Ruhe im Kopf: Schluss mit dem Dauerdenken

Ratgeber Newbigging Ruhe im Kopf

Eigentlich würde ich leidenschaftlich gerne über Jetzt! von Eckhart Tolle bloggen. Das Buch habe ich auf einer langen Zugfahrt nach Berlin in einem Rutsch durchgelesen, entgegen der Empfehlung des Autors, der dazu rät, nach jedem der kurzen Kapitel eine angemessene Pause zu machen.

Seit jener Zugfahrt habe ich immer wieder darin gelesen. Doch jedesmal, wenn ich versuche, meinen Weg mit Jetzt! in Worte zu fassen, stolpere und scheitere ich. Zu dicht, zu intensiv, zu … zu alles.

Wie Beavis und Butthead in seligen MTV-Zeiten möchte ich mich auf die Knie werfen und I’m not worth it! ausrufen.

Über Eckhard Tolle werde ich also vorläufig nicht bloggen. Macht nichts, dann blogge ich eben über Sandy C. Newbigging und sein neues Buch Ruhe im Kopf, der damit sozusagen das Jetzt! in leicht anbietet – handhabbar, motivierend, machbar. Das ist seine Stärke, die mir schon in Mind Detox angenehm aufgefallen ist.

Dauerdenken, dauerbewerten, nicht zur Ruhe kommen, nie zufrieden sein – dabei haben wir immer noch die Ahnung in uns, dass das nicht so sein muss. Wie gerne würde ich durch den Wald spazieren und einfach nur laufen und atmen. Einen Baum anschauen, ohne mich daran zu erinnern, was ich mir alles über Forstwirtschaft und Waldgesundheit angelesen habe.

Einatmen, ausatmen, fokussieren. Die Techniken sind wohlbekannt, Übung macht den Meister, Wissen auffrischen tut gut. Genau dafür ist Sandy Newbigging der richtige Autor für mich. Auffrischen: Einatmen, ausatmen. So einfach.

Und schon denke ich wieder darüber nach, ob ich nicht vielleicht doch ein paar passende Worte zu Tolle finden könnte …

Ruhe im Kopf. Das wäre fein. Ich glaube, Tolle bleibt bis auf weiteres für mich unbloggbar und ich verweile lieber noch ein wenig bei dieser Lektüre.


Infos zu den Büchern:

Sandy C. Newbigging

Ruhe im Kopf
Schluss mit dem Dauerdenken

Koha Verlag
Auch empfehlenswert: Sandy C. Newbigging „Mind detox“ – meine Rezension

Eckhart Tolle – Jetzt! hat sogar einen Eintrag bei Wikipedia


Tinkerfarm: toller Schauplatz, aber …

Tinkerfarm Band 2 - Jugendbuch Fantasy

Man muss ja nicht alles großartig finden, was ein Lieblingsautor veröffentlicht. Aber das fällt schwer!

Über weite Strecken hat die Serie um die Tinkerfarm von Tad Williams und Deborah Beale das Zeug zu einem richtig guten Familien-Schmöker. Es könnte ein Buch sein, dass sich die Familie reihum gegenseitig vorliest. Die Eltern den Kindern, das ältere Geschwisterkind dem jüngeren Kind und zwischendurch ein paar Sätze vom Jüngsten. Spaß hätten sie alle zusammen, denn das Setting ist toll.

Eine Farm weit draußen auf dem Land, die alles andere als gewöhnlich ist. Eine Herde von Einhörnern lebt dort, ein fliegender Affe und Drachen. Diese Wesen kommen aus einer Verwerfungsspalte, die die Farm mit anderen, sehr anderen Orten und Zeiten verbindet. Nicht nur die Tiere kommen von dort, auch ein Teil der eher menschlichen Bewohner.

Dort verbringen die Geschwister Tyler und Lucinda nicht ganz freiwillig ihre Sommerferien. Sie erwarten Langeweile und finden Abenteuer.

Es könnte also alles toll sein. Die Charaktere der Kinder sind gut angelegt, die Farm ist gut durchdacht, die Logik stimmt, das Abenteuer ist rasant und – nun – abenteuerlich.

Doch sprachlich sind die Bücher alles andere als ausbalanciert. Ausgefeilte Szenen wechseln sich mit eher skizzenhaften Passagen ab. Über weite Strecken ist das Buch prima ab 10 Jahren geeignet und damit das eingangs skizzierte Familienbuch. Dann wieder rutschen die Action-Szenen ab und sind für Kinder nicht unbedingt geeignet. Also doch kein Familienbuch. Oder sehe nur ich das so eng?

Als Erwachsene hatte ich Spaß mit dem Buch – aber ich lese ja eh gerne Kinderbücher. Als Tad Williams Fan dachte ich mir: das geht auch besser. Und als Kinderbuch-Fan hatte ich ständig die Frage im Hinterkopf: für welche Altersgruppe soll das denn eigentlich sein?


Infos zur Buch-Serie:

Tad Williams und Deborah Beale

Die Drachen der Tinkerfarm – Band 1
Die Geheimnisse der Tinkerfarm – Band 2
(Und wann erscheint Band 3 ? Noch nicht in Sicht anscheinend)

Klett Cotta – Hobbit Presse

Und das ist eine sehr gute Gelegenheit, auf den Relaunch der Webseite der Hobbit Presse hinzuweisen – toll geworden!

Die Fantasy-Serie um die Tinkerfarm ist gerade eben alt genug, um an der #goldenbacklistchallenge von Papiergeflüster teilzunehmen. Und ist damit – schwupps – mein zweiter Beitrag zur Aktion. Hier findet Ihr den ersten: Die Magier von Montparnasse.


Abtauchen in andere Welten: Fantasy-Rezensionen auf meinem Buch-Blog


Definitiv kein Kinderbuch: Tad Williams – Die dunklen Gassen des Himmels

Das gar nicht so geheime Leben der Bäume: warum ich das Buch abgebrochen habe

Sachbuch Das geheime Leben der Bäume

Vielleicht funktioniert dieses Buch nur, wenn der Leser von Anfang an überrascht ist: Oh, ein Wald ist also viel mehr als eine Ansammlung einzelner Bäume mit einigen anderen Lebewesen dazwischen?

Bei mir blieb dieser Überraschungseffekt aus, da ich einfach schon zu viel zu diesem Thema gelesen hatte. Außerdem kannte ich einige der Interviews, die Peter Wohlleben gegeben hatte. Inhaltlich bot mir das Buch „Das geheime Leben der Bäume“, das sich gefühlt schon immer auf der Spiegel-Bestsellerliste befindet, also nicht viel Neues. Der „neue Blick auf alte Freunde“, den der Klappentext versprach, blieb aus.

Das verschaffte mir Raum, verstärkt darauf zu achten, wie dieses Buch seine Geschichte erzählt. Was wiederum dazu führte, das ich die Lektüre abbrach.

Wo ist der Lektor, wenn man ihn braucht?

Es gibt Sätze in Sachbüchern, die machen mich wütend. „Wie ich schon erwähnte …“ gehört dazu, denn ein Autor sollte so schreiben, dass das schon Erwähnte noch im Gedächtnis des Lesers ist. In diesem Buch sind es Sätze wie „Doch dazu kommen wir später noch einmal …“ wobei dieses später erst viele Kapitel später stattfindet.

Das wäre nicht nötig. Ich weiß, das Peter Wohlleben, auch wenn sein Stil immer zwischen dozieren und erzählen schwankt, auch ganz anders schreiben kann. Sein Buch „Menschenspuren im Wald“ hat mir sehr gut gefallen – hier findet ihr meine Rezension dazu. Doch in „Das geheime Leben der Bäume“ hätte einfach ein Lektor den Rotstift ansetzen sollen.

Sie [die Bäume] kennen keine Einschränkung im Verbrauch und gehen verschwenderisch mit der Flüssigkeit um, und meist sind es die kräftigsten, größten Exemplare, die irgendwann dafür büßen müssen. In meinem Revier sind es vor allem die Fichten, die dann platzen. Allerdings nicht aus allen Nähten, sondern am Stamm. S. 45

Mich ermüdet es, solche Reihungen zu lesen. Beim mündlichen Vortrag mag das funktionieren, als Buch funktioniert es bei mir nicht.

Andere Blogger, andere Meinungen: Jarg bescheinigt dem Autor

… er vermag sein Wissen überaus spannend zu vermitteln und man spürt in jeder Zeile die Faszination, die ihn selbst an sein Thema fesselt…
Quelle: Jargs Blog

Es ist also wie immer Geschmackssache. Das, was bei mir zum Abbruch der Lektüre führte, hat andere zum Weiterlesen bewegt.

Doch eines ist das Buch definitiv: eine Liebeserklärung an den Wald. Da hat der Klappentext wiederum recht. Schön, dass das Interesse an diesem Thema so groß ist – möge das Buch lange wirken!


Angaben zum Buch:

Peter Wohlleben

Das geheime Leben der Bäume
Was sie fühlen, wie sie kommunizieren
Die Entdeckung einer verborgenen Welt

Ludwig Verlag


Meine Leseempfehlungen und Rezensionen zum Thema Wald:


Siebeneisen zieht wieder los und sucht die Mumie des letzten Inka

Roman Siebeneisen Band 3

Diesmal will Siebeneisen alles richtig machen. Sollen doch Schatten und Wipperfürth selbst losziehen, um die Mumie des letzten Inkaherrschers zu finden. Er bleibt mit seiner Freundin Lawn zu Hause in New Orleans.

Nie wieder wird er sich vom Schnäppchenjagd-Logistiker Wipperfürth eine Reise organisieren lassen, bei der er Routen mit 11 Zwischenstopps nehmen muss, um ein paar Euro zu sparen!

Natürlich finden sich zum Showdown dann doch alle vier Freunde in der Wüste ein. Mit den Mafiosi und dem alten Padre hatten sie jedoch nicht gerechnet. Und natürlich ist die Sache mit der Mumie ganz anders als erwartet.

Wer die ersten beiden Bücher Donnerstags im fetten Hecht und Freitags in der faulen Kobra gelesen hat, weiß, was ihn bei Samstags im maskierten Waschbär erwartet. Allerdings muss sich der Siebeneisen-erfahrene Leser auf einen kleinen Hänger am Anfang gefasst machen, es dauert ein wenig, bis die Geschichte in Gang kommt, da Neueinsteigern erst einmal alle Infos zur Verfügung gestellt werden. Dieses Was bisher geschah ist zwar klasse verpackt, hat sich für mich aber zu sehr gezogen.

Das ändert sich, sobald alle Helden wieder on the road sind. Dann nimmt die Geschichte an Fahrt auf und Witze über Klischee-Touristen, die in nagelneuen Cowboystiefeln eine Wanderung in den Canyon beginnen und erst spät merken, dass sie den steilen Weg auch wieder hoch müssen, wechseln sich mit Anspielungen auf alle Klassiker der Abenteuerliteratur und wunderschönen Naturbeschreibungen ab.

Bleibt die Frage, warum um Himmels Willen Lawn und Siebeneisen immer noch mit den Chaoten Wipperfürth und Schatten befreundet sind. Aber es kommt mir so vor, als würde genau diese Frage im nächsten Band eine Rolle spielen. Es könnte sein, dass der vierte Band der Reihe uns nach Venedig führen wird. Ich bin gespannt!

Angaben zum Roman:

Stefan Nink

Sonntags im maskierten Waschbär

Band 3

Limes Verlag
ISBN: 978-3-8090-2656-3

Paperback

Wer die Buch-Reihe um Siebeneisen, Wipperfürth und Schatten noch nicht kennt, sollte mit dem Anfang beginnen: Donnerstags im fetten Hecht, Freitags in der faulen Kobra – meine Lese-Empfehlung!

Chroniken des eisernen Druiden 3 – Gehämmert

Gehämmert - Chroniken des eisernen Druiden 3 - Fantasy - Rezension

Wie kann es eigentlich sein, dass das Eichhörnchen Ratastok ständig zwischen dem Adler in der Krone von Ygdrasil der Weltenesche und dem Drachen an der Wurzel hin- und her pendelt und nie gefressen wird? Man sollte doch meinen, dass Adler Eichhörnchenhappen lieben und Drachen einfach alles fressen, was sich vor ihrer Schnauze bewegt. Gibt es da einen Logikfehler in der Edda?

Natürlich nicht. Es gibt eine ganz vernünftige Erklärung dafür: das Eichhörnchen muss riesengroß sein.

Atticus, der eiserne Druide, ist es gewohnt, dass im Umgang mit den Göttern immer etwas anders ist als erwartet. Jedes kleine Detail zu hinterfragen sichert sein Überleben schon seit Jahrhunderten. Auch diesmal hilft ihm die ihm eigene Mischung aus Erfahrungswissen, klarem Kopf, Wahnwitz und guten Freunden mit besonderen Talenten – Vampire, Werwölfe, Erdgeister – weiter.

Auch mit „Gehämmert“, dem dritten Band der Chroniken des eisernen Druiden, hatte ich Spaß. Doch etwas holzschnitzerisch kommt er schon daher. Jedes Kapitel erfüllt genau einen Zweck: das Buch beginnt mit Action, dann folgt ein Kapitel Philosophie, im nächsten werden dann die Beziehungen der Protagonisten weiterentwickelt. Am Ende zeigt Kevin Hearne noch, dass er sprachlich auch mehr als nur einen Stil beherrscht und dichtet jedem der Helden eine lange Vorgeschichte auf den Leib.

Das lässt sich mit Vergnügen lesen, doch aus einem Guss ist es nicht.

Weitere Angaben zum Buch:

Kevin Hearne

Gehämmert
Die Chroniken des eisernen Druiden 3

Übersetzt von Alexander Wagner und Friedrich Mader

Zur Leseprobe

Klett-Cotta Verlag
Hobbit Presse

ISBN: 978-3-608-93933-0

Update Januar 2016:

Oha, Band 4 habe ich zwar gelesen, aber anscheinend nie besprochen. Tja, dann verweise ich doch sehr gerne auf die Rezension der Fantasy-Buch-Bloggerin meines Vertrauens: Simone von Papiergeflüster hat Getrickst hier gewürdigt. (Der Buch-Blog ist leider nicht mehr online. Ich vermisse ihn sehr!)Wenn ich mich recht erinnere, hatte ich Spaß mit dem Buch, habe allerdings mal wieder viele Kämpfe nur noch quer gelesen. Aber das liegt mehr an meinem Geschmack als am Buch.

Nun also Band 5 der Chroniken des eisernen Druiden: Erwischt. Lose logische Fäden werden zusammengeführt. Aber das scheint auch der Hauptzweck des Buches zu sein und ohne die witzigen Dialoge mit dem Wolfshund Oberon hätte ich wahrscheinlich nicht weitergelesen. Gekämpft wird natürlich auch wieder. Statt eines alten Vampirs ist es diesmal ein sehr alter Vampir; statt in der Buchhandlung kommt es diesmal in einem Sportartikel-Laden zum Kampf. Das sorgt zwar für ein paar gute Gags über die Sport- und Fitnessbranche, aber es mangelte an Überraschungen.

Jetzt könnte man sagen, der Plot ist ein Selbstläufer geworden und alles geht seinen geregelten Fantasy-Gang. Doch das Buch endet mit einem Bonus-Kapitel und hier beweist Kevin Hearne, wie gut er schreiben und plotten kann. Diese Begegnung zwischen Atticus und den nordischen Göttern in einem Restaurant hat Stil, Spielfreude, klug ausgewählte Details und einen Kampf, den sogar ich komplett gelesen habe. Geht doch. Könnten wir so dann in Band 6 Gejagt weiter machen?

 

 

 

Hörwürdigkeiten statt Sehenswürdigkeiten: das Buch der Klänge

Sachbuch-Rezension: Das Buch der Klänge

„A duck’s quack doesn’t echo and no-one knows the reason why“ besagt ein britisches Sprichwort: Das Quaken einer Ente erzeugt kein Echo und keiner weiß warum.

Wenn Trevor Cox, Professor für technische Akustik und Sachbuch-Autor, eine solche Aussage hört, dann betrachtet er sie als persönliche Herausforderung und forscht nach.

Kann das überhaupt sein? Und wie um Himmels Willen kann man diese Aussage überprüfen? Versuche in freier Wildbahn sorgen für Amusement bei der Lokalpresse, aber nicht für wissenschaftliche Ergebnisse. Ein anderer Versuchsansatz wird gewählt.

Zuerst braucht der Wissenschaftler eine Ente, dann einen reflexionsarmen Raum für eine Basismessung eines echofreien Quakens. Anschließend wird die Ente Daisy in einen Hallraum gesetzt und siehe – oder besser – höre da: ihr Quaken erzeugt sehr wohl ein Echo.

Wir hatten den ultimativen Sound-Effekt für einen Horrorfilm geschaffen, vorausgesetzt, eine Killerente spielt die Hauptrolle.
S. 143

Doch damit gibt sich Trevor Cox noch nicht zufrieden. Wie es zu der Annahme kommen konnte, dass das Quaken einer Ente kein Echo erzeugt, erforscht und erklärt er gleich mit. Physik, Akustik, Kurven und Tabellen spielen dabei eine wichtige Rolle.

Ein seltsames Echo unter einer Brücke oder das Gerücht, dass Dünen singen können: es ist immer etwas Konkretes, etwas Erfahrbares, dass die Neugier des Autors weckt. Dafür reist er um die Welt, misst, rechnet und erforscht Klänge.

Vom alltäglichen Erlebnis zur Wissenschaft und wieder zurück in unseren akustischen Alltag, ein leicht skurriles Thema, viel Humor, unerwartete Schauplätze und Fakten, Fakten, Fakten: alles in allem wirkt Das Buch der Klänge wie eine buch-gewordene Wissenssendung der BBC – und das ist nun mal nicht das Schlechteste, was man über ein Sachbuch sagen kann.

Empfohlen wurde mir das Sachbuch, dass ich dann bei einem Gewinnspiel des Springer Spektrum gewonnen habe, von Petra vom Blog Elementares Lesen. Wer gerne Sachbücher liest und dabei wissenschaftliche Themen bevorzugt wird dort viele, sehr viele inspirierende Rezensionen finden und seine Buch-Wunschliste ins Unermessliche vergrößern!


Bibliographische Angaben:

Trevor Cox

Das Buch der Klänge
Eine Reise zu den akustischen Wundern der Welt

Ausführliche Rezension bei Elementares Lesen

Springer Spektrum


Viel Spaß beim Stöbern: Sachbuch-Rezensionen auf meinem Buch-Blog


Noch eine Reise: diese führt zum Klang Indiens. Sänger müssen zweimal sterben ist der Titel des Buchs von Peter Pannke

Die Magier von Montparnasse

Fntasy Rezension Magier von Montparnasse

Ich mag Bücher, die sich Zeit lassen und mich trotzdem von der ersten Seite an in ihren Bann ziehen. Die Magier von Montparnasse von Oliver Plaschka ist ein solches Buch.

Der eigensinnige Fantasy-Roman verrät nicht gleich, wohin er den Leser führen will. Es könnte sich um Steampunk handeln. Zeit und Ort, Paris in den goldenen Zwanziger Jahren, lassen das vermuten. Doch mechanische Uhren sind fast die einzigen technischen Errungenschaften, die für die Handlung wichtig sind. Diese Uhren sind jedoch nur ein klein wenig anders als das, was wir erwarten. Dafür gibt es aber eine Erklärung und die hat mit Steampunk nichts zu tun.

Es könnte sich um ein Märchen handeln, mit verzauberten Äpfeln und einer schlafenden Schönheit. Doch die Äpfel waren möglicherweise nur ein Symbol und auch eine schlafende Schönheit könnte immer noch die Fäden des Geschehens in der Hand haben.

Auf jeden Fall ist es eine Liebesgeschichte, auch wenn die Liebe in diesem Fall nur eine von vielen Möglichkeiten ist. Am besten, man entscheidet sich bewusst für sie.

Es muss sich um einen Fantasy-Roman handeln, denn es kommen Zauberer darin vor. Bühnenzauberer, die viel Aufwand betreiben, damit ihre Magie echt wirkt. Echte Zauberer, die die gleichen Tricks verwenden, damit ihre Magie nur wie ein Trick erscheint.

Absinth und Pastis, Katakomben und Beinhäuser, Schriftsteller und Maler, jede Menge Sonntage, das Ende der Welt und eine Geheimgesellschaft – Buch, wohin willst Du mich führen? Ich folge Dir gerne.

Und am Ende des Romans bekomme ich Lust, mal wieder Hemingway zu lesen. Auch er spielt eine wichtige Rolle in „Die Magier von Montparnasse“ und könnte ebenso eine wichtige Rolle in der #GoldenBacklist-Challenge spielen.

Magier, Hemingway und die #Goldenbacklist

Ich mag, wie dieses Buch zu mir gekommen ist. Simone von Papiergeflüster, die Fantasy-Bloggerin meines Vertrauens, hat zur #GoldenBacklist-Challenge 2016 aufgerufen. Die Aufgabe ist einfach: Lies ein Buch, das vor mindestens 5 Jahren erschienen ist, und schreibe darüber. Genau wie Simone bin auch ich kein großer Freund von Lese-Challenges. Ich bin eine freifliegende Leserin: heute Sachbuch, morgen Lyrik, übermorgen Kinderbuch und zwischendrin Fantasy. Die Regeln einer Lese-Challenge stören diesen freien Leseflug.

Doch auch mich stört an dieser unserer Buchwelt, man könnte auch Buchmarkt dazu sagen (Blogger inbegriffen), die Fixierung auf Neuerscheinungen. Das neue Buch von … ein beeindruckendes Erstlingwerk … die Fortsetzung der Serie … und hinter diesen Stapeln an sensationellen neuen Büchern warten die Bücher, die bei Erscheinen nicht laut genug gewesen sind, die ein schlechtes Timing hatten oder die ich übersehen habe, weil ich gerade mit anderen Dingen beschäftigt war.

„Die Magier von Montparnasse“ waren ein solches Buch. Ich hatte damals gerade keine Fantasy-Phase. Kommt selten vor, passiert aber. Zum Glück für das Buch und zum Glück für mich kam die #goldenbacklist-Challenge; Simone hat es mir empfohlen.

Jedes gute Buch sollte eine Bloggerin wie Simone haben!


Infos zum Buch:

Oliver Plaschka

Die Magier von Montparnasse

Rezension bei Zwischen den Seiten

Klett-Cotta


Ihr lest gerne Fantasy? Hier findet ihr meine Rezensionen.


Das war mein erster Roman von Oliver Plaschka. Weitere folgten. Meine Rezensionen findet ihr hier:

Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Sachbuch Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird

Kauen, schlucken, verdauen, raus damit. Klingt einfach. So einfach, dass ich nicht allzu viel darüber wusste, wie Verdauung im Detail funktioniert. Sie funktioniert halt irgendwie, manchmal besser, manchmal schlechter.

Auch das Verdauung mit dem Kauen anfängt, war mir bewusst. Ich erinnere mich an den Versuch in der Grundschule: Brot so lange kauen, bis es süß schmeckt.

Dass man aber eigentlich noch nicht mal aktiv schlucken muss, sondern einfach so lange weiter kauen kann, bis sich der Speisebrei von alleine auf den Weg macht, war mir neu. Ich habe es natürlich beim nächsten Essen überprüft: es stimmt.

Adrian Schulte erklärt in seinem Buch alle Zusammenhänge rund um die Verdauung so, dass man sie leicht nachvollziehen kann. Er folgt in seinen Erklärungen einfach dem Weg der Nahrung durch den menschlichen Körper.

Wir essen, kauen … oder schlingen wir? Spülen wir Nahrungsbrocken mit einem Getränk herunter? War es ein kohlensäurehaltiges Getränk? Solche Details beeinflussen den Verdauungsvorgang. Das bedeutet nicht, dass man dadurch krank wird. Es bedeutet zunächst nur, dass der Verdauungsprozess anders ablaufen muss, als eigentlich vorgesehen. Zum Glück ist die Verdauung ein flexibles System, das vieles ausgleichen kann. Zumindest für eine Weile. Bis das Problem dann zum Himmel stinkt (und das ist jetzt das einzige Wortspiel, das ich in dieser Rezension verwende. Versprochen!)

Doch warum noch ein Buch über den Darm? Was bietet „Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird“ was uns „Darm mit Charme“ noch nicht erklärt hätte?

Keine Ahnung. Ich habe den Spiegel-Bestseller nicht gelesen, denn ich mache einen Bogen um die Bestsellerliste. Wenn ich dann doch mal zu einem Bestseller greife, ist es meist ein Reinfall. Das prägt mein Leseverhalten.

Daher kann ich mit keinem Vergleich der beiden Bücher dienen. Aber ich kann sehr genau sagen, was mir das Buch von Dr. Adrian Schulte gebracht hat: genau die Infos, die mir noch zum Thema Darmgesundheit gefehlt haben und klare, leicht verständliche Angaben, was noch als normale Darmtätigkeit gilt und was genau ein Warnzeichen ist. Perfekt!

Damit brauche ich jetzt kein weiteres Buch zum Thema Darm. „Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird“ und „Yoga für die Verdauung“, das ich hier besprochen habe, genügen.


Informationen zum Buch:

Dr. Adrian Schulte

Alles Scheiße!? Wenn der Darm zum Problem wird
Die Ursachen verstehen und richtig reagieren

Scorpio Verlag
ISBN 978-3-95803-025-1


Joy Division: alle Songtexte und viel Raum für Legendenbildung

Buch Songtexte Joy Division Ian Curtis

Zwei Essays, alle Songtexte und Fragmente und sehr viel Raum zur Legendenbildung: das enthält der edel ausgestattete Band So This Is Permanence – Joy Division. Songtexte und Notizen.

Deborah Curtis, die Witwe des Sängers, Dichters und Perfomance-Künstlers – anders kann man seine Bühnenauftritte kaum bezeichnen – erzählt im ersten Text des Buches von ihrer Liebe zu Ian Curtis, den sie als sensiblen, von seiner Arbeit besessenen Künstler wahrnimmt.

Das ist sehr persönlich und verankert den Ausnahmekünstler im normalen Leben. Aber bei mir kam bei der Lektüre der Eindruck auf, dass hier doch viel ausgeblendet wird. Das kann aber auch an der Kürze des Textes liegen.

Belesen und dystopisch

Joy Division waren eine Band, die Ian Curtis nach seiner Vorstellung geformt hatte, und die war von Belesenheit geprägt und zutiefst dystopisch.
S. 19

Spannender finde ich den zweiten Essay und die Verbindungen zur Literatur, die Jon Savage darin aufzählt. Wahrscheinlich gab es schon Semesterarbeiten und literaturwissenschaftliche Studien über die Texte, Gedichte und Fragmente von Ian Curtis: Burroughs, Ballard und Pulp Fiction spielen in seinen Lyrics genauso eine Rolle wie die Klassiker der Literatur.

Sehr wichtig waren bei der musikalischen Entwicklung der Außenseiter die Orte, an denen man Literatur begegnet: Buchhandlungen.

Die interessierten sich für alles Ausgefallene und Unkonventionelle, und im Laden fand man es. Nicht nur durch die Verkäufer, sondern auch durch die Stammkunden. Wahrscheinlich betrachteten die beiden den Laden als einsame Rettungsboje in dem ansonsten trostlosen Manchester der frühen Siebziger.
Butterworth über Stephen Morris und Ian Curtis; S. 21

Schon allein für die Betrachtungen zum Thema Buchhandlungen und der Literaturmarkt der Siebziger Jahre muss ich dieses Buch mögen!

Joy Division – mein Eindruck damals

Joy Division waren damals einzigartig, beeindruckend und fremd. Die dichte Atmosphäre und die ungewohnten Klänge faszinierten mich, aber es gelang mir nur selten, die ganze LP durchzuhören. Die Texte sprachen mich an, verstanden habe ich sie aber nicht. Ich mochte das hören, aber definitiv nicht so leben. Heute darüber zu lesen verstärkt diesen Eindruck. Ausnahmekünstler.

Zum Abschluss mein Lieblingssong: nicht Love will tear us apart sondern She’s lost control


Angaben zum Buch:

Ian Curtis

So This Is Permanence
Joy Division. Songtexte und Notizen.

Rezension im Signaturen Magazin

Rowohlt Verlag


Und hier noch der Amazon-Algorithmus-Fail des Tages. Kunden, die die Texte von Joy Division kauften griffen auch zum Gute-Laune-Block:

Fail Joy Division und gute Laune


Ist wer Joy Division hört, ein Schwarzer Romantiker? Gedanken zur Blogparade des Staedelmuseums


Damals, als wir alle Joy Division entdeckten: Punk und New Wave in Deutschland. Wie alles begann.

Botanik für Gärtner oder warum Kräuter nicht unbedingt ein Kraut sind

Sachbuch in wunderschöner Ausstattung: Botanik für Gärtner

Was macht der Hobby-Gärtner im Winter?

Gartenbücher lesen. Vom Frühjahr träumen. Hoffen, endlich zu verstehen, wie diese lateinischen Namen aufgebaut sind und was es mit den Handelsnamen auf sich hat.

Bei allen drei Tätigkeiten hilft „Botanik für Gärtner“ doch sehr und ein wunderbarer Zeitvertreib ist es noch obendrein.

Eigentlich könnten mir als Gärtnerin die lateinischen Namen recht egal sein. Ich probiere aus, welche Pflanzen meine Einladung, sich in meinem Garten anzusiedeln, annehmen. Was funktioniert, bleibt. Zumindest so lange, bis es überhand nimmt … aber das ist eine andere Geschichte. Wie das, was bleibt und das, was geht, nun von den Botanikern bezeichnet wird, ist erst einmal nicht wichtig.

Wichtig wird es dann, wenn ich das Gehen und Bleiben genauer verstehen will. Dann greife ich zu Fachbüchern und beginne, die abtrünnige oder aufmüpfige Pflanze zu suchen. Ist es ein Gärtner-Gartenbuch, zu dem ich greife, finde ich sie meist recht schnell. Handelt es sich jedoch um ein Botaniker-Biologen-Gartenbuch beginnt die Verwirrung:

Nicht verwirren lassen sollte man sich auch von der unterschiedlichen Verwendung der Worte Kraut und Kräuter. Botanisch bedeutet Kraut, dass eine Pflanze nicht verholzt und eher weich und grün ist. Gärtner jedoch bezeichnen alle Küchenkräuter und Heilpflanzen als Kräuter, selbst wenn es sich um leicht verholzte Gewächse wie Rosmarin und Lavendel handelt.
S. 47

„Botanik für Gärtner“ hilft jedoch nicht nur bei der Begriffs-Entwirrung, sondern gibt wirklich einen kompakten, auf Gärtner zugeschnittenen Überblick über alles, was sich die Botaniker in ihren Universitätsgebäuden überlegt haben.

Wie funktioniert zum Beispiel das Wachstum bei Pflanzen? Auch das ist keine rein theoretische Frage, denn dieses Kapitel erklärt, warum ein Baum erst einmal nicht mehr in die Höhe wächst, wenn ich seinen Leittrieb kappe, und warum Gras so schnell nachwächst, wenn man es mäht.

Interkalarmeristeme findet man nur bei Monokotylen (siehe S. 28), wie zB. Gräsern (inklusive Bambus).
S. 45

Das sind Sätze für lange Winterabende. Sie sind aber gar nicht so anstrengend, wie das hier wirken mag. Der Zaubertrick für mehr Leichtigkeit sind die Illustrationen des Buches.

Seite aus Botanik für Gärtner, Dumont Verlag

Büchern, die so reichhaltig und liebevoll ausgestattet sind wie „Botanik für Gärtner“, verzeiht man solche Sätze.

Nachdem also lateinische Begriffe verstehen von mir in Angriff genommen wurde bleiben die Tätigkeiten Gartenbücher lesen und vom Frühjahr träumen. Ersteres ist unproblematisch und letzteres im Dezember 2016, dem Monat, in dem die Rosen ein letztes Mal blühen, keine große Herausforderung!


Weitere Angaben zum Buch:

Geoff Hodge

Botanik für Gärtner
Von Achselknospe bis Zwiebelpflanze. Die Wissenschaft der Pflanzen.

Übersetzt von Susanne Warmuth und Coralie Wink

Dumont Verlag

Ebenfalls in dieser Reihe erschienen und genauso wunderschön ausgestattet: Latein für Gärtner


Latein konnten sie, Botanik haben sie sich angeeignet: die Nonnen aus Fulda, die den Biogartenbau prägten

Mein innerer Schweinehund bleibt zu Hause: Vorsätze verwirklichen durch Motivation

Sachbuch zum Thema Motivation: der innere Schweinehund bleibt zu Hause

Disziplin wird überbewertet, Motivation ist der Schlüssel zu erfolgreichen Lebensstil-Veränderungen – das ist doch mal eine erfreuliche Nachricht. Doch die Motivation hat einen Gegenspieler namens innerer Schweinehund, der misstrauische jede Veränderung beäugt.

Stefan Bienenstein weiß Rat.

Viel erfolgsversprechender, als sich mit Disziplin zu zwingen, sei es, zu wissen, wie der innere Schweinehund tickt, und ihn ernst zu nehmen. Nur so kann man ihn entweder umgehen – dann bleibt der innere Schweinehund zu Hause, während man selbst zum Sport geht – oder man kann ihn sogar von der Veränderung überzeugen.

Ich selbst hatte natürlich sehr viele gute Gründe, dieses Jahr weniger zu trainieren. Mal sehen, was 2016 bringen wird … Das ist ein typischer, mir wohl bekannter Satz des Motivationsverhinderer!

Sofort anfangen heißt hier die Devise. Aber damit bin ich doch schon so oft gescheitert! Scheitern ist laut Stefan Bienenstein nur eine Frage des Blickwinkels. Gerade seine Ratschläge, ein vermeintliches Scheitern neu zu bewerten, fand ich für mich besonders nützlich. Weniger anfreunden konnte ich mich mit seiner zentralen Idee, eine Art Projekt-Tagebuch zu führen. Regelmäßige Protokolle anfertigen ist etwas, was mein Schweinehund sehr gerne verhindert.

Hurra, der Anfang hat geklappt! Was macht der Schweinehund jetzt?

Doch was ist, wenn alles geklappt hat? So ein innerer Schweinehund kann, wenn es um sein Überleben geht, sehr kreativ werden. Vielleicht meldet er sich nach einem halben Jahr mit lobenden Sätzen wie: „Jetzt hast Du so lange regelmäßig trainiert, da kannst Du Dir ruhig mal eine Pause können? Nur heute!“ Kaum genehmigt man sich die Pause ist man in der Trainingsflaute angelangt und kommt nicht mehr raus.

Stefan Bienenstein ist Praktiker. In solchen Fällen helfen seine Tabellen und seine „80 Tipps, die sie eigentlich gar nicht brauchen“ weiter, die die typischen Erscheinungsformen der Motivationsverhinderung übersichtlich auflisten und kurz und prägnant Rat und Tricks bereit halten.

So ein Schweinehund mag vielleicht vorgaukeln, dass der eigene Fall einzigartig ist, doch das stimmt nicht. Alle Schweinehunde der Welt sind eng miteinander verwandt, so dass der Blick über den Tellerrand, den dieses Buch bietet, hilft.

Viele haben Angst vor Veränderungen. Zu Recht natürlich. Das Neue ist ungewiss, und wer weiß, was da auf uns zukommt. Wenn Sie eher der Typ sind, der im Gewohnten verweilt und alles beim Alten belassen will, dann schließen Sie dieses Buch und geben Sie es jemanden weiter, der sich zumindest vorstellen kann, wie es wäre, wenn.
S. 19


Weitere Infos zum Buch:

Stefan Bienenstein

Der innere Schweinehund bleibt zu Hause
Wie man durch Motivation seine Vorsätze verwirklichen lernt

Kneipp Verlag Wien
ISBN 978-3-7088-0656-3

Der Ratgeber ist nicht mehr lieferbar


Was motiviert noch? Sehr empfehlen kann ich das Prinzip Gamification, dass ich hier vorstelle.

Pubertäre Punk-Elfen – Die Elfen von New York wiedergelesen

Elfen von New York - Urban Fantasy
Heutiges Taschenbuch-Cover

Damit ich einen Roman aufhebe, muss er mich schon sehr beeindruckt haben oder mich an eine besondere Phase meines Lebens erinnern. Der Platz für Bücher in meiner Wohnung ist strikt begrenzt. Wenn die Bücher nicht mehr in das Regal passen, sortiere ich aus. Da ich mich meist auch noch nach 10 Jahren sehr gut an die Handlung eines Romans erinnern kann, hebe ich eher Sachbücher als Romane auf.

Das Kult-Buch, das bei mir drei Umzüge überstand

Zum ersten Mal seit sehr langer Zeit habe ich nun einen aufgehobenen Roman wieder zur Hand genommen. „Die Elfen von New York“ von Martin Millar erschien 1994 bei Eichborn und kam 1996 als Taschenbuch bei DTV heraus. Wahrscheinlich habe ich es damals direkt nach Erscheinen des Taschenbuchs gelesen. Also sind jetzt 19 Jahre seit der Lektüre vergangen (hier ein HILFE-ich-werde-alt-Geräusch vorstellen).

Mich hat es damals mit seiner rotzfrechen Art beeindruckt und ich habe es drei Umzüge lang aufgehoben. Das will was heißen.

Der Ramones-Effekt: Ja, das war mal frisch.

Jetzt habe ich „Die Elfen von New York“ wieder gelesen. Ein bisschen ist es mir bei der Lektüre wie mit den Songs der Ramones ergangen. Das, was damals, wild, frisch und spaßig war, ist heute vertraut. Vergnüglich, aber nicht mehr revolutionär. Dumm, dass die Erwartungshaltung, die mein Leserhirn zu dem Buch gespeichert hatte, eine andere war.

Doch auch heute kann ich mich noch dieser Rezension anschließen:

Kurz gesagt: Ein irgendwie abgedrehtes Buch, das sich auf jeden Fall lohnt!
Fantasybuch.de

Zum Glück hat die Neuauflage ein neues Cover

Cover Elfen New York 1996
1996 – Cover der Taschenbuchausgabe

Das alte Cover verstehe ich allerdings auch heute noch nicht. Die beiden pubertären Punk-Elfen sind in zerfetzten Kilts unterwegs, die anderen New Yorker Elfen tragen jeweils Kleidung, die an ihre Heimatländer erinnert. Diese theatralische Figur auf dem Cover passt für mich nicht.

Heute hat das Buch, das man vielleicht als Vorläufer der Urban Fantasy bezeichnen könnte, ein Vorwort von Neil Gaiman. Ich hoffe, dass sich noch mehr geändert hat. ZUm Beispiel, dass der Übersetzungsfehler ausgebügelt wurde und aus dem Malz Whisky, dem die schottischen und irischen Elfen hinterher trauern, ein ordentlicher Malt Whisky wurde. In diesem Sinne: Slainte!


 Angaben zum Buch:

Martin Millar

Die Elfen von New York

Originaltitel:
The good fairies of New York

DTV Verlag


Auf dem Stapel der Bücher, die ich mal wieder lesen könnte, liegt mit „Ein Bär will nach oben“ von William Kotzwinkle noch ein weiterer Titel aus dem Eichborn Verlag. Damals hatte der Verlag mit der Fliege eine ganz eigene verlegerische Stimme, die leider im Laufe der Jahre unter die Konzern-Räder gekommen ist. Wie mir das Buch, das heute bei Rowohlt vertrieben wird, wohl jetzt gefallen würde?

Will ich es wirklich wissen?

Wie sind denn Eure Erfahrungen mit Büchern, die ihr nach langer Zeit ein zweites Mal lest?


 Auch in diesem Roman passieren Dinge, die nur in dieser Stadt möglich sind: Die Wächterinnen von New York