Kurz, kürzer, SF: Micro Science Fiction

In ganz seltenen Fällen wäre ich gern mal einen Tag lang Gast im Gehirn eines Autors. Einfach nur um herauszufinden, wie jemand denkt, der sich so etwas wie 200 Zeichen lange Kürzest-Science-Fiction, die alle noch einen Plot-Twist enthalten, ausdenkt. Also so jemand wie O. Westin. Zum Vergleich: Diese Einleitung für meinen Blog-Beitrag hat bereits 281 Zeichen. Sie ist damit deutlich länger als jede Geschichte aus dem Buch „Micro Science Fiction“. Und, da bin ich realistisch, sie enthält auch deutlich weniger Aliens, KIs, Zeitreisen und Spannung. „Haben Sie einen Dextrodim Franger vom Typ R1 für meine Zeitmaschine?“ „Führen wir hier nicht. Das sage ich Ihnen jeden Tag, seit einem Monat“. „Nein, das haben Sie mir noch nie gesagt“. Micro Science Fiction vom 17/07/2013Seite 13 Ihr seht mich staunend und voller Ehrfurcht. Einmal, vor der Kreativität des Autors. Dann vor der Leistung der Übersetzerin Birte Mühlhoff, die es geschafft hat, die Kürze…

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Leben in der Optimalwohlökonomie: Science Fiction von Theresa Hannig

Warum eigentlich habe ich schon so lange keinen Science-Fiction mehr gelesen? Theresa Hannigs Zweiteiler „Die Optimierer“ und „Die Unvollkommenen“ waren für mich auf jeden Fall der perfekte Einstieg, um mich dem Genre wieder zu nähern. Ihre Geschichte beginnt im Jahr 2052 in der Bundesrepublik Europa, einer Insel im Weltgeschehen. Hier geht es den Bürgern gut, denn es ist genug für alle da – aber nur, wenn jeder sich an die Regeln hält. Optimalwohlökonomie nennt sich das Konzept, das auf nachhaltiger Wirtschaft und totaler Überwachung basiert. Es ist eine unglaublich gut durchdachte Welt, die Theresa Hannig gebaut hat. Eine Welt, die auf erschreckende Art auf unserer basiert. Von Fleischverbot bis Abschaffung des Individualverkehrs kommt uns vieles bekannt vor. Nur, dass es ganz leicht ins alptraumhafte verdreht wird. Wer mehr zur Handlung erfahren möchte, dem empfehle ich die Buchbesprechung im Standard, der ich weitestgehend zustimme. Während sich der erste Band rasant in…

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Träume deuten – intuitiv und doch systematisch

Ich träume intensiv, kann mich gut an meine Träume erinnern und habe ein für mich funktionierendes System entwickelt, meinen Träumen eine Bedeutung zu entlocken. Trotzdem greife ich alle paar Jahre zu einem Traumdeutungsbuch und schaue, ob es neue Ideen enthält, die ich in meinen Umgang mit Träumen integrieren kann. In „Träume deuten und sich selbst verstehen“ bin ich fündig geworden. Was mir an dem Buch richtig gut gefällt, ist die systematische Herangehensweise. Noch bevor man sich den Bildern des Traums und ihrer Bedeutung zuwendet, schafft man sich mit Hilfe weniger Fragen einen Deutungsrahmen. Wo bin ich im Traum und wer kommt alles darin vor? Wie fühle ich mich – psychisch und körperlich? Was hatte ich in den Tagen vor dem Traum erlebt – gibt es da einen Anknüpfungspunkt? Insbesondere die sich daran anschließende letzte Frage „Können sie den Traum weiterträumen?“ finde ich hilfreich. Ich führe gerne Träume nach dem Aufwachen…

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Adventure Huhn – Comic-Tipp

Man muss die beiden einfach lieben: das hyperaktive und naive Adventure Huhn und seine unfreiwillige Weggefährtin, die depressiv-nörgelige Raupe Susan. Gemeinsam erleben sie ein Abenteuer, das uns einmal quer durch Fantasy-Welt führt. Schlachten und Prinzessinnen, Rätsel und Intrigen. An jeder Wegbiegung stellt sich die Frage, welcher Plot-Twist diesmal auf uns wartet. Rollenspieler kennen das und fühlen sich gleich zuhause. Gelegenheits-Fantasy-Leserinnen wie ich lieben die Geschichte, weil sie so herrlich mit Genre-Klischees spielt. Alle Zyniker werden Susan und ihre trockenen Kommentare ins Herz schließen. Kurz: Es gibt keinen Grund, diesen Comic nicht zu lesen! Infos zum Comic: Franziska RuflairAdventure Huhn Avant Verlag Mehr zu Geschichte und Probeseiten bei der Comic-Bloggerin meines Vertrauens: Booknapping Freut euch auf Trolle, Prinzessinnen, Zwerge, Drachen, Kunstausstellungen und eine echt gute Message in Sachen Freundschaft, Body Positivity und – ja, auch Diversität. Yeah. Booknapping über Adventure Huhn Und wer jetzt Lust auf Comics bekommen hat – wie…

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Relativ real: was sehen wir wirklich?

Alles Maya sagten schon die alten Inder: Die Welt ist eine Täuschung. Donald D. Hoffman ist kein alter Inder, sondern Kognitionspsychologe. Er forscht darüber, wie sich unsere Wahrnehmung entwickelt hat. Dafür nutzt er mathematische Modelle und neuropsychologische Experimente, über die er gerne und ausführlich schreibt. Genau das machte das Buch für mich schwierig: Ich bin nicht so sehr an seitenlangen Versuchsbeschreibungen interessiert. Mir würde es genügen, kurz und knackig zu erfahren, was er wissen wollte, und wie er es herausfinden wollte. Auch der Briefwechsel mit Francis Crick, den er als junger Forscher führte, mag zwar für ihn ein Meilenstein seines Wissenschaftlerlebens gewesen sein – der Erkenntnisgewinn für mich als Leserin steht in keinem Verhältnis zur Seitenzahl, auf der er diese Episode ausbreitet. Zum Buch gegriffen habe ich, weil mich fasziniert, wie Tiere die Welt sehen. Zum Beispiel Fliegen: anderes Farbspektrum, andere Blickwinkel, andere Details. Aber welche Welt ist nun wirklich…

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Handbuch des Räucherns: Kräuter, Wurzeln, Rinden und Harze

Von A wie Ahorn bis Z wie Zimt: Räuchern lässt sich fast alles. Das „Handbuch des Räucherns“ ist eine Einladung zum Experimentieren mit frischen und getrockneten Kräuter, Rinden, Harze und Wurzeln. Alles, was wir brauchen, ist eine wirklich minimale Ausrüstung. Eine Schale mit Vogelsand und Räucherkohle. Oder ein Teelicht-Glas mit einem Sieb darüber. Dazu Neugier, Muse und einen offenen Geist. Genau das war die Überraschung an dem Buch von Daniela Dettling: wie viel Raum der Mensch einnimmt. Ihr Buch ist mehr als ein Nachschlagewerk der heimischen Räucherpflanzen. Es ist eine Einladung, die Welt auf mehreren Ebenen zu entdecken. Die handfeste Welt der Aromen und der ätherischen Öle und die feinstoffliche Welt der Wirkungen von Düften, die Wissenschaftler nicht beschreiben können. Unser Alltag, in dem wir versuchen „Me-Time“ und „Selfcare“ einzubauen, und die immer gültigen Abläufen der Natur, die Menschen schon seit Jahrtausenden mit Jahreszeitenfesten begehen. Das, was wir in Worte…

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Aromatherapie – pflegen & heilen mit ätherischen Ölen

Alles drin. So könnte ich meinen Eindruck von dem Buch „Aromatherapie für Frauen“ zusammenfassen. Das Standardwerk beginnt mit einer kompetenten, fachlichen Einführung in das Universum der Düfte, Aromen und ätherischen Öle. Dabei geht es immer ganz konkret um die Frage, wie und warum ätherische Öle wirken. Dafür werden durchaus mal Begriffe wie 1-p-Menthen-8-Thiol verwendet, denn das ist der Stoff, der im Grapefruit-Öl die stimmungsaufhellende Wirkung verstärkt. Doch trotzdem ist das Buch kein schwieriges Fachbuch: Trotz aller Ausflüge in die Chemie und Medizin ist es stets gut lesbar. Der eigentliche Schatz sind jedoch die über 250 Rezepte für Heil- und Pflegeprodukte. Wer Naturkosmetik selbst herstellen möchte, findet in diesem Ratgeber erprobte Anleitungen für Cremes, Deos, Shampoo und Zahnpasta. Sogar an ein Mittel zur Glättung von Narben haben die Autorinnen gedacht. Doch ätherische Öle können mehr als nur pflegen – sie sind Begleiter in allen Lebenslagen von Pubertät bis Wechseljahre und Alter.…

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Südafrika, Indien, Dresden: ein Weltbürger als Chronist

Hussein Jinah ist ein unfreiwilliger Chronist. Er wurde dazu einfach nur, weil er lernen, arbeiten und andere Länder kennenlernen wollte. Diese Haltung führte ihn und seine Familie schon nach Tansania, Südafrika und Indien. Wo auch immer sie hinkamen, der Rassismus war schon dort, bereit, seine hässliche Fratze zu zeigen. So war es auch, als Hussein Jinah mit einem Stipendium in die DDR nach Dresden kam. Er blieb. Auch nach der Wiedervereinigung Deutschlands. Auch, als Pegida- Anhänger begannen, zu demonstrieren. Jetzt, wo der Rechtsextremismus in ganz Deutschland erstarkt ist, ist er immer noch da. Er beobachtet, analysiert und zeigt Haltung. Das macht er so klar und konzentriert, dass seine Chronik auf gerade einmal 82 kleine Seiten passt. Auf diesen wenigen Seiten steht mehr Bedenkenswertes als auf tausenden von Nachrichtenseiten. Ankommen in der DDR: der Rassismus war schon vor Ort Zur Völkerfreundschaft à la DDR gehörte es, Studenten aufzunehmen. Doch die Erwartungshaltung…

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Das Leben danach: Der große schwarze Vogel

Was habe ich gezögert, dieses Buch anzufangen! Eine Geschichte, in der gleich zu Beginn die Mutter stirbt, muss doch tieftraurig sein. Ein Jugendbuch, das davon erzählt, wie ein Witwer und seine beiden Söhne mit dem Verlust umgehen, kann man doch nicht einfach so, abends auf der Couch zur Entspannung lesen. Oder? Doch! Das geht, weil Stefanie Höfler so schreibt, wie nur sie es kann: Sie nimmt ihre Figuren ernst und hilft ihnen mit genau dem richtigen Quentchen Leichtigkeit durch schwierige Phasen. All das, was mich schon an ihrem Jugendbuch „Tanz der Tiefseequalle“ so begeistert hat Hier sitzt jede Geste, jedes mimische Detail, jeder Satzfetzen. Zudem umschifft Stefanie Höfler zielsicher alle Klischees. Meine Rezension zu „Tanz der Tiefseequalle“ von Stefanie Höfler hat „Der große schwarze Vogel“ auch – nur noch intensiver. So ist ein Jugendroman entstanden, der voller Trost und Empathie davon erzählt, wie das Leben weiter geht, immer weiter geht.…

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Von der Notwendigkeit, das Leben zu verstehen

Langsam lesen. Ganz wichtig. Jede einzelne Kurzgeschichte aus „Von der Notwendigkeit, den Weltraum zu ordnen“ nachwirken lassen. Der genauso exakte wie poetische Stil von Pippa Goldschmidt hat das verdient und nur dann bekommt man diesen einen Punkt mit, an dem die Geschichte vom Realen ins Surreale wechselt. Wobei man sich als Leser dabei nie ganz sicher ist. Vielleicht ist dass, was dann folgt, auch nur der Teil der Realität, den man selbst bisher ausgeblendet hat? Vielleicht sind Menschen wirklich so? Pippa Goldschmidt erzählt von Forschern und Wissenschaftlerinnen, die die komplexesten Formeln verstehen, aber mit ihren Mitmenschen an ihre Grenzen kommen. Auch wenn in diesen Kurzgeschichte Turing, Einstein und Oppenheimer auftreten, sind es doch die Frauenfiguren, die mir im Gedächtnis bleiben werden. Denn während die Männer „nur“ mit ihren unwissenschaftlichen Gefühlen kämpfen und Auswege erfinden, erleben die Frauen zusätzlich, dass sie einem viel größeren Schlachtfeld erst gar nicht entfliehen können –…

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Im Wald und auf Wanderschaft: zwei Wortwanderungen durch die Natur

Ameise, Fuchs, Wildschwein. Buche, Lichtung, Tanne. Aber auch Hexe, Räuber, Waldgeister. Oder Dunkelheit, Einsamkeit und Stille. Worte, die eng mit dem Wald verknüpft sind. Rita Mielke lädt uns ein, mit ihr durch Wald und Wörter, Kulturgeschichte und Literatur zu streunen. Woher stammt das Wort Brennnessel, was ist seine symbolische Bedeutung und in welchen Gedichten kommt es vor? Wie verbreiten Misteln ihre Samen und wie schlägt sich das im Wort Mistel nieder? Wann wurde der Adler zum König der Vögel? Mit diesem Buch auf kulturhistorische Streifzüge zu gehen macht Spaß und sorgt für Aha-Effekte. Petra vom Blog Elementares Lesen erging es genau wie mir: Über die Herkunft der Wörter, ihre Spuren in Mythen, Märchen und Literatur und über die Eigenschaften, die wir ihnen zuschreiben, informiert die promovierte Literaturwissenschaftlerin und Kulturjournalistin Rita Mielke auf unterhaltsame Weise. Blog Elementares Lesen – Rita Mielke: Im Wald – Eine Wortwanderung durch die Natur Wobei meine…

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Das Prinzip der Mühelosigkeit

Pamela Obermaier, Dr. Marcus Täuber Das Prinzip der Mühelosigkeit Warum manchen alles gelingt und andere immer kämpfen müssen. Sachbuch

Kompetentes Plaudern – so würde ich den besonderen Tonfall dieses Buches beschreiben. „Das Prinzip der Mühelosigkeit“ ist definitiv kein Tschakka-ändere-dein-Leben-in-21-Tagen-Ratgeber, denn dann hätte ich es gar nicht zu Ende gelesen. Es kommt eher wie ein Buch gewordener Podcast daher: frisch, leicht, interessant. Mag ich. Natürlich geht es in dem Buch auch um Spitzenleistungen von Sportlern und Managern. Das ist nicht meine Welt, aber ich konnte diesen Teil problemlos ignorieren. Kreativität entfalten, leichter lernen und ohne tagelanges Grübeln stimmige Entscheidungen treffen – das sind die Themen, die in dem Sachbuch viel mehr Raum einnehmen als die Manager-Attitude. Damit wurde es zu meinem Buch. Natürlich bringen wir alle zu diesen Themen einen Haufen Vorkenntnisse mit. Hier ein Zeitungsartikel, da der Rat eines Freundes, dort ein Ratgeber. Wissen wir nicht schon längst alles? Fehlt es nicht einfach nur an der Umsetzung? Genau das denken die Autoren offensichtlich mit und halten daher gut die…

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