Anleitung zum Unkreativsein

Kreativität im Keim zu ersticken und Veränderungen ins Leere laufen zu lassen ist einfach. Entscheidungsprozesse aufbauschen, Kompetenzen anzweifeln und im richtigen Moment Killerphrasen verwenden – schon verdorrt der kleine Keimling, der eine große, gute Idee werden möchte, noch bevor er das Sonnenlichts des Erfolgs erblicken konnte. Wer kreative Arbeit wertschätzt, sollte die Techniken des Unkreativseins genauso verstehen wie das Handwerkszeug der Kreativen. Daher ist der Ratgeber von Dirk von Gehlen gar nicht so ironisch, wie er den Anschein weckt. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt der Autor er erst einmal, wie sich gute Ideen in dieser Phase verhindern lassen. Damit wendet er eine sehr wirksame Kreativitätstechnik an, die er im Buch auch immer wieder aufgreift: den Perspektivwechsel. Überhaupt ist seine Herangehensweise sehr praxisnah. So, wie er es beschreibt, lässt sich arbeiten. Egal, ob es dabei um Produkte, Workflows, Visuals oder Texte geht. Im Team, in Organisationen, in Firmen. Der Weg von…

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Besser als gute Vorsätze: Haikus schreiben.

Mehr schreiben gehört sicherlich nicht zu meinen guten Vorsätzen für das neue Jahr. Ich schreibe so viel wie noch nie in meinem Leben, vor allem über Bücher – nur eben beruflich. Auch „mehr bloggen“ wird es nicht auf die Liste der guten Vorsätze schaffen, denn es gibt Corporate Blogs, die von mir gefüllt werden wollen. Ich werde also sowieso mehr bloggen – nur nicht unbedingt auf meinen eigenen Blogs. Trotzdem drehen sich viele meiner Überlegungen, was ich nächstes Jahr verändern möchte, um das Schreiben. Nicht mehr, sondern anders schreiben. Dabei bin ich sehr zufrieden damit, wie sich meine Rezensionen, die ja keine sind, entwickelt haben. Im Mittelpunkt aller Buchbesprechungen steht bei mir die Frage „Was hat dieses Buch mit mir gemacht?“. Ich möchte mich nicht hinter Stil-Analysen und einer Einordnung des Werkes in den Buchmarkt, wenn nicht sogar in die Literaturgeschichte, verstecken. Mich interessiert das Zusammenspiel von Buch und Leserin.…

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Schreib! Schreib! Schreib! Die kreative Textwerkstatt für Jugendliche

Ratgeber für Jugendliche:

Als Kind war für mich Schreiben nur ein Handwerkszeug, um gute Noten im Aufsatz zu bekommen. Dass es sich dabei um ein Talent handeln könnte, darauf kam ich nicht. Was wäre gewesen, wenn ich einen Ermutiger zur Seite gehabt hätte, jemanden, der das Schreiben so angeht wie die Autorinnen Katarina Kuick und Ylva Karlsson in dem Jugendbuch „Schreib! Schreib! Schreib! Die kreative Textwerkstatt“? Das Buch ist eine prall gefüllte Ideenkiste, eine einfühlsame Pädagogin, ein gut sortierter Werkzeugkasten und ein hochwirksamer Selbstbewusstseins-Verstärker. Nichts davon spielt die erste Geige, hier können alle genau das finden, was ihnen jetzt weiterhilft. Die vielen kreativen und praktischen Übungen zu allen Textarten von Gedicht über Drehbücher bis hin zu Nonsenstexten und Romanen sind für mich die Stärke des Schreibratgebers. Es gibt aber auch Interviews mit Jugendlichen, die selbst gerne schreiben. Sie erzählen von ihren Erfolgen, Herausforderungen und darüber, wie sie selbst „das mit dem Schreiben“ machen.…

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Schule des Sehens: gebt dem Zufall eine Chance

Sachbuch: Die Schule des Sehens von Peter Jenny

Wie lernt man schreiben? Ein berühmter SF-Schriftsteller* antwortete mal auf die Frage eines Fans: „Schreibe eine Million Wörter und dann komme wieder zu mir.“ Wie lernt man demnach fotografieren? Mit jedem Blogbeitrag lerne ich ein wenig mehr über das Schreiben. Mit jedem Smartphone-Foto ein wenig mehr über das Fotografieren. Veröffentlichen ist dabei Teil des Lernprozesses. Ich mache mein Üben damit sichtbar – und nehme es selbst dadurch ernster. Die Suche nach neuen Themen und Motiven ist ein zweiter wichtiger Ansporn. Nicht ausruhen auf dem, was man schon kann. Weitergehen, Neues wagen. Neue Fotomotive suchen, neue Blog-Themen. Über Bücher schreiben kann ich. Außer, es ist ein Buch aus dem Herrmann Schmidt Verlag. Dann wird es knifflig, denn diese Bücher sind anders als die, die ich 25 Jahre lang in der Buchhandlung angepriesen habe. Die Schule des Sehens – zweite Runde Der 8. Band aus der Reihe Schule des Sehens von Peter…

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Gamification als Lebensprinzip: Gamify your Life

Sachbuch: Gamify your Life. Durch Gamification das eigene Leben verbessern.

Gamification, das bedeutet doch Highscores sammeln und Badges freischalten, die mir alle bestätigen, dass ich einen „great job“ mache und „awesome“ sei, oder? Das war so in etwa mein Wissensstand über Gamification vor der Lektüre von Gamify your  Life – Durch Gamification glücklicher, gesünder und resilienter leben von Jane McGonigal. Falsch war das nicht. Aber Gamification ist deutlich mehr und genau in diesem „mehr“ verbirgt sich der interessante Teil. Wenn in der Achtsamkeitspraxis ein Tag lang die nicht-dominante Hand benutzt wird, dann könnte man das durchaus auch als Gamification beschreiben. Aber der Reihe nach: wie können uns Spiele gesünder, glücklicher und resilienter machen? Gamification: Kleine Spieleinheiten, große Wirkung Nehmen wir mal an, wir haben ein inniges, aber ungesundes Verhältnis zu unserer Couch. Vielleicht, weil wir eine Verletzung auskurieren oder weil wir an Depression erkrankt sind. Auf jeden Fall ist die Idee, aufzustehen und uns zu bewegen, ungefähr so leicht umzusetzen wie die…

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Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren

Fliegen einem gute Ideen zu oder sind sie das Ergebnis harter Arbeit? Kevin Duncan meint letzteres. In seinem Büchlein „Das Buch der Ideen. 50 Wege, um Ideen effizient zu produzieren“ ist nicht umsonst von Produktion die Rede. Dafür gibt er uns 50 Techniken und Übungen an die Hand. So entsteht ein Trainingslager, ein Ideen-Bootcamp. Auch wenn die meisten Übungen für Teams und Gruppen gedacht sind, können sich auch Einzelkämpfer viel daraus ableiten. Mit nur wenig Textblöcken zwischen den Übungen schafft es Kevin Duncan, zu erklären, wie Ideen entstehen und wie man sie bewerten kann. Hier gibt es keine langen Ausflüge in die neuesten Forschungen der Psychologie. Kurz und prägnant das Wichtigste auf den Punkt gebracht – schließlich wollen wir ja effizient weiter Ideen entwickeln. Er ist übrigens ein großer Fan des Denkens IN Schubladen. Von wildem, unkontrollierten Brainstorming hält er nicht viel: Die meisten Unternehmen haben säckeweise exzentrische, irrelevante und…

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Fast pefrekt: warum die Suche nach Perfektion Langeweile auslöst

Sachbuch Perfektionismus: Fast pefrekt

Fast pefrekt. Kein Tippfehler, sondern eine Lebenseinstellung. Wobei damit etwas anderes als „Ist mir egal, ich lass das jetzt so“ gemeint ist. Fast pefrekt lädt zum lustvollen Scheitern ein. Dahinter steckt die Überzeugung, dass nur aus Misserfolgen wirklich Kreatives entstehen kann. Irgendwann. Nach vielen missglückten Anläufen. Nur, wer nimmt sich die Zeit für diese Umwege? Wer Perfektion anstrebt neigt dazu, nachzuahmen, was schon existiert. Eine bestehende Meßlatte wird übertragen. Wie soll da Neues entstehen? Und wo bleibt der Spaß, der Spieltrieb, das lustvolle Ausprobieren? Ausprobieren beinhaltet nun mal Scheitern. Das muss man aushalten können. Eric Kessels motiviert, in dem er den Blick auf das Unerwartete, das Schöne, das Geniale lenkt, das nur durch Ausprobieren und den Maßstäben nicht genügen entstehen kann – zB. wenn beim Fotografieren der Finger vor der Linse war. Hätte ich raten sollen, welcher Verlag Fast pefrekt veröffentlicht hat, hätte ich sofort Hermann Schmitt geantwortet. Es ist…

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Ich mach was mit Kreativität – Psychologie für Designer

Mit „Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ ist Frank Berzbach ein sehr kompaktes Handbuch gelungen, das den kompletten Arbeitsalltag einer Werbeagentur oder eines Freelancers abdeckt. Welche Rahmenbedingungen braucht Kreativität? Wie funktioniert die Kommunikation mit den Kollegen am besten und wie die mit den Kunden? Wie organisiere ich mich selbst? Auf all diese Fragen gibt Frank Berzbach kurze, prägnante Antworten und ergänzt diese mit Denkanstößen. Mit dieser Kombination erhält er dem Leser die Freiheit, seinen ganz persönlichen Weg zu kreativen Höchstleistungen zu gestalten, ohne dabei über die Steine zu stolpern, die schon seine Kollegen und Vorgänger zum Straucheln brachten. „Kreativität aushalten – Psychologie für Designer“ ist ein Mentor in Buchform, der den jungen Kollegen an die Hand nimmt und den erfahrenen Kollegen an die Basics erinnert, die er im Arbeitsalltag vielleicht schon wieder aus den Augen verloren hat. Ja, aber – das ist doch gar nicht meine Welt Ich bin Quereinsteigerin. Was…

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Fliegende Zeilen – ein poetisches Spiel

Gesellschaftsspiel: Fliegende Zeilen

Fabulierspaß – allein schon für dieses Wort mag ich das Spiel „Fliegende Zeilen“. Fabulieren ist ein Wort, das ich in meinen aktiven Sprachschatz aufnehmen sollte. Der ist zwar durch das Bloggen auch dieses Jahr wieder größer geworden – nur E-Mail schreiben wirkt sich nicht so bereichernd auf den Wortschatz aus – aber es gibt immer noch ausreichend Platz in meiner Wortschatztruhe. Im Spiel „Fliegende Zeilen“ bekommen die Fabulierspaß-Beteiligten zu vorgegebenen Zitaten Aufgaben gestellt. Die können zum Beispiel so lauten: Es gilt, aus Zitaten wie diesen einen originellen, schrägen, berührenden, witzigen, tragischen, verschachtelten, spannenden oder beeindruckenden Text zu erschaffen: Die Zeit dafür ist knapp – gerade mal 90 Sekunden dauert es, bis die Sanduhr abgelaufen ist. Das beflügelt! Dann will ich doch mal testen, was mir so einfällt – Zeit läuft! „Tauschen Sie ein Wort“ lautet schon seit Generationen das Motto des kleinen Landes Wortistan. Aber mein Vater war Buchhalter. Er hatte…

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ABC der Inspiration – A wie Anfangen bis Z wie Zuhause

Lesender Gartenzwerg

Inspiration ist ein launisches Wesen. Manchmal kommt sie ungebeten und überfällt uns mit Ideen, während wir unter der Dusche stehen oder Wäsche aufhängen. Dann wieder lässt sie auf sich warten, obwohl wir händeringend nach ihr suchen. Wie kann man die Inspiration anlocken? Jede*r hat eigene Wege, die flüchtige Muse einzufangen. Manche meiner Ideen, Tipps und Rituale sind bewährt und vertraut – wie ein aufgeräumter Schreibtisch oder ein Spaziergang draußen. Andere sind sehr persönlich und vielleicht auch ein bisschen kurios – wie das Hochstecken meiner Haare oder der Duft von Kiefernöl an bestimmten Tagen. Dieses ABC ist meine ganz persönliche Sammlung dessen, was bei mir funktioniert. Mein ABC der Inspiration A wie Anfangen. Keine Inspiration in Sicht? Macht nichts. Einfach anfangen und darauf vertrauen, dass die Inspiration beim Arbeiten kommt. B wie Bleistift und Buntstift. Meine Ideen möchten mit der Hand aufgeschrieben und gekritzelt werden. C wie Cashew. Hirnfutter! Nüsse naschen…

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Einfach genial – Handbuch der Inspiration

Handbuch zur Inspiration Einfach genial

Wo ist die Muse, wenn man sie braucht? Kann man kreative Ideen erzwingen? Das wohl kaum, aber es gibt Mittel und Wege, Inspiration und Kreativität im eigenen Leben zu verankern. Regine Rompa erzählt in „Einfach genial – Kleines Handbuch der Inspiration“ von Genies, Forschern und Künstlern und ihren ganz persönlichen Tricks und Kniffen im kreativen Alltag. Da wäre zum Beispiel die Kunst des klugen Hinterfragens, die Sir Isaac Newton praktiziert hat: Warum hat Gott die Welt da erschaffen, wo sie ist und nicht einen Meter weiter links? Natürlich dürfen die faulen Äpfel, deren Duft bei Friedrich Schiller für kreative Höhenflüge sorgten, nicht fehlen. Mein persönlicher Liebling ist die Geschichte von Nick Cave, dem Rockstar, der jeden Morgen wie ein Bankangestellter in sein Kellerbüro geht, um Songs zu schreiben. Doch die Autorin erzählt nicht einfach Anekdoten. Die Geschichten aus dem Leben berühmter Persönlichkeiten dienen nur dazu, grundlegende Bedingungen der Kreativität zu erläutern.…

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Susanne Diehm – Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens – Rezension

Genre-Grenzgänger: Ein Roman ist ein Roman ist ein Sachbuch über das Schreiben „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ ist ein Fachbuch, das vorgibt, ein Roman zu sein und in dem die Heldin lernt, einen Roman zu schreiben, woraus dann doch ein Fachbuch wird. Was daran liegen könnte, dass ihr Leben romanhaft genug ist. So hat Hannah am Ende des Buches genug Stoff für einen Roman zusammen und stellt in der Geschichte eine Fortsetzung der Geschichte in Aussicht. Damit ist „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ von Susanne Diehm ein Genre-Grenzgänger der besonderen Art. Um das zu verstehen, sollte man erst mal einen Blick auf den Verlag werfen. Der Schibri-Verlag ist nach eigener Aussage der „führende Fachverlag für Theaterpädagogik, Kreatives Schreiben und praktischer Philosophie im deutschsprachigen Raum“ – also lauter Themen, bei denen man mit Geradeaus-Denken nicht sehr weit kommt. „Hannahs fabelhafte Welt des Kreativen Schreibens“ dürfte sich im Schibri-Verlag sehr…

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