Unser Gehirn als Wohngemeinschaft: Die Beneficial Thinking Methode

„Glaube nicht alles, was du denkst.“ Dieser Satz hat mir schon in vielen belastenden Situationen weitergeholfen. Aber warum ist das so? Wie kann das sein, dass unser Gehirn auf eine eigentlich banale Begebenheit mit Gefahrenabwehr reagiert – Anspannung, erhöhter Puls, Stress? Wieso greife ich zu Chips, obwohl ich genau weiß, dass ein kurzer Spaziergang besser wäre? Weshalb treffe ich unkluge Entscheidungen und komme aus eingefahrenen Verhaltensmustern nicht heraus? Dr. Karella Easwaran kann das erklären. Vor allem kann sie das sehr niederschwellig erklären. Lediglich der Titel „Beneficial Thinking-Methode“ ist kompliziert. Doch die Arbeitsweise unseres Gehirns beschreibt sie so bildreich, dass die ganze Familie vom Schulkind bis zu den Großeltern damit arbeiten kann. Unser Gehirn, ein Haus voller Charakterköpfe Stellen wir uns einfach vor, unser Gehirn sei ein dreigeschossiges Haus. Im Keller wohnen das Krokodil (Stress, Verteidigung, Flucht) und die Taube (Ruhe, Entspannung). Sie bekommen die Informationen von Amy (Gefahrenabwehr, Auswertung von…

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Du musst gar nichts: den Selbstoptimierungswahn elegant umschiffen

Ich muss, ich muss, ich muss gar nichts. Den Song von Antje Schomaker hatte ich bei der Lektüre von Martin Brunners „Du musst gar nichts. Für alle, die nicht mehr mitmachen wollen“ sofort im Ohr. In 54 kurzen Kapiteln hinterfragt der Autor alles, was man angeblich so tun muss: Interessant und schön sein, an Challenges teilnehmen, zu allem eine Meinung haben, für seine Arbeit brennen, Ziele haben, die Welt retten und ewig leben. Im Kapitel „Ich muss nicht meine Komfortzone verlassen“ liest sich das so: Und das nervtötendste Mantra dieser Optimierungskultur lautet: Verlasse deine Komfortzone. Als wäre unser ganzes Leben ein schlecht gelauntes Bootcamp, in dem man ständig beweisen muss, wie viel Unannehmlichkeit man aushält, um ein wertvoller Mensch zu sein. Martin Brunner – Du musst gar nichts. Seite 19 Denn die Ironie ist ja, dass uns das Leben sowieso ständig aus unserer Komfortzone hinausbefördert. Niemand von uns kann durchgehend…

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Interozeption entschlüsselt: Was geschieht, wenn Körper und Gehirn sich gegenseitig zuhören

Den Begriff Interozeption hatte ich zuvor nie gehört. Er bezeichnet die Fähigkeit, Körpervorgänge bewusst wahrzunehmen. Dazu gehören Atmung, Herzfrequenz und Verdauung, aber auch Körperspannung und Energielevel – eben einfach alles, was in uns vorgeht. Das sind sozusagen die Rohdaten. Das Gehirn hat das Gegenstück dazu, die Erfahrungswerte. Beides zusammen mündet in einer Interpretation der aktuellen Lage plus einen Handlungsimpuls. So ergibt sich aus dem Druck auf der Blase die Entscheidung, die nächste Toilette zu suchen. Doch Fehlinterpretationen sind häufig. Das flaue Gefühl im Magen kann Hunger oder Nervosität sein. Vielleicht hat der Schwindel etwas mit der Halswirbelsäule zu tun oder ist der Vorbote einer Migräne. Vielleicht sollte ich aber auch einfach nur ein Glas Wasser trinken. Doch es geht nicht nur darum, Körpervorgänge zu spüren und die richtigen Schlussfolgerungen zu ziehen. Eine erhöhte Herzfrequenz kann ein Alarmzeichen sein. Unruhe und Anspannung sind die Folge. Das Zusammenspiel von Körper und Gehirn…

