.

Oder Feinkostläden, die lieber von Teigwaren als von Nudeln reden.

Ehrlich!

Vergesst abwechslungsreiche Umschreibungen. Verwendet die Begriffe, die jeder verwendet, in ausreichender Menge. Gute Autoren können auch so großartige Texte schreiben!

Eigentlich war es das schon.

Es gibt aber noch SEO-Ausbaustufen, die ebenfalls auf Text basieren.

Zwischen Euch und dem Leser liegt bei dieser Herangehensweise die Google Suche. Das Ergebnis dort wird in einer bestimmten Form gezeigt, dem sogenannten Snippet.

Eine Überschrift – dem sogenannten HTML Title

Circa zwei Zeilen Text – der sogenannten Meta description.

Dieser Text muss griffig und überzeugend sein, sonst klickt niemand. Bei WordPress könnt ihr diese mit Hilfe eines Plugins wie Yoast selbst schreiben.

Der Title beginnt mit dem wichtigsten Begriff, dem Keyword. Für die description, die zwei Zeilen darunter, nehmen wir die Kernaussage vom Anfang. Der Platz ist knapp: 55 bzw. 155 bis 170 Zeichen.

Haben wir noch Zeit? Dann gehen wir noch kurz auf die Alt Tags ein: Text, der sich hinter den Bildern versteckt und eigentlich der Barrierefreiheit dient. Er liefert eine Bildbeschreibung für Sehbehinderte. Sollte man also auf jeden Fall ausfüllen. Dabei kann man gleich – ihr ahnt es – Keywords verwenden.

Und was sind eure SEO-Tipps?

Was sonst noch geschah: Ergänzungen zur SEO-Session

So weit mein Skript, einiges lief natürlich anders. So habe ich zum Beispiel wesentlich mehr über Nudeln erzählt. Dahinter verbirgt sich die Geschichte eines Feinkostladens, den ich zu SEO und Online-Fragen beraten habe. Sie waren sehr stolz auf ihre hausgemachten Nudeln. Doch auf der Webseite war nur einmal von Nudeln die Rede; Begriffe wie Nudelsauce oder Pasta fehlten ganz. Dafür gab es Umschreibungen wie Frischeinudeln und Teigwaren. Woher soll Google dann wissen, um was es geht?

Ergänzt haben wir auch noch, dass man nicht nur die Alt-Tags, den Text hinter den Bildern ausfüllen sollte, sondern auch Bildunterschriften und sprechende Dateinamen verwenden kann und soll. Letzteres habe ich übrigens bei diesem Beitrag aus Zeitgründen wieder weggelassen. Aber Zwischenüberschriften habe ich diesmal genutzt!

Wir sind auch noch auf Blogspot eingegangen. Dort ist wie immer einiges anders. So weit ich weiß, gibt es dort keine zuverlässige, unaufwendige Möglichkeit, Titles & Descriptions selbst zu texten. Google verwendet hier meist den ersten Abschnitt des Textes. Über die Lage bei WordPress.com kann ich nichts sagen und würde mich über Kommentare dazu freuen.

Garantiert haben wir uns noch über viel mehr ausgetauscht. Es ist immer wieder erstaunlich, wieviel in eine 45-minütige Session auf einem Barcamp passt!

Ich hoffe, dass ich damit Menschen wie Euch, die gerne schreiben und  die ihre Kreativität nicht in ein Raster pressen wollen, einen pragmatischen und umsetzbaren Ansatz gezeigt habe. Das, was ich hier erklärt habe, ist ein guter Anfang, wenn man nicht all zuviel Zeit und Energie in Keywordrecherche und SEO-Strategien stecken will. Eine komplette SEO-Strategie umfasst natürlich noch viel mehr.

Ob pragmatischer Ansatz oder komplette Strategie: SEO ist ein Mittelstreckenlauf, kein Sprint. SEO ist nie fertig. Beginnt mit dem, was Euch leicht fällt – der Rest findet sich!

Update – Tipps & Ideen von den Lesern:

Nützlicher Hinweis: hier könnt ihr die Meta Description bei einem Blogspot Blog anlegen

Von Regina alias Chimikos Welt kam der Hinweis, dass Ihr bei Blogspot auch eine Meta Description anlegen könnt. Die Funktion befindet sich unter den Post-Einstellungen und heißt „Beschreibungen für Suchmaschinen“.

Juna im Netz hat mir in einem Facebook-Kommentar, den ich hier zitieren darf, geschrieben, wie sie mit den Alt-Tags der Bilder umgeht:

„Für die Barrierefreiheit ist es wichtig, nicht zu viele Sonderzeichen zu verwenden, weil die sonst mitgelesen werden. Das macht die alt-Tags schwer nachvolllziehbar. Bei den meist kurzen Sätzen benutze ich Platzhalter wie „Hier ist ein Bild von …“ plus die Erklärung, was auf dem Bild etwa zu sehen ist. Das trennt den Bereich vom Fließtext auch hörbar gut ab. Und manchmal verstecke ich auch etwas in den Tags, das nur für die Menschen mit Screenreadern ist, weil ich hoffe, jemandem einen Mehrwert dadurch zu bieten. Das kann so aussehen: „Du kannst es vielleicht nicht sehen, aber auf diesem Bild gucke ich sehr komisch, weil vorher … passiert ist und …“. Etwas, das ich im Fließtext eben nicht sagen würde. Wie ein kleines Geheimnis. :)“

Außerdem hat sie auch dieses Jahr wieder ganz wunderbare Fotos der Teilnehmer gemacht. Auch von mir und den Teilnehmern meiner Session. Danke schön!

Mein Fazit zum #litcamp17 findet Ihr hier.

Zuerst denken, dann klicken: die Fake-Jäger

Zuerst denken dann klicken. Mimikama Fake Jäger Buch. Rezension

Am Anfang ging es hauptsächlich um schlechte Scherze wie die angeblichen Tierfänger, wahlweise Organjäger, im weißen Bulli. Das war in einer Zeit, als auf Facebook noch hauptsächlich Privates gepostet wurde. Doch jemand kannte jemanden, dessen Freund eine Schwester hatte, der genau das passiert war … Die Fake-Jäger nahmen sich dieser Scherze an und klärten auf.

Dann entdeckten die Firmen das Netzwerk, Facebook wurde kommerzieller und die schlechten Scherze änderten sich entsprechend. Gewinne das neue I-Phone oder einen 500€ Gutschein von wem auch immer, wenn – ja wenn Du Dich nur zum Narren machst und diesen Beitrag teilst: so lautete der klassische Hoax in dieser Phase.

Die Fake-Jäger blieben dran, prüften und veröffentlichten sachlich und von Beweisen gestützt, was an diesen Geschichten und Verschwörungstheorien dran ist: nichts. Absolut gar nichts.

