Ziele setzen. Das Werkzeug ist da, aber …

Vielleicht wäre manches in meinem Leben anders gelaufen, wenn mein jüngeres Ich schon ein solches Buch und die zugrunde liegende Methodik gekannt hätte. Ziele setzen, das ist nichts, was mir in die Wiege gelegt wurde. Ich bin die, die immer vom Schwebebalken gefallen ist, sich geschüttelt hat und weitergemacht hat – ohne sich das Ziel zu setzen, besser zu werden. Mich hat das Runterfallen einfach nicht gestört. In der Schule war mein Ziel, gute Noten zu schreiben – ohne jemals zu definieren, ab wann eine Note gut ist. Später im Beruf bin ich wenigstens mal darüber gestolpert, dass Ziele SMART sein sollen. Messbar war dabei immer der Dreh- und Angelpunkt – also Umsatzsteigerungen und Lagerdrehzahl festlegen. Aber was ist privat ein gutes, messbares Ziel? Lieber smart als SMART? Vielleicht wäre deswegen auch nichts anders verlaufen, wenn ich dieses Buch eher gelesen hätte. Auch wenn sich bei der Methodik viel getan…

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Ein Buch zum immer wieder lesen: Krabat

Es gibt nur sehr wenige Bücher, die ich mehr als einmal lese. „Alice im Wunderland“ gehört dazu; die Romane von William Gibson und Terry Pratchett ebenfalls. Und eben auch Krabat von Otfried Preußler*, den ich jetzt zum dritten Mal gelesen habe. Doch eines hat bisher nur Preußler mit seinem Jugendbuch-Klassiker geschafft: Ich habe auch im dritten Durchgang wieder zum Ende geblättert und geschaut, wie die Geschichte ausgeht! Das muss ein Autor erst mal schaffen – ich ziehe den Hut! Mein Exemplar von Krabat stammt aus dem gut sortiertem Bücherschrank in Plankstadt. Ach ja, Radtouren zu Bücherschränken – da könnte ich auch mal was dazu bloggen. *Sollte jemand ein Muster in diesen Bücher erkennen, so würde ich mich über einen sachdienlichen Hinweis freuen. Danke.

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Eine Einführung in die Musikethnologie

Musikethnologie war diesmal die Wissens-Insel, zu der mich meine Neugier trieb. Das kam so: Yoga machen, Mantras hören. Neugierig werden. Bücher über Mantras lesen. Auf das Thema Raga stoßen. Konzerte in der OMM, der Orientalischen Musikakademie Mannheim, besuchen. Noch neugieriger werden. Versuchen, das System der Ragas zu verstehen. Genussvoll daran scheitern. Neugierig bleiben und sich für Weltmusik zu interessieren beginnen. Für mein Leseverhalten typisch: Neue Themen und Bücher treten immer zusammen auf. Dabei greife ich auch gerne zu Büchern, die eigentlich nicht für mich geschrieben wurden, und nehme dabei in Kauf, dass ich nicht alles verstehen werde. Macht nichts, denn diese Art des Lesens bringt mir sowieso mehr Erkenntnisgewinn, als ich mir langfristig merken kann. So war es auch in diesem Fall: Musikethnologie von Lars-Christian Koch, erschienen in der Reihe Musik kompakt beim Verlag WBG Academic. Um es aus der Perspektive der nicht-studierten Leserin zu sagen: ein Buch von Uni-Menschen…

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Ein Comic zum immer wieder lesen: Das verrückte Unkraut

Warum eigentlich lese ich Romane immer nur einmal, Comics aber gerne mehrmals? Zu „Die neuen Abenteuer von Herrn Hase: Das verrückte Unkraut.“ habe ich in vergangenen Winter gleich mehrmals gegriffen. Und jetzt, zu Corona-Zeiten, passt die postapokalyptische Story, in der Herr Hase immer wieder in eine von Pflanzen überwucherte Welt gerät und dort ums Überleben kämpft, sowieso perfekt. Weil ich mich in den letzten Jahren erschreckend wenig um die Comic-Szene gekümmert habe, hatte ich gar nicht mitbekommen, dass Lewis Trondheim diese Story zuerst auf Instagram veröffentlicht hat. Jeden Tag ein Bild, keines davon mit Sprechblase oder einer anderen Form von Text. Als Comic-Buch ergibt das 368 Seiten. Natürlich würde ich als neugierige Leserin gerne wissen, ob das alles so geplant war und inwieweit der Plot der Comicgeschichte vorher feststand. Aber andererseits ist das auch völlig schnurz, denn die Handlung bewegt sich traumsicher zwischen beklemmenden, dystopischen Momenten und skurrilen Pointen, die…

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Farne, Nerds, Mexiko: Die feine New Yorker Farngesellschaft

Es hat ein bisschen gedauert, bis ich mit dem Buch „Die feine New Yorker Farngesellschaft. Eine Reise nach Mexiko“ so richtig warm wurde. Später wurde mir klar: Dem Autor Oliver Sacks erging es nicht anders. Auch er hat etwas gebraucht, bis er seine Distanz zur Reisegruppe, mit der er sich auf einer Exkursion zu den Farnen Südmexikos befindet, überwunden hat. Doch dann hat er sie richtig ins Herz geschlossen, diese Enthusiasten der amerikanischen Farngesellschaft, denen ein vertrockneter Farnwedel wichtiger ist als alle Sehenswürdigkeiten Mexikos. Die eher arthritisch den Bus besteigen, aber am Ziel auf Bäume klettern, weil sich dort oben in der Astgabel ein besonders seltener Farn befindet. Die sich also genau so verhalten, wie es Nerds jeglichen Alters nun mal tun – egal, ob es sich um Donaldisten, Geo-Cacher oder sonst ein Spezialgebiet handelt. Nachdem wir beide, der Autor und ich, unser Fremdeln mit der Reisegruppe überwunden hatten und…

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Die Schattenkönigin

Überhaupt mag ich mehr Fantasy lesen. Vor allem wenn sie so daher kommt wie „Der Onyxpalast – Die Schattenkönigin“ von Marie Brennan: ein intelligenter Plot, den zumindest ich noch nicht einhundertmal gelesen habe. Und fast noch wichtiger: Es wird zwar auch hier gekämpft und gestorben, aber die Handlung schreitet ohne Gewaltorgien und Blutbäder voran. In diesem Fantasy-Roman stehen Intrigen und Ränkespiele im Mittelpunkt. Wir befinden uns am Hof von Königin Elisabeth, der letzten Monarchin der Tudors. Doch wir befinden uns auch unter ihrem Hof, im Onyxpalast von Invidiana, Herrscherin über alle Feen Englands. Die eine wäre ohne die andere nicht an der Macht. Was mir neben dem klug gewebten Geflecht an Hofintrigen, dass sich ständig erweitert und neue Muster erkennen lässt, am meisten Lesespaß bereitet hat, war die subtile Erweiterung der typischen Fantasy-Charaktere um eine unerwartete Dimension. Die Hauselfen bewahren die Fassade von Kochen, Putzen und Helfen. Doch eigentlich wissen…

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Ein Ersatz für Konzerte, die ich nie sah: Bowie – als Comic

Das einzige Mal, dass ich Bowie live sah, kam er als Gentleman im Anzug daher. Die Bühnenpräsenz war beeindruckend und sein klug platziertes Lächeln strahlte bis zu mir ganz hinten, auf dem Hügel am anderen Ende des Festivalgeländes. Trotzdem hätte ich ihn gerne einmal anders erlebt – nämlich so, wie in diesem Comic: Bowie – Sternenstaub, Strahlenkanone, Tagträume. Laura Allred, Michael Allred und Steve Horton schwärmen von dem frühen David Bowie, dem schillernden Superhelden der Popkultur. Fast ein wenig schade, dass sie ihre Schwärmerei in ein lineares, chronologisches Erzählkonzept pressen. So wirkt diese Comic-Biografie manchmal wie ein atemloses Aufzählen von Stars und Künstler, die Bowie in der Zeit getroffen hat, in der er auch Ziggy Stardust war. Andererseits kann ich mir vorstellen, dass es wirklich so war und Bowie Menschen und Inspiration geradezu inhalierte. Genau das strahlen auch ein Teil der Bilder aus, ein schwebendes, rauschhaftes Eintauchen in alles, was…

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Mit Ilija Trojanow auf Reisen – egal wohin

Was bringt mir das Reisen in Gedanken und auf den Buchseiten? Mir jede Menge. Ich war ein wenig skeptisch, ob mir Aufenthalte in fremden Ländern via Buch zu Pandemie-Zeiten gut tun. Der Frühjahrsurlaub fiel für mich aus, die nahe Grenze zu Frankreich ist noch immer geschlossen. Erinnern mich Berichte von fremden Ländern dann nicht zu sehr an das, was fehlt? An das Nicht-reisen-können, an das zuhause-bleiben-sollen? Macht ein Buch, das von der Lust am Reisen handelt, nicht depressiv in diesen seltsamen Tagen? Mitnichten. Im Gegenteil. Es tut mir gut. Zum Glück ist mein Gemüt in der Lage, auch in diesen Tagen Bücher als ganz eigene Welt zu betrachten. Losgelöst von allem, was an Alltag erinnert. Oder an Realität. Bücher sind Fluchtlektüre. Schon immer gewesen. Und wenn alles gut läuft – so wie bei diesen Reisereportagen und Miniaturen, kehre ich bereichert und gestärkt zurück. Mit Ilija Trojanow durch die Welt zu…

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Dichterinnen & Denkerinnen

Auf dem Gymnasium habe ich genau eine Autorin gelesen: Christa Wolf. Mir fiel nicht auf, dass das nicht so hätte sein müssen. Aber mir fiel sehr wohl auf, dass insbesondere die Jungs in meiner Klasse mit der dreifachen Exotik aus Frau – DDR – Frauenfigur aus der griechischen Mythologie überfordert waren. Doch Fragen zu solchen Phänomenen muss man sich nicht stellen, um Spaß an Katharina Herrmanns großartigem Buch „Dichterinnen & Denkerinnen. Frauen, die trotzdem geschrieben haben“ zu finden. Dieses Buch funktioniert auf so vielen Ebenen, dass Leser*innen mit ganz unterschiedlichen Ausgangspositionen Gefallen daran finden werden. Auf knapp 240 Seiten stellt Katharina Herrmann 20 inspirierende Frauen vor. Darunter befinden sich so unterschiedliche Charaktere wie Luise Gottsched und Louise Aston, Vicki Baum und Karoline von Günderrode. Auf nur wenigen Seiten bekommen wir eine Vorstellung von der Persönlichkeit dieser Schriftstellerin, von ihren Lebensumständen, von ihrem Werk und ihrer Bedeutung für die Literaturgeschichte. Wenn…

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Wie Pflanzen kommunizieren: eine kurze Geschichte der Pflanzenevolution

Erst seit relativ kurzer Zeit können Wissenschaftler nachweisen, dass Pflanzen Sinnesempfindungen haben und miteinander kommunizieren. Für diesen Nachweis war zweierlei nötig: verfeinerte Messmethoden und eine Loslösung vom anthropozentrischen Weltbild. Wer davon ausgeht, dass nur Menschen miteinander kommunizieren können, kommt erst gar nicht auf die Idee, Pflanzen dahingehend zu erforschen. Dafür, dass uns die Erkenntnis so spät ereilte, ist sie mit dem „Wood Wide Web“ dann doch recht schnell im Mainstream angekommen. Peter Wohlleben sei Dank dafür (auch, wenn ich sein Buch „Das geheime Leben der Bäume“ nicht mochte. Dieses hier dafür um so mehr: „Menschenspuren im Wald“). Den Bäumen trauen wir mittlerweile zu, dass sie über ihre Wurzeln kommunizieren. Aber gilt das auch für alle anderen Pflanzen? Beginnen wir am Anfang: wie sind Pflanzen entstanden? Felicia Molenkamp dreht mit ihrem Buch „Pflanzengeflüster“ die Beweisführung um und geht ganz an den Anfang der Evolution zurück. Sie erklärt, was bereits LUCA, die…

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Alltagstauglich & gesund: indische Küche

Gesundes Indien – als ich den Titel des Kochbuchs las, kam mir diese Formulierung wie ein weißer Schimmel vor. Kann denn eine so gemüse-lastige Küche wie die indische ungesund sein? Okay, die Süßspeisen haben es in sich, Laddoos sind pures Hüftgold und zu viel Nan dürfte die gleiche Wirkung haben wie unser Weißbrot. Aber was bitte könnte an einem Curry aus frischem Gemüse nicht gesund sein? Der Untertitel bringt die Lösung: Es geht um einfache indische Gerichte für jeden Tag. Chetna Makan ist Hobbyköchin und Bloggerin. Ihre Mission ist es, die klassische indische Küche mit all ihren frischen, gesunden Zutaten in den westlichen Alltag zu transferieren. Dafür ist es notwendig, den Arbeitsaufwand zu minimieren, denn die traditionellen Rezepte sind zeitintensiv: Sie erfordern eine Hausfrau, die mehrere Stunden für das Kochen aufwenden kann und jeden Tag frische Lebensmittel einkauft. Chetna Makan zeigt, dass das nicht nötig ist. Außerdem versucht sie, weniger…

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Wohltuende Lektüre: Ikigai – japanische Lebenskunst

Lebenskunst ist ein Begriff, bei dem ich sofort aufhorche. Für mich enthält er ein Versprechen: Es ist möglich, ein gutes Leben zu führen – egal, wie die Ausgangsbedingungen sind. Nimm, was Du vorfindest, und mach das Beste daraus. Das Buch „Ikigai – Die japanische Lebenskunst“ hat mich nicht enttäuscht. Ikigai ist ein Konzept, dass sich durch die gesamte Kultur Japans zieht. Ken Mogi erklärt nicht nur diese grundlegende Philosophie, er zeigt auch kenntnisreich auf, wo wir überall die Auswirkungen dieser Lebensweise finden können. Die fünf Säulen des Ikigai lauten: Klein anfangen. Loslassen lernen. Harmonie und Nachhaltigkeit leben. Die Freude an kleinen Dingen entdecken. Im Hier und Jetzt sein. Das ist ebenso schlicht wie komplex und entfaltet beim Lesen einen stillen Zauber, der Staunen lehrt. Ikigai steckt in allem. In der Imbissbude an der Ecke, die das perfekte Nudelgericht zubereitet genauso wie im Verhalten der Sumo-Ringer. Der Gärtner, der genau weiß,…

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