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»Wir müssen reden« – wie Sprache heilt oder verletzt. Und wie Wortmedizin uns allen hilft

Wir müssen reden. Dieser Satz kann ganz neutral gemeint sein. Doch in den meisten Fällen sorgt er für Kopfkino. Grübeln darüber, was das Gesprächsthema sein könnte. Eine leichte Nervosität, weil etwas Unangenehmes kommen könnte. Oder sogar Panik, weil der Adressat schlechte Erfahrungen mit Gesprächen gemacht hat, die so angekündigt wurden. Das ist eines der vielen praxisnahen Beispiele, die Lisa Holtmeier in ihrem sehr hilfreichen Buch »Wortmedizin. Ungesunde Kommunikationsmuster durchbrechen und die mentale Gesundheit stärken« präsentiert. Von People Pleasing (ja statt nein sagen) bis toxische Positivität (hab schon Schlimmeres gesehen) erklärt sie typische Kommunikationsmuster, die uns im Alltag häufig begegnen. Dafür steigt sie immer mit einem ausführlichen und gut gewählten Beispiel ein. Dann erläutert sie, was dahinter steckt und was dieses Sprachmuster in den Zuhörer*innen auslöst. Denn schlechte Kommunikation hallt lange nach. Sie bleibt im Menschen. Sie beschäftigt ihn und bindet Energie – selbst dann, wenn sie in dem Moment nicht…

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Workbook gegen Kopfchaos: Blick in den Maschinenraum eines neurodivergenten Gehirns

Den Ratgeber „Dein Workbook gegen Kopfchaos. Strategien und Methoden für neurodivergente Menschen“ wollte ich aus zwei Gründen lesen. Einmal, weil ich mir sicher war, dass auch ich darin gute Tipps und Tricks finden werde, wie ich mit den Herausforderungen des Alltags besser klar komme. Spoiler: Das war so. Der zweite Grund war, dass ich in den letzten Jahrzehnten ein paar Mal mit Menschen zusammen gearbeitet habe, von denen ich im Nachhinein vermute, dass sie im neurodivergenten Spektrum unterwegs waren. Damals kannte ich weder den Begriff noch das Konzept dahinter. Wäre die Zusammenarbeit besser gewesen, wenn ich Wissen über Neurodivergenz gehabt hätte? Bestimmt. Hätten wir besser miteinander gearbeitet, wenn ich die Strategien gegen Kopfchaos gekannt hätte? Spoiler: eher nicht. Denn das ist nicht das Ziel des Ratgebers. Dieses Workbook wurde vor allem für neurodivergente Menschen geschrieben. Es setzt sehr konsequent bei den Betroffenen und ihrer Verantwortung für sich selbst an. Selbstermächtigung…

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Meine innere WG und Ich: IFS – Internal Family Systems

Jedes Mal, wenn ich bloggen möchte, bekomme ich Gesellschaft. „Sport wäre besser“ höre ich dann. Oder „So irrelevant wie Briefmarken sammeln“. Ganz selten auch ein giftiges Zischen „Bilde dir bloß nix auf das Geschreibsel ein.“ Doch je länger ich dann schreibe, umso leiser werden diese Stimmen. Bis ich den Punkt erreiche, an dem es in mir ganz ruhig wird und ich eine wohltuende Weite bei gleichzeitigem Fokus empfinde. Vielleicht ist das Flow. Auf jeden Fall ist das der Grund, warum ich sage: andere stricken, ich blogge. Heike Mayer kennt sich mit solchen Stimmen bestens aus. Deswegen hat sie den Ratgeber „Ich steh mir selbst nicht mehr im Weg. Innere Persönlichkeitsanteile erkennen, verstehen und heilen“ geschrieben. Ihr Buch ist eine Einführung in die Welt des Internal Family Systems (IFS), einer innovativen Therapiemethode, die von Richard Schwartz entwickelt wurde. Ich hatte noch nie davon gehört, aber das ist für die Lektüre auch…

