Die 80er, die 90er und ich: Popkultur als Zeitreise mit Jens Balzer als Reiseleiter

Was ist mir von den 80er Jahren im Gedächtnis geblieben? Kajal und Haarspray, The Cure und Siouxsie and the Banshees. Ostermärsche und die Angst vor dem atomaren Wettrüsten. BWL Studenten überall und eine beginnende soziale Kälte in Deutschland. Viele Details und eine Erinnerung an eine Grundstimmung. Obwohl mich das Jahrzehnt geprägt hat, ist es für mich schwer zu greifen. Jens Balzer hilft. Natürlich schenkte mir sein Buch „High Energy. Die Achtziger -das pulsierende Jahrzehnt“ jede Menge sentimentale weißt-du-noch Momente. Doch er nimmt die Adlerperspektive ein und macht aus all den politischen und popkulturellen Details, an die ich mich noch gut erinnern kann, ein großes Ganzes. Vor allem arbeite er Querverbindungen heraus. So zeigt er, wie eins zum anderen führte und damit zu der Welt, in der wir heute leben. Wie sehr Jahrzehnte uns formen, ohne dass wir es immer merken. Kaum ausgelesen, griff ich gleich zum Folgeband. „No Limit. Die…

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Demokratie beginnt vor Ort: Gute Politik – was wir dafür brauchen.

Ich habe lange gezögert, ob ich das Buch „Gute Politik. Was wir dafür brauchen.“ von Peter Kurz wirklich lesen möchte. Meine Befürchtung war, dass es zu theoretisch sein könnte und eher für Verwaltungsfachleute geschrieben wurde. Doch der Ex-Oberbürgermeister meiner Heimatstadt Mannheim richtet sich einfach an alle engagierten Bürger*innen. An Menschen, für die ihre Stadt mehr ist als der Ort, an dem sie arbeiten, einkaufen und schlafen. Vor allem schreibt er für Menschen, die eine Ahnung haben, dass die Orte, an denen wir uns im Alltag begegnen, die Keimzellen der Demokratie sind. Hier handeln wir aus, wie wir miteinander leben wollen. Um das zu ermöglichen, braucht es handlungsfähige, zukunftsorientierte Städte und Kommunen. Viele der Gesetze kommen zwar vom Bund. Doch umgesetzt werden sie vor Ort. Dort erleben die Menschen, ob die Politik funktioniert. Das gilt für alle großen Themen wie Klimawandel, Bildung, Migration, Wohnen, Mobilität, Gesundheit oder die Bewahrung der Demokratie.…

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Wie Ira Peter mir meine Nachbarn, die Russlanddeutschen näher gebracht hat

»Die sind doch nur bei uns, weil ihr Opa mal einen Deutschen Schäferhund hatte«. Solche Sätze habe ich Ende der 80er Jahre mehr als einmal gehört. Es klang für mich wie eine schlüssige Antwort auf die Frage, woher auf einmal all die Deutschen mit dem seltsamen Akzent kamen. Was wusste ich schon von Flucht, Vertreibung, Kriegsleiden, staatlich gewollten Hungersnöten und Arbeitslagern? Was vom Staatsrecht, das Russlanddeutsche als Kriegsopfer anerkennt, weswegen die deutsche Staatsbürgerschaft ihr gutes Recht ist? Hätte ich das damals gewusst, ich hätte meine Mitschüler Gerda und Franz besser verstanden. Die Geschichte vom Deutschen Schäferhund, der Russlanddeutschen die Einreise nach Deutschland ermöglicht, ist eines der Vorurteile, die Ira Peter in ihrem Buch »Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen« widerlegt. Die Gewaltbereitschaft junger Männer, die angebliche Putin-Treue und manch anderes Vorurteil folgt. Auch dass ich seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine zusammenzucke, wenn ich Russisch auf der…

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Was wäre, wenn das Patriarchat in Therapie gehen würde?

Da liegt ein Buch auf meiner Couch und es ist gut: »Wenn das Patriarchat in Therapie geht« von Katharina Linnepe ist buchgewordene Schwesternschaft. Mit Humor, klugen Analysen und vielen Fakten stärkt sie allen Frauen und FLINTA-Personen den Rücken. »Es liegt nicht an dir, my dear – es ist das System«. Genau dieses System, das Patriarchat, hat Therapiestunden gebucht. Es macht sich Sorgen um sein Image, das durch all diese – in seinen Augen lächerlichen – Kampagnen zur Gleichberechtigung und zur Förderung der Diversität Schaden gelitten hat. Ob die Therapeut*in da nicht was machen könne? Es folgen höchst amüsante Therapiesitzungen, an die sich immer eine faktenreiche Analyse der gesellschaftlichen Situation anschließt. Meine liebste Passage dreht sich um den Versuch einer Familienaufstellung. Der Patriarch weigert sich, diese mit den Stoffpuppen aus der Praxis durchzuführen. In der nächsten Sitzung bringt er He-Man und andere Actionfiguren mit. Natürlich in Originalverpackung, denn dann sind sie…

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Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

Jeder Baum hilft. Dann lasst uns doch einfach so viele Bäume pflanzen, dass wir damit den Klimawandel stoppen. Oder Moore renaturieren. Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir ja gleich mit Pflanzen die Welt retten. Irgendjemand muss es ja tun. Also los, Spaten schnappen, Loch buddeln, Baum rein. Doch ökologische Systeme sind komplizierter, als ich es in der Schule gelernt habe. Nicht nur, dass meist nur ein Bruchteil der Neupflanzungen nach drei Jahren immer noch leben: In nördlichen Ländern verdunkeln neu gepflanzte Wälder die Erdoberfläche. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen zurück ins All reflektiert, was zu Erwärmung führt. Nach gut 200 Seiten Lektüre ist klar: wichtiger als jede Renaturierung ist erst einmal, das, was an Natur noch da ist, zu erhalten. Diese Maßnahmen schützen uns jetzt. Sie helfen, Folgen des Klimawandels abzufedern, und verhindern, dass die Erderwärmung in diesem Tempo fortschreitet. An zweiter Stelle steht, das, was wir zerstört…

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Frau Müller, die Migrantin

Bei diesem Buch habe ich mir gewünscht, das Lachen der Autorin hören zu können. Ich stelle mir ihr Lachen als herzlich, warm, verbindend und lebhaft vor. Überhaupt würde ich mich gerne mit ihr einen Abend lang über Gott und die Welt unterhalten und mehr über ihren Blick auf Deutschland und das Leben erfahren. Evelyne Waithira Müller ist gebürtige Kenianerin. In ihrer Zeit als britische Soldatin verliebte sie sich in einen Deutschen. Sie heirateten und zogen aufs platte Land. Wie das in der ersten Verliebtheit so ist: Dass sie sich damit nicht nur für einen Mann, sondern auch für ein Land entschieden hat, in dem nicht nur das Wetter so ganz anders ist, realisierte sie erst später. Mit ihrem Buch lässt sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben. Der Untertitel „Wie Deutschland und ich uns aneinander gewöhnt haben“ ist perfekt gewählt. In erster Linie hat sie ihr Buch „Frau Müller, die Migrantin“…

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Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams – Mouhanad Khorchide

Im Islam ist es normal, dass … – bei solchen Formulierungen zucke ich zusammen. Was weiß der Sprechende über den Islam und seine Bandbreite? Ist ihm bewusst, dass es „den Islam“ genauso wenig gibt wie „das Christentum“? Zwischen den Vorstellungen der Christen des Bible Belts in den USA und dem, was mir der evangelische Pfarrer im Konfirmanden-Unterricht vermittelt hat, liegen Welten. Auch wenn ich nur einen geringen Einblick in die Glaubenswelt der Muslime habe, weiß ich doch, dass es bei ihnen ebenfalls so ist. Was ich bis zu diesem Buch zwar ahnte, aber nicht sicher wusste: Genau wie bei der Bibel sind auch beim Koran viele Auslegungen möglich. Die können sich genauso fundamental unterscheiden wie die Frage, ob Eva aus der Rippe oder der (gleichberechtigten) Seite Adams gemacht wurde. So weit die Gründe, warum ich neugierig war auf „Sieben verlorene Perlen. Rayyans Reise zu den Schätzen des Islams“ von Mouhanad…

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Nicht im System vorgesehen: Katholisch und Queer

Manchmal braucht es nur einen kleinen Zufall, um mit einem Thema in Berührung zu kommen. Ich, die bis dahin nur evangelische Gottesdienste kannte, saß in einem katholischen Trauergottesdienst. Die mir völlig fremde Liturgie überforderte mich. Aufstehen, beten, hinsetzen, singen – wann bitte sollte ich was tun? Ich orientierte mich daher an meinem Banknachbarn, einem schwulen katholischen Freund. Nur deswegen fiel mir auf, dass er beim Glaubensbekenntnis die Zeile „ich glaube an die katholische Kirche“ nicht mitsprach. „Was dir alles auffällt“ war sein Kommentar, als ich ihn Tage später danach fragte. Ein gutes Gespräch begann. Darüber, wie es sich anfühlt, sich im Glauben, aber nicht in der Kirche zuhause zu fühlen. Wie es ist, Angst vor Kündigung durch einen kirchlichen Arbeitgeber zu haben, weil die eigene Art zu lieben und zu leben missfällt. An dem Tag erfuhr ich auch, warum er sich nicht mehr in der Jugendarbeit engagierte. Es lag nicht…

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Sind Bananen schlimm? Über 100 konkrete Beispiele für unseren CO2-Abdruck

Was ist besser für Umwelt und Klima: Apfel oder Banane? Papierhandtuch oder Händetrockner? E-Book oder gebrauchtes Taschenbuch? Wer sich jetzt denkt „Woher soll ich das wissen?“ dem empfehle ich das Sachbuch „Wie schlimm sind Bananen? Der CO2-Abdruck von fast allem.“ Allen anderen empfehle ich das Buch erst recht. Mike Berners-Lee, Autor von „Es gibt keinen Planet B.“, gibt uns mit seinem Buch Entscheidungshilfen für das alltägliche Leben an die Hand. Seine Herangehensweise stellt, da er sämtliche Berechnungen transparent macht, die Leser zufrieden, die alles selbst nachprüfen wollen. Gleichzeitig sind seine Erklärungen eine große Hilfe für Menschen wie mich, die einfach nur schnell zu vernünftigen Konsumentscheidungen kommen wollen. „Ich wollte helfen, dass wir einen CO2-Instinkt entwickeln“ schreibt Mike Berners-Lee in seinem Vorwort. In meinem Fall ist ihm das gelungen! Beim Lebensmitteleinkauf kann eine Checkliste für vernünftigere Kaufentscheidungen zum Beispiel so aussehen: Kam es mit dem Flugzeug? Ist es industriell verarbeitet? Wurde…

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In 80 Jahren eine neue Welt: ein Weg zur digital-ökologischen Wende

Eine „Was wäre wenn Geschichte“, die, gerade weil sie mit dem unfertigen Charme einer Fingerübung daher kommt, aufzeigt, wie sich das Leben einer Beispielfamilie in den nächsten 80 Jahre verändern könnte, wenn wir Klimarettung ernst nehmen. Kein wissenschaftliches Sachbuch zum Klimawandel, sondern romanhaftes Erzählen rund um einen wissenschaftlichen Kern. So würde ich das Buch „In 80 Jahren eine neue Welt“ umschreiben. Die Handlung beginnt mit einer fünfköpfigen Familie, die in einem Haus mit der Energieeffizienz FFF (Baujahr 1970) lebt. Die Kinder und Enkel zerstreut es in die Welt, aber sie bleiben als Familie verbunden. Es geht nicht darum, was diese Menschen denken und fühlen. Es geht allein darum, wie sich ihr Leben klimafreundlich entwickeln könnte. Welche Berufe, welche Erfindungen, welche Lebensentwürfe braucht es für eine gute Zukunft? Wie entwickelt sich die Gesellschaft, wo gibt es Stolperfallen für die Demokratie? E-Mobilität, aus Zellen gezüchtetes Fleisch, Begrünung der Städte – welche Techniken…

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Ein Ritt durch die DDR-Kultur. Mittendrin: wir Leser.

Wie viel Gegenkultur steckte in der Kultur der DDR? Das ist eine Fragestellung, die sich mein westlich geformtes Gehirn nicht gestellt hätte, wenn nicht dreierlei gewesen wäre: Die Begegnung mit Kinderbüchern wie „Ede und Unku“, die in den Paketen meiner Ost-Verwandtschaft steckten, mit denen sie sich für unsere West-Päckchen bedankten. Die ausführliche Reportage im Deutschlandfunk über Punks in der DDR, anlässlich des Erscheinens des Samplers „Too Much Future – Punkrock GDR 1980-1989“. Und das bemerkenswerte Buch von Marko Martin „Die verdrängte Zeit. Vom Verschwinden und Entdecken der Kultur des Ostens.“ Staatskunst, Gegenkultur oder einfach nur Lesevergnügen? Marko Martin versucht erst gar nicht, eine Literatur- und Kulturgeschichte der DDR zu schreiben. Er, der in der DDR aufgewachsen ist und sie im Mai 1989 verlassen konnte, geht stets von seinem eigenen Leseerlebnis aus. Er erinnert sich, wie er selbst ein Buch, ein Film, ein Bild wahrgenommen hat. Von dort aus öffnet er…

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Rassismus verlernen. Eine Anleitung.

Womit soll ich bei diesem Buch anfangen? Vielleicht mit jenen 30 Sekunden auf dem Fahrrad. Ich war 10 Jahre alt. Ein Kopftuch war für mich ein normales Kleidungsstück. Meine Mutter trug es beim Wandern, meine Oma bei der Hausarbeit und ich, wenn ich Ohrenschmerzen hatte. So wie an jenem Tag, als ein Junge aus meinem Vorort mir „Scheiß Türkin“ hinterher brüllte. Lange Jahre habe ich die Geschichte so erzählt, dass ich an dem Tag erlebt und gelernt habe, was Rassismus bedeutet. Das würde ich heute nicht mehr sagen. Der Schreck mag groß gewesen sein, doch die Gefahr war für mich nach 30 Sekunden vorbei. Menschen, die wirklich von Rassismus bedroht sind, können die Situation im Gegensatz zu mir nicht verlassen. Die Gefahr begleitet sie überall hin. Es sind solche Unterschiede, die uns die Autorinnen des Ratgebers „Dear Discrimination – Ein Mitmachbuch zur antirassistischen Weiterbildung“ nahe bringen wollen. Das tun sie…

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