Ziele setzen. Das Werkzeug ist da, aber …

Ziele setzen und erreichen. Ratgeber von Claudia Hupprich: Success Journey. Die Erfolgsreise zu ihren Zielen.

Vielleicht wäre manches in meinem Leben anders gelaufen, wenn mein jüngeres Ich schon ein solches Buch und die zugrunde liegende Methodik gekannt hätte.

Ziele setzen, das ist nichts, was mir in die Wiege gelegt wurde. Ich bin die, die immer vom Schwebebalken gefallen ist, sich geschüttelt hat und weitergemacht hat – ohne sich das Ziel zu setzen, besser zu werden. Mich hat das Runterfallen einfach nicht gestört. In der Schule war mein Ziel, gute Noten zu schreiben – ohne jemals zu definieren, ab wann eine Note gut ist. Später im Beruf bin ich wenigstens mal darüber gestolpert, dass Ziele SMART sein sollen. Messbar war dabei immer der Dreh- und Angelpunkt – also Umsatzsteigerungen und Lagerdrehzahl festlegen. Aber was ist privat ein gutes, messbares Ziel?

Lieber smart als SMART?

Vielleicht wäre deswegen auch nichts anders verlaufen, wenn ich dieses Buch eher gelesen hätte. Auch wenn sich bei der Methodik viel getan hat und ich noch nie einen solch detaillierten Werkzeugkasten zur Zielerreichung in der Hand hatte wie das Buch „Success Journey“ von Claudia Hupprich, ist doch eines gleich geblieben: Ziele müssen messbar sein. Aber woran misst man Glück? Und was machen Coaches mit Menschen wie mir: Mein Ziel ist es, mir aus dem, was ich vorfinde, ein gutes Leben zu erschaffen. Das ist möglicherweise smart, passt aber nicht in die SMART-Regel.

Ziele definieren, aber Planänderungen mitdenken

Nichtsdestotrotz habe ich einiges aus dem Buch mitgenommen – mehr, als aus anderen Büchern zu dem Thema. Das liegt einmal daran, dass Claudia Hupprich einen unglaublich umfangreichen Fundus an Tools und Lösungsansätzen für alle Widrigkeiten des (Beruf)Lebens zusammengestellt hat. Aber vor allem liegt es daran, dass sie im Gegensatz zu früheren Coaches nicht davon ausgeht, dass der Weg zum Ziel ein geradliniger sein wird. Wo andere Modelle nur eine tiefgehende Krise auf dem Weg zum Ziel einplanen, geht sie von Schlingern, Stolpern und sogar von Zieländerungen aus. Damit ist sie deutlich näher an meinem Leben als andere Coaches und Autoren.

Gibt es auch Ziele ohne Karrierewünsche?

Nur ihre Idee vom Berufsleben passt sogar nicht zu meiner Lebenserfahrung. Die Menschen in ihren Praxisbeispielen sind Projektmanagerinnen und Unternehmer. Konflikte werden in Meetings ausgetragen. Ich habe mein Berufsleben weitestgehend in Firmen mit weniger als 15 Mitarbeitern verbracht. Es gab keine Meetings, dafür hätten wir nämlich den Laden schließen müssen. Auch die Karrierestufen waren überschaubar – es gab genau zwei. Daher vermisse ich in den Praxisbeispielen Menschen, mit denen ich mich identifizieren könnte. Und ich vermisse private Ziele – die sind mir wichtiger als berufliche Fortschritte.

Nur ein kleiner Dreh – aber hochwirksam!

Doch das Buch „Success Journey – Die Erfolgsreise zu Ihren Zielen“ hat gewirkt. Zum Beispiel gehe ich meine To-do-Liste anders an. Ich notiere mir nicht mehr, was ich heute erledigen will. Ich lege fest, was ich heute Abend gemacht haben will. Ein kleiner Dreh, der viel bei mir ausgelöst hat – probiert es aus, das Buch ist voll von solchen Tipps!

Weitere Angaben zum Buch:

Claudia Hupprich
Success Journey
Die Erfolgsreise zu ihren Zielen

Haufe Verlag

Rezensionen aus der Bubble, in der sich das Buch bewegt: Bank-Blog

Das Foto zum Blog-Beitrag ist ein sehr rares Unboxing-Foto von mir. Mache ich normalerweise nicht. Aber das Paket, dass die Autorin gepackt hatte, war zu hübsch. Und jetzt gehe ich die Schokolade essen – ich hatte mir das Ziel gesetzt, sie erst dann zu essen, wenn ich die Rezension geschrieben habe. Diese Success Journey wurde hiermit erfolgreich abgeschlossen!

Mehr Buchtipps zu Sachbücher & Ratgeber findet ihr hier auf meinem Blog. Wie wäre es mit Disruptive thinking – oder lieber Zeit für Neues?

Mit Ilija Trojanow auf Reisen – egal wohin

Ilija Trojanow - Gebrauchsanweisung fürs Reisen. Aber der hässliche Spiegel-Bestseller Aufkleber muss erst mal runter vom Buch.

Was bringt mir das Reisen in Gedanken und auf den Buchseiten? Mir jede Menge. Ich war ein wenig skeptisch, ob mir Aufenthalte in fremden Ländern via Buch zu Pandemie-Zeiten gut tun.

Der Frühjahrsurlaub fiel für mich aus, die nahe Grenze zu Frankreich ist noch immer geschlossen.

Erinnern mich Berichte von fremden Ländern dann nicht zu sehr an das, was fehlt? An das Nicht-reisen-können, an das zuhause-bleiben-sollen? Macht ein Buch, das von der Lust am Reisen handelt, nicht depressiv in diesen seltsamen Tagen?

Mitnichten. Im Gegenteil. Es tut mir gut. Zum Glück ist mein Gemüt in der Lage, auch in diesen Tagen Bücher als ganz eigene Welt zu betrachten. Losgelöst von allem, was an Alltag erinnert. Oder an Realität. Bücher sind Fluchtlektüre. Schon immer gewesen. Und wenn alles gut läuft – so wie bei diesen Reisereportagen und Miniaturen, kehre ich bereichert und gestärkt zurück.

Mit Ilija Trojanow durch die Welt zu bummeln macht mir immer Spaß. Egal, ob es um die Reiselust an sich geht wie in seiner liebenswerten „Gebrauchsanweisung für das Reisen“. Oder ob er ein Land gründlich erkundet, wie in „An den inneren Ufern Indiens“. Oder auch, wenn das Reisen nur nebenbei erwähnt wird wie in „Meine Olympiade“. Sogar wenn Reisereportagen aus verschiedenen Zeiten zusammengefasst werden wie in „Der entfesselte Globus“ bleibt mein Fazit: Ich bin einfach gerne mit ihm unterwegs. So gerne, dass ich als nächstes einen Roman von ihm lesen werde. „Der Weltensammler“ liegt schon auf meinem Nachttisch bereit.

Infos zum Buch:

Ilija Trojanow

Gebrauchsanweisung füs Reisen

Piper Verlag

(aber dieser hässliche Spiegel-Bestseller-Autor-Aufkleber hätte auf dem Buch wirklich nicht sein müssen. Der musste erst mal abgeknippelt werden. Das geht alles von meiner Lesezeit ab, menno!)

Stadt Wand Kunst: Murals in Mannheim

Murals in Mannheim - Stadt Wand Kunst. Sehr buntes großformatiges Wandgemälde in Mannheim Neckarstadt West

Zu den erstaunlichsten Veränderungen in Mannheim zählen für mich die Wandgemälde von Stadt Wand Kunst, großformatige Fassadenkunst an Wohnblocks und Brandwänden. Street Art deluxe mit einer nicht zu unterschätzenden Wirkung. Die Bilder verschönern Ecken, die der Mannheimer meist als nicht schön empfindet, bringen Farbe und positive Botschaften in den Alltag und bringen Menschen wie mich dazu, sich Mannheim neu anzuschauen.

Schon seit 2013 kommen Streetart-Künstler nach Mannheim um im Rahmen von Stadt.Wand.Kunst großformatige Graffitis zu gestalten. So entsteht nach und nach eine Open Urban Art Galery – Kunst, die jedem zugänglich ist, und die zudem auch öffentlich entsteht – jeder kann mitverfolgen, wie die Graffiti-Künstler arbeiten.

Das erste der Mannheimer Murals befindet sich recht zentral in der Innenstadt, schräg hinter dem Rathaus. Doch seit dem sind die meisten Fassadenkunstwerke an Orten entstanden, die Mannheim-Besucher nur selten aufsuchen – diese Galerie will erlaufen werden!

Hier ein paar Bilder von meiner Stadtwanderung durch die Neckarstadt West:

Einen Überblick über alle Murals in Mannheim findet ihr hier auf der Website von Stadt Wand Kunst. Am besten die Karte für Google Maps nutzen, damit findet man die Kunstwerke garantiert. Die Fotogalerie wird regelmäßig aktualisiert, so kann man gut verfolgen, welche Kunstwerke neu hinzugekommen sind.

Übrigens gibt es ein Mural, durch das Mannheim mit anderen Städten vernetzt ist. „My Superhero Power is Forgiveness“ ist Teil des Giant Storybook Projects von Herakut – eine Geschichte, die weltweit auf verschiedenen Hauswänden erzählt wird.

Doch auch in Mannheim gibt es noch viel zu entdecken für mich. An diesem Schmuckstück in der Innenstadt bin ich eher zufällig vorbeigekommen – wird Zeit für den nächsten Mural-Stadtrundgang für mich!

Mehr über Mannheim und die Kurpfalz findet ihr hier auf meinem Blog. So zum Beispiel die Geschichte, wie Freiherr von Drais einmal fast an meiner Haustür vorbeifuhr – denn das Fahrrad wurde in Mannheim erfunden!

Selbstwert-Generator

Der Selbstwert-Generator im Einsatz
Im Handumdrehen zu einem starken Selbstwert mit selbst erstellten Affirmationen.

Natürlich steckt hinter dem Selbstwert-Generator fundiertes, psychologisches Fachwissen – schließlich kommt er aus dem Carl Auer Fachverlag und wurde von Michael Bohne, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, und Sabine Ebersberger, Coach, Sozialwissenschaftlerin und Kunsttherapeutin entwickelt.

Aber dem Spielkind in mir ist das jetzt schon mehrere Wochen schnurz. Wir bilden munter Sätze und haben Spaß mit dem, was dabei entsteht:

Hundertprozentig begreife auch ich, dass ich meine Grenzen deutlich setze.

Ganz spontan macht sich der Gedanke breit, dass es immer eine Alternative gibt.

Höchstwahrscheinlich ist es nicht nur Kür, sondern auch meine Pflicht anzuerkennen, dass mir Erfolg und Souveränität gut stehen.

Was auf diese spielerische Art entsteht, sind Affirmationen, kraftvolle Glaubenssätze aus den Bereichen positive Selbstbeziehung, Abgrenzung & Autonomie, Perfektionismus & Sicherheit sowie Erfolg. Immer drei Klappkarten bilden einen Satz, 216.000 Kombinationen sind möglich.

Diese kann man einsetzen, um schwächenden Glaubenssätzen und negativen Kernüberzeugungen Paroli zu bieten und diese durch frische, wohltuendere Varianten zu ersetzen.

Bei mir steht der Tischaufsteller links am Schreibtisch. Mindestens einmal pro Woche bilde ich mir einen neuen Satz, der mich dann durch den Arbeitstag begleitet. Derzeit steht dort:

Gott sei Dank komme ich nicht umhin zu erkennen, dass nur ich weiß, was gut für mich ist.

Auf Instagram habe ich noch ein paar Varianten der letzten Tage gezeigt:

Im Video des Verlags, dessen Einleitung leider etwas lang geraten ist, seht ihr noch weitere Kombinationen:

Für mich eine schöne Alternative zu den Spruch- und Orakelkarten, mit denen ich mir sonst gerne mein Wochenmotto zusammenstelle!

Weitere Infos:

Michael Bohne, Sabine Ebersberger


Der Selbstwert-Generator
Im Handumdrehen zu einem starken Selbstwert

Tischaufsteller

Carl Auer Verlag

Das mochte mein inneres Spielkind auch sehr:
Gamification als Lebensprinzip

Sturzprophylaxe? So alt bin ich doch noch nicht!

Carol Clements: Besser in Balance
Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag | Gesund und fit in jedem Alter | für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden | Balance üben, Stürze vermeiden und aktiv bleiben!Besser in Balance
Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag | Gesund und fit in jedem Alter | für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden | Balance üben, Stürze vermeiden und aktiv bleiben! Das Buch balanciert auf einem gen Decke ausgestrecktem Fuß.

Warum greift jemand wie ich, noch fit und beweglich, zu einem Buch, das sich mit Gleichgewichtsübungen im Alltag befasst und sich eher an Senioren richtet?

Bei mir waren es gleich zwei Gründe – Alltagsbewegung und Sturzprophylaxe – wenn auch mit sehr unterschiedlichen Geschichten dahinter, die ich beide erzählen möchte.

Eines vorneweg: Ich habe „Besser in Balance – Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag“ mit viel Gewinn gelesen.

Bequemlichkeit und Bewegungsarmut im Alltag

Durch meinen Wechsel vom Einzelhandel in einen Bürojob habe ich gelernt, wie schnell ein Mensch sich in einem neuen, bequemeren Leben einrichten kann. Bewegungen wie in die Hocke gehen, die früher zum Berufsalltag gehörten, waren auf einmal nicht mehr notwendig. Bald knackste das Knie, die Gelenke wurden steif. Unglaublich, wie schnell so etwas passiert! Noch erschreckender fand ich, wie leicht ich das mit einem Schulterzucken abtat – ist halt so, das Alter, ich werde auch nicht jünger.

Seit dieser Erkenntnis versuche ich, bereits in meinen Alltag mehr Bewegung einzubauen. Die Treppe wurde mein Freund, der Wäschekorb meine Hantel – darüber hatte ich hier schon geschrieben.

Carol Clements ist mir eine Schwester im Geiste. Ihre Übungen sind kein Sport, sondern kleine Zusatzbewegungen zu Bewegungsabläufen, die wir eh schon machen. Neu herausgepickt habe ich mir aus ihrem Programm das „rückwärts durch die Wohnung laufen“ – genau das richtige für mein inneres Spielkind.

In diesem Buch habe ich wirklich viel Material gefunden, wie ich Bewegungsarmut vermeiden kann, ohne dafür Sport machen zu müssen. Das ich damit Koordination und Gleichgewicht verbessere, ist ein erfreulicher Nebeneffekt.

Motorisches Lernen und Sturzprophylaxe

Der Zeitpunkt, an dem meine Eltern das Buch hätten lesen sollen, ist leider schon einige Jahre verstrichen. Und das obwohl Carol Clement mit ihren Übungen auf sehr niedrigem Niveau einsteigt: Die Füße nach dem Duschen gründlich abtrocknen und dabei auch zwischen den Zehenräumen massieren oder im Bett liegend die Knie angewinkelt zum Bauch ziehen. In Mini-Schritten geht es weiter durch ihr 10-Wochen-Programm bis wir am Ende bei Übungen wie Liegestütz an der Fensterbank oder Ausfallschritt-Kniebeuge mit festhalten an der Stuhllehne sind.

Mit ihrem Programm für mehr Balance habe ich viel darüber gelernt, wie Bewegungen aufgebaut sind. Genau deswegen war das Buch für mich ein gutes Buch! Im Tai-Chi habe ich damals erfahren, dass ich jede Bewegung, die ich langsam machen kann, auch schnell machen kann – umgekehrt funktioniert das nicht unbedingt. Mit diesem Buch habe ich Grundlagenforschung betrieben und gelernt, auf welcher Basis Balance aufbaut. Der kleinste Teil davon ist Kraft. Achtsames Spüren, wo ich mich gerade im Raum befinde, Koordination und Beweglichkeit, im Sinne von sich drehen und strecken können, sind viel wichtiger. Das gibt Sicherheit und aus Sicherheit entsteht Balance. So funktioniert Sturzprophylaxe und nicht so, wie damals bei meiner Oma, die für ihre Rollator-Ausflüge einen gepolsterten Lederhelm tragen sollte.

Alles in allem ein sehr empfehlenswerter Ratgeber, der mich noch eine Weile begleiten wird.

Infos zum Buch:

Carol Clements

Besser in Balance
Einfache Gleichgewichtsübungen im Alltag | Gesund und fit in jedem Alter | für mehr Beweglichkeit und Wohlbefinden | Balance üben, Stürze vermeiden und aktiv bleiben!

Copress Verlag

Patti Smith. Godmother – ja. Großmutter? No way!

Zwei Bücher von Patti Smith auf meiner Couch: Just Kids und M Train.

Ja, es war nur eine Fehlübersetzung, die ich aber mehr als einmal gelesen habe. Aber was für eine! Aus Godmother (Patin) wurde in manch deutschem Artikel Großmutter. Wenn Patti Smith die Großmutter des Punks ist, warum finde ich dann so wenig Spuren dieser mütterlichen Linie im Punk?

Weil bereits das Bild der Großmutter, das sicherlich ein Ehrentitel sein soll, falsch ist. Nur weil eine großartige Künstlerin ergraut ist und auf ein reiches Leben zurückschauen kann, ist sie noch lange keine Großmutter. Die Wortwahl verrät mehr darüber, wie wenig Bezeichnungen wir für Frauen jenseits des gebärfähigen Alters haben, als über die Künstlerin selbst.

Das ist der eine Grund, warum mich der in der deutschen Presse verwendete Begriff Großmutter des Punks auf die Palme bringt. Es gibt noch zwei weitere Gründe.

Punk und ich – warum nur dauerte es so lange, bis ich die Frauen sah?

Punk, das war für mich zuerst nur laute, ungestüme Musik. Sie kam über das Radio, über die BBC Charts. Zum Ehrenkodex der Radiomoderatoren gehörte es, alle Neueinsteiger der Charts zu präsentieren. Singles, die sie noch nicht vorliegen hatten, wurden in der nächsten Woche gespielt. Es lief also krasses Zeug im Radio. Songs, die sich irgendwo auf den hinteren Plätzen der Hitparade tummelten, und die heute nicht mehr gespielt werden würden. Für mich am Radio hieß das: Kassettenrekorder bereit halten.

So muss Punk zu mir, in mein Mittelschichts-Kinderzimmer, gekommen sein. Über die Bands wusste ich nichts. Gehört habe ich männliche Stimmen. Später sah ich in der englischen Musikpresse, die ja mehr Boulevard als Musikjournalismus war, Fotos. Auf der Bühne Männer. Mädchen im Publikum.

Punk war also ein Jungs-Ding, das ich als Mädchen bewundern konnte – oder es auch lassen. Als dann die Punks mit Dosenbier und Hunden in der Fußgängerzone abhingen, traf ich eine Entscheidung: Ich nahm die rohe Energie der Musik – und suchte sie woanders.

Eine gute Wahl, denn dann konnte ich Bands entdecken, die Energie und Weiblichkeit enthielten – so, wie die Riot Grrrls. Aber das ist eine andere Geschichte, zu der ich meine Gedanken gerade lesend sortiere.

Dort fand ich auch Spuren von Patti Smith: Das Ringen um den eigenen Ausdruck, das unbedingte Machen-Wollen, Kreativ-sein-wollen, sich mehr zutrauen als einfach nur mit den Jungs abzuhängen und die Bereitschaft, in der Öffentlichkeit zu scheitern – da entdecke ich ihren Einfluss.

Godmother – ja. Ikone – vielleicht.
Grandmother? No way!

Der dritte Grund, warum ich mich über den Begriff Großmutter des Punks aufrege, ist, dass höchstwahrscheinlich deutsche Journalisten einfach den erstbesten Begriff genommen haben, der ihnen in den Sinn kam, als sie in der amerikanischen Presse von der Godmother of Punk lasen. Godmother ist aber eben keine Großmutter, auch keine Göttin und auch keine Mutter – sondern eine Patin!

Patin. Patentante. Das lasse ich gelten.

Doch für mich ist Patti Smith eher ein Mantra: Gebündelte kreative Energie, die mit jedem neuen Kontakt stärker wirkt.

Und nun gehe ich weiter lesen. M-Train von Patti Smith, Miniaturen und Erinnerungen. Großartig – genau wie diese hier: Just kids. Oder das hier: M Train.

Über Punk von Frauen könnt ihr hier lesen: Our piece of punk. Zu den Riot Grrrls empfehle ich euch dieses Buch.

Für mehr Musik mit Energie folgt bitte RRRSoundz – es lohnt sich.

Elsass. Gibt es auch jenseits der Weinstraße.

Elsass. Kein Reiseführer, eher eine Annäherung an eine Region.  Auf verschlungenen Wegen wandelt der Leser durch die ebenso schöne wie vielfältige Landschaft, erfährt von keltischen Mythen, alten Pilgerstätten und kann das winterliche Straßburg neu für sich entdecken.  Mit Rezepten,

Für die Pfalz gibt es wohlwollend blumige Namen wie Toskana Deutschlands. Von den Pfälzern selbst wird das wenn überhaupt nur gegenüber Außergewärtigen, Touristen, benutzt. Das gilt auch für »Der Norden Frankreichs« oder »Wo Frankreich nahe ist« – zwei Umschreibungen, die ich noch nie verstanden habe, denn demnach wären Pfälzer Fast-Elsässer. Oder umgekehrt.

Wenn ich in das nahegelegene Elsass fahre, ist es für mich offensichtlich, das ich in einem anderen Land bin. Die Dörfer sehen anders aus. Die Menschen gehen am Wochenende anderen Hobbys nach – Quadfahren, angeln, picknicken. Zumindest ist das mein Eindruck, wenn ich dort wandere. Die Wälder leiden zudem unter einem eklatanten Mangel an Pfälzer Hütten mit Einkehrmöglichkeiten. Womit die Beweisführung abgeschlossen ist: Trotz Wein, Sandstein und Burgen ähneln sich die Pfalz und das Elsass nicht.

Daran, dass die Supermärkte sonntags nicht offen haben, merkt man aber auch deutlich, dass das Elsass nicht Frankreich ist. Genau diese Eigenständigkeit zeigt Petra van Cronenburg in ihrem Buch »Elsass. Wo der Zander am liebsten im Riesling schwimmt.«

Vielfältiges Elsass, quicklebendig

Ihr Elsass umfasst so viel mehr als nur die pittoresken Fachwerkdörfer der Weinstraße. Es reicht von den Rheinauen über die Gipfel der Belchen bis ins lothringische Hinterland und von der Steinzeit über die Industrialisierung bis in die futuristische Straßenbahn Strasbourgs. Sie erinnert an Kelten und an polnische Könige, die nie wieder wegwollten, an Handwerker und Künstler, an Bauern und Tüftler und unternimmt einen Abstecher auf die pfälzische Seite nach Schweigen. Zwischendurch wird immer wieder gegessen – alles andere wäre auch unrealistisch!

Genau wie sie es in dem Buch beschreibt, empfinde ich das Elsass als eine Gegend, in der vieles gleichzeitig lebendig ist. Das beginnt bei den Sprachen: Französisch, Elsässisch und Deutsch können einem überall begegnen. Mitten im Wald zwischen seltenen Pflanzen kann man auf eine alte Erdölpumpe stoßen. Direkt neben dem christlichen Wallfahrtsort existieren heidnische Ruinen und werden genauso gepflegt. Auf der schönsten Panoramastraße wird man an die brutalen Schlachten der Weltkriege erinnert. Und über allem kreisen Störche. Das Elsass ist zutiefst europäisch und gleichzeitig fest in seiner Eigenständigkeit verwurzelt. Ich bin gerne dort. Nur mit dem Munster Käse kann ich mich nicht so wirklich anfreunden:

Sein Aroma zerschneidet den Pinienduft der Vogesen wie ein altes Wildschwein auf der Hatz.

Petra van Cronenburg, Elsass – S. 143

Das Elsass ist das Elsass und eben nicht die Pfalz und auch nicht Frankreich. Aber wenn alle Frankreich-Vergleiche so unpassend sind, wie würden denn nun die Pfälzer ihre Heimat selbst benennen? Von allem, was ich bisher gehört habe, gefällt mir »Mer läwwe im gelobte Land« am besten. Wahrscheinlich würden sie jedoch einfach nur »do« sagen und sich weniger Gedanken um Begrifflichkeiten als viel mehr um das nächste Essen samt Rieslingschorle machen. Das wiederum eint die Pfalz nicht nur mit dem Elsass, sondern mit allen ländlichen Gegenden.

Weitere Angaben zum Buch:

Petra van Cronenburg

Elsass
Wo der Zander am liebsten in Riesling schwimmt

Mit Rezepten von Wildschwein in Hagebuttensauce bis Lebkucheneis und Mandeltarte

Insel Taschenbuch


Was man sich in der Gegend noch anschauen kann:

Richtig gendern. Vorsicht, Reizwort! (aber nicht für mich)

Duden Ratgeber richtig gendern - angemessen und verständlich schreiben

Mit Sprache beschreiben wir nicht nur die Welt, wir gestalten sie auch. Wenn ich möchte, dass sich die Welt ändert – und das will ich – dann ist ein Schritt zum Ziel, meinen Sprachgebrauch kritisch zu überprüfen.

Eine gerechtere Sprache ist ein kleiner Baustein, der dazu beiträgt, Artikel 3 des Grundgesetz umzusetzen. Um so erstaunlicher, was für einen Aufschrei geschlechtergerechte Sprache verursacht!

Dabei ist es sehr wohl möglich, Texte zu gendern, ohne dass der Lesefluss ins Stocken gerät. Es ist alles nur eine Frage des Könnens und Wollens – bei beidem hilft dieses Buch.

Gewohnheit, du träges Tier

Für meinen Geschmack nutze ich selbst geschlechtergerechte Sprache nicht konsequent genug. Warum? Es ist die Macht der Gewohnheit. Schnell einen Text runterschreiben und auf veröffentlichen klicken – das ist meine Art, Blogbeiträge zu verfassen. So kommt es, dass ich mich immer mal wieder aus alter Gewohnheit selbst als Blogger oder Leser bezeichne. Korrekt ist das nicht, denn ich bin eine Bloggerin und Leserin.

Ich habe daher volles Verständnis, dass Änderungen der Sprachgewohnheiten schwer fallen können. Aber sie sind möglich – es ist nur eine Frage der Übung und des Wissens.

Genau da setzt der Duden-Ratgeber „Richtig gendern – Wie Sie angemessen und verständlich schreiben“ an. Für jede Kommunikationssituation gibt es praktische Beispiele. Jeder Ratschlag wird linguistisch und sprachwissenschaftlich belegt. Mit viel sprachlichem Feingefühl werden Formulierungsvorschläge gemacht, die sich richtig gut lesen. Ja, das geht: Es ist möglich, Texte zu gendern, ohne unlesbare Bleiwüsten zu hinterlassen.

Allerdings wurde das Buch, das 2017 erschienen ist, bereits von der Realität eingeholt. Die Autorinnen gehen von nur zwei Geschlechtern aus und geben auch offen zu, dass das ein Manko ist. Lösungen für m/w/d bieten sie noch nicht direkt an, doch viele Beispiele lassen sich auch dahingehend übertragen.

Sag #gender – und warte, was passiert

Auf Instagram habe ich einen kleinen Test gemacht: Einfach mal #gender sagen und abwarten, was passiert. Selbst bei einem kleinen Account wie meinem dauerte es nicht lange, bis ein mir fremder Mensch erklärte, dass geschlechtergerechter Sprachgebrauch Unsinn sei und wir uns Benachteiligungen nur einbilden würden:

Zu diesem Zeitpunkt hatte ich das Buch noch nicht ausgelesen, Nun weiß ich: Genau für solche Diskussionen bietet „Richtig gendern“ ausreichend Sachargumente, die belegen, dass ein anderer Sprachgebrauch nötig und erreichbar ist!


Infos zum Duden-Ratgeber:

Gabriele Diewald und Anja Steinhauer

Richtig gendern
Wie sie angemessen und verständlich schreiben

Duden Verlag

Ausführliche Fach-Rezension bei Korrekturen.de:

Wer sich dem Thema gendergerechte Sprache praktisch und ohne ideologische Scheuklappen nähern will, ist mit dem vorliegenden Duden-Band bestens bedient. 

Korrekturen.de – https://www.korrekturen.de/rezensionen/duden_richtig_gendern.shtml

Zum Schluss noch ein kleines Spiel: Zitate raten. Aus welchem Jahr stammt diese Festellung?

[dass] diese in der sprache zum vorschein kommende weltanschauung, nach welcher das männliche als etwas ursprüngliches und das weibliche als etwas abgeleitetes aufgefaßt wird, gegen die logik und gegen das gerechtigkeitsgefühl verstößt.

Baudouin de Courtenay
Zitat aus „Richtig gendern“ Seite 118

1968? Aus den 70er Jahren? Eine der ersten Ausgaben der Zeitschrift EMMA? #metoo? Dem letzten Soziologie-Seminar?

Alles falsch. Die richtige Antwort lautet: 1929.


Zwei Buchtipps:


Gendern stört den Lesefluss? Quatsch! Judith und Christian Vogt beweisen mit dem Near-Future Roman Wasteland, wie geschmeidig eine Sprache klingen kann, die alle Geschlechter mitdenkt. Das habe ich beim lesen erlebt:

Rabenvater Staat – Plädoyer für einen Neustart in der Familienpolitik

Jenna Bejhrends - Rabenvater Staat. Plädoyer für einen Neustart in der Familienpolitik. Sachbuch. DTV Verlag

Flickwerk ist noch eine beschönigende Bezeichnung für all die Gesetze, die Eltern und Kinder betreffen.

Manches wie das Ehegatten-Splitting stammt aus einer längst vergangenen Zeit, anderes wurde erlassen, um eine bestimmte Wählerklientel zu bedienen. Einiges ist schlicht und einfach unlogisch – so wie 19% Mehrwertsteuer auf Windeln zum Beispiel. Ganz chaotisch wird es bei der Frage, wer in Patchwork-Familien für welches Kind welche Entscheidung treffen darf.

Jenna Behrends analysiert dieses Kuddelmuddel kenntnisreich und detailliert. Ihr Ziel ist eine Gesellschaft, in der Vereinbarkeit möglich ist. Dabei hat sie die tatsächlichen Lebenswelten von Eltern im Blick: Alleinerziehende, gleichgeschlechtliche Partnerschaften, berufstätige Eltern oder Beziehungen, in denen ein Partner wegen der Kinder kürzer tritt – sie alle brauchen Unterstützung.

Familie ist, wo Kinder sind

Jenna Behrends verwendet diese schlichte Definition, die einfach alle Formen des menschlichen Zusammenlebens umfasst. Im Weltbild der CDU wäre das ein riesiger Fortschritt, dem ich applaudieren würde. Doch nach dieser Definition lebe ich nicht in einer Familie, sondern »nur« in einem Netzwerk von Freunden, kinderlosen Verwandten und Nachbarn.

Für mein persönliches Wohlempfinden brauche ich das Label »Familie« auch nicht. Doch Familie, also das Vorhandensein von Kindern, wird in diesem Weltbild als die tragende Säule der Gesellschaft betrachtet. Nur Kinder können angeblich die Zukunft der Gesellschaft garantieren. Also gehet hin und mehret euch – oder wie?

Auch wenn Jenna Behrends immer wieder betont, dass Kinder bekommen (oder auch nicht) eine freie Entscheidung sein soll, plädiert sie doch für einen Staat, der Kinder in den Mittelpunkt stellt.

Andere Möglichkeiten, eine Gesellschaft zukunftsfit zu machen, werden nicht genannt. Zuwanderung wäre zum Beispiel auch eine Möglichkeit. Qualität statt Quantität eine andere – denn nur, weil Kinder vorhanden sind, entsteht noch lange keine lebenswerte, humane Gesellschaft.

Steuerrecht, Unterhaltsrecht, Sozialrecht – hier ist dringend ein Neustart nötig. So weit stimme ich ihr zu. Doch mein Ziel wäre eine wertschätzende Infrastruktur, die es allen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, sich für die Zukunft zu engagieren. Dann entsteht auch eine Gesellschaft, in der es sich gut mit Kindern leben lässt.

In diesem Sinne: lasst uns über das Leben sprechen, das wir leben wollen!

Jenna Behrends – aus dem Vorwort von „Rabenvater Staat“

Infos zum Buch:

Jenna Behrends
Rabenvater Staat
Warum unsere Familienpolitik einen Neustart braucht

DTV

Rezension bei Heute ist Musik

Ich danke der Autorin und dem DTV Verlag für das unverlangte Rezensionsexemplar mit Widmung!


Was verbindet mich eigentlich mit Familienpolitik? Eigentlich nicht viel – bis auf meinen Feminismus und meine Liebe für Bilderbücher und Kinderbücher!


Freunde sind selbstgewählte Familie – darum geht es in diesem Roman: Wohnverwandschaften

Der Wäschekorb, die Treppe und ich: So sorge ich für mehr Bewegung im Alltag.

Wäsche aufhängen - eine gute Möglichkeit, mehr Bewegung in den Alltag zu bringen!
Guter Anlass für mehr Bewegung im Alltag.

10.000 Schritte! schallt es mir entgegen. Pilates! ertönt es aus der anderen Richtung. Krafttraining! Mein innerer Schweinehund packt bei solchen Rufen die Ohrenstöpsel aus und stellt sich quer.

Doch heimlich still und leise, ohne dass der Schweinehund anschlägt, habe ich einen anderen Weg gefunden, mehr Bewegung in meinen Alltag zu bringen.

Dafür habe ich mich von zwei gut gemeinten Ratschlägen aus meiner Kindheit verabschiedet: Planung ist die halbe Arbeit und Hampel nicht rum.

Planung ist die halbe Arbeit – aber leider auch die halbe Bewegung

Von meiner Mutter und meiner Oma habe ich gelernt, Handgriffe bei der Hausarbeit überlegt anzugehen. Geschirr, dass ich täglich brauche, befindet sich in Griffhöhe und nicht im untersten Schrankfach. Planvolles Vorgehen minimiert die Hausarbeit.

Doch viele der Ratschläge stammen aus einer Zeit, in der Hausarbeit wirklich anstrengend war. Heute, in einem Haushalt wie meinem, ist das anders. Gerade die Hausarbeit bietet in einem bewegungsarmen Alltag viele Möglichkeiten, um sich zu strecken, zu bücken, Gewichte zu heben, zu balancieren und den Kreislauf ein wenig in Schwung zu bringen. Daher befinden sich mittlerweile Gegenstände, die ich mehrmals die Woche benötige, ganz bewusst im obersten Schrankfach, so dass ich mich strecken muss. Ja, strecken! Eine Bewegung, die wirklich selten geworden ist.

Auch das Aufräumen gehe ich weniger überlegt an als früher. Haarspangen wegräumen, Brille suchen – darin sehe ich willkommene Möglichkeiten, durch die Wohnung zu laufen. Durch die Wohnung laufen ist wiederum eine willkommene Gelegenheit, so richtig rumzuhampeln.

Hampel nicht rum: definitiv kein guter Ratschlag!

Erwachsene bewegen sich ruhig und überlegt – schade eigentlich! Was ist so schlecht an hüpfen, rückwarts laufen, schaukeln, auf einem Bein stehen oder zappeln?

Rückwärts durch die eigene Wohnung laufen ist wirklich lustig. Auch spaßig: Gegenstände, die man von A nach B trägt, dabei in die Luft zu werfen und zu fangen. Aus eigener Erfahrung empfehle ich, mit Socken oder Handtüchern anzufangen. Wobei alles, was herunterfällt, auch aus der tiefen Hocke heraus aufgehoben werden kann – auch so eine Bewegung, die wir gerne vermeiden.

Sitz gerade! Das hat wohl jeder von uns als Kind zu hören bekommen. Natürlich ist eine Stunde gerade sitzen immer noch besser als eine Stunde schief auf dem Stuhl hängen. Aber noch besser ist es, immer wieder die Sitzposition zu wechseln und, wenn möglich, sogar mehrmals die Stunde aufzustehen. Mein Motto dabei: Die beste Sitzhaltung ist immer die nächste!

Mini-Workouts im Alltag

Ok, jetzt übertreibe ich. Mein Konzept für mehr Bewegung im Alltag ist weit von einem Workout entfernt. Und das aus einem guten Grund: Wenn mein innerer Schweinehund Workout hört, dann ist er alarmiert. Wäschekorb, Wasserkocher und Treppe hingegen findet er harmlos. Dabei sind die drei genannten wirklich gute Trainingspartner!

Die Treppe ist mein Freund und Freundschaften wollen gepflegt werden. Aber leider wohne ich im ersten Stock und muss mir daher einiges einfallen lassen, um diese Freundschaft zu vertiefen. Jeden Mülleimer einzeln runter bringen oder immer mal wieder nach der Post schauen hilft. Außerdem kann man zwei Stufen auf einmal nehmen, die Treppe hoch rennen oder die Treppenstufen für zwei, drei Liegestützchen oder Dehnübungen verwenden.

Der Wäschekorb ist eine echte Geheimwaffe, da er einiges an Gewicht hat. Hoch und runter damit, über den Kopf tragen oder am ausgestreckten Arm halten – das wirkt! Beim Wäsche aufhängen auf einem Bein stehen und das andere zur Seite schwingen lassen bringt Beweglichkeit in die Hüfte. Über heruntergefallene Wäscheklammern sollte man sich grundsätzlich freuen: Man kann endlich mal wieder in die tiefe Hocke gehen. Oder sie barfuß mit den Zehen greifen und aufheben.

Wenn jemand so viel Tee trinkt wie ich, ist der Wasserkocher erstens immer im Einsatz und zweitens immer voll. Einfach mehrmals am Tag einen Liter Wasser am ausgestreckten Arm mehrere Atemzügen lang halten und schon hat man ein wenig Training mit Gewichten in den Alltag integriert.

10.000 Schritte? Wo bleibt da die Abwechslung?

Wer beginnt, seinen Alltag so zu betrachten, findet viele Möglichkeiten, nebenbei und spielerisch für mehr Bewegung zu sorgen. Für die berühmten 10.000 Schritte reicht das zwar noch nicht. Aber die sind sowieso eine Erfindung der Werbung, die Zahl an sich wurde nie wissenschaftlich belegt. Natürlich ist jeder Schritt mehr ein guter Schritt, doch Bewegung besteht aus mehr als Laufen. Der Ansatz der 10.000 Schritte blendet aus, dass unser Körper eigentlich für eine viel größere Bewegungsvielfalt ausgelegt ist. Genau diese Vielfalt versuche ich wieder in den Alltag zu integrieren.

Hat noch jemand Tipps für mich? Aber bitte nicht so laut rufen, sonst wird mein innerer Schweinehund noch wach.

Natürlich habe ich auch Bücher zu dem Thema „Wie bringe ich mehr Bewegung in meinen Alltag?“ gelesen. Hier eine Auswahl:


Und nun zum Sport: Ilija Trojanow ist das Thema „Mehr Bewegung“ ganz anders angegangen. Meine Rezension zu seinem Buch „Meine Olympiade. Ein Amatuer, vier Jahre, 80 Disziplinen

Vertage nicht dein Glück – Lebenskunst nach Eva Wlodarek

Eva Wlodarek - geballte Lebenskunst in ihrem Ratgeber "Vertage nicht dein Glück, ändere dein Leben"

Es gibt Autorinnen, bei denen ich das Gefühl habe, dass mich ihre Ratgeber schon immer begleiten. Barbara Rias-Bucher ist eine von ihnen – darüber habe ich auf meinem Blog schon mal geschrieben.

Mit Eva Wlodarek verhält es sich ähnlich. Ihren Stil mochte ich von Anfang an: kompetent, einfühlsam, motivierend, lebensklug und im positiven Sinne unaufgeregt.

Damit war sie für mich schon immer ein angenehmes Gegenwicht zu den Chakka-du-schaffst-es-Büchern amerikanischer Prägung, die mir meist zu laut, zu grell und sehr häufig zu banal waren.

Aber wie das so ist mit Ratgebern: irgendwann meint man, sich jetzt genug Werkzeug zur Lebensbewältigung angelesen zu haben. So haben sich Eva Wlodarek und ich aus den Augen verloren – wovon sie natürlich nichts weiß.

Als ich jetzt auf ihr neues Buch Vertage nicht dein Glück, ändere dein Leben stieß, war mein erster Gedanke: ach, die schreibt noch? Die Aussage, dass der neue Ratgeber „Die Essenz aus dreißig Jahren Praxis als Psychotherapeutin“ sei, machte mich neugierig.

Genau so ist es auch: knackig und sehr stark verdichtet fasst sie alles an guten Ratschlägen und erprobten Tipps zusammen. Dabei behandelt sie diese Themengebiete:

  • In der Gegenwart leben
  • Die eigene Attraktivität erkennen
  • Vom Beruf zur Berufung finden
  • Freiheit gewinnen
  • Verbindung zu anderen herstellen

Das liest sich wie gewohnt gut, ist motivierend und wohltuend. Aber doch lässt es mich mit einer Frage zurück: wie müsste eigentlich ein zeitgemäßer Ratgeber für Leserinnen wie mich aussehen – 50+ und mit einem wohlsortierten Werkzeugkasten, den ich mir aus vielen Ratgebern zusammengelesen habe?

Hat jemand Buch-Vorschläge für mich?


Angaben zum Buch:

Eva Wlodoarek

Vertage nicht dein Glück, ändere dein Leben

Herder Verlag

Eva Wlodarek betreibt übrigens eine hochinteressante Webseite mit kurzen Rezensionen zu Sachbüchern und Ratgebern.


2018 war gut zu meinen Ohren

Momentaufnahme vom Maifeld Derby 2018 - die Disco-Kugeln ruhen sich aus. Ruhige Kugeln auf dem Maifeld Derby. Symbolbild für erstaunlich viel nicht-krachige Musik in 2018.

Was habe ich 2018 gehört? Auf Platz 1 meiner Hitliste hat mir Spotify Emma Ruth Rundle mit Marked for Death gesetzt. Damit kann ich gut leben, denn 2018 war für mich ein Jahr der Frauen und Emma Ruth Rundle in Karlsruhe als Vorprogramm von Chelsea Wolfe gehört zu den bemerkenswertesten Auftritten in 2018.

Trotzdem entspricht mein Blick auf das vergangene Jahr absolut nicht dem, was mir der Spotify-Algorithmus erzählt. Guter Grund, nach 2015 und 2016 wieder einen Jahresrückblick zu schreiben: welche Bands habe ich entdeckt und wie? Wann höre ich Musik und warum? Und welche Bücher über Musik habe ich gelesen?

Frauen finden – so geht es

So viele für mich neue Künstlerinnen habe ich schon lange nicht mehr aufgespürt. Genau wie bei Büchern gilt: neu ist es, wenn ich es neu entdecke – es gibt auch Altmeisterinnen, die ich dieses Jahr zum ersten Mal gehört.

Damit ist meine größte Sorge der letzten Jahren vom Tisch: Ich habe mir mein Musik hören wieder so organisiert, dass ich Neues entdecken kann. Eine Wohltat! Ein paar Beispiele:

Sudan Archives – der Parcours d’Amour auf dem Maifeld Derby ist grundsätzlich für Entdeckungen gut. Dort passierte mir der Auftritt von Sudan Archives, einer begnadet guten Performerin.

Neko Case – ein Musiktipp aus dem Missy Magazin, der dazu führte, dass ich mein Jahresabo verlängert habe.

Anita Lane – eine Alt-Meisterin, die tatsächlich bisher komplett an mir vorbei ging und die ich erst im Comic über Nick Cave entdeckt habe, dass ich hier besprochen habe.

Hope – eine nachdrückliche Empfehlung von RRRSoundz, die von dem Online-Magazin Fragmente verstärkt wurde. Womit meine beiden wichtigsten Quellen für 2018 genannt wurden.

The Courettes – das Power-Duo habe ich auf dem Sounds of Subterranian Festival im Forum Mannheim kennen und lieben gelernt. Weitere Konzerte brachten mich endgültig in den Fan-Girl-Modus. Fun Fact: im Forum der Jugend war ich mit Ü40 schon häufiger als damals mit unter 20.

Laura Carbone – ist natürlich ein Mannheim-Ding, was aber ohne ihren Auftritt als Vorgruppe von Jesus and Mary Chain keine nachhaltige Wirkung entfalten hätte.

Konzerte, Online-Magazine, persönliche Empfehlungen – für meine Playlist des Jahres bedarf es mehr als einer Quelle. Manchmal macht diese Fragmentierung Spaß und weckt den Jagdtrieb. Meist finde ich es aber immer noch mühsam und trauere den Zeiten nach, in denen es genügt hat, einfach nur das Radio anzuschalten.

Morgens, Mittags, Abends

Auffällig an der Liste, die mir Spotify für 2018 zusammengestellt hat, ist, dass mit Die wilde Jagd, Moderat und Red Axes einiges aus dem Bereich Elektro vertreten ist. Das mag erstaunen, da ich doch sonst eher Gitarren-lastige Sounds und schnelle Songs bevorzuge.

Die Erklärung ist einfach: Das Medium ist schuld. Weil es so praktisch ist läuft Spotify manchmal während ich Routinearbeiten am PC erledige. Diese Musik unterhält mich, lenkt mich aber nicht ab.

Auch sonst ist dank Song-Writerinnen wie Marissa Nadler und Neko Case viel ruhiges Material vertreten – das ist Musik, die ich abends auf der Couch beim Lesen höre. Auch hier sind Playlisten eine feine Sache.

Bands wie die großartigen Hysterese, die viel mehr dem entsprechen, was ich als meine musikalische Heimat bezeichnen würde, liefern den Soundtrack für Hirn frei pusten nach dem Arbeiten.

Vom lustvollen entdecken neuer Songs bekommt Spotify meist gar nichts mit, denn das läuft ausgehend von RRRSoundz auf Facebook über Bandcamp und Youtube.

Der Algorithmus weiß also nicht alles. Bands wie Rendezvous oder Short Paris sind auf der Spotify Liste unterrepräsentiert.

Von allen im Blog-Beitrag erwähnten Bands und Künstlerinnen habe ich einen Lieblingssong im Text verlinkt – viel Spaß beim Entdecken!

Gedruckte Musik

Zusatzfrage: Welche Musik habe ich gelesen?

Keine Preisverleihung ohne Danksagung

Mein Dank für 2018 geht an:

  • den DJ meines Vertrauens, der mir regelmäßig neues Material um die Ohren haut.
  • meinen guten Freund Heiko, der beharrlich dafür sorgt, dass der Groove in meinem Leben nicht verloren geht
  • meiner guten Freundin Andrea, die so herrlich offen für Musik jeder Art ist. Für mehr Mädelsabende in 2019!
  • dem Menschen, der mich auf die Idee brachte, durch ein einfaches Daumen runter für deutlich weniger Morrissey in meinen Spotify-Vorschlägen zu sorgen
  • Bose und Yamaha Musiccast für mehr und besseren Sound in meinem Leben
  • dem Maifeld Derby, das netterweise in Fahrradnähe von mir stattfindet
  • dem Weingut Margarethenhof, das mich auf dem Maifeld Derby mit Rieslingschorle versorgt
  • den Ventil Verlag, dessen Bücher meinen musikalischen Horizont erweitert haben.
  • #Plattensammlung, deren Musikgeschmack immer so schön einen Hauch neben meinem liegt, was für Inspiration sorgt
  • Julia Graff, die ein rumblödeln über Songs, in denen es um Bücher geht, in eine Playliste gegossen hat: Bookishta

And the winner is …