Nnedi Okorafors „Tod der Autorin“: Als weiße Lesende zu Gast in einer mir fremden Welt

Nnedi Okorafors Tod der Autorin: meine Leseerfahrung

Die Bücher von Nnedi Okorafor fordern mich – nicht zuletzt, weil ich sie als weiße Frau lese. Ihre Position als Schwarze Autorin kann ich nachvollziehen, aber nie aus eigenem Erleben verstehen. Hinzu kommt eine zweite Fremdheit: die kulturelle. Ich bin die, die kurz nachdenken muss, wie Waxprints Stoffmuster aussehen. Die nicht weiß, wie die nigerianischen Gerichte schmecken, die in der Familie gekocht werden. Die sicher sein kann, dass sie nicht jede kulturelle Anspielung versteht. Auch die Protagonistin Zelu fordert mich, denn sie ist nicht gerade…

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Denial of Service: Aiki Mira, Hopepunk und mein Platz in dieser SF-Welt

Aiki Mira Denial of service

Super Smart City Frankfurt am Main. Polizei, Transport und Stadtverwaltung sind privatisiert. Ein künstliches neuronales Netzwerk durchdringt alles — und ist tief ins Hirn-Stadt-Interface eingeschrieben: implantierte Chips, die den Bewohnern eine intuitive Interaktion mit Gebäuden, Straßen und Transportsystemen ermöglichen. Die Stadt denkt. Die Stadt fühlt. Die Stadt kontrolliert. Und sie entwickelt ihre eigene Ethik. Menschen? Liefern Daten, sind Daten. Manche von ihnen glauben, dass sie der Human in the Loop sind. Andere wollen einfach nur ihr Business und ihr Glück bauen. Dann gibt es noch…

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Am Meerschwein übt das Kind den Tod: der Nachrough auf Nortrud Gomringer

Buch von Nora Gomringer: Am Meerschwein übt das Kind den Tod

Am Meerschwein übt das Kind den Tod – allein dieser Satz lässt schon aufhorchen. Die meisten Mütter würden bei der Anschaffung eines Haustiers daran denken, dass füttern und saubermachen das Verantwortungsbewusstsein schult. Nora Gomringers Mutter Nortrud hingegen sah es auch als gute Gelegenheit, sich schon mal an die Sterblichkeit zu gewöhnen. Vor allem: Sie sprach es aus. So sind wir bereits mit dem Buchtitel mittendrin in einer Familie, die sehr eigen war. Doch erst gegen Ende des Buches fällt das Wort dysfunktional – und dann…

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Aus unseren Feuern – so schmerzhaft wahr, dass ich froh war, ein Mädchen zu sein

Müllensiefen aus unseren Feuern

Was für ein wilder Ritt und doch so nah am Leben! Das waren meine Gedanken, als ich etwas atem- und fassungslos Domenico Müllensiefens Debütroman „Aus unseren Feuern“ zur Seite legte. Wir begleiten Heiko, Thomas und Karsten beim Erwachsenwerden in der Nachwendezeit in Leipzig. Der eine soll den Schlachthof der Eltern übernehmen und hat nach dem Konkurs nichts außer das Gefühl, verarscht worden zu sein. Der andere wird Sprengmeister und wandert wie erhofft in die USA aus, um dort zwar Erfolg, jedoch nicht das Glück zu…

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Eine Geschichte von Drachinnen und weiblicher Wut

Roman von Kelly Barnhill. When women were dragons. Genre: feministische Phantastik.

Frauen erleben einige Wandlungen in ihrem Leben. Erste Menstruation und Pubertät, Schwangerschaft und Mutterschaft, Wechseljahre und Menopause. Nicht immer fühlen sie sich gut darauf vorbereitet. Mal fehlt es an Infos, mal an Vorbildern oder an psychologischer Sicherheit. Die Frauen in „When women were dragons“ kennen noch eine mögliche Verwandlung mehr. Manche von ihnen verwandeln sich in Drachen. Warum? Was passiert danach? Darüber wird genauso geschwiegen wie über Monatsblutungen, weibliche Sexualität und das Talent von Wissenschaftlerinnen. Denn wir befinden uns in den fiktiven USA der 50er…

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Der kleinste Schuber der progressiven Phantastik: die Schattenspiele-Trilogie

Die Bücher der Schattenspiele-Trilogie – Mutterentität, im Schatten des Leviathans und Tee-Spione – sind gerade mal so groß wie meine Hand. Ein so unübliches Buchformat passt perfekt zur progressiven Phantastik, zum Verlag Ohne Ohren und zu den Autor*innen Christian und Judith Vogt, die Weltenbau und Protagonist*innen so konsequent neu denken. Die Novellen – ich nenne es „Trilogiechen“ – weisen alle miteinander eine enorme Ideenverdichtung, ein hohes Erzähltempo und eine solche Menge an Plot-Twists auf, das jede Info zur Handlung ein Spoiler wäre, der den unvoreingenommenen…

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Wohnverwandschaften – eine Herzensempfehlung

Es gibt Bücher, die sind so gut, dass ich froh bin, dass ich nicht mehr in einer Buchhandlung arbeite. Denn dann würde ich „Wohnverwandschaften“ von Isabel Bogdan unbedingt empfehlen wollen – und wüsste nicht wie. Soll ich auf die Handlung neugierig machen? „Es geht um eine WG, aber nicht um junge Leute. Einer von ihnen erkrankt an Demenz und die anderen suchen einen Umgang damit“. Oder „ein tragikomischer Roman über das Leben mit Demenz“? Danke nein, so betrachtet gibt es viele gute Gründe, das Buch…

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Ein Kommunist, ein Feinschmecker und die Magie guten Essens: Der Gourmet von Lu Wenfu

Was aussieht wie ein kleiner Lese-Snack für zwischendurch ist tatsächlich eine literarische Köstlichkeit, die Herz und Geist lange nährt. Auf gut 170 Seiten erzählt Lu Wenfu die Geschichte von Gao Xiaoting, der aus ärmlichen Verhältnissen kommt, und seinem Lieblingsfeind, dem Kapitalisten und Gourmet Zhu Ziye. Für Gao ist Essen zunächst nichts weiter als ein Grundbedürfnis. Als er, mittlerweile überzeugter Kommunist, zum Leiter eines Luxusrestaurants gemacht wird, verwandelt er es zum Entsetzen des Feinschmeckers in ein Lokal für die Arbeiterklasse mit dem Charme einer Großkantine. Doch…

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