Wofür ich sie immer bewundert habe ist, dass sie auch bei den abstrusesten Storys wie Essig gegen Chemtrails neutral blieben und die, die daran geglaubt hatten, nicht lächerlich gemacht haben.

Genau dieser Tonfall prägt auch das Buch und genau deswegen liest es sich einfach großartig! Die geheimen Superkräfte der Fake-Jäger lauten Recherche und Humor. Beides setzen sie im Dienste der Aufklärung ein – für die Menschen, für ein menschliches Internet.

Doch was bietet das Buch, was nicht schon auf der Webseite stand?

Tatsächlich entdeckte ich ein paar Fakes, die ich noch nicht kannte. Doch warum sich dieses Buch auch für die Leser lohnt, die schon regelmäßig die Webseite Zuerst denken, dann klicken (Mimikama) besuchen oder der Facebook-Seite Zddk folgen, ist etwas ganz anderes.

Im Gegensatz zu den tagesaktuellen Beiträgen auf der Webseite können im Buch ganz anders Zusammenhänge und Querverbindungen aufgezeigt werden. Die Autoren nutzen das, um darzustellen, wie es kam, dass Facebook „auf einmal“ politisch wurde. Für die Fake-Jäger hängt das eng damit zusammen, dass deutsche Politiker der bürgerlichen Mitte 2013 das soziale Miteinander im Internet noch als #neuland bezeichneten:

Gerade durch diese Fehleinschätzung von höchsten Stellen und durch die daraus resultierende Vernachlässigung durch die Mitte der Gesellschaft haben die extremen Stimmen ein extrem wirkungsvolles Feld quasi kampflos überlassen bekommen.
Die Fake-Jäger S. 143

Auch einige der frühen Fakes enthielten Rassismus: der weiße VW-Bulli wurde angeblich von „Südländern“ gefahren, nachdem es zuvor Zigeuner waren, die dann später zu Rumänen wurden. Das war schon übel genug. Doch wie der Rassismus sich dann auf Facebook breit machte und für politische Manipulationen genutzt wurde, darauf waren wir nicht vorbereitet.

Über die sozialen Netzwerke hatten diese extremen Kräfte gleich Zugang zum intimsten Bereich ihrer bereits vorhandenen, aber auch der potenziellen Zielgruppen: dem privaten PC-Bildschirm in deren zuhause.
Dadurch erreichen Themen, die im Grunde kaum salonfähig sind, auf einmal Menschen …
Aus Mangel an Gegenargumenten und ohne Stimmen, die zur Besonnenheit mahnen, wirkt hier jede noch so krasse Theorie oder Behauptung plausibel.
Die Fake-Jäger S. 143/144

Doch die Fake-Jäger blieben auch jetzt, als es hässlich wurde und sie persönlich angefeindet wurden, dran. Danke dafür!

Warum ist das wichtig – auch für die, die Facebook nicht oder selten nutzen?

Wir können und dürfen nicht mehr zwischen „realer“ und „virtueller“ Welt unterscheiden … Die Realität diktiert das Virtuelle, das Virtuelle wirkt auf die Realität. Es ist quasi eins geworden. Aber das ist in den Köpfen vieler noch nicht angekommen.
S. 253

fake-jaeger-vorwort

Infos zum Buch: 

Tom Wannenmacher
Andre Wolf

Die Fake-Jäger – Wie Gerüchte im Internet entstehen und wie man sich schützen kann
ISBN: 978-3-8312-0441-0
Komplett Media

Nicht mehr lieferbar – aber die Arbeit wird auf der Website MIMIKAMA fortgeführt.


Die Fake-Jäger empfehlen das Buch „Hass im Netz“ von Ingrid Brodnig, das auch auf meiner Leseliste steht. Hier ein Interview mit der Autorin.


 Gleiche Baustelle, anderer Ansatz: Handbuch für gute Manieren im Netz. Hier meine Rezension:

Barcamp Rhein-Neckar #bcrn16

dezernat 16 in Heidelberg. Toller Veranstaltungsort für das Barcamp Rhein-Neckar
Dezernat 16 in Heidelberg: guter Ort für ein Barcamp

Schule im digitalen Zeitalter, Müll von Pappbechern vermeiden, Minecraft, Drohnen und Zen: Obwohl das Barcamp Rhein-Neckar eine wilde, bunte Mischung an Themen bot, habe ich mir diesmal sehr viele Sessions mit technischem Hintergrund herausgesucht.

Damit war für mich über weite Strecken das Barcamp eine Fortbildungsveranstaltung und eine Möglichkeit, in Themen hineinzuschnuppern, von denen ich selbst nicht viel verstehe.

Genauso gut kann man ein Barcamp als Reality-Talkshow und Diskussionsrunde wahrnehmen. Oder als gemütliches Abhängen mit interessanten Menschen (und Hunden).

Auf jeden Fall gibt es auf jenem Barcamp immer mindestens eine Session, die einem lange im Gedächtnis bleiben wird. Auf dem Barcamp Rhein-Neckar waren es gleich zwei, die unterschiedlicher kaum sein könnten:

Autistisch – Authentisch!

Sicherlich die intensivste Session lieferte @querdenkender Aleksander Knauerhause, der sich ganz entspannt vorne hinsetzte und über Autismus erzählte – seinen Autismus. Damit lieferte er Aha-Momente im Sekundentakt. Vergesst alles, was ihr meint, bei Rain Man & Co gelernt zu haben, und hört einfach ihm zu!

Wer keine Möglichkeit hat, Aleksander Knauerhause auf einem Barcamp zu erleben, dem empfehle ich sein Buch: Autismus mal anders. Einfach, authentisch, autistisch.

Eine Besprechung hier auf dem Blog wird sicherlich noch folgen; es gibt aber auch ein sehr informatives Interview bei Literaturschock. Oder lest seinen Autismus-Blog.

Update Oktober 2016: Meine Rezension zu dem Buch von Aleksander Knauerhase „Autismus mal anders. Einfach, authentisch, autistisch“ ist jetzt erschienen

Sind wir zu deutsch für Social Media?

Während in dieser Session die Diskussion sich doch hauptsächlich um den Datenschutz und seine bremsende Wirkung drehte, habe ich für mich auf Twitter Fragen gesammelt. So nehme ich aus dieser Session wenig neue Erkenntnisse, aber viele gute Fragen mit:

Blogger Selfie mit Barcamp Hashtags
Fast ein Blogger-Selfie mit Hashtags

Überhaupt: Twitter, der second screen eines Barcamps. Oder wie @derexperte in seiner Session meinte: Ein Barcamp ohne Twitter wäre kein Barcamp. Da fragt man schnell aus dem Session-Raum am Ende des Gebäudes per Twitter nach einem Mini-HDMI-Adapter; bezieht Menschen, die nicht dabei sein können, in die Diskussionen mit ein, wünscht einer kranken Mit-Organisatorin gute Besserung, und schreibt für sich selbst Notizen zu den Sessions als Tweets.

