Nur schöner Schein? Barock Ausstellung in Mannheim

Barock Ausstellung im Engelhorn Museum Mannheim

Nicht überzeugen konnte mich die Ausstellung „Barock. Nur schöner Schein?“ im Reiss Engelhorn Museum in Mannheim. Das begann schon damit, dass ich mir eine Taschenlampe gewünscht hätte. Die Barock Ausstellung ist sehr schlecht ausgeleuchtet. Die Schilder auf den Vitrinen haben eine weiße Schrift auf grauen Grund was im Zusammenspiel mit dem Licht dazu führte, dass ich einiges nicht lesen konnte. Auch mit dem Aufbau der Ausstellung wurde ich nicht warm. „Ausgewählte Exponate präsentieren Vielschichtigkeit des barocken Zeitalters“ heißt es auf der Webseite zur Ausstellung und genau das beschreibt für mich eines der Probleme, dass ich mit der Schau hatte. Es war ein durchzappen durch ein Zeitalter. Mir fehlte der rote Faden. Gleichzeitig waren die Themenfelder – Raum, Körper, Wissen, Ordnung, Glauben und Zeit – so abstrakt gewählt und formuliert, dass es mir schwer fiel, mir einen eigenen roten Faden zu spinnen. Der dritte Grund, warum mich die Ausstellung enttäuscht hat, war der fehlende Regionalbezug. Es gab…

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Franz Marc Museum – Kunst im 20. Jahrhundert

Franz Marc Museum

Das Franz Marc Museum in Kochel am See ist für mich so etwas wie ein Sonntagsspaziergang unter den Museen. Nett und vertraut ist es hier, die Bilder sind alte Bekannte, die höflich grüßen lassen. Das kann man einfach genießen. Wer möchte, kann versuchen, Franz Marc weiterzudenken. Eine Wand im Museum ist seinen Skizzen aus dem Krieg gewidmet. Wie hätte er wohl nach dieser einschneidenden Erfahrung gemalt? Das Museum öffnet sich immer wieder zur Landschaft hin und an sonnigeren Tagen ergeben sich sicherlich wunderbare Zwiegespräche zwischen Licht, Landschaft und Kunst. Ich hatte einen Novembertag im Dezember erwischt, der aber immerhin gezeigt hat, dass die Bilder von Franz Marc selbst an einem so suppig-grauen Tag noch leuchten. Das liegt nicht nur an den Farben, sondern auch an der Präsenz der Tiere auf den Bildern. Franz Marc hat sie nicht gemalt, er hat sie eingeladen, auf den Bildern Platz zu nehmen und einfach nur da zu sein. Meinen…

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Wie Freiherr von Drais fast an meiner Haustür vorbeifuhr

Eingang zur Drais Ausstellung technoseum mannheim

Mittlerweile habe ich sie ins Herz geschlossen, diese schwarze Box am Ende des Erdgeschoss im Technoseum in Mannheim, die mir anfangs wie ein störender Fremdkörper im Museum vorkam. Heute ist sie für mich ein Ort, der kompakte Ausstellungen mit einer hohen Informationsdichte und einem großen Schauwert verspricht. So auch diesmal: 2 Räder – 200 Jahre. Freiherr von Drais und die Geschichte des Fahrrades. Die erste Radtour der Welt fand in Mannheim statt und führte bis fast vor meine Haustür. Freiherr von Drais startete mit seinem Laufrad – pardon: Laufmaschine, wie ich in der Ausstellung lernte – in der Innenstadt in M1, 8 und fuhr Richtung Schwetzingen. Höhe Stengelhof – die Rheinau gab es damals noch nicht – drehte er um. Genutzt hat er für seine Jungfernfahrt die kurfürstliche Straße, die das Mannheimer Schloss mit dem Schloss in Schwetzingen verband. Sie war eben und perfekt ausgebaut. Sein Radausflug ging über eine Strecke von 14 km und dauerte gut…

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Und am Ende des Stegs steht ein Museum am See

Buchheim Museum der Phantasie am Starnberger See

Ach, dieser Name: Museum der Phantasie! Das riecht schon so nach André Heller, das schmeckt nach Hundertwasser und mutiert dann wahrscheinlich doch nur zu Rosina Wachtmeister. Meine Befürchtungen vor dem Museumsbesuch waren groß. Doch es kam anders. Zum Glück. Es gibt zwar solche Ecken im Haus und es gab tatsächlich eine Hundertwasser-Ausstellung, die ich weitestgehend ignoriert habe. In diesen Ecken zeigt das Museum einen eingefrorenen Stand der Phantasie, garniert mit ein paar Objets trouvé. Symptomatisch für mich ist der Schreibtisch, der so voll gestellt wurde mit inspirierenden Dingen, dass man einen Beistelltisch zum Arbeiten dazustellen musste. Doch zum Glück ist dieses Museum eine Wundertüte in einem schönen Park am Starnberger See. Dort kann man es aushalten, schlendern, entschleunigen und sich in seinem eigenen Tempo der Kunst nähern. Warum sammelt ein Sammler? Herzstück des Museums ist Lothar-Günther Buchheims hervorragende Sammlung an expressionistischen Werken. Die Sammlung wird durch gute Texte erläutert und man sieht den Sinnzusammenhang, den…

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Abstract Loop – Ausstellung im Hack Museum Ludwigshafen

Abstract Loop - Museumsselfie im Hack Museum Ludwigshafen

Die Ausstellung Abstract Loop muss man sich erlaufen: vor den Bildern auf und ab gehen, in die Hocke gehen, schräg gucken, einen anderen Blickwinkel einnehmen – immer wieder. Abstract Loop beschränkt sich weitestgehend auf die Werke von vier Künstlern: Marc Adrian (1930-2008), Helga Philipp (1939-2002), Richard Kriesche (*1940) und Gerwald Rockenschaub (*1952). Deren Arbeiten werden durch wenige Werke aus dem Bestand des Hack-Museum ergänzt. Das klang für mich zuerst sehr trocken, weswegen der Besuch der Ausstellung heute eher ein Schlechtwetter- und Nach-Urlaubs-Faulheitsprogramm war. Was für eine Fehleinschätzung! Gerade die Beschränkung auf diese Künstler ermöglicht es, die Prinzipien und Techniken von konkreter Kunst und Op-Art aufzuzeigen. Das verschaffte mir heute einen neuen Zugang zu Kunstrichtungen, die mir eigentlich immer noch sperrig und ungewohnt vorkommen. Ein großes Lob auch für den Handzettel, der an der Kasse ausliegt, und kurz die Künstler vorstellt. Das gibt dem Besucher das gute Gefühl, dass es völlig ok ist, diese Namen nicht parat zu…

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Augen. Blicke. Eine Impressionismus-Ausstellung aus dem Lehrbuch

Besuch der Impressionismus Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart

„Augen. Blicke. Impressionen. Meisterwerke des französischen Impressionismus“ heißt die aktuelle Ausstellung in der Staatsgalerie Stuttgart. Impressionisten – schon wieder? Habe ich mich da nicht schon längst daran satt gesehen? Doch die letzten großen Impressionismus-Ausstellungen, die ich mir angesehen habe, sind schon eine Weile her. Ist der Impressionismus nicht wieder aus der Mode gekommen? Die vielen Kaffetassen mit Monets Seerosen-Motiven sprechen eine andere Sprache. Impressionismus scheint Mainstream geworden zu sein und deswegen für die Ausstellungsmacher weniger interessant. So betrachtet ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt für eine Impressionismus-Ausstellung, die vieles anders macht. Mehr zeigen mit weniger Bildern Perfekt ausgeleuchtet hängen die Bilder sehr locker in einem dunklen Raum. Ich kann mich an Ausstellungen erinnern, in denen auf gleicher Fläche die doppelte Anzahl an Kunstwerken hing und deren Konzept dem Abarbeiten einer Hitliste glich: Hauptsache, alle großen Maler sind mit einem wirklich berühmten Gemälde vertreten. Solche Ausstellungen sind heute selten geworden, was an den stark gestiegenen Versicherungssummen für ausgeliehene…

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Gartenkunst im Museum: zwei Ausstellungen

Parkomanie - Dachgarten auf der Bundeskunsthalle Bonn

„Parkomanie – Die Gartenlandschaften des Fürst Pückler“ heißt die Ausstellung in der Bundeskunsthalle Bonn, die uns Leben und Werk des Fürsten Hermann von Pückler-Muskau näher bringen will. Das geschieht sehr biografisch, sehr textlastig und sehr theoretisch. Hochinteressant, aber ungefähr so, als würde ich durch ein Buch laufen. Was mir in dieser Ausstellung gefehlt hat, war der Dreck unter den Fingernägeln, die eigentliche Gartenarbeit. Erst durch den Garten auf dem Dach der Bundeskunsthalle, der alle in der Theorie vorgestellten Gestaltungselemente in modellhafter Realität zeigt, kommt die Ausstellung für mich ins Gleichgewicht. Aber war es wirklich nötig, dafür Bäume aus der Baumuniversität – eine Wortschöpfung von Fürst Pückler – von Branitz nach Bonn zu schaffen? Sie sollen nach Ende der Ausstellung wieder dorthin zurückkehren. Nun, dem Garten-Visionär hätte diese Idee sicherlich gefallen, denn klein Denken und bescheiden auftreten gehörte ganz sicherlich nicht zu seinen Talenten. Der Mensch Hermann von Pückler-Muskau war für mich nach der Ausstellung so wenig greifbar, dass ich…

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Ein Museum ist eine Insel: Hombroich

Museum Hombroich Blick aus einem Ausstellungsgebäude

Einst war hier nichts als Natur. Dann kam der Mensch und mit ihm die Kunst. Einst war hier eine Auenlandschaft. Dann kam der Braunkohletagebau und legte die Landschaft trocken. Einst war hier ein Herrenhaus und eine Parklandschaft. Dann änderten sich die Zeiten und alles verwilderte. Dann kamen die Kunstliebhaber und Künstler und definierten alles neu. Bauten Häuser mit und ohne Kunst; schufen eine neue Landschaft ohne Park aber mit Wegen und renaturierten eine Auenlandschaft, wo keine mehr sein konnte. In diese Wildnis, die eine Kulturlandschaft ist, brachte der Mensch sich und seine Visionen, seine Fragestellungen ein. Wo stehe ich, wo schaue ich hin? Was möchte ich sehen, was kann ich erkennen? Was zeigt mit das Tageslicht heute, was morgen? Wie verändern die Jahreszeiten meinen Blick? In wie weit kann ich die Natur bereichern und in wie weit kann ich mich von ihr beschenken lassen? Dieses Museum ist kein Park, kein Landschaftsgarten und keine Galerie. Hombroich…

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Pompejanum Aschaffenburg – mein Rom, meine Villa, mein Museum

Manchmal ist die Welt ein seltsamer Ort und wird gerade erst dadurch schön. Ein König ist, ganz Kind des 19. Jahrhunderts, von der Antike begeistert. Inspiriert von den Ausgrabungen in Pompeji lässt er sich eine römische Villa bauen, samt Wandmalereien und Mosaiken. Doch er möchte nicht in dieser Replik leben. Sie dient rein pädagogischen Zwecken und hat einen klaren Bildungsauftrag: das Haus, das so in Pompeji hätte stehen können, soll helfen, die Antike begreifbar zu machen. Hier wird nicht das römische Alltagsleben gezeigt, sondern die opulente, bunte Prachtentfaltung der Oberschicht. Menschen kommen nur am Rande vor. Damit ist die Villa, die heute ein Museum ist, ein Statussymbol, das ein antikes Statussymbol zeigt. Pompejanum – von der Ruine zur Villa und wieder zurück Im Zweiten Weltkrieg wird die Replik einer römischen Villa schwer beschädigt und ist fortan die Ruine, die sie nie sein sollte. Ziel des Königs war es damals, die römische Antike in ihrer vollen Pracht erfahrbar…

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Juchhe & Juchhei! Besuch im Dr. Erika Fuchs Museum

Beschriftungen im Dr. Erika Fuchs Museum

Juchhe! Es hat geklappt: Endlich habe ich das Museum für Comic und Sprachkunst, das 2015 in Schwarzenbach an der Saale eröffnet wurde, besucht. *Geräusch quietschender Museumstüren* Dieses Museum stand auf meiner persönlichen Museumsbesuch-Wunschliste ganz oben. *meins!* Doch Schwarzenbach ist für mich nun wirklich nicht gerade um die Ecke. Eigentlich ist es nur für sehr wenige Menschen gut erreichbar. *schlurf, schlurf* Dr. Erika Fuchs muss das ähnlich empfunden haben, als sie als junge Frau der Liebe wegen genau dort hin zog *schmacht!* Da saß sie nun mit dem Mann ihres Herzens und zwei kleinen Söhnen *rabääh!*. Gerne hätte sie geforscht. Sie wurde schließlich die Donald-Duck-Übersetzerin, auch wenn der Auftraggeber lieber einen männlichen Professor für die Stelle gehabt hätte. Faszination Entenhausen, die Sprachkreationen der Übersetzerin Dr. Erika Fuchs und grundlegendes Wissen über die Funktionsweise von Comics: diese drei Themen will das Museum für alle Besucher vom Kind bis zum Erwachsenen abdecken. Keine leichte Aufgabe! *stöhn* Doch das Museum für Comic…

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Historische Eisenbahn Mannheim – Museumsbesuch

Historische Eisenbahn Mannheim Museum und Verein

In der Pfalz gibt es den Spruch: Wann’s Licht brennt is uff. An den musste ich denken, als ich heute vor dem großen grünen Tor zum Gelände mit den historischen Eisenbahnen stand. Kein Schild mit Öffnungszeiten, kein Hinweis, ob Besucher erwünscht sind. Man muss es wissen oder einfach mutig die Klinke herunterdrücken. Das Tor war offen, also war wohl auf. „Historische Eisenbahn Mannheim“ ist kein Museum, sondern ein sehr lebendiger Verein. Auf dem Vereinsgelände stehen restaurierte Loks und Waggons, aber auch viele, die noch auf Arbeitseinsatz und Sponsoren warten. Aus der Werkstatt klangen Geräusche, dort werkelte ein Mann. Er sah sehr glücklich aus. Das Gelände ist selbst schon fast ein Museum. Fahrleitungsmeisterei steht noch auf dem Schild am Gebäude und auch sonst ist einiges aus der Zeit, als hier noch die Deutsche Bahn zu Hause war, erhalten. Das Bürogebäude könnte aus den 50er Jahren stammen, die Werkstätten wirken noch älter. Daneben die Gleise, die zum Mannheimer Rangierbahnhof führen.…

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Bier ist gut, sagte der Arzt: Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot im TECHNOSEUM in Mannheim

Sudhaube

Bier ist gut, sagte der Arzt früher tatsächlich einmal und empfahl Kindern, Kranken und stillenden Müttern alkoholarmes Nährbier. Auch heute hat so ziemlich jeder, egal ober er oder sie Bier trinkt oder nicht, eine Meinung zum Thema Bier. Genau das macht einen Besuch der Ausstellung „Bier. Braukunst und 500 Jahre deutsches Reinheitsgebot“ im Technoseum in Mannheim zu einem vergnüglichen Ausflug. Einfach mal in den mittleren Teil der Ausstellung stellen, dort wo die alten Werbeschilder hängen, und die Ohren spitzen. Heidelberger Schlossqual und Karlsruher Friedhofsbräu – in diesem Raum fliegen im Publikum die Sprüche und Verballhornungen tief. Bellemer und Parkbräu – da werden Party-Erinnerungen unterschiedlichster Qualitäten wach. Das Kölsch, das nicht zu Alt werden darf – Grabenkämpfe flammen auf, befeuert von regionalen Spitzfindigkeiten. Bier ist ein hoch emotionales Thema. Wer eine Ausstellung dazu machen will, braucht Fingerspitzengefühl, um alle Befindlichkeiten von Anonymen Alkoholikern über Braumeister bis hin zu Craftbeer-Fans einzusammeln. Dazu bedarf es noch einer besonderen Gründlichkeit,…

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