Fragen statt Antworten: Kunst selbst sehen. Ein Fragenbuch

Kunst selbst sehen. Ein Fragenbuch. Eine Hand hält das Buch vor ein Schwarz-Weiß-Foto einer Frau, die eine moderne Skulptur betrachtet.

Ich mag keine Audioguides für Kunstausstellungen. Ich möchte keine Stimme im Ohr haben, die mir sagt, in welcher Reihenfolge ich mir die Bilder ansehen und wohin ich schauen soll. Ich möchte nicht aufgefordert werden, weiterzugehen, wenn ich gerade die Oberflächenstruktur einer Skulptur bewundere. Ich möchte meinen Blick schweifen lassen, Museumsbesucher beobachten können und zum drittletzten Gemälde zurückgehen, weil mir gerade etwas dazu eingefallen ist.

Wenn ich dann doch mal einen Audioguide im Museum verwendet habe, komme ich mit mehr Wissenshäppchen aus der Ausstellung. Ich habe zwar Neues gelernt, aber auch schnell wieder vergessen. Was noch schwerer wiegt: Mein Hamstervorrat an glücklich machenden Kunstmomenten wurde kaum aufgefüllt. Die didaktische Struktur des Guides raubt mir den Freiraum, den ich brauche, um mich von den Kunstwerken berühren zu lassen.

Angeli Janhsen würde das verstehen. Nach der Logik ihres Buchs »Kunst selbst sehen. Ein Fragenbuch« geben Audioguides Antworten, bevor ich überhaupt die Chance hatte, die für mich richtigen Fragestellungen zu finden. Das umfasst meine Fragen an die Kunstwerke genauso wie die, die die Kunst an mich stellt.

Gute Fragen sind kostbar. Sie verhindern Herangehensweisen, die zu Blockaden führen. Zielstrebig in eine Sackgasse führt zum Beispiel die Diskussion, ob etwas Kunst sei. Oder der Versuch, ein Kunstwerk in der Kunstgeschichte zu verorten, bevor man es sich überhaupt richtig angeschaut hat. Viel interessanter ist da die Frage »Wie würde dieses Werk außerhalb des Museums wirken?«.

Aber das geht auch philosophischer:

Ist Kunst eine Frage an sie?
Stellt Kunst sie in Frage?
Fragen sie nach Kunst?

Klingt komplex? Keine Sorge, solche Themen werden erst am Ende des Buches besprochen. Die Autorin nimmt uns auf dem Weg dorthin an die Hand. Der Einstieg ist deutlich handfester und wirklich für alle Museumsbesucher*innen anwendbar.

Sehen sie hier etwas Besonderes?
Könnte das, was sie sehen, auch anders sein?
Wie anders?
Was sehen sie hier nicht?
Was hatten sie erwartet?

Solche guten Fragen wirken wie ein Rüstzeug. Sie sorgen dafür, dass man nicht alleine vor einem Kunstwerk steht, und nehmen die Angst, nicht richtig zu agieren. Gleichzeitig eröffnen sie Denkräume. Denn so lange die Antwort nicht bekannt ist, ist alles möglich! Aber sie helfen auch, sich selbst zu positionieren, sich in Beziehung zu setzen. So ermöglichen sie, dass aus dem Zusammenspiel mit den Betrachtenden etwas Neues, ganz Persönliches entsteht.

»Kunst selbst sehen« liefert nicht nur solche guten Fragestellungen, es vermittelt auch die Methodik, eigene zu entwickeln. Ich weiß jetzt schon, dass ich dieses Buch häufig zur Hand nehmen werde!


Infos zum Buch:

Angeli Janhsen
Kunst selbst sehen
Ein Fragenbuch

modo Verlag


Das Beitragsbild habe ich meiner Kunstkomplizin Andrea Matthes zu verdanken: ich in der Hocke vor einer Skulptur in der Kunsthalle Mannheim (Messinstrument für Zeitlosigkeit von Klaus Rinke). Wer mit so einer Kunstkomplizin unterwegs ist, braucht eh keinen Audioguide. Das würde den Museumsspaß nur schmälern!


Der Künstler ermöglicht, was der Anschauende verwirklicht: noch eine Schule des Sehens

Noch mehr Übungen im Kunst sehen: Haus Kiefer Rastatt

Kunst ist weiblich! Die Kunstgeschichte von der ersten Bildhauerin über Artemisia Gentileschi bis Yoko Ono und darüber hinaus

Kunst ist weiblich! (KUnstbuch - Kartonierte Ausgabe)
Eine andere Kunstgeschichte von Artemisia Gentileschi bis Yoko Ono

Ein chronologischer Streifzug durch die Kunstgeschichte von der Renaissance bis heute – dieses Buch hätte sehr trocken sein können. Ist es aber nicht! Denn die Kunsthistorikerin Dr. Carla Heussler kann fesselnd erzählen. Obwohl sie die Lebensläufe und das Werk von Künstlerinnen quer durch alle Epochen nach einem immer gleich bleibenden Schema präsentiert, kommt keine Langeweile auf. War es der Künstlerin möglich, eine Ausbildung zu erhalten – und wenn ja: Wie gut war diese? Wie waren ihre Lebens- und Arbeitsbedingungen? Gelang es ihr, auszustellen, Werke zu verkaufen und vielleicht sogar von ihrer Kunst zu leben? Hat sie geheiratet, eine Familie gegründet? Konnte sie danach weiterhin als Künstlerin tätig sein? Oder brach sie soziale Tabus und wählte einen ganz anderen Lebensweg?

