Denial of Service: Aiki Mira, Hopepunk und mein Platz in dieser SF-Welt

Buch von Aiki Mira: Denial of Service

Super Smart City Frankfurt am Main. Polizei, Transport und Stadtverwaltung sind privatisiert. Ein künstliches neuronales Netzwerk durchdringt alles — und ist tief ins Hirn-Stadt-Interface eingeschrieben: implantierte Chips, die den Bewohnern eine intuitive Interaktion mit Gebäuden, Straßen und Transportsystemen ermöglichen.

Die Stadt denkt. Die Stadt fühlt. Die Stadt kontrolliert. Und sie entwickelt ihre eigene Ethik. Menschen? Liefern Daten, sind Daten. Manche von ihnen glauben, dass sie der Human in the Loop sind. Andere wollen einfach nur ihr Business und ihr Glück bauen. Dann gibt es noch Bots, Mega-Superstars, verwilderte Straßenhunde und illegal lebende Teenager. Ist ein Miteinander zum Wohle aller möglich?

Das ist ein Weg, sich dem Science Fiction Thriller „Denial of Service“ zu nähern. Es gibt aber auch noch andere – zum Beispiel Aiki Miras Art zu erzählen. Neongrau hatte starke Jugendbuch-Vibes, Neuro-Biest einen Fokus auf Technik und Natur – Bio-Hacking und Urwald. Proxi hingegen überraschte und überforderte mich mit nahezu poetischer Verdichtung (hier meine Rezensionen zu den Büchern). „Denial of Service“ vereint all das und führt es weiter. Obwohl jedes Buch für sich steht, hatte ich das Gefühl, dass ich jetzt verstehe, was Aiki Mira in Proxi sagen wollte.

Man könnte sich den Büchern von Aiki Mira auch über die Rezensionen nähern. Den Weg wähle ich selten. In diesem Fall finde ich ihn spannend, weil ich wissen möchte, wie andere mit den Freiräumen umgehen, die in den Romanen grundsätzlich enthalten sind und von den Lesenden gefüllt werden müssen. Tatsächlich reiben sich fast alle Rezensent*innen an etwas. Doch genau das finde ich an Aiki Miras Büchern so spannend: Es sind Genre-Grenzgänger; nicht dafür angetreten, alle Erwartungen zu erfüllen. Das Spiel mit den Erwartungshaltungen der Lesenden gehört dazu.

Oder man könnte sich überlegen, wo der eigene Platz in dieser Super Smart City wäre. Da fand ich mich in der Nebenfigur Sasha wieder.

Trotzdem macht Sasha weiter, lädt Interviews ins Internet. Versucht sich als Realitätsgenerator. Kein Mensch liest die Interviews. Nur KIs. Auf KIs ist immer Verlass. Die lesen alles, besonders gern Texte von Menschen. Sie suchen darin nach neuen Redewendungen oder interessanten Wörtern für ihre eigenen Romane. Oder sie verkaufen, was immer sie finden, an andere KIs, die ebenfalls auf der Suche nach menschlichem Schreiben sind. Am Ende werden die auf Basis von menschlichem Schreiben KI-generierten Texte wieder zurück an Menschen verkauft.
Aiki Mira, Denial of Service – Science Fiction Thriller. Seite 142

Genau so fühle ich mich derzeit als Buch-Bloggerin! Meine Sichtbarkeit in den Suchmaschinen ist im freien Fall. Doch die KI-Bots kommen zuverlässig vorbei. Genau wie Sasha mache ich einfach weiter. Das ist keine Naivität, sondern Hopepunk. Aiki Miras Bücher waren das von Anfang an: Genre-Grenzgänger mit einem leisen, hartnäckigen Glauben daran, dass ein gleichberechtigtes Miteinander von Menschen, Technik, Natur und Kunst möglich ist. Nicht garantiert. Aber möglich.


Infos zum Buch:

Aiki Mira

Denial of Service
Science Fiction Thriller

Fischer Tor


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