Aus der Yoga-Praxis gefallen. Und nun?

Yoga Asanas Buch von Barbara Kündig

Ich bin aus meiner Yoga Praxis gefallen, so gründlich und so lange wie noch nie. Ich weiß auch, wie es dazu kam, und dass es mir nicht gut tut. Steifheit macht sich breit, Körperspannung lässt sichtbar nach, Nackenschmerzen breiten sich entlang der Wirbelsäule weiter aus. Ich weiß, dass eine regelmäßige Yoga Praxis all das beenden würde.

Was ich nicht weiß ist, wie ich wieder zurück auf die Matte finde. Das Anfangen habe ich verlernt, beim Üben bin ich aus der Übung. Das einfach machen will mir nicht gelingen.

Also probiere ich es mit dem einfach lesen, auch wenn dieser Kobold in mir sagt, dass ich mittlerweile mehr Yoga gelesen als praktiziert habe. Ich ignoriere die Stimme so gut, wie es geht, und hoffe auf die Kraft des richtigen Buchs zur richtigen Zeit.

Yoga Asanas von Barbara Kündig könnten das passende Buch für mich sein. Barbara Kündig, deren Yoga Nidra Buch mit CD ich schon sehr schätze, konzentriert sich diesmal auf den „Gehalt“ der Asanas. Unterstützt wird sie dabei von Gertrud Hirschi, deren Bücher und Karten-Sets mich schon lange begleiten.

Gehalt der Asanas – wie ist das zu verstehen? Mit Gehalt meine ich die ursprüngliche Kraft, die jeder Asana inne wohnt; die Emotion, die Symbolik, die Inspiration. Das, was man findet, wenn man Körper und Atem in den Yogahaltungen verbindet.

In dem Buch geht es weniger um Übungsfolgen, auch wenn dafür schöne Vorschläge gemacht werden. Jetzt, zu meiner Situation, passen die Folgen, die aus jeweils nur drei Asanas bestehen. Drei Asanas, das klingt für mich machbar, auch jetzt, da mich meine Yogamatte immer wieder abwirft. Drei Asanas – dafür muss ich noch nicht mal die Matte ausrollen, dafür genügt der Teppich. Die drei Asanas und ich, wir haben jetzt einen Deal.

Doch das Buch bewirkt bei mir noch mehr. Beim Lesen erinnere ich mich an vergangene Yoga-Erlebnisse. Diese Erinnerung entsteht nicht im Kopf-Gedächtnis, sie ist im Körper verankert. Ich strecke mich, atme tiefer. Finde zurück zum Yoga im Alltag. Hier eine kleine seitliche Drehung der Wirbelsäule, dort ein ruhiges Innehalten. Es kommt, es wächst. Es wird.


Mehr Infos zum Buch:

Barbara Kündig

Yoga Asanas für mehr Leichtigkeit und Lebensfreude

Windpferd Verlag

ISBN 978-3-86410-108-3

Von der gleichen Autorin und ebenfalls sehr zu empfehlen: Yoga Nidra – Die Perle der Tiefenentspannung. Buch mit CD.


Mehr Rezensionen zu Yoga-Büchern findet Ihr hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


 

Einfach Räuchern – hilft auch gegen Schnaken

Buch Einfach Räuchern von Susanne Berk

Derzeit betreibe ich das Räuchern sehr pragmatisch: mehr Rauch bedeutet weniger Schnaken um mich. Das ist in diesem Jahr in einem Garten, der in der Rheinebene liegt, sehr wichtig. Die vielen Hochwasser boten den Schnaken perfekte Bedingungen und erschwerten der Schnakenbekämpfung KABS die Arbeit.

Das ist wahrscheinlich der einzige Räucheranlass, der in dem Buch von Susanne Berk nicht vorkommt. Räuchern für das eigene Wohlbefinden, für Seelenfrieden, Harmonie und Konzentration und Räuchern, um mit feinstofflichen Kräften in Kontakt zu treten – das sind ihre Themen.

Diese Möglichkeiten erklärt sie auf 112 Seiten sehr schlüssig und informativ, aber doch immer sehr persönlich. Trotz des enormen Detailwissens, das Susanne Berk in ihr Buch gepackt hat, wirkt dieses Büchlein für mich wie eine gute Freundin, die mich im lockeren Gespräch an ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz teilhaben lässt.

Ein Räucherstäbchen anzuzünden ist die einfachste Art zu Räuchern und für viele der Einstieg in das Thema. Auch das berücksichtigt Susanne Berk. Ein ganzes Kapitel in dem Buch widmet sich dem Thema Räucherstäbchen und vor allen Dingen der Frage, was ein gutes Räucherstäbchen ausmacht. Bekommt man vom Rauch Kopfschmerzen, dann liegt das meist an synthetischen Stoffen und schlechter Verarbeitung. Oder daran, dass man mal wieder lüften sollte – aber aufpassen, dass keine Schnaken reinkommen!

