Typisch Typo! Würdest du diese Schrift küssen, heiraten oder töten?

Buch Typisch Typo. Bekannte Schriftarten und ihre Geheimnisse aus dem Midas Verlag

Typo-verliebt war ich seit den ersten Tagen meiner Buchhandelslehre. Damals stand im Impressum der Bücher, in welcher Schrift sie gesetzt wurden. Ich habe das gelesen und vermisse diese Sorgfalt und Mitteilungsfreude heute sehr. Anitra Nottingham und Jason Phillips, Buchgestalter und Autoren des Buches „Typisch Typo. Bekannte Schriftarten und ihre Geheimnisse“ könnten das gut verstehen. Sie haben ihr Buch für Menschen wie mich geschrieben. Und für alle Designer*innen, die gerade die Welt der Schriften für sich entdecken, von den Möglichkeiten überwältigt sind und kurz davor sind, ein Typo-Verbrechen zu begehen. Was das ist? Auf jeden Fall die Verwendung von Comic Sans oder Papyrus, aber auch der Einsatz von Trajan an ungeeigneten Orten. Also fast überall.

Das Buch, das auf dem Podcast „The Type Pod“ basiert, ist meinungsstark, nerdig und witzig. Vorgestellt werden Schriften wie Times New Roman, Goudy, Baskerville, Akzidenz Grotesk, Bell Centennial, Foundry Sterling, Transport, Zapf Dingbats, Papyrus und einige mehr. Wer hat sie erfunden und warum? Was zeichnet sie aus und wofür sind sie geeignet? Wie wurden sie aufgenommen, welche Firmen und Institutionen setzen sie heute ein?

Und dann, wenn sich die Leser*innen von all dem Nerd-Wissen schon fast erschlagen fühlen, kommt nach jedem Kapitel das Fazit unter der Überschrift: Küssen, ausgehen, heiraten oder töten? So, wie das bei Nerds nun mal ist, sind sich die beiden hier nur sehr selten einig. Ein großer, diskussionsfreudiger Spaß – hier ein paar Zitate:

„Für uns ist Bodoni die Audrey Hepburn unter den Schriftarten, stilvoll, schlank, mitunter ein Albtraum in der Anwendung.“ – S. 58

„Ja, sie ist allgegenwärtig und wahrscheinlich überstrapaziert, aber wenn wir sie sehen, denken wir nicht: „Oh, schon wieder Futura?“ (Was meist unsere Reaktion auf Helvetica ist)“ – S. 50


„Wir sind uns einig, dass Mrs Eaves mit großem Buchstabenabstand ein visuelles Klischee ist, insbesondere in ernsthaften Gedichtbänden, aber wir lieben sie …“ – S. 96

Wem diese Formulierungen so wie mir ein Lächeln ins Gesicht zaubern, der sollte dieses Buch lesen und tief in die Anatomie und Geschichte der Schriftarten eintauchen! Aber warum eigentlich nennt der Midas Verlag im Impressum die verwendeten Schriften nicht?


Bibliographische Angaben:

Anitra Nottingham und Jason Phillips

Typisch Typo.
Bekannte Schriftarten und ihre Geheimnisse

Übersetzt von Claudia Koch

Midas Verlag


Seit 1987 bin ich Teil der Buchbranche. Sie lässt mich einfach nicht los, diese liebenswerte, kleine, verrückte Branche. Bücher machen, Bücher verkaufen, über Bücher nachdenken – dazu passen diese Buchtipps:

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