Katja Behrens – Adam und das Volk der Bäume – Rezension

Das Volk der Bäume: Was ist der Mensch ohne Wurzeln? Manche Menschen entspannen sich am Meer, andere in den Bergen. Berge oder Meer? Das ist mir egal, Hauptsache es gibt dort einen Wald. Wenn ich Wald sage, meine ich einen richtigen Wald, keine in praktische Planquadrate aufgeteilte Forstplantage mit lauter altersgleichen Bäumen und schnurgeraden Wegen, auf denen man morgens schon sieht, wen man nachmittags zum Kaffee treffen wird. Ich meine auch keine pädagogische Erziehungs- und Ertüchtigungsanstalt mit grundschulgerechten Schautafeln und einer für Jogger optimierten Wegeführung. Ich meine einen richtigen Wald; einen, in dem man vor lauter Wald die Bäume nicht sieht. In solch einem Wald würde ich mich gerne unter einem Baum setzen und warten, dass sich ein Rotkehlchen auf meine Schulter setzt. Mir ist das noch nie passiert. Für Adam, den Helden aus Katja Behrens „Adam und das Volk der Bäume“, ist das jedoch die Normalität. Rotkehlchen sind zwar sehr neugierige Vögel, aber wahrscheinlich…

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Susanne Diehm – Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens – Rezension

Genre-Grenzgänger: Ein Roman ist ein Roman ist ein Sachbuch über das Schreiben „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ ist ein Fachbuch, das vorgibt, ein Roman zu sein und in dem die Heldin lernt, einen Roman zu schreiben, woraus dann doch ein Fachbuch wird. Was daran liegen könnte, dass ihr Leben romanhaft genug ist. So hat Hannah am Ende des Buches genug Stoff für einen Roman zusammen und stellt in der Geschichte eine Fortsetzung der Geschichte in Aussicht. Damit ist „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ von Susanne Diehm ein Genre-Grenzgänger der besonderen Art. Um das zu verstehen, sollte man erst mal einen Blick auf den Verlag werfen. Der Schibri-Verlag ist nach eigener Aussage der „führende Fachverlag für Theaterpädagogik, Kreatives Schreiben und praktischer Philosophie im deutschsprachigen Raum“ – also lauter Themen, bei denen man mit Geradeaus-Denken nicht sehr weit kommt. „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ dürfte sich im Schibri-Verlag sehr zuhause fühlen. Die Protagonistin nutzt,…

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Gary Dexter – Der Marodeur von Oxford. Psychopathia Sexualis und andere menschliche Rätsel

„Es gibt nichts Trügerischeres als eine offensichtliche Tatsache.“Sir Arthur Conan Doyle Gleich in der ersten Geschichte ist mir ein Satz begegnet, der mich für den Rest des Buches nicht mehr los ließ: „Und ich dachte, ich sei fast der Einzige …“ Doch erst einmal der Reihe nach: Dr. Henry St. Liver löst Kriminalfälle im viktorianischen England, die meist ohne wirkliches Verbechen auskommen und die alle einen erotisch-fetischistischen Hintergrund haben. Er kommt den Tätern durch logisches Denken auf die Spur. Sein enormes Wissen über die noch recht neue wissenschaftliche Fachrichtung der Sexualpsychologie hilft ihm dabei weiter. Ihm zur Seite steht kein Dr. Watson, sondern Olive Salter, eine leicht hypochondrische Schriftstellerin, die in Australien aufwuchs. Ihre Karriere als Autorin kommt erst in Gang, als der wortkarge Oscar Wilde eine Rezension veröffentlicht. Für eine recht sachliche Zusammenfassung des Inhalts waren das schon ziemlich viele Querverweise, oder? Und das ist harmlos im Vergleich zu dem, was in „Der Marodeur von…

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Ernst Haffner – Blutsbrüder – Kurzbesprechung

Berlin, 1932 Jungs. Aus Erziehungsanstalten ausgerissen, aus desolaten Familien geflüchtet, auf der Straße gelandet. Mädchen kommen fast nur als Überträgerinnen von Geschlechtskrankheiten vor. Halt gibt die Clique. Gemeinsam findet man immer eine warme Suppe, einen Platz zum Übernachten, das nächste Bier, einen Wintermantel. »Man liest es mit Gier und Spannung, wie man ehedem Räuber- und Indianergeschichten gelesen hat« schrieb der Münchener Simplicissimus – damals. Und heute? Erstaunlich, wie frisch dieses verschollene Werk auch heute noch ist. Der Autor Ernst Haffner begleitet die Jungs der Clique mit viel Verständnis und der nötigen inneren Distanz. Dies ermöglicht dem Leser ein einzigartiges Mit-Erleben und zieht ihn ins Buch hinein. Bei allem Realismus und aller Härte gibt es seltene Momente der Wärme und Geborgenheit. Doch Hoffnung gibt es nur für zwei der Blutsbrüder und dies auch nur, weil sie nicht blind dem Bandenchef folgen. Bleibt die Frage, was aus dem Autor geworden ist. Man weiß es nicht. Infos zum…

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Isabel Arés – Das Orakel der indischen Götter – Kartenset

Orakel Karten indische Götter

Alles so schön bunt hier: Das Orakel der indischen Götter Bunt ist es und ein wenig kitschig. Authentisch wirkt es auf mich deswegen trotzdem nicht, denn wäre es ein indisches Orakel-Set, wäre es bestimmt noch bunter*. Wahrscheinlich würde es auch glitzern und blinken. Möglicherweise wären die Karten auch aus Plastik und beim Öffnen der Schachtel würde ein Geräusch ertönen. Aber egal, denn wenn eine Europäerin die indischen Götter zu Rate zieht, kann das in meinen Augen eh nur eine Annäherung auf verschlungenen Pfaden sein. Einer meiner Pfade heißt Yoga. Ich übe Asanas, die nach indischen Göttern und Legenden benannt sind. Grund genug, neugierig zu sein, warum diese Yoga-Übungen nach Hanuman, Garuda und Nataraja benannt sind. Der andere Pfad heißt Tarot. Was passiert, wenn ich klassisches europäisches Kartenlegen mit indischen Götter-Karten verbinde? In meinem Fall nicht viel. Das liegt daran, das es den Karten im Gegensatz zum Tarot an innerem Zusammenhang mangelt. Jede Karte ist ein Solitär…

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Museumsbesuch – Fit fürs Museum – Rezension

Lust auf einen Ausflug mit der Kultursportgruppe? Fit fürs Museum – wie Museen Spaß machen „Fit fürs Museum“ von Andreas Blühm aus dem Hatje Cantz Verlag ist ein glücklicher Bibliotheksfund. So ganz werde ich die Systematik, nach der Bibliotheken ihre Bücher präsentieren, nie verstehen. Das macht aber nichts, denn es bereitet mir viel Vergnügen, planlos an den Regalen entlangzustreifen und zu warten, welches Buch mich anspringt. „Fit fürs Museum“ ist genau so ein Buch, das sich mir vorlaut in den Weg gestellt hat und „Lies mich!“ rief. So kam ich zu einer vergnüglichen Lesestunde. Kurzweilig, launig und amüsant ermutigt Andreas Blühm seine Leser, sich das Museum zu erobern. „Kommen Sie mit Familie oder in einer Gruppe, dann können Sie auch ausschwärmen und sich nach einer halben Stunde wiedertreffen un besprechen, welche Abteilung Sie sich in Ruhe vornehmen wollen. Aber dies sind nur Möglichkeiten. Es ist nämlich nicht verboten, bei Saal 1 zu beginnen und sich…

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"20 Dinge über mich" Blogstöckchen

Ertappt - ein frühes Foto der GeschichtenAgentin

Ihr habt mich angesteckt!In den letzten Tagen habe ich so viele wunderbare „20 Dinge über mich …“ Blogstöckchen gelesen, dass ich mir jetzt mein eigens Stöckchen zurecht geschnitzt habe. Viel Spaß damit und vielleicht habt ihr ja Lust, das aufzugreifen! 20 Dinge über mich. 20 Dinge, nach denen mich niemand fragt. 1. Ich rede lieber über Themen, die mich begeistern, als über das, was mich stört. 2. Teebeutelvergesser. 3. Meine Ballett-Lehrerin hat immer gesagt, Spitzenschuhe gibt es erst, wenn die Füße halbwegs ausgewachsen sind. Daher hatten meine ersten Spitzenschuhe die Größe 34. Heute habe ich Schuhgröße 42 und mache kein Ballett mehr. 4. Wir standen mal auf der Reise nach Südfrankreich vor Lyon im Stau und der Motor des Toyota begann, heiß zu laufen. Daraufhin habe ich bei 30 Grad Außentemperatur die Heizung voll aufgedreht. Das hat geholfen. 5. Ohne Wald mag ich nicht sein. Könnte an 7. liegen. 6. Meine Oma ist 100 Jahre…

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Andreas Séché – Namiko und das Flüstern – Rezension

Namiko und das Flüstern - Roman von Andreas Séché

Japan, die Liebe und ein alter Traktor „Namiko und das Flüstern“ Ein junger Journalist recherchiert in Japan zum Thema Gärten. Er sieht die Pflanzen, er erkennt die Struktur der Gärten, doch er begreift sie nicht. Durch seine Zufallsbegegnung mit Namiko wird sich das ändern, denn durch sie lernt er, das Leben, die Liebe und Japan zu verstehen. Für Japan wird er am längsten brauchen. Um sich dem Phänomen Japan anzunähern reicht Neugier alleine nicht. In eine Japanerin verliebt sein erhöht sicherlich die Motivation. Doch letztlich führt das, was man im Zen als Anfänger-Geist beschreibt, zum Ziel: eine offene, nicht-wertende Geisteshaltung. Es ist ein weiter Weg für unseren durch und durch europäischen Helden, bis er in der Lage ist, in einem alten Traktor ein Symbol für Lebensfreude zu sehen. Ohne Namiko und ihre Art, japanische Gärten über eine Mauer zu betreten, hätte er noch nicht einmal den Eingang zu diesem Weg gefunden. „Namiko und das Flüstern“…

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Altes, Neues, Unerwartetes – Frankfurter Buchmesse 2013

Meine 27. Frankfurter Buchmesse

Wenn ich richtig gezählt habe, war die #fbm13 meine 27. Frankfurter Buchmesse. 2x war ich als Schülerin dort, 24x als Buchhändlerin. Das klingt nach Messe-Routine. Trotzdem verlaufe ich mich pro Messe mindestens einmal und staune jedes Mal aufs Neue über die schiere Größe der Buchmesse. Meine letzten Buchmessenbesuche waren im Vorfeld einfach zu organisieren. Diesmal war die Ausgangslage für mich komplexer: Ich habe gelacht, geredet, geknuddelt, geflauscht, gestaunt, gelesen und Visitenkarten verteilt. Ein besonderes Gute-Laune-Highlight war für mich das Gespräch mit den Verlegerinnen des Südpol-Verlags. Ihre Unternehmensphilosophie würde ich mit „Machen, ausprobieren, lernen, Erfolg haben“ umschreiben. Ein gutes Beispiel dafür sind die Fotos auf ihrer Facebook-Seite, die dokumentieren, wie aus einem Haufen Bretter allmählich ein Buchmessen-Stand wird. Ich hätte nie gedacht, das die Mini-Kojen der Buchmesse so stimmungsvoll sein können! Vom Kleinverlag zu den ganz Großen: Random House hatte knapp 100 Buchblogger zu sich eingeladen. Die Bloggerbetreuung durch die Mitarbeiter der Verlage CBJ, Heyne fliegt,…

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Museumsbesuch – Belgische Comic-Zentrum – Brüssel

Mein Besuch im Comic-Museum Brüssel

Ein Museum für Fans: Das Comic-Museum in Brüssel Yippie! Schon die Eingangshalle des Belgischen Comiczentrums und die Tatsache, das fotografieren erlaubt ist, sorgen für gute Laune. Bevor man im ersten Stock an der Kasse angekommen ist, hat man garantiert schon das erste Dutzend Fotos geknipst. Die Rakete aus Tim und Struppi, Gastons 2CV oder die wunderschöne luftige Halle mit Glaskuppel des Jugendstilkaufhauses von Victor Horta aus dem Jahr 1906 sind echte Hingucker. Wie präsentiert man Comics in einem Museum? Comics sind kleinformatig und für eine Wandpräsentation schlecht geeignet. Eine Comicseite ist ein Gesamtkunstwerk. Würde man Einzelbilder nehmen und sie vergrößern, würden die Zeichnungen schnell ihren Reiz verlieren. Daher werden meist ganze Seiten präsentiert. Außerdem will ein Comic gelesen werden. Das bringt es mit sich, das man länger vor den Museumsobjekten stehen bleibt, insbesondere dann, wenn wie bei mir die Französischkenntnisse zu wünschen übrig lassen. Sollten dann noch Schulklassen anwesend sein, kann es zu Staus kommen.…

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Wut im Quadrat – Mannheim-Krimi – Rezension

L6, Spaghetti-Eis, der Waldhof und ein Mord ohne Leiche „Wut im Quadrat“ ist der erste Mannheim-Krimi von Olivia von Sassen. Ach Quatsch , von Alexander Emmerich. Autor und Hauptfigur kann man schon mal verwechseln, wenn man mit der Heldin eines Romans twittert, bevor man das Buch in den Händen hält. Aber Alexander Emmerich hat das so gewollt und seiner Prinzessin Livi, wie ihr Polizei-Kollege Moritz sie gerne nennt, viel Raum außerhalb des Buches gegeben. Den füllt sie nicht nur mit Werbung zum Krimi, sondern auch mit schönen Bildern von Mannheim. Oder verwechsel ich da schon wieder etwas? Nebenbei macht das Sonnenscheinchen Mannheim ein gutes Stück sicherer und löst innerhalb von drei Tagen ihren ersten Fall. Die Hauptrolle in einem Mannheim-Krimi spielt natürlich die Stadt selbst. Alexander Emmerich bindet die Mannheimer Geographie geschickt, präzise und stimmungsvoll in seinen Krimi ein. Mannheim ist keine schöne Stadt, aber eine Stadt mit schönen Ecken. Olivia von Sassen, die gerade…

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Bücherbüffet in Karlsruhe

Nach der Buchmesse wird für mich in diesem Jahr vor der Buchmesse sein. Auf die große Buchmesse in Frankfurt folgt für mich als Kontrastprogramm das Bücherbüffet in Karlsruhe. Dort werde ich viele Buchmenschen treffen, lecker essen und mich über das Programm von rund 30 Verlagen informieren. Von diesen Verlagen kenne ich gerade mal drei und bei einer Handvoll weiterer habe ich eine grobe Vorstellung, was sie veröffentlichen. Der Rest wird für mich spannendes Neuland sein. Für mich steht an diesem Tag ein Wechsel der Blickrichtung an, auf den ich mich sehr freue. In meiner Selbstwahrnehmung habe ich mich schon immer über Kleinverlage informiert. Doch was ist für eine Buchhändlerin in einer großen Filialbuchhandlung mit Zentraleinkauf ein Kleinverlag? Wie klein ist klein? In der Welt der Buchhandelsketten gilt als Kleinverlag ein Verlag, der es nicht ins Zentrallager schafft. Die Titel dieser Verlage braucht ein großer Buchhändler seiner Meinung nach nicht und seine Kunden angeblich nur auf Bestellung.…

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