
Asseln sind Landtiere mit Kiemen. Bärtierchen können sich bei Wassermangel in einen Todeszustand versetzen und Jahre später wieder lebendig werden. Schleimpilze fressen ohne Mundöffnung. Willkommen in der Welt unter unseren Füßen! Und die ist, wenn sie gesund ist, äußerst dicht besiedelt. In einem Teelöffelchen Erde können zum Beispiel eine Million Bakterien, 120.0000 Pilze und 25.000 Algen enthalten sein. Doch es gibt noch viel mehr Bodenlebewesen. Der Bildband „Drecksarbeit. Der Mikrokosmos unter unseren Füßen“ stellt sie vor und das mit Fotos, die genauso bemerkenswert und unglaublich sind, wie die Lebewesen selbst.
Die Makroaufnahmen von Nicole Ottawa und Oliver Meckes (eye of science) zeigen Milben, Springschwänze und Vielfüsser so, als würden sie direkt vor uns auf Augenhöhe existieren. Das mag zunächst gruselig wirken, doch das gibt sich schnell. Denn in diesem Buch geht es nicht um den Schauwert, nicht um „guck, ein Alien“. Es geht um etwas, was für uns lebenswichtig ist und weltweit abnimmt: Humus, die dunkle, krümelige Substanz, die entsteht, wenn diese Bodenlebewesen abgestorbene Pflanzen- und Tierreste zersetzen und in neue Nährstoffe verwandeln.
Wie das geschieht und was das Besondere an den Bodenorganismen ist, erläutern die Texte von Veronika Straaß und Claus Peter Lieckfeld. Das klingt manchmal etwas flapsig wie bei dieser Kapitelüberschrift: Schleimpilze – It‘s slime time. Doch das nehme ich gerne in Kauf, denn die Erläuterungen sind immer auf den Punkt, sehr informativ und dank der bildhaften Sprache leicht nachzuvollziehen. Bei meinem letzten Waldspaziergang habe ich gemerkt, dass so das Wissen gut im Gedächtnis bleibt. Ich wusste noch, dass ein Buchenstamm rund 60 Jahre zum Verrotten braucht, Nadelholz sogar deutlich länger. Bei manchem, was ich vorher einfach als Pilz bezeichnet hätte, habe ich genauer hingeschaut und den Schleimpilz erkannt. Diese sind übrigens keine Pilze, aber auch keine Pflanzen oder Tiere. Wer Spaß an solchem Nerd-Wissen hat, kommt mit dem Buch „Drecksarbeit. Der Mikrokosmos unter unseren Füßen“ auf seine Kosten. Und alle, die Einsteigerwissen suchen, ebenfalls. Und die, die Freude an spektakulären Naturfotos haben sowieso! Wer nach dieser Lektüre noch achtlos über Waldboden läuft, hat nicht richtig hingeschaut. „Drecksarbeit“ macht aus Dreck ein Wunderwerk – informativ, bildgewaltig und mit einer schönen Portion Nerd-Charme.



Infos zum Buch:
Texte: Veronika Straaß und Claus-Peter Lieckfeld
Fotos: Nicole Ottawa und Oliver Meckes
Drecksarbeit.
Der Mirkokosmos unter unseren Füßen.
144 Seiten mit 160 großformatigen Farbabbildungen
Vom gleichen Team stammt dieser Bildband, den ich hier auf meinem Buch-Blog GeschichtenAgentin rezensiert habe:
Wandlungskünstler. Die geheime Erfolgsgeschichte der Insekten.
Noch mehr Bücher, die Lust machen, draußen in der Natur genauer hinzuschauen:
- Naturbeobachtung, Wissenschaft und Poesie: Das verborgene Leben des Waldes
- Acker, Baulücke, Deponie: Brachen, unterschätzte Refugien für Tiere und Pflanzen
- Mehr als Gras: Die Wiese

