Tiere in der Stadt – Von Füchsen und Parasiten

Tiere in der Stadt Sachbuch von Bernhard Kegel

Der Fuchs, der Euch auf dem Buchcover entgegen läuft, begegnet dem Leser erst gegen Ende des Buches. Bernhard Kegel weiß, wie man eine gute Geschichte aufbaut. Er weiß, dass auch ein Sachbuch über Tiere in der Stadt einen Spannungsbogen braucht und deswegen zögert er die Begegnung mit Fuchs, Waschbär & Co bis zum Schluss hinaus. Vorher berichtet er über kleinere und ungeliebtere Tiere, die sich den Lebensraum mit den Menschen teilen. Parasiten zum Beispiel. Noch früher erzählt er von Tierkolonien. Viele Individuen auf engem Raum, Stress, Lärm, schlechte hygienische Verhältnisse – Tierkolonien und menschliche Städte haben vieles gemeinsam. Parasiten zum Beispiel. Tiere in der Stadt – ein heilloses Durcheinander? Stadtnatur ist vielseitig. Sie besteht aus mehr Individuen als nur aus Spatzen und Amseln, aber auch aus mehr als nur Ratten und Bettwanzen. Zur Stadtnatur gehören die Brennesseln auf den Brachen, sich schnell verbreitende Götterbäume, Graureiher und Störche im Stadtpark und sehr sehr viele Insekten. Sie werden…

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Vertraue dem Meister in Dir – Praxisbuch

Remo Rittiner Vertraue dem Meister in Dir

Remo Rittiner hatte mich schon mit seinem Yoga-Therapiebuch begeistert. Deswegen war es klar, dass ich sein neues Buch „Vertraue dem Meister in Dir“ unbedingt lesen wollte. Doch wie es manchmal so ist – das Buch und ich, wir fanden erst einmal nicht zusammen. Ich habe es sogar ungelesen aus dem Urlaub zurück gebracht. Es ist definitv eines dieser Bücher, für das man den genau passenden Zeitpunkt abpassen muss, sonst rauscht es einfach so an einem vorbei. Jetzt war der Zeitpunkt da. Achtsame Lebensführung, nachhaltige Ernährung, spirituelle Praktiken sind wichtige Bausteine in seinem Konzept. Doch vor allen Dingen führt der Weg zum inneren Meister durch Jetzt, Stille und Klarheit: Zunächst kommt es darauf an, überhaupt anwesend und wach zu sein für das, was um uns herum und in uns vor sich geht. Um sich der Fülle unseres Leben bewusst zu werden, gibt es drei wertvolle Schlüssel – das Jetzt, die Stille und die Klarheit. Erst dann sind…

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Baba Jaga – ganz besondere Urban Fantasy

Toby Barlow, Baba Jaga, Roman, Urban Fantasy

Spione aus aller Herren Länder, alte russische Hexen, die immer schön bleiben, und häßliche alte Hexen, die seit Anbeginn der Zeit Männern Unglück bringen, Liebhaber und gehörnte Ehemänner, erfolglose Literaten und Jazzmusiker kurz vor dem Durchbruch – all diese Figuren treffen in „Baba Jaga“ im Paris der Nachkriegszeit aufeinander. Damit wir uns auf gar keinen Fall langweilen gibt es noch korrupte Polizisten, übereifrige Detektive, die in einen Floh verwandelt werden, verrückte Wissenschaftler, ein junges Mädchen mit einem Huhn und jede Menge Eulengewölle, die geraucht werden. Fehlt noch was? Ja klar – die große Liebe, für die es nie zu spät ist, spielt eine wichtige Rolle. Aber ob sie Glück bringt? Baba Jaga, der Jazz und der Rhythmus der Figuren So faszinierend die Geschichte ist, ein wenig mehr Feinschliff hätte ihr gut getan. Damit meine ich nicht nur die gelegentlichen Wortwiederholungen, die die Sätze holpern lassen. Toby Barlow verleiht jeder Figur ihren eigenen Rhythmus, ihre eigene…

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Warum Du (k)ein Buddhist bist – ich übrigens auch nicht

Weshalb sie (k)ein Buddhist sind - Buch-Tipp

Eine räucherstäbchen-freie Einführung in die Philosophie des Buddhismus – genau das bietet das Taschenbuch „Weshalb Sie (k)ein Buddhist sind“ des jungen Lamas Dzongsar Jamyang Khyentse. Keine Mantras, keine Meditationsübungen – der Autor klärt kurz, warum der Buddhismus keine Religion ist und dringt dann gleich zum Kern der buddhistischen Philosophie vor. Sein Thema sind die Vier Siegel; die vier Lehrsätze des historischen Buddhas, auf denen alles weitere aufbaut. Wer diese vier Sätze nicht verstanden und verinnerlicht hat, kann für den Autor kein Buddhist sein – auch dann nicht, wenn er meditiert und Achtsamkeit praktiziert und dadurch zum friedlicheren Menschen wird. In der Übersetzung von Staphan Schuhmacher lauten diese Kernthesen des Buddhismus wie folgt: Danach folgt noch die Empfehlung des Buddhas „Glaube nichts, hinterfrage alles“ und die philosophische Achterbahnfahrt kann beginnen. Spätestens beim Konzept der Leere wurde mir persönlich schwindelig. Zum Glück ist Dzongsar Jamyang Khyentse ein aufmerksamer Lehrer, der genau weiß, was er seinen Lesern zumutet und immer…

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Alle meine Wünsche

Alle meine Wünsche - Roman

Gerade mal 127 Seiten genügen Grégoire Delacourt, um das Leben seiner Protagonistin Jocelyne völlig umzukrempeln. Sehnlichst habe ich mir – ganz gegen meine sonstigen Lesegewohnheiten- ein Happy End gewünscht. Doch der Autor lässt mich zurück mit etwas, was eine Wendung zum Besseren sein könnte und mir doch das Gefühl gibt, das nun alles einfach nur anders, aber nicht besser ist. Alles bleibt anders, nachdem es auf den ersten Blick 25 Jahre lang gleich blieb. Doch die Geschichte schält sich wie eine Zwiebel. Alle meine Wünsche und der Sparschäler Machen Wünsche das Leben besser? Jocelynes Mann hat viele Wünsche, Konsumwünsche. Sie hingegen hatte Träume, mit denen sie in einem ganz normalen Leben gestrandet ist. In ihrem einfachen Leben fühlt sich zuhause; sie hat gelernt, zufrieden zu sein. Kuschelig wirkt dieses Leben zuerst auf den Leser. Doch dieser Anschein verfliegt, sobald der Autor die nächste Schicht der Geschichte freilegt. Mit jeder neu freigelegten Schicht versteht der Leser…

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Wie es einst war – Fundstücke von anno dunnemal

Sachbuch Wie es einst war

Milchgeschwister. Knickerbocker. Contenance. Bahnsteigkarte. Pleureuse. Ausdruckstanz. Solche Begriffe erwartet man in einem Buch mit dem Titel „Wie es einst war – Schönes und Wissenswertes aus Großmutters Zeiten“ Homosexualitit. Lehrerinnenzölibat. Cafè Achteck. Flapper. Isadora Duncan. Solche Begriffe, Anekdoten und Namen machen „Wie es einst war“ erst so richtig spannend. Kurioses und Vergessenes Thomas Blubacher erinnert in 350 Artikeln an die Zeit von vor 100 Jahren. Alltagsgegenstände beschreibt er genauso wie Kurioses und stilbildende Persönlichkeiten. Vieles davon ist in Vergessenheit geraten, manches davon zu Recht. Bei einigen Begriffen und Gegenstände hatte ich nur eine vage Vorstellung, was sich dahinter verbirgt; andere waren wohlbekannt. Mich hat das Buch gleich am Anfang bei A wie Ameisler gepackt. Ein Ameisler sammelte Ameiseneier in den Wäldern, eine schmerzhafte und mühselige Tätigkeit. Diese verkaufte er dann für gutes Geld als Vogelfutter für die Ziervögel der Städter! Und ich dachte, das Verwöhnen von Haustieren sei eine recht neue Erfindung … Eine kleine, locker zu lesende Entdeckungsreise…

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Die Ameise als Tramp

Die Ameise als Tramp - Sachbuch

Der Fall schien eindeutig. Hunderte von toten Hummeln unter der Silberlinde konnten nur eines bedeuten: der Baum war schuld! Als Beweis genügte, dass der Baum nicht einheimisch war. Er kam vom Balkan. Die Silberlinde ist ein Neophyt, eine ursprünglich nicht einheimische Art, und damit ein Mitglied der gleichen üblen Gang wie der Riesen-Bärenklau. Offensichtlich war die Silberlinde ein großer Feind der einheimischen Hummeln – so, wie der Riesenbärenklau ein großer Feind der Allergiker ist. 1993 meldete die Stadt Bielefeld, dass alle Silberlinden gefällt wurden. Die Ameise als Tramp – der Bärenklau als Wegelagerer Neophyten und Neozoen bereichern unsere direkte Umwelt. So ziemlich jeder, der aus seiner Stadtwohnung ins Grüne schaut, wird mindestens eine ursprünglich nicht einheimische Art sehen: Rosskastanie, Robinie, Forsythie und vielleicht auch einen Halsbandsittich. Hübsch und bereichernd, oder? Schwierig wird die Lage dann, wenn die Arten invasiv werden und einheimische Arten verdrängen. Vielleicht verjagt der Halsbandsittich andere Höhlenbrüter, die es bei uns eh schon…

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Wald ganzheitlich betrachtet: Der Geist der Bäume

Geist der Bäume - Sachbuch

Als ich das Buch zum ersten Mal in die Hand nahm, blätterte ich gleich zu dem Kapitel vor, in dem die Eiche vorgestellt wird. Damit habe ich dem Standardwerk „Der Geist der Bäume“ unrecht getan, denn gerade das Einführungskapitel hat es in sich. „Wildnis Wald – Aufbau und Zusammenarbeit“ lautet eine der Kapitelüberschriften. Solche Themen hatte ich erwartet. Aber „Bäume, Elektrizität und Magnetismus“? Das klang nach einer spannenden, aufschlussreichen Lektüre. Was passiert, wenn ein Mensch einen Baum umarmt? Interessant fand ich die Forschungen zum Thema elektrische Ströme bei Pflanzen. Jeder Baum hat ein ganz eigenes, charakteristisches Strömungsmuster, das sich wiederkehrend mit den Mondphasen und Jahreszeiten verändert. Die Elektrizität ist auch auf der Rinde nachweisbar. Mir gefällt die Vorstellung, dass wir, wenn wir einen Baum berühren, tatsächlich Kontakt zu seiner Energie aufnehmen! Neu war mir auch die Theorie, dass Wälder das Magnetfeld der Erde stabilisieren helfen. So liegt der Punkt mit der höchsten Intensität des Magnetfelds auf der Nordhalbkugel…

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Französische Bistro-Küche aus Wien

Kochbuch Bistro-Küche: Bistro mon amour

Urlaub in Südfrankreich ist dieses Jahr nicht möglich. Bistro-Besuche damit leider auch nicht. Aber zum Glück wohne ich nah genug am Elsass, um dort ausgiebig im Supermarkt einzukaufen. Das ist zwar kein Urlaubsersatz, aber so habe ich zumindest die Original-Zutaten für die französische Bistro-Küche. Diese französische Küche kommt aus Wien Diese französische Bistro-Küche kommt aus Wien, aber das merkt man ihr nicht an. Sie erscheint mir so original, wie ein Traum von Frankreich nur sein kann. Dazu tragen auch schon die zauberhafte Ausstattung des Kochbuchs und die französischen Kapitelüberschriften bei: Les salades & les sandwichs, les entrées & les soupes, les quiches & les galettes, les plats, les desserts & les fromages. Ganz unauffällig, klein und unscheinbar stehen die deutschen Übersetzungen darunter. Filet de loup de mer au Noilly Prat war das erste Rezept aus „Bistro, mon amour. Klassiker der französischen Küche“, was ausprobiert werden musste. Den Wolfsbarsch dafür habe ich beim türkischen Fischhändler meines Vertrauens…

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Blackbox Gardening und die Akelei

Gartenbuch: Blackbox Gardening

Mehr oder weniger freiwillig hat schon jeder Gärtner Erfahrungen mit sich selbst versamenden Pflanzen gesammelt. Schachbrettblumen in ein ganz frisch angelegtes Beet zu setzen, weil ein kurzer Artikel in einer dieser nett anzusehenden Gartenzeitschriften schnellen Erfolg mit dieser Pflanze versprach, kann im nächsten Jahr zu einem überraschend monotonen Beet und vielen Zupfarbeiten führen. Meine Blackbox-Gardening Geschichte beginnt jedoch mit der Akelei, die ich unbedingt im Garten haben wollte. Meine Versuche, die Akelei anzusiedeln Mein erster Versuch, die Akelei in meinem Garten anzusiedeln, begann mit einer wunderschönen Zuchtform und einem neu angelegten Beet. Sie blühte sehr schön und kam nie wieder. Natürlich griff ich zu Gartenbüchern und wunderte mich sehr über dieses Verhalten, denn überall stand, dass die Akelei sich stark aussamt und so beginnt, durch den ganzen Garten zu wandern, bis sie den passenden Platz für sich findet. Mein Exemplar war wohl fußlahm. Neuer Versuch, neuer Standort – diesmal inspiriert von einer Akelei-Wiese, die ich auf…

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Jorge Bucay – Wie der König seinen Feind verlor

Jorge Bucay - Bilderbuch

Seltsam, wie der Rahmen namens „Bilderbuch“ für mich die Wirkung des Märchens „Wie der König seinen Feind verlor“ verändert. Jorge Bucay erzählt eine schöne Geschichte, die etwas gekürzt gut in mein Lieblingsbuch von ihm gepasst hätte: „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ ist eine Sammlung von Erzählungen, die alle dazu einladen, das Leben aus einem neuen Blickwinkel zu betrachten. Kein anderes Buch habe ich so häufig verschenkt wie dieses! Daher waren die Erwartungen an diese philosophische Geschichte von Jorge Bucay hoch. Der König möchte nicht nur mächtig sein, sondern auch beliebt. Doch der Magier, der immer ein offenes Ohr für alle hat, ist eindeutig beliebter. Darum würde der König ihn gerne ermorden lassen, doch der schlaue alte Mann prophezeit ihm, dass sie beide am gleichen Tag sterben werden. Da bekommt es der Herrscher mit der Angst zu tun und er achtet nun genau darauf, dass dem Magier nichts zustößt. Aus dem gehassten Feind wird erst ein Ratgeber und dann…

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Der eiserne Druide 2 – Verhext

Eiserne Druide Band 2 von Kevin Hearne: Verhext

Randvoll mit guten Ideen – auch der zweite Band der „Chronik des eisernen Druiden“ begeistert mich. Ohne zuviel von der Handlung zu verraten und damit zu spoilern, kann ich leider nur ein paar Details nennen. So begegnet der eiserne Druide diesmal deutschen Hexen, die nur einen einzigen Fluch beherrschen. Dafür können sie diesen Zauberspruch mit geradezu industrieller Präzision abfeuern – deutsche Wertarbeit. Auch die Idee, dass sich ausgerechnet Bacchantinnen in Tempe, Arizona – dort wohnt der eiserne Druide – ansiedeln wollen, hat Kevin Hearne sehr schön ausgearbeitet und mit unerwarteten Wendungen versehen. Kevin Hearne hat nicht nur neue und gute Ideen, er denkt sie auch zuende und verwendet sie nur dann, wenn sie die Handlung wirklich voranbringen. Ihm gelingen die Action-Szenen genauso gut wie die Witze. Sogar seine Sex-Szenen mit zickigen Göttinnen passen – das ist selten. Weniger schön finde ich, dass der Verlag mit Erscheinen des zweiten Bands die Optik der Reihe und den Titel des…

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