Wie Ira Peter mir meine Nachbarn, die Russlanddeutschen näher gebracht hat

»Die sind doch nur bei uns, weil ihr Opa mal einen Deutschen Schäferhund hatte«. Solche Sätze habe ich Ende der 80er Jahre mehr als einmal gehört. Es klang für mich wie eine schlüssige Antwort auf die Frage, woher auf einmal all die Deutschen mit dem seltsamen Akzent kamen. Was wusste ich schon von Flucht, Vertreibung, Kriegsleiden, staatlich gewollten Hungersnöten und Arbeitslagern? Was vom Staatsrecht, das Russlanddeutsche als Kriegsopfer anerkennt, weswegen die deutsche Staatsbürgerschaft ihr gutes Recht ist? Hätte ich das damals gewusst, ich hätte meine Mitschüler Gerda und Franz besser verstanden. Die Geschichte vom Deutschen Schäferhund, der Russlanddeutschen die Einreise nach Deutschland ermöglicht, ist eines der Vorurteile, die Ira Peter in ihrem Buch »Deutsch genug? Warum wir endlich über Russlanddeutsche sprechen müssen« widerlegt. Die Gewaltbereitschaft junger Männer, die angebliche Putin-Treue und manch anderes Vorurteil folgt. Auch dass ich seit dem Angriffskrieg auf die Ukraine zusammenzucke, wenn ich Russisch auf der Straße höre, greift sie mit…

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»Wir müssen reden« – wie Sprache heilt oder verletzt. Und wie Wortmedizin uns allen hilft

Wir müssen reden. Dieser Satz kann ganz neutral gemeint sein. Doch in den meisten Fällen sorgt er für Kopfkino. Grübeln darüber, was das Gesprächsthema sein könnte. Eine leichte Nervosität, weil etwas Unangenehmes kommen könnte. Oder sogar Panik, weil der Adressat schlechte Erfahrungen mit Gesprächen gemacht hat, die so angekündigt wurden. Das ist eines der vielen praxisnahen Beispiele, die Lisa Holtmeier in ihrem sehr hilfreichen Buch »Wortmedizin. Ungesunde Kommunikationsmuster durchbrechen und die mentale Gesundheit stärken« präsentiert. Von People Pleasing (ja statt nein sagen) bis toxische Positivität (hab schon Schlimmeres gesehen) erklärt sie typische Kommunikationsmuster, die uns im Alltag häufig begegnen. Dafür steigt sie immer mit einem ausführlichen und gut gewählten Beispiel ein. Dann erläutert sie, was dahinter steckt und was dieses Sprachmuster in den Zuhörer*innen auslöst. Denn schlechte Kommunikation hallt lange nach. Sie bleibt im Menschen. Sie beschäftigt ihn und bindet Energie – selbst dann, wenn sie in dem Moment nicht als verletzend, sondern nur als…

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Nehmt den ganzen Menschen wahr: »Empathische Führung« von Lunia Hara

Dass ich noch einmal einen Management-Ratgeber lese, war so nicht geplant. Meine Karriereplanung ist genauso abgeschlossen wie meine Familienplanung. Es waren die Begriffe »empathisch« und »Mitgefühl« die mich bei Lunia Haras Buch elektrisierten. Sollte es jetzt wirklich in den Führungsetagen angekommen sein, dass da nicht eine Ressource am Schreibtisch sitzt – sondern ein Mensch, mit allem, was zum Menschsein gehört? Die Antwort ist ein Jein. Ja, es gibt mittlerweile mehr Führungskräfte wie Lunia Hara, die immer den ganzen Menschen mitdenken. Aber wenn ich lese, wie viele Seiten sie dafür verwendet, zu beweisen, dass alle von einem dem Menschen zugewandten Führungsstil profitieren – auch die Bilanzen, der ROI und die Manager*innen selbst – dann weiß ich: Wir haben noch einen weiten Weg vor uns. Das Seelenleben bleibt nicht zuhause – Gedanken zu Lunia Haras »Empathische Führung« Wie begann das eigentlich bei mir? Warum interessiere ich mich für Mitgefühl und Empathie in der Arbeitswelt? Das liegt an…

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Anleitung zum Unkreativsein

Kreativität im Keim zu ersticken und Veränderungen ins Leere laufen zu lassen ist einfach. Entscheidungsprozesse aufbauschen, Kompetenzen anzweifeln und im richtigen Moment Killerphrasen verwenden – schon verdorrt der kleine Keimling, der eine große, gute Idee werden möchte, noch bevor er das Sonnenlichts des Erfolgs erblicken konnte. Wer kreative Arbeit wertschätzt, sollte die Techniken des Unkreativseins genauso verstehen wie das Handwerkszeug der Kreativen. Daher ist der Ratgeber von Dirk von Gehlen gar nicht so ironisch, wie er den Anschein weckt. Zu Beginn jedes Kapitels erklärt der Autor er erst einmal, wie sich gute Ideen in dieser Phase verhindern lassen. Damit wendet er eine sehr wirksame Kreativitätstechnik an, die er im Buch auch immer wieder aufgreift: den Perspektivwechsel. Vom Geistesblitz zur belastbaren Lösung – und all die Stolpersteine dazwischen Überhaupt ist seine Herangehensweise sehr praxisnah. So, wie er es beschreibt, lässt sich arbeiten. Egal, ob es dabei um Produkte, Workflows, Visuals oder Texte geht. Im Team, in…

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Was wäre, wenn das Patriarchat in Therapie gehen würde?

Da liegt ein Buch auf meiner Couch und es ist gut: »Wenn das Patriarchat in Therapie geht« von Katharina Linnepe ist buchgewordene Schwesternschaft. Mit Humor, klugen Analysen und vielen Fakten stärkt sie allen Frauen und FLINTA-Personen den Rücken. »Es liegt nicht an dir, my dear – es ist das System«. Genau dieses System, das Patriarchat, hat Therapiestunden gebucht. Es macht sich Sorgen um sein Image, das durch all diese – in seinen Augen lächerlichen – Kampagnen zur Gleichberechtigung und zur Förderung der Diversität Schaden gelitten hat. Ob die Therapeut*in da nicht was machen könne? Es folgen höchst amüsante Therapiesitzungen, an die sich immer eine faktenreiche Analyse der gesellschaftlichen Situation anschließt. Meine liebste Passage dreht sich um den Versuch einer Familienaufstellung. Der Patriarch weigert sich, diese mit den Stoffpuppen aus der Praxis durchzuführen. In der nächsten Sitzung bringt er He-Man und andere Actionfiguren mit. Natürlich in Originalverpackung, denn dann sind sie wertvoller. Sie sollen ihn und…

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Weise, wild und weiblich: Female Empowerment von Hestia bis Kali

Göttinnen, Hexen, Kraftorte – das sind Themen, zu denen seit Jahrzehnten in Wellen immer wieder neue Bücher veröffentlicht werden. Interessant finde ich, dass jedes Mal eine leicht andere Herangehensweise gewählt wird, die stets zum Zeitgeist passt. 80er-Jahre-Feminismus, kulturhistorisch, literarisch, pseudo-wissenschaftlich – insbesondere über Göttinnen habe ich schon alles Mögliche gelesen. Das meiste davon mit Vergnügen und Gewinn: Weibliche Vorbilder und Heldinnen kann es für mich und mein feministisches Herz nie genug geben! „Weise, wild und weiblich. Erwecke die Göttin in dir“ von Tala Mohajeri passt bestens in diese Reihe hinein. Dieses Mal werden die Göttinnen im Mantel von female Empowerment präsentiert: Archetypen, an denen wir uns orientieren können, und die uns helfen, in unsere Mitte und Kraft zu kommen. Tala Mohajeri erzählt nicht nur niederschwellig, sondern auch lebhaft und plastisch. Das kam meinem Kopfkino sehr entgegen. Jedes Kapitel beginnt mit einer Einführung in die Mythologie, gefolgt von einem eher poetisch-atmosphärischen Text. Damit näher wir uns…

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Zwischen Ministeriumsdefinition und Alpenmythos: Was ist echtes Wandern? Meine Verteidigung der gemütlichen Tour

Ist das jetzt ein Spaziergang oder eine Wanderung? Diese Frage wollte ich schon immer einmal beantwortet haben. Nicht weil es für meinen sportlichen Ehrgeiz wichtig wäre. Der ist sowieso nicht sonderlich ausgeprägt. Für mich zählen nicht der Gipfel, nicht die Höhenmeter und auch nicht die Länge der Strecke. Ich will einfach nur durch einen Wald laufen, dabei zur Ruhe kommen und tief durchatmen. Wenn ich dann noch Natur beobachten und einkehren kann, ist das für mich ein perfekter (Wander)Tag. Der Unterschied zwischen Wandern und Spazierengehen interessiert mich aus einem ganz eigenen Grund. Wenn ich erwähne, dass ich am Wochenende wandern war, habe ich zu oft den Eindruck, dass sich mein Gegenüber etwas anderes, deutlich sportlichers darunter vorstellt. Ich bin weder mit einem vollgepackten Rucksack unterwegs, noch mache ich Mehrtagestouren. Und schon gar nicht würde ich mein Wandern als Sport bezeichnen – ich lasse es mir einfach bei Bewegung und frischer Luft im Wald gut gehen.…

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Luisa Francia über die verborgenen Schichten der Wirklichkeit

Ab und an packt mich die Neugier und ich lese ein aktuelles Buch einer Autorin, die mir vor Jahrzehnten wichtige Impulse gegeben hat. Luisa Francia ist eine von Ihnen. Vor rund 20 Jahren hat mich ihre eigensinnige Themenmischung begeistert: Selbstermächtigung, Selbstreflexion, Körperbewusstsein, Feminismus, Schamanismus, Psychologie und alte Mythen. Das war genau das, was ich damals als junge Frau brauchte – und heute, in der Menopause angekommen, wieder brauche. Ihr neues Buch „Die Macht des Verborgenen. Wie das Versunkene, Vergessene, Verheimlichte unser Leben steuert“ lässt mich jedoch eher ratlos zurück. Ja, all das, was mir damals gut tat, blitzt auch hier durch. Doch das schmale Büchlein wirkt unfertig. Gerade mal 140 Seiten, in sehr großer Schrift gesetzt und mit ganzseitigen Zeichnungen aufgelockert. Das ist wenig Buch fürs Geld! Der Inhalt hat den Charme von persönlichen, tagebuchartigen Skizzen. Liest sich gut, der seelische und praktische Nährwert war für mich allerdings gering. Als hätte die Autorin was zu…

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Jedem sein Ruhrgebiet: Geschichten von Fördertürmen und Schrankwänden

Anscheinend hat Heinrich Böll einmal etwas über das Ruhrgebiet geschrieben, das für viel Wirbel sorgte. Sein Einleitungstext zum Bildband „Im Ruhrgebiet“, den er zusammen mit dem Fotografen Chargesheimer 1958 veröffentlichte, beginnt mit den Worten: „Das Ruhrgebiet ist noch nicht entdeckt worden.“ Was dann folgt, klingt für mich wie der Intellektuelle aus der Großstadt, der die malochende Verwandtschaft besucht und froh ist, wenn er wieder zurück nach Köln darf. Für mich mit meinen Ruhrgebietswurzeln liest sich das amüsant, löst aber nicht mehr als ein Schulterzucken aus. So ganz konnte ich Böll nicht folgen. Wurde das Ruhrgebiet noch nicht entdeckt, weil es ignoriert wurde? Oder weil es sich als Industrielandschaft ständig wandelt? Oder weil man es vor lauter Smog nicht sieht? Oder einfach nur, weil er nie richtig hingeschaut hatte? Um so mehr war ich verblüfft, dass sowohl der Schriftsteller und Philosoph Wolfram Eilenberger in seinem Buch „Das Ruhrgebiet. Versuch einer Liebeserklärung“ als auch der Historiker und…

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Mit Pflanzen die Welt retten. Grüne Lösungen gegen den Klimawandel

Jeder Baum hilft. Dann lasst uns doch einfach so viele Bäume pflanzen, dass wir damit den Klimawandel stoppen. Oder Moore renaturieren. Wenn wir schon mal dabei sind, dann können wir ja gleich mit Pflanzen die Welt retten. Irgendjemand muss es ja tun. Also los, Spaten schnappen, Loch buddeln, Baum rein. Doch ökologische Systeme sind komplizierter, als ich es in der Schule gelernt habe. Nicht nur, dass meist nur ein Bruchteil der Neupflanzungen nach drei Jahren immer noch leben: In nördlichen Ländern verdunkeln neu gepflanzte Wälder die Erdoberfläche. Dadurch werden weniger Sonnenstrahlen zurück ins All reflektiert, was zu Erwärmung führt. Nach gut 200 Seiten Lektüre ist klar: wichtiger als jede Renaturierung ist erst einmal, das, was an Natur noch da ist, zu erhalten. Diese Maßnahmen schützen uns jetzt. Sie helfen, Folgen des Klimawandels abzufedern, und verhindern, dass die Erderwärmung in diesem Tempo fortschreitet. An zweiter Stelle steht, das, was wir zerstört haben, wieder herzustellen – Moore,…

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Frau Müller, die Migrantin

Bei diesem Buch habe ich mir gewünscht, das Lachen der Autorin hören zu können. Ich stelle mir ihr Lachen als herzlich, warm, verbindend und lebhaft vor. Überhaupt würde ich mich gerne mit ihr einen Abend lang über Gott und die Welt unterhalten und mehr über ihren Blick auf Deutschland und das Leben erfahren. Evelyne Waithira Müller ist gebürtige Kenianerin. In ihrer Zeit als britische Soldatin verliebte sie sich in einen Deutschen. Sie heirateten und zogen aufs platte Land. Wie das in der ersten Verliebtheit so ist: Dass sie sich damit nicht nur für einen Mann, sondern auch für ein Land entschieden hat, