
Für neugierige Menschen wie mich ist die Buchreihe „ … für Dummies“ ein Segen, weil sie einen niedrigschwelligen Einstieg in Wissensgebiete ermöglicht. Wie „Der Talmud für Dummies“ beweist, funktioniert das auch bei hochkomplexen Themen, die sehr weit von der eigenen Lebenswelt entfernt sind.
Beginnen wir mit einer Definition, was der Talmud eigentlich ist, die mich gleich aufhorchen ließ. Rabbi Steinsalz bezeichnet ihn als das wichtigste Buch der jüdischen Kultur
„… ein Konglomerat aus Recht, Legende, und Philosophie, eine Mischung aus einzigartiger Logik und klugem Pragmatismus, aus Geschichte, Wissenschaft und Humor.“
Der Talmud für Dummies – Seite 30
Ich gestehe: Ein heiliges Buch, das den Alltag regelt, hatte ich mir anders vorgestellt. Aber was weiß ich schon über den jüdischen Glauben und das Alltagsleben gläubiger Juden? Mein Bild speist sich aus Besuchen in jüdischen Museen, einzelnen Sachbüchern wie „Le Chaim“, Biografien wie die zu Gertrud Kolmar, Graphic Novels und Romanen. Alles Einblicke von außen, jedoch kaum Wissen aus erster Hand.
Was mir aber sowohl in dem Jugendbuch „Hoodie Rosen“ als auch in meinen Gesprächen mit Juden immer wieder begegnete, ist eine Diskussionsfreude und ein Diskussionsstil, der mich faszinierte. Auf Augenhöhe, leidenschaftlich, ausdauernd und mit der Liebe zum Detail. Gleichzeitig mit der Fähigkeit, andere Meinung gelten zu lassen, und den Disput mit einem Konsens zu beenden.
Das war die erste Erkenntnis aus „Der Talmud für Dummies“: Für dieses Diskussionsverhalten gibt es eine kulturelle Erklärung. Die Debatte gilt als der beste Weg, die Wahrheit herauszufinden. Doch am Ende der Diskussion können immer noch unterschiedliche Meinungen existieren – und das ist in Ordnung:
„Diese und jene sind die Worte des lebendigen Gottes. Dieser Satz ist tiefgründig. Er lehrt, dass zwei gegensätzliche Ansichten für Gott akzeptabel sein können. Das Leben ist nicht immer schwarz und weiß.“
Der Talmud für Dummies – Seite. 115
Die zweite war: Weil sich die Welt verändert, werden die Debatten auch nicht aufhören. Der Talmud ist nicht fertig. Das zeigt sich schon im Layout: in der Mitte der Seite steht der Ursprungstext, drumherum die Kommentare, Anmerkungen und Diskussionen der Gelehrten. Ein analoger Hypertext, Jahrhunderte vor dem Internet.
Auch wenn Arthur Kurzweil sein Buch eigentlich für Menschen geschrieben hat, die den Talmud studieren möchten, habe ich, die einfach nur neugierig war, viel Wissen daraus für mich mitgenommen!
Mehr Infos zum Buch:
Arthur Kurzweil
Übersetzung: Sebastian Muhr
Der Talmud für Dummies
Übrigens begegnete ich in der Literaturliste zu „Talmud für Dummies“ sozusagen alten Bekannten: Bücher aus dem Morascha Verlag wie „Talmud für alle“. Mit Verlegerin Karin Selig habe ich schon beruflich diskutiert. Ihren Blog Jüdische Gedankenwelt lese ich immer noch gerne, weil er mir zeigt, wie jüdische Religion und Alltag zusammenhängen. Schaut doch mal dort rein – zum Beispiel in diesen Beitrag „Berge Ferien, Schabbat – aber bitte ohne Lichtschranken„, in dem sie erzählt, was bei der Wahl eines Ferienortes zu bedenken ist!