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Black Mamba oder die Macht der Imagination

Poeten und Phantasten haben es schon immer gewusst, Neurowissenschaftler können es mittlerweile bestätigen: Fantasie ist nicht der Gegenspieler der Realität. Ganz im Gegenteil! Wir benötigen Fantasie, um mit der Realität umgehen zu können. Damit steht die wichtigste Erkenntnis aus »Black Mamba oder die Macht der Imagination« von Fred Mast bereits auf der Rückseite des Buches. Auch sonst erschloss sich mir einiges an Aufbau und Konzept nicht. Ellenlange Verweise auf Kinofilme (daher auch Black Mamba im Titel des Buches), Aneinanderreihungen von stakkato-artigen Sätzen … Ich hatte recht schnell den Punkt erreicht, an dem ich nur noch quer gelesen habe. Trotzdem hat mir das Sachbuch eine wichtige Erkenntnis beschert. Wir haben die Fähigkeit, motorische Abfolgen und zwischenmenschliche Situationen im Traum zu üben! Damit bereiten wir uns auf Erfordernisse des Alltags vor. Das lässt manche Träume von mir in neuem Licht erscheinen. Manchmal irre ich mit dem Auto durch Parkhäuser und finde die…

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Meine Suche nach dem ultimativen Motivationsbuch geht weiter

Natürlich sollte ich mehr Sport machen. Da ich mich gerne bewege, dürfte das ja auch kein Problem sein. Ist es aber doch. Denn erstens strenge ich mich ungern an und zweitens bekomme ich keine Regelmäßigkeit in mein Training. Der Titel „Kein Sport ist auch keine Lösung. Das ultimative Motivationstraining für Bewegungsmuffel“ klang bei dieser Ausgangslage sehr vielversprechend. Gleich im Einstiegskapitel erzählt Kerstin Friedrich so herzerfrischend offen davon, wie sie mit 60 Jahren durch eine Wette zum Sport fand, dass ich mir dachte: Dieses Buch und ich, das wird was. Dass es dann anders kam, liegt sicherlich auch daran, dass ich mit gleichförmigem, diszipliniertem Training ein Problem habe. Deswegen wollte ich den Ratgeber ja lesen! Doch wir fanden nicht zusammen. Kerstin Friedrich ist jemand, der bereit ist, sich stur zu quälen. Die Vorfreude auf das, was sie danach kann, nämlich lange Radreisen unternehmen und an Laufwettkämpfen teilnehmen, ist ihr Motivation genug.…

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Kopf frei: wie wir unserem gestressten Gehirn helfen können

Mein Gehirn ist nicht schuld. Ob ich in der Küche stehe und mich nicht erinnern kann, was ich holen wollte, zum wiederholten Male Instagram öffne oder ob ich drei Schritte weg vom Auto schon nicht mehr weiß, ob ich es abgeschlossen habe: Diese Zerstreutheit hat nichts mit dem Zustand meines Gehirns zu tun. Es mangelt mir auch nicht an Aufmerksamkeit, denn aufmerksam sind wir immer. Vielmehr liegt es an der Art und Weise, wie ich mit meinem Gehirn umgehe, und an fehlendem Wissen darüber, was es braucht, um seine Arbeit gut zu erledigen. Die gute Nachricht daran: Das lässt sich ändern. Und nein, das Buch von Volker Busch ist kein Selbstoptimierungsratgeber, wie ich noch mehr Leistungsfähigkeit aus mir herauspressen kann. Ganz im Gegenteil. Hier geht es um bewusste Lenkung der Aufmerksamkeit, damit wir die Balance im Leben wieder finden können. Zudem gibt es jede Menge Tipps, wie wir in einer…

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Das Prinzip der Mühelosigkeit