Anhand dieser Notiz-Tweets schreibe ich hier meinen Blog-Beitrag. Twitter als ausgelagertes Gedächtnis und als Tool, um Menschen und Themen zu verbinden. Mit jedem Barcamp wächst meine Begeisterung für Twitter.

Das sehen auch andere so: über 3000 Mentions kamen zusammen – viel Twitter, etwas Facebook und einige schöne Bilder auf Instagram.

Barcamp mit Aussicht auf Heidelberg
Barcamp mit Aussicht auf das romantische Heidelberg

Freifunk Rhein-Neckar sorgte für ein hervorragendes WLAN, das tatsächlich nur in der obersten Etage in der hintersten Ecke des Gebäudes schwächelte. Dafür hatte man von dort den besten Ausblick auf Heidelberg, das nun mal auch Ecken ohne Touristen hat.

Damit habe ich jetzt drei Barcamps in 2 Monaten besucht: das Literaturcamp Heidelberg, die Electric Bookfair in Berlin und jetzt das klassische Barcamp Rhein-Neckar.

Jedes davon war eine inspirierende Wundertüte, jedes auf seine Art einzigartig.

Doch wer beim Literaturcamp dabei war wird mein Fazit verstehen: das Literaturcamp Heidelberg ist der Sieger der Herzen!

 

 

Electric Book Fair: was kommt nach dem eBook?

eReader auf der Electric Book Fair Berlin
Ein einsamer eReader auf der Electric Book Fair. Während meine müden Augen das digitale Lesen so genießen, lesen alle anderen schon längst auf Tablet oder Smartphone.

Eigentlich wollte ich die Electric Book Fair in Berlin als Leser besuchen, oder um genau zu sein: als bloggende Leserin. Schließlich hatte ich die Karte mit meinem Beitrag zur Blogparade „Mein erstes eBook – #1stebook“ gewonnen. Den Plan gab ich schnell auf, denn die Vielfalt der Themen und Sessions berührte so ziemlich alles, was ich mit Büchern mache.

eBooks verschenken – wie kann man daraus ein haptisches, persönliches Erlebnis machen? Wie hält man eine Backlist von 1500 eBooks auf dem technisch aktuellen Stand? Wie sieht der Lebenszyklus eines eBooks aus, welche Themen sind überhaupt für eBooks geeignet und welche Rolle spielen dabei Rezensionen und Preisaktionen? Kann man einen eBook-Verlag mit Wunderlist organisieren? Ab wann ist ein Selfpublisher ein Ein-Mann-Verlag? Was gehört alles zu dem Themenbereich Data Driven Publishing? Bieten eBooks leseschwachen Kindern Vorteile oder haben in diesem Fall Apps die besseren Karten?

Nicht alle dieser Fragen wurden in Sessions erörtert. Viele hochinteressante Diskussionen fanden zwischendurch auf dem Gang oder auf der Dachterasse statt. Eigentlich konnte man nirgendswo hingehen, ohne gleich in ein Gespräch verwickelt zu werden. Offen, neugierig, konstruktiv und sehr freundlich – das war die Grundhaltung der Teilnehmer der Electric Book Fair. Von der Frage „Was machst Du?“ kamen wir alle sehr schnell zur Folgefrage „Und wie machst Du das?“

Doch was wird mir als bloggende Leserin, ganz unabhängig von allen anderen Berührungspunkten, im Gedächtnis bleiben?

Das Gefühl, mit meiner Kreuz- und Querleserei nicht in die Denkmuster der Verlage zu passen. Es war viel von Zielgruppen die Rede, manchmal auch von Lesern. Doch mir kamen die Vorstellungen von Lesern häufig sehr eindimensional vor.

Natürlich haben Leser wie ich auch ihre Vorlieben, ihre Autoren oder Verlage, zu denen sie bevorzugt greifen. Doch entspringt das mehr einem Sicherheitsbedürfnis und dem Wunsch, ohne viel nachdenken zu müssen zu einem zufrieden stellenden Leseerlebnis zu kommen. Das auf einer solchen Vereinfachung ganze Programmstrategien basieren, kann wohl kaum im Sinne des Lesers sein.

Genauso, wie ich als Leser zwischen Papier und eBook wechsel, genauso wechsel ich auch durch die Genres und Themen – hybrid lesen in jeder Hinsicht. An das wechselnde Medium können sich Verlage anscheinend leichter gewöhnen.

Während mir diese Gedanken schon durch den Kopf gingen, begann die letzte Session der Electric Book Fair. Sie widmete sich der Frage „Was kommt nach dem eBook?“ Dabei ging es erstaunlicherweise nicht um Technik. Mein persönliches Fazit aus dieser spannenden Diskussion bot mir als Hybrid-Leserin auch wieder Trost: Was kommt nach dem eBook? Einfach die nächste gute Geschichte! Der Inhalt ist entscheidend.

 

Update & Netzlese:

Wie sich dieser fremde Planet namens Electric Bookfair anfühlt, wenn man eher zufällig dort strandet und zudem zu Beginn davon überzeugt ist, dass PDFs mit verstellbarer Schriftgröße einfach nur Quatsch sind: Litaffin Blog

„Das E-Book allein ist bestimmt nicht die Zukunft des Buchmarkts, aber vielleicht das E-Zusammenspiel und die E-Kreativität eines E-Literaturbetriebs. “

Digitur mit einem Videobeitrag, der den beiden Kuratorinnen viel Raum gibt, Hintergründe aufzuzeigen.

Buchblogs und Leser offline vernetzen

Literaturcamp Heidelberg Blogger Aktionen offline

„Buchblogs und Leser offline vernetzen“ war das Thema einer Veranstaltung auf dem Literaturcamp in Heidelberg #litcamp16. Alexandra hat die Session sehr spontan ausgerufen. Gedacht war sie als offene Diskussionsrunde, als Ideen-Sammlung. Der Raum war voll, trotz vieler anderer spannender Sessions, die zur gleichen Zeit statt fanden.

Für mich war es ein AHA-Effekt auf dem #litcamp16: Viele Buchblogger denken zur Zeit auf den gleichen Themen herum.

  • Wie kann ich und in wie weit will ich überhaupt meinen Blog professionalisieren?
  • Wie gehe ich damit um, dass mich andere in ihre Marketing-Aktivitäten einbauen wollen?
  • Wie kann ich meinen Leserstamm erweitern und verhindern, dass ich nur von anderen Bloggern gelesen werde?

Die letzte Frage wollten wir in der Session diskutieren. Alexandra vom Blog Bücherkaffee bringt selbst sehr viel Erfahrung beim Thema Offline-Aktionen von Blogs mit: monatlicher Bücherstammtisch „Meet & Read“ und Wohnzimmer-Lesungen sind nur zwei Beispiele ihrer Aktivitäten.

Vorneweg: der ultimative Lösungsansatz wurde nicht gefunden. Aber es wurden viele kleine unaufwendige Ideen zusammengetragen und auch ein paar größere Konzepte skizziert.

Sessionplanung #litcamp16 Offline Aktionen für Buchblogs

Hier mein – sicherlich lückenhaftes – Gedächtnisprotokoll: So können Buch-Blogs offline sichtbar werden

  • Bücherstammtische, Lesekreise, Offline-Leserunden
  • Bücherschränke ins Leben rufen. Am Literaturschock-Wohnort wurde gerade ein Bücherschrank eröffnet, den auch ich am Welttag des Buches ein wenig mit befüllt habe.
  • Büchern, die man weggibt oder spendet, einen Hinweis auf den Blog beilegen: Lesezeichen oder Visitenkarten.
  • Oder auch den Büchern kleine Rätsel beilegen – Schnitzeljagd
  • Wanderbuch-Aktionen
  • Blogparade Lieblingsbuch und aus allen Beiträgen ein eBook machen.
  • Aktionen mit Buchhändlern, wie sie auch in der Facebook-Gruppe Blogger & Buchhandel entstehen
  • Vorlese-Aktionen
  • Buch-Tipps für Zeitungen und Zeitschriften schreiben
  • Aktionen mit Bibliotheken
  • Auch mal über Nicht-Buchthemen schreiben und so neue Leser heranlocken, woraus dann wieder neue Offline-Kontakte entstehen können
  • Blogger-Veranstaltungen von Kulturinstitutionen nutzen (Beispiel: #tweetups in Museen)

Bemerkenswert fand ich, wieviel Hoffnung auf dem Buchhandel ruht: Blogger-Schaufenster, Buchvorstellungen mit Bloggern, Lesezeichen und Flyer im Laden auslegen … Buchhändler hätten das, was Buchblogger suchen: direkten Kontakt zum Leser.

Mein Eindruck ist ja eher, dass die meisten Buchhändler in der Angst leben, genau das zu verlieren! Dazu kommt, dass der Buchhandel keine Branche ist, die sich sofort und spontan auf Innovationen stürzt. Dieser Eindruck wurde auch von den meisten Buchbloggern, die schon Kontakt gesucht haben, bestätigt. Überzeugungsarbeit ist angesagt, aber einige schöne Aktionen sind auf diesem Weg schon entstanden.

Und was passiert jetzt? Die Idee zur Blogparade „Mein Lieblingsbuch“ wurde am nächsten Tag gleich von Bloggern aufgegriffen. Lilienlicht hat dazu spontan eine Session ausgerufen.

Und auf meinem Blog? Ich werde auf jeden Fall den Bücherschrank weiter füllen und vielleicht auch endlich mal das Projekt Werbemittel für meine Blogs in Angriff nehmen. Vor allem für den Kinderbuch-Blog könnte das interessant sein. Allerdings investiere ich meine Zeit einfach lieber in neue Beiträge als in andere Aktionen, deswegen stehen Offline-Aktionen wie sie hier zusammengetragen wurden für mich hintenan.

Hier findet Ihr Protokolle und Blogbeiträge zu allen Sessions und Diskussionen des Literaturcamp Heidelberg und hier mein Protokoll zu meiner Session Der Buchblogger, das unbekannte Wesen.

#litcamp16: das erste Barcamp für Literatur in Heidelberg und meine erste Session

Die Vorbereitung meiner Session für das #litcamp16 knapp zusammengefasst

Freitag Abend dachte ich mir, dass ich auf meinem zweiten Barcamp meine erste Session halten könnte. Samstag fühlte sich die Idee immer noch gut an. Also schnappte ich mir die Postkarte von „Fairer BuchmarktEvery time you steal an e-book, a unicorn dies und einen Kuli von Jokers, einem der Sponsoren des #litcamp16, und schrieb mein Session-Konzept auf.

Die Buchblogger, die unbekannten Wesen war von mir angedacht als Informationssession für Autoren, Verlage und Pressemenschen mit anschließender Diskussion mit Bloggern. Spontan unterstützt hat mich Alexandra vom Blog Bücherkaffee – Danke!

Ich hoffe natürlich, dass jemand diese Session protokolliert und drücke demjenigen fest die Daumen, dass er damit auch den Tolino Reader gewinnt – womit ich einen weiteren Sponsor im Text unterbekommen habe 🙂

Das war mein Einstieg in die Session:

Vorneweg: Blogger sind ein freies und wildes Völkchen. Wenn ich Verallgemeinerungen treffe habe ich immer ein wenig ein schlechtes Gewissen. Aber irgendwie muss ich ja Struktur in das Ganze bringen.

Wieviele aktive Buchblogs gibt es in Deutschland?

Schaut auf der Topliste von Tobi – er listet derzeit über 1200 aktive Buchblogs auf. Beachtet dabei, dass sein Ranking den Grad der Vernetzung angibt und kein Reichweiten-Ranking darstellt.

Warum bloggen Buchblogger?

Ein Buchblog ist immer auch ein persönliches Lesetagebuch; ein Erinnerungsmedium.

Mit einem Buchblog hofft man, Gleichgesinnte zu treffen. Ich habe oft gehört „In meinem Freundeskreis bin ich die einzige, die liest“. Nun, spätestens nach einem Jahr Buchbloggerei hat sich das geändert!

Natürlich haben Buchblogger auch eine Mission: Lesen ist cool; Leute, lest mehr Bücher.

Kreativität ausleben, Neues lernen, den technischen Horizont erweitern – all das lebt man mit seinem Buchblog aus.

Der 5. Punkt, der vorher gar nicht auf meinem Plan stand und spontan in die Rede hüpfte, bringt eine Meta-Ebene dazu: mit seinem Blog gestaltet man das Internet mit und überlässt es nicht den großen Marken. Ein Internet von Menschen für Menschen, ein Raum der Begegnung und der Kommunikation – dazu tragen Buchblogger bei.

Was ist ein guter Blog?

Wenn er Dir gefällt, wenn Du dort immer wieder gerne liest, ist er gut. Ganz einfach.

OK, stellen wir die Frage anders: was ist ein relevanter Blog?

Ab hier ist es schwieriger. Ein Ansatz, die Relevanz zu ermitteln, sind Tools wie Sistrix: Sichtbarkeitsanalyse und Keyword-Struktur. Kostet Zeit. Für Menschen, die es eiliger haben, empfehle ich diesen Ansatz: rechtsgültiges Impressum, mindestens 1 Jahr alt, mehr als 100 Beiträge, bloggt regelmäßig (ab 3 bis 4x im Monat).

