Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs

Marcus, Greil: Die Geschichte des Rock 'n' Roll in zehn Songs

Das Anliegen von Greil Marcus ist klar: es ist der Song, der zählt. Nicht die Musikgeschichte, nicht die Wirkungsgeschichte und der Chart-Erfolg schon mal gar nicht. Hat der Song mehr als dieses gewisse Etwas? Hat er den richtigen Wumms? Führt er ein Eigenleben durch die Jahrzehnte hindurch? Dann könnte es sich um einen jener Rock’n’Roll Songs handeln, die ein eigenes Energiezentrum darstellen. Songs, die nicht vom Künstler erschaffen wurden, sondern die sich einen Künstler gesucht haben, um hinaus in die Welt zu kommen. Transmission von Joy Divison ist ein solcher Song (mehr Gedanken zur Band Joy Division hier auf meinem Blog). Doch dafür, dass der Song wichtiger ist als die Musikgeschichte, findet sich in dem Buch „Die Geschichte des Rock ’n‘ Roll in zehn Songs“ sehr viel zur Musikgeschichte. Für meinen Geschmack zuviel, zu wild und zu intuitiv verknüpft. Weil es über die Band einen Musikfilm gibt und der Hauptdarsteller in…

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In 33 Bieren durch Franken

Führer Biere Franken

Köstlich amüsiert habe ich mich bei der Lektüre von „33 Biere. Eine Reise durch Franken“. So köstlich amüsiert, dass es mir egal war, dass ich während des Lesens kein frisch gezapftes fränkisches Bier zur Hand hatte. Der Notvorrat an Flaschenbieren, den ich aus dem Urlaub in Franken mitgebracht hatte, schwand jedoch dahin. Aber Anders Möhl und Elmar Tannert erzählen, schwadronieren und informieren ja nicht nur über das Bier aus Franken. Wer so viel Bier trinkt – alles nur zum hehren Zwecke der Recherche versteht sich – braucht auch etwas zu essen dazu. Nur etwas, im Sinne von Kleinigkeit, gibt es in Franken nicht. Neumodische Sitten, das war noch nie so, wo kämen wir da hin. Die Frage, ab welchem Alter man eigentlich einen Seniorenteller bestellen darf, wird leider auch diesmal nicht geklärt. Bleibt als Alternative eine Portion Zwetschgenbammes zu zweit zu bestellen und so dem Karpfen zu entgehen: Der Karpfen…

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Psychologie der Kunst: Wodurch Bilder wirken

Psychologie der Kunst - Sachbuch

Was will uns das Lächeln der Mona Lisa sagen und lächelt sie überhaupt? Ich hatte geahnt, dass sich darüber schon viele Menschen Gedanken gemacht hatten und hatte das bisher einfach ignoriert. Wie ich anscheinend überhaupt in den über 40 Jahren, die ich mir nun schon bewusst Kunst anschaue, vieles ignoriert habe. Psychologie der Kunst? Dieses Themengebiet war mir neu. Ob die Mona Lisa nun lächelt wird auch dieses Mal nicht endgültig geklärt. Doch den Exkurs über das Lächeln in der Kunstgeschichte – tendenziell eine Erfindung der Neuzeit – fand ich hochinteressant. Auf Bildern gelächelt haben früher fast nur Madonnen. Warum das so ist und was ein Lächeln beim Betrachter auslöst – das zu erkunden, lädt das Buch ein. Es ist ein Studienbuch, ein Sich-Gedanken-mach-Buch. Eines, das Anregungen gibt, Querverbindungen herstellt und den Stand der Forschung zusammenfasst. Jedes Kapitel endet mit der Aufforderung zu praktischen Übungen. Was empfinden wir überhaupt als…

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Fast pefrekt: warum die Suche nach Perfektion Langeweile auslöst

Sachbuch Perfektionismus: Fast pefrekt

Fast pefrekt. Kein Tippfehler, sondern eine Lebenseinstellung. Wobei damit etwas anderes als „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“ gemeint ist. Fast pefrekt lädt zum lustvollen Scheitern ein. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur aus Misserfolgen wirklich Kreatives entstehen kann. Irgendwann. Nach vielen missglückten Anläufen. Nur, wer nimmt sich die Zeit für diese Umwege? Wer Perfektion anstrebt neigt dazu, nachzuahmen, was schon existiert. Eine bestehende Meßlatte wird übertragen. Wie soll da Neues entstehen? Und wo bleibt der Spaß, der Spieltrieb, das lustvolle Ausprobieren? Ausprobieren beinhaltet nun mal Scheitern. Das muss man aushalten können. Eric Kessels motiviert, in dem er den Blick auf das Unerwartete, das Schöne, das Geniale lenkt, das nur durch Ausprobieren und den Maßstäben nicht genügen entstehen kann – zB. wenn beim Fotografieren der Finger vor der Linse war. Hätte ich raten sollen, welcher Verlag Fast pefrekt veröffentlicht hat, hätte ich sofort Hermann Schmitt geantwortet. Es ist…

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Herrn Knigge gefällt das! Handbuch für gute Manieren im Netz

Knigge Regeln für das Online Leben - Buch Cover

Social Media ist noch so neu, dass es ganz verständlich ist, dass wir erst lernen müssen, wie wir in diesem virtuellen Raum miteinander kommunizieren und umgehen. Das habe ich selbst schon immer mal wieder gedacht und gesagt. Habe ich es geglaubt? Getröstet hat es mich auf jeden Fall. Plausibel klang es auch. Herr Knigge würde das anders sehen. Er glaubt, dass man mit Anstand, Contenance und Respekt jede Situation meistern kann. Dabei ist es egal, ob man sich im Kindergarten, auf einem Gala-Dinner oder im Internet befindet. Es gibt Grundregeln, die immer und überall funktionieren. Aus diesem Blickwinkel heraus behandelt das Buch Fragen des Online-Lebens: Was tue ich, wenn alle Online-Freunde um einen Promi trauern, der mir nichts bedeutet hat? Mich dezent zurückhalten natürlich und das Foto meiner Füße am Strand ein andermal posten. Ist es ok, wenn ich im Restaurant mein Essen poste? Frage die Anwesenden, beeil Dich und…

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Willkommen in Night Vale: wenn eine Dusche den Glauben an ihren Menschen verliert

Willkommen in Night Vale - skurrile Urban Fantasy

Ich mag das Buch. Andere Leser haben Willkommen in Night Vale abgebrochen, blieben ratlos zurück oder waren begeistert. Bei mir zeichnete sich bereits nach 7 von 50 Kapiteln ein Mögen ab. Ein so sehr mögen, dass ich andere Bücher – so ungefähr 10 an der Zahl – zur Seite gelegt habe. Es ist ein warmes Mögen. So, wie man einen guten Freund mag, der für ein Hobby erstaunlich talentiert ist, das man selbst ein ganz klein wenig seltsam findet. Geocaching vielleicht, fotografieren mit abgelaufenen verranzten Filmen oder Indie-Musik sammeln und bewerten wie ein manisches Eichhörnchen. So ein warmes Gefühl löst Willkommen in Night Vale mit seiner Seltsamkeit bei mir aus. Das liegt an Passagen wie dieser hier: In Catherines Büro gab es zwei Pflanzen, drei Stühle, zwei Tische, eine Kiste, sechs private Fotos in Stehrahmen, an der Wand eines von diesen klischeehaften Motivationspostern, auf dem zwei Krähen einer Waldkatze die Eingeweide herausreißen,…

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Feuerstimmen und meine ganz eigenen Gründe, Fantasy zu lesen

Hardebusch Feuerstimmen Fantasy Roman

Im Fantasy-Roman „Feuerstimmen“ begegnen dem Leser einige bemerkenswerte Sturköpfe. Zwei davon sind weiblich. Genau das könnte der Grund sein, warum ich so gerne Fantasy lese: Frauen können in diesem Genre wie in kaum einem anderen sein, was sie wollen. Sie müssen sich auch nicht auf nur eine Rolle beschränken. Das gilt auch für Elena: Königin, Abenteurerin, Magierin und Kriegerin. Dazu kommt im Laufe der Handlung noch ein Talent, von dem sie selbst nichts geahnt hat. Da muss Aidan, der männliche Held, sich schon mit weniger begnügen. Immerhin wurde ihm auch die Rolle des Liebenden zugeteilt, die er ganz großartig ausfüllt. Sein treuer Weggefährte Revus blieb jedoch ein wenig blass. Seine Motivation erschloss sich mir nicht. Überhaupt wurde einiges für mich zu wenig ausgeführt. Doch wäre das anders, hätten keine 488 Seiten genügt. Passt also alles für mich, denn ich bin dankbar, dass ich nicht aus Versehen* eine neue Trilogie begonnen…

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Mein Kampf gegen rechts – Sachbuch-Empfehlung

Vor allen Dingen bin ich froh, dass meine Oma nicht mehr mitbekommt, dass ich das Buch „Mein Kampf gegen rechts“ lese; dass wir jetzt in einer Zeit leben, in der ich es für nötig halte, ein solches Buch zu lesen. Genau wie das Ergebnis der Landtagswahl 2016, bei der die AfD ein Direktmandat im Mannheimer Norden holte, hätte sie meine Lektüre mit einem energischen Kopfschütteln kommentiert und sich gefragt, ob die Menschen wirklich so dumm sind, dass sich Geschichte wiederholen könnte. Manche der Aktivisten, die in dem Buch „Mein Kampf gegen rechts“ vorgestellt werden, fragen sich das auch. Andere denken sich nur „Das kann man so nicht lassen“ und wieder andere sind einfach in diese Diskussionen, Grabenkämpfe und Unaushaltbarkeiten hineingeraten. Allen gemeinsam ist, dass sie sich Gedanken machen, Stellung beziehen, sich sichtbar machen und aktiv werden: Schulklassen nach Polen in die KZs begleiten, mit Jugendlichen diskutieren, die mit den Neonazis…

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Kunst kommt von Kopfschütteln

Ist das Kunst oder kann das weg? Sachbuch Rezension

Kunst kommt von Kopfschütteln. Allein für diesen Satz bin ich dem Buch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ schon dankbar. Das ist für mich die griffigste Erklärung für meine Herangehensweise an moderne – damit meine ich SEHR moderne – Kunst. Kunst, die ein Kopfschütteln bei mir auslöst, mag ich, denn sie berührt mich. Kunst, die mich nicht berührt, ist uninteressant. So mache ich mir das Leben als Museumsbesucherin und Kunst-Konsumentin einfach. Den ganzen Diskurs-Ballast wie „Das ist eine Hommage an …“ oder „Der Künstler kritisiert damit…“ oder auch „Wie schon Beuys sagte …“ blende ich damit aus. Einfach so. Das ist die Kunst mir wert. Vom wahren Wert der Kunst lautet der Untertitel des Buches. Ist Kunst dann viel wert, wenn sie teuer gehandelt wird? Oder dann, wenn sie von Menschen wie mir genossen und rezipiert wird? Oder dann, wenn sie viele Besucher ins Museum lockt, die im Schnitt…

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Anarchistische Entdeckungen, die nur auf der Leipziger Buchmesse möglich sind

Sach-Comic Kleine Geschichte des Anarchismus

Bei diesem Beitrag muss ich aufpassen. Er könnte mir zu sentimental geraten. Verlag Graswurzelrevolution – dieser Name lockt bei mir viele Sätze hervor, die mit „damals“ beginnen. Liegt daran, dass ich den Verlag als Abiturientin entdeckt habe. Hinterfragen, genau wissen wollen, überprüfen, ob es nicht noch ganz andere Alternativen gibt, als die im Lehrplan vorgeschlagenen – das war für mich wichtig. Nicht, dass meine Lehrer mich auf den Pfad gebracht hätten, aber die zufällige Anwesenheit von Werbematerialien anarchistischer Verlage und des Schwarzen Fadens neben meinem Geschichts-Lehrbuch auf dem Schreibtisch wurde doch wohlwollend zur Kenntnis genommen. Oder verkläre ich das im Nachhinein? Eines verkläre ich ganz sicher nicht: Früher konnte man solche Verlage auch auf der Frankfurter Buchmesse antreffen. Ich fand das toll und habe begeistert in Programmen gestöbert, von denen ich sonst mit viel Glück einige Titel in Mannheim in der Xanthippe oder im Anderen Buchladen finden konnte. Vielfalt, Freiheit,…

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Ruhe im Kopf: Schluss mit dem Dauerdenken

Ratgeber Newbigging Ruhe im Kopf

Eigentlich würde ich leidenschaftlich gerne über Jetzt! von Eckhart Tolle bloggen. Das Buch habe ich auf einer langen Zugfahrt nach Berlin in einem Rutsch durchgelesen, entgegen der Empfehlung des Autors, der dazu rät, nach jedem der kurzen Kapitel eine angemessene Pause zu machen. Seit jener Zugfahrt habe ich immer wieder darin gelesen. Doch jedesmal, wenn ich versuche, meinen Weg mit Jetzt! in Worte zu fassen, stolpere und scheitere ich. Zu dicht, zu intensiv, zu … zu alles. Wie Beavis und Butthead in seligen MTV-Zeiten möchte ich mich auf die Knie werfen und I’m not worth it! ausrufen. Über Eckhard Tolle werde ich also vorläufig nicht bloggen. Macht nichts, dann blogge ich eben über Sandy C. Newbigging und sein neues Buch Ruhe im Kopf, der damit sozusagen das Jetzt! in leicht anbietet – handhabbar, motivierend, machbar. Das ist seine Stärke, die mir schon in Mind Detox angenehm aufgefallen ist. Dauerdenken, dauerbewerten, nicht…

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Tinkerfarm: toller Schauplatz, aber …

Tinkerfarm Band 2 - Jugendbuch Fantasy

Man muss ja nicht alles großartig finden, was ein Lieblingsautor veröffentlicht. Aber das fällt schwer! Über weite Strecken hat die Serie um die Tinkerfarm von Tad Williams und Deborah Beale das Zeug zu einem richtig guten Familien-Schmöker. Es könnte ein Buch sein, dass sich die Familie reihum gegenseitig vorliest. Die Eltern den Kindern, das ältere Geschwisterkind dem jüngeren Kind und zwischendurch ein paar Sätze vom Jüngsten. Spaß hätten sie alle zusammen, denn das Setting ist toll. Eine Farm weit draußen auf dem Land, die alles andere als gewöhnlich ist. Eine Herde von Einhörnern lebt dort, ein fliegender Affe und Drachen. Diese Wesen kommen aus einer Verwerfungsspalte, die die Farm mit anderen, sehr anderen Orten und Zeiten verbindet. Nicht nur die Tiere kommen von dort, auch ein Teil der eher menschlichen Bewohner. Dort verbringen die Geschwister Tyler und Lucinda nicht ganz freiwillig ihre Sommerferien. Sie erwarten Langeweile und finden Abenteuer. Es könnte…

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