Pamela Obermaier, Dr. Marcus Täuber Das Prinzip der Mühelosigkeit Warum manchen alles gelingt und andere immer kämpfen müssen. Sachbuch

Kompetentes Plaudern – so würde ich den besonderen Tonfall dieses Buches beschreiben. „Das Prinzip der Mühelosigkeit“ ist definitiv kein Tschakka-ändere-dein-Leben-in-21-Tagen-Ratgeber, denn dann hätte ich es gar nicht zu Ende gelesen. Es kommt eher wie ein Buch gewordener Podcast daher: frisch, leicht, interessant. Mag ich. Natürlich geht es in dem Buch auch um Spitzenleistungen von Sportlern und Managern. Das ist nicht meine Welt, aber ich konnte diesen Teil problemlos ignorieren. Kreativität entfalten, leichter lernen und ohne tagelanges Grübeln stimmige Entscheidungen treffen – das sind die Themen, die in dem Sachbuch viel mehr Raum einnehmen als die Manager-Attitude. Damit wurde es zu meinem Buch. Natürlich bringen wir alle zu diesen Themen einen Haufen Vorkenntnisse mit. Hier ein Zeitungsartikel, da der Rat eines Freundes, dort ein Ratgeber. Wissen wir nicht schon längst alles? Fehlt es nicht einfach nur an der Umsetzung? Genau das denken die Autoren offensichtlich mit und halten daher gut die…

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Zeit für Neues.

Sachbuch: Zeit für Neues Wie Sie herausfinden, was Sie im Ruhestand machen möchten

Das Leben geht weiter, meine Interessen als Leserin ändern sich. Ich könnte meinen 50. Geburtstag als Schnitt verstehen. Das würde für griffige Überschriften sorgen: zehn Bücher, die ich mit 40 niemals gelesen hätte. Zeit für Neues von Iris Seidenstricker wäre sicherlich auf dieser Liste. Aber so läuft mein Leben nicht. Themen ändern sich bei mir schleichend, einfach in dem neue Nuancen einziehen. Zu Zeit für Neues – Wie Sie herausfinden, was Sie im Ruhestand machen möchten habe ich gegriffen, weil mich das Thema Verhaltensänderungen interessiert. Sei es die Frage, wie ich meinen inneren Schweinehund überwinde oder wie ich überhaupt Neues nicht nur entdecken, sondern auch vertiefen kann. Neugier ist dabei nicht mein Problem. Davon habe ich genug. Neue Themen in Verhaltensänderungen einfließen lassen jedoch – nun, ich bin Stier. Beharrend, erdverbunden. Die perfekte Ausrede hätte ich also parat, um alles beim Alten zu lassen. Deswegen habe ich mir in letzter…

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Gamification als Lebensprinzip: Gamify your Life

Sachbuch: Gamify your Life. Durch Gamification das eigene Leben verbessern.

Gamification, das bedeutet doch Highscores sammeln und Badges freischalten, die mir alle bestätigen, dass ich einen „great job“ mache und „awesome“ sei, oder? Das war so in etwa mein Wissensstand über Gamification vor der Lektüre von Gamify your  Life – Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben von Jane McGonigal. Falsch war das nicht. Aber Gamification ist deutlich mehr und genau in diesem „mehr“ verbirgt sich der interessante Teil. Wenn in der Achtsamkeitspraxis ein Tag lang die nicht-dominante Hand benutzt wird, dann könnte man das durchaus auch als Gamification beschreiben. Aber der Reihe nach: wie können uns Spiele gesünder, glücklicher und resilienter machen? Gamification: Kleine Spieleinheiten, große Wirkung Nehmen wir mal an, wir haben ein inniges, aber ungesundes Verhältnis zu unserer Couch. Vielleicht, weil wir eine Verletzung auskurieren oder weil wir an Depression erkrankt sind. Auf jeden Fall ist die Idee, aufzustehen und uns zu bewegen, ungefähr so leicht umzusetzen wie die…

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