Denksport Deutsch: die Logik hinter unserer Grammatik

Sachbuch. Denksport Deutsch von Daniel Scholten

Gutes Deutsch entsteht dadurch, dass man schlechtes Deutsch vermeidet. So weit begleite ich den Autor und Podcaster Daniel Scholten in „Denksport Deutsch“ noch gerne. Die Sympathie wird im Laufe der Lektüre schwinden. Doch bis dahin habe ich viel darüber gelernt, wie sich unsere Sprache entwickelt hat und wie Grammatik funktioniert.

Zum Beispiel habe ich gelernt, dass der Artikel „die“ nicht zwingend bedeutet, dass etwas weiblich ist. „Der“ ist nicht männlich und „das“ nicht sächlich. Die Kategorien, die hinter den Artikeln stecken, folgen einer anderen Logik. Das alles lässt sich sprachwissenschaftlich begründen, ableiten, belegen. Deswegen ist auch „der Astronaut“ kein Mann, sondern ein Sammelbegriff. Dazu später mehr.

Wir alle haben im Gehirn ein Sprachzentrum, das genau weiß, wie Sprache funktioniert. In diesem Sprachzentrum ist die exakte, klare, reine Logik gespeichert. In unserem Fall handelt es sich dabei um die Struktur des Indogermanischen. Sagt Daniel Scholten.

Tief in unserem Hirn wissen wir also, wie Sprache funktioniert. Bei gesprochener Sprache greifen wir, weil es schnell gehen muss, direkt auf dieses Wissen zu. Deswegen ist gesprochene Sprache korrekt. Sogar den Konjunktiv würden wir korrekt verwenden. Sagt Daniel Scholten.

Kompliziert wird es erst, wenn wir Deutsch schreiben. Schriftsprache ist seltene Sprache. Wir möchten, dass sie etwas Besonderes ist und geben uns so richtig Mühe. Mühe bedeutet, dass wir unseren Menschenverstand einschalten. Damit beginnen die Probleme. Der gesunde Menschenverstand sei ein Teufelsding. Sagt Daniel Scholten.

Denksport Deutsch: welches Geschlecht hat ein Bürger?

Ich habe weder Germanistik noch Sprachwissenschaft studiert und das, was mir der Duden an Erklärungen zur Grammatik anbietet, überfordert mich häufig. Gerade deswegen höre ich gerne einem Besserwisser – pardon, mein inneres Sprachzentrum korrigiert mich gerade – gerade deswegen höre ich gerne einem Fachmann zu, der es besser weiß.

Ich glaube dem Autor gerne, dass der Begriff „Bürger“ zum Beispiel die Gesamtheit der Bürger bezeichnet und damit ganz ausgewogen Männer und Frauen umfasst. Das lässt sich schließlich aus dem Ur-Indogermanischen herleiten. Diese Hochkultur war ja auch bekannt für eine gut funktionierende Demokratie und das frühe Einführen des Frauenwahlrechts, oder?

Da mit Bürger Männer und Frauen gleichermaßen bezeichnet werden, ist es natürlich Unsinn, von Bürgerinnen und Bürgern zu reden. Wenn es bei diesem Begriff Unsinn ist, gilt das selbstverständlich auch für alle Berufsbezeichnungen wie Astronaut und Informatiker. Unser inneres Sprachzentrum, in dem das Ur-Indogermanische sozusagen fest verdrahtet ist, weiß das.

Verwirrung entsteht nur, wenn der sogenannte gesunde Menschenverstand beginnt, die sprachliche Logik zu interpretieren.

So verwirrte Menschen haben zum Beispiel in meiner Buchhandlung für Computerbücher grundsätzlich den einzigen Mann angesprochen, den sie finden konnten. Kai war aber Theologiestudent. Unser Computerspezialist war Tina, eine gut aussehende, kurvige Blondine.

Unglaublich, was so ein verwirrter Menschenverstand, der die reine Sprachlogik falsch interpretiert, alles anrichten kann! Er glaubt sogar, dass nur ein Mann ein Computer-Spezialist sein kann, denn sonst würde es ja Spezialistin heißen.

Wie gut, dass wir Autoren wie Daniel Scholten haben, die uns erklären, dass es nicht nötig sei, Sexismus durch Sprache korrigieren zu wollen. Wir müssen uns nur an das absolut logische, fest verdrahtete Ur-Indogermanische halten, das unser Sprachzentrum prägt. Dann klappt alles!

Zitat Daniel Scholten. Folgen Sie niemals einer Stilregel, wenn Sie ihren Sinn nicht verstehen.

Auch dieses Zitat weckt meinen Widerspruch. Nicht nur meinen, wie ich erfuhr, als ich es auf Instagram postete. Getoppt wird dieses Zitat aber noch durch folgendes:

„Die Literatur der historischen Sprachwissenschaft ist ohne Fachstudium nicht zugänglich. Darum begnüge ich mich mit dem Hinweis, dass ich die übliche Fülle an Fachliteratur ausgeschöpft habe.“
(Daniel Scholten, Denksport Deutsch, S. 325)

Lohnt es sich nun, dieses Buch zu lesen?

Meiner Meinung nach Ja, wenn man lernen möchte, wie unsere Sprache entstanden ist und welche Logik hinter unserer Grammatik steckt. Nein, wenn man einfach nur wissen möchte, was gutes Deutsch ausmacht und wie man sein eigenes Deutsch verbessern kann. Zweifaches Nein, wenn man Autoren bevorzugt, die auf Augenhöhe mit dem Leser kommunizieren.

Angaben zum Buch:

Daniel Scholten

Denksport Deutsch
Wer hat bloß die Gabel zur Frau und den Löffel zum Mann gemacht?

DTV

ISBN 978-3-423-26134-0

Ein Architekt sagte einmal, dass Städte, in denen das Leben tobt, niemals schön sind. Das gilt auch für Sprache im Alltag: Sie kann keine Dichtkunst sein. Das würde ihr das Leben nehmen und zugleich der Dichtung ihren Wert.
(Daniel Scholten, Denksport Deutsch. S. 283.)

Was Ihr stattdessen lesen könntet – drei Vorschläge:

 

 

Gala Darling – Falsche Wimpern, Vollmondrituale und radikale Selbstliebe

Gala Darling Radikale Selbstliebe Sachbuch

Ich gestehe, dass ich ziemlich lange gezögert habe, Radikale Selbstliebe von Gala Darling zu lesen.

Amerikanische Selbsthilfe-Autor*innen und ich, wir harmonieren meist nicht so sehr. Zu viel Yeah, zu viel we can Do it, zu viel Erfolgsgeschichten, zu viel Jubel. Ich bin Europäerin, Deutsche zudem. Ich mag es stiller, gerne etwas kompliziert und mit Tiefgang.

Genauso mag ich aber auch das Gegenteil – im passenden Moment. Komplizierte Texte und Erlebnisse hatte ich in letzter Zeit genug. Jetzt war so ein Moment für Leichtigkeit und Jubel, für Popcorn und Glitter.

Der wunderbare, knallbunte Instagram-Kanal der Autorin gab mir den letzten Anstoß, das Buch zu lesen.

Gala Darling ist vor allem eines: authentisch. Eine Revoluzzer-Lady mit Stil. Falsche Wimpern, Selbstliebe, Vollmondrituale und Fetisch-Klamotten – was daran könnte verkehrt sein?

Radikale Selbstliebe zu lesen macht Spaß. Dass ich für die meisten Botschaften und Tipps mal locker 20 Jahre zu alt bin, ignoriere ich an diesem Wochenende einfach.


Angaben zum Buch:

Gala Darling

Radikale Selbstliebe
Feier dich selbst!

 L.E.O Verlag


Ihr lest gerne Ratgeberbücher und interessiert euch für ein bewussteres Leben? Meine Buch-Tipps und Rezensionen dazu findet ihr hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


Auf Radikale Selbstliebe folgt ein Tipp für noch radikalere, feministische Selbstfürsorge. Hier meine Rezension zum Buch von Svenja Gräfen:

Reizdarm – gründlich erklärt

Sachbuch Reizdarm

OK, hier hatte ich noch geschrieben, dass ich jetzt kein Darm Buch mehr lesen müsste. Aber dieses hier hat mich gereizt*Der reizende Darm. Ihr individueller 5-Schritte-Plan zur gesunden Verdauung.

Dieser Ratgeber zum Thema Reizdarm ist sozusagen das ausführliche Arztgespräch in Buch-Form – so gründlich, umfassend und kompetent, wie man sich das bei einem Arztbesuch nur wünschen kann. Und viel zu selten bekommt.

Benjamin Brown hat das große Talent, auch die eher seltenen Ursachen für ein Reizdarm-Syndrom zu erwähnen und zu erklären und dabei trotzdem immer das Gespräch auf die wahrscheinlicheren Gründe zurückzuführen. Damit liefert er genau den verlässlichen roten Faden und die Einschätzungen, die Dr. Google nie liefern kann.

Mit dem Begriff Reizdarm-Syndrom werden sehr unterschiedliche Symptome zusammengefasst: Durchfall, Blähungen, Verstopfungen bis hin zu Depressionen und chronischer Müdigkeit. Das klingt erst mal nach einem Sammelbecken für alles, was seltsam ist. Wenn man sich aber zusammen mit Benjamin Brown näher anschaut, wie der Darm funktioniert und an wie vielen Stellen er aus dem Gleichgewicht geraten kann, beginnt man, das Reizdarm-Syndrom zu verstehen.

Auf die Analyse des Reizdarms folgt ein klar strukturierter 5-Schritte-Plan, der von Pfefferminzöl über das Austesten von Nahrungsmittelunverträglichkeiten bis hin zu mehr Bewegung und Yoga sehr viele Heilungsmöglichkeiten aufzeigt. Dabei wird stets berücksichtigt, dass ein Reizdarm-Syndrom eine sehr individuelle Angelegenheit ist. Bei manchen Patienten hilft der Verzehr von Äpfeln, die Darmflora zu stabilisieren. Bei anderen löst die Fructose des Apfels Blähungen aus. Somatische Intelligenz hilft bei der Entwicklung des eigenen 5-Schritte-Plans zur gesunden Verdauung weiter.

Die Fülle an wissenschaftlichen Informationen und an praktischen Tipps machen das Buch Der reizende Darm zu einem hilfreichen, fundierten Ratgeber.

*(Beitrag in die Schlechte-Wortspiele-Kasse wurde bereits entrichtet)


Angaben zum Buch:

Benjamin I. Brown

Der reizende Darm
Ihr individueller 5-Schritte-Plan zur gesunden Verdauung

Aus dem Englischen übersetzt von Ulla Rahn-Huber

ISBN 978-3-95803-091-6
Scorpio Verlag

Nicht mehr lieferbar


Meine Buch-Empfehlungen:


Tai Chi für zwischendurch, nicht nebenbei

Tai Chi für zwischendurch. Buch mit Übungen.

Tai Chi für zwischendurch, aber nicht nebenbei. Zwischendurch, dass ist das Jetzt zwischen zwei Momenten. Die bewusste Pause, die Mini-Auszeit, das Durchatmen. Genau da passt eine Tai Chi Einheit hinein.

Der kleine Kompakt-Ratgeber von Barbara Reik ist genau das richtige Büchlein für Menschen wie mich.

Seit gut 5 Jahren habe ich keinen Tai Chi Kurs mehr besucht. Zuvor hatte ich regelmäßig praktiziert. Dann passierte dies und das, die Pause wurde länger und meinen alten Kurs gab es nicht mehr. Eine ganze Form könnte ich heute nicht mehr laufen.

An die wohltuende, energetisierende Wirkung der Tai Chi Übungen kann ich mich noch gut erinnern – aber wie gingen sie noch mal?

Beim Lesen kam die Erinnerung wieder. Barbara Reik hat das hochkomplexe System wirklich auf die einfachen Übungen heruntergebrochen und legt ihren Schwerpunkt auf das, was ich als Aufwärmübungen bezeichnen würde.

Nur, dass diese Aufwärmübungen genauso intensiv wirken wie die komplexeren Formen.

Vergleichen lässt sich das vielleicht mit dem Sonnengruß aus dem Yoga. Auch in dieser Grundform, die gerne als Aufwärm-Übung missverstanden wird, ist in einfacher Form schon alles enthalten, was in den komplexeren Yoga-Asanas dann vertieft wird.

Jetzt übe ich also wieder. Morgens, am offenen Fenster. Mit jeder Bewegung erinnert sich mein Körper daran, wie ich mich schon mal bewegen konnte. Das klappt gut mit diesem Buch – aber nur, wenn man Vorkenntnisse hat. Tai Chi kann man sich noch weniger als Yoga selbst beibringen. Einen Grundkurs sollte man sich schon mal gönnen – dann kann man auch mit dem Kompakt-Ratgeber weiter lernen.


Infos zum Buch:

Barbara Reik

Tai Chi für zwischendurch. Kompakt-Ratgeber
Neue Energie durch einfache Übungen

Kompakt-Ratgeber

Mankau Verlag


Mehr zum Thema auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin: Eine gesunde Körperhaltung mit der Tai-Chi-Methode. Hier meine Rezension:

Achtsam Ziele setzen: Gute Vorsätze, Versprechen und Gelübde

Buch Achtsam Ziele setzen
Achtsam Ziele setzen. Im Zug gelesen.

Was auch immer ich tue, ich sollte es achtsam tun. Aber was tue ich hier eigentlich? Also hier auf dieser Welt und hier in meinem Leben? Nehmen wir mal an, ich könnte das benennen, könnte ich dann sagen, warum ich es tue und wofür es gut sein soll?

Nachdem wir uns in den letzten Jahren mit dem grundlegenden Konzept der Achtsamkeit so sehr vertraut gemacht haben, dass Spuren davon auf Wellness-Blogs und Business-Seminaren auftauchen, geht Jan Chozen Bays den nächsten Schritt.

Ein kleiner Schritt ist das nicht.

Wer Wellness-Lektüre sucht, möge bitte woanders schauen.

Jan Chozen Bays geht es diesmal um den Sinn des Lebens. Doch genau wie in Achtsam durch den Tag gelingt es ihr auch diesmal, das große Ganze in handhabbare Einzelteile zu zerlegen. Sie beginnt bei achtsam Ziele setzen und endet bei großen Gelübden, die auch in 1000 Jahren nicht zu erfüllen sind. Also nur Mut, die Lektüre ist zu schaffen und sie ist motivierend.

Achtsam Ziele setzen heißt, sich kleine, in nächster Zeit umzusetzende Handlungen vorzunehmen. Jeden Tag einen Menschen anzulächeln könnte so ein achtsames Ziel sein. Das führt dann vielleicht zu dem nächst größeren Ziel, namens die Welt besser zu hinterlassen, als man sie vorgefunden hat.

Dahinter steht ein Gelübde, eine große, gute Absicht. Ein solches Gelübde kann uns, wenn wir uns bewusst und achtsam darauf einlassen, mit ungeahnter Energie erfüllen und uns ein ganzes Leben lang tragen.

Manchmal geben wir solche Gelübde auch an die nächste Generation weiter. Guter Grund, sich zu fragen, ob das Ziel, das ich gerade verfolge, auch wirklich meines ist.

Jan Chozen Bays ist gründlich in ihrer Analyse von Motivationen, Zielen und Dingen, von denen man nur glaubt, dass man sie vollbringen müsste. Solche Analysen können weh tun. Doch sie sind befreiend und damit motivierend.

Wie so häufig bei Büchern aus dem Windpferd Verlag ist auch Achtsam Ziele setzen eines, was den Leser lange beschäftigen wird. Dieses Buch bleibt nicht nur im Regal, es bleibt im Gedächtnis, im Handeln und im Herzen.


Angaben zum Buch:

Jan Chozen Bays

Achtsam Ziele setzen
Gute Vorsätze, Versprechen und Gelübde bewusst wählen

Übersetzt von Maike & Stephan Schuhmacher

Windpferd Verlag
ISBN: 978-3-86410-129-8

Weitere Rezensionen zu Büchern von Jan Chozen Bays hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Niemalsland – wiedergelesen, neugelesen, oder was?

Niemalsland ebbok

Ich beginne, an meinem Lesergedächtnis zu zweifeln*. Hatte ich Niemalsland von Neil Gaiman schon mal gelesen? Oder hatte ich nur so viel über das Buch gelesen, dass ich der Meinung war, es schon zu kennen? Oder hatte ich so viele Bücher von Neil Gaiman und anderen Autoren gelesen, die Ideen und Motive aus Niemalsland aufgreifen, zitieren, klauen oder verfremden, dass mir manche Personen und Schauplätze schon vertraut waren?

Ich weiß es nicht, ich werde es auch nicht mehr klären können.

Es dauerte ein paar Dutzend Seiten, dann war mir diese Frage auch unwichtig. Die Geschichte hatte mich in ihren Bann gezogen und dort blieb ich.

Neil Gaiman ist einfach ein begnadeter Geschichtenerzähler, ein Fabulierer und Weltenerfinder, ein Verknüpfer von dem, was wir kennen, mit dem, was er sich ausdenkt. Das Abenteuer, das ganz Andere, das Große, Wahre und Edle – es ist genau neben uns, zum Greifen nahe.

Das Scheitern allerdings auch. Abenteuer zu erleben, ohne sich mindestens nasse Füße zu holen, ist nicht möglich.

Niemalsland – Unter-London

In Niemalsland ist es der Schlamm der Londoner Kanalisation, der für nasse Füße sorgt, und er ist noch ekliger, als ihr es euch jetzt vorstellt. Dort, in Unter-London, versammeln sich Menschen, Wesen, Mythen und Artefakte, die aus der Zeit, aus unserer Realität gefallen sind.

Sie können uns sehen. Wir können sie höchstens erahnen. Das ist auch gut so, denn ihr Leben würde uns überfordern. Oder zum über-uns-hinaus-wachsen zwingen. Richard, der Held aus Niemalsland, der nie zum Held geboren wurde, kann es euch berichten.

Ich mag die Sorgfalt, mit der Neil Gaiman seinen Helden unter die Erde führt und auch wieder nach oben. Andere Autoren würden mit dem Showdown die Geschichte als erledigt betrachten. Doch auch wenn der Held über sich hinausgewachsen ist geht das Leben weiter. In Niemalsland wird auch das erzählt.

Ich habe Niemalsland in der alten Ausgabe als Heyne Taschenbuch gelesen. Es gibt auch eine Neu-Übersetzung bei Eichborn / Bastei Lübbe – erstmals ungekürzt. Ob diese sich lohnt weiß ich nicht. Nach meinen Erfahrungen mit den Marketing-Sprüchen des Verlags zu „Der Ozean am Ende der Straße“ hege ich meine Zweifel.


Niemalsland von Neil Gaiman Heyne

Angaben zum Buch:

Neil Gaiman

Niemalsland

Verschiedene Ausgaben bei Heyne Taschenbuch, als Comic und Fernseh-Serie und bei Eichborn.

*Zum Glück habe ich jetzt einen Buch-Blog. Alles, was ich seit Oktober 2012 gelesen habe, wird hier verlässlich mit-protokolliert. Oder hatte ich da letztens nicht schon was vergessen?


Ihr lest gerne Fantasy-Romane? Dann stöbert doch mal hier in meinen Rezensionen!


Mittelmeer. Ausgelesen.

Das Mittelmerr. Eine Biographie.
Das Mittelmeer. Eine Biographie.

Uff. #ausgelesen. 960 Seiten Das Mittelmeer. Eine Biographie. OK, diese Seitenzahl beinhaltet das Register, das ich nicht gelesen habe. Trotzdem: 820 Seiten Text.

Der Autor ist nicht daran schuld, dass ich fast 8 Monate an diesem Buch gelesen habe. Wirklich nicht. Es ist einfach verdammt viel Stoff, diese Geschichte des Mittelmeers von der Urzeit bis ins Jahr 2010.

Je näher wir unserer Zeit kamen, desto langsamer habe ich gelesen.

Am Autor liegt es wirklich nicht. Sein Erzählrhythmus ist toll. Manchmal macht er Strecke und fasst etliche Jahrzehnte mit vielen Königen und noch mehr Schlachten auf wenigen Seiten zusammen. Dann belohnt er den Leser, in dem er das Tempo raus nimmt und seitenlang ein Einzelschicksal erzählt, das mehr illustriert als jede Abfolge von Herrschern. Auf eine Seeschlacht, die es aus gutem Grund zu betrachten gilt, folgt eine einprägsame Anekdote, die den Lauf der Zeit zusammenfasst.

Schuld ist der Autor an etwas anderem: dass dieses Buch so häufig bei mir auf Instagram erschien wie kein anderes zuvor. Es hat mich fasziniert. Die Silvesterparty 2017 hätte ich beinahe gesprengt, weil mir immer noch ein Detail oder eine Geschichte aus Das Mittelmeer. Eine Biographie. einfiel und ich dies unbedingt erzählen musste.

Die Bilder auf Instagram hatten aber auch einen Zweck: wenn ich der Welt da draußen mitteile, dass ich jetzt an diesem dicken Wälzer weiterlese, dann tue ich es auch wirklich. Selbstverpflichtung in Form eines öffentlichesn Lese-Gelübdes.

Das Mittelmeer. Eine Biographie. war für mich kein Nach-Feierabend-Buch. Ich musste wach und konzentriert sein. Mehr als ein Kapitel habe ich selten gelesen. Dann musste ich die vielen Infos sacken lassen.

Trotzdem hatte ich nie das Gefühl, mich an meiner Lektüre überhoben zu haben. Ich wusste, ich pack das. Doch Lesedisziplin war nötig. Zum Schluss half nur noch, Belohnungsbücher in Aussicht zu stellen.

Es war die Ankunft des Nationalismus, die mir zu schaffen machte; diese mir unbegreifliche Ideologie, die den Mittelmeerraum so veränderte; die aus Hafenstädten mit Nationalitäten-Gemisch Kriegsschauplätze machte.

Wirklich, der Autor ist nicht schuld, dass ich fast 8 Monate an seinem Buch gelesen habe. Es ist der Lauf der Zeit, der mich beim Lesen ausgebremst hat und den ich jetzt erst einmal verdauen muss.

Und dann? Dann werde ich mir Bücher suchen, die einzelne Aspekte und Details vertiefen. Dieses hier zum Beispiel : Beck Wissen – Nationalismus. Geschichte, Formen, Folgen.


Angaben zum Buch:

David Abulafia

Das Mittelmeer
Eine Biographie

Fischer Taschenbuch

 


In diesem Buch geht es um das Mittelmeer, das ein Urlaubs-Sehnsuchtsort ist: die Côte d’Azur. Hier meine Rezenion zu Hôtel Provençal


Geschichten von Shiva, Parvati und Storl

Storl - Geschichten von Shiva und Parvati

Gerade verbreitet sich auf Facebook das Spiel „Greif Dir ein Buch in Deiner Nähe und schlage Seite 117 auf. Der zweite Satz dort ist Dein Leben 2017“.

Neben mir lag – bereit zum darüber bloggen – das Taschenbuch Wanderung zur Quelle – Geschichten von Shiva und Parvati von Wolf-Dieter Storl. Der zweite Satz auf S. 117 ist eine Bildunterschrift und lautet „Männer bei der Wäscherei-Arbeit im Ganges.“

Ich glaube, dem Autor Wolf-Dieter Storl würde dieses Spiel mit Kommunikation und Geschichten gefallen. Wahrscheinlich hätte er auch sofort einen Vergleich parat, in welcher Weltkultur etwas ähnliches gepflegt wurde.

Wanderung zur Quelle – Geschichten von Shiva und Parvati ist ein frühes Buch von Wolf-Dieter Storl. Zu diesem Zeitpunkt sucht er noch seine Erzählstimme.

Den Quellen räumt er mehr Raum ein und beendet jedes Kapitel mit einer Auswahl an nepalesischen Märchen, die mir alle noch unbekannt waren. Er traut sich anscheinend noch nicht so recht, Sätze mit Ich zu beginnen und erzählt lieber über und aus der Perspektive eines amerikanischen Wissenschaftler-Paars, die zu einem Forschungsjahr nach Indien gereist sind. Shivas Land wird sie erst überfordern und dann tiefgreifend verändern. Wer sich schon immer über die Haarpracht Storls gewundert hat, findet hier eine Erklärung.

Storl beschreibt ein sehr kraftvolles Indien und eine Götterwelt, die so ganz anders ist als die Präsenz der indischen Götter, die wir in europäischen Yoga-Studios antreffen. Hier geht es rauer, wilder und auch durchaus gemeiner zu.

Wie immer habe ich auch dieses Buch von Wolf-Dieter-Storl mit großem Vergnügen und Erkenntnisgewinn gelesen. Das nächste, Streifzüge am Rande Midgards, liegt schon bereit.

Doch was mag das Orakel von Seite 117 nun bedeuten? Vielleicht, dass ich in diesem Jahr Männern beim Arbeiten zusehen kann. Vielleicht aber auch, dass 2017 ein reinigendes Jahr wird. Wie immer bei Orakeln weiß man es nicht so genau.


Infos zum Buch:

Wolf-Dieter Storl

Wanderung zur Quelle
Geschichten von Shiva und Parvati

Koha Verlag


Mehr über meinen Lieblingsautor Storl könnt Ihr hier auf meinem Blog erfahren.

 

Eigentlich für Kinder, aber: Frankfurter Museumsarchitektur – anschaulich erklärt

Museen in Frankfurt und ihre Architekur. Museumsarchitektur erklärt für Kinder

OK, es dürfte nur wenige Kinder geben, die ihre Eltern mit Fragen wie „Warum hat das Museum so ein spitzes Dach? Wieso hat dieses Museum Säulen und das hier keine?“ löchern. Dafür gibt es um so mehr Erwachsene wie mich, die sich freuen, wenn komplexe Zusammenhänge einfach erläutert werden. So wie in dem Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.

Museen müssen praktisch sein, sie sind Landmarken, Orte, an die man sich erinnert und Erinnerungsorte, sie sollen zeigen, dass der Stifter ein toller Hecht war. Vor allen Dingen soll Museumsarchitektur schon von außen auf das aufmerksam machen, was im Museum steckt.

So kommt es, dass Museen und ihre Architektur fast immer im Gedächtnis bleiben. Die Staatsgalerie in Stuttgart ist die mit dem grünen Boden und den rosa Röhren, dass Rheinische Landesmuseum in Trier hat zwei seltsam dreinblickende Figuren über dem Eingang und die Bundeskunsthalle in Bonn seltsame Türmchen auf dem Dach.

Gute Ideen, mal am Beispiel der Frankfurter Museen einen Blick auf die Geschichten und Ideen hinter der Architektur zu werfen!

Mir, einem großen Kind, lieferte das Buch „Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder“ Appetithäppchen und Anekdoten zu Häusern und Räumen, die ich immer wieder gerne aufsuche.


Angaben zum Buch:

Arne Winkelmann
Bettina Gebhardt

Anschaulich. Frankfurter Museumsarchitektur für Kinder.

Antaeus Verlag
ISBN 978-3-9810809-7-1

Das Buch gehört zur Reihe Typen Deiner Stadt. Die ersten beiden Bücher Frankfurter Hochhäuser und Frankfurter Brücken hatte ich auf meinem Kinderbuch-Blog besprochen.


 Ab ins Museum! Hier findet ihr meine Museumstipps auf dem Buch-Blog GeschichtenAgentin


Auch Comics sind nicht immer für Kinder: eine Graphic Novel über die besondere Architektur der Therme von Vals, entworfen von Peter Zumthor. Hier meine Rezension:

Unsagbare Dinge. Eine unschreibbare Rezension.

Laurie Penny, Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution. Fast fertig gelesen.

Am 2. Januar 2016 bezeichnete ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit wieder als Feministin. Auslöser waren weniger die Ereignisse in der Silvesternacht am Kölner Bahnhof als viel mehr das, was darauf folgte.

Viele Männer (und einige wenige Frauen) fühlten sich auf einmal für den Schutz von Frauen zuständig. Sie erklärten mir, dass ich gefährdet sei und legten auch gleich fest, was ich für meine Sicherheit zu tun hätte: wo ich hingehen darf und wo nicht, was ich anzuziehen habe und was nicht und wie viel Abstand ich von meinen Mitmenschen zu halten habe.

Ganz ehrlich, liebe selbst ernannten Retter: bringt erst mal Euer Leben in Ordnung und dann unterhalte ich mich gerne mit Euch darüber, wer Schutz braucht und vor allem Dingen vor wem und wie.

Wer jungen Frauen erklärt, sie dürfen nicht dieselben Fehler begehen, nicht genauso viel Spaß haben und nicht dieselben Risiken eingehen wie junge Männer – sich betrinken, auf Abenteuer ausziehen, allein verreisen – mag sie kurzfristig vor Raubtieren schützen. Doch langfristig verleiht er diesen Raubtieren Macht.
Laurie Penny, Unsagbare Dinge, S. 159

Meine erste sexuelle Belästigung erlebte ich mit sieben Jahren. Beim Schlittenfahren trat ein Exhibitionist hinter dem Baum hervor. Wir Kinder fanden das seltsam, geradezu skurril und wechselten kurz entschlossen zu einem anderen Hügel. Ein paar Tage später kehrten wir wieder zu unserem Lieblings-Schlittenhügel zurück. Der Exhibitionist war nicht mehr da. Aber ich konnte noch Jahre später exakt die Kiefer benennen, hinter der er gewartet hatte.

Wir haben eine Gesellschaft geschaffen, in der es für jede männliche Person strukturell schwierig und existenziell aufreibend ist, sich nicht wie ein komplettes Arschloch aufzuführen. Das nicht wenige Männer es dennoch zuwege bringen, anständige Menschen zu sein, müssen wir ihnen hoch anrechnen.
Laurie Penny, Unsagbare Dinge, S. 112

Ich glaube nicht, dass es eine einzige Frau auf der Welt gibt, die noch nie sexuelle Übergriffe oder Sexismus erlebt hat. Es gehört zu unserem Alltag dazu. Manches geschieht dreist, direkt und handgreiflich. Anderes subtiler und vieles davon in einer Grauzone, so dass mein erster Gedanke in dieser Situation eher ein „Das kann er doch jetzt nicht ernst meinen?“ ist.

Dieser erste Gedanke führt häufig dazu, dass man den Zeitpunkt des Eingreifens verpasst. So wie bei dem Mann, der sich in der Straßenbahn neben mich setzte, sich an meinem Oberschenkel rieb und an der nächsten Haltestelle wieder verschwand. Bevor ich realisierte, was geschah, war er schon wieder weg.

Weniger Glück hatte der junge Kerl, der vor meinen Augen am Bahnhof an den wartenden Vorortzug pisste und mich gleich danach nach einem Bier fragte. Ich brüllte ihn nieder und blamierte ihn vor seinen Kumpels.

Das ist mein Weg, mit sexuell motivierten Übergriffen umzugehen: laut werden, Dinge klar benennen und mir den Raum nicht nehmen lassen.

Eine Zeit lang habe ich dieses Verhalten als Feminismus bezeichnet, dann eher als Selbstbewusstsein, Respekt und Freiheitsdenken. Vielleicht auch, weil ich dachte, dass unsere Gesellschaft schon weiter sei. Wir hatten doch schon so viel erreicht – ein Label wie Feminismus brauchen wir doch nicht mehr, oder? Schließlich sind wir auf dem besten Weg endlich zu erreichen, dass jeder ein selbstbestimmtes, nicht normiertes Leben führen kann, oder?

Wir sind die, die zu laut lachen und zu viel reden und zu viel wollen und für sich arbeiten und eine neue Welt sehen, die knapp außer Reichweite ist, die am Rand der Sprache darum ringt, ausgesprochen zu werden. Und manchmal, zu später Nachtstunde, nennen wir uns Feministinnen.
Laurie Penny, Unsagbare Dinge, S. 68

Dazu kam, dass der Feminismus sich gewandelt hatte. Aus dem Grundbedürfnis nach Respekt und selbstbestimmtem Leben war ein akademischer Diskurs geworden, der auf eine Art und Weise geführt wurde, dass Menschen außerhalb der Universitäten dem kaum folgen konnten. Jetzt ging es um brillante Analysen von Geschlecht, Gender und Sexualität. Mein ganz normales Leben kam kaum noch darin vor.

Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution.

Und trotzdem das ganz normale Leben.

Im Januar 2016 war der Begriff Feminismus wieder da in meinem ganz normalen Leben. Zeit, nachzulesen, was sich im Diskurs in den letzten Jahren getan hatte.

Auf der Leipziger Buchmesse entdeckte ich „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“ von Laurie Penny. Wo sonst? Nur dort kann ich noch solche Buchentdeckungen machen – darüber hatte ich hier gebloggt.

Dieses Buch liest man entweder wie im Rausch auf einen Rutsch durch oder ganz langsam. Bei mir geschah letzteres; ich habe zehn Monate dafür gebraucht. Ganz bewusst habe ich mir diese Zeit für das Buch genommen und sie genossen. Laurie Penny langweilt nie.

Zudem ist sie fest im normalen Leben verwurzelt, auch wenn sie selbst kein normales Leben führt. Den akademischen Diskurs um Geschlecht und Gender kennt sie natürlich nahezu auswendig, setzt ihn aber nicht zwingend als bekannt voraus. Das, was sie bespricht, erklärt sie auch, und Begriffe wie Cis werden bei der ersten Verwendung eingeführt. Dieses Schreiben auf Augenhöhe mit dem Leser machte mir den Wiedereinstieg in feministische Themen leicht.

Laurie Penny ist wütend, betroffen, verletzlich und voller Energie. Sie schreibt nicht über das Leben als Frau, sie steht mittendrin. Was für eine Wohltat! Es ist ihre Energie, die es mir immer wieder ermöglicht, ihre Ansichten und Beobachtungen direkt mit meinem Leben zu verknüpfen – obwohl mein Leben so ganz anders aussieht als ihres.

Unsagbare Dinge, unschreibbare Rezension

Als ich das Buch „Unsagbare Dinge. Sex, Lügen und Revolution“ von Laurie Penny fast ausgelesen hatte, verwendete ich auf Instagram den Hashtag #wieumhimmelswillensollichdasrezensieren.

So entstand dieser Blog-Beitrag – weit entfernt von einer Buch-Rezension, dafür eine persönliche Standortbestimmung, die von diesem Buch mit 283 Seiten zu einem Preis von 16,90 € in 10 Monaten Lesezeit ausgelöst wurde. Unbezahlbar.


Angaben zum Buch:

Laurie Penny
Unsagbare Dinge
Sex, Lügen und Revolution

Aus dem Englischen von Anne Emmert

Edition Nautilus

Richtige Rezensionen bei Faustkultur, im Untergrundblättle und bei CulturMag.

 


 Ob Ratgeber, Sachbuch oder Roman: Feministische Bücher erweitern den Horizont und schärfen das Denken. Sie regen dazu an, gesellschaftliche Normen und Erwartungen zu hinterfragen – nicht nur in Bezug auf Frauen, sondern auf alle Geschlechter und Lebenswelten. Sie dokumentieren die Kämpfe von marginalisierten Menschen um Gleichberechtigung, Wahlrecht, Bildungszugang und Selbstbestimmung. Sie zeigen, welche Rechte hart erkämpft wurden und was alle Menschen dabei gewonnen haben. Das schafft ein Bewusstsein, nichts als gegeben hinzunehmen. Was heute gut ist, könnte immer noch besser sein. Oder wieder schlechter werden, was es zu verhindern gilt. Hier findet ihr meine Rezensionen und Beiträge auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin.


Was wäre, wenn das Patriarchiat in Terapie gehen würde? Meine Rezension zu dem Buch von Katharina Linnepe:

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren

Das Buch der Ideen. Sachbuch Rezension

Fliegen einem gute Ideen zu oder sind sie das Ergebnis harter Arbeit? Kevin Duncan meint letzteres. In seinem Büchlein „Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren“ ist nicht umsonst von Produktion die Rede.

Dafür gibt er uns 50 Techniken und Übungen an die Hand. So entsteht ein Trainingslager, ein Ideen-Bootcamp. Auch wenn die meisten Übungen für Teams und Gruppen gedacht sind, können sich auch Einzelkämpfer viel daraus ableiten.

Mit nur wenig Textblöcken zwischen den Übungen schafft es Kevin Duncan, zu erklären, wie Ideen entstehen und wie man sie bewerten kann. Hier gibt es keine langen Ausflüge in die neuesten Forschungen der Psychologie. Kurz und prägnant das Wichtigste auf den Punkt gebracht – schließlich wollen wir ja effizient weiter Ideen entwickeln.

Er ist übrigens ein großer Fan des Denkens IN Schubladen. Von wildem, unkontrollierten Brainstorming hält er nicht viel:

Die meisten Unternehmen haben säckeweise exzentrische, irrelevante und manchmal geradezu blöde Ideen, die sie nicht benutzen können, weil sie wirtschaftlich unmöglich, unangemessen und einfach abseitig sind. Die meisten sind in schlecht durchgeführten Brainstormings entstanden.
Das Buch der Ideen; S. 38

 

Wo finde ich solche Bücher? Auf der Leipziger Buchmesse!

Entdeckt habe ich Das Buch der Ideen auf der Leipziger Buchmesse. Wo sonst? In den Buchhandlungen finde ich fast nur das, was ich schon kennen, und außerdem viel zu viel Romane.

Für mich bietet die Leipziger Buchmesse das, was ich in den Buchhandlungen schon lange nicht mehr finde: die Möglichkeit, Bücher zu entdecken, von denen ich noch nie gehört habe. Das ist nach so vielen Jahren in der Buchbranche nicht ganz einfach. Aber in Leipzig finde ich jedesmal viele Bücher, die mich interessieren, und von deren Existenz ich bis dahin noch nichts wusste.

Eine der wenigen Buchhandlungen, die mich noch inspirieren kann, ist Thalia in Nürnberg. Andere Großbuchhandlungen sind mir meist zu stromlinienförmig. Kleine unabhängige Buchhandlungen sind für meinen Lesegeschmack zu Roman-lastig. Meine Lieblingsbuchhandlung suche ich noch immer. Habt Ihr eine Idee für mich?


Infos zum Buch:

Kevin Duncan

Das Buch der Ideen
50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren
Midas Smart Guides

Midas Verlag
ISBN 9783907100622

Nicht mehr lieferbar


Kaum jemand kommt an seinem Arbeitsort auf anständige Ideen. Und wenn er es zuhause macht, arbeitet er zuviel.
Das Buch der Ideen; S. 19


Noch zwei Lese-Tipps von mir:

Und natürlich dieses Standardwerk:

Deutschland, deine Götter: Religionen gibt’s, die gibt’s ja gar nicht!

Sachbuch Deutschland, deine Götter

Ein großes Lesevergnügen war für mich das Sachbuch von Gideon Böss „Deutschland, deine Götter. Eine Reise zu Kirchen, Tempeln, Hexenhäusern“

Wicca, Zeugen Jehova, Osho, Mormonen, Muslime, Juden und die Kirche des fliegenden Spaghettimonster sind dabei nur einige seiner Stationen.

Überall bemüht er sich, unvoreingenommen und neutral zu forschen. Das gelingt ihm mal besser, mal schlechter und mir hat das Buch genau dann am meisten Spaß gemacht, wenn der Autor beginnt aus seiner selbst gewählten Haltung des objektiven Journalisten und Forschers herauszufallen und sich an den Interviewpartnern und ihren Antworten zu reiben.

Wiedergeburt, Himmel und Hölle und die Frage nach der gleichgeschlechtlichen Liebe dienen ihm bei seiner Reise zu Deutschlands Götter als Prüfstein. Wie antworten die Kirchenvertreter? Rechnen sie mit diesen Fragen? Bieten sie schlüssige Antworten? Sind sie überhaupt an einer Diskussion interessiert?

Häufig fand er sowohl Offenheit als auch Humorlosigkeit genau dort, wo man sie eher nicht erwartet hätte. Es menschelt eben auch bei Gottes Bodenpersonal.

Zusätzlich zum Lesevergnügen erhält man auch noch einen Crashkurs in Religionsgeschichte(n). Klare Leseempfehlung meinerseits und ich fasse mich diesmal in meiner Rezension so kurz, weil Ihr hier bei Scilogs eine so rundherum großartige Besprechung findet, dass ich gar nicht mehr viel zum Buch sagen brauche.


Angaben zum Buch:

Gideon Böss

Deutschland, deine Götter
Eine Reise zu Kirchen, Tempeln, Hexenhäusern

Klett Cotta Verlag

ISBN: 978-3-608-50230-5

Weitere Rezensionen findet Ihr auch bei booknerds und Die Liebe zu den Büchern.


Und was sagen uns die Götter? Darüber hat Stephen Fry ein amüsantes Buch geschrieben. Hier meine Rezension: