Anarchistische Entdeckungen, die nur auf der Leipziger Buchmesse möglich sind

Sach-Comic Kleine Geschichte des Anarchismus

Bei diesem Beitrag muss ich aufpassen. Er könnte mir zu sentimental geraten. Verlag Graswurzelrevolution – dieser Name lockt bei mir viele Sätze hervor, die mit „damals“ beginnen. Liegt daran, dass ich den Verlag als Abiturientin entdeckt habe.

Hinterfragen, genau wissen wollen, überprüfen, ob es nicht noch ganz andere Alternativen gibt, als die im Lehrplan vorgeschlagenen – das war für mich wichtig.

Nicht, dass meine Lehrer mich auf den Pfad gebracht hätten, aber die zufällige Anwesenheit von Werbematerialien anarchistischer Verlage und des Schwarzen Fadens neben meinem Geschichts-Lehrbuch auf dem Schreibtisch wurde doch wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Oder verkläre ich das im Nachhinein?

Eines verkläre ich ganz sicher nicht: Früher konnte man solche Verlage auch auf der Frankfurter Buchmesse antreffen. Ich fand das toll und habe begeistert in Programmen gestöbert, von denen ich sonst mit viel Glück einige Titel in Mannheim in der Xanthippe oder im Anderen Buchladen finden konnte. Vielfalt, Freiheit, Gegenentwürfe – mir ging es nie ums Recht haben, sondern darum, zu erfahren, was noch möglich sein könnte.

Heute finde ich diese Verlage nicht mehr auf der Frankfurter Buchmesse. Dafür muss man nach Leipzig fahren. Den Schwarzen Faden gibt es nicht mehr. Aber ja, Graswurzelrevolution gibt es immer noch. Über den kleinen Stand auf der Leipziger Buchmesse habe ich mich sehr gefreut.

Dieses Jahr habe ich ihnen sogar eine Broschüre abgekauft: Kleine Geschichte des Anarchismus – Ein schwarz-roter Leitfaden. Beeindruckt hat mich die Leichtigkeit und Exaktheit, mit der die Strömungen des Anarchismus erklärt werden: Individualanarchismus, mutualistischer Anarchismus, Anarcha-Feminismus, libertäre Erziehung …

Den Kampf der anarchistischen Strömungen untereinander konnte ich nie so richtig nachvollziehen. In diesem Sach-Comic werden zumindest die Unterschiede prägnant und leicht nachvollziehbar auf den Punkt gebracht. Respekt! Das erspart durchaus die Lektüre vieler dicker Wälzer.

Wer es genauer wissen will, der kann immer noch zu Stowasser greifen. Nein, ich meine nicht das Latein-Wörterbuch, sondern den großartigen Autor und Aktivisten Horst Stowasser. Ausgerechnet das beschauliche Neustadt an er Weinstraße hatte er sich als Wirkungsstätte rausgesucht. Das, was dort funktioniert, könnte wohl überall funktionieren – so lautete der Plan A. Leider ist Horst Stowasser viel zu früh verstorben. Zum Plan C kam es so nie.

Sein Buch „Freiheit pur!“ erschien damals im Eichborn Verlag, dem Verlag mit der Fliege, der durchaus mal anarchistischen Humor hatte – bevor daraus ein Konzern-Verlag wurde. Aber das ist eine andere Geschichte und auch wieder ein Grund, warum ich mich über die Anwesenheit des Verlags Graswurzelrevolution auf der Leipziger Buchmesse so gefreut habe.

Bibliographische Angaben:

Kleine Geschichte des Anarchismus
Ein schwarz-roter Leitfaden – Comic
Verlag Graswurzelrevolution
ISBN 9783939045144

Horst Stowasser
Anarchie!
Idee – Geschichte – Perspektive
Edition Nautilus
ISBN 978-3-89401-537-4 


Die Geschichte von dem anarchistischen Jugendbuch, das auch in den Veröffentlichungswegen anders ist: BUNG

Ruhe im Kopf: Schluss mit dem Dauerdenken

Ratgeber Newbigging Ruhe im Kopf

Eigentlich würde ich leidenschaftlich gerne über Jetzt! von Eckhart Tolle bloggen. Das Buch habe ich auf einer langen Zugfahrt nach Berlin in einem Rutsch durchgelesen, entgegen der Empfehlung des Autors, der dazu rät, nach jedem der kurzen Kapitel eine angemessene Pause zu machen.

Seit jener Zugfahrt habe ich immer wieder darin gelesen. Doch jedesmal, wenn ich versuche, meinen Weg mit Jetzt! in Worte zu fassen, stolpere und scheitere ich. Zu dicht, zu intensiv, zu … zu alles.

Wie Beavis und Butthead in seligen MTV-Zeiten möchte ich mich auf die Knie werfen und I’m not worth it! ausrufen.

Über Eckhard Tolle werde ich also vorläufig nicht bloggen. Macht nichts, dann blogge ich eben über Sandy C. Newbigging und sein neues Buch Ruhe im Kopf, der damit sozusagen das Jetzt! in leicht anbietet – handhabbar, motivierend, machbar. Das ist seine Stärke, die mir schon in Mind Detox angenehm aufgefallen ist.

Dauerdenken, dauerbewerten, nicht zur Ruhe kommen, nie zufrieden sein – dabei haben wir immer noch die Ahnung in uns, dass das nicht so sein muss. Wie gerne würde ich durch den Wald spazieren und einfach nur laufen und atmen. Einen Baum anschauen, ohne mich daran zu erinnern, was ich mir alles über Forstwirtschaft und Waldgesundheit angelesen habe.

Einatmen, ausatmen, fokussieren. Die Techniken sind wohlbekannt, Übung macht den Meister, Wissen auffrischen tut gut. Genau dafür ist Sandy Newbigging der richtige Autor für mich. Auffrischen: Einatmen, ausatmen. So einfach.

Und schon denke ich wieder darüber nach, ob ich nicht vielleicht doch ein paar passende Worte zu Tolle finden könnte …

Ruhe im Kopf. Das wäre fein. Ich glaube, Tolle bleibt bis auf weiteres für mich unbloggbar und ich verweile lieber noch ein wenig bei dieser Lektüre.


Infos zu den Büchern:

Sandy C. Newbigging

Ruhe im Kopf
Schluss mit dem Dauerdenken

Koha Verlag
Auch empfehlenswert: Sandy C. Newbigging „Mind detox“ – meine Rezension

Eckhart Tolle – Jetzt! hat sogar einen Eintrag bei Wikipedia


Das gar nicht so geheime Leben der Bäume: warum ich das Buch abgebrochen habe

Sachbuch Das geheime Leben der Bäume

Vielleicht funktioniert dieses Buch nur, wenn der Leser von Anfang an überrascht ist: Oh, ein Wald ist also viel mehr als eine Ansammlung einzelner Bäume mit einigen anderen Lebewesen dazwischen?

Bei mir blieb dieser Überraschungseffekt aus, da ich einfach schon zu viel zu diesem Thema gelesen hatte. Außerdem kannte ich einige der Interviews, die Peter Wohlleben gegeben hatte. Inhaltlich bot mir das Buch „Das geheime Leben der Bäume“, das sich gefühlt schon immer auf der Spiegel-Bestsellerliste befindet, also nicht viel Neues. Der „neue Blick auf alte Freunde“, den der Klappentext versprach, blieb aus.

Das verschaffte mir Raum, verstärkt darauf zu achten, wie dieses Buch seine Geschichte erzählt. Was wiederum dazu führte, das ich die Lektüre abbrach.

Wo ist der Lektor, wenn man ihn braucht?

Es gibt Sätze in Sachbüchern, die machen mich wütend. „Wie ich schon erwähnte …“ gehört dazu, denn ein Autor sollte so schreiben, dass das schon Erwähnte noch im Gedächtnis des Lesers ist. In diesem Buch sind es Sätze wie „Doch dazu kommen wir später noch einmal …“ wobei dieses später erst viele Kapitel später stattfindet.

Das wäre nicht nötig. Ich weiß, das Peter Wohlleben, auch wenn sein Stil immer zwischen dozieren und erzählen schwankt, auch ganz anders schreiben kann. Sein Buch „Menschenspuren im Wald“ hat mir sehr gut gefallen – hier findet ihr meine Rezension dazu. Doch in „Das geheime Leben der Bäume“ hätte einfach ein Lektor den Rotstift ansetzen sollen.

Sie [die Bäume] kennen keine Einschränkung im Verbrauch und gehen verschwenderisch mit der Flüssigkeit um, und meist sind es die kräftigsten, größten Exemplare, die irgendwann dafür büßen müssen. In meinem Revier sind es vor allem die Fichten, die dann platzen. Allerdings nicht aus allen Nähten, sondern am Stamm. S. 45

Mich ermüdet es, solche Reihungen zu lesen. Beim mündlichen Vortrag mag das funktionieren, als Buch funktioniert es bei mir nicht.

Andere Blogger, andere Meinungen: Jarg bescheinigt dem Autor

… er vermag sein Wissen überaus spannend zu vermitteln und man spürt in jeder Zeile die Faszination, die ihn selbst an sein Thema fesselt…
Quelle: Jargs Blog

Es ist also wie immer Geschmackssache. Das, was bei mir zum Abbruch der Lektüre führte, hat andere zum Weiterlesen bewegt.

Doch eines ist das Buch definitiv: eine Liebeserklärung an den Wald. Da hat der Klappentext wiederum recht. Schön, dass das Interesse an diesem Thema so groß ist – möge das Buch lange wirken!


Angaben zum Buch:

Peter Wohlleben

Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren
Die Entdeckung einer verborgenen Welt

Ludwig Verlag


Meine Leseempfehlungen und Rezensionen zum Thema Wald:


Ist das etwa Unkraut? Mein erster Frühling mit Garten, ein Buch und die Folgen

Gartenbuch Unkraut kein ProblemAls ich den ersten Frühling in „meinem“ Garten kommen sah, wurde ich ein wenig nervös. Toll, was alles wächst und knospt – aber was ist das eigentlich? War an dieser Stelle denn letztes Jahr auch schon eine Pflanze? Habe ich das gesät? Oder ist dieser zarte Trieb etwa ein Unkraut und muss raus?

Ich hatte nie geplant, einen Garten zu haben. Der Garten und ich, wir hatten auch keine lange Vorlaufzeit. Auf einmal war er da und ich stand mittendrin.

Die Vorbesitzerin hatte ihn vernachlässigt. Das ist halt so, wenn man schon weiß, dass man wegziehen wird. Der Garten hatte darauf mit wilder Wucherei reagiert. Die ersten Monate war ich mit zurückschneiden beschäftigt. Das Brombeeren ein Unkraut sind, hatte ich auch schon begriffen. Aber was war all das andere? Und muss ich dagegen etwas unternehmen?

Ich wusste es nicht. Also griff ich zu Büchern. Das mache ich immer so.

Das habe ich nicht gepflanzt, muss das deswegen weg?

Die ersten Gartenbücher, die ich las, gingen das Thema klassisch an: weg mit dem Unkraut. Ich begann also zu rupfen. Und hörte wieder damit auf, als ich „Unkraut? Kein Problem“ von Siegfried Schmid las. Der Autor hat sich drei Jahrzehnte lang um einen sehr großen und anspruchsvollen Garten gekümmert: den Botanischen Garten der Stadt Linz.

Erkennen – integrieren – verhindern ist sein Motto im Umgang mit Unkräutern, die er lieber als Plagekräuter bezeichnet, weil sie andere Pflanze verdrängen können. Meist die, die man viel lieber im Garten hätte.

Doch es kann auch ein Miteinander geben. Ein Plagekraut lässt sich eindämmen und nicht alles, was nicht gepflanzt wurde, muss entfernt werden. Vorausgesetzt, man weiß, welche Pflanzen zur Plage werden können und warum.

Für mich, als damalige Neu-Gärtnerin, war das ein hoch willkommenes AHA-Erlebnis. Danach begann ich, mich mit Themen wie Naturgärten und Permakultur auseinanderzusetzen.

Nicht, dass der Garten heute einem Konzept folgen würde. Ihm soll es gut gehen und uns darin auch. Igel und Fledermäuse bestätigen das und halten sich gerne bei uns auf. Das genügt als Konzept, finde ich.

Mit dem Gartenbuch „Unkraut? Kein Problem“ begann für mich damals ein Umdenken. Deswegen ist dies mein Beitrag für die Blogparade „Bücher, die bewegen“.

Banner bücher die bewegen

Bücher, die bewegen – Infos zur Blogparade

Eigentlich schreibe ich nicht so gerne über Bücher, die nicht mehr lieferbar sind. Für die Blogparade „Bücher, die bewegen“, die von Mehr als Grünzeug ins Leben gerufen wurde, mache ich eine Ausnahme.

Das war die Aufgabenstellung:

Bücher, die sich um den grünen Lifestyle, um vegane Ernährung oder einfach auch um Achtsamkeit, eine bewusstere Lebensführung und philosophische Reflexion drehen …
Sucht wirklich ein Buch aus, von dem ihr 100% überzeugt seid. Eines, dass euch ein bisschen aus der Bahn geworfen, euer Weltbild verändert, euch zum Nachdenken und/oder Handeln gebracht hat.

Bücher, die das eigene Weltbild verändert haben, sind häufig schon etwas älter – zumindest, wenn man wie ich 47 Jahre alt ist. Da kann es passieren, dass ein solches Buch nicht mehr lieferbar ist.

Auch wenn die vegane Ernährung und ich sicherlich keine Freunde mehr werden bin ich trotzdem gerne bei der Blog-Parade von Mehr als Grünzeug dabei und hoffe auf weitere Buch-Tipps aus dem Bereich Nachhaltigkeit, bewusste Lebensführung und Achtsamkeit.

Wer solche Themen mag, kann ja ein wenig hier auf meinem Blog stöbern:

 

Hörwürdigkeiten statt Sehenswürdigkeiten: das Buch der Klänge

Sachbuch-Rezension: Das Buch der Klänge

„A duck’s quack doesn’t echo and no-one knows the reason why“ besagt ein britisches Sprichwort: Das Quaken einer Ente erzeugt kein Echo und keiner weiß warum.

Wenn Trevor Cox, Professor für technische Akustik und Sachbuch-Autor, eine solche Aussage hört, dann betrachtet er sie als persönliche Herausforderung und forscht nach.

Kann das überhaupt sein? Und wie um Himmels Willen kann man diese Aussage überprüfen? Versuche in freier Wildbahn sorgen für Amusement bei der Lokalpresse, aber nicht für wissenschaftliche Ergebnisse. Ein anderer Versuchsansatz wird gewählt.

Zuerst braucht der Wissenschaftler eine Ente, dann einen reflexionsarmen Raum für eine Basismessung eines echofreien Quakens. Anschließend wird die Ente Daisy in einen Hallraum gesetzt und siehe – oder besser – höre da: ihr Quaken erzeugt sehr wohl ein Echo.

Wir hatten den ultimativen Sound-Effekt für einen Horrorfilm geschaffen, vorausgesetzt, eine Killerente spielt die Hauptrolle.
S. 143

Doch damit gibt sich Trevor Cox noch nicht zufrieden. Wie es zu der Annahme kommen konnte, dass das Quaken einer Ente kein Echo erzeugt, erforscht und erklärt er gleich mit. Physik, Akustik, Kurven und Tabellen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein seltsames Echo unter einer Brücke oder das Gerücht, dass Dünen singen können: es ist immer etwas Konkretes, etwas Erfahrbares, dass die Neugier des Autors weckt. Dafür reist er um die Welt, misst, rechnet und erforscht Klänge.

Vom alltäglichen Erlebnis zur Wissenschaft und wieder zurück in unseren akustischen Alltag, ein leicht skurriles Thema, viel Humor, unerwartete Schauplätze und Fakten, Fakten, Fakten: alles in allem wirkt Das Buch der Klänge wie eine buch-gewordene Wissenssendung der BBC – und das ist nun mal nicht das Schlechteste, was man über ein Sachbuch sagen kann.

Empfohlen wurde mir das Sachbuch, dass ich dann bei einem Gewinnspiel des Springer Spektrum gewonnen habe, von Petra vom Blog Elementares Lesen. Wer gerne Sachbücher liest und dabei wissenschaftliche Themen bevorzugt wird dort viele, sehr viele inspirierende Rezensionen finden und seine Buch-Wunschliste ins Unermessliche vergrößern!


Bibliographische Angaben:

Trevor Cox

Das Buch der Klänge
Eine Reise zu den akustischen Wundern der Welt

Ausführliche Rezension bei Elementares Lesen

Springer Spektrum


Viel Spaß beim Stöbern: Sachbuch-Rezensionen auf meinem Buch-Blog


Noch eine Reise: diese führt zum Klang Indiens. Sänger müssen zweimal sterben ist der Titel des Buchs von Peter Pannke

Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Sachbuch Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Kauen, schlucken, verdauen, raus damit. Klingt einfach. So einfach, dass ich nicht allzu viel darüber wusste, wie Verdauung im Detail funktioniert. Sie funktioniert halt irgendwie, manchmal besser, manchmal schlechter.

Auch das Verdauung mit dem Kauen anfängt, war mir bewusst. Ich erinnere mich an den Versuch in der Grundschule: Brot so lange kauen, bis es süß schmeckt.

Dass man aber eigentlich noch nicht mal aktiv schlucken muss, sondern einfach so lange weiter kauen kann, bis sich der Speisebrei von alleine auf den Weg macht, war mir neu. Ich habe es natürlich beim nächsten Essen überprüft: es stimmt.

Adrian Schulte erklärt in seinem Buch alle Zusammenhänge rund um die Verdauung so, dass man sie leicht nachvollziehen kann. Er folgt in seinen Erklärungen einfach dem Weg der Nahrung durch den menschlichen Körper.

Wir essen, kauen … oder schlingen wir? Spülen wir Nahrungsbrocken mit einem Getränk herunter? War es ein kohlensäurehaltiges Getränk? Solche Details beeinflussen den Verdauungsvorgang. Das bedeutet nicht, dass man dadurch krank wird. Es bedeutet zunächst nur, dass der Verdauungsprozess anders ablaufen muss, als eigentlich vorgesehen. Zum Glück ist die Verdauung ein flexibles System, das vieles ausgleichen kann. Zumindest für eine Weile. Bis das Problem dann zum Himmel stinkt (und das ist jetzt das einzige Wortspiel, das ich in dieser Rezension verwende. Versprochen!)

Doch warum noch ein Buch über den Darm? Was bietet „Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird“ was uns „Darm mit Charme“ noch nicht erklärt hätte?

Keine Ahnung. Ich habe den Spiegel-Bestseller nicht gelesen, denn ich mache einen Bogen um die Bestsellerliste. Wenn ich dann doch mal zu einem Bestseller greife, ist es meist ein Reinfall. Das prägt mein Leseverhalten.

Daher kann ich mit keinem Vergleich der beiden Bücher dienen. Aber ich kann sehr genau sagen, was mir das Buch von Dr. Adrian Schulte gebracht hat: genau die Infos, die mir noch zum Thema Darmgesundheit gefehlt haben und klare, leicht verständliche Angaben, was noch als normale Darmtätigkeit gilt und was genau ein Warnzeichen ist. Perfekt!

Damit brauche ich jetzt kein weiteres Buch zum Thema Darm. „Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird“ und „Yoga für die Verdauung“, das ich hier besprochen habe, genügen.


Informationen zum Buch:

Dr. Adrian Schulte

Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird
Die Ursachen verstehen und richtig reagieren

Scorpio Verlag
ISBN 978-3-95803-025-1


Mein innerer Schweinehund bleibt zu Hause: Vorsätze verwirklichen durch Motivation

Sachbuch zum Thema Motivation: der innere Schweinehund bleibt zu Hause

Disziplin wird überbewertet, Motivation ist der Schlüssel zu erfolgreichen Lebensstil-Veränderungen – das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht. Doch die Motivation hat einen Gegenspieler namens innerer Schweinehund, der misstrauische jede Veränderung beäugt.

Stefan Bienenstein weiß Rat.

Viel erfolgsversprechender, als sich mit Disziplin zu zwingen, sei es, zu wissen, wie der innere Schweinehund tickt, und ihn ernst zu nehmen. Nur so kann man ihn entweder umgehen – dann bleibt der innere Schweinehund zu Hause, während man selbst zum Sport geht – oder man kann ihn sogar von der Veränderung überzeugen.

Ich selbst hatte natürlich sehr viele gute Gründe, dieses Jahr weniger zu trainieren. Mal sehen, was 2016 bringen wird … Das ist ein typischer, mir wohl bekannter Satz des Motivationsverhinderer!

Sofort anfangen heißt hier die Devise. Aber damit bin ich doch schon so oft gescheitert! Scheitern ist laut Stefan Bienenstein nur eine Frage des Blickwinkels. Gerade seine Ratschläge, ein vermeintliches Scheitern neu zu bewerten, fand ich für mich besonders nützlich. Weniger anfreunden konnte ich mich mit seiner zentralen Idee, eine Art Projekt-Tagebuch zu führen. Regelmäßige Protokolle anfertigen ist etwas, was mein Schweinehund sehr gerne verhindert.

Hurra, der Anfang hat geklappt! Was macht der Schweinehund jetzt?

Doch was ist, wenn alles geklappt hat? So ein innerer Schweinehund kann, wenn es um sein Überleben geht, sehr kreativ werden. Vielleicht meldet er sich nach einem halben Jahr mit lobenden Sätzen wie: „Jetzt hast Du so lange regelmäßig trainiert, da kannst Du Dir ruhig mal eine Pause können? Nur heute!“ Kaum genehmigt man sich die Pause ist man in der Trainingsflaute angelangt und kommt nicht mehr raus.

Stefan Bienenstein ist Praktiker. In solchen Fällen helfen seine Tabellen und seine „80 Tipps, die sie eigentlich gar nicht brauchen“ weiter, die die typischen Erscheinungsformen der Motivationsverhinderung übersichtlich auflisten und kurz und prägnant Rat und Tricks bereit halten.

So ein Schweinehund mag vielleicht vorgaukeln, dass der eigene Fall einzigartig ist, doch das stimmt nicht. Alle Schweinehunde der Welt sind eng miteinander verwandt, so dass der Blick über den Tellerrand, den dieses Buch bietet, hilft.

Viele haben Angst vor Veränderungen. Zu Recht natürlich. Das Neue ist ungewiss, und wer weiß, was da auf uns zukommt. Wenn Sie eher der Typ sind, der im Gewohnten verweilt und alles beim Alten belassen will, dann schließen Sie dieses Buch und geben Sie es jemanden weiter, der sich zumindest vorstellen kann, wie es wäre, wenn.
S. 19


Weitere Infos zum Buch:

Stefan Bienenstein

Der innere Schweinehund bleibt zu Hause
Wie man durch Motivation seine Vorsätze verwirklichen lernt

Kneipp Verlag Wien
ISBN 978-3-7088-0656-3

Der Ratgeber ist nicht mehr lieferbar


Was motiviert noch? Sehr empfehlen kann ich das Prinzip Gamification, dass ich hier vorstelle.

Wald – reine Natur oder vom Menschen ruiniert? Der Waldführer von Peter Wohlleben klärt auf

Peter Wohlleben - Menschenspuren im Wald

Zuerst dachte ich, ich hätte den Weg verloren. Mein Wanderweg, der sich bis dahin schön durch die französischen Alpen schlängelte, war nicht mehr zu sehen. Das, was ich sah, ähnelte mehr eine Baustelle als einem Weg. Die Reifen der Maschinen hatten 30 cm tiefe Furchen hinterlassen, deren Grund knallhart war. Die Erde war so uneben, dass ich Angst hatte, mir den Knöchel zu verknacksen. Obwohl der Waldweg doppelt so breit war, wie ich es von zu Hause kannte, waren die Bäume an den Seiten von den Maschinen beschädigt worden.

Für den Förster und Autor Peter Wohlleben sind die Schäden, die von solch schweren Maschinen verursacht werden, der wahre Feind des Ökosystems Wald und der Hauptgrund für das immer noch fortschreitende Waldsterben. Durch diese Art der Bewirtschaftung wird der Boden extrem verdichtet, Mikroorganismen und Kleinstlebewesen getötet und Wurzeln schwer beschädigt. Ein so verdichteter Waldboden speichert weniger Wasser, Trockenschäden an den Bäumen entstehen. Geschädigte Bäume können sich schlechter gegen Schädlinge wehren.

Bei der von Peter Wohlleben bevorzugten Art der Waldbewirtschaftung wird der Einsatz von schweren Maschinen auf das Notwendigste beschränkt. Die Maschinen bleiben auf den Wegen, zwischen den Bäumen wird mit Pferden gearbeitet. Das erscheint auf den ersten Blick teurer, doch der Wald bleibt gesund, der Holzertrag steigt.

Mit Romantik hat das nichts zu tun, aber sehr viel mit Liebe zur Natur und mit Respekt vor allen Lebewesen.

Holzplantage, Plenterwald oder Naherholungsgebiet – den Wald vor lauter Bäumen sehen

Doch was ist überhaupt ein Wald? Ist das, was wir vor unseren Städten finden noch Natur oder ein von Menschen geschaffener Raum? Sicherlich beides – wenn es gut läuft. Von den Monokulturen der Holzplantagen, wie ich sie in den USA gesehen haben, sind wir immer noch weit entfernt. Doch auch bei uns wird Kahlschlagwirtschaft betrieben, auch wenn diese geschickt getarnt wird. Von Wald im Sinne von Urwald können wir in Deutschland nicht reden, wenn auch die naturnahe Bewirtschaftung, der Plenterwald, ein großer Schritt in diese Richtung ist.

Dürfen Menschen den Wald als ihr Naherholungsgebiet betrachten? Das sieht der Autor nicht nur entspannt, er heißt die Erholungssuchenden sogar willkommen. Peter Wohlleben ist kein radikaler Naturschützer, der die Menschen aus dem Wald verbannen will. Ganz im Gegenteil. Er mag Spaziergänger und Wanderer. Er stört sich auch nicht an Reitern und Radfahrern, so lange sie vernünftig sind und auf den Wegen bleiben. Nur mit den Jägern, oder besser gesagt mit der Art und Weise, wie sie die Jagd betreiben, hat er seine wohlbegründeten Probleme.

Sachlich und engagiert erklärt er uns in seinem Waldführer das Ökosystem Wald, die Forstwirtschaft und den aktuellen Zustand des Waldes. Das ist schlüssig geschrieben und auch für die Leser geeignet, für die Wald einfach das ist, wo sie nach Feierabend joggen oder der Ort, an dem sie am Sonntag frische Luft tanken.

Erschienen ist das Buch im Pala-Verlag, einem mir durch und durch sympathischen Sachbuch-Verlag, den ich schon für das Büchlein „Zucchini – Ein Erste-Hilfe-Handbuch für die Ernteschwemme“ in mein Herz geschlossen habe.


Weitere Infos zum Buch:

Peter Wohlleben

Menschenspuren im Wald
Ein Waldführer der besonderen Art

erkennen – verstehen – einmischen

Pala Verlag


Vom gleichen Autor stammt auch der Spiegel-Bestseller Das geheime Leben der Bäume. Hier findet Ihr alle Bücher von Peter Wohlleben. Das Buch, mit dem er berühmt wurde, hat mich im Gegensatz zu seinem hier besprochenen Waldführer, übrhaupt nicht überzeugt:


Ab in den Wald: diese Blogbeiträge und Buchrezensionen möchte ich euch besonders empfehlen!

Darm ok, alles ok – Bauchmassage hilft!

Sachbuch Darm ok mit Bauchmassage

Zu Beginn wähnt man sich der Leser fast in einem Kinderbuch, denn Fiete selbst erzählt darüber, was einem „Darmi“ wie ihm gut tut. Ein Darm, der nicht nur Charme, sondern auch noch einen Namen hat? Nun gut.

Doch diese Irritation verfliegt schnell. „Darm ok – alles ok“ ist ein locker erzähltes, nützliches, kompaktes Sachbuch rund um das Thema Darmgesundheit. Warum Bewegung und Entspannung dem Darm gut tun wird anschaulich erklärt. Dazu kommen viele Tipps zur Ernährung und eine solide Auseinandersetzung mit Diät-Mythen, Nahrungsergänzungsmitteln und Superfoods.

Regelmäßige Bauchmassage in entspannter Atmosphäre lautet die wichtigste Empfehlung. Genau die Massage, die die Bauchschmerzen von kleinen Kindern lindert, hilft auch Erwachsenen. Durch Wärme lässt sich diese wohltuende Wirkung der Bauchmassage verstärken.

Kräuter, Gewürze, Öle, Ballaststoffe und gesunder Menschenverstand: dazu rät uns Fietje und erklärt, was wir selbst und ohne großen Aufwand zur Darmgesundheit und damit zu unserem Wohlbefinden beitragen können. Ganz einfach, ganz locker und durchaus amüsant macht er das!

Wer wissen möchte, was er seinen Darm sonst noch Gutes tun kann, dem empfehle ich zusätzlich das kleine Büchlein „Yoga für die Verdauung“, dass ich hier rezensiert habe.


Weitere Infos zum Buch:

Maria Köllner

Darm ok – alles ok
Die sanfte Bauchselbstmassage und weitere Tipps zum Schlankwerden und Wohlbefinden

Via Nova Verlag


Muslim Girls oder was ein Kopftuch bedeuten kann, aber nicht muss

Muslim Girls. Sachbuch.

Meine ganz persönliche Kopftuchgeschichte spielt in den 70er Jahren. Für meine Oma war ein Kopftuch ein ganz normales, ungemein praktisches Kleidungsstück. Es hielt bei Wind die Haare aus dem Gesicht, schützte im Sommer vor der Sonne, bei der Gartenarbeit vor dem Dreck und fing an den Schläfen und im Nacken den Schweiß auf. Bei schlechtem Wetter hielt es warm, ein leichter Regen machte dem Kopftuch nichts aus. Damit verhinderte das Kopftuch Ohrenschmerzen und, wenn man es in die Stirn zog, Stirnhöhlenentzündungen. Sehr praktisch und angenehmer zu tragen als eine Mütze.

Ich war mit dem Fahrrad unterwegs und trug ein Kopftuch. Wahrscheinlich war ich, Jahrgang 68, gerade eben noch Grundschülerin. Meine langen, dunklen Haare schauten unter dem Kopftuch heraus, das ich mir bestimmt in die Stirn gezogen hatte, denn es wehte ein frischer Wind. Meine dunklen Augen blitzten darunter hervor. Da hörte ich es: „Scheiß Türkin!“

Laut und deutlich wurde mir das von zwei Jungs hinterhergerufen.

Nach meinen Empfinden gab es damals noch nicht viele Türkinnen oder Muslima mit Kopftuch in Mannheim. Wenn, dann trugen sie dieses einfache Bauernkopftuch – so, wie es viele Frauen in Deutschland auf dem Feld und bei der Arbeit getragen haben, so, wie ich es von meiner Oma übernommen hatte. Kopftuch = Türkin? Dieser Gedanke war mir neu.

Für mich war das Kopftuch seit diesem Tag kein normales Kleidungsstück mehr. Ich trug es nur noch selten.

Heute trage ich es nur noch beim Wandern oder bei der Gartenarbeit und dann in einer Variante, die mehr an die 50er Jahre erinnert. Ein kleines Stück Stoff in knalligen Farben, weit entfernt von jeder Kopftuch-Variante, die eine Muslima heute trägt.

Vor lauter Symbol sieht man die Menschen nicht

Sineb El Masrar eröffent ihr Buch „Muslim Girls. Wer sie sind, wie sie leben“ mit ihren Gedanken zum Kopftuch. Was bleibt ihr auch anders übrig? Zu sehr ist dieses Stück Stoff zu einem Symbol geworden. Vor lauter Symbol sieht man die Menschen dahinter nicht mehr. Wir reden nicht mehr über die Frauen und schon gar nicht mit ihnen, wir reden über das Kopftuch in allen seinen Variationen. Dagegen – und nicht nur dagegen – schreibt sie an.

Wie die europäischen Geschlechtsgenossen werden auch unsere Väter, Brüder und Ehemänner über kurz oder lang zu frauenbewegten Erkenntnissen kommen. Dafür werden wir schon sorgen. Bis dahin hätten wir allerdings, statt Verboten und Diskriminierung, lieber ein bisschen Unterstützung. Oder sollte ich sagen: Respekt?
S. 40

Für mich sind die Kapitel über Schule und Berufswahl die stärksten des ganzen Buches, denn hier springt die Autorin virtuos zwischen Forschung und Fakten und persönlichem Erleben hin und her. Das passt zur Lebenswelt der deutschen Muslim Girls, die gelernt haben, in verschiedenen Welten zuhause zu sein.

Schon die Schullaufbahn der Muslim Girls verläuft anders als die ihrer Klassenkameradinnen. Wie es dazu kommt und was wer dagegen tun könnte oder auch schon tut – dies beschreibt die Autorin ausführlich und leidenschaftlich. Dabei geht sie genauso auf die Rolle der Eltern, der älteren Geschwister, der Nachbarn als auch auf die Rolle der Lehrer ein. Nach dem Staat ruft sie nur selten.

Vor allem im ersten Kapitel pendelt ihr Schreibstil zwischen Wortwitz und Wissenschaft, zwischen persönlicher Betroffenheit und nüchterner Aufklärung. Sineb El Masrar hat viel zu sagen und packt es in geradezu atemlose Sätze, fast so, als wäre sie es nicht gewohnt, dass ihr jemand lange genug zuhört. Ich habe ihr gerne zugehört.


Weitere Informationen zum Buch:

Sineb El Masrar

Muslim Girls
Wer sie sind, wie sie leben.

Herder Verlag
ISBN 978-3-451-06779-2

Laut Wikipedia ist der Herder Verlag übrigens ein Verlag mit traditionell katholischer Ausrichtung. Die lexikalische Knappheit wird der Wirklichkeit nicht gerecht. Als traditionell-katholisch würde ich mich sicherlich nicht bezeichnen, doch ich schätze die Arbeit des Verlags sehr, da bei Herder viele Titel erscheinen, die den Dialog zwischen den Kulturen fördern.


 Das Thema ist immer noch aktuell, das Buch aber leider nicht mehr lieferbar. Aber stöbert doch mal in meinen feministischen Buch-Tipps!


Was gut zu den Muslim Girls passt ist dieser Fantasy-Roman, in dem auch der Koran und eine muslimische Kick-Ass-Woman eine Rolle spielen: Alif der Unsichtbare

Warum Computer und andere Dinge ein Eigenleben führen

Sachbuch Rezension: Das geheime Leben der Dinge. Warum Computer und Autos ein Eigenleben führen

„Das geheime Leben der Dinge. Warum Computer und Autos ein Eigenleben führen“ hat mich überrascht. Mit einer Kulturgeschichte der Dinge und der Beziehungen, die Menschen zu ihren Dingen haben, hatte ich nicht gerechnet.

Lyall Watson beginnt seine Reise durch die Zeiten und durch Welt bei den Steinen. Viele Kinder haben eine kleine Steinsammlung aus Kiesel, Quarz und Glimmer. An sich wertlose Steine, die aber für das Kind einen besonderen Wert besitzen. Die Form, das Glitzern, die Haptik und auch die Tatsache, dass man sie selbst gefunden hat, machen aus diesen Allerwelts-Steinen einen Schatz.

Was wäre, wenn diese Bedeutung, die das Kind den Steinen gibt, dieser Schatz-Charakter, die Steine selbst verändert?

Solche Sammlungen von Steinen mit ungewöhnlichen Formen und Farben hat man schon in den Höhlen der Steinzeit gefunden. Menschen geben den Steinen, dem Metall, dem Wasser, dem Holz und der Erde und den Dingen, die daraus gemacht wurden, schon seit Jahrtausenden eine Bedeutung. Da ist im Laufe der Zeit einiges an Sinngehalt zusammengekommen.

Dieser angesammelte Sinngehalt prägt laut Lyall Watson nicht nur unser Verhältnis zu den Dingen, er prägt auch die Dinge an sich. Unter bestimmten Umständen ermächtigt er sie, ein Eigenleben zu führen. Beispiele dafür hat er reichlich in den Archiven der Fortean Times gefunden.

Doch die Reise, auf die der Autor uns mitnimmt geht noch weiter. Er führt uns durch die Geschichte, besucht mit uns andere Kontinente und lässt uns teilhaben an einer ganz besonderen Freundschaft. Nicht die Wissenschaft steht im Vordergrund, sondern das erkunden, begreifen und vernetzen.

Wer sich des Symbolgehalts der Dinge, die ihn umgeben, bewusst werden möchte und wer bereit ist, während der Lektüre der naturwissenschaftlichen Art, die Welt zu erklären, eine Auszeit zu gönnen, dem lege ich dieses Buch ans Herz.

Ein Buch ans Herz legen ist ein Ausdruck, an dem der Autor sicherlich seine Freude hätte. Unserem Verhältnis zu Büchern widmet er einige Seite und setzt die Bücher in eine Reihe mit weiteren symbolträchtigen Dingen wie Glocke und Kerze. Auch der Bibliotheksengel von Arthur Koestler wird erwähnt. Dieser Autor war der Meinung, dass, wenn man nur ausreichend Zeit in Bibliotheken verbringen würde, sich der Bibliotheksengel um einen kümmern würde. Dieser hilfreiche Geist sorgt dafür, dass man beim entlangstreifen an den Regalen am richtigen Buch hängen bleibt und dass dieses sich wie von Zauberhand an einer besonders nützlichen Stelle aufschlägt.

Mein Bibliotheksengel ist noch aktiver und hilfreicher, er kommt direkt zu mir nach Hause!


Informationen zum Buch:

Lyall Watson

Das geheime Leben der Dinge
Warum Computer und Autos ein Eigenleben führen

Auszug aus einer Rezension auf Zeitenschrift

Crotona Verlag
ISBN 978-3-86191-063-3

Leider ist das Buch nicht mehr lieferbar


 Manchmal haben auch Bilder ein Eigenleben:

Aufs Brot – Rezeptideen für Belegte und richtig dicke Ritter

Aufs Brot - Brotaufstriche und mehr Kochbuch

Was gab es in den Kochbüchern und Ernährungsratgebern dieses Jahr nicht schon alles zu lesen: Panik vor der Weizenwampe auf der einen Seite, die Wiederentdeckung der Stulle auf der anderen.

Und ich? Ich befinde mich irgendwo zwischen diesen beiden Extremen und habe mit viel Freude in dem Kochbuch „Aufs Brot“ von Maik Schacht gestöbert.

Meinen Brotkonsum habe ich eingeschränkt und lebe gut damit. Getroffen hat es bei mir vor allen Dingen das mittägliche Pausenbrot, dass ich durch Sahnequark mit Obst ersetzt habe – die LOGI-Methode lässt grüßen. Dafür genieße ich mein Abendbrot um so bewusster. Wenn ich denn gutes Brot bekomme …

Brot bekomme ich eigentlich überall, sogar an der Tankstelle. Ich suche aber handwerklich gut gemachtes Brot, das nicht nur schmeckt, sondern auch verträglich ist. Wenn man dann so wie ich in einem ganz normalen, nicht-hippen Vorort wohnt, gestaltet sich der Einkauf gar nicht so einfach. Was für ein Glück, dass Abels Marktbäckerei auch den Rheinauer Wochenmarkt besucht!

Brot könnte ich natürlich auch selbst backen, aber daran habe ich mich bisher noch nicht gewagt. „Aufs Brot“ enthält im letzten Kapitel auch einige Brotrezepte, doch das ist nicht der Schwerpunkt des Kochbuchs. Selbstgemachte Brotaufstriche spielen eine wichtige Rolle, aber das Highlight sind Belegte aller Art – als Abendbrot, zum Mitnehmen oder für die Party. Vietnamesische Banh Mi mit Garnelen, Schüttelbrot-Pizza mit Blauschimmelkäse, Frischkäse und Birnen oder Pressbrot alias Tramezzini mit Hüttenkäse, Avocado, Surimi und Eiern – alles lecker und abwechslungsreich.

Die besondere Überraschung war für mich jedoch die Brezel-Terrine mit Lauch und Fleischwurst; kulinarische Kindheitserinnerungen im neuen Gewand.

Ein wenig irritiert es mich ja schon, dass nahezu zwanghaft in jedem Kochbuch – egal zu welchem Thema – auch Süßspeisen enthalten sein müssen. Vielleicht kann ich das auch einfach nicht genug würdigen, da der Süßspeisentiger in mir eher ein kleines Hauskätzchen ist. Aber ich muss schon zugeben, dass das Rezept für Dicke Ritter – arm kann man sie wahrlich nicht nennen – sehr bemerkenswert ist. Ich verstehe, dass dieses Rezept seiner Oma im Gedächtnis des Kochbuch-Autors kleben blieb!


Angaben zum Kochbuch:

Maik Schacht

Aufs Brot
Aufstriche und mehr

Matthaes Verlag
ISBN 9783875154030


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