Das Geheimnis des Atmens – eine Einführung in Pranayama

Wie sehr mir die letzten zwei Jahre die Luft abgeschnürt haben, habe ich erst gemerkt, als ich das schmale Büchlein „Das Geheimnis des Atems“ von Sriram gelesen habe. Darin erklärt er die Grundzüge des Pranayama, einem wichtigem Bestandteil des Yoga. Früher wurde das gerne mit Atemkontrolle übersetzt. Aber Vertiefung des Atems durch Achtsamkeit trifft es besser. Wichtige Werkzeuge sind dabei die Atembeobachtung, längeres Ausatmen und das Verweilen in der Atemstille, dem Wendepunkt zwischen Ein- und Ausatmen. Da all das für mich nicht neu ist, fand ich es eine gute Idee, gleich mit der Wechselatmung zu beginnen. Diese Atemübung ist mir aus früheren Yogastunden vertraut. Das sollte klappen. Nun, es wurde eine Übung im lehrreichen Scheitern. Auch willkommen. Also zurück zu den Anfängen. Was mir in diesen bedrückenden Tagen am besten hilft, ist mich auf meine Nasenspitze zu konzentrieren und zu beobachten, wie der Atem dort einströmt. Wenn ich dann die Reise meines Atems durch den…

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Sänger müssen zweimal sterben

Ob ganz Indien mit seinen Menschenmassen, Rikschas Motorrädern, Tempeln, Affen und was noch alles zur Geräuschkulisse beiträgt, wirklich Musik ist, wie der Klappentext behauptet? Ich wage es zu bezweifeln. Aber dass Indien einen eigenen intensiven Klang hat, bekommt sogar eine Touristin wie ich mit. Peter Pannke hat das Land deutlich intensiver erlebt, als mir das damals in drei Wochen Urlaub gelingen konnte. Er hat lange mit der Sängerfamilie Mallik gelebt, die über 200 Jahre dem Maharadscha von Darbhanga als Hofmusiker gedient hatte. An diese Zeit und an alles, was daraus entstand, erinnert er sich, als er anlässlich einer Beerdigung versucht, in das von schweren Regenfällen überflutete Nordindien zu gelangen. „Sänger müssen zweimal sterben“ ist ein wunderbar intensives Buch. Eines, das gar nicht erst versucht, Indien zu erklären. Stattdessen lässt uns Peter Pannke teilhaben an seinen Erfahrungen und erlaubt uns damit ein sehr direktes, sinnliches Erleben. Entdeckt habe ich das Buch, das nicht mehr aufgelegt wird,…

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Die Rolle, der Kobold und meine Faszien

Es gibt etwas, was die Faszienrolle von anderen Fitness-Moden unterscheidet: Sie hat sich in meinem Alltag bewährt. Während das Theraband zusammengeknüllt in der Ecke liegt, die Hantelbank vor sich hin staubt, kommt die Faszienrolle immer mal wieder zum Einsatz. Kurz. Zum Auflockern zwischendurch. Insbesondere dann, wenn der obere Rücken Alarm schreit, weil ich zu lange starr am Schreibtisch saß. Aufstehen, rumrollen, dehnen. Das verbessert die Durchblutung, lockert die Muskulatur und macht den Kopf frei. Schön, oder? Wenn da nur nicht dieser Nörgel-Kobold in mir wäre: Die Rolle kann noch viel mehr. Du trainierst nicht richtig. Der Nörgel-Kobold hat nämlich einen Fitness-Ratgeber gelesen. Ok, ich habe das Buch gelesen und er hat dabei gut aufgepasst. „Faszien verstehen“ von Gerd Gradwohl ist das Fachbuch für alle, die nicht nur hin und her rollen wollen. Hier wird gründlich erklärt, warum und wie das Training mit der Faszienrolle wirkt. Immerhin rolle ich seitdem viel öfter. Nicht nur mit der…

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Einatmen, ausatmen? Da geht noch mehr: Atemtechniken

Einatmen, ausatmen. Klappt doch. Warum sollte ich dafür ein Buch benötigen? Das entsprach in etwa meinem Denken und meinem Wissensstand, bevor ich mit Yoga anfing und bevor ich Markus Schirners Buch „Atemtechniken“ für mich entdeckte. Von Atempausen oder der Tatsache, dass man auch in die Schulterblätter atmen kann, hatte ich damals noch nichts gehört. Noch schlimmer: Ich hatte es auch noch nie erfahren. Das, was so trocken im Yoga-Unterricht als „vollständige Yoga-Atmung“ beschrieben wurde, war der erste Augenöffner. So viel Raum im Körper! So viel Beweglichkeit, die dem Atem folgt! Meine Neugier war geweckt und ich griff zum Buch. 130 Seiten später dachte ich: Ich muss nie wieder ein Buch über Atemtechniken lesen – in diesem kleinen Taschenbuch ist alles enthalten. Atemtechniken – das Kartenset. Ein spielerischer Weg für mehr Praxis. Das war 2006. Jetzt sind Karten zum Buch erschienen. Die musste ich natürlich haben. Die erste Karte, die ich zog, war die Bauchatmung. Und…

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Alltagstauglich & gesund: indische Küche

Gesundes Indien – als ich den Titel des Kochbuchs las, kam mir diese Formulierung wie ein weißer Schimmel vor. Kann denn eine so gemüse-lastige Küche wie die indische ungesund sein? Okay, die Süßspeisen haben es in sich, Laddoos sind pures Hüftgold und zu viel Nan dürfte die gleiche Wirkung haben wie unser Weißbrot. Aber was bitte könnte an einem Curry aus frischem Gemüse nicht gesund sein? Der Untertitel bringt die Lösung: Es geht um einfache indische Gerichte für jeden Tag. Chetna Makan ist Hobbyköchin und Bloggerin. Ihre Mission ist es, die klassische indische Küche mit all ihren frischen, gesunden Zutaten in den westlichen Alltag zu transferieren. Dafür ist es notwendig, den Arbeitsaufwand zu minimieren, denn die traditionellen Rezepte sind zeitintensiv: Sie erfordern eine Hausfrau, die mehrere Stunden für das Kochen aufwenden kann und jeden Tag frische Lebensmittel einkauft. Chetna Makan zeigt, dass das nicht nötig ist. Außerdem versucht sie, weniger Zucker und Ghee zu verwenden…

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Wohltuende Lektüre: Ikigai – japanische Lebenskunst

Lebenskunst ist ein Begriff, bei dem ich sofort aufhorche. Für mich enthält er ein Versprechen: Es ist möglich, ein gutes Leben zu führen – egal, wie die Ausgangsbedingungen sind. Nimm, was Du vorfindest, und mach das Beste daraus. Das Buch „Ikigai – Die japanische Lebenskunst“ hat mich nicht enttäuscht. Ikigai ist ein Konzept, dass sich durch die gesamte Kultur Japans zieht. Ken Mogi erklärt nicht nur diese grundlegende Philosophie, er zeigt auch kenntnisreich auf, wo wir überall die Auswirkungen dieser Lebensweise finden können. Die fünf Säulen des Ikigai lauten: Das ist ebenso schlicht wie komplex und entfaltet beim Lesen einen stillen Zauber, der Staunen lehrt. Ikigai steckt in allem. In der Imbissbude an der Ecke, die das perfekte Nudelgericht zubereitet genauso wie im Verhalten der Sumo-Ringer. Der Gärtner, der genau weiß, wie er der alten Rose vor seiner Tür die schönsten Blüten entlockt, hat die Regeln genauso verinnerlicht wie der Meister einer Teezeremonie. Nicht nur…

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Aromatherapie – pflegen & heilen mit ätherischen Ölen

Alles drin. So könnte ich meinen Eindruck von dem Buch „Aromatherapie für Frauen“ zusammenfassen. Das Standardwerk beginnt mit einer kompetenten, fachlichen Einführung in das Universum der Düfte, Aromen und ätherischen Öle. Dabei geht es immer ganz konkret um die Frage, wie und warum ätherische Öle wirken. Dafür werden durchaus mal Begriffe wie 1-p-Menthen-8-Thiol verwendet, denn das ist der Stoff, der im Grapefruit-Öl die stimmungsaufhellende Wirkung verstärkt. Doch trotzdem ist das Buch kein schwieriges Fachbuch: Trotz aller Ausflüge in die Chemie und Medizin ist es stets gut lesbar. Der eigentliche Schatz sind jedoch die über 250 Rezepte für Heil- und Pflegeprodukte. Wer Naturkosmetik selbst herstellen möchte, findet in diesem Ratgeber erprobte Anleitungen für Cremes, Deos, Shampoo und Zahnpasta. Sogar an ein Mittel zur Glättung von Narben haben die Autorinnen gedacht. Doch ätherische Öle können mehr als nur pflegen – sie sind Begleiter in allen Lebenslagen von Pubertät bis Wechseljahre und Alter. Zudem können sie uns im…

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Beweg dich und dein Gehirn sagt danke!

Beweg dich und dein Gehirn sagt danke! Sachbuch.

Manchmal frage ich mich, ob ich mit dieser Art Sachbuch-Lektüre eine verborgene masochistische Ader pflege. Oder warum lese ich mehr Bücher über Bewegung, als ich mich tatsächlich bewege? Andererseits war die Lektüre alles andere als eine Qual. Gehirnforschung anschaulich dargestellt, locker erzählt und hervorragend illustriert – dieses Buch macht schlicht und einfach Spaß! Die Kernbotschaft ist schnell zusammengefasst: Bewegung hält unser Gehirn gesund. Die frohe Botschaft dabei: Damit ist nicht unbedingt Sport gemeint! Das, was unser Gehirn gesund hält, ist Ausdauerbewegung. Wie viel es davon braucht, hängt wohl eher von der persönlichen Fitness ab. Bei Senioren ist es der tägliche Spaziergang, bei jüngeren Menschen die große Runde mit dem Fahrrad. Die schlechte Nachricht dabei: Regelmäßigkeit ist wichtig. Die ganze Woche im Büro sitzen und am Wochenende Höhenmeter machen mag zwar besser als gar keine Bewegung sein, aber dieser Rhythmus ist nicht das, was unser Gehirn gerne hätte. Das bevorzugt die tägliche Dosis Ausdauersport. Liebe Neurowissenschaftler,…

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Ich habe Nacken

Ronald Thomschke Schulter-Nacken-Training Endlich schmerzfrei und entspannt! Das Training zur Selbsthilfe

Ich habe Nacken. Das ist nichts Neues. Egal ob ich im Laden stand oder jetzt am Schreibtisch sitze: einseitige Bewegungen tun mir nicht gut. Ich brauche Abwechslung, sonst bekomme ich Probleme mit der Wirbelsäule oder eben Nackenschmerzen. Was hilft dagegen? Abwechslungsreich bewegen. Lockern, kräftigen, dehnen. Das ist mir bekannt und ich mache das ja auch. Immer mal wieder. Manchmal. Und dann wieder nicht. Anscheinend brauche ich einmal im Jahr einen neuen Anschubser. Im letzten Jahr war das die Faszienrolle, davor der Versuch, mehr Bewegung in meinen Alltag zu bringen, Tai Chi und natürlich immer wieder Yoga. Dieses Jahr ist es das Buch „Schulter-Nacken-Training“  von Ronald Thomschke. Sehr komprimiert, klar strukturiert und gut verständlich erklärt er, wie es zu Nackenschmerzen kommt und was wir dagegen tun können. Dann folgen Übungen aus den drei Bereichen Lockern und mobilisieren, kräftigen, dehnen. Zum Abschluss gibt es Mini-Workouts: Trainigsprogramme für zwischendurch, die sich wirklich gut in den Alltag einbauen lassen.…

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Jack Kornfield – Wahre Freiheit

Buch-Cover: Wahre Freiheit von Jack Kornfield

Ich werde jetzt nicht mehr weiterlesen. Manchmal ist es einfach so: das neue Buch von Jack Kornfield ist gut, sehr gut sogar, und trotzdem kommen wir beide seit Monaten nicht so richtig zusammen. Also das richtige Buch zum falschen Zeitpunkt. Aber nein, so möchte ich das eigentlich nicht sehen. Für mich fühlt es sich eher so an, dass dieser Zeitpunkt so durch und durch richtig ist, dass ich dieses Buch im Moment nicht brauche. Ich werde also „Wahre Freiheit. Der buddhistische Weg, in jedem Augenblick glücklich und geborgen zu sein“ zu den gelesenen Büchern von Jack Kornfield ins Regal stellen und hoffen, dass mein Zeitpunkt noch lange so richtig bleibt, dass ich den Trost und die Wertschätzung, die aus Jack Kornfields Zeilen spricht, nicht benötige. Aber natürlich sorgt das anlesen, das durchblättern und an Absätzen hängenbleiben dafür, dass der eine oder Gedanke nachwirkt. Zum Beispiel, dass ausgerechnet „Freiheit“ diesmal der Schlüsselbegriff im Buchtitel ist –…

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Thich Nhat Hanh – Mein Leben ist meine Lehre

THICH NHAT HANH Mein Leben ist meine Lehre Autobiographische Geschichten und Weisheiten eines Mönchs

Autobiographische Geschichten von Thich Nhat Hanh verspricht das Buch. Da hatte ich vor allem Spirituelles erwartet und war verblüfft, wie viel Politik das Buch enthält. Daran habe ich gemerkt, dass ich Thich Nhat Hanh erst spät für mich entdeckt hatte. Von seinem Einsatz für Frieden in Vietnam und seiner Arbeit für eine aktiven, die Gesellschaft mitgestalteten Buddhismus wusste ich nichts. Ich kannte ihn eigentlich nur als Achtsamkeitslehrer. Gehmeditation, achtsames Atmen und Kontemplation kommen in dem Buch definitiv nicht zu kurz, denn Achtsamkeit ist die Basis für alles im Leben Thich Nhat Hanhs. Aber für mich gab es so viel mehr zu entdecken! Buddhistische Weisheitsgeschichten Ich mag diese Art zu erzählen sehr: Weisheitsgeschichten, bei denen nicht am Ende fett »Fazit, Moral und das haben Sie, werter Leser, nun zu tun«. Stille Geschichten, die wie ein Samenkorn Zeit brauchen, um ihre Wirkung zu entfalten. Bei uns werden solche Bücher gerne als buddhistische Weisheitsgeschichten bezeichnet und ich habe…

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Rauhnächte. Träumen, sich besinnen, räuchern.

Rauhnächte. Buch Cover

Ja ist denn schon wieder Weihnachten? Nein, natürlich nicht. Bis zur Wintersonnenwende und den Rauhnächten gehen noch ein paar Wochen ins Land. Es ist gerade mal Herbst. Doch mit den Herbst kommt die Stille. Mein Blick auf die Welt ändert sich. Ich werde ruhiger und nachdenklicher. Fragen, die zum Jahreswechsel passen, kommen jetzt schon auf und ich habe tatsächlich jetzt schon das kleine Buch Rauhnächte von Gerhard Merz gelesen. Eigentlich wollte ich ja nur kurz reinlesen. Prüfen, ob es für mich passt, ob das mein Begleiter für dieses Jahr sein könnte. Es passt. Und wie – ich habe die 127 Seiten dann mal gleich ganz gelesen. Jetzt schon, im Oktober – und ich freue mich darauf, das Buch zur Wintersonnenwende wieder zu lesen. Es war die Art, wie Gerhard Merz über Odins wilde Jagd und die alten Mythen erzählt. Das hat mich gepackt, daran bin ich hängengeblieben. Er hat die alten Sagen gelesen und gibt…

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