Reiseführer Lothringen entdecken

Reiseführer Lothringen entdecken

Gefühlt gibt es zu jedem möglichen Urlaubsziel mindestens 42 verschiedene Reiseführer. Lothringen war bisher eine Ausnahme – diese Gegend Frankreichs wird höchstens in den Elsass-Reiseführern ganz am Rande erwähnt.

Die großen Sehenswürdigkeiten wie den Ableger des Centre Pompidou in Metz findet man sicherlich auch so – notfalls mit einer rasanten Kehrtwende, weil die Beschilderung doch sehr … nun, ich sage mal: sehr französisch ist.

Folge „Toutes direction“ bis Du im Rückspiegel das Schild „Hier hätten sie abbiegen müssen“ siehst. Das gehört zum echten Frankreich-Urlaub-Flair dazu wie die Quiche Lorraine und das Zitronen-Törtchen. Und immer, wenn man zum Wenden einen Kreisverkehr bräuchte, ist keiner vorhanden. C’est la vie.

Meine Hilflosigkeit im Anblick französischer Tourismus-Webseiten

Das Centre Pompidou in Metz gehört genau wie die Altstadt und die Jugendstilhäuser von Nancy zu den wenigen großen Sehenswürdigkeiten Lothringens. Alles weitere liegt etwas versteckt, ist etwas kleiner und wirkt etwas beschaulicher. Lothringen ruht sich immer noch im Schatten des touristisch straff durchorganisierten Elsass aus. Den Mangel an rot-weißen Tischdecken und Storchennestern empfinde ich durchaus als wohltuend und die touristische Zurückhaltung macht mich neugierig.

Doch ohne deutschsprachigen Reiseführer wäre ich hier aufgeschmissen – jeder, der wie ich nur eingestaubtes Schul-Französisch beherrscht, kennt dieses Gefühl der Hilflosigkeit, das einen beim Versuch, französischen Webseiten Informationen zu entlocken, befällt.

Lieber mit Reiseführer

Da verreise ich doch lieber mit Reiseführer. „Lothringen entdecken – 30 Touren durch Stadt, Land, Wald und am Wasser entlang“ ist schon fast eine Fleißarbeit, denn das Buch enthält unglaublich viele Details, Informationen und Ideen für Ausflüge und Besichtigungen – alles verpackt in Rundgänge, Spaziergänge und Radtouren. Fast alles ist familientauglich und für viele Touren gibt es Schlechtwetter-Alternativen. Dabei deckt der Reiseführer Lothringen entdecken eine sehr große Bandbreite an Aktivitäten ab. Es gibt weit mehr zu entdecken als Schlösser, Museen, Parks und verschlafene Kleinstädte: von der Besichtigung einer Drageefabrik bis hin zur Übernachtung im Tierpark bei den Wölfen ist für jegliche Art von Unternehmenslust etwas dabei. Ein sehr übersichtliches Register aller Sehenswürdigkeiten mit Öffnungszeiten, Adressen und Webseiten rundet das Buch ab. Nur eines habe ich vermisst: eine Übersichtskarte.

Die wunderbaren Kirchenfenster von Jean Cocteau in der Kirche St. Maximin in Metz hätte ich ohne den Reiseführer „Lothringen entdecken“ jedenfalls nicht entdeckt und schon allein dafür hat sich der Reiseführer gelohnt – seht selbst:

Angaben zum Reiseführer

Lothringen entdecken
30 Touren durch Stadt, Land, Wald und am Wasser entlang

geschrieben von Sophia Schülke

Leinpfad Verlag


Eine gute Ergänzung dazu sind die literarischen Reiseführer aus dem Conte Verlag:

Wayne Dyer erhält eine Botschaft – Buch-Tipp

Wayne Dyer im Gespräch mit Abraham und Esther Hicks

Es war der Co-Autor, der mich auf dieses Buch neugierig machte. Ich schätze Wayne Dyer für seine kindliche Begeisterungsfähigkeit und sein Talent, gleichzeitig klar und quer zu denken. Enthusiastisch stürzt er sich auf neue Themen und reißt mich als Leser dabei jedes Mal mit.

Daher war ich bereit, Wayne Dyer auch auf seiner Channeling-Entdeckungsreise zu begleiten. Diese Gespräche mit der geistigen Welt sind so gar nicht mein Ding, denn ich gehe davon aus, dass alle Antworten schon in uns liegen und auch dort gefunden werden können, ganz direkt und ohne Umweg.

Doch an Erklärungen und Denk-Modellen, wie das Leben und das Universum funktionieren, bin ich immer interessiert; andere Sichtweisen machen mich neugierig.

Diese Ausgangslage, die sicherlich bei jedem Leser anders ist, führte bei mir dazu, dass ich das erste Drittel des Buches langweilig fand (schon wieder das Gesetz der Anziehung!), das zweite Drittel sehr interessant und das letzte Drittel über Politik und gentechnisch veränderte Lebensmittel als sehr konstruiert und bemüht empfand. Monsanto ist wohl nicht wirklich als Thema für ein Lehrgespräch mit der geistigen Welt geeignet, denn dieses Problem ist von Menschen konstruiert worden. Problem und Lösung schwingen nicht auf der gleichen Frequenz und in diesem Fall wird das besonders deutlich. Da muss man nicht mehr darüber diskutieren, da muss man sich einfach um die Lösung kümmern.

Was bleibt also bei mir ganz persönlich von der Lektüre hängen?

Vor allen Dingen werden mir wunderbar ausformulierte Gedankengänge darüber, dass wir Schöpfer unserer Realität sind und dass wir das Leben und das Universum durch unsere Schöpferkraft erweitern, im Gedächtnis bleiben. Genauso wie der ganz praktische Tipp, die halbwache Zeit morgens nach dem Aufwachen – die bei mir sowieso etwas länger ist als bei manchen Menschen – dazu zu nutzen, seine Gedanken und Gefühle auszurichten und so ganz anders in den Tag zu starten.


Weitere Angaben zum Buch:

Esther Hicks
Die Botschaft

Abraham sprich mit Wayne Dyer über die letzten Geheimnisse

LEO Verlag


 Du suchst Inspiration für spirituelle Lektüre? Dann stöber hier in meinen Buchtipps und Rezensionen.

Fliegende Zeilen – ein poetisches Spiel

Gesellschaftsspiel: Fliegende Zeilen

Fabulierspaß – allein schon für dieses Wort mag ich das Spiel „Fliegende Zeilen“.

Fabulieren ist ein Wort, das ich in meinen aktiven Sprachschatz aufnehmen sollte.

Der ist zwar durch das Bloggen auch dieses Jahr wieder größer geworden – nur E-Mail schreiben wirkt sich nicht so bereichernd auf den Wortschatz aus – aber es gibt immer noch ausreichend Platz in meiner Wortschatztruhe.

Im Spiel „Fliegende Zeilen“ bekommen die Fabulierspaß-Beteiligten zu vorgegebenen Zitaten Aufgaben gestellt. Die können zum Beispiel so lauten:

  • Verwenden Sie die Zeile für eine Lautsprecherdurchsage
  • Wandeln Sie die Zeile zu einer PC-Fehlermeldung um
  • Verwenden Sie die Zeile für ein Plädoyer vor Gericht, um ein Vergehen zu rechtfertigen
  • Erweitern Sie die Zeile zu einer Tragödie
  • Finden Sie einen Reim

Es gilt, aus Zitaten wie diesen einen originellen, schrägen, berührenden, witzigen, tragischen, verschachtelten, spannenden oder beeindruckenden Text zu erschaffen:

  • Bleiben will ich, wo ich nie gewesen bin (Thomas Brasch)
  • Mein Kopf ist ein zwitscherndes Vogelnest (Heinrich Heine)
  • Nicht also kürren und schorren die Ratzen (Abraham a Santa Clara)
  • Tauschen Sie ein Wort! (Anne Boland)
  • Da hockt der dicke Gott und grinst (Kurt Tucholsky)

Die Zeit dafür ist knapp – gerade mal 90 Sekunden dauert es, bis die Sanduhr abgelaufen ist. Das beflügelt!

Dann will ich doch mal testen, was mir so einfällt – Zeit läuft!

„Tauschen Sie ein Wort“ lautet schon seit Generationen das Motto des kleinen Landes Wortistan. Aber mein Vater war Buchhalter. Er hatte nur Worte wie Jahresabschluss-Regelung, Bilanzierungsprognose und Rückstellungsauflösung. Diese Worte wollte niemand mit ihm tauschen, weswegen er mit uns auswanderte. (Beginn einer Tragödie)

Tauschen Sie ein Wort! – Wollen Sie dieses Wort wirklich tauschen? Ihr Tauschwort führte zu einem schweren Systemfehler. Das Programm beendet sich in 10 Sekunden. (PC-Fehlermeldung)

Der kleine Fabulierspaß möchte im Wörterparadies abgeholt werden – Danke. Ihr Tauschen-Sie-ein-Wort-Team! (Lautsprecherdurchsage)

Wieviele Punkte ich wohl von meinen Mitspielern dafür erhalten würde?

„Fliegende Zeilen – Ein poetisches Spiel um Sinn und Unsinn“ wandert in meine Wortschatztruhe. Es hat mich auch jenseits der Spielrunden auf gute Ideen gebracht und mir geholfen, Kreativitätsblockaden aufzulösen.


Weitere Angaben zum Spiel:

Fliegende Zeilen
Ein poetisches Spiel um Sinn und Unsinn

empfohlen ab 12 Jahren

Moses Verlag

Hier findet ihr einen ausführlichen Spieletest

Kurze Spielanleitung:

Durch Würfeln ermittelt ein Spieler die Aufgabe: soll ein Werbeslogan, ein Kurz-Krimi oder vielleicht ein Gedicht geschrieben werden?

Danach wird per Würfel eine Verszeile aus dem Beiheft bestimmt. Insgesamt stehen 219 höchst unterschiedliche Verszeilen zur Auswahl.

Alle Mitspieler haben nun 90 Sekunden Zeit, aus der Verszeile einen neuen Text zu schreiben. Anschließend bewerten die Mitspieler die poetischen Ergebnisse mit Punkten. Jeder bekommt Punkte, doch Originalität, Witz und Kreativität erzielen die höchste Punktzahl.


Mehr Fabulier- und Schreibspaß auf meinem Buch-Blog:

Sachen machen – was ich immer schon tun wollte

Sachen machen - Isabel Bogdan

„Sachen machen“ von Isabel Bogdan ist ein Buch, das man besser nicht am Jahresende lesen sollte, denn es könnte eine gewisse melancholische Grundtendenz verstärken – insbesondere dann, wenn die Liste der Sachen, die man machen wollte, mal wieder länger ist als die Liste der Sachen, die man getan hat.

Andererseits sollte man „Sachen machen“ gerade am Jahresende lesen, denn es gibt einem viele gute Ideen, was man im nächsten Jahr alles machen könnte und wie sich das anfühlen würde.

Hüpfen und rutschen steht auf jeden Fall ganz oben auf der Liste. Das kann man zum Beispiel bei einem Ü-18-Abend auf einem Indoor-Spielplatz für Kinder machen:

Das ist unter anderem deswegen eine tolle Sache, weil ich es dem Weltgeist ein bisschen übelnehme, dass er Hüpfburgen erst erfunden hat, als ich schon zu groß dafür war und nicht mehr reindurfte. Aber jetzt: Hüpfburg! Rutschen! Trampolin! Klettern! Jippie!

Viele der Sachen, die Isabel Bogdan im Laufe eines Jahres macht, haben mit Bewegungsfreude zu tun; manche wie Fisch-Pediküre oder Floaten aber auch mit still halten.

Eines ist jedoch allen Unternehmungen gemeinsam: die Autorin macht diese Sachen zum ersten Mal und geht mit ansteckender Freude ans Werk.

Könnte, wollte, sollte? Machen!

Dabei gibt sie ganz freimütig zu, dass sie ohne den wöchentlichen Termin zur Artikelabgabe die meisten dieser Sachen niemals gemacht hätte. Es wäre beim „könnte man mal machen …“ geblieben, das vielleicht mit einem „Wäre ja peinlich“ oder einem „dafür bin ich zu alt“ zur Ruhe gebracht worden wäre.

Es ist gerade diese offene Ehrlichkeit, die von Anfang an jeden besserwisserischen Druck aus dem Buch nimmt. „Sachen machen“ ist kein Ratgeber zur besseren Lebensführung – „Sachen machen“ ist pure, ansteckende Lebensfreude.


Infos zum Buch:

Isabel Bogdan

Sachen machen
Was ich schon immer mal tun wollte

Rowohlt Verlag


 Mehr Rezensionen zu Büchern von Isabel Bogdan auf meinem Buch-Blog:

Kochbuch-Urlaub: Die portugiesische Küche

Portugal Kochbuch: Die portugiesische Küche

Portugal habe ich erst viel zu spät für mich entdeckt. Südfrankreich war lange Jahre mein Lieblingsreiseziel. Bis zu dem Jahr, in dem ich im Herbst spontan einen warmen, sonnigen Ort suchte und Urlaub an der Algarve machte.

Dieser Urlaub hatte Folgen. Eine Folge davon leuchtet mir sonnengelb aus dem Kochbuch-Regal entgegen: „Die portugiesische Küche
A Cozinha Portuguesa“.

Ich habe mich in Portugal auf Anhieb wohlgefühlt: schöne Landschaft, warmes, sonniges Wetter, unglaublich nette, angenehme Menschen und allerfeinstes Essen aus frischen Zutaten. Schon nach zwei Tagen konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum es so lange gedauert hat, bis ich diesen Winkel Europas für mich entdeckt habe.

Daran, dass ich mich spontan und sofort wohl gefühlt habe, war auch das Essen schuld – insbesondere das beste Grillhähnchen meines Lebens, das es an einem Tag gab, an dem es viel zu heiß zum wandern war. Im Oktober. Nach dem Hähnchen wollte ich erst recht nicht mehr wandern.

Lieber dachte ich an jenem viel zu heißen Tag in der Kneipe im Schatten der Kirche darüber nach, was mich eigentlich an der portugiesischen Küche so begeistert. Da wären zuallererst die frischen Zutaten zu nennen, die so hochwertig sind wie nur etwas sein kann, das nicht aus der Lebensmittel-Industrie stammt.

Zudem wirkt die portugiesische Küche auf eine geheimnisvolle Art vertraut. Gegrilltes Fleisch – fast so, wie wir Deutschen es machen würden, nur besser. Bohnensuppe mit Rippchen und Eintöpfe aller Art. Die Auslage beim Bäcker sieht sehr bekannt aus und das Brot ist wirklich BROT. Zum Glück gibt es auch Stockfisch und Galao, sonst ginge das Urlaubsgefühl vielleicht ganz flöten.

Es könnte an den Kreuzrittern liegen …

Nach dem Grillhähnchen, im Schatten der Kirche, habe ich mich gefragt, wieviele deutsche Kreuzritter eigentlich damals in Portugal hängen geblieben sind. Wenn diese edlen Recken auf die beschwerliche Weiterreise in das gelobte Land verzichtet haben, dann sind bestimmt auch viele Bäcker und Metzger aus ihrem Tross im nicht ganz so gelobten, aber sehr, sehr angenehmen Portugal geblieben … DAS könnte die gefühlte Nähe zwischen der portugiesischen und der deutschen Küche erklären. Könnte.

Illuastration aus "Portugiesische Küche" Kunstmann Verlag

Ich werde diese Theorie weiter verfolgen, in dem ich so nach und nach alle Rezepte aus „Die portugiesische Küche – A Cozinha Portuguesa“ nachkoche.

Zwischendrin werde ich immer wieder albern kichern müssen. Das liegt dann nicht am Vinho Verde, sondern an den großartigen Illustrationen.

Die Warenkunde-Seite, die erklärt, was nun Wurst ist und was alles nicht als Wurst, sondern „Enchidos“ bezeichnet wird, wird mir für immer im Gedächtnis bleiben.

Genauso der Unterschied zwischen Pimentao, Pimento und Pimenta – Paprikapulver, Paprika und Pfeffer – einleuchtend, wenn man ihn einmal gezeichnet gesehen hat.

Jetzt wollt ihr noch wissen, wie die Rezepte sind? Lecker.

Aber eine Zutat ist hier in Deutschland wirklich schwer zu bekommen: SONNE!


Weitere Angaben zum Kochbuch:

Alexandra Klobouk / Rita Cortes Valente de Oliveira / Ricardo Jorge Pereira / Mariana Veloso / Eva Gonçalves / Luis Ehlert

Fotos von Ricardo Jorge Pereira, Mariana Veloso

Die portugiesische Küche
A Cozinha Portuguesa

Kunstmann Verlag
ISBN 978-3-88897-940-8


Museums-Tipp für einen Urlaub in Portugal: Citânia de Briteiros

Reise in den Alltag – Ein Jahr an der Côte d’Azur

Reisebericht - Ein jahr an der Côte d'Azur

„Beinahe wäre ich beim Joggen auf den Oliven auf der Straße ausgerutscht.“ S. 164

Ist so ein Satz nicht einfach dreist und gemein? Überhaupt erfordert die Lektüre von „Ein Jahr an der Côte d’Azur“ einiges an Charakterstärke und Gelassenheit. Andernfalls muss der Leser vor Neid in sein Lesezeichen beißen.

Oder sich damit trösten, dass die Aussicht vom Balkon der Wohnung in Nizza, in der Annika Joeres ein Jahr lang mit ihrem Freund lebt, zwar wunderschön, dafür jedoch die Wohnung selbst eine Bruchbude ist. Das war den beiden bei der Besichtigung vor lauter Meerblick gar nicht aufgefallen.

Annika Joeres schwankt zwischen Leben-im-Süden-Verzauberung und nüchternen Blick auf den Alltag als Expat – genau das macht das Buch für mich so authentisch. Sie schwärmt von Spaziergängen an der Strandpromenade und von Wanderungen im Hinterland und flucht über die unzuverlässige Internet-Verbindung, die ihre Arbeit als Journalistin behindert.

Auch sie wartet – wie anscheinend alle Schriftsteller in Südfrankreich – auf Handwerker und staunt über deren kreative Reparatur-Improvisationen. Danach geht sie zum Eis essen in die Altstadt von Nizza und lässt sich wieder vom Leben an der Côte d’Azur verzaubern, nur um sich anschließend Sorgen zu machen, dass sie ihre Zeit im Süden Frankreichs nicht genug auskostet.

Ich glaube, das würde bei mir so ähnlich aussehen. Nur als Rikschafahrerin hätte ich in Nizza sicherlich nicht gearbeitet!


Weitere Angaben zum Reisebericht:

Annika Joeres
Ein Jahr an der Côte d’Azur

erschienen in der Buch-Serie „Reise in den Alltag“

Herder Verlag
ISBN 978-3-451-06694-8

Nur noch als E-Book erhältlich


Mehr Südfrankreich auf meinem Buch-Blog:

Und das ist der Soundtrack dazu: Voyage, Voyage. Eine Reise durch die französische Popmusik

Der Ozean am Ende der Straße

Neil Gaiman - Ozean am Ende der Straße - Roman

Es scheint, dass die Ankunft des Opal-Schürfers die Welt in dem kleinen englischen Ort in Schieflage bringt. Doch dem ist nicht so.

Es sind die finanziellen Schwierigkeiten der Eltern, die dafür sorgen, dass die Welt des siebenjährigen Helden an den Rändern auszufransen beginnt.

Dort, wo die Welt ausfranst, können seltsame Wesen eindringen. Oberflächlich betrachtet sorgen sie dafür, dass die Menschen bekommen, was sie sich so sehr wünschen. Eine beängstigende Vorstellung, denn diese Wünsche sind von Gier geprägt.

Der Held aus „Der Ozean am Ende der Straße“ möchte eigentlich nur, dass seine kleine Welt in Ordnung ist und dass Erwachsene einfach nur große Menschen sind, denen man vertrauen kann. Als einziger erkennt er die Gefahr.

Wie gut, dass gerade hier in diesem kleinen Ort schon immer die Hempstock-Frauen wohnen und ihren Ozean am Ende der Straße pflegen.

Doch am Ende wird unser Held trotz aller Opfer mit einem Loch im Herzen zurückbleiben.

Wie kannst Du in dieser Welt glücklich sein? Du hast ein Loch in deinem Herzen. Ein Portal in ein Land jenseits der dir vertrauten Welt. Sie werden dich rufen, während du älter wirst. Du wirst sie nie vergessen können und du wirst immer nach etwas suchen, das du nicht haben kannst, etwas, was du dir nicht einmal richtig vorstellen kannst. S. 185

Der Ozean am Ende der Straße – ein Roman über das Erwachsen-Sein

Erwachsen zu werden ist in Neil Gaimans „Der Ozean am Ende der Straße“ nichts erstrebenswertes. Gier und Geld bedrohen das Gleichgewicht der Welt und nur das Vertrauen der Kinder, das die Welt ein guter Ort ist, und das uralte Wissen der Hempstock-Frauen können diese Bedrohung aufhalten. Doch auf mich wirkt der gut geschriebene Roman an diesem Punkt zu eindimensional.

Der Held wird sein siebtes Lebensjahr überleben, er wird älter werden und er wird vergessen. Er wird Zeit seines Lebens ein Suchender bleiben und sich dem Loch in seinem Herzen widersetzen. Glücklich wirkt er dabei nicht, was nur daran liegen kann, dass er diesen tröstenden Absatz im Roman vor lauter Abenteuer selbst nicht mitbekommen hat:

Ich erzähle dir jetzt was Wichtiges. Erwachsene sehen im Innern auch nicht wie Erwachsene aus. Äußerlich sind sie groß und gedankenlos, und sie wissen immer, was sie tun. Im Innern sehen sie allerdings aus wie früher. … In Wirklichkeit gibt es gar keine Erwachsenen. Nicht einen auf der ganzen weiten Welt. S. 150

Verständlich, dass gerade dieser Abschnitt in den Artikeln und Rezensionen am häufigsten zitiert wurde.

Und dann kam die Marketing-Abteilung …

„Weise, wundersam und hochpoetisch“ – wo ich einen gut geschriebenen Roman sehe, der zielsicher die Grenzen der Fantasy erweitert, sieht die Marketing-Abteilung des Verlags gleich ein literarisches Meisterwerk.

„Ein poetisches Juwel, wie man es nicht oft zu lesen bekommt.“ wird Daniel Kehlmann auf dem Cover zitiert. Immerhin hat der Verlag auf drei Ausrufezeichen hinter dem Zitat verzichtet. Ich vermute, es ist ihnen schwer gefallen.

Daher mein Grußwort an die Marketing-Abteilung: Nur, weil ein Roman, der sich in der Nähe des Fantasy-Genres bewegt, nicht nur eine zweite Sinn-Ebene, sonder sogar eine dritte Ebene aufweist, handelt es sich nicht gleich um ein poetisches Meisterwerk.

Es genügt vollkommen, dass das Buch gut ist und das ist es!


Weitere Angaben zum Roman:

Neil Gaiman
Übersetzt von Hannes Riffel

Der Ozean am Ende der Straße

Eichborn Verlag
ISBN 978-3-8479-0579-0


Hier findet Ihr noch mehr Buch-Tipps und Rezensionen zu intelligenten Fantasy-Romanen!


Noch eine Rezension zu einem Buch von Neil Gaiman auf meinem Buch-Blog:

Achtsame Ernährung mit der Yogi Methode

Achtsame Ernährung mit der Yogi Methode - 30 Tage Challenge vegan ayurvedisch yogisch

Eigentlich wollte ich nur ganz kurz in dieses Buch reinlesen, weil mich die Meinung des Autors interessiert – und schwupps, hatte ich mich festgelesen.

Dabei geht es in „Die Yogi Methode – 30 Tage Challenge zur achtsamen Ernährung“ vor allen Dingen um vegane Ernährung, die mich höchstens als philosophisches Phänomen interessiert.

Doch das Buch beginnt mit einer sehr motivierend geschriebenen Einleitung zum Thema, was Ernährung für Körper, Geist und Seele bedeutet und warum uns Ernährungsumstellungen als so schwierig erscheinen.

Dieser Absatz sorgte dafür, dass ich an der Yogi-Methode hängenblieb:

Ernährung ist etwas sehr Persönliches, etwas, mit dem wir uns bewusst oder unbewusst identifizieren. Sie ist unser ständiger Begleiter und bestimmt einen Großteil unseres Tages. Sie erfordert Routine und Regelmäßigkeit und bietet dadurch einen gewissen Halt. Rüttelt man an diesem Halt, erzeugt das Angst, die wiederum Aggression hervorruft. …

Menschen, die bewusst einen bestimmten Ernährungsstil wählen, fühlen sich angegriffen, da sie denken, dass man ihre Entscheidung nicht respektiert, wenn man Veränderungen vorschlägt. Und Menschen, die sich nicht so sehr um die Ernährung kümmern, fühlen sich schlecht, weil sie wissen und spüren, dass das, was sie essen ihnen nicht gut tut.

Nun befinde ich mich persönlich zwischen diesen beiden Extremen, denn ich würde gerne einfach weniger Kohlenhydrate und mehr Gemüse essen. Ganz einfach, oder? Leider nein, Ernährungsumstellung ist für mich alles andere als einfach.

Aber was kann mir „Die Yogi Methode“ bieten, das ich nicht schon längst selbst verstanden hätte?

Vor allen Dingen bringt der Autor Ruhe und Gelassenheit in das schwierige Thema Ernährungsumstellung. Wenn wir uns darauf ausrichten, Körper, Geist und Seele gleichermaßen zu nähren, ist der Schokoladenkuchen nur noch eine Möglichkeit von vielen. Diese Veränderung des Blickwinkels nimmt Druck aus dem Thema und hilft bei der Umstellung.

Übrigens haben mir die Yoga-Übungen, mit denen er die 30-Tage-Challenge begleitet, sehr gut gefallen, denn sie sind schlicht und effektiv. Da ist nichts dabei, was einen Yoga-Anfänger oder Noch-Nicht-Yogi erschrecken würde; nichts, was großer Vorbereitung bedarf. Trotzdem sollte man die Wirkung dieser Yoga-Übungen nicht unterschätzen – doch wenn man das merkt, ist man schon mittendrin in der 30-Tage-Challenge.

Denn das ist für mich die wichtigste Botschaft des Buches: Fang mit dem Anfangen an, jetzt hier in Deinem Alltag, so wie er ist.

Doch was mache ich jetzt mit den vielen veganen Rezepten?
😉


Informationen zum Buch:

Marcel Anders-Hoepgen

Die Yogi Methode
30-Tage-Challenge zur achtsamen Ernährung
vegan – ayurvedisch – yogisch

systemed Verlag
ISBN 978-3-942772-69-3

Der Verlag wurde 2018 eingestellt. Ein Großteil des Verlagsprogramm wurde vom Riva Verlag übernommen. So auch dieses Buch.


Auf meinem Blog findet Ihr noch mehr Tipps und Buch-Rezensionen zum Thema Yoga.


Yoga und Ernährung – darum geht es auch in diesem Ratgeber: Yoga Kitchen

Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften

Weber Alles fühlt Lebenswissenschaft

Eine Neu-Interpretation der Biologie, die zu einem veränderten Welt- und Menschenbild führt – das ist die Mission des Biologen und Philosophen Andreas Weber.

Im Mittelpunkt steht bei ihm der fühlende Körper, die fühlende Zelle, die leben will und ihr ganzes Dasein danach gestaltet.

Dieses Grundprinzip des Leben-wollens – weg von dem, was sich schlecht anfühlt und hin zu dem, was sich gut anfühlt – wohnt jedem Stück Natur inne. Deswegen kann man Mensch und Natur nicht getrennt voneinander betrachten. Wir sind Natur und nur mit der Natur sind wir ganz.

Wissenschaftsgeschichte, Biologie, Philosophie, persönliche Betrachtungen und – ja, auch – Poesie: all das ist in dem Buch „Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften“ von Andreas Weber enthalten.

Ich konnte dem Lauf seiner Gedanken nicht immer folgen, aber es gab auf jeder Seite für mich etwas zum Entdecken; etwas, das mich zum Staunen brachte oder etwas, das ich einfach genießen konnte:

Wir trafen uns am Meer, an einer stillen, sommerlichen Ostsee, deren flüssige Spiegel kein Wellenschlag zerspringen ließ und die auf diese Weise den Himmel in sich einsog und seinen Raum verdoppelte. Es war ein weicher Himmel, und die meiste Zeit zogen milchige und rosenfarbige Schlieren über ein mildes Blau. Ein wenig schien es, als würde die Dämmerung nie enden, und die Abende blieben lange hell. S. 81


Infos zum Buch:

Andreas Weber
Alles fühlt
Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften

Think Oya

Drachenverlag
ISBN 978-3-927369-86-3

„Alles fühlt“ erschien zuerst im Berlin Verlag; dort ist es noch als eBook lieferbar. Im Drachenverlag erschien in der hoch interessanten Buchreihe „Think Oya“ der Zeitschrift Oya eine erweiterte Neuauflage.


Alles fühlt. Doch wie fühlt der Mensch sich selbst? Die Wissenschaft der Interozeption entschlüsselt genau das:

Mohsen Charifi – Ein Tag mit der Liebe

Mohsen Charifi Ein Tag mit der Liebe Cover klein

Eines Morgens begegnet das junge Mädchen namens Verliebtheit einem alten Mann – so beginnt die Erzählung „Ein Tag mit der Liebe“ von Mohsen Charifi.

Die beiden werden den ganzen Tag zusammen verbringen. Verliebtheit wird zum ersten Mal ihren schweren Rucksack voller Hoffnungen, Enttäuschungen und Erinnerungen ablegen. Sie wird den Unterschied zwischen Brauchen und Lieben erkunden. Sie wird dem Ritter begegnen, der vielleicht auf den Namen Ego hören könnte.

Sie wird viele Fragen stellen und noch mehr Antworten selbst finden. Und am Ende des Tages … nein, das verrate ich nicht, denn am Ende des Tages würde sogar die Sonne gerne ein wenig länger verweilen, nur um noch mitzubekommen, wie das Gespräch zwischen Verliebtheit und dem alten Mann namens Liebe ausgehen wird.

Mohsen Charifi hat mit „Ein Tag mit der Liebe“ ein Buch geschrieben, das die Kraft hat, einen Lebensweg zu verändern. Es muss nur im passenden Moment im Leben eines Lesers erscheinen. „Ein Tag mit der Liebe“ ist eines dieser Bücher, das man von richtigen guten Freunden im richtigen Moment geschenkt bekommt und wofür man diesen Freunden immer dankbar sein wird – selbst dann, wenn man ihnen das Buch und die Lebensweisheiten im ersten Moment am liebsten um die Ohren hauen möchte.

Mohsen Charifi Der sanfte Weg der Poesie Buch-Cover

In seinem neuen Buch „Der sanfte Weg der Poesie – Vom Gefühl zur Heilung“ erzählt Mohsen Charifi von seinen eigenen Erfahrungen. Wie können wir Gefühle erkennen und beschreiben, wenn uns genau dafür die Worte fehlen, die passende Sprache für die Gefühle erst noch gefunden werden muss?

Dieses Büchlein enthält gerade mal 20 Seiten Einführung, dann folgen die Gedichte, die Mohsen Charifi schrieb, als eine Beziehung zerbrach und er in Wut und Kummer versank.

So, wie diese Gedichte ihm damals halfen, seine Gefühle zu erkennen, zu beschreiben und zu transformieren, so helfen sie heute seinen Klienten.

So kann Poesie die schlafenden Gefühle wecken und die rasenden besänftigen. Diese Kunst beherrscht weder die alltägliche Sprache noch die Logik. S.12

Mehr Infos zu den Büchern von Mohsen Charifi beim Windpferd Verlag

Ach ja – vielleicht könnt Ihr meine Rezension besser einschätzen, wenn Ihr folgendes über meinen Lesegeschmack wisst: Ich mag keine Bücher von Paulo Coelho – aber ich liebe das Buch „Komm, ich erzähl Dir eine Geschichte“ von Jorge Bucay.


Bücher, die gut dazu passen: „Eine Handvoll Sternenstaub“ und „Übrigens, das Leben ist schön“ von Lorenz Marti

Focusing – Im Dialog mit dem Körper

Sachbuchzum Thema Focusing: Im Dialog mit dem Körper Wie Sie mit Achtsamkeit Krankheitssymptome entschlüsseln und heilen

Focusing ist eine auf Achtsamkeit basierende Technik, mit der man Krankheitssymptome aller Art entschlüsseln und in Sprache übersetzen kann. Bei dieser Selbsthilfe-Methode werden alle notwendigen Heilungsschritte im inneren Dialog mit dem eigenen Körper entwickelt. Hier werden keine vorgefertigten Standard-Lösungen übergestülpt. Vielmehr geht Susanne Kersig davon aus, dass jeder seinen inneren Heiler selbst aktivieren kann. Achtsames Zuhören spielt dabei eine Schlüsselrolle.

Susanne Kersig vermittelt knackig kurz das nötige Hintergrundwissen. Ihr Buch hat nur knapp 200 Seiten und trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass mir irgendeine Information zum Focusing noch fehlen würde.

So bleibt auf den wenigen Seiten erstaunlich viel Raum für Fallbeispiele aus ihrer Praxis als Focusing-Therapeut. Es sind interessante Geschichten mit überraschenden Lösungen, die sie präsentiert. Der Leser kann mit diesen Beispielen das achtsame Zuhören gleich üben.

Auch die Übungsanleitungen sind sehr präzise formuliert und leicht nachzuvollziehen. Die Grenze zwischen „Diese Übung können sie problemlos alleine ausführen“ und „Hier nehmen sie besser eine Begleitperson dazu“ wird klar benannt.

Das Buch „Im Dialog mit dem Körper“ bietet eine klar strukturierte, kompakte und gut nachzuvollziehende Einführung in Focusing und die Grundlagen der Mind-Body-Medizin.


Angaben zum Buch:

Susanne Kersig
Im Dialog mit dem Körper

Wie sie mit Achtsamkeit Krankheitssymptome entschlüsseln und heilen

Kösel Verlag
ISBN 978-3-466-31000-5

Neu aufgelegt beim Arbor Verlag


Achtsamkeit und bewusstes Leben – meine Buchtipps


Passender Buchtipp: Interozeption entschlüsselt: Was geschieht, wenn Körper und Gehirn sich gegenseitig zuhören

Der kleine Buddha auf dem Weg zum Glück

Der kleine Buddha auf dem Weg zum Glück

Der kleine Buddha macht genau das, was der Leser von einem kleinen Buddha erwartet: er sitzt unter seinem Bodhi-Baum und meditiert. Doch manchmal hat er ein seltsames Gefühl, als würde etwas fehlen … was könnte das nur sein? Menschen fehlen ihm! Sein einziger Freund, der Bauer muss hart arbeiten und kann dem kleinen Buddha nicht immer Gesellschaft leisten. Aber er weiß Rat: Urlaub machen hilft bestimmt!

So packt der kleine Buddha einen Apfel und einen Stein, der ihn an seinen Meditationsplatz erinnern soll, in seine Tasche, verabschiedet sich von seinem Bodhi-Baum und zieht los. Die große Stadt ist sein erstes Ziel, denn er braucht Abwechslung nach so viel Ruhe.

Kindliche Naivität, große Gelassenheit, ein offenes Herz, die Bereitschaft zum Staunen und Neugier auf die Menschen, ihr Leben und ihre Erfahrungen – das zeichnet den kleinen Buddha aus und führt dazu, dass er auf seiner Urlaubsreise viele interessante Menschen kennenlernen wird. Jeder davon hat seine eigene Geschichte zu erzählen. Der kleine Buddha ist kein Lehrmeister, er ist ein guter Zuhörer, der lange nachdenkt, bevor er eine Antwort gibt. Für jede Weisheit, die er seinen neuen Freunden mit auf den Weg gibt, erhält er selbst eine neue Erkenntnis.

Ja, dieses Buch steht unter ganz starken Kitschverdacht. Aber die Geschichte vom kleinen Buddha wird so stimmig erzählt, das dabei die Sorte Kitsch entsteht, die Vergnügen bereitet.


Infos zum Buch:

Claus Mikosch
Illustrationen von Gert Albrecht

Der kleine Buddha
Auf dem Weg zum Glück

Herder Verlag


Lust auf wohltuende, spirituelle Bücher wie „Der kleine Buddha“? Dann habe ich gleich drei Buchtipps für dich:

Oder dieses hier: Ikigai