Die Künstlerinnen. Werke aus fünf Jahrhunderten

Dieses Buch hätte ich gerne schon früher gekannt, denn es ist keine Aufzählung à la „50 Künstlerinnen, die Du kennen solltest“. Susie Hodge möchte mit ihrem Buch viel mehr erreichen. Ihr genügt es nicht, unseren Blick auf Künstlerinnen zu lenken – sie will Zusammenhänge sichtbar machen. Welche Ausbildung stand den Frauen offen? Waren Sie Teil einer Avantgardebewegung oder einer Künstlergruppe? Wie wurden sie von der Öffentlichkeit wahrgenommen und was haben sie tatsächlich zur Kunstgeschichte beigetragen? Welche Stile, Motive und Themen haben sie aufgegriffen und war es das, was sie wirklich malen wollten? Ob Renaissance, Expressionismus oder Performance-Kunst: Diese Fragen waren für Künstlerinnen viele Jahrhunderte von Bedeutung. Zum Teil sind sie es immer noch. Aber Susie Hodge entwickelt kein Fragenkorsett, in das sie alle Künstlerinnen und ihre Werke presst. Ihre Fragen sind ein Angebot, eine Methodik, sich den Kunstwerken zu nähern und das Besondere daran zu erfassen. Kunstgeschichte statt Einzelbiografien von Künstlerinnen Artemisia Gentileschi, Frida Kahlo,…

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Was wäre, wenn die Architektur ein Geheimnis verbirgt?

Wenn ich jetzt schreibe, dass die Graphic Novel „Der Magnet“ von Lucas Harari ein Thriller ist, verrate ich schon fast zu viel. Andererseits hilft diese Schubladisierung dem Leser auch nicht weiter, da sie das Geheimnis der Geschichte nicht umfassend beschreibt. Also kann ich das erstens hier stehen lassen und zweitens einen neuen Ansatz suchen. „Der Magnet“ von Lucas Harari ist eine genauso minimalistische wie atmosphärisch dichte Graphic Novel für Menschen, die bereit sind, sich ganz und gar auf einen Ort einzulassen. Die wissen, dass der Boden, auf dem ihr Haus steht, eine Geschichte hat. Die sich fragen, was Mauern schon alles erlebt haben, und die bereit sind, ihnen zuzuhören. Also was nun? Mystery-Thriller oder spirituell-sinnliches Erlebnis? Beides. Auf jeden Fall mehr als nur eine Hommage an die beeindruckende Architektur der Therme von Vals, entworfen von Peter Zumthor. Ich wollte da mal hin. Alleine die Schweizer Preise …. Aber jetzt weiß ich nicht mehr so genau,…

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Vom Reiz einer richtig guten Bausünde

„Die klassische deutsche Bausünde ist besser als ihr Ruf!“ Das ist noch einer der harmloseren Sätze aus dem großartigen Bildband von Turit Fröbe, der mich nicht nur wegen der exquisiten Auswahl an unglaublich seltsamen Gebäuden, sondern auch wegen seiner scharfzüngigen Architektur-Analysen begeistert. Turit Fröbe hat offensichtlich ein großes Herz für Häuser, die unseren Blick stören. Für Anbauten, die sich nicht einfügen. Für Fassaden, bei denen sich manch ein Betrachter nach alten Fachwerk-Zeiten zurücksehnt. Sie nicht, denn „Eine gut gemachte, originelle Bausünde zeichnet sich durch Mut, Einfallsreichtum und eine beherzte Entschlossenheit aus. Sie verfügt über eine herausragende Bildqualität und hebt sich souverän aus dem Meer der gesichtslosen, allgegenwärtigen Banalitäten ab, da sie einen guten Wiedererkennungswert garantiert und bei genauerer Betrachtung sogar eine gewisse Schönheit und einen ureigenen Charme besitzt.“ Turit Fröbe – die Kunst der BausündeAus der Einleitung, S. 8 Ich mag ihren Blick auf unsere Städte sehr. Ja, bei vielen der in dem Buch versammelten…

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Es ist so still auf einmal. Torsten ist tot.

