Für Hypochonder nicht geeignet: Wie Viren und Parasiten uns steuern

Buch: Die Psycho-Trojaner. Wie Parasiten uns steuern. Das Sachbuch liegt auf einem gelben Warnschild.

Wenn ein Fuchs zutraulich auf dich zu kommt, halte Abstand, denn er könnte Tollwut haben. Da ich als Kind am Waldrand gespielt habe, kenne ich diese Warnung. Ich weiß auch, dass Schnecken, die gut sichtbar in Augenhöhe am Baumstamm kleben, von einem Parasiten befallen sind. Er steuert deren Verhalten und bringt sie in eine Position, in der sie leichter von einem Vogel gefressen werden können. Dort, im Darm, kann er sich vermehren.

Allerdings hatte ich bisher die Gemeinsamkeit im Tierverhalten übersehen. Und schon gar nicht wäre ich auf die Idee gekommen, abweichendes menschliches Verhalten mit Parasiten und Viren in Verbindung zu bringen. Nach der Lektüre von „Psychotrojaner. Wie Parasiten uns steuern.“ sehe ich das anders.

Parasiten wollen nur eines: sich vermehren

Natürlich ist die Wahrscheinlichkeit, an Syphilis zu erkranken, für Menschen mit einem ausgeprägten Sexualtrieb höher. Aber auch andersrum ist die Aussage korrekt: Syphilis steigert den Sexualtrieb, den so kann sich die Krankheit weiter ausbreiten. Das ist mittlerweile gut erforscht. Doch sogar für psychische Erkrankungen wie Depression und Schizophrenie liegt laut Monika Niehaus und Andrea Pfuhl bereits mehr als ein solide begründeter Anfangsverdacht vor, dass hier Viren und Parasiten beteiligt sein können.

Ihr Sachbuch ist ein großes Lesevergnügen und ein wilder Ritt durch die Biologie und die Medizingeschichte. Eines der Bücher, bei dem ich ständig meinem Gegenüber fassungslos bizarre Fakten weitererzählt habe. Bei dem ich mich stellenweise so geekelt habe, dass ich einfach weiterlesen musste. Eines, bei dem ich aus dem Staunen nicht mehr rauskam.

Aber was soll man auch anderes tun, wenn man erfährt, dass Toxoplasma den Geruchssinn von Mäusen und Ratten so verändert, dass sie Katzenurin unwiderstehlich finden? Das ist nur eines der vielen drastischen Beispiele aus dem Buch. Zum Glück gehen die Autorinnen fair mit uns Leser:innen um. Sie beginnen beim Vertrauten (Läusen) und wechseln zum Bekannten (Pest und Syphilis). Erst dann, wenn wir verstanden haben, wie kompliziert und zeitaufwändig der Vermehrungszyklus von Viren und Parasiten ist und wie viele Zwischenwirte dafür nötig sein können – dann gehen sie so richtig in die Vollen.

Bevor ich jetzt seitenlang weitere bizarre Beispiele zitiere, sag ich nur eines: Lest dieses Buch – hier ist die Leseprobe!


Infos zum Sachbuch:

Monika Niehaus und Andrea Pfuhl
Die Psycho-Trojaner. Wie Parasiten uns steuern

Hirzel Verlag


Übrigens: kaum ein Tier hat so viele Parasiten wie die Fledermaus

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