Das Dao leben

Das Dao leben - Buch-Rezension

Es gibt Bücher, die man nie im eigentlichen Sinne ausgelesen hat. Man nimmt sie zur Hand, liest, denkt nach. Blättert weiter, nach vorne, nach hinten. Schlägt was nach, sinniert. Legt das Buch wieder auf den Nachttisch. Beginnt beim nächsten Mal an einer anderen Stelle, lässt sich wieder inspirieren, streicht an. Geht zum ersten Kapitel zurück.

Solche Bücher sind nicht dafür geschaffen, am Stück gelesen zu werden. Sie begleiten einen über Jahre hinweg,

Annette Oelkers Annäherung an das Dao ist so ein Buch. Sie versucht, die 81 Lehrsätze vom Poetischen in den praktischen Lebensalltag zu übertragen.

Versucht? Sie macht es.

Jedes Kapitel besteht aus dem Sinnspruch und einer Erläuterung, die, ausgehend vom philospphischen und geschichtlichen Hintergrund, in unserer Zeit und unserem Alltag landet. Das Kapitel endet mit einer Affirmation, die den Sinngehalt noch einmal zusammenfasst.

Gerade diese Affirmationen sorgen bei mir für Reibung, für Nachdenken. Sehr häufig ist mein erster Gedanke ein „Ja, aber“: das ist doch nicht alles, in dem Sinnspruch steckt doch noch viel mehr. Natürlich – und schon bin ich mitten drin und erarbeite mir den Sinnspruch selbst. Kein Wunder, dass ich das Gefühl habe, das ich dieses Buch niemals zu Ende zu lesen werde!

Sollte ich es jemals zu Ende gelesen im Sinne von ausgelesen und verstanden haben, beginne ich von vorne und vergleiche es mit Wayne Dyers Annäherung an das Dao, das bei ihm ein Tao ist: Ändere deine Gedanken – und dein Leben ändert sich: Die lebendige Weisheit des Tao. Auch dieses Buch hat mich lange begleitet.

Jetzt gibt es aber im virtuellen Blogger-Büro einen Stapel Bücher namens „Ausgelesen – wird besprochen“. Auf diesem Stapel landen solche Bücher nie. Das ist nicht fair und wurde hiermit von mir geändert.


Angaben zum Buch:

Laozi
Annette Oelkers

Das Dao leben
Das Daodejing heute

Verlag Ryvellus

Leseprobe beim Verlag 


Bewusstes Leben – Ratgeber und Sachbücher. Rezensionen auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Aus der Yoga-Praxis gefallen. Und nun?

Yoga Asanas Buch von Barbara Kündig

Ich bin aus meiner Yoga Praxis gefallen, so gründlich und so lange wie noch nie. Ich weiß auch, wie es dazu kam, und dass es mir nicht gut tut. Steifheit macht sich breit, Körperspannung lässt sichtbar nach, Nackenschmerzen breiten sich entlang der Wirbelsäule weiter aus. Ich weiß, dass eine regelmäßige Yoga Praxis all das beenden würde.

Was ich nicht weiß ist, wie ich wieder zurück auf die Matte finde. Das Anfangen habe ich verlernt, beim Üben bin ich aus der Übung. Das einfach machen will mir nicht gelingen.

Also probiere ich es mit dem einfach lesen, auch wenn dieser Kobold in mir sagt, dass ich mittlerweile mehr Yoga gelesen als praktiziert habe. Ich ignoriere die Stimme so gut, wie es geht, und hoffe auf die Kraft des richtigen Buchs zur richtigen Zeit.

Yoga Asanas von Barbara Kündig könnten das passende Buch für mich sein. Barbara Kündig, deren Yoga Nidra Buch mit CD ich schon sehr schätze, konzentriert sich diesmal auf den „Gehalt“ der Asanas. Unterstützt wird sie dabei von Gertrud Hirschi, deren Bücher und Karten-Sets mich schon lange begleiten.

Gehalt der Asanas – wie ist das zu verstehen? Mit Gehalt meine ich die ursprüngliche Kraft, die jeder Asana inne wohnt; die Emotion, die Symbolik, die Inspiration. Das, was man findet, wenn man Körper und Atem in den Yogahaltungen verbindet.

In dem Buch geht es weniger um Übungsfolgen, auch wenn dafür schöne Vorschläge gemacht werden. Jetzt, zu meiner Situation, passen die Folgen, die aus jeweils nur drei Asanas bestehen. Drei Asanas, das klingt für mich machbar, auch jetzt, da mich meine Yogamatte immer wieder abwirft. Drei Asanas – dafür muss ich noch nicht mal die Matte ausrollen, dafür genügt der Teppich. Die drei Asanas und ich, wir haben jetzt einen Deal.

Doch das Buch bewirkt bei mir noch mehr. Beim Lesen erinnere ich mich an vergangene Yoga-Erlebnisse. Diese Erinnerung entsteht nicht im Kopf-Gedächtnis, sie ist im Körper verankert. Ich strecke mich, atme tiefer. Finde zurück zum Yoga im Alltag. Hier eine kleine seitliche Drehung der Wirbelsäule, dort ein ruhiges Innehalten. Es kommt, es wächst. Es wird.


Mehr Infos zum Buch:

Barbara Kündig

Yoga Asanas für mehr Leichtigkeit und Lebensfreude

Windpferd Verlag

ISBN 978-3-86410-108-3

Von der gleichen Autorin und ebenfalls sehr zu empfehlen: Yoga Nidra – Die Perle der Tiefenentspannung. Buch mit CD.


Mehr Rezensionen zu Yoga-Büchern findet Ihr hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


 

Einfach Räuchern – hilft auch gegen Schnaken

Buch Einfach Räuchern von Susanne Berk

Derzeit betreibe ich das Räuchern sehr pragmatisch: mehr Rauch bedeutet weniger Schnaken um mich. Das ist in diesem Jahr in einem Garten, der in der Rheinebene liegt, sehr wichtig. Die vielen Hochwasser boten den Schnaken perfekte Bedingungen und erschwerten der Schnakenbekämpfung KABS die Arbeit.

Das ist wahrscheinlich der einzige Räucheranlass, der in dem Buch von Susanne Berk nicht vorkommt. Räuchern für das eigene Wohlbefinden, für Seelenfrieden, Harmonie und Konzentration und Räuchern, um mit feinstofflichen Kräften in Kontakt zu treten – das sind ihre Themen.

Diese Möglichkeiten erklärt sie auf 112 Seiten sehr schlüssig und informativ, aber doch immer sehr persönlich. Trotz des enormen Detailwissens, das Susanne Berk in ihr Buch gepackt hat, wirkt dieses Büchlein für mich wie eine gute Freundin, die mich im lockeren Gespräch an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lässt.

Ein Räucherstäbchen anzuzünden ist die einfachste Art zu Räuchern und für viele der Einstieg in das Thema. Auch das berücksichtigt Susanne Berk. Ein ganzes Kapitel in dem Buch widmet sich dem Thema Räucherstäbchen und vor allen Dingen der Frage, was ein gutes Räucherstäbchen ausmacht. Bekommt man vom Rauch Kopfschmerzen, dann liegt das meist an synthetischen Stoffen und schlechter Verarbeitung. Oder daran, dass man mal wieder lüften sollte – aber aufpassen, dass keine Schnaken reinkommen!

Hier findet Ihr noch mehr Buch-Tipps zum Thema Räuchern mit Kräutern und Harzen


Angaben zum Buch:

Susanne Berk

Einfach räuchern
Anwendung, Wirkung und Rituale

Koha kompakt

Koha Verlag
ISBN 978-3-86728-201-7


 Apropos Schnaken und Stechmücken: Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten und wie sie weitergehen kann

 

Ruhe im Kopf: Schluss mit dem Dauerdenken

Ratgeber Newbigging Ruhe im Kopf

Eigentlich würde ich leidenschaftlich gerne über Jetzt! von Eckhart Tolle bloggen. Das Buch habe ich auf einer langen Zugfahrt nach Berlin in einem Rutsch durchgelesen, entgegen der Empfehlung des Autors, der dazu rät, nach jedem der kurzen Kapitel eine angemessene Pause zu machen.

Seit jener Zugfahrt habe ich immer wieder darin gelesen. Doch jedesmal, wenn ich versuche, meinen Weg mit Jetzt! in Worte zu fassen, stolpere und scheitere ich. Zu dicht, zu intensiv, zu … zu alles.

Wie Beavis und Butthead in seligen MTV-Zeiten möchte ich mich auf die Knie werfen und I’m not worth it! ausrufen.

Über Eckhard Tolle werde ich also vorläufig nicht bloggen. Macht nichts, dann blogge ich eben über Sandy C. Newbigging und sein neues Buch Ruhe im Kopf, der damit sozusagen das Jetzt! in leicht anbietet – handhabbar, motivierend, machbar. Das ist seine Stärke, die mir schon in Mind Detox angenehm aufgefallen ist.

Dauerdenken, dauerbewerten, nicht zur Ruhe kommen, nie zufrieden sein – dabei haben wir immer noch die Ahnung in uns, dass das nicht so sein muss. Wie gerne würde ich durch den Wald spazieren und einfach nur laufen und atmen. Einen Baum anschauen, ohne mich daran zu erinnern, was ich mir alles über Forstwirtschaft und Waldgesundheit angelesen habe.

Einatmen, ausatmen, fokussieren. Die Techniken sind wohlbekannt, Übung macht den Meister, Wissen auffrischen tut gut. Genau dafür ist Sandy Newbigging der richtige Autor für mich. Auffrischen: Einatmen, ausatmen. So einfach.

Und schon denke ich wieder darüber nach, ob ich nicht vielleicht doch ein paar passende Worte zu Tolle finden könnte …

Ruhe im Kopf. Das wäre fein. Ich glaube, Tolle bleibt bis auf weiteres für mich unbloggbar und ich verweile lieber noch ein wenig bei dieser Lektüre.


Infos zu den Büchern:

Sandy C. Newbigging

Ruhe im Kopf
Schluss mit dem Dauerdenken

Koha Verlag
Auch empfehlenswert: Sandy C. Newbigging „Mind detox“ – meine Rezension

Eckhart Tolle – Jetzt! hat sogar einen Eintrag bei Wikipedia


Yoga ist …

was ist yoga für Dic
Was ist Yoga für Dich? Ein perfekter Moment im Jetzt. Übung im Scheitern. Gelassenheit. Atmen.

Was ist Yoga für Dich? Diese Frage wurde auf Facebook zu mir herangespült.

Die Antwort auf diese Frage ändert sich alle paar Jahre.

Beginnen wir mit dem Anfang: wie habe ich Yoga eigentlich für mich entdeckt?

Nicht verwunderlich, dass bei mir der Erstkontakt mit Yoga durch ein Buch ausgelöst wurde.

Ende der 80er Jahre machte ich meine Ausbildung zur Buchhändlerin. Dort bei Kober in N2 in Mannheim fand ich in der Abteilung Östliche Lehren dieses Buch: „Yoga für alle Lebensstufen in Bildern„. Herausgegeben vom Sivananda Yoga Zentrum; erschienen bei Gräfe und Unzer in der Reihe Naturgemäß leben.

Bücher lesen war mir schon immer wichtiger als Bücher besitzen, aber dieses musste ich haben. Zu diesem Zeitpunkt war Yoga für mich eine exotische und faszinierende Kunst. Ich experimentierte immer mal wieder zu Hause mit den Übungen aus dem Buch und merkte, dass ich mir das nicht alleine beibringen kann.

Daraufhin passierte jahrelang nichts.

Was ist Yoga für Dich? Kein Sport.

Gut 10 Jahre später, ich war immer noch Buchhändlerin, wurde es dann höchste Zeit, etwas für meinen Rücken zu tun. Aber bloß kein Sport! Ich meldete mich zusammen mit Kolleginnen für einen Yoga-Kurs an, bekam den Muskelkater meines Lebens, war fasziniert und blieb dabei.

Die Frage Was ist Yoga für Dich? hätte ich in dieser Phase euphorisch-missionarisch beantwortet: das Beste was mir passieren konnte!

Tiefere Atmung, Gelassenheit, Beweglichkeit, Übung im Scheitern, eine bessere Verdauung, weniger Kopfschmerzen, Kontakt zu neuen Ansichten und Ideen und die Wiederentdeckung einer geradezu kindlichen Bewegungsfreude – all das brachte Yoga mir gleich in den ersten Monaten.

Noch einmal mehr als 10 Jahre später würde die Antwort gelassener ausfallen. Zudem verspüre ich manchmal das Bedürfnis, mich bei allen, denen ich mit meiner Euphorie für Yoga auf die Nerven gegangen bin, zu entschuldigen. Oder auch nicht – denn erstaunlich viele haben auf Grund meiner Euphorie dieses Yoga auch mal ausprobiert. Einige davon praktizieren heute mehr als ich.

Yoga ist immer noch ein fester Bestandteil meines Lebens. Doch 90 Minuten auspowern und hej, es muss doch möglich sein, den großen Zeh hinter das Ohr zu bekommen – das ist vorbei. Dafür schlafe ich auch bei der Meditation danach nicht mehr ein. Mein Yoga ist stiller geworden. Auch eine 10 minütige Praxis lasse ich heute als Yoga gelten, hoffe aber trotzdem, dass auch wieder andere Zeiten kommen.

Was also ist Yoga für mich? Wandel, Achtsamkeit und lebenslanges Lernen.

Gestellt wurde die Frage von Lina Zimmer. Auf ihrer Webseite findet Ihr noch mehr Antworten. (Website ist derzeit nicht erreichbar) Spannend zu sehen, wer eigentlich alles Yoga macht und warum!

Yoga ist … auch ein ganzer Stapel Bücher. Yoga lesen.

Und was ist Yoga für Euch?


Auch dieser Autor hat eine eigene Vorstellung von Yoga entwickelt. Sein Buch Office Yoga ist vielschichtiger, als der Titel vermuten lässt.

2016 – ruhig weitergehen

Mantra für 2016: ruhig weitergehen
Ruhig weitergehen. Schritt für Schritt.

Mein Mantra für 2016 lautet ruhig weitergehen. Natürlich gehört dazu eine Geschichte und damit ich diese Geschichte und das Mantra nicht vergesse, schreibe ich es hier auf.

In 2015 habe ich die Kunst, mir selbst im Weg zu stehen, verfeinert und weiterentwickelt. Aber das macht nichts, denn während ich mir da so im Weg rum stand, konnte ich mich in Ruhe betrachten und besser kennenlernen. So war 2015 für mich nicht das allerbeste Jahr; aber es war so, wie es war, genau richtig.

Was war, was ist, wo soll es hingehen? Die Antworten auf solche Fragen finde ich da draußen, in der Natur. In diesem Fall bei einem Spaziergang durch die frostigen Rheinwiesen, am ersten kalten Tag des Winters. Tief durchatmen, zur Ruhe kommen, den Kopf leeren. Wo komme ich her, wo bin ich jetzt, wo soll die Reise hingehen?

Wenn ich zur Ruhe gekommen bin und die Fragen für mich geklärt habe, beginnt mein ganz persönliches Naturorakel. Ich legen einen Startpunkt fest – wenn ich auf den Weg zum See einbiege, wenn ich die Eiche passiere – und ein Ende. Was auch immer mir auf diesem klar benannten Abschnitt des Weges begegnet ist die Antwort auf meine Frage. Da gibt es kein Zögern, kein ach-lass-uns-die-Karten-noch-einmal-legen. Ein Versuch, fertig. Danke sagen und die Antworten des Orakels mit nach Hause nehmen.

Auf diesem Orakel-Spaziergang passierte erst einmal nichts. Dann kam er den Weg entlang: ein junger Rottweiler, lebensfroh, gutgelaunt, vor Kraft strotzend. Fest im Maul sein leuchtend gelbes Lieblingsspielzeug, einen Wurfring, den er wie einen Heiligenschein vor sich trug. Er war sich nicht sicher: stehen bleiben oder weitergehen? Da tönte es von hinten: „Ruhig weitergehen.“

Damit war alles gesagt. Dieser Satz wird mich durch 2016 begleiten. Ruhig weitergehen, immer in Bewegung bleiben, die Lebensfreude stets bei sich tragen. Meinen Füßen vertrauen. Alles da, alles vorhanden, alles gut.


Immer schön weitergehen: Stadtwandern!

Die Dinge besser hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe

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Ein guter Ort für Achtsamkeit – wirklich!

Manchmal hilft ein Buch, etwas zu benennen, was man selbst tut; etwas zu verstehen, was einem selbst wichtig ist, ohne das man hätte beschreiben können, warum. So ging es mir mit dem 53. Kapitel aus „Achtsam durch den Tag – 53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit.“

Im Wald den Müll anderer Leute aufzusammeln ist etwas, das ich schon länger tue. Ich habe das nie groß hinterfragt. Respekt vor der Natur, Achtung vor dem Leben, Schutz des Waldes, der für mich ein wichtiger Rückzugsort ist: es gibt viele gute Gründe dafür. Es ist einfach ein inneres Bedürfnis und nichts, worüber ich groß nachgedacht habe. Mit so einem großen Satz wie „Die Dinge besser hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe“ hätte ich es nie umschrieben.

Mehr Gedanken hatte ich mir um eine andere Angewohnheit von mir gemacht, etwas, dass ich eher als Marotte bezeichnet hätte.

Irgendwann habe ich mir angewöhnt, auf öffentlichen Toiletten aufzuräumen. Nichts großes – Papier nachlegen, das Waschbecken trocken wischen. Auch das war mir ein Bedürfnis, ohne das ich hätte sagen können, was und warum ich da eigentlich tue.

Genau diese, mir seltsam vorkommende Angewohnheit, wird von Jan Chozen Bays als gute Möglichkeit bezeichnet, mehr Achtsamkeit in das eigene Leben zu bringen.

Das soll eine Achtsamkeitsübung sein? Wirklich?

Wenn Sie diese Übung praktizieren, sind Sie vielleicht anfangs verwirrt, wenn Sie sehen, wieviel verbessert werden könnte. Soll ich etwa allen Abfall auf dem Gehsteig aufheben? Und was ist mit der Straße oder dem Park? Wo höre ich auf?

Die beste Arena für diese Übung ist ganz alltäglich und eng begrenzt und betrifft all die kleinen Dinge, die wir tun können …
S. 205

Jede ihrer Übungen beginnt ganz einfach und erfährt dann eine Vertiefung, die diese alltägliche Handlung in einem ganz neuen Kontext präsentiert. Dieses Aufräumen ist nichts weiter als das Lächeln, mit dem ich eh schon immer versuche durch die Welt zu gehen, in Taten umzusetzen.

Ich hätte es für mich nie in Zusammenhang mit dem Konzept der Achtsamkeit gesetzt!

„Achtsam durch den Tag – 53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit.“ ist wirklich ein bemerkenswertes Buch, dass so ganz anders daher kommt als alle anderen Achtsamkeitsratgeber, die ich bisher gelesen habe. Deswegen ist es auch das erste Buch, zu dem ich gleich zwei Beiträge veröffentliche. Meine erste Rezension findet ihr hier.


Achtsam durch den Tag - Ratgeber mit 53 Übungen

Weitere Angaben zum Ratgeber:

Jan Chozen Bays

Übersetzt von Stephan Schuhmacher

Achtsam durch den Tag
53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit

Windpferd Verlag
ISBN  978-3-86410-024-6

Eine weitere Rezension findet Ihr bei Rezension.org


 Ein Ratgeber, der bestens dazu passt: Das Achtsamkeits-Übungsbuch

 

 

 

Achtsam durch den Tag – 53 Übungen

Achtsam durch den Tag - Ratgeber mit 53 Übungen

Warum liest Du eigentlich schon wieder ein Buch zum Thema Achtsamkeit? war die durchaus berechtigte Frage einer lieben Freundin. Drauf gibt es zwei Antworten. Erstens bedeutet Achtsamkeit lebenslanges Üben. Da ist es von Vorteil, sein Wissen immer mal wieder aufzufrischen und sich neue Anregungen und Impulse zu besorgen.

Zweitens ist dieses Buch anders, ganz anders als alle Achtsamkeitsratgeber, die ich bisher gelesen habe.

Wie bringe ich, jetzt, da ich weiß wie ich auf meinen Atem und meine Körperwahrnehmungen achten kann, Achtsamkeit in meinen Alltag? Wann ist der passende Moment, meinen Atem zu beobachten? Und vor allen Dingen: was habe ich davon?

Genau hier setzt das Buch „Achtsam durch den Tag“ an. Die Übungen bestehen meist aus minimalen Verhaltensänderungen, die eine kleine Irritation auslösen. Dieser kleine Moment genügt. Etwas im gewohnten Ablauf ist anders und schon achte ich mehr als sonst auf das, was ich tue. Möglichkeiten dafür bietet unser Alltag reichlich: nicht gleich ans Telefon gehen, sondern erst drei tiefe Atemzüge nehmen, einen Tag lang die nicht-dominante Hand benutzen oder ganz bewusst den Moment auf der Türschwelle wahrnehmen, wenn ich von einem Raum in den anderen wechsle.

Solche Vorschläge findet man auch in anderen Ratgebern, wenn auch bei weitem nicht so viele wie in „Achtsam durch den Tag“. Das Besondere liegt in den Kapiteln verborgen, die die Autorin als Vertiefungen bezeichnet. Hier berichtet sie ganz offen, was sie selbst und was ihre Schüler mit diesen Übungen erlebt haben. Ganz besonderen Wert legt sie auf das, was erst wie ein Misserfolg wirkt und dann doch zu Erkenntnisgewinn geführt hat. Das ist erfrischend und tröstlich zu gleich.

Übrigens ist auch dieses Buch für mich ein typisches Windpferd-Buch, also eines, das ganz schlicht daher kommt und mich lange, sehr lange beschäftigen wird.


Informationen zum Buch:

Jan Chozen Bays

Achtsam durch den Tag
53 federleichte Übungen zur Schulung der Achtsamkeit

Windpferd Verlag
ISBN  978-3-86410-024-6

Wie es mir mit dem Buch und insbesondere mit einer konkreten Achtsamkeitsübung ergangen ist, darüber schreibe ich hier: Die Dinge besser hinterlassen, als ich sie vorgefunden habe.


Wo seid ihr? Buch-Blogs für Sachbücher und Ratgeber gesucht

Lost - GeschichtenAgentin sucht Blogger Bewusstes Leben

Manchmal, aber nur manchmal, fühlt sich die GeschichtenAgentin sehr, sehr einsam. Umgeben von vielen Buch-Blogger*innen, die ganz wunderbar über Fantasy, All-Age-Romane, Krimis oder „echte“ Literatur schreiben, steht sie still da und grübelt. Und beginnt zu suchen.

Welcher Blogger hat denn noch „Die Kuh, die weinte“ verrissen … ähem … rezensiert? Berichtet nicht noch jemand über DAS ultimative Yoga-Buch, das ihn seit Jahren begleitet? Wer hat versucht, Übungen aus Achtsamkeits-Ratgebern umzusetzen und bloggt genauso ehrlich über seine Erfolge wie über sein Scheitern?

Es muss mehr von Euch geben als ich bisher gefunden habe! Oder lest Ihr wirklich alle nur Romane, keine Sachbücher und keine Ratgeber? Bewusster Leben, Ratgeber, Sachbücher – wer bloggt über Bücher zu diesen Themen?

Warum über Sachbücher und Ratgeber bloggen eine persönliche Angelegenheit ist

Nichts gegen Romane. Sie sind schön, machen Spaß und wenn sie klug sind, beschäftigen sie auch das Hirn und erweitern den Horizont. Doch es gibt Roman-Lese-Tage und Sachbuch-Lese-Tage. Bei mir überwiegt seit Jahren schon letzteres. Warum das so ist, weiß ich nicht.

Anfangs fiel es mir nicht leicht, über Sachbücher zu bloggen. Das Buch wurde von einem Fachmann geschrieben, ich bin bestenfalls interessierter Laie mit ordentlichen Vorkenntnissen. Kann ich dem Buch überhaupt gerecht werden, kann ich es beurteilen?

Ja klar kann ich das! Denn ich bin der Leser, für den das Buch geschrieben wurde. Selbst dann, wenn sich der Autor einen anderen Leser gewünscht hat und der Verlag eine andere Zielgruppe vor Augen hatte. Ich habe zu dem Buch gegriffen, weil es mich interessiert hat. Damit kommt durch mich das Buch in die Welt der Leser. Wie es mir wohl dort mit dem Buch ergangen ist? Genau diese Frage ist der Ausgangspunkt für meine Buchbesprechung.

Über Sachbuch und Ratgeber-Themen zu bloggen erfordert Mut. Wer gibt schon gerne zu, dass er gerade das dritte Meditationsbuch gekauft und gelesen hat, aber trotzdem höchsten alle 14 Tage meditiert, meist kurz vor dem Einschlafen? Eben, das ist nicht so einfach. Ein (Unterhaltungs)Roman ist da leichter abzuhandeln, hier kann man mit gutem Gewissen zugeben, das man bei der Lektüre eingeschlafen ist.

Dabei sind es ja gerade die persönlichen Erfahrungen mit dem Buch, die Verwurzelung des Buches in einem echten Leben, die die Buch-Blogs so interessant macht. Eckhart Tolles „JETZT“ lesen, berauscht und fasziniert sein und genau zu wissen, dass man es nicht wirklich verstanden hat, aber trotzdem bereit wäre, JETZT sein Leben zu ändern – darüber zu bloggen ist alles andere als einfach. Mir gelingt genau dieser Artikel jedoch schon seit Jahren nicht. Aber ich brauche ja auch noch Pläne für 2016. Mindestens.

Auf der Suche nach Gleichgesinnten: wo sind die Blogger*innen für diese Buch-Themen?

Einen Plan würde ich gerne noch dieses Jahr umsetzen: Ich würde gerne eine Blogroll starten. Jeder Blog, der gelegentlich Sachbücher und Ratgeber aus den Bereichen Neues Denken – Lebensführung – persönliche Weiterentwicklung – Bewusstes Leben – Minimalismus – Psychologie – Achtsamkeit und (tief durchatmen) Spiritualität bespricht, ist willkommen!

Zeigt Euch – am besten gleich hier in den Kommentaren!

Update September 2015:

In den Kommentaren kam die Anregung, doch eine Facebook-Gruppe zu gründen. Gute Idee, die ich nun umgesetzt habe.

Sachbuch & Ratgeber – Buchtipps und Rezensionen von Lesern und Bloggern
Alles Lesenswerte, was kein Roman ist – so könnte man das Motto dieser Gruppe zusammenfassen. Sachbücher, Fachbücher und Ratgeber aus allen, wirklich allen Themenbereichen, die von Euch gelesen und für gut befunden wurden: Biographien, Psychologie, Ernährung, Gesundheit, Sport, Lebensführung, Beruf, Gesellschaft, Politik, Reiseberichte, Tiere, Natur, Garten, Technik, Geschichte, Achtsamkeit, bewusstes Leben, DIY, Kreativität und und und …

Links auf Blogbeiträge sind in dieser Facebook-Gruppe willkommen!

Der Gesang des Windes – Rezension

Gesang des Windes - spiritueller Roman

Ein kluger alter Mann und ein leidenschaftlicher Jungspund gemeinsam auf der Suche nach den verborgenen Geheimnissen des Lebens und der Liebe, angesiedelt in einer unbestimmt orientalischen Atmosphäre, vollgespickt mit schönen und schlauen Sätzen, die hängenbleiben – so könnte ich „Der Gesang des Windes“ von Jill A. Moebius umschreiben.

Jill A. Moebius schreibt über das, was allen spirituellen Pfaden gemeinsam ist. Diese Stärke des Buches war für mich jedoch auch gleichzeitig seine Schwäche.

Ihr Roman spielt in einer Welt, die von allen religiösen und spirituellen Traditionen Farbe und Atmosphäre erhalten hat. Der Hirte Omar gehört zu einem nomadisch lebenden Wüstenvolk, kennt aber auch Städte und Dörfer und streift durch die Berge und bewaldete Flußtäler. Die Übungen und Meditationen, die sein Meister lehrt, enthalten genauso Sufi-Elemente wie Spuren von Yoga und anderen Traditionen.

Durch dieses Mosaik bekommt die Lehre zwar einen universellen Charakter, bleibt aber für mich an manchen Stellen etwas diffus. Mein Leserherz hätte sich manchmal eine eindeutigere Verwurzelung und griffigere Caharaktere gewünscht.

Die Lektüre war für mich ein Vergnügen, das häppchenweise genossen werden wollte. Gut drei Monate habe ich mit den 210 Seiten und Omar, dem jungen Hirten mit der leidenschaftlichen Sehnsucht im Herzen, verbracht. Eine angenehme (Lese)Zeit.

Folge der Stimme deines Herzens, erfahre die Stille und lebe im Einklang mit der Natur – das sind zeitlose Wahrheiten, die in schöner Atmosphäre präsentiert werden.

Liebe alles, was auf deinem Weg liegt – die Erde, die Felsen, die Blumen, die Bäume, das Brot in deiner Hand, den Menschen, der an dir vorbeigeht. Erlaube deinem Herzen, überzufließen und deine Liebe an alle zu verströmen. Das wird dir wahre Glückseligkeit und Frieden bringen.
Der Gesang des Windes – S. 195

#bookstagram Gesang des Windes

Bibliographische Informationen:

Jill A. Moebius

Der Gesang des Windes
Eine Parabel vom Leben und der Liebe

Via Nova Verlag



Was zu diesem Buchschatz passt? Dieser spirituelle Roman: Und du wirst den verborgenen Schatz in dir finden. Hier meine Rezension:

Weihnachten und der Fliegenpilz. Vielleicht eine wahre Geschichte.

Weihnachten Schamane Fliegenpilz Sachbuch

Eigentlich ist der Weihnachtsmann ein Fliegenpilz. Rote Jacke und die Schneeflocken als weiße Punkte – eindeutig ein Fliegenpilz. Oder?

Fliegenpilze wiederum sind eng mit den Schamanen verbunden. Also ist Weihnachten ein altes heidnisches Fest. Eindeutig.

„Abgründige Weihnachten – Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes“ von Christian Rätsch wirkt ein wenig, als hätte das Buch eigentlich viel länger sein sollen. Manche der logischen Herführungen muten arg verkürzt an und es wäre ein leichtes, sich in dieser Rezension über diese Lücken auszulassen.

Mache ich aber nicht, denn ich schätze das kreuz und quer denken von Christian Rätsch sehr. Wahrscheinlich sind die logischen Verkürzungen hauptsächlich der Art und Weise geschuldet, wie heute Bücher entstehen.

Der Weihnachtsbaum als Ygdrasil, die Weltenesche, ist ein durch und durch schamanischer Baum. Die Kerzen beschwören die Rückkehr der Sonne. Der Duft aus dem Räuchermännchen segnet und weiht den Baum. Äpfel, Nüsse und Lebkuchen sind Opfergaben und Fruchtbarkeitssymbole. Hinter der Maske des Weihnachtsmann schaut Wotan hervor. Die wilde Jagd in den Rauhnächten war ursprünglich segensreich, nicht furchteinflößend, und brachte Geschenke mit – genau wie der Weihnachtsmann, der eigentlich Wotan ist und die Wilde Jagd anführt. Der Fliegenpilz wurde zum Glückssymbol, weil er den Schamanen, also dem Weihnachtsmann, zu einer glücklichen Reise in die Anderswelt befähigte.

Weihnachtsbräuche und Überlieferungen gegen den Strich gebürstet – das macht Spaß zu lesen. Manches am Weihnachtsfest wird für mich dadurch auch greifbarer, nachvollziehbarer und vor allen Dingen: lebendiger.

Aber warum musste Christian Rätsch seine Überlegungen ausgerechnet am Fliegenpilz festmachen? In meinen Erinnerungen an die Weihnachten meiner Kindheit kommen keine Fliegenpilze vor.

Wie war das bei Euch?


Informationen zum Buch:

Christian Rätsch

Abgründige Weihnachten
Die wahre Geschichte eines ganz und gar unheiligen Festes

Riemann Verlag


Mehr Informationen zu Christian Rätsch:
Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen – meine Rezension 

Ich finde es wichtig, dass klar ist, dass die Christen uns Weihnachten versaut haben.“ Christian Rätsch im Interview auf Youtube.


Odin und die wilde Jagd, Orakel, Räuchern und Geister vertreiben:
die Rauhnächte hier auf meinem Blog.

Somatische Intelligenz: Mein Körper weiß, warum ich keine Tomaten mag

Somatische Intelligenz - Sachbuch Rezension

Ich mag keine Tomaten. Schon immer*. Wobei die pauschale Aussage, dass ich keine Tomaten mag, so nicht richtig ist. Tomatensuppe und Tomatensauce, die lange gekocht wurde, mag ich. Doch je roher die Tomate desto größer meine Abneigung.

Thomas Frankenbach rät mir mit seinem Buch „Somatische Intelligenz“ dazu, das zu akzeptieren. Tomaten enthalten fantastische Nährstoffe und sind gesund – aber eben nicht für jeden.

Wie alle Pflanzen enthalten Tomaten auch Stoffe, mit denen sie sich vor Fraßfeinden und Pilzkrankheiten schützen. Diese Inhaltsstoffe werden von Menschen vor allen Dingen roh unterschiedlich gut vertragen. Mir wird von Tomate schlecht.

Abscheu vor Tomaten – bei mir ein Warnsignal

Abscheu ist also nichts, was man überwinden soll. Viel klüger ist es, auf dieses Körpersignal zu hören und seiner somatischen Intelligenz zu vertrauen. Doch häufig geht das zarte Stimmchen der somatischen Intelligenz im Alltagstrubel unter oder kann sich gegen lautstark geäußerte Ernährungsweisheiten nicht durchsetzen. Rohkost, Vollkorn, selbst das berühmte „mindestens ein Apfel am Tag“: das kann, muss aber nicht gesund sein – zumindest nicht für jeden.

Widerwillen vor eine Speise ist jedoch nicht das einzige Warnsignal, das uns der Körper sendet. Auch beim oder nach dem Essen gibt es subtile Anzeichen, dass wir eine Speise schlecht vertragen. Wer lernt, (wieder) auf diese Zeichen zu hören, lebt gesünder. Und immunisiert sich zugleich gegen die Reden und Parolen von Ernährungspäpsten, Gesundheits-Gurus und Diät-Anbietern.

Auf den Körper hören – kann man das lernen?

Hören, was der Körper braucht und was ihm gut tut – wie kann man das schulen? Thomas Frankenbach bietet in seinem Buch „Somatische Intelligenz“ relativ wenige, dafür sehr gezielt ausgesuchte praktische Übungen an, von denen die meisten aus dem Bereich der Achtsamkeitspraxis stammen.

Die Stärke des Buches liegt in der Art und Weise, wie der Autor Zusammenhänge aufzeigt. Dabei vereinfacht er sicherlich manches, arbeitet dafür aber sehr gut heraus, was man selbst tun kann, um das zarte Stimmchen der eigenen somatischen Intelligenz in Zukunft besser wahrnehmen zu können. Erlernte Ernährungsweisheiten über Bord werfen, der eigenen Körperweisheit vertrauen und trotzdem wissen, wann es Zeit ist, zum Arzt zu gehen – das ist der angestrebte Idealzustand.

* „Kind, iss Spinat, dann bekommst Du Muskeln wie Popeye!“ Bestimmt hat jeder in seiner Kindheit Ratschläge zum Thema Essen gehört – insbesondere dann, wenn man etwas nicht essen wollte. Die Tomate dient mir hier als Beispiel, weil damit ein ganz besonderer Spruch aus meiner Kindheit verknüpft ist: „Wenn Du keine Tomaten isst, wird Dir nie ein Busen wachsen“. Danke Papa, dass Du meinen Widerspruchsgeist geschult hast 😉


Informationen zum Buch:

Thomas Frankenbach
Somatische Intelligenz
Hören, was der Körper braucht

Koha Verlag
ISBN 9783867282499


Bewusstes Leben – hier findet Ihr meine Buchtipps und Rezensionen.


Achtsame Ernährung – ein Buch-Tipp: