Kunst kommt von Kopfschütteln

Ist das Kunst oder kann das weg? Sachbuch Rezension

Kunst kommt von Kopfschütteln. Allein für diesen Satz bin ich dem Buch „Ist das Kunst oder kann das weg?“ schon dankbar. Das ist für mich die griffigste Erklärung für meine Herangehensweise an moderne – damit meine ich SEHR moderne – Kunst. Kunst, die ein Kopfschütteln bei mir auslöst, mag ich, denn sie berührt mich. Kunst, die mich nicht berührt, ist uninteressant. So mache ich mir das Leben als Museumsbesucherin und Kunst-Konsumentin einfach. Den ganzen Diskurs-Ballast wie „Das ist eine Hommage an …“ oder „Der Künstler kritisiert damit…“ oder auch „Wie schon Beuys sagte …“ blende ich damit aus. Einfach so. Das ist die Kunst mir wert. Vom wahren Wert der Kunst lautet der Untertitel des Buches. Ist Kunst dann viel wert, wenn sie teuer gehandelt wird? Oder dann, wenn sie von Menschen wie mir genossen und rezipiert wird? Oder dann, wenn sie viele Besucher ins Museum lockt, die im Schnitt nur wenige Sekunden vor einem…

weiterlesen

Anarchistische Entdeckungen, die nur auf der Leipziger Buchmesse möglich sind

Sach-Comic Kleine Geschichte des Anarchismus

Bei diesem Beitrag muss ich aufpassen. Er könnte mir zu sentimental geraten. Verlag Graswurzelrevolution – dieser Name lockt bei mir viele Sätze hervor, die mit „damals“ beginnen. Liegt daran, dass ich den Verlag als Abiturientin entdeckt habe. Hinterfragen, genau wissen wollen, überprüfen, ob es nicht noch ganz andere Alternativen gibt, als die im Lehrplan vorgeschlagenen – das war für mich wichtig. Nicht, dass meine Lehrer mich auf den Pfad gebracht hätten, aber die zufällige Anwesenheit von Werbematerialien anarchistischer Verlage und des Schwarzen Fadens neben meinem Geschichts-Lehrbuch auf dem Schreibtisch wurde doch wohlwollend zur Kenntnis genommen. Oder verkläre ich das im Nachhinein? Eines verkläre ich ganz sicher nicht: Früher konnte man solche Verlage auch auf der Frankfurter Buchmesse antreffen. Ich fand das toll und habe begeistert in Programmen gestöbert, von denen ich sonst mit viel Glück einige Titel in Mannheim in der Xanthippe oder im Anderen Buchladen finden konnte. Vielfalt, Freiheit, Gegenentwürfe – mir ging es…

weiterlesen

Ruhe im Kopf: Schluss mit dem Dauerdenken

Ratgeber Newbigging Ruhe im Kopf

Eigentlich würde ich leidenschaftlich gerne über Jetzt! von Eckhart Tolle bloggen. Das Buch habe ich auf einer langen Zugfahrt nach Berlin in einem Rutsch durchgelesen, entgegen der Empfehlung des Autors, der dazu rät, nach jedem der kurzen Kapitel eine angemessene Pause zu machen. Seit jener Zugfahrt habe ich immer wieder darin gelesen. Doch jedesmal, wenn ich versuche, meinen Weg mit Jetzt! in Worte zu fassen, stolpere und scheitere ich. Zu dicht, zu intensiv, zu … zu alles. Wie Beavis und Butthead in seligen MTV-Zeiten möchte ich mich auf die Knie werfen und I’m not worth it! ausrufen. Über Eckhard Tolle werde ich also vorläufig nicht bloggen. Macht nichts, dann blogge ich eben über Sandy C. Newbigging und sein neues Buch Ruhe im Kopf, der damit sozusagen das Jetzt! in leicht anbietet – handhabbar, motivierend, machbar. Das ist seine Stärke, die mir schon in Mind Detox angenehm aufgefallen ist. Dauerdenken, dauerbewerten, nicht zur Ruhe kommen, nie zufrieden…

weiterlesen

Tinkerfarm: toller Schauplatz, aber …

Tinkerfarm Band 2 - Jugendbuch Fantasy

Man muss ja nicht alles großartig finden, was ein Lieblingsautor veröffentlicht. Aber das fällt schwer! Über weite Strecken hat die Serie um die Tinkerfarm von Tad Williams und Deborah Beale das Zeug zu einem richtig guten Familien-Schmöker. Es könnte ein Buch sein, dass sich die Familie reihum gegenseitig vorliest. Die Eltern den Kindern, das ältere Geschwisterkind dem jüngeren Kind und zwischendurch ein paar Sätze vom Jüngsten. Spaß hätten sie alle zusammen, denn das Setting ist toll. Eine Farm weit draußen auf dem Land, die alles andere als gewöhnlich ist. Eine Herde von Einhörnern lebt dort, ein fliegender Affe und Drachen. Diese Wesen kommen aus einer Verwerfungsspalte, die die Farm mit anderen, sehr anderen Orten und Zeiten verbindet. Nicht nur die Tiere kommen von dort, auch ein Teil der eher menschlichen Bewohner. Dort verbringen die Geschwister Tyler und Lucinda nicht ganz freiwillig ihre Sommerferien. Sie erwarten Langeweile und finden Abenteuer. Es könnte also alles toll sein. Die…

weiterlesen

Das gar nicht so geheime Leben der Bäume: warum ich das Buch abgebrochen habe

Sachbuch Das geheime Leben der Bäume

Vielleicht funktioniert dieses Buch nur, wenn der Leser von Anfang an überrascht ist: Oh, ein Wald ist also viel mehr als eine Ansammlung einzelner Bäume mit einigen anderen Lebewesen dazwischen? Bei mir blieb dieser Überraschungseffekt aus, da ich einfach schon zu viel zu diesem Thema gelesen hatte. Außerdem kannte ich einige der Interviews, die Peter Wohlleben gegeben hatte. Inhaltlich bot mir das Buch „Das geheime Leben der Bäume“, das sich gefühlt schon immer auf der Spiegel-Bestsellerliste befindet, also nicht viel Neues. Der „neue Blick auf alte Freunde“, den der Klappentext versprach, blieb aus. Das verschaffte mir Raum, verstärkt darauf zu achten, wie dieses Buch seine Geschichte erzählt. Was wiederum dazu führte, das ich die Lektüre abbrach. Wo ist der Lektor, wenn man ihn braucht? Es gibt Sätze in Sachbüchern, die machen mich wütend. „Wie ich schon erwähnte …“ gehört dazu, denn ein Autor sollte so schreiben, dass das schon Erwähnte noch im Gedächtnis des Lesers ist.…

weiterlesen

Siebeneisen zieht wieder los und sucht die Mumie des letzten Inka

Roman Siebeneisen Band 3

Diesmal will Siebeneisen alles richtig machen. Sollen doch Schatten und Wipperfürth selbst losziehen, um die Mumie des letzten Inkaherrschers zu finden. Er bleibt mit seiner Freundin Lawn zu Hause in New Orleans. Nie wieder wird er sich vom Schnäppchenjagd-Logistiker Wipperfürth eine Reise organisieren lassen, bei der er Routen mit 11 Zwischenstopps nehmen muss, um ein paar Euro zu sparen! Natürlich finden sich zum Showdown dann doch alle vier Freunde in der Wüste ein. Mit den Mafiosi und dem alten Padre hatten sie jedoch nicht gerechnet. Und natürlich ist die Sache mit der Mumie ganz anders als erwartet. Wer die ersten beiden Bücher Donnerstags im fetten Hecht und Freitags in der faulen Kobra gelesen hat, weiß, was ihn bei Samstags im maskierten Waschbär erwartet. Allerdings muss sich der Siebeneisen-erfahrene Leser auf einen kleinen Hänger am Anfang gefasst machen, es dauert ein wenig, bis die Geschichte in Gang kommt, da Neueinsteigern erst einmal alle Infos zur Verfügung gestellt…

weiterlesen

Chroniken des eisernen Druiden 3 – Gehämmert

Gehämmert - Chroniken des eisernen Druiden 3 - Fantasy - Rezension

Wie kann es eigentlich sein, dass das Eichhörnchen Ratastok ständig zwischen dem Adler in der Krone von Ygdrasil der Weltenesche und dem Drachen an der Wurzel hin- und her pendelt und nie gefressen wird? Man sollte doch meinen, dass Adler Eichhörnchenhappen lieben und Drachen einfach alles fressen, was sich vor ihrer Schnauze bewegt. Gibt es da einen Logikfehler in der Edda? Natürlich nicht. Es gibt eine ganz vernünftige Erklärung dafür: das Eichhörnchen muss riesengroß sein. Atticus, der eiserne Druide, ist es gewohnt, dass im Umgang mit den Göttern immer etwas anders ist als erwartet. Jedes kleine Detail zu hinterfragen sichert sein Überleben schon seit Jahrhunderten. Auch diesmal hilft ihm die ihm eigene Mischung aus Erfahrungswissen, klarem Kopf, Wahnwitz und guten Freunden mit besonderen Talenten – Vampire, Werwölfe, Erdgeister – weiter. Auch mit „Gehämmert“, dem dritten Band der Chroniken des eisernen Druiden, hatte ich Spaß. Doch etwas holzschnitzerisch kommt er schon daher. Jedes Kapitel erfüllt genau…

weiterlesen

Hörwürdigkeiten statt Sehenswürdigkeiten: das Buch der Klänge

Sachbuch-Rezension: Das Buch der Klänge

„A duck’s quack doesn’t echo and no-one knows the reason why“ besagt ein britisches Sprichwort: Das Quaken einer Ente erzeugt kein Echo und keiner weiß warum. Wenn Trevor Cox, Professor für technische Akustik und Sachbuch-Autor, eine solche Aussage hört, dann betrachtet er sie als persönliche Herausforderung und forscht nach. Kann das überhaupt sein? Und wie um Himmels Willen kann man diese Aussage überprüfen? Versuche in freier Wildbahn sorgen für Amusement bei der Lokalpresse, aber nicht für wissenschaftliche Ergebnisse. Ein anderer Versuchsansatz wird gewählt. Zuerst braucht der Wissenschaftler eine Ente, dann einen reflexionsarmen Raum für eine Basismessung eines echofreien Quakens. Anschließend wird die Ente Daisy in einen Hallraum gesetzt und siehe – oder besser – höre da: ihr Quaken erzeugt sehr wohl ein Echo. Wir hatten den ultimativen Sound-Effekt für einen Horrorfilm geschaffen, vorausgesetzt, eine Killerente spielt die Hauptrolle. S. 143 Doch damit gibt sich Trevor Cox noch nicht zufrieden. Wie es zu der Annahme kommen konnte,…

weiterlesen

Die Magier von Montparnasse

Fantasy Rezension Magier von Montparnasse

Ich mag Bücher, die sich Zeit lassen und mich trotzdem von der ersten Seite an in ihren Bann ziehen. Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka ist ein solches Buch. Der eigensinnige Fantasy-Roman verrät nicht gleich, wohin er den Leser führen will. Es könnte sich um Steampunk handeln. Zeit und Ort, Paris in den goldenen Zwanziger Jahren, lassen das vermuten. Doch mechanische Uhren sind fast die einzigen technischen Errungenschaften, die für die Handlung wichtig sind. Diese Uhren sind jedoch nur ein klein wenig anders als das, was wir erwarten. Dafür gibt es aber eine Erklärung und die hat mit Steampunk nichts zu tun. Es könnte sich um ein Märchen handeln, mit verzauberten Äpfeln und einer schlafenden Schönheit. Doch die Äpfel waren möglicherweise nur ein Symbol und auch eine schlafende Schönheit könnte immer noch die Fäden des Geschehens in der Hand haben. Auf jeden Fall ist es eine Liebesgeschichte, auch wenn die Liebe in diesem Fall nur…

weiterlesen

Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Sachbuch Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Kauen, schlucken, verdauen, raus damit. Klingt einfach. So einfach, dass ich nicht allzu viel darüber wusste, wie Verdauung im Detail funktioniert. Sie funktioniert halt irgendwie, manchmal besser, manchmal schlechter. Auch das Verdauung mit dem Kauen anfängt, war mir bewusst. Ich erinnere mich an den Versuch in der Grundschule: Brot so lange kauen, bis es süß schmeckt. Dass man aber eigentlich noch nicht mal aktiv schlucken muss, sondern einfach so lange weiter kauen kann, bis sich der Speisebrei von alleine auf den Weg macht, war mir neu. Ich habe es natürlich beim nächsten Essen überprüft: es stimmt. Adrian Schulte erklärt in seinem Buch alle Zusammenhänge rund um die Verdauung so, dass man sie leicht nachvollziehen kann. Er folgt in seinen Erklärungen einfach dem Weg der Nahrung durch den menschlichen Körper. Wir essen, kauen … oder schlingen wir? Spülen wir Nahrungsbrocken mit einem Getränk herunter? War es ein kohlensäurehaltiges Getränk? Solche Details beeinflussen den Verdauungsvorgang. Das bedeutet…

weiterlesen

Joy Division: alle Songtexte und viel Raum für Legendenbildung

Buch Songtexte Joy Division Ian Curtis

Zwei Essays, alle Songtexte und Fragmente und sehr viel Raum zur Legendenbildung: das enthält der edel ausgestattete Band So This Is Permanence – Joy Division. Songtexte und Notizen. Deborah Curtis, die Witwe des Sängers, Dichters und Perfomance-Künstlers – anders kann man seine Bühnenauftritte kaum bezeichnen – erzählt im ersten Text des Buches von ihrer Liebe zu Ian Curtis, den sie als sensiblen, von seiner Arbeit besessenen Künstler wahrnimmt. Das ist sehr persönlich und verankert den Ausnahmekünstler im normalen Leben. Aber bei mir kam bei der Lektüre der Eindruck auf, dass hier doch viel ausgeblendet wird. Das kann aber auch an der Kürze des Textes liegen. Belesen und dystopisch Joy Division waren eine Band, die Ian Curtis nach seiner Vorstellung geformt hatte, und die war von Belesenheit geprägt und zutiefst dystopisch. S. 19 Spannender finde ich den zweiten Essay und die Verbindungen zur Literatur, die Jon Savage darin aufzählt. Wahrscheinlich gab es schon Semesterarbeiten und literaturwissenschaftliche Studien über die…

weiterlesen

Botanik für Gärtner oder warum Kräuter nicht unbedingt ein Kraut sind

Sachbuch in wunderschöner Ausstattung: Botanik für Gärtner

Was macht der Hobby-Gärtner im Winter? Gartenbücher lesen. Vom Frühjahr träumen. Hoffen, endlich zu verstehen, wie diese lateinischen Namen aufgebaut sind und was es mit den Handelsnamen auf sich hat. Bei allen drei Tätigkeiten hilft „Botanik für Gärtner“ doch sehr und ein wunderbarer Zeitvertreib ist es noch obendrein. Eigentlich könnten mir als Gärtnerin die lateinischen Namen recht egal sein. Ich probiere aus, welche Pflanzen meine Einladung, sich in meinem Garten anzusiedeln, annehmen. Was funktioniert, bleibt. Zumindest so lange, bis es überhand nimmt … aber das ist eine andere Geschichte. Wie das, was bleibt und das, was geht, nun von den Botanikern bezeichnet wird, ist erst einmal nicht wichtig. Wichtig wird es dann, wenn ich das Gehen und Bleiben genauer verstehen will. Dann greife ich zu Fachbüchern und beginne, die abtrünnige oder aufmüpfige Pflanze zu suchen. Ist es ein Gärtner-Gartenbuch, zu dem ich greife, finde ich sie meist recht schnell. Handelt es sich jedoch um ein Botaniker-Biologen-Gartenbuch…

weiterlesen