Was für eine Reichweite hat ein Blog? Wie häufig wird ein Blog-Beitrag gelesen?

Ich gehe davon aus, dass sich mein Blog hier eher im unteren Mittelfeld bewegt. Das sind meine Zahlen:

Wenn ein Blogbeitrag schlecht läuft, findet er 20 Leser; wenn er gut läuft auch mal 150. Das sind die Zahlen für die ersten 10 Tage, also für den Zeitraum, in dem der Blogbeitrag noch frisch und neu ist. Zu diesen Zahlen muss man noch die Leser zählen, die meinen Hinweis auf den Beitrag zumindest auf Facebook, Twitter & Co. gesehen haben und so wissen, dass es eine Rezension zu diesem Buch gibt. Diese Impressionen machen geschätzt noch einmal 100 bis 300 Menschen aus.

Nicht viel, oder?

Danach beginnt Phase 2 im Leben eines Blog-Beitrags. 60 bis 70% meiner Leser kommen über die Google-Suche. Wenn das Buch gesucht wird, dann stehen die Chancen gut, dass der suchende Mensch meinen Beitrag findet. Aber eben nur wenn es gesucht wird!

Damit liegt der Spielball wieder im Feld der Autoren und Verlage: macht was mit den Blog-Beiträgen! Teilt sie, verbreitet sie, baut sie auf Euren Webseiten ein, sprecht darüber.

Ungefähr hier endete der vorbereitete Teil meiner Session und die Diskussion und der Erfahrungsaustausch begannen. Alexandra vom Bücherkaffee erzählte sehr frei und offen, was sie alles macht, um ihren Blogbeiträgen zu mehr Reichweite zu verhelfen: von bezahlten Facebook-Posts über gut ausgesteuerte Verbreitung via Socialmedia bis zu Google+ war da alles dabei.

Doch wie finden Autoren und Blogger zusammen?

Dieser Tweet fasst eigentlich alles zusammen:

Natürlich hatten alle Blogger Schauergeschichten parat von Mails, die besser nie geschrieben worden wären und die auch nie zu einer Rezension führten. Eigentlich würden wir uns alle gerne über Rezensionsanfragen freuen, doch derzeit sind es schlichtweg zu viele. 5 bis 10 Anfragen die Woche sind keine Seltenheit, selbst dann, wenn man explizit auf der „Über mich Seite“ stehen hat, dass man keine Rezensionsexemplare annimmt. Mein Kinderbuch-Blog scheint eine Besonderheit aufzuweisen: ich war die einzige Bloggerin im Raum, bei der auch Autoren anrufen. Übrigens auch keine gute Idee, genauso wie Unverlangt-Sendungen, eBook als Mail-Anhang, Nachhaken nach 14 Tagen oder Bücher in Rechnung stellen.

Auch wenn die anwesenden Blogger schätzten, dass nur 20% der Anfragenden sich vorher mit dem Blog auseinandergesetzt haben, gab es doch den Konsens: #ishaltso, da muss man drüber stehen.

Mails, die alle wichtigen Infos enthalten (Link zum Buch oder zur Leseprobe nicht vergessen!) und nett geschrieben sind, werden auch wirklich noch gelesen, trotz der Masse.

Was kann man sonst noch tun? Mein Tipp für Autoren: Netzwerk aufbauen, bevor man es braucht. So, wie ich es bei einer Bilderbuch-Autorin mal erleben durfte. Sie hatte munter auf allen Kinderbuch-Blogs kommentiert und mitdiskutiert OHNE darauf hinzuweisen, dass es ja bald eine neues Bilderbuch …

Als sie mich dann Monate später anschrieb, ob ich denn Interesse an einem Rezensionsexemplar hätte, konnte ich antworten: zu spät, ich habe es schon gelesen, finde es toll und schreibe gerade am Blog-Beitrag.

In diesem Fall kann ich nur sagen: alles richtig gemacht.

Ich hoffe, dass ich mit meiner Session zumindest genug richtig gemacht habe, dass alle Anwesenden Inspiration und Tipps für sich mitnehmen konnten. Dieses Protokoll ist sicherlich nicht vollständig. Schreibt mir in die Kommentare, was fehlt, und ich ergänze den Beitrag! Oder schickt mir Eure Links zu Eurem Fazit, dann verlinke ich darauf.

Und hier findet Ihr alle Infos zum Literaturcamp Heidelberg! Es war eine großartige Veranstaltung, geprägt von Respekt, Herzlichkeit, Offenheit und echtem Austausch ohne Akquise-Absichten.


 

Herrn Knigge gefällt das! Handbuch für gute Manieren im Netz

Knigge Regeln für das Online Leben - Buch Cover

Social Media ist noch so neu, dass es ganz verständlich ist, dass wir erst lernen müssen, wie wir in diesem virtuellen Raum miteinander kommunizieren und umgehen.

Das habe ich selbst schon immer mal wieder gedacht und gesagt. Habe ich es geglaubt? Getröstet hat es mich auf jeden Fall. Plausibel klang es auch.

Herr Knigge würde das anders sehen. Er glaubt, dass man mit Anstand, Contenance und Respekt jede Situation meistern kann. Dabei ist es egal, ob man sich im Kindergarten, auf einem Gala-Dinner oder im Internet befindet. Es gibt Grundregeln, die immer und überall funktionieren.

Aus diesem Blickwinkel heraus behandelt das Buch Fragen des Online-Lebens: Was tue ich, wenn alle Online-Freunde um einen Promi trauern, der mir nichts bedeutet hat? Mich dezent zurückhalten natürlich und das Foto meiner Füße am Strand ein andermal posten. Ist es ok, wenn ich im Restaurant mein Essen poste? Frage die Anwesenden, beeil Dich und schau danach auf gar keinen Fall alle paar Minuten, wie viele Likes das Foto schon bei Instagram hat.

Einfach, oder? Bis hierhin ja. Könnte man meinen. Aber nur, solange man nicht parallel bei Facebook mitliest. Oder sich selbst bei einer Online-Unachtsamkeit ertappt.

Was das Buch „Herrn Knigge gefällt das!“ nicht bietet, sind konkrete Tipps zu Funktionen wie Facebook-Privatsphäre-Einstellungen. Das ist gut so, denn die wären bei Erscheinen schon wieder veraltet.

Dieser Knigge erinnert an das Gute im Menschen und ist fest davon überzeugt, dass wir uns nur nach diesen Grundregeln richten müssen, dann klappt das auch mit dem Online-Nachbarn.

Immer die falschen Menschen retweeten oder teilen die Inhalte, so dass die eigenen Gedanken bald vor einem gänzlich fremden Publikum bestehen müssen. Das berücksichtige man ewiglich.
S. 203

Also doch alles ganz einfach. Und Spaß macht die Lektüre auch noch.


 Lieber Atlantik Verlag: Danke für das Rezensionsexemplar!

Angaben zum Buch (oder besser: Büchlein):

Max Scharnigg

Herrn Knigge gefällt das!
Das Handbuch für gute Manieren im Netz

Atlantik Verlag

Aus dem Klappentext:
„Die digitale Welt stellt lauter wichtige Fragen: Ist es okay, auf Facebook zum Geburtstag zu gratulieren? Muss ich immer liken, wenn die beste Freundin ihre Füße postet? Höchste Zeit für ein paar Antworten, die auch dem Freiherrn von Knigge gefallen hätten.“


Was wohl Herr Knigge zur Selfie-Flut sagen würde? Dieses Ratgeber zeigt, wie man wirklich gute Selfies macht – und damit sind richtige Selbstporträts gemeint, keine schnellen Schnappschüsse: Advanced Selfie.


 

Von Reichweite, Zahlenmagie und Buch-Blogs – was ist eine Rezension wert?

Wert einer Rezension auf einem Buch-Blog

Ein Ruck soll durch die Buch-Bloggosphäre gehen, das Selbstbewusstsein soll erstarken. Im Brennpunkt der Diskussion steht die Frage: was sind unsere Rezensionen und Artikel wert?

Spitzer formuliert: warum ist es (derzeit) mehr wert, über einen Lippenstift zu bloggen als über ein Buch? Warum werden reichweitenstarke Beauty-Blogger bezahlt, Buch-Blogger aber nicht?

Nun, man merkt es meiner Einleitung an, dass ich skeptisch bin. Ich sehe die Buch-Bloglandschaft in ihrer bunten Vielfalt, wie sie heute ist, und ich sehe die Blogs aus anderen Branchen, die mit Sponsored Posts, Anzeigen und durch Auftritte der Blogger als Speaker Geld verdienen.

Der Abstand in der Professionalisierung ist gewaltig. Zwei Beispiele für den Stand der Professionalisierung der Buch-Blogs habe ich rausgesucht.

Ich lese und rezensiere, da bleibt mir keine Zeit für Technik?

Knapp die Hälfte meiner Besucher kommen über die Suche, also Google & Co, auf meinem Blog. Wenn ich möchte, dass meine Beiträge lange gelesen werden und auffindbar bleiben, muss ich also Zeit in Technik und SEO investieren. Das ist alles kein Hexenwerk, man kann das lernen. Aber es kostet Zeit, die von der heiligen Lesezeit abgeht.

Wie sieht es nun aus in der Buch-Bloggosphäre? Schaut einfach mal, wie die Rezensionen der Blogs in der Google-Suche angezeigt werden. Welcher Blogger kümmert sich um HTML-Title und Meta-Description? Wer schreibt seine Snippets so, dass man Lust bekommt darauf zu klicken?

Macht ja nix, News sind doch wichtiger als alte Artikel könnte man meinen. Nein, auf einem Buch-Blog ist es anders. Ein Blick in meinen Zahlen: ein neu erschienener Beitrag auf diesem Blog wird in der ersten Woche 20 bis 30x aufgerufen, wenn es gut läuft auch 50x. Mehr nicht!

Bloggen gleicht einem Mittelstreckenlauf. Artikel, die am Anfang schwach liefen, können Monate später zu Erfolgen werden. Von 20 Leser zum Start des Artikels auf über 1000 Leser ein Jahr später – das ist durchaus möglich, wenn man Zeit in SEO investiert. Doch wieviele Blogger kümmern sich darum bzw. wollen sich überhaupt darum kümmern?

Die Nische rockt, eine klare Ausrichtung hilft

Jetzt bediene ich hier sehr spezielle Nischen: Sachbücher, Ratgeber, Yoga und bewusstes Leben, Museen. Eine klare Ausrichtung sieht definitiv anders aus. Diese Vielfalt führt dazu, dass ich nur relativ wenig Stammleser habe. Um so wichtiger ist für mich eine gute Auffindbarkeit in der Suche.

Mein Kinderbuch-Blog hingegen besitzt eine klare Ausrichtung. Die Kinderbuch-Nische ist zudem deutlich größer. Das führt dazu, dass der Blog dreimal so erfolgreich ist.

Wenn also eine Rezension eine große Wirkung entfalten soll, muss sie auch Online am richtigen Ort erscheinen. Das kann ein Buch-Blog sein, muss aber nicht.

Doch was bedeutet das konkret in Aufrufzahlen oder in Lesern? Hier habe ich immer noch den Eindruck, dass die wenigsten Buch-Blogger ehrliche Zahlen angeben. Da werden schon gerne mal Impressionen und Besucher verwechselt.

Meine Top 3 sieht derzeit so aus:

  1. Den ersten Platz hat Blackbox Gardening und die Akelei einem sehr gut platzierten Backlink des Ulmer Verlags zu verdanken. Das macht dann 1309 Aufrufe seit Juni 2014.
  2. Den zweiten Platz verdankt dieser Beitrag der Tatsache, dass das Buch seit ewigen Zeiten auf der Spiegel-Bestsellerliste ist und ich nicht verstehe, warum. Die Kuh, die weinte kommt auf 857 Aufrufe seit September 2014.
  3. Platz 3 geht an die Nische innerhalb der Nische: Das Sonnengruß-Mantra interessiert nur Yogis und Yoginis. 669 Aufrufe seit Juli 2013
  4. Am unteren Ende bewegen sich zum Beispiel die Elfen von New York: 19 Aufrufe seit Dezember 2015

Zum Vergleich sei wieder mein Kinderbuch-Blog herangezogen: 3963 Aufrufe für Muffelfurz und die Olchis seit September 2013 machen diesen Blog-Beitrag zum Spitzenreiter.

Ich vermute, dass ein gut eingeführter Literatur-Blog, der zudem das große und verdiente Glück hat, Backlinks von der Zeit und anderen wichtigen Online-Publikationen zu erhalten, deutlich bessere Zahlen als mein Kinderbuch-Blog aufweisen kann.

Aber über wieviele Buch-Blogs reden wir hier, die eine solche Reichweite aufweisen können? Und wieviele der jetzigen Buch-Blogs könnten diese Reichweite überhaupt erreichen, wenn sie sich mehr um SEO und andere Aspekte der Professionalisierung kümmern würden?

Ich bin dann mal offline – Pech für Euer Buch und Eure Backlinks

Mein zweites Beispiel ist eher ein anekdotisches: Blog-Pausen. Es gibt da dieses Ding namens Leben, das einem ganz hinterhältig vom Bloggen abhalten kann. Kommt vor, aber wie geht man damit um?

Es gab in letzter Zeit Buch-Blogs, die waren dann einfach für unbestimmte Zeit offline. Das kann natürlich jeder Blogger halten, wie er will. Aber für die Verlage und Autoren bedeutet das: futsch, aus, weg ist die schöne Rezension und der wichtige Backlink auf das eigene Produkt.

Kein Blog ist für die Ewigkeit gebaut und manch eine Rezension ist schneller offline oder unsichtbar geworden als ein Verlag das Wort Ladenpreisaufhebung buchstabieren kann.

Ist ein kostenloses Rezensionsexemplar wirklich eine Bezahlung unter Wert?

Dazu hat sich Tobi von den Lesestunden in seinem Beitrag Was ich mir als Buchblogger von den Verlagen wünsche schon seine Gedanken gemacht.

Bei einem Produkt wie einem Buch, wo ja die wenigsten Autoren vom Schreiben leben können, ist es absurd zu erwarten, dass da vom Kuchen genug abfällt, um hier ein ordentliches Einkommen zu erzielen.

Auch seine weiteren Ausführungen erhalten eine unbedingte Leseempfehlung von mir!

Ich kann den Wunsch mit Bloggen über Bücher Geld zu verdienen durchaus verstehen, aber sehe das in einer anderen Liga als das, was ich oder der durchschnittliche Buchblogger macht. Wer das möchte, muss sich aus meiner Sicht mit der Frage beschäftigen, wie er um seinen Blog ein Netzwerk aufbaut, dass es ihm erlaubt wirklich spürbare Umsätze und Mehrwerte für seine Kunden zu erzeugen. Wer eine Rezension zu einem 15 Euro teuren Buch schreibt, die von 1000 Besuchern gelesen wird und dann von 20 Lesern gekauft wird (eine Conversion Rate von 2% ist im Online Bereich schon ziemlich gut), dann wird damit ein Umsatz von 300 Euro generiert. Das entspricht dem, was die Fashionbloggerin ungefähr mit zwei verkauften Handtaschen an Umsatz erzeugt.

Quelle: http://www.lesestunden.de/2016/03/was-ich-mir-als-buchblogger-von-verlagen-wuensche/

Doch eine Rezension auf einem Buch-Blog ist ja nicht alles, was ein Buch-Blogger liefern kann. Bei Schwerpunkt-Artikeln, Werkschauen und anderen tiefergehenden Texten kann ich mir sehr wohl den oben beschriebenen Mehrwert vorstellen.

Auf Verlagsseite kann ich mir gut vorstellen, dass Buch-Blog-Aktionen von vornherein im Marketing-Etat verankert werden – mit einer Bezahlung für die ausgewählten Blogs.

Aber bei einem bin ich mir sicher: wer mit seinem Buch-Blog Geld verdienen will, muss noch mehr Zeit investieren. Lesen und rezensieren sind dann lediglich die Basis-Arbeit.


Ich blogge seit 2012 auf GeschichtenAgentin.de – da sind etliche Beiträge über das bloggen an sich zusammengekommen.


So läuft das mit dem Bloggen bei mir

Bloggen: Hier entsteht die GeschichtenAgentin - Blog Arbeitsplatz

Wie entscheidest du, ob du über ein Buch bloggst oder nicht?

Mein Blog ist auch ein Lesetagebuch. Ich blogge über alles, was ich zu Ende gelesen habe und am liebsten über das, was mich begeistert hat. Ich blogge aber auch über alles, was so schlecht war, dass ich die Lektüre abgebrochen habe und mich darüber aufgeregt habe. Nur über das, was keine Reaktion bei mir hervorgerufen hat, blogge ich nicht.

Woher nimmst du deine Inspiration für neue Beiträge?

An Ideen hat es mir noch nie gemangelt. Ich finde immer Themen, über die ich gerne schreiben würde. Bücher, Museen, Reisen, Erlebnisse, Blogparaden – es gibt immer etwas, das mich zum Bloggen inspiriert.

Was willst du mit deinem Blog erreichen?

Eine GeschichtenAgentin hat eine Mission: Geschichten und Menschen zusammenbringen. Mehr dazu auf meiner Über-mich-Seite.

Wie viel Zeit nimmst du dir für das Verfassen eines neuen Beitrags?

Klare Ansage an mich: ein Beitrag sollte innerhalb von 45 Minuten fertig sein. Eine Stunde gebe ich mir als Obergrenze. Sportlicher Ansatz, der mich zwingt, mir erst zu überlegen, was ich schreiben möchte, und mich dann an die Tastatur zu setzen.

Das erklärt auch die Kürze meiner Beiträge: mehr als 500 Wörter sind selten.

Wie oft erscheint in deinem Blog ein Beitrag?

Selbst gesetztes Ziel sind mindestens 4 Beiträge im Monat. Im Schnitt waren es aber in den letzten Jahren eher 6 im Monat. Mal zwei Blogs.

Bloggst du regelmäßig und hast Du feste Tage bzw. Abstände in denen Beiträge erscheinen? Hast du einen festen Tag, an dem du Blogbeiträge schreibst und dich um deinen Blog kümmerst?

Unregelmäßig. Gerne unter der Woche morgens oder Sonntags.

Hast du mehrere Beiträge fertig verfasst als Entwurf, oder veröffentlichst du jeden Beitrag sofort?

Entwürfe gibt es immer. Meist entstehen sie dadurch, dass ich an Tagen, an denen ich nicht schreiben mag oder kann, schon mal die Cover und die bibliographischen Daten der Bücher einstelle und die Links zusammensuche.

Hast du Hilfsmittel, wie einen Planer, eine App oder irgendein Gadget?

Nein, gar nichts in der Art. Außer man zählt die Notizen, die ich mir bei Museumsbesuchen in Evernote mache, mit dazu.

Schreibst du deine Beiträge direkt in WordPress bzw. der Blogsoftware, oder zuerst auf Papier oder in anderer Software?

Direkt in WordPress. Vorschreiben ist nicht, da ich dann länger als 45 Minuten pro Beitrag brauchen würde.

Schreibt du die Beiträge auf einmal, oder in mehreren Schritten?

Am liebsten in einem Rutsch durch. Nie mehr als zwei Anläufe. Wenn ich zweimal ansetze dann einmal für den Text und einmal für das drumherum wie Links und Cover.

Hast du schon einmal einen Beitrag komplett verworfen, weil du mit der Qualität nicht zufrieden warst?

Na klar – aber dann hatte ich den Beitrag eh noch nicht zu Ende geschrieben. Das kommt meist bei Sachbüchern vor, die mich gefordert haben, so richtig gefordert. Dann empfinde ich mein Schreiben als Gestammel, dass dem Buch nicht gerecht wird und lösche den Text.

Wo schreibst du deine Beiträge (z.B. immer auf dem iPad Pro in der Badewanne)? Gibt es ein Bild von deinem „Blogarbeitsplatz“?

Am Schreibtisch am PC, im Stehen am Notebook oder mit Tablet und Bluetooth-Tastatur auf der Couch. Letzteres hat sich als tückisch erwiesen: diese Beiträge weisen die meisten Rechtschreibfehler auf. Nur wer gerade sitzt kann gerade denken? Vielleicht ist da ja doch etwas dran.

Bloggst du alleine oder mit anderen zusammen?

Bloggerseelenalleine.

Machst du für deine Beiträge eigene Fotos? Wenn ja, welche Rolle spielen sie für dich und wie bereitest du sie auf? Wie viel Zeit investierst du für deine Fotos?

Ich nutze Instagram. Einmal Bilder, die ich eh mit dem Smartphone gemacht habe und die auf wundersame Weise auf einmal zu einem Blog-Artikel passen. Oder auch solche, die ich von vornherein für einen Artikel gemacht habe – #bookstagram wie dieses hier oder Museumsbesuche sind dafür ein Beispiel. Es muss schnell gehen bei mir und einen eigenen Blickwinkel aufweisen. Eine Profi-Kamera kommt mir nicht ins Haus und auf den Blog.

Besprichst du auch Rezensionsexemplare und wie gehst du damit um?

Bei der GeschichtenAgentin sind es nur wenige Rezensionsexemplare, beim Buchkind deutlich mehr. Wie ich damit umgehe? Auch nicht anders als mit anderen Büchern.

Wie wichtig sind für dich Social Media Kanäle und wie viel Zeit und Aufwand verbringst du, sie zu pflegen?

Das ist bei mir schwer zu beantworten. Facebook ist mein Wohnzimmer und mein Büro – dort bin ich eh. Alle Blogbeiträge kommen irgendwann auch auf Twitter – nicht automatisiert und zeitversetzt. Google+ ist automatisiert und Pinterest befülle ich gelegentlich an verregneten Wochenenden, wenn alle Backups gemacht sind.

Wie viel Zeit investierst du in technische Anpassungen und Pflege deines Blogs?

Soviel wie nötig und so wenig wie möglich. Ich habe mir als Obergrenze 3h Blog-Zeit pro Woche gesetzt. Für beide Blogs zusammen. Wenn ich also einen Beitrag pro Woche schreibe und dafür 45 Minuten brauche, denn dann auch noch auf Twitter und Co verbreite, meine Backups mache und WordPress update – da bleibt nicht mehr viel Zeit für Technik. Daher laufen auch beide Blogs immer noch auf dem Theme, mit dem ich gestartet bin.

Wenn ich die Wahl habe, Zeit in Technik zu investieren oder einen Artikel zu schreiben, dann werde ich immer das Schreiben wählen.

Was recherchierst du, bevor du ein Buch rezensierst?

Nicht viel. Verlagswebseite, Autor, Illustrator, Buchhandels-Link. Manchmal noch Zusatzinfos. Mein persönlicher Leseeindruck steht immer im Mittelpunkt des Blog-Beitrags.

Machst du auch einmal eine längere Pause vom Bloggen?

Drei Wochen sind lang, oder?

Beeinflussen dich andere Blogger oder Verlage über Themen oder Bücher zu schreiben? Wie groß ist dieser Einfluss?

Andere Blogs inspirieren mich. Ich verfolge viele Blogs aus ganz unterschiedlichen Themenbereichen – mehr dazu auf meiner Blogroll. Ich schätze diese Vielfalt sehr. Ihr Einfluss besteht darin, dass sie mir immer wieder bestätigen: es gibt beim Bloggen kein richtig und kein falsch. Es gibt nur authentisch oder kneifen.

Wie entscheidend ist für die die Aktualität eines Buches? Schreibst du lieber über aktuelle Bücher oder ist der Erscheinungszeitpunkt egal?

Das Alter eines Buches ist mir schnurzpiepegal.

Lieber Tobi alias Lesestunden – danke für die Fragen und die Blogparade!

(Update 2026 – die Blogparade ist nicht mehr online)


Mein Blog und ich – Beiträge dazu


2100 Watt und seidig glänzendes Haar: Text sells

Text sells - Txte die wirken. Fachbuch

2100 Watt  versus geschmeidiges, seidiges, glänzendes, gesundes Haar: mit welcher Kernaussage kann man einen Föhn besser an Frauen verkaufen? Nicht nur mit solchen Fragen beschäftigt sich das Buch „Text sells – wie Sie Texte schreiben, die wirken“. Auch die Besonderheiten der Sprache Udo Lindenbergs werden gewürdigt und Praxisbeispiele in Form von Originaltext – Textkritik – überarbeiteter Text kommen auch nicht zu kurz.

Die Ausgangsfrage musste sich Philips stellen. Was möchten Frauen mit einem Föhn erreichen? Etwas für ihre Schönheit tun? In angemessener Zeit Haare trocknen und stylen ist die treffendere Antwort. Wer seine Kunden und ihre Lebenswelt kennt weiß das und kann die besseren, da erfolgreicheren Texten schreiben. 2100 Watt ist eine handfeste Tatsache, die prägnant die Leistungsstärke des Haartrockners berschreibt. Mit diesem Slogan wurde der Föhn deutlich besser verkauft.

Natürlich braucht man, um solches herauszufinden, mindestens ein multinationales Team und eine Datenbank, die alle Elemente der Corporate Language erfasst – Textbausteine, Slogans, Bilder, Farben, einfach alles, was eine Marke ausmacht. Oder doch nicht?

Dieses Knowhow ist für jeden interessant, der mit Texten überzeugen möchte – egal ob Einzelkämpfer, Mittelständler oder kleines Rädchen in einer sehr großen Firma. Dabei ist es  auch ganz egal, ob er mit seinen Texten Umsatz generieren möchte, seine Reichweite steigern möchte oder einfach nur seine Leser begeistern will. Die Prinzipien bleiben die gleichen: wissen, wo der Leser umgeht, einfach und emotional stimmig formulieren und immer den Nutzen des Lesers im Kopf haben. Doch diese Grundsätze werden nur selten mit einer solchen Begeisterung und Freude vermittelt wie in „Text sells“.

Deswegen bekommt „Text sells“ von mir den Ehrentitel „Dieses Buch darf bleiben“ und wandert in meine Basis-Bibliothek. Ich werde es sicherlich noch häufig zur Hand nehmen!


Informationen zum Buch:

Armin Reins
Veronika Classen
Géza Czopf

Text sells
Wie Sie Texte schreiben, die wirken.
Wie sie Unternehmen und Marken durch Sprache Profil geben

Verlag Hermann Schmidt
ISBN: 9783874398084


Update 2026: Ich wundere mich sehr, aber dieses Buch ist nicht mehr lieferbar. Für mich hat es das Zeug zum Standardwerk. Vielleicht kann ich euch mit diesen Beiträgen und Rezensionen rund um das Thema „bessere Texte“ trösten: