Bildungslücke geschlossen, Zeitmaschine gelesen

Bildungslücke geschlossen. Das war mein Gedanke, als ich auf der letzten Seite der Erzählung „Die Zeitmaschine“ von H. G. Wells angekommen war. Nicht: was für ein fieses Ende. Und auch nicht: Erstaunlich, welche Zweifel an der Zukunft hier schon enthalten sind. Sondern einfach: Meiner Allgemeinbildung hat bis zu dieser Lektüre ein wichtiges Puzzleteil gefehlt. Mission abgeschlossen. Und weil andere wesentlich klüger als ich über die Bedeutung des Science-Fiction Klassiker schreiben können, folgen von mir einfach ein paar unsortierte Gedanken. Das kommt mir doch bekannt vor. Seltsam war es, beim Lesen zu merken, wie viele Zitate, die auf das Buch verweisen, ich schon kenne – ohne das Original zu kennen. So war der Gedanke „Ach, da hat XY das her“ ein ständiger Begleiter beim Lesen. Dabei bin ich gar keine so große Kennerin der SF-Literatur. Aber selbst mit nur soliden Kenntnissen der Popgeschichte erkennt man beim Lesen erstaunlich viel wieder –…

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Mannheim entdecken: Sehenswürdigkeiten für Einheimische und Fans

Manchmal versuche ich, mir meine Heimatstadt Mannheim mit den Augen eines Touristen anzuschauen. Oder den Blick eines neu hinzugezogenen Nachbarn. Dann fahre ich in Vororte, in denen ich sonst nicht bin. Laufe durch Parks, die mir bisher entgangen sind. Radel am Sonntag durch das Industriegebiet. Suche architektonische Perlen und die Murals von Stadt.Wand.Kunst. Doch selbst dann gilt der alte Baedeker-Slogan erschreckend häufig: Man sieht nur, was man weiß. An manch Sehenswertem, das im Buch „111 Orte in Mannheim, die man gesehen haben muss“ vorgestellt wird, bin ich schon ohne hinzuschauen vorbei gelaufen: So geschehen beim dekonstruktivistischen Glockenturm der Melanchthon-Kirche in der Neckarstadt zum Beispiel. Völlig entgangen war mir auch, dass die Schulkinderfiguren an der Mozartschule unterschiedliche Jahrhunderte symbolisieren. Vieles hatte ich schon erblickt, kannte jedoch die Geschichte dahinter nicht. So zum Beispiel die Schildkrötbank im Luisenpark, ein Überbleibsel der alten Schildkröt-Fabrik Neckarau. Oder das Portal der Schimag am Museumsufer in…

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Stadt Wand Kunst: Murals in Mannheim

Murals in Mannheim

Zu den erstaunlichsten Veränderungen in Mannheim zählen für mich die Wandgemälde von Stadt Wand Kunst, großformatige Fassadenkunst an Wohnblocks und Brandwänden. Street Art deluxe mit einer nicht zu unterschätzenden Wirkung. Die Bilder verschönern Ecken, die der Mannheimer meist als nicht schön empfindet, bringen Farbe und positive Botschaften in den Alltag und bringen Menschen wie mich dazu, sich Mannheim neu anzuschauen. Schon seit 2013 kommen Streetart-Künstler nach Mannheim um im Rahmen von Stadt.Wand.Kunst großformatige Graffitis zu gestalten. So entsteht nach und nach eine Open Urban Art Galery – Kunst, die jedem zugänglich ist, und die zudem auch öffentlich entsteht – jeder kann mitverfolgen, wie die Graffiti-Künstler arbeiten. Das erste der Mannheimer Murals befindet sich recht zentral in der Innenstadt, schräg hinter dem Rathaus. Doch seit dem sind die meisten Fassadenkunstwerke an Orten entstanden, die Mannheim-Besucher nur selten aufsuchen – diese Galerie will erlaufen werden! Hier ein paar Bilder von meiner Stadtwanderung…

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Nun zum Sport: Trojanows Olympiade

Hände hoch: bei wem gehört „Mehr Sport machen“ noch zu den klassischen guten Vorsätzen, der dann doch nie zur eigenen Zufriedenheit umgesetzt wird? Ich zumindest habe in letzter Zeit so viel Sport gemacht, wie schon lange nicht mehr. Also im Geiste. Auf der Couch. Lesend. Perfekt – ich kann es nur empfehlen! Schuld daran sind der öffentliche Bücherschrank in Schefflenz und Ilija Trojanow. Im ersten fand ich das Buch und Ilja Trojanow hatte die bewundernswerte Idee, 4 Jahre lang alle 80 Sportarten zu trainieren, zu denen es Einzelwettkämpfe bei der Sommerolympiade gibt – seine ganz persönliche Olympiade. Wer trainiert, sollte sich ein Ziel setzen. Seines lautete: halb so gut abzuschneiden wie der Goldmedaillengewinner. Eines möchte ich klar stellen: Alles an diesem Plan liegt jenseits meines Vorstellungsvermögens. Daher umso besser, dass ich darüber lesen konnte! Im Laufe der vier Jahre lernt Trojanow neue Sportarten lieben – Trampolin und Wildwasser-Kanu. Nur an…

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Ein Trash-Universum: Evil Miss Universe

Evil Miss Universe von Tobias O. Meissner. Sie ist Superschurkin, unerbittlich, rücksichtslos und betörend schön: Dominique macht es den Männern im Universum wirklich nicht leicht. Vor allem ist sie unfassbar kreativ und heckt ständig neue Verbrechen aus, wie sie die Welt noch nicht gesehen hat.

Es ist schon eine abgefahrene Geschichte, die sich Tobias O. Meissner für „Evil Miss Universe“ ausgedacht hat: Die Karriere der Superschurkin Dominique, die mit ihren äußerst kreativen Verbrechen die ganze Welt in Atem hält. Diese Heldin ist so fies wie ein Bond-Bösewicht, aber so attraktiv wie alle Bond-Girls zusammen. Sie hat das Herz eines Robin Hoods und den Mut des gesamten Marvel-Universums. Ihre Lebensgeschichte könnte jederzeit der Stoff eines neuen #SchleFaZ werden – kurz: Evil Miss Universe ist Trash der feinsten Sorte. Ich mag Trash. Und doch hatte ich meine Probleme mit dem Buch. Das liegt am Erzähler, der allwissend und naiv zugleich ist, und die wilde Geschichte im Tonfall von „Mein schönstes Ferienerlebnis“ erzählt. Warum das so ist – dafür liefert die Handlung einen gewichtigen Grund. Doch dem Lesevergnügen tut dieses ständige „Und dann passierte das, was wiederum das auslöste“ nicht gut. Ich habe eine zweite Stimme vermisst. Ähnlich…

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Mit Wittgenstein im Wartezimmer – philosophische Alltags-Miniaturen

Philosophisches Sachbuch von Nicolas Dierks - Mit Wittgenstein im Wartezimmer und weitere 11 Philosophen, die uns die Zeit verkürzen

Für die Geschichte „Mit Sokrates in der Buchhandlung“ muss ich dieses Büchlein einfach lieben! Vater und Tochter suchen ein Geschenk. Die Tochter greift zu einem Band über Philosophinnen und der Vater versucht ihr auf vielerlei Art zu erklären, dass das keine passende Wahl sei, da es ja keine guten weiblichen Philosophen gäbe, denn sonst würde er, der belesene Vater, sie ja kennen … Das führt den Autor auf sehr elegante Art und Weise zu Sokrates, der sich der Grenzen seines Wissens deutlich bewusster war. Damit haben die philosophischen Geschichten von Nicolas Dierks für mich im letzten Moment noch die Kurve bekommen, denn eigentlich wäre bis dahin mein Fazit eher ein „Na ja“ gewesen. Die Grundidee des Buches mochte ich von Anfang an: Alltagsbegebenheiten, wie wir sie alle kennen, gehen nahtlos in eine philosophische Geschichte über, in der zentrale Ideen von Montaigne über Wittgenstein bis Hannah Arendt dargestellt werden. Das hat…

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Faul sein als Philosophie

Martin Liebmann FAUL ZU SEIN IST HARTE ARBEIT Eine Ode an den Müßiggang

Dieses Lob der Faulheit wollte ich ja eigentlich noch vor Weihnachten besprechen, als Geschenk-Tipp. Aber anscheinend hatte ich da die Philosophie von Martin Liebmann schon so sehr verinnerlicht, dass ich lieber Variationen von nichts getan habe – und das ganz langsam. Flanieren, Bäume anschauen, Kunst betrachten – aber bitte mit philosophischem Unterbau. Ja genau, Philosophie. Dieses Buch gehört nicht in die rasch wachsende Abteilung mit Selfcare-Ratgebern. Sich selbst etwas Gutes zu tun ist nicht das Ziel der Überlegungen, sondern ein Nebeneffekt. Ich würde diese Haltung mit einer alten Redewendung zusammenfassen: Den lieben Gott einen guten Mann sein lassen. Oder auch mit meinem Lieblingssprichwort: Das Gras wächst nicht schneller, wenn man daran zieht. „Alles wird langsamer und langsam wird es gut.“ Martin Liebmann – Faul zu sein ist harte ArbeitS. 179 Das Buch ist eine Einladung: Weniger Perfektionismus, mehr Müßiggang. Weniger Planung, mehr Raum für Zufälle und glückliche Fügungen. Weniger Hektik,…

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Inspiriertes Schreiben: einfach loslegen!

Diesmal ist alles anders. „Inspiriertes Schreiben“ ist kein Schreibratgeber für bessere Texte und auch keine Anleitung, endlich den Roman zu schreiben, der schon so lange angefangen in der Schublade liegt. Inspiriertes Schreiben knüpft dort an, wo ich mit meinen Tagebüchern vor Jahrzehnten aufgehört habe: Einfach drauf los schreiben und fest darauf vertrauen, dass sich zwischen den Zeilen Sinn verbergen wird. Der Clou: Mit Sinn ist hier kein künstlerischer Sinn gemeint, sondern Antworten auf Lebensfragen. Damit bewegt sich diese Schreibtechnik irgendwo zwischen automatischem Schreiben, Morning Pages, Tagebuch, Dialog mit dem Unbewussten und Channeling. Wegen Letzterem rate ich skeptischen Lesern, dem Rat der Autorin zu folgen und das Buch nicht in der Reihenfolge der Kapitel zu lesen. Besser mittendrin einsteigen und sich anschauen, wie sie vorgeht. Dann ausprobieren, was passiert, wenn man selbst ihrer Systematik folgt: Frage stellen, Kopf so frei wie möglich machen, los schreiben. Dann schrieb ich alles auf, was…

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Der Wächter der Winde raunt Verse von Shakespeare

Es ist eine faszinierende Welt, die Oliver Plaschka entworfen hat. Ein fantastischer Ort jenseits unserer Realität, verborgen von schweren Sturmwolken, zusammengehalten nur von der Phantasie, bevölkert von Träumen. Weit und eng zugleich. In dieser Welt entwickelt sich ein klassisches Drama um einen alten König, einen jugendlichen Helden mit reinem Herzen und einem Mädchen, das seinen Platz in einer Welt der Männer sucht. Hätte der Klappentext nicht erwähnt, dass Oliver Plaschka für diese Fantasy-Geschichte Motive aus „Der Sturm“ von Shakespeare aufgreift, wäre mir diese Besonderheit gar nicht aufgefallen. Das zeigt vor allem eines: wie schlecht ich meinen Shakespeare kenne. Doch so betrachtet entsprach meine Reaktion auf die Geschichte exakt meiner Haltung zu Shakespeare: Der alte König-Vater ging mir auf die Nerven, der jugendliche Held war zum Verlieben, die jugendliche Heldin zum Schütteln naiv. Am interessantesten fand ich die Mütter. Die Narren in Form der stets betrunkenen Stephanie und des Möchtegern-Gangsters Rince…

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Frohes Fest: Heidnische Weihnachten

Heidnische Weihnachten. Sachbuch.

Eigentlich ist Weihnachten ein heidnisch-spätantikes-altorientalisches Fest mit christlich-liturgischem Glitzer. Wer genau hinschaut, findet auch heute noch die Spuren vergangener Feste: Wintersonnenwende und die Wiedergeburt der Sonne, Raunächte und Jahreswechsel. Wer noch genauer hinschaut, findet in den christlich anmutenden Weihnachtsbräuchen Spuren des Schamanismus aus aller Welt. Christian Rätsch und Claudia Müller-Ebeling sind solche Spurensucher und erzählen mit viel Spaß von heimischen und exotischen Pflanzen, von Gewürzen aus dem Orient und von Räucherwerk aus dem Norden Europas und aus Übersee. Das Besondere an dem Buch ist, dass sie sich dabei nicht auf europäische Weihnachtstraditionen beschränken. So führt uns die Reise vom schamanischen Weltenbaum zum Weihnachtsbaum auch über Kleinasien, wo die Tanne der Fruchtbarkeitsgöttin Kybele geweiht war. In typisch deutschen Weihnachtstraditionen entdecken wir so die weite Welt und in der weiten Welt die Spuren der Auswanderer aus Europa. Die große Klammer dabei: der Schamanismus, dessen Grundstruktur sich überall erstaunlich ähnelt. Wo auch immer…

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Selbst denken – eine Anleitung zum Widerstand

Die ersten Schritte sind ganz einfach: sich endlich wieder ernst nehmen, selbst denken, selbst handeln. Sagt Harald Welzer.

Die ersten 50 bis 100 Seiten sind eine brillante Analyse und ein einziger Rant. Wir Leser*innen sind schuld am schlechten Zustand der Welt und an miesen Zukunftsprognosen. Harald Welzer lässt keine Gelegenheit aus, klarzustellen, dass er Menschen wie dich und mich meint. Sich selbst scheint er davon auszunehmen, denn das Wörtchen WIR verwendet er in diesen Passagen nicht. Eine Publikumsbeschimpfung? Bei mir hatte dieses Stilmittel eine interessante Wirkung: Ungefähr ab Seite 30 begann ich, mehr darauf zu achten, WIE Harald Welzer schreibt, als auf das, was er mir sagen will. Im Sinne des Autors kann dieser Effekt kaum sein. Knapp 100 Seiten später fällt auf einmal der Satz, den ich am Anfang vermisst habe. Ab da nimmt sich der Autor nicht mehr aus und gibt zu, dass auch er Teil des Problems ist. An meiner distanzierten Haltung zum Buch hat das aber nichts mehr geändert. Selbst denken, Zukunft gestalten Aus…

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Zum Abreissen schön: 366 Bausünden

DER ABRISSKALENDER 2020 366 Bausünden zum Abreißen

Seit Jahren pflege ich eine geheime Abriss-Fantasie, das Nachbarhaus betreffend. Was wäre das für ein schöner Platz für eine Orangerie! Oder einen Schwimmteich! Egal was, nur bitte keinen fast-postmodernen Wohnblock mit beige und … ach lassen wir das. Offensichtlich bin ich mit solchen Fantasie nicht alleine. Turit Fröbe hat einen ganzen Kalender damit gefüllt und schreitet dadurch zur Tat: dank ihr kann ich jeden Tag eine Bausünde abreissen. Was für eine Wohltat! Manche der Gebäude könnten in fast jedem Vorort stehen (Schottergärten! Vordächer!), manche kommen einem unangenehm vertraut vor, ohne dass man sie zuordnen könnte (Gewerbegebiete!), andere habe ich tatsächlich gleich wieder erkannt: Mannheim und Karlsruhe sind im Kalender vertreten. Doch auf jedes Zusammenzucken meiner Geschmacksnerven wird in diesem Fall die befreiende Wirkung der Tat folgen: abreissen – genussvoll, langsam. Und in ganz besonders schlimmen Fällen: zusammenknüllen! 2020 wird so schön werden – trotz des Nachbarhauses … Angaben zum Kalender:…

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