Ergänzt werden die Kurzbiografien von Künstlerinnen durch prägnante Beschreibungen der Epochen. Dabei geht die Autorin nicht nur auf die Kunstgeschichte ein, sondern auch auf die gesellschaftliche Stellung der Frau in der jeweiligen Zeit.

Natürlich kam mir beim Lesen manchmal die Galle hoch. Väter, die ihre Töchter lieber verheirateten als ausbildeten. Maler, die von ihren Ehefrauen verlangten, nach der Hochzeit das Malen aufzugeben. Karrieren, die endeten, bevor sie richtig begannen. Paris-Aufenthalte – die einzige Chance, aktuelle Kunst zu entdecken – die nur in Begleitung von Anstandsdamen möglich waren. Malerinnen, die sich verliebten, nur um sich auf einmal in der Rolle der Muse und Managerin wiederzufinden.

Doch das Buch machte mir auch Mut. Die Entschlossenheit und die Findigkeit, mit der es den Frauen eben doch gelang, den Weg der Künstlerin zu beschreiten, ist beeindruckend. Die Welt wäre ein schönerer Ort, wenn all diese Kreativität ohne Einschränkungen hätte gelebt werden können!

Allein der Titel »Kunst ist weiblich!« lässt mich trotz Erklärung im Buch etwas ratlos zurück. Mein Fazit nach der Lektüre lautet: Kunst ist – und sie sucht sich ihren Weg!


Bibliographische Angaben:

Carla Heussler

Kunst ist weiblich!
Eine andere Kunstgeschichte von Artemisia Gentileschi bis Yoko Ono

wbg Theiss im Herder Verlag


Kunst von Frauen – mehr Buchtipps auf meinem Blog

Die Musik dazu – meine jährliche Playlist „Sommer, Frauen und das Leben“

Wie haben Sie das gemacht? 50 Fotografinnen, die Geschichte schrieben, und ihre Techniken

Eine feministische Geschichte der Fotografie: der Bildband "Frauen, die die Fotografie verändert haben"

Was haben Anna Atkins, Anja Niedringhaus und Cindy Sherman gemeinsam? Sie gehören zu den „Frauen, die die Fotografie verändert haben“. So lautet der Titel des Bildbands von Gemma Padley, in dem sie 50 Fotografinnen auf je vier Seiten vorstellt. Sie zeigt immer ein Porträtfoto, dem sie einen Text gegenüberstellt, in dem sie auf den Werdegang der Fotografin und das Besondere ihres künstlerischen Schaffens eingeht. Die Informationsdichte ist hoch. Biografie, gesellschaftspolitische Aspekte, Entwicklung als Künstlerin, Bedeutung und Rezeption des Werks – das sind viele Fakten für eine Seite Text. Doch auf der nächsten Doppelseite geht es dann sehr luftig zu. Gemma Padley zeigt ein typisches Bild der Fotografin und erläutert die Technik dahinter. Bildaufbau, Licht, Blende, Setting werden erklärt und die Leser*innen ermuntert, das selbst auszuprobieren.

Das von jeder Künstlerin nur zwei Bilder gezeigt werden, ist verständlich, aber schade. Mir war das zu wenig, weswegen ich ständig das Handy in der Hand hatte und nach weiteren Fotos gegoogelt habe. Was wiederum dazu führte, dass ich nur sehr langsam mit dem Lesen vorankam. Ausgebremst hat mich auch die extrem kleine, eng gesetzte Schrift.

Die Bandbreite hingegen ist groß. Klassische Porträtbilder aus den Anfängen der Fotografie werden genauso gezeigt wie aktuelle politische Dokumentarfotos. Streetfotografie, Collagen, verfremdete Fotos, surrealistische Bilder, Landschaftsfotografie – es gibt kaum eine Kunstrichtung, die nicht vertreten ist. Vorgestellt werden nicht nur berühmte Fotografinnen, sondern auch Fotokünstlerinnen, von denen ich hier zum ersten Mal las.

„Frauen, die die Fotografie verändert haben … und ihre Techniken“ ist ein Bildband zum Stöbern, Künstlerinnen entdecken und zum immer wieder in die Hand nehmen. Allerdings hätte ich dem großartigen Fotobuch ein anderes Cover gegönnt – oder hättet ihr bei dem Motiv ein Buch über Fotografie vermutet? Ich nicht!