Hier findet Ihr noch mehr Buch-Tipps zum Thema Räuchern mit Kräutern und Harzen


Angaben zum Buch:

Susanne Berk

Einfach räuchern
Anwendung, Wirkung und Rituale

Koha kompakt

Koha Verlag
ISBN 978-3-86728-201-7


 Apropos Schnaken und Stechmücken: Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten und wie sie weitergehen kann

 

Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Marcus, Greil: Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

Das Anliegen von Greil Marcus ist klar: es ist der Song, der zählt.

Nicht die Musikgeschichte, nicht die Wirkungsgeschichte und der Chart-Erfolg schon mal gar nicht. Hat der Song mehr als dieses gewisse Etwas? Hat er den richtigen Wumms? Führt er ein Eigenleben durch die Jahrzehnte hindurch?

Dann könnte es sich um einen jener Rock’n’Roll Songs handeln, die ein eigenes Energiezentrum darstellen. Songs, die nicht vom Künstler erschaffen wurden, sondern die sich einen Künstler gesucht haben, um hinaus in die Welt zu kommen. Transmission von Joy Divison ist ein solcher Song (mehr Gedanken zur Band Joy Division hier auf meinem Blog).

Doch dafür, dass der Song wichtiger ist als die Musikgeschichte, findet sich in dem Buch „Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs“ sehr viel zur Musikgeschichte. Für meinen Geschmack zuviel, zu wild und zu intuitiv verknüpft.

Weil es über die Band einen Musikfilm gibt und der Hauptdarsteller in einem anderen Film mitgespielt hat, in dem die Schlüsselszene von einem Song unterlegt wird, der sich auf ein Buch bezieht, das eine ähnliche Stimmung hat wie der größte Hit der Vorläuferband des Sängers …

Lektüre abgebrochen. Greil Marcus weiß alles über den einzelnen Song und seinen Kontext, aber er scheint sich wenig Gedanken über seine Leser und die Vorbildung, die diese mitbringen könnten, zu machen.


Bibliographische Angaben:

Greil Marcus

Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Übersetzt von Fritz Schneider

Reclam Verlag

ISBN: 978-3-15-011015-7 


Musikbücher, die mir besser gefallen haben, findet ihr in dieser Rubrik auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin: Musik – Gelesenes und Gehörtes


Hat mir deutlich mehr Spaß gemacht: On the wild side. Die wahre Geschichte der Popmusik von Martin Büsser. Hier meine Rezension:

In 33 Bieren durch Franken

Führer Biere FrankenKöstlich amüsiert habe ich mich bei der Lektüre von „33 Biere. Eine Reise durch Franken“. So köstlich amüsiert, dass es mir egal war, dass ich während des Lesens kein frisch gezapftes fränkisches Bier zur Hand hatte. Der Notvorrat an Flaschenbieren, den ich aus dem Urlaub in Franken mitgebracht hatte, schwand jedoch dahin.

Aber Anders Möhl und Elmar Tannert erzählen, schwadronieren und informieren ja nicht nur über das Bier aus Franken. Wer so viel Bier trinkt – alles nur zum hehren Zwecke der Recherche versteht sich – braucht auch etwas zu essen dazu. Nur etwas, im Sinne von Kleinigkeit, gibt es in Franken nicht. Neumodische Sitten, das war noch nie so, wo kämen wir da hin. Die Frage, ab welchem Alter man eigentlich einen Seniorenteller bestellen darf, wird leider auch diesmal nicht geklärt. Bleibt als Alternative eine Portion Zwetschgenbammes zu zweit zu bestellen und so dem Karpfen zu entgehen:

Der Karpfen spaltet das fränkische Volk in Liebhaber und Hasser – die ihn gerne auch Schlickwasserschweinebraten – sowie eine unbedeutende Minderheit, der er einfach egal ist. … Dieser Fisch indes versucht, mit allen Mitteln dem Verzehr zu entgehen. Er gründelt in modrigen Schlammgewässern in der Hoffnung, damit als ungenießbar zu gelten. Desweiteren wehrt er sich durch hauchdünne, nadelspitze Gabelgräten.
S. 82 – 33 Biere. Eine Reise durch Franken.

Die 33 Biere, auf die sich die Autoren nach vielen Ausflügen, Verkostungen und Abenteuer mit dem öffentlichen Nahverkehr schließlich einigen, sind natürlich eine völlig subjektive, aber dennoch gut begründete Auswahl. Ich kannte genau eines davon. Und ja, sie haben Recht! So sehr Recht, dass ich die anderen 32 Biere auch probieren möchte.

Dafür würde ich, zumindest für die Dauer des Franken-Urlaubs, auf Craft-Beer verzichten. Ein Franke braucht kein Craft Beer, denn gefühlt hat jedes fränkische Dorf noch seinen eigenen Gasthof mit Brauerei und ganz sicher hat jedes fränkische Bier seinen ganz eigenen Geschmack. Craft Beer ist nur was für arme Großstadt-Kinder wie mich, die sonst nie an vernünftiges Bier kämen.

… aber die meisten Frauen denken nur, dass sie kein Bier mögen, weil ihnen das von irgendwelchen Männern eingeredet wird, die jemanden brauchen, der sie nach Hause fährt, wenn sie betrunken sind. … Ich entgehe dieser Gefahr, indem ich gleich mehrere Tatbestände vortäusche: Ich erzähle von tragischen Autounfällen meiner Vergangenhiet … Ich lasse mich ab Einbruch der Dunkelheit an der Hand führen …
S. 90 Claudia Schulz, Die Frau des Bierpapstes in „33 Biere. Eine Reise durch Franken“

Angaben zum Buch:

Anders Möhl
Elmar Tannert

33 Biere
Eine Reise durch Franken

Ars Vivendi Verlag
ISBN 978-3-86913-641-7

Das könnte Dich auch interessieren: Ganz Franken ein einziger Brauereigasthof? Oder was man sonst im Urlaub bei Graupelschauern in Franken machen kann.

Psychologie der Kunst: Wodurch Bilder wirken

Psychologie der Kunst - Sachbuch

Was will uns das Lächeln der Mona Lisa sagen und lächelt sie überhaupt? Ich hatte geahnt, dass sich darüber schon viele Menschen Gedanken gemacht hatten und hatte das bisher einfach ignoriert. Wie ich anscheinend überhaupt in den über 40 Jahren, die ich mir nun schon bewusst Kunst anschaue, vieles ignoriert habe.

Psychologie der Kunst? Dieses Themengebiet war mir neu.

Ob die Mona Lisa nun lächelt wird auch dieses Mal nicht endgültig geklärt. Doch den Exkurs über das Lächeln in der Kunstgeschichte – tendenziell eine Erfindung der Neuzeit – fand ich hochinteressant. Auf Bildern gelächelt haben früher fast nur Madonnen. Warum das so ist und was ein Lächeln beim Betrachter auslöst – das zu erkunden, lädt das Buch ein.

Es ist ein Studienbuch, ein Sich-Gedanken-mach-Buch. Eines, das Anregungen gibt, Querverbindungen herstellt und den Stand der Forschung zusammenfasst. Jedes Kapitel endet mit der Aufforderung zu praktischen Übungen.

Was empfinden wir überhaupt als schön? Muster, Farbigkeit, Rhythmus und Wiederholung spielen hier eine große Rolle. Das wiederum erklärt, warum auch Menschen, die keine moderne Kunst mögen, sich eher mit Mondrian als mit Pollock anfreunden können.

Wie verhalten sich Besucher in Ausstellungen? Männer anders als Frauen. Wie lange schauen sie sich Bilder an? Erschreckend kurz. Auch dazu gibt es Forschungen und auch das ist ein Teilgebiet der Kunstpsychologie.

Warum sammeln Menschen Kunst? Statussymbol, Glücksgefühle – was ist wirklich entscheidend? Kunst von Geisteskranken oder zustandsgebundene Kunst – welcher Ausdruck ist nun passender? Und kann Kunst eine Therapie ersetzen? Wenn ja – für den Künstler oder für den Betrachter?

Ich mag die Herangehensweise des Buches. Viele Fragen, viele Anregungen, viele Querverbindungen und viel Raum zum eigenen Erkunden.


Weitere Angaben zum Buch:

Martin Schuster
Manfred Koch-Hillebrecht

Wodurch Bilder wirken
Psychologie der Kunst

Neuauflage 2016

Dumont Buchverlag
ISBN 978-3-8321-6345-7

Lieber Dumont Verlag – danke für das Rezensionsexemplar!


Weitere Buchempfehlungen auf meinem Blog:

Übungen, sich Kunst mit wirklich offenem Geist anzuschauen, findet ihr in diesem Buch:

Fast pefrekt: warum die Suche nach Perfektion Langeweile auslöst

Sachbuch Perfektionismus: Fast pefrekt

Fast pefrekt. Kein Tippfehler, sondern eine Lebenseinstellung. Wobei damit etwas anderes als „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“ gemeint ist.

Fast pefrekt lädt zum lustvollen Scheitern ein. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur aus Misserfolgen wirklich Kreatives entstehen kann. Irgendwann. Nach vielen missglückten Anläufen. Nur, wer nimmt sich die Zeit für diese Umwege?

Wer Perfektion anstrebt neigt dazu, nachzuahmen, was schon existiert. Eine bestehende Meßlatte wird übertragen. Wie soll da Neues entstehen? Und wo bleibt der Spaß, der Spieltrieb, das lustvolle Ausprobieren?

Ausprobieren beinhaltet nun mal Scheitern. Das muss man aushalten können. Eric Kessels motiviert, in dem er den Blick auf das Unerwartete, das Schöne, das Geniale lenkt, das nur durch Ausprobieren und den Maßstäben nicht genügen entstehen kann – zB. wenn beim Fotografieren der Finger vor der Linse war.

Hätte ich raten sollen, welcher Verlag Fast pefrekt veröffentlicht hat, hätte ich sofort Hermann Schmitt geantwortet. Es ist aber Dumont. Das macht mich neugierig: planen die noch mehr in dieser Art?

Aber warum sind die Schwarz-Weiß-Fotos so pixelig? Gehört das so und ist Teil des Konzepts, den Leser zum Unperfekten zu ermutigen?

Ich sehe: fast pefrekt als Konzept lässt sich auch als Leser nicht von heute auf morgen umsetzen! Ich werde üben. Und das Buch einfach noch einmal lesen. Beim ersten Mal hatte ich nämlich keinen Stift für Anstreichungen zur Hand. Wie unperfekt von mir! Dabei ist es voll von Lieblingszitaten wie diesem hier:

Wenn Sie sich nicht mindestens einmal täglich wie ein Idiot fühlen, sollten Sie weniger arbeiten und mehr spielen.
Fast pefrekt – S. 129

Fast pefrekt Info
Fast pefrekt – Cover und Klappentext sind beim Buch vertauscht. Wieviele Menschen wohl das Buch deswegen umtauschen wollten?

Lieber Dumont Verlag – danke für das Rezensionsexemplar!


Angaben zum Sachbuch:

Erik Kessels

Übersetzt von Sofia Blind

FAST PEFREKT
Die Kunst, hemmungslos zu scheitern. Wie aus Fehlern Ideen entstehen.

Dumont Verlag


Das Perfekte ist der Feind des Guten. Befreien Sie sich von der Tyrannei der Perfektion!
S. 88


Perfekt unperfekte Sachbuch-Rezensionen auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Auch dieses Buch zeigt, dass perfekt nicht immer die beste Lösung ist: Perfekt. Glatt. Wirkungslos.
Was KI mit unserer Sprache macht und wie wir wieder wirksam kommunizieren.
Hier meine Rezension:

Herrn Knigge gefällt das! Handbuch für gute Manieren im Netz

Knigge Regeln für das Online Leben - Buch Cover

Social Media ist noch so neu, dass es ganz verständlich ist, dass wir erst lernen müssen, wie wir in diesem virtuellen Raum miteinander kommunizieren und umgehen.

Das habe ich selbst schon immer mal wieder gedacht und gesagt. Habe ich es geglaubt? Getröstet hat es mich auf jeden Fall. Plausibel klang es auch.

Herr Knigge würde das anders sehen. Er glaubt, dass man mit Anstand, Contenance und Respekt jede Situation meistern kann. Dabei ist es egal, ob man sich im Kindergarten, auf einem Gala-Dinner oder im Internet befindet. Es gibt Grundregeln, die immer und überall funktionieren.

Aus diesem Blickwinkel heraus behandelt das Buch Fragen des Online-Lebens: Was tue ich, wenn alle Online-Freunde um einen Promi trauern, der mir nichts bedeutet hat? Mich dezent zurückhalten natürlich und das Foto meiner Füße am Strand ein andermal posten. Ist es ok, wenn ich im Restaurant mein Essen poste? Frage die Anwesenden, beeil Dich und schau danach auf gar keinen Fall alle paar Minuten, wie viele Likes das Foto schon bei Instagram hat.

Einfach, oder? Bis hierhin ja. Könnte man meinen. Aber nur, solange man nicht parallel bei Facebook mitliest. Oder sich selbst bei einer Online-Unachtsamkeit ertappt.

Was das Buch „Herrn Knigge gefällt das!“ nicht bietet, sind konkrete Tipps zu Funktionen wie Facebook-Privatsphäre-Einstellungen. Das ist gut so, denn die wären bei Erscheinen schon wieder veraltet.

Dieser Knigge erinnert an das Gute im Menschen und ist fest davon überzeugt, dass wir uns nur nach diesen Grundregeln richten müssen, dann klappt das auch mit dem Online-Nachbarn.

Immer die falschen Menschen retweeten oder teilen die Inhalte, so dass die eigenen Gedanken bald vor einem gänzlich fremden Publikum bestehen müssen. Das berücksichtige man ewiglich.
S. 203

Also doch alles ganz einfach. Und Spaß macht die Lektüre auch noch.


 Lieber Atlantik Verlag: Danke für das Rezensionsexemplar!

Angaben zum Buch (oder besser: Büchlein):

Max Scharnigg

Herrn Knigge gefällt das!
Das Handbuch für gute Manieren im Netz

Atlantik Verlag

Aus dem Klappentext:
„Die digitale Welt stellt lauter wichtige Fragen: Ist es okay, auf Facebook zum Geburtstag zu gratulieren? Muss ich immer liken, wenn die beste Freundin ihre Füße postet? Höchste Zeit für ein paar Antworten, die auch dem Freiherrn von Knigge gefallen hätten.“


Was wohl Herr Knigge zur Selfie-Flut sagen würde? Dieses Ratgeber zeigt, wie man wirklich gute Selfies macht – und damit sind richtige Selbstporträts gemeint, keine schnellen Schnappschüsse: Advanced Selfie.


 

Willkommen in Night Vale: wenn eine Dusche den Glauben an ihren Menschen verliert

Willkommen in Night Vale - skurrile Urban Fantasy

Ich mag das Buch. Andere Leser haben Willkommen in Night Vale abgebrochen, blieben ratlos zurück oder waren begeistert. Bei mir zeichnete sich bereits nach 7 von 50 Kapiteln ein Mögen ab.

Ein so sehr mögen, dass ich andere Bücher – so ungefähr 10 an der Zahl – zur Seite gelegt habe.

Es ist ein warmes Mögen. So, wie man einen guten Freund mag, der für ein Hobby erstaunlich talentiert ist, das man selbst ein ganz klein wenig seltsam findet. Geocaching vielleicht, fotografieren mit abgelaufenen verranzten Filmen oder Indie-Musik sammeln und bewerten wie ein manisches Eichhörnchen.

So ein warmes Gefühl löst Willkommen in Night Vale mit seiner Seltsamkeit bei mir aus.

Das liegt an Passagen wie dieser hier:

In Catherines Büro gab es zwei Pflanzen, drei Stühle, zwei Tische, eine Kiste, sechs private Fotos in Stehrahmen, an der Wand eines von diesen klischeehaften Motivationspostern, auf dem zwei Krähen einer Waldkatze die Eingeweide herausreißen, und darunter die kitschige Zeile „Ohne Unterlass musst du den Blick zur Sonne richten.“
Seite 48

Nicht, dass diese Beschreibung wirklich für die Handlung wichtig wäre. Sie bietet einfachen einen Blick auf die Realität in dieser Kleinstadt. Hier haben auch Häuser Gedanken, die sie ihren Bewohnern im Schlaf oder morgens unter der Dusche einflüstern. Manchmal verliert aber auch eine Dusche ihren Glauben an ihren Menschen.

Ich glaube, meine Dusche kann das verstehen.

Ja aber, hat Willkommen in Night Vale auch eine Handlung?

Im letzten Drittel, nach der Begegnung mit den rosa Flamingos, die so gerne auf ihren 6 Beinen in der Wüste stehen und ihre Doppelschnäbel wetzen, ergibt auch alles einen Sinn. Dann ist dieser Wahnwitz namens Willkommen in Nightvale ein Buch über das Erwachsenwerden und darüber, in was für einer Welt wir leben könnten, wenn Väter ihren Job machen würden und sich um ihre Familie kümmern würden.

Das Ergebnis ist gut. Dafür hat es sich gelohnt, dass die beiden Heldinnen sich den Bibliothekaren gestellt  haben, die so gerne in der Nähe der schöngeistigen Literatur lauern und ihre Tentakel nach Besuchern ausstrecken.

Buchstapel, Willkommen in Night Vale ganz oben
Ganz oben: Willkommen in Night Vale auf dem Pocketbook Reader. Alle anderen Bücher mussten warten.

Infos zum Buch:

Joseph Fink und Jeffrey Cranor
Willkommen in Night Vale

Webseite zum Buch

Klett Cotta Verlag


Was könnte zu diesem Roman passen? Am besten schräge Phantastik. Zum Beispiel Space Opera, dass ich hier auch meinem Buchblog besprochen habe:

Feuerstimmen und meine ganz eigenen Gründe, Fantasy zu lesen

Hardebusch Feuerstimmen Fantasy Roman

Im Fantasy-Roman „Feuerstimmen“ begegnen dem Leser einige bemerkenswerte Sturköpfe. Zwei davon sind weiblich.

Genau das könnte der Grund sein, warum ich so gerne Fantasy lese: Frauen können in diesem Genre wie in kaum einem anderen sein, was sie wollen. Sie müssen sich auch nicht auf nur eine Rolle beschränken.

Das gilt auch für Elena: Königin, Abenteurerin, Magierin und Kriegerin. Dazu kommt im Laufe der Handlung noch ein Talent, von dem sie selbst nichts geahnt hat. Da muss Aidan, der männliche Held, sich schon mit weniger begnügen. Immerhin wurde ihm auch die Rolle des Liebenden zugeteilt, die er ganz großartig ausfüllt.

Sein treuer Weggefährte Revus blieb jedoch ein wenig blass. Seine Motivation erschloss sich mir nicht. Überhaupt wurde einiges für mich zu wenig ausgeführt. Doch wäre das anders, hätten keine 488 Seiten genügt. Passt also alles für mich, denn ich bin dankbar, dass ich nicht aus Versehen* eine neue Trilogie begonnen habe. Ein Buch und gut: perfekt.

Aus meiner Sicht hätte man straffen können; aber meine Sicht ist auch eine sehr spezielle. Ich brauche diese ganzen Schwertkämpfe, Hinterhalte und Schlachten nicht. Mit Hilfe dieser Szenen habe ich schon als Schülerin beim Herrn der Ringe meine Fähigkeit des schnellen Querlesens und Überfliegens trainiert. Davon profitiere ich heute noch.

Was mich an Feuerstimmen wirklich beeindruckt hat ist der Schöpfungsmythos. Vier Drachen wie die vier Elemente und ein fünfter, der meint, außerhalb zu stehen und doch der ist, der die vier erst begreifbar macht. Was trägt ein Zuschauer zum Geschehen bei? Was geschieht, wenn er nicht über das Geschehene erzählen oder – wie in dieser Geschichte – singen würde? Wäre die Welt dann nur eine andere oder wäre sie gar nicht?

Zum Glück ist dieser Blog Beitrag keine Amazon Rezension, denn dann würdet ihr jetzt durchaus zu Recht auf nicht hilfreich klicken. Passt für mich. Ich mag Fantasy aus meinen ganz eigenen Beweggründen. Schlachten und Kämpfe gehören nicht dazu, Rollenspiele und die Möglichkeit, sich auszuprobieren, sehr wohl.

Und warum mögt ihr Fantasy? Über einen Kommentar würde ich mich freuen.

*aus Versehen oder besser gesagt dank eines glücklichen Zufalls. Ich habe das Buch gewonnen dank eines launischen Kommentars auf Phantastisch lesen zur Blogtour.

Drachen in der Fantasy-Literatur war das Thema und das war meine Antwort auf den sehr guten Blog-Artikel:

Ich bewundere Drachen dafür, dass sie es geschafft haben, sich so im Gedächtnis der Menschen zu verankern, obwohl schon so lange keiner mehr gesichtet wurde. Und ich wundere mich, warum in den europäischen Märchen so wenig Drachen vorkommen. Man könnte meinen, dass die Gebrüder Grimm keine Drachen mochten. Schön, dass die Fantasy-Autoren das anders sehen!


Infos zum Buch:

Christoph Hardebusch

Karte illustriert von Timo Kümmel
Cover & Umschlaggestaltung Guter Punkt

Feuerstimmen

Piper Fantasy
ISBN: 978-3-492-70373-4 (leider nicht mehr lieferbar)

Hilfreichere Rezension:

Grimoires.de


 Fanatsy-Romane, die ich empfehle: Rezensionen auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Mein Kampf gegen rechts – Sachbuch-Empfehlung

Sachbuch Mein Kampf gegen rechts Interviews

Vor allen Dingen bin ich froh, dass meine Oma nicht mehr mitbekommt, dass ich das Buch „Mein Kampf gegen rechts“ lese; dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der ich es für nötig halte, ein solches Buch zu lesen.

Genau wie das Ergebnis der Landtagswahl 2016, bei der die AfD ein Direktmandat im Mannheimer Norden holte, hätte sie meine Lektüre mit einem energischen Kopfschütteln kommentiert und sich gefragt, ob die Menschen wirklich so dumm sind, dass sich Geschichte wiederholen könnte.

Manche der Aktivisten, die in dem Buch „Mein Kampf gegen rechts“ vorgestellt werden, fragen sich das auch. Andere denken sich nur „Das kann man so nicht lassen“ und wieder andere sind einfach in diese Diskussionen, Grabenkämpfe und Unaushaltbarkeiten hineingeraten.

Allen gemeinsam ist, dass sie sich Gedanken machen, Stellung beziehen, sich sichtbar machen und aktiv werden: Schulklassen nach Polen in die KZs begleiten, mit Jugendlichen diskutieren, die mit den Neonazis liebäugeln, Gegendemos organisieren, Flüchtlingen helfen oder rechtsradikale Aufkleber und Schmierereien entfernen. Es gibt viel zu tun; jeder macht das, was er kann. Einfach so, weil er oder sie es für nötig hält.

Hätte ich nicht einfach irgendwann aufgehört, mir Sätze anzustreichen, wäre es ein Buch mit sehr, sehr vielen Markierungen geworden. Bemerkenswerte Aussagen, die lange nachwirken, gibt es viele in diesem Interview-Band. Die Aussagen wirken, weil sie direkt, ungeschliffen und unintellektuell daher kommen und weil sie die persönliche Betroffenheit in einer größeren Kontext stellen.

So wie der Journalist Hernán D. Caro, der von den vielen kleinen und etwas größeren Ausgrenzungen erzählt, die er als Kolumbianer mit leicht dunklerer Haut erlebt:

Alle, die sich je aufgrund ihres Aussehens, ihrer Herkunft, ihres Glaubens, ihrer Sexualität oder irgendwelcher anderer kultureller Eigenschaften reduziert gefühlt haben, wissen, von welcher Erfahrung ich spreche. Nicht nur Ausländer werden als „fremd“ wahrgenommen.
S. 27 – Mein Kampf gegen rechts

Gerade er kann wunderbar berichten, was für Auswirkungen diese Ausgrenzung hat:

Die Gefahr und die destruktive Kraft der Ausgrenzung, sei diese verhalten oder gewalttätig, ist groß: Derjenige, der zum Fremden erklärt wird, definiert sich womöglich selbst früher oder später genauso. Er zieht sich freiwillig in eine Parallelwelt zurück.
S. 31

Wenn das passiert, scheitert die weltoffene, tolerante Gesellschaft, in der ich leben möchte.

Doch warum dieser martialische Titel „Mein Kampf gegen rechts“? Das fasst Sascha Lobo in seinem Vorwort sehr treffend zusammen:

… Mein Kampf (ist) eine alte Erzählung, die nie wieder aufleben darf. Diese Erzählung muss deshalb immer wieder gebrochen werden, sie muss gebrochen bleiben. Das lässt sich auch mit dem Versuch bewerkstelligen, dem ursprünglichen Autor die Deutungshoheit über den Titel streitig zu machen: mit einer neuen Erzählung.
S. 18

„Mein Kampf gegen rechts“ ist jedoch mehr als nur ein Versuch. Es ist eine sehr gelungene, überzeugende Zusammenstellung von Interviews, die Menschen sichtbar macht, die aktiv geworden sind. Ein Buch, dass sich durchaus als Schullektüre eignet und ein Buch, das mir persönlich die Hoffnung zurück gibt, dass jede kleine Handlung hilft, und dass wir verhindern können, dass sich Geschichte wiederholt.

Denn sollte ich meine Oma eines Tages wiedersehen, möchte ich ihr sagen können: Diesmal haben wir es verhindert, denn die Menschen haben doch aus der Geschichte gelernt.


Angaben zum Buch:

Herausgeber: Gesicht zeigen!
Für ein weltoffenes Deutschland e.V.

Mein Kampf gegen rechts

Europa Verlag


Zwei weitere Blog-Beiträge von mir, die für Dich interessant sein könnten:

Muslim Girls – Was ein Kopftuch bedeuten kann, aber nicht muss

Elefanten im Haus – Bilderbücher gegen Rassismus

Kunst kommt von Kopfschütteln

Ist das Kunst oder kann das weg? Sachbuch Rezension
Mülltrennung für Kunst-Liebhaber

Kunst kommt von Kopfschütteln. Allein für diesen Satz bin ich dem Buch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ schon dankbar. Das ist für mich die griffigste Erklärung für meine Herangehensweise an moderne – damit meine ich SEHR moderne – Kunst. Kunst, die ein Kopfschütteln bei mir auslöst, mag ich, denn sie berührt mich. Kunst, die mich nicht berührt, ist uninteressant.

So mache ich mir das Leben als Museumsbesucherin und Kunst-Konsumentin einfach. Den ganzen Diskurs-Ballast wie „Das ist eine Hommage an …“ oder „Der Künstler kritisiert damit…“ oder auch „Wie schon Beuys sagte …“ blende ich damit aus. Einfach so. Das ist die Kunst mir wert.

Vom wahren Wert der Kunst lautet der Untertitel des Buches. Ist Kunst dann viel wert, wenn sie teuer gehandelt wird? Oder dann, wenn sie von Menschen wie mir genossen und rezipiert wird? Oder dann, wenn sie viele Besucher ins Museum lockt, die im Schnitt nur wenige Sekunden vor einem Bild verweilen?

Der Reiz des Buches lag für mich darin, dass Wissen zur Rezeption von Kunst aus vielen Bereichen zusammengeführt wurde. Für mich war hier vieles neu – inbesondere bei dem Thema Konzeption von Ausstellungen und der Frage, wie sich Museumsbesucher eigentlich die Kunstwerke anschauen.

Gebt der Kunst einen realen Wert!

Kunst, die im Museum ausgestellt wird, wird nicht gehandelt und hat daher keinen Preis. Ihre Bedeutung für die Kunstgeschichte ist wandelbar. Worin besteht also ihr Wert?

Im System der Währung Kunst figuriert das Museum gewissermaßen als Bank.
S. 155

Die Schlussfolgerung der Autoren finde ich durch und durch sympathisch: gebt der Kunst wieder einen realen Wert jenseits von Kunstmarkt-Preisen und Ausstellungserfolgen. Macht sie Euch zu eigen, genießt sie, nehmt sie mit in euer alltägliches Leben, redet darüber.

Über Kunst zu reden …

Verschweigen möchte ich aber auch nicht, dass ich große Probleme hatte, ins Buch zu finden. Der Einstieg war zäh, das Ende leider auch. Abhilfe wäre einfach: gelegentliche Absätze und ähnliche Layout-Auflockerungen würden bereits helfen. Die Textblöcke sind erschlagend.

Doch mein Durchhalten wurde mit grandiosen Passagen voll von bissigem Humor belohnt. Es gibt viel zu Lachen in „Ist das Kunst oder kann das weg?“; Lachen gepaart mit Kopfschütteln ergibt Erkenntnisgewinn.

Deswegen möchte ich mit einem Zitat aus dem Buch enden, dass eine Abwandlung eines Spruchs des Komikers Martin Mull ist:

Über Kunst zu reden ist so schwer wie Architektur zu tanzen.
S. 224

Infos zum Buch:

Christian Saehrendt
Steen T. Kittel

Ist das Kunst oder kann das weg?
Vom wahren Wert der Kunst

Dumont Verlag

Das Vorläufer-Buch ist ebenfalls sehr zu empfehlen:

Das kann ich auch!
Gebrauchsanweisung für moderne Kunst

Lieber Dumont Verlag: danke für das Rezensionsexemplar!


I went to a museum …“ der Song meiner Lieblingsband The Cramps war die perfekte Begleitung für diesen Blog-Beitrag.


Kunst macht das Leben schöner – Künstler*innen, Bücher über Kunst, Bildbände und Kunstausstellungen, für die ich mich begeistern kann. Hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


 

Anarchistische Entdeckungen, die nur auf der Leipziger Buchmesse möglich sind

Sach-Comic Kleine Geschichte des Anarchismus

Bei diesem Beitrag muss ich aufpassen. Er könnte mir zu sentimental geraten. Verlag Graswurzelrevolution – dieser Name lockt bei mir viele Sätze hervor, die mit „damals“ beginnen. Liegt daran, dass ich den Verlag als Abiturientin entdeckt habe.

Hinterfragen, genau wissen wollen, überprüfen, ob es nicht noch ganz andere Alternativen gibt, als die im Lehrplan vorgeschlagenen – das war für mich wichtig.

Nicht, dass meine Lehrer mich auf den Pfad gebracht hätten, aber die zufällige Anwesenheit von Werbematerialien anarchistischer Verlage und des Schwarzen Fadens neben meinem Geschichts-Lehrbuch auf dem Schreibtisch wurde doch wohlwollend zur Kenntnis genommen.

Oder verkläre ich das im Nachhinein?

Eines verkläre ich ganz sicher nicht: Früher konnte man solche Verlage auch auf der Frankfurter Buchmesse antreffen. Ich fand das toll und habe begeistert in Programmen gestöbert, von denen ich sonst mit viel Glück einige Titel in Mannheim in der Xanthippe oder im Anderen Buchladen finden konnte. Vielfalt, Freiheit, Gegenentwürfe – mir ging es nie ums Recht haben, sondern darum, zu erfahren, was noch möglich sein könnte.

Heute finde ich diese Verlage nicht mehr auf der Frankfurter Buchmesse. Dafür muss man nach Leipzig fahren. Den Schwarzen Faden gibt es nicht mehr. Aber ja, Graswurzelrevolution gibt es immer noch. Über den kleinen Stand auf der Leipziger Buchmesse habe ich mich sehr gefreut.

Dieses Jahr habe ich ihnen sogar eine Broschüre abgekauft: Kleine Geschichte des Anarchismus – Ein schwarz-roter Leitfaden. Beeindruckt hat mich die Leichtigkeit und Exaktheit, mit der die Strömungen des Anarchismus erklärt werden: Individualanarchismus, mutualistischer Anarchismus, Anarcha-Feminismus, libertäre Erziehung …

Den Kampf der anarchistischen Strömungen untereinander konnte ich nie so richtig nachvollziehen. In diesem Sach-Comic werden zumindest die Unterschiede prägnant und leicht nachvollziehbar auf den Punkt gebracht. Respekt! Das erspart durchaus die Lektüre vieler dicker Wälzer.

Wer es genauer wissen will, der kann immer noch zu Stowasser greifen. Nein, ich meine nicht das Latein-Wörterbuch, sondern den großartigen Autor und Aktivisten Horst Stowasser. Ausgerechnet das beschauliche Neustadt an er Weinstraße hatte er sich als Wirkungsstätte rausgesucht. Das, was dort funktioniert, könnte wohl überall funktionieren – so lautete der Plan A. Leider ist Horst Stowasser viel zu früh verstorben. Zum Plan C kam es so nie.

Sein Buch „Freiheit pur!“ erschien damals im Eichborn Verlag, dem Verlag mit der Fliege, der durchaus mal anarchistischen Humor hatte – bevor daraus ein Konzern-Verlag wurde. Aber das ist eine andere Geschichte und auch wieder ein Grund, warum ich mich über die Anwesenheit des Verlags Graswurzelrevolution auf der Leipziger Buchmesse so gefreut habe.

Bibliographische Angaben:

Kleine Geschichte des Anarchismus
Ein schwarz-roter Leitfaden – Comic
Verlag Graswurzelrevolution
ISBN 9783939045144

Horst Stowasser
Anarchie!
Idee – Geschichte – Perspektive
Edition Nautilus
ISBN 978-3-89401-537-4 


Die Geschichte von dem anarchistischen Jugendbuch, das auch in den Veröffentlichungswegen anders ist: BUNG