Mit der Hitze kam die Werwölfin: Silver Moon

Was wäre, wenn die Energie der Hitzewallungen in den Wechseljahren etwas Unerwartetes mit sich bringen würde? Wenn die Hitze das Wilde, Ungezähmte hervorbrechen lässt? Wenn die hormonellen Veränderungen tatsächlich einen neuen Lebensabschnitt einleiten? Becca Thornton, Heldin des Fantasy-Romans „Silver Moon“ von Catherine Lundoff, erlebt genau das. Weil ihr Mann sie wegen einer Jüngeren verlassen hat und jetzt das Haus verkaufen will, muss sie sich neu im Leben orientieren. Doch als sie in einer Vollmondnacht das von einer Hitzewallung gerötete Gesicht mit kaltem Wasser kühlen will, sieht sie im Spiegel etwas, was sie irritiert: goldene Augen und Fell. Was nun folgt, ist ein Fantasy-Roman der anderen Art, der mir viel Lesevergnügen geschenkt hat. Handwerklich gut geschrieben und bestens übersetzt kommt die Geschichte mit der für mich genau passende Mischung aus Trash, Action, Plot-Twists, Frechheiten und einer dezenten Liebesgeschichte daher. Von allem etwas – aber nichts zu viel. In der Kleinstadt irgendwo draußen in der amerikanischen Provinz…

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Kleine Geschichten von großen Künstlern. Oder: wie ich lernte, Frida Kahlo zu mögen

Kunst für Kinder – diesem Thema widmen sich mehr Bücher, als ich Kinder im Museum sehe. Manche hoffen auf die Neugier von Kindern, doch diese muss beim Thema Kunst meist erst durch einen Impuls außerhalb des Buches geweckt werden. Andere Kunstbücher für Kinder setzen auf die kindliche Kreativität. Doch nicht jedes Kind traut sich, im Anblick großer Künstler selbst etwas zu gestalten. Dann gibt es noch Bücher, die versuchen, das Kunsterlebnis in eine Erzählung einzubinden. Die wirkt aber häufig so konstruiert, dass Kinder misstrauisch werden. Schließlich haben sie ein feines Gespür dafür, was eine gute Geschichte ausmacht und wann ihnen die Erwachsen nur etwas beibringen wollen! „Kleine Geschichten von großen Künstlern“ wählt einen anderen Weg. Laurence Anholt erzählt von Kindern, die wirklich gelebt haben und die wirklich berühmten Künstler*innen begegnet sind. Ergänzt werden diese wahren Begebenheiten von einer kindgerechten, kurzen Künstlerbiografie und Impulsfragen, die einen individuellen Zugang zu den Werken ermöglichen. Und natürlich von vielen…

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Die Abenteuer von Pina Parasol. Steampunk-Kurzgeschichten

Kurze Geschichten für den kleinen Steampunk-Hunger zwischendurch: Genau dafür sind die Abenteuer von Pina Parasol optimal geeignet! Tino Falke hat ein pralles Universum erschaffen, das locker für einen fetten Roman langen würde – oder mehrere. Doch er macht Steampunk-Kurzgeschichten daraus. Heldin aller Folgen: Pina Parasol, professionelle Verliererin, die sich um Dinge kümmert, die nie wieder gefunden werden sollen. Sie ist schlagfertig bis vorlaut, mutig bis übermütig und hat selbst in der größten Bredouille einen Plan, der vielleicht auch nur auf Improvisationstalent fußt. Sie kommt weiter rum als Indiana Jones und Lara Croft zusammen und greift dabei nicht nur auf feinste Steampunk-Technik wie Flug-Lokomotiven, sondern auch auf Magie zurück. Doch vor allem hat sie ihr Herz am richtigen Fleck und lebt ihre Werte. Ganz nebenbei sind die Geschichten auf eine sehr lässige Art progressiv, queer und divers. Wenn euch also der Winter zu grau ist oder euch eine Wahl-Familie lieber wäre als eure eigene, dann greift…

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Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

Jeder Baum hilft. Dann lasst uns doch einfach so viele Bäume pflanzen, dass wir damit den Klimawandel stoppen. Oder Moore renaturieren. Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir ja gleich mit Pflanzen die Welt retten. Irgendjemand muss es ja tun. Also los, Spaten schnappen, Loch buddeln, Baum rein. Doch ökologische Systeme sind komplizierter, als ich es in der Schule gelernt habe. Nicht nur, dass meist nur ein Bruchteil der Neupflanzungen nach drei Jahren immer noch leben: In nördlichen Ländern verdunkeln neu gepflanzte Wälder die Erdoberfläche. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen zurück ins All reflektiert, was zu Erwärmung führt. Nach gut 200 Seiten Lektüre ist klar: wichtiger als jede Renaturierung ist erst einmal, das, was an Natur noch da ist, zu erhalten. Diese Maßnahmen schützen uns jetzt. Sie helfen, Folgen des Klimawandels abzufedern, und verhindern, dass die Erderwärmung in diesem Tempo fortschreitet. An zweiter Stelle steht, das, was wir zerstört haben, wieder herzustellen – Moore,…

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Frau Müller, die Migrantin

Bei diesem Buch habe ich mir gewünscht, das Lachen der Autorin hören zu können. Ich stelle mir ihr Lachen als herzlich, warm, verbindend und lebhaft vor. Überhaupt würde ich mich gerne mit ihr einen Abend lang über Gott und die Welt unterhalten und mehr über ihren Blick auf Deutschland und das Leben erfahren. Evelyne Waithira Müller ist gebürtige Kenianerin. In ihrer Zeit als britische Soldatin verliebte sie sich in einen Deutschen. Sie heirateten und zogen aufs platte Land. Wie das in der ersten Verliebtheit so ist: Dass sie sich damit nicht nur für einen Mann, sondern auch für ein Land entschieden hat, in dem nicht nur das Wetter so ganz anders ist, realisierte sie erst später. Mit ihrem Buch lässt sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben. Der Untertitel „Wie Deutschland und ich uns aneinander gewöhnt haben“ ist perfekt gewählt. In erster Linie hat sie ihr Buch „Frau Müller, die Migrantin“ als Mutmacher für Migrant*innen geschrieben.…

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Zoran Drvenkars „Licht und Schatten“: Ein Genre-Sprenger der Fantasy-Literatur

Was mich an den Büchern von Zoran Drvenkar fasziniert, ist klar: sein konsequentes Ignorieren aller ungeschriebenen Genre-Regeln. Genau das ist es auch, was es für mich so schwer macht, meine Leseeindrücke zu seinem Jugendroman „Licht und Schatten“ zu notieren. Wäre das Buch ein Getränk, dann ein Chai – schwer und würzig, süß und bitter zugleich und mit einem Duft, der mich aus dem Alltag holt. Für einen Fantasy-Schmöker ist „Licht und Schatten“ zu sperrig. Immer dann, wenn dieses Gefühl von eintauchen und wohlfühlen entsteht, wehrt sich das Buch mit einer unerwarteten, rätselhaften Wendung. Für einen historischen, in Russland spielenden Roman ist zu viel frei erfunden. Für eine Coming-of-age-Story gibt es zu viel Phantastik und Schauermomente. Zu all diesen Genre-Elementen gesellen sich noch Familiendrama, Märchen und Sagen, ganz viel Abenteuerroman – und eine einzigartige poetische Sprache mit einem kraftvollen Klang. Auch die Figuren sind einerseits magische, aus der Zeit gefallene Heldinnen und Helden. Andererseits sind sie…

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Hausaufgaben fressen Hund in Norwegen: The Stranger Times

Für dieses Buch habe ich zwei Anläufe gebraucht. Beim allerersten reinlesen in den schaurigen, skurrilen Fantasy-Krimi war mir das alles zu laut, zu schrill. Erst beim zweiten Mal passten meine Lesestimmung und der erste Band der „The Stranger Times“-Reihe besser zusammen. Damit erging es mir so, wie jedem einzelnen Mitglied der Redaktion der namensgebenden Zeitschrift „The Stranger Times“, der wir so großartige Headlines wie „Hausaufgaben fressen Hund in Norwegen“ und „Hellseher-Tagung wegen vorhergesehener Umstände abgesagt“ verdanken. Vom jähzornigen Chefredakteur mit Alkoholproblem bis zur grummeligen Teenie-Praktikantin haben alle ein sehr ambivalentes Verhältnis zum Job. Sie können aber auch nicht loslassen – genauso, wie ich vom Buch nicht loslassen konnte. Die originellen, überzeichneten Charaktere, der tiefschwarze Humor und der manchmal heftig polternde Wortwitz zählen zu den Stärken des Buchs. Der Plot hingegen hat Schwächen. Kapitel für Kapitel werden die Figuren in Stellung gebracht. Bis dann auf den letzten Seiten sich wie von Zauberhand ein Kriminalfall mit ganz…

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Künstlerinnen in New York

Eine Autorin begleiten, wie sie Kunst von Frauen in New York entdeckt. Skulpturen, Ausstellungen, Bilder die eines gemeinsam haben: Ich kann sie nicht dort erleben, wo Stephanie Hanel sie erlebt hat. Was sie sah, werde ich so nie zu sehen bekommen. Warum fand ich dann die Lektüre so faszinierend, wohltuend und bereichernd? Wer mir auf Instagram folgt weiß, dass Museen mein zweites Wohnzimmer sind. Das begann in meinen Teenie-Jahren und zieht sich bis heute durch. Warum das so ist, habe ich immer noch nicht wirklich ergründet. Sicher ist, dass Begegnungen mit Kunst für mich ein Safe Space sind. Ein Ort, an dem ich zur Ruhe komme, zu mir finde, wachsen und heilen kann. Im Real Life habe ich eine Kunstkomplizin, eine Freundin, mit der ich durch Ausstellungen streune, staune, albere. „Künstlerinnen in New York“ ist eine Freundin, eine Kunstkomplizin in Buchform. Mit diesem Buch kann ich all das auch erleben – okay, vielleicht ohne das…

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Workbook gegen Kopfchaos: Blick in den Maschinenraum eines neurodivergenten Gehirns

Den Ratgeber „Dein Workbook gegen Kopfchaos. Strategien und Methoden für neurodivergente Menschen“ wollte ich aus zwei Gründen lesen. Einmal, weil ich mir sicher war, dass auch ich darin gute Tipps und Tricks finden werde, wie ich mit den Herausforderungen des Alltags besser klar komme. Spoiler: Das war so. Der zweite Grund war, dass ich in den letzten Jahrzehnten ein paar Mal mit Menschen zusammen gearbeitet habe, von denen ich im Nachhinein vermute, dass sie im neurodivergenten Spektrum unterwegs waren. Damals kannte ich weder den Begriff noch das Konzept dahinter. Wäre die Zusammenarbeit besser gewesen, wenn ich Wissen über Neurodivergenz gehabt hätte? Bestimmt. Hätten wir besser miteinander gearbeitet, wenn ich die Strategien gegen Kopfchaos gekannt hätte? Spoiler: eher nicht. Denn das ist nicht das Ziel des Ratgebers. Dieses Workbook wurde vor allem für neurodivergente Menschen geschrieben. Es setzt sehr konsequent bei den Betroffenen und ihrer Verantwortung für sich selbst an. Selbstermächtigung pur – wohltuend und wertschätzend!…

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Meine innere WG und Ich: IFS – Internal Family Systems

Jedes Mal, wenn ich bloggen möchte, bekomme ich Gesellschaft. „Sport wäre besser“ höre ich dann. Oder „So irrelevant wie Briefmarken sammeln“. Ganz selten auch ein giftiges Zischen „Bilde dir bloß nix auf das Geschreibsel ein.“ Doch je länger ich dann schreibe, umso leiser werden diese Stimmen. Bis ich den Punkt erreiche, an dem es in mir ganz ruhig wird und ich eine wohltuende Weite bei gleichzeitigem Fokus empfinde. Vielleicht ist das Flow. Auf jeden Fall ist das der Grund, warum ich sage: andere stricken, ich blogge. Heike Mayer kennt sich mit solchen Stimmen bestens aus. Deswegen hat sie den Ratgeber „Ich steh mir selbst nicht mehr im Weg. Innere Persönlichkeitsanteile erkennen, verstehen und heilen“ geschrieben. Ihr Buch ist eine Einführung in die Welt des Internal Family Systems (IFS), einer innovativen Therapiemethode, die von Richard Schwartz entwickelt wurde. Ich hatte noch nie davon gehört, aber das ist für die Lektüre auch nicht nötig. Die Grundidee: Wir…

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Mein Recht auf Stadt: Platz nehmen gegen eine Architektur der Verachtung

Dass mich dieses Buch überfordern wird, hatte ich eingeplant. Architektur, Stadtplanung und Soziologie sind Fachrichtungen. Ich bin nicht vom Fach. Aber ich lebe in einer Stadt und ich frage mich schon länger, warum ich manche Viertel als lebendig und lebenswert erfahre – und andere nicht. Das ich mir damit schon Gedanken über „Mein Recht auf Stadt“ mache, wusste ich nicht. Beim Lesen galt es, zwischen all der Fachsprache und den flammenden Plädoyers gegen Konzepte, die ich nicht kannte, Anknüpfungspunkte an meine Erfahrungen zu finden. Warum empfinde ich die Reißbrettsiedlung Mannheim-Vogelstang als eher lebenswerten Vorort, den nach ähnlichen Prinzipien gestalteten Emmertsgrund bei Heidelberg (siehe Foto) nicht? Weshalb erscheint mir die Bebauung mit hochpreisigen Wohnungen direkt am Wasser in den Stadtteilen Jungbusch und Luzenberg wie ein Faustschlag gegen die ursprünglichen Bewohner? Wie ein „Die schönsten Plätze gehören uns, ihr kommt hier nicht rein?“ Nach der Lektüre von Mickaël Labbés „Platz nehmen. Gegen eine Architektur der Verachtung“ weiß…

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Jäger und Sammler: 12 Monate fernab vom Supermarkt

Wer „Mein Jahr als Jäger und Sammler“ von John Lewis-Stempel lesen möchte, sollte das Wort Jäger im Buchtitel ernst nehmen. Sehr ernst. John Lewis-Stempel beschließt, zwölf Monate lang von dem zu leben, was seine eigenen 16 Hektar hergeben. Farmland mit Hecken, Weiden, Wäldern und einem Fluss. Mit Enten, Eichhörnchen, Fasanen. Mit Löwenzahn, Gänsefuß, Bärenklau. Wildäpfeln, Brombeeren, Schlehen. Für diese Lebensweise braucht es Wissen, Geduld und die Bereitschaft, Hunger auszuhalten. Er bringt all das mit und packt noch Hartnäckigkeit obendrauf. Über allen Seiten schwebt ein Banner „Don’t try this at home – und schon gar nicht mit einem Selbstversorgergarten. Ohne Jagdschein und die Fähigkeit, Tiere zu häuten, zu rupfen, auszunehmen kommst du hier nicht weit.“ Sinnkrisen und Schlehenwein: Die Hintergründe des radikalen Experiments Was treibt einen Menschen zu so einem radikalen Selbstexperiment? Eine Sinnkrise. Neugier. Gute Grundlagenkenntnisse. Und die Tatsache, dass man sich mit Kauf und Renovierung der Farmhaus-Ruine gründlich übernommen hat. Das Geld ist knapp.…

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