Fliegende Zeilen – ein poetisches Spiel

Gesellschaftsspiel: Fliegende Zeilen

Fabulierspaß – allein schon für dieses Wort mag ich das Spiel „Fliegende Zeilen“. Fabulieren ist ein Wort, das ich in meinen aktiven Sprachschatz aufnehmen sollte. Der ist zwar durch das Bloggen auch dieses Jahr wieder größer geworden – nur E-Mail schreiben wirkt sich nicht so bereichernd auf den Wortschatz aus – aber es gibt immer noch ausreichend Platz in meiner Wortschatztruhe. Im Spiel „Fliegende Zeilen“ bekommen die Fabulierspaß-Beteiligten zu vorgegebenen Zitaten Aufgaben gestellt. Die können zum Beispiel so lauten: Es gilt, aus Zitaten wie diesen einen originellen, schrägen, berührenden, witzigen, tragischen, verschachtelten, spannenden oder beeindruckenden Text zu erschaffen: Die Zeit dafür ist knapp – gerade mal 90 Sekunden dauert es, bis die Sanduhr abgelaufen ist. Das beflügelt! Dann will ich doch mal testen, was mir so einfällt – Zeit läuft! „Tauschen Sie ein Wort“ lautet schon seit Generationen das Motto des kleinen Landes Wortistan. Aber mein Vater war Buchhalter. Er hatte…

weiterlesen

Sachen machen – was ich immer schon tun wollte

Sachen machen - Isabel Bogdan

„Sachen machen“ von Isabel Bogdan ist ein Buch, das man besser nicht am Jahresende lesen sollte, denn es könnte eine gewisse melancholische Grundtendenz verstärken – insbesondere dann, wenn die Liste der Sachen, die man machen wollte, mal wieder länger ist als die Liste der Sachen, die man getan hat. Andererseits sollte man „Sachen machen“ gerade am Jahresende lesen, denn es gibt einem viele gute Ideen, was man im nächsten Jahr alles machen könnte und wie sich das anfühlen würde. Hüpfen und rutschen steht auf jeden Fall ganz oben auf der Liste. Das kann man zum Beispiel bei einem Ü-18-Abend auf einem Indoor-Spielplatz für Kinder machen: Das ist unter anderem deswegen eine tolle Sache, weil ich es dem Weltgeist ein bisschen übelnehme, dass er Hüpfburgen erst erfunden hat, als ich schon zu groß dafür war und nicht mehr reindurfte. Aber jetzt: Hüpfburg! Rutschen! Trampolin! Klettern! Jippie! Viele der Sachen, die Isabel…

weiterlesen

Kochbuch-Urlaub: Die portugiesische Küche

Portugal Kochbuch: Die portugiesische Küche

Portugal habe ich erst viel zu spät für mich entdeckt. Südfrankreich war lange Jahre mein Lieblingsreiseziel. Bis zu dem Jahr, in dem ich im Herbst spontan einen warmen, sonnigen Ort suchte und Urlaub an der Algarve machte. Dieser Urlaub hatte Folgen. Eine Folge davon leuchtet mir sonnengelb aus dem Kochbuch-Regal entgegen: „Die portugiesische Küche A Cozinha Portuguesa“. Ich habe mich in Portugal auf Anhieb wohlgefühlt: schöne Landschaft, warmes, sonniges Wetter, unglaublich nette, angenehme Menschen und allerfeinstes Essen aus frischen Zutaten. Schon nach zwei Tagen konnte ich nicht mehr nachvollziehen, warum es so lange gedauert hat, bis ich diesen Winkel Europas für mich entdeckt habe. Daran, dass ich mich spontan und sofort wohl gefühlt habe, war auch das Essen schuld – insbesondere das beste Grillhähnchen meines Lebens, das es an einem Tag gab, an dem es viel zu heiß zum wandern war. Im Oktober. Nach dem Hähnchen wollte ich erst recht nicht…

weiterlesen

Reise in den Alltag – Ein Jahr an der Côte d’Azur

Reisebericht - Ein jahr an der Côte d'Azur

„Beinahe wäre ich beim Joggen auf den Oliven auf der Straße ausgerutscht.“ S. 164 Ist so ein Satz nicht einfach dreist und gemein? Überhaupt erfordert die Lektüre von „Ein Jahr an der Côte d’Azur“ einiges an Charakterstärke und Gelassenheit. Andernfalls muss der Leser vor Neid in sein Lesezeichen beißen. Oder sich damit trösten, dass die Aussicht vom Balkon der Wohnung in Nizza, in der Annika Joeres ein Jahr lang mit ihrem Freund lebt, zwar wunderschön, dafür jedoch die Wohnung selbst eine Bruchbude ist. Das war den beiden bei der Besichtigung vor lauter Meerblick gar nicht aufgefallen. Annika Joeres schwankt zwischen Leben-im-Süden-Verzauberung und nüchternen Blick auf den Alltag als Expat – genau das macht das Buch für mich so authentisch. Sie schwärmt von Spaziergängen an der Strandpromenade und von Wanderungen im Hinterland und flucht über die unzuverlässige Internet-Verbindung, die ihre Arbeit als Journalistin behindert. Auch sie wartet – wie anscheinend alle Schriftsteller in…

weiterlesen

Der Ozean am Ende der Straße

Neil Gaiman - Ozean am Ende der Straße - Roman

Es scheint, dass die Ankunft des Opal-Schürfers die Welt in dem kleinen englischen Ort in Schieflage bringt. Doch dem ist nicht so. Es sind die finanziellen Schwierigkeiten der Eltern, die dafür sorgen, dass die Welt des siebenjährigen Helden an den Rändern auszufransen beginnt. Dort, wo die Welt ausfranst, können seltsame Wesen eindringen. Oberflächlich betrachtet sorgen sie dafür, dass die Menschen bekommen, was sie sich so sehr wünschen. Eine beängstigende Vorstellung, denn diese Wünsche sind von Gier geprägt. Der Held aus „Der Ozean am Ende der Straße“ möchte eigentlich nur, dass seine kleine Welt in Ordnung ist und dass Erwachsene einfach nur große Menschen sind, denen man vertrauen kann. Als einziger erkennt er die Gefahr. Wie gut, dass gerade hier in diesem kleinen Ort schon immer die Hempstock-Frauen wohnen und ihren Ozean am Ende der Straße pflegen. Doch am Ende wird unser Held trotz aller Opfer mit einem Loch im Herzen…

weiterlesen

Achtsame Ernährung mit der Yogi Methode

Achtsame Ernährung mit der Yogi-Metode - 30 Tage Challenge vegan ayurvedisch yogisch

Eigentlich wollte ich nur ganz kurz in dieses Buch reinlesen, weil mich die Meinung des Autors interessiert – und schwupps, hatte ich mich festgelesen. Dabei geht es in „Die Yogi Methode – 30 Tage Challenge zur achtsamen Ernährung“ vor allen Dingen um vegane Ernährung, die mich höchstens als philosophisches Phänomen interessiert. Doch das Buch beginnt mit einer sehr motivierend geschriebenen Einleitung zum Thema, was Ernährung für Körper, Geist und Seele bedeutet und warum uns Ernährungsumstellungen als so schwierig erscheinen. Dieser Absatz sorgte dafür, dass ich an der Yogi-Methode hängenblieb: Ernährung ist etwas sehr Persönliches, etwas, mit dem wir uns bewusst oder unbewusst identifizieren. Sie ist unser ständiger Begleiter und bestimmt einen Großteil unseres Tages. Sie erfordert Routine und Regelmäßigkeit und bietet dadurch einen gewissen Halt. Rüttelt man an diesem Halt, erzeugt das Angst, die wiederum Aggression hervorruft. … Menschen, die bewusst einen bestimmten Ernährungsstil wählen, fühlen sich angegriffen, da sie…

weiterlesen

Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften

Weber Alles fühlt Lebenswissenschaft

Eine Neu-Interpretation der Biologie, die zu einem veränderten Welt- und Menschenbild führt – das ist die Mission des Biologen und Philosophen Andreas Weber. Im Mittelpunkt steht bei ihm der fühlende Körper, die fühlende Zelle, die leben will und ihr ganzes Dasein danach gestaltet. Dieses Grundprinzip des Leben-wollens – weg von dem, was sich schlecht anfühlt und hin zu dem, was sich gut anfühlt – wohnt jedem Stück Natur inne. Deswegen kann man Mensch und Natur nicht getrennt voneinander betrachten. Wir sind Natur und nur mit der Natur sind wir ganz. Wissenschaftsgeschichte, Biologie, Philosophie, persönliche Betrachtungen und – ja, auch – Poesie: all das ist in dem Buch „Alles fühlt – Mensch, Natur und die Revolution der Lebenswissenschaften“ von Andreas Weber enthalten. Ich konnte dem Lauf seiner Gedanken nicht immer folgen, aber es gab auf jeder Seite für mich etwas zum Entdecken; etwas, das mich zum Staunen brachte oder etwas, das ich…

weiterlesen

Mohsen Charifi – Ein Tag mit der Liebe

Mohsen Charifi Ein Tag mit der Liebe Cover klein

Eines Morgens begegnet das junge Mädchen namens Verliebtheit einem alten Mann – so beginnt die Erzählung „Ein Tag mit der Liebe“ von Mohsen Charifi. Die beiden werden den ganzen Tag zusammen verbringen. Verliebtheit wird zum ersten Mal ihren schweren Rucksack voller Hoffnungen, Enttäuschungen und Erinnerungen ablegen. Sie wird den Unterschied zwischen Brauchen und Lieben erkunden. Sie wird dem Ritter begegnen, der vielleicht auf den Namen Ego hören könnte. Sie wird viele Fragen stellen und noch mehr Antworten selbst finden. Und am Ende des Tages … nein, das verrate ich nicht, denn am Ende des Tages würde sogar die Sonne gerne ein wenig länger verweilen, nur um noch mitzubekommen, wie das Gespräch zwischen Verliebtheit und dem alten Mann namens Liebe ausgehen wird. Mohsen Charifi hat mit „Ein Tag mit der Liebe“ ein Buch geschrieben, das die Kraft hat, einen Lebensweg zu verändern. Es muss nur im passenden Moment im Leben eines Lesers…

weiterlesen

Focusing – Im Dialog mit dem Körper

Sachbuch: Im Dialog mit dem Körper Wie Sie mit Achtsamkeit Krankheitssymptome entschlüsseln und heilen

Focusing ist eine auf Achtsamkeit basierende Technik, mit der man Krankheitssymptome aller Art entschlüsseln und in Sprache übersetzen kann. Bei dieser Selbsthilfe-Methode werden alle notwendigen Heilungsschritte im inneren Dialog mit dem eigenen Körper entwickelt. Hier werden keine vorgefertigten Standard-Lösungen übergestülpt. Vielmehr geht Susanne Kersig davon aus, dass jeder seinen inneren Heiler selbst aktivieren kann. Achtsames Zuhören spielt dabei eine Schlüsselrolle. Susanne Kersig vermittelt knackig kurz das nötige Hintergrundwissen. Ihr Buch hat nur knapp 200 Seiten und trotzdem hatte ich nicht den Eindruck, dass mir irgendeine Information zum Focusing noch fehlen würde. So bleibt auf den wenigen Seiten erstaunlich viel Raum für Fallbeispiele aus ihrer Praxis als Focusing-Therapeut. Es sind interessante Geschichten mit überraschenden Lösungen, die sie präsentiert. Der Leser kann mit diesen Beispielen das achtsame Zuhören gleich üben. Auch die Übungsanleitungen sind sehr präzise formuliert und leicht nachzuvollziehen. Die Grenze zwischen „Diese Übung können sie problemlos alleine ausführen“ und „Hier nehmen sie besser…

weiterlesen

Der kleine Buddha auf dem Weg zum Glück

Der kleine Buddha auf dem Weg zum Glück

Der kleine Buddha macht genau das, was der Leser von einem kleinen Buddha erwartet: er sitzt unter seinem Bodhi-Baum und meditiert. Doch manchmal hat er ein seltsames Gefühl, als würde etwas fehlen … was könnte das nur sein? Menschen fehlen ihm! Sein einziger Freund, der Bauer muss hart arbeiten und kann dem kleinen Buddha nicht immer Gesellschaft leisten. Aber er weiß Rat: Urlaub machen hilft bestimmt! So packt der kleine Buddha einen Apfel und einen Stein, der ihn an seinen Meditationsplatz erinnern soll, in seine Tasche, verabschiedet sich von seinem Bodhi-Baum und zieht los. Die große Stadt ist sein erstes Ziel, denn er braucht Abwechslung nach so viel Ruhe. Kindliche Naivität, große Gelassenheit, ein offenes Herz, die Bereitschaft zum Staunen und Neugier auf die Menschen, ihr Leben und ihre Erfahrungen – das zeichnet den kleinen Buddha aus und führt dazu, dass er auf seiner Urlaubsreise viele interessante Menschen kennenlernen wird.…

weiterlesen

Think Content! – und schon ist die Beer geschält

Think Content! Fachbuch

Eigentlich könnte ich es mir mit der Rezension zu „Think Content!“ einfach machen: Pflichtlektüre. Punkt. Aus. Eventuell könnte ich noch so, wie es Buch-Blogger gerne tun, schreiben, dass es sich um ein Must-Read handelt; also ein Buch, das jeder, der in dieses Internet hineinschreibt und dort auch gefunden werden will, gelesen haben muss. Dann noch ein wenig den Klappentext des Buches umformulieren um auf eine Textlänge von mindestens 300 Wörtern zu kommen und schon „wär die Beer geschält“ wie der Pfälzer sagt. Anschließend noch den Link zur Rezension automatisiert auf allen sozialen Kanälen posten, sowie einen Beleglink an den Verlag schicken und hoffen, dass dieser aus meiner Rezension zitiert und mir vielleicht sogar einen Backlink spendiert. Allerdings wird er das bei einer Buchbesprechung, die auf Basis des Klappentextes entstanden ist, sicherlich nicht tun. Ja nun … Think Content! geht anders So hätte ich dann zwar einiges mit meinem Content, meiner Rezension, veranstaltet – aber…

weiterlesen

Neil Young – ein Hippie träumt von der perfekten Modell-Eisenbahn

Autobiografie Neil Young

Neil Young eröffnet seine autobiographischen Fragmente mit Überlegungen und Schwärmereien zu seiner Lionel Modelleisenbahn. Das ist, gelinde gesagt, ein unerwarteter Einstieg in das Buch eines Rockstars. Überhaupt ist so einiges überraschend an seinen Erinnerungen, die munter zwischen den Jahrzehnten und Themen hin und her springen und doch völlig in der Gegenwart und seiner Person verwurzelt sind. Ja, man erfährt einiges über seine Musik, seine Weggefährten. Und ja, es gibt Anekdoten am Rande der Legalität. „Ein Hippie-Traum“ ist definitiv das Buch eines Rockstars. Doch es ist noch viel mehr.

weiterlesen