Bibliographische Angaben:

Gemma Padley
Übersetzt von Thomas Hauffe

Frauen, die die Fotografie verändert haben
… und ihre Techniken

Laurence King Verlag


Ein Buch, das gut dazu passt (und aus dem gleichen Verlag kommt): Die Künstlerinnen. Werke aus fünf Jahrhunderten

Kleine Geschichten von großen Künstlern. Oder: wie ich lernte, Frida Kahlo zu mögen

Laurence Anholt: Kleine Geschichten von großen Künstlern. Buch-Cover.

Kunst für Kinder – diesem Thema widmen sich mehr Bücher, als ich Kinder im Museum sehe. Manche hoffen auf die Neugier von Kindern, doch diese muss beim Thema Kunst meist erst durch einen Impuls außerhalb des Buches geweckt werden. Andere Kunstbücher für Kinder setzen auf die kindliche Kreativität. Doch nicht jedes Kind traut sich, im Anblick großer Künstler selbst etwas zu gestalten. Dann gibt es noch Bücher, die versuchen, das Kunsterlebnis in eine Erzählung einzubinden. Die wirkt aber häufig so konstruiert, dass Kinder misstrauisch werden. Schließlich haben sie ein feines Gespür dafür, was eine gute Geschichte ausmacht und wann ihnen die Erwachsen nur etwas beibringen wollen!

„Kleine Geschichten von großen Künstlern“ wählt einen anderen Weg. Laurence Anholt erzählt von Kindern, die wirklich gelebt haben und die wirklich berühmten Künstler*innen begegnet sind. Ergänzt werden diese wahren Begebenheiten von einer kindgerechten, kurzen Künstlerbiografie und Impulsfragen, die einen individuellen Zugang zu den Werken ermöglichen. Und natürlich von vielen Bildern, die die Bandbreite und das Leben der Künstlerinnen zeigen!

Das eröffnet neue Perspektiven und ermöglichte mir einen Zugang zu einer Künstlerin, mit der ich bisher nichts anfangen konnte: Frida Kahlo.

Mehr Kult als Kunst? Wenn der Mythos den Zugang blockiert

Würde mir Monet gefallen, wenn ich seine Seerosen zuerst auf einem Regenschirm gesehen hätte? Wohl kaum. Keith Haring begegnete mir vor allem auf Kaffeetassen. Einen Zugang zu seinen Bildern fand ich nicht. Und Frida Kahlo? Der Kult um die Malerin ist so groß, dass er für mich ihr Werk überdeckte. Die Legende, die feministische Ikone, die Lebensgeschichte! Doch wenn ich vor den Gemälden stand, empfand ich: nichts. Diese Frontalansichten, diese starren Gesichter. Ich hatte noch nicht einmal Lust, ihre Bildsprache zu enträtseln. Die Flut an Merch zu Frida Kahlo im Museums-Shop tat ihr übriges. Wir fanden nicht zusammen.

Von Mariana lernen: ein neuer Blick auf Frida Kahlo

Laurence Anholt erzählt in seinem Buch „Kleine Geschichten von großen Künstlern“ die Geschichte von Mariana. Sie wird, genau wie viele andere Familienmitglieder zuvor, von Frida Kahlo porträtiert.
Dafür besucht sie die Künstlerin in ihrem Haus. Mariana betritt die bunte, fast surreale Zauberwelt ganz unvoreingenommen. Frida, die wie immer ein langes Kleid trägt, erscheint ihr wie Prinzessin in einem magischen Reich.

Zack, da hatte mich das Buch. Warum konnte ich das nicht? Frisch und unbefangen auf das Werk einer Frau schauen, die ihr Leben selbst in die Hand genommen hat? Die Herrin ihres eigenen Reichs sein wollte?

Ich habe mich von Laurence Anholt durch Mariana an die Hand nehmen lassen und versucht, Frida Kahlo neu zu entdecken. Ich glaube, das wird was!


Bibliographische Angaben:

Laurence Anholt

Kleine Geschichten von großen Künstlern
Sammelband mit Geschichten über:
Van Gogh, Frida Kahlo, Cézanne, Picasso, Claude Monet, Marc Chagall, Degas und Leonardo da Vinci

Kindersachbuch, empfohlen ab 5 Jahren

Taschen Verlag


Ohne Kunst, ohne mich: mehr Bücher über Künstlerinnen auf meinem Blog:

Manchmal ist ein Museum ein Ort voller Abenteuer: Aus dem Leben einer Museumsmotte

Künstlerinnen in New York

Eine Autorin begleiten, wie sie Kunst von Frauen in New York entdeckt. Skulpturen, Ausstellungen, Bilder die eines gemeinsam haben: Ich kann sie nicht dort erleben, wo Stephanie Hanel sie erlebt hat. Was sie sah, werde ich so nie zu sehen bekommen. Warum fand ich dann die Lektüre so faszinierend, wohltuend und bereichernd?

Wer mir auf Instagram folgt weiß, dass Museen mein zweites Wohnzimmer sind. Das begann in meinen Teenie-Jahren und zieht sich bis heute durch. Warum das so ist, habe ich immer noch nicht wirklich ergründet. Sicher ist, dass Begegnungen mit Kunst für mich ein Safe Space sind. Ein Ort, an dem ich zur Ruhe komme, zu mir finde, wachsen und heilen kann. Im Real Life habe ich eine Kunstkomplizin, eine Freundin, mit der ich durch Ausstellungen streune, staune, albere.