Dass sich 2020 zu einem so stillem Jahr entwickelte, erschien mir nur angemessen. So konnte Torsten Walker, alias RRRSoundz, der von einer Krebserkrankung ausgebremst wurde, keine Konzerte verpassen. Jetzt ist das Jahr noch stiller geworden. Torsten ist tot. Der DJ meines Vertrauens legt nicht mehr auf und ich habe einen guten Freund verloren. Es war für mich kaum vorstellbar, dass es irgendetwas gibt, das er nicht mit seinem großen Herz, seinem Kampfgeist und seiner Ausdauer bewältigen konnte. Eine gute Woche bedeutete für ihn drei Konzerte, zwei neue Bands entdecken und dabei auf x neue Gedanken kommen. Lecker essen gehen und sich bestens mit Freunden unterhalten. Auf so vielen Wegen positive Impulse schenken. Ideen mit Menschen mit Musik vernetzen. Anderen den Rücken stärken und so dafür sorgen, dass Dinge ins Rollen kommen. Mindestens das, wenn nicht noch mehr. Doch selbst in der größten Begeisterung (oder gerade dann) wirkte er zentriert. Ich habe mehr als einmal gefragt,…

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Eine Einführung in die Musikethnologie

Musikethnologie war diesmal die Wissens-Insel, zu der mich meine Neugier trieb. Das kam so: Yoga machen, Mantras hören. Neugierig werden. Bücher über Mantras lesen. Auf das Thema Raga stoßen. Konzerte in der OMM, der Orientalischen Musikakademie Mannheim, besuchen. Noch neugieriger werden. Versuchen, das System der Ragas zu verstehen. Genussvoll daran scheitern. Neugierig bleiben und sich für Weltmusik zu interessieren beginnen. Für mein Leseverhalten typisch: Neue Themen und Bücher treten immer zusammen auf. Dabei greife ich auch gerne zu Büchern, die eigentlich nicht für mich geschrieben wurden, und nehme dabei in Kauf, dass ich nicht alles verstehen werde. Macht nichts, denn diese Art des Lesens bringt mir sowieso mehr Erkenntnisgewinn, als ich mir langfristig merken kann. So war es auch in diesem Fall: Musikethnologie von Lars-Christian Koch, erschienen in der Reihe Musik kompakt beim Verlag WBG Academic. Um es aus der Perspektive der nicht-studierten Leserin zu sagen: ein Buch von Uni-Menschen für Uni-Menschen. Also nicht wirklich…

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Ein Ersatz für Konzerte, die ich nie sah: Bowie – als Comic

Das einzige Mal, dass ich Bowie live sah, kam er als Gentleman im Anzug daher. Die Bühnenpräsenz war beeindruckend und sein klug platziertes Lächeln strahlte bis zu mir ganz hinten, auf dem Hügel am anderen Ende des Festivalgeländes. Trotzdem hätte ich ihn gerne einmal anders erlebt – nämlich so, wie in diesem Comic: Bowie – Sternenstaub, Strahlenkanone, Tagträume. Laura Allred, Michael Allred und Steve Horton schwärmen von dem frühen David Bowie, dem schillernden Superhelden der Popkultur. Fast ein wenig schade, dass sie ihre Schwärmerei in ein lineares, chronologisches Erzählkonzept pressen. So wirkt diese Comic-Biografie manchmal wie ein atemloses Aufzählen von Stars und Künstler, die Bowie in der Zeit getroffen hat, in der er auch Ziggy Stardust war. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass es wirklich so war und Bowie Menschen und Inspiration geradezu inhalierte. Genau das strahlen auch ein Teil der Bilder aus, ein schwebendes, rauschhaftes Eintauchen in alles, was Inspiration schenkt. Und all die…

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Stadt Wand Kunst: Murals in Mannheim

Murals in Mannheim

Zu den erstaunlichsten Veränderungen in Mannheim zählen für mich die Wandgemälde von Stadt Wand Kunst, großformatige Fassadenkunst an Wohnblocks und Brandwänden. Street Art deluxe mit einer nicht zu unterschätzenden Wirkung. Die Bilder verschönern Ecken, die der Mannheimer meist als nicht schön empfindet, bringen Farbe und positive Botschaften in den Alltag und bringen Menschen wie mich dazu, sich Mannheim neu anzuschauen. Schon seit 2013 kommen Streetart-Künstler nach Mannheim um im Rahmen von Stadt.Wand.Kunst großformatige Graffitis zu gestalten. So entsteht nach und nach eine Open Urban Art Galery – Kunst, die jedem zugänglich ist, und die zudem auch öffentlich entsteht – jeder kann mitverfolgen, wie die Graffiti-Künstler arbeiten. Das erste der Mannheimer Murals befindet sich recht zentral in der Innenstadt, schräg hinter dem Rathaus. Doch seit dem sind die meisten Fassadenkunstwerke an Orten entstanden, die Mannheim-Besucher nur selten aufsuchen – diese Galerie will erlaufen werden! Hier ein paar Bilder von meiner Stadtwanderung durch die Neckarstadt West: Einen…

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Zum Abreissen schön: 366 Bausünden als Kalender

DER ABRISSKALENDER 2020 366 Bausünden zum Abreißen

Seit Jahren pflege ich eine geheime Abriss-Fantasie, das Nachbarhaus betreffend. Was wäre das für ein schöner Platz für eine Orangerie! Oder einen Schwimmteich! Egal was, nur bitte keinen fast-postmodernen Wohnblock mit beige und … ach lassen wir das. Offensichtlich bin ich mit solchen Fantasie nicht alleine. Turit Fröbe hat einen ganzen Kalender damit gefüllt und schreitet dadurch zur Tat: dank ihr kann ich jeden Tag eine Bausünde abreissen. Was für eine Wohltat! Manche der Gebäude könnten in fast jedem Vorort stehen (Schottergärten! Vordächer!), manche kommen einem unangenehm vertraut vor, ohne dass man sie zuordnen könnte (Gewerbegebiete!), andere habe ich tatsächlich gleich wieder erkannt: Mannheim und Karlsruhe sind im Kalender vertreten. Doch auf jedes Zusammenzucken meiner Geschmacksnerven wird in diesem Fall die befreiende Wirkung der Tat folgen: abreissen – genussvoll, langsam. Und in ganz besonders schlimmen Fällen: zusammenknüllen! 2020 wird so schön werden – trotz des Nachbarhauses … Angaben zum Kalender: Turit Fröbe Der Abrisskalender 2020366…

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Patti Smith – M-Train

Die Taschenbuchausgabe von m-Train von Patti Smith im Kerzenlicht.

Manchmal gefällt ein Buch, gerade weil es nicht der Erwartungshaltung entspricht. Anscheinend hatte ich mit nach der Lektüre von just Kids ein Bild gemacht, wie Patti Smith erzählt und schreibt. Nun, M-Train ist anders. Während in just Kids noch konkrete Erlebnisse und biographische Reflexionen im Mittelpunkt stehen, ist M-Train viel mehr ein Blick ins Gemüt der Künstlerin und kommt mit erstaunlich wenig konkreter Handlung aus. Das war für mich gelinde gesagt ungewohnt und so habe ich, obwohl ich das Buch vom ersten Kapitel an großartig fand, eine Weile gebraucht, um mich darin zurechtzufinden. Bewusst wurde mir mein Fremdeln mit der Erzählweise erst gegen Ende. Da fällt ein für mich geradezu magischer Satz: Ich habe in meinem eigenen Buch gelebt. Einem Buch, das die vergangene und zukünftige Zeit festhält. Patti Smith, M-Train Wer so lebt, dem fehlt das Jetzt. Doch schreiben, kreativ sein, ist nur im Jetzt möglich. Für mich war das der Schlüsselsatz: M-Train wirkt…

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Riot Grrrl revisited: Make „Mädchen“ great again

Riot Grrrl Revisited Geschichte und Gegenwart einer feministischen Bewegung

Mädchen war für mich immer ein guter Begriff, gerade zu ein Ehrentitel. Mädchen – das bedeutet für mich unbändige Kraft, Offenheit und Lebenslust. Als Mädchen entdecken wir die Welt und probieren aus, was wir vom Leben wollen. Wir haben die Möglichkeit, alles auszutesten: Wir können auf den Baum klettern oder ihn malen. Wir können mit den Jungs raufen oder mit ihnen die Welt verändern. Wir können alles sein, wir müssten uns nur entscheiden. Aber wir haben noch Zeit – wir müssen noch gar nichts. Als ich das erste Mal von einer Frau ermahnt wurde, weil ich mich und meine Kolleginnen als Mädels bezeichnet habe, war ich perplex. Sie wiederum war irritiert, warum mir nicht bewusst war, dass Mädchen ein Begriff ist, der erwachsene Frauen klein macht. Es folgte eine lange, bereichernde Diskussion. Seit dem passe ich auf, in welchem Kontext ich Begriffe wie Mädchen, Mädels oder Girls verwende. Interessant war, dass ich mich in der…

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Die wahre Geschichte der Popmusik

Für die gut 200 Seiten von „On the wild side – die wahre Geschichte der Popmusik“ habe ich Wochen gebraucht, weil ich ständig unterbrechen musste, um Musik zu hören. Ich glaube, ein größeres Kompliment kann ich Buch und Autor kaum machen. Schon alleine der Anhang ist den Preis des Buches wert: Eine Auswahl stilbildender LPs von 1966 bis 2004, die Martin Büsser jeweils mit einem prägnanten Satz beschreibt. Big Black – Songs about Fucking Provokantes, musikalisch wegweisendes Album des späteren Starproduzenten Steve Albini: sägende Gitarren zu wummernder Drumbox zwischen Post-Punk und Prä-Techno. Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik Oder das hier: The The – Soul Mining Vielleicht die einzige Band, der es gelang, den Blues im Wave-Kontext auferstehen zu lassen. Martin Büsser: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik Kein Wunder, dass ich ständig seinen Analysen hinterher hören musste! Doch in diesem Buch geht es um mehr als…

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Alles nur Fassade – Architektur deuten lernen

Natürlich ist es schön, sich einfach so durch eine Stadt treiben zu lassen. Laufen, atmen, schauen. Das genügt völlig. Eigentlich. Noch schöner finde ich es aber, sich durch eine Stadt treiben lassen, den Blick zu öffnen und nach Strukturen Ausschau zu halten. In Berlin fasziniert mich zum Beispiel jedes Mal der Rhythmus der Stadtviertel: Wohngebiet, Park, Häuser aus unterschiedlichen Jahrzehnten und dann, wenn es wieder mehr Läden gibt, kann die nächste U-Bahn-Station nicht mehr weit sein. Mit einher gehen Geschichten voller Leben, die sich in den Straßen einer Stadt widerspiegeln. Architektur erzählt ebenfalls Geschichten über die Stadt und die Menschen. Man muss sie nur lesen können. »Alles nur Fassade?« Ist ein Wörterbuch für solche Geschichten. Schau dir die Fenster an – Architektur deuten lernen Die Fassade ist bei Stadtspaziergängen das, was wir auf jeden Fall erblicken können. Wenn wir denn hinschauen. Einem Jugendstilgebäude fällt es leicht, unseren Blick auf sich zu ziehen. Ein Gebäude aus…

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