„Künstlerinnen in New York“ ist eine Freundin, eine Kunstkomplizin in Buchform. Mit diesem Buch kann ich all das auch erleben – okay, vielleicht ohne das Rumalbern in Museen. Doch Kunst entdecken, mich berühren lassen und dabei lernen – das geht, obwohl das Buch kein Kunstbildband ist!

Jede der Miniaturen von Stephanie Hanel erklärt das „Was habe ich gesehen“ und das „Was zeichnet die Künstlerin aus“ und biegt dann ab zum „Was habe ich dabei erlebt, was hat mich daran berührt“. Ganz kurz lässt sie in jedem Kapitel aufblitzen, was Kunst mit ihr als Betrachterin macht, gibt aber nie eine Deutung vor. Es ist diese Verbindung von Sachwissen mit eigenem Erleben, die dieses Buch auszeichnet.

Meine Wunschliste an Künstlerinnen, deren Werke ich auch einmal sehen möchte, ist seit dem gewachsen!


Während ich hier endlich meine Gedanken zur Lektüre sortiere, ist die Autorin schon wieder ein Buch weiter. Ein neues New-York-Buch ist erschienen „Mira und das rote Eckhaus. Eine Eichhörnchen-Geschichte“. Wer wissen will, wie es zu all den New-York-Büchern kam, kann hier stöbern: Goodbye New York

Mittlerweile lebt Stephanie Hanel in der Pfalz. In einem Ort, der bei mir schon seit Jahren Kopfkino auslöst: Weyher. Wer wie ich als Kind das Musical „Brigadoon“ geliebt hat, sollte dort mal vorbeischauen. Ich kenne nur wenige Orte, die auf eine so sympathische Art aus der Zeit gefallen wirken, wie dieser. Geht das nur mir so? Bitte berichtet!

Aber keine Sorge, der Kaffee aus dem Dorfleben Weyher sorgt verlässlich dafür, dass ihr nicht in einer Traumzeit hängen bleiben werdet. Was dieser Kaffee wiederum mit Stephanie Hanel und ihrer Zeit in New York zu tun hat? Ich hoffe, dass sie auch darüber eines Tages Geschichten erzählen wird!

Bis dahin ein paar Impressionen von mir aus Weyer in der Pfalz!


Infos zum Buch:

Stephanie Hanel

Künstlerinnen in New York.
Von Bronzegöttinnen, fabelhaften Wesen und einer etwas anderen Dinner Party

Aviva Verlag

Eine ganz feine Rezension zum Buch findet ihr hier bei Gute Literatur – Meine Empfehlungen


Gute Gelegenheit, mal wieder dieses Buch zu empfehlen: Die Künstlerinnen. Werke aus fünf Jahrhunderten

Wie wird Landschaft sichtbar? Durch Spaziergangswissenschaft!

Es gibt Bücher, die würde ich mir im Leben nicht kaufen. Ganz einfach, weil ich von ihrer Existenz gar nichts weiß. Wer mir und meinen Lese-Vorlieben schon länger folgt, ahnt, wie perplex ich ob dieser Aussage bin. Ich bin eine Kreuz-und-quer-Leserin und ich schätze die Arbeit kleinerer Verlage sehr. Aber das Buch „Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft“ von Lucius Burckhardt, erschienen im Martin Schmitz Verlag, war mir noch nie begegnet.

Zum Glück habe ich einen sehr guten Freund, der dieses Buch in der Karl Krämer Fachbuchhandlung entdeckt hat. Sein erster Gedanke war anscheinend „Spaziergangswissenschaft? Dagmar!“, wozu sicherlich unsere gemeinsamen Instawalks beigetragen haben. So wurde aus dem Buch ein Geburtstagsgeschenk für mich – was für ein glücklicher Zufall!

Kann ich von einem Buch begeistert sein, an dem ich sehr lange gelesen habe, weil es sich zwischendurch zog? Ich kann, denn diese Essays waren nie als Buch geplant. Es ist eine Sammlung von Vorträgen, Interviews und Artikeln. Mit Wiederholungen ist daher zu rechnen. Was aber wiederum passt, denn auch unsere Spaziergänge wiederholen sich.

Doch womit beschäftigt sich ein Promenadologe, also ein Spaziergangswissenschaftler?

Das Fach könnte auch Landschaftsästhetik genannt werden. Wir fragen uns, weshalb Landschaft schön ist und worin diese Schönheit besteht.

Lucius Burckhardt – Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft S. 306

Dabei geht er vom Idealfall aus: Ein Stadtmensch bricht auf, spaziert zum Stadtrand, die Besiedelung wird lichter. Sie erreicht den Waldrand, steigt höher, kommt zu einem Aussichtspunkt. Dann das gleiche wieder zurück. Aus all den Einzelbeobachtungen formt sie in ihrem Kopf eine Landschaft.

Indem sie sich langsam durch die Landschaft bewegt, eröffnen sich Perspektiven und Details, die bei schneller Fortbewegung möglicherweise übersehen werden würden. Der Spaziergang wird somit zu einer Reise, die neue Einsichten und Erkenntnisse ermöglicht.

Die Spaziergangswissenschaft fordert uns dazu auf, unsere Beziehung zur Umwelt zu überdenken und bewusster zu gestalten. Sie erinnert uns daran, dass die Schönheit der Landschaft weniger in ihrer äußeren Erscheinung liegt, sondern mehr in der Art und Weise, wie wir sie betrachten und erleben. Indem die Welt um uns herum erkunden, können wir unsere ästhetische Wahrnehmung schärfen und eine größere Verbundenheit zur Natur entwickeln.

Ab hier stellen wir uns erzählerische Querverknüpfungen vor. Natürlich kommt Beuys drin vor. Aber auch die Instandbesetzer von Zürich, klassische Parks, die Documenta, Stadtplanung und ganz viel „wir Menschen und unser Verhalten“- so wie hier:

In einem Dorf, das schöner werden will, genügt es eben nicht, zwei Bänke auf den Dorfplatz zu stellen und mit Begonien zu umpflanzen; solange das Zeigen von Müßiggang im sozialen Kontext eines Dorfes mit Sanktionen belegt wird, werden sich auf diesen Bänken höchstens Betrunkene aufhalten.

Lucius Burckhardt – Warum ist Landschaft schön? Die Spaziergangswissenschaft S. 208

Lucius Burckhardt starb 2003. Was er wohl zu dem Phänomen der Instawalks gesagt hätte? Auch das sind Spaziergänge im Sinne der Strollology, der Spaziergangswissenschaft. Wir treffen uns, um zu flanieren, und versuchen, unsere Umgebung anders, intensiver wahrzunehmen und in einen neuen Kontext zu setzen. Ich glaube, in der Theorie hätte ihm das gefallen. Was er hingegen zu unserem Medium Instagram gesagt hätte, das hätte ich wirklich gerne gehört!


Bibliographische Angaben:

Lucius Burckhardt

Warum ist Landschaft schön?
Die Spaziergangswissenschaft

Martin Schmitz Verlag


Wandern, spazierengehen, flanieren – das scheint ein ergiebiges Buch-Thema zu sein!

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst – Jakob Schwerdtfeger

Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst. Das Sachbuch liegt auf einem aufgeschlagenen Kunst-Bildband

Ohne Museen, ohne mich ist ein Satz, den ich häufiger sage. Klar, dass ich damit exakt zur Zielgruppe des Buches gehöre. Ich plane ja sogar meine Urlaube um Museumsbesuche drumherum. Ich hatte viel Spaß mit „Ich sehe was, was du nicht siehst, und das ist Kunst“. Das Buch des Kunst-Comedians Jakob Schwerdtfeger gleicht einem wilden Ritt durch die Kunstwelt, der nichts auslässt: schreckliche Nicht-Erklärungstexte in Ausstellungen, seltsame Rituale auf Aktionen, eigene unbeholfene Kunstversuche, geheime Tresorräume von Sammlern, Skulpturen auf Verkehrskreiseln und Dates im Museum. Also eine Reise zu einfach allen Orten, an denen wir Kunst oder Ansichten über Kunst begegnen können.

Kunst im öffentlichen Raum kann identitätsstiftend sein, besonders, wenn es sonst nicht viele Sehenswürdigkeiten gibt. Ich komme aus Hannover, ich weiß, wovon ich rede.

Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst. Seite 165

Der Seitenhieb bezieht sich auf die Nanas, Skulpturen von Niki de Saint Phalle. Sie wurden zunächst von den Bürgern Hannovers als „Stadtverschandelung“ bezeichnet – und sind heute so beliebt, das sogar eine Eisbärin im Zoo Nana getauft wurde.

Gleichzeitig zeigt dieses Zitat die Herangehensweise von Jakob Schwertfeger. Er macht keine Witze um ihrer selbst willen. Seine Gags sind Türöffner. Lachen hilft auch bei der Kunstvermittlung!

Lesespaß für geübte Museumsgänger*innen, Gelegenheitsbesucher und Kunstbanausen

Denn mit seiner lockeren Art richtet sich Jakob Schwerdtfeger nicht nur an Nerds wie mich, die freiwillig in Museen gehen. Er hat eine Mission: Menschen für Kunst begeistern. Dank seiner pointierten Erzählweise dürfte ihm das gut gelingen. Anekdoten über Macken der Künstlerinnen, Räuberpistolen von Fälschungen und Kunstdiebstählen und Kopfschütteln über Preise, die Kunstwerke auf Aktionen erzielen: Egal ob Schwerdtfeger Fakten vermittelt oder Witze erzählt – alles geschieht stets wohldosiert und den Leserinnen zugewandt.

Ich kann mir gut vorstellen, dass er damit Menschen ermutigt, den Bildern und Skulpturen einen zweiten Blick zu schenken. Und dann? Dann muss die Kunst das tun, was sie sehr gut kann: von alleine wirken.


Infos zum Buch:

Jakob Schwerdtfeger

Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst

DTV

Podcast von Jakob Schwerdtfeger mit der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe

Kunstsnack


Und wie schön ist bitte diese Danksagung?!

Ich danke Vincent van Gogh und meinem Opa Stefan, weil ich beide mal in einem Satz erwähnen wollte und weil sie mir die Welt der Kunst eröffnet haben.

Jakob Schwerdtfeger: Ich sehe was, was du nicht siehst und das ist Kunst. Seite 181

Bei mir würden da Miro und meine Kunstlehrerin Doris Erbacher stehen.


Mehr über meine Museumsliebe auf meinem Blog. Und hier:

Jackson Pollock: wenn Kunst politischer ist, als der Künstler ahnt

Pollock – Streng vertraulich! Eine Graphic-Novel Biographie. Comic liegt auf einem aufgeschlagenen Kunstlexikon, das typische Bilder von Pollock zeigt

Ein Geheimdienst, der Künstler fördert, um zu beweisen, dass das eigene Land freier ist als das des Feinds? Was wie eine wüste Erfindung Hollywoods klingt, ist tatsächlich eine wahre Geschichte. Mittendrin, ohne es zu ahnen: Jackson Pollock.

Der Maler war eine der wichtigen Figuren in der CIA-Operation »Lange Leine«. Ihr Ziel lautete, der amerikanischen Künstleravantgarde zu Ruhm und Ehre zu verhelfen. Einmal, damit diese aufhören, mit der Sowjetunion und dem Kommunismus zu flirten. Aber auch, um der Welt zu zeigen: Schaut her, unser Amerika ist das Land der Freiheit! Und des Erfolgs!

Der Beweis für den besonderen Stellenwert der USA sind einmal expressionistische Bilder, die so ganz anders waren als der sozialistische Realismus. Gemälde, die so abstrakt sind, dass sie allen damaligen Sehgewohnheiten widersprachen, und trotzdem so erfolgreich, dass sie den internationalen Kunstmarkt beherrschten.

Doch der Erfolg des abstrakten Expressionismus kam nicht von alleine. CIA-Agenten ließen Geld fließen und organisierten Ausstellungen in Museen und Galerien.

Davon erzählt »Jackson Pollock – Streng vertraulich«. Comic-Zeichner Onofrio Catacchio lässt in seiner Graphic Novel Pollocks Wegbegleiter und Schlüsselpersonen der New Yorker Kunstszene zu Wort kommen und zitiert aus Geheimdienstakten. Trotz spannender Agenten-Handlung findet er genug Raum, uns an der Entstehung von Pollocks Bildern teilhaben zu lassen. So wird das Besondere seiner großformatigen Gemälde erlebbar. Doch er erzählt auch vom Kampf des amerikanischen Malers gegen Depression und Alkoholismus und von seiner Beziehung zu Lee Krasner, Künstlerin, Muse, Managerin und Ehefrau Pollocks.

Was wie eine Geheimdienstgeschichte beginnt, entpuppt sich schnell als informative Comic-Biographie, die mir viel Spaß beim Lesen gemacht hat!


Angaben zur Graphic Novel:

Onofrio Catacchio

Pollock – Streng vertraulich!
Eine Graphic-Novel Biographie

Midas Collection

Leseprobe beim Verlag


Mehr Comic-Tipps auf meinem Blog

10 Jahre Kunstverein Ladenburg – die Ausstellung zum Jubiläum

selfie im Kunstverein ladenburg

Manchmal braucht es einen Schubs, damit ich das Sehenswerte vor der Haustür aufsuche. Der »Kunstblog Mannheim« ist jemand, der mir dafür zuverlässig Impulse schenkt. Die Ausstellung »10 Jahre Kunstverein Ladenburg« habe ich dort entdeckt. Also habe ich mir meine Kunstkomplizin geschnappt und bin losgezogen. Feinstes Wetter, schöne Fahrradtour, leckerer Spargel, gute Gespräche – und eben Kunst! Könnte nicht jedes Wochenende so sein?

An zwei Standorten in Ladenburg zeigt der Kunstverein Skulpturen. Die kleinen in einem leerstehenden Laden in der Altstadt. Die großen draußen in der Gärtnerei Huben. Zu sehen sind Drahtplastiken von Stefanie Welk, Betonfiguren von Gabriele Köbler, Holzskulpturen von Ulrike Gölner, bewegte Stahlplastiken von Jürgen Heinz und die kinetischen Skulpturen von Hans-Michael Kissel.

Ausstellungen in Kunstvereinen haben ja immer etwas von einer Wundertüte. In den seltensten Fällen weiß ich vorher, was mich erwarten könnte. Diese hier entpuppte sich als eine richtige Gute-Laune-Show. Alle Werke faszinierten mich mit ihrer Sinnlichkeit und machten einfach Spaß.

Nie hätte ich gedacht, dass ein leichter Windhauch genügen kann, Stahl in Bewegung zu setzen – so wie bei den Skulpturen von Jürgen Heinz. Das Zusammenspiel von scharfkantiger Bearbeitung und natürlich Holzstruktur in den Werken von Ulrike Gölner. Die Drahtfiguren von Stefanie Welk, die einen Moment einfrieren und doch voller Leben sind. Die menschlichen Figuren von Gabriele Köbler, die sowohl lebensecht als auch genau das Gegenteil davon sind.

Nur die kinetische Kunst von Hans-Michael Kissel war mir vorher vertraut. Dass ich den langsamen, meditativen Bewegungen seiner Skulpturen lange zuschauen kann, wusste ich bereits – bei allen anderen Künstler*innen weiß ich das jetzt auch!

Kunstkomplizinnen on tour – Kunstverein Ladenburg

10 Jahre Kunstverein Ladenburg – wie die Kunstkomplizinnen die Jubiläumsausstellung sehen

Wie bei uns üblich folgt auf den Ausstellungsbesuch unsere eigene Insta-Ausstellung. Die Bilder und Videos findet ihr auf unseren Instagram-Kanälen – das hier auf meinem Blog ist nur eine kleine Auswahl:


Infos zur Ausstellung, die noch bis zum 30. April 2022 zu sehen ist, hier auf der Website des Kunstvereins Ladenburg

Schwimmerin von Gabriele Koebler. Ausstellung Kunstverein Ladenburg - Baumschule Huben
Skulptur von Gabriele Köbler – Austellung Kunstverein Ladenburg, Baumschule Huben

Und noch einer, der hingeradelt ist: Ausflüge mit @mikelbower

Advanced Selfie – die ganz hohe Kunst des Selbstporträts

Selfie Kurs von Sorelle Amore: Advanced Selfie - die Kunst des Selbstporträts

Eines vorneweg: Dieses Buch ist kein Selfie-Ratgeber, in dem es um schnell aus der Hüfte geschossene Erinnerungsbilder geht. Und schon gar nicht um Selfies, bei denen noch der angeschnittene Arm oder das Handy im Spiegel zu sehen sind. Auch nicht um Schmollmund-Aufnahmen von sich selbst oder Six-Pack-Beweisfotos.

Sorelle Amore macht das, wofür andere ein komplettes Foto-Studio brauchen, ganz alleine. Vor Ort, mit sich selbst als Fotomodell. Obwohl sie immer dachte, dass sie für ein Model viel zu knochig sei.

Deswegen beginnt ihr Selfie-Kurs mit einer Anleitung, wie jede*r seine Schokoladenseite finden kann. Zuerst Aufnahmen vom eigenen Gesicht aus möglichst vielen unterschiedlichen Blickwinkeln machen. Danach das Procedere mit allen Körperteilen wiederholen. Aus den besten Ergebnissen eine Pose entwickeln, dann das Setting arrangieren, Bildaufbau bedenken, auf das Licht achten, sparsam mit der Deko umgehen, den Selbstauslöser per Stimme steuern – und zack, nur eine Stunde später haben wir eine Speicherkarte voll Aufnahmen, auf der sich auch das eine, perfekte Selfie befindet. Das Foto, das eine Person zeigt, in die man sich glatt verlieben könnte.

Doch so viel Perfektion führt bei mir nur zu einem: Ich musste einfach ein Selfie machen, das genau so ist, wie Sorelle Amore es nicht empfiehlt.

Kein advanced selfie - That's just me!
Kein advanced selfie – unfrisiert, ungeschminkt, ungeplant und dann auch noch mit einem Color-Pop-Filter!

Infos zum Buch:

Sorelle Amore

Advanced Selfie – Die Kunst des Selbstporträts
So zeigen Sie sich von Ihrer schönsten Seite

Midas Verlag


Was mir mehr Spaß macht: Museumsselfies – zum Beispiel im Hack Museum Ludwigshafen!

Kunst sehen – eine Schule des Wahrnehmens

Kunst sehen - Cezanne. Eine Hand hält das Din A4 große broschierte Buch vor ein Poster mit einer Landschaft von Cezanne

20 Sekunden. Es gibt Zahlen, die gehen mir nicht aus dem Kopf. Seit ich gelesen habe, dass Museumsbesucher im Schnitt nur 20 Sekunden vor einem Kunstwerk verweilen, beobachte ich mich beim Betrachten von Kunst. Wie schaue ich mir Bilder eigentlich an? Was nehme ich wahr, woran bleibt mein Blick hängen? Und wie oft lese ich zuerst das Erklärungsschild? Denke mir dann „Ah, ein typischer Cézanne!“ und gehe weiter zum nächsten Bild?

Wobei ich bei Cézanne nie einfach weitergehe. Deswegen war das der erste Band aus der Serie „Kunst sehen“ den ich mir angeschafft habe. Ich sage es gleich: weitere werden folgen, denn diese Kunstbuch-Reihe ist bemerkenswert.

Was sind die ersten Gedanken, wenn ich ein Bild betrachte? Häufig kreisen sie um Fragen wie „Wer hat es gemalt?“, „Was stellt es dar?“ und „Welcher Stil ist das?“. Ich aktiviere meine Erfahrung mit Kunst und gelange sehr schnell zur finalen Frage: Was will mir das Kunstwerk sagen? Michael Bockemühl schlägt einen anderen Weg vor. Er ermutigt uns, urteilsfrei Bilder zu betrachten.

Im Falle von Cezanne heißt das: Farben, Linien und Flächen anschauen. Wo ist Licht, wo Schatten? Gibt es einen Raum, eine Perspektive? Ist der Pinselstrich überall gleich? Wie wirkt das Bild, wenn ich ein Detail fixiere und wie, wenn ich es als Ganzes betrachte? Dabei das Motiv zu ignorieren fällt zunächst nicht leicht! Immer wieder rutsche ich in Interpretationen ab und kehre dann bewusst zu dem zurück, wofür Kunst gemacht wird. Michael Bockemühls Credo lautet:

„Der Künstler ermöglicht, was der Anschauende verwirklicht“

Michael Böckemühl – Kunst sehen

Die Buchreihe „Kunst sehen“ geht zurück auf eine öffentliche Vorlesungsreihe für Kunststudierende und Laien, die der Professor und Wahrnehmungsforscher Anfang der 1990er Jahre hielt. Sein Bildbetrachtungskonzept funktioniert für jeden, unabhängig von Vorkenntnissen, und ermöglicht damit echte Teilhabe.

Aber er belässt es nicht dabei, den Blick zu befreien und zugleich schulen. Seine Anleitungen zur Bildbetrachtung sind eng verwoben mit biographischen Details zu den Künstlern. Mit einer Fülle von Zitaten zeigt er, wie die Maler sich ihre Herangehensweise erarbeitet haben. Das ist geradezu ein Blick in das Atelier, der mich sehr fasziniert hat.

Kunst betrachten ist lebenslanges Lernen. Auf das Leben folgt das Üben – noch mehr Zeit, die ich in Museen verbringen werde!


Angaben zur Kunstbuch-Reihe direkt beim Verlag:

Bisher erschienen:
Malerei des 19. Jahrhunderts, Monet, Gauguin, van Gogh, Cézanne, Picasso, Kandinsky, Nolde, Mondrian, Klee, Dali, Rothko, Beuys
Weiter Bände in Planung – ich freue mich besonders auf Hans Arp und Henry Moore!


Mehr Infos zu den 20 Sekunden, die wir uns im Schnitt einem Kunstwerk zuwenden.


Weil (historisch bedingt) die Künstlerinnen in dieser Kunstbuch-Reihe zu kurz kommen, empfehle ich Euch noch diese drei Bücher:

Und dieses Buch schenkt euch ganz viele wertvolle Fragen, die helfen, Kunst im eigenen Tempo zu erkunden: Kunst selbst sehen. Ein Fragenbuch

Bäume in der Kunst

Bildband: Bäume in der Kunst. Das Buch liegt auf gelben Herbstlaub. Das Cover zeigt ein Gemälde einer weiß blühenden Kastanie.

Der nüchterne Titel „Bäume in der Kunst“ täuscht. Der kleinformatige Bildband mag minimalistisch daher kommen, doch in Wahrheit ist er ein Buchjuwel. In exzellenter Druckqualität zeigt er uns über 100 Baumbilder – Gemälde, Grafiken und Fotos von bekannten Künstlerinnen und Künstlern wie Georgia O’Keeffe und Van Gogh und (mir) weniger bekannten wie Claire Cansick und Paul Nash.

Durch die kluge Zusammenstellung, die zurückhaltenden, informativen und stimmigen Texte und die gelegentlich eingestreuten Zitaten entsteht eine Atmosphäre, die sich wirklich mit der eines Waldspaziergangs vergleichen lässt. Dann fühlt sich das Buch so an, wie Tschechow den Wald beschreibt:

Im Wald spürt man die Gegenwart Gottes.

Anton Tschechow – zitiert in „Bäume in der Kunst“

Prächtige Baumsolitäre, dunkle Wälder, lichte Feldränder. Bäume am Meer, im Gebirge und Hausbäume. Kastanien in voller Blüte und verbrannte Bäume auf Schlachtfeldern. Ab und an mal ein Tier oder in der Ferne ein Haus.

Menschen? Brauchen die Bäume nicht. Aber wir brauchen sie. Wer das so sieht, wird den Bildband immer wieder in die Hand nehmen – so wie ich!


Infos zum Bildband:

Angus Hyland und Kendra Wilson

Bäume in der Kunst

Übersetzt von Birgit Lamerz-Beckschäfer

160 Seiten mit 110 farbigen Abbildungen

Dumont Verlag


Bücher über Bäume und den Wald sind ein häufiges Thema für Blogbeiträge. Hier eine Auswahl an Lieblingsbüchern:

Und natürlich dieses Buch über die Evolution der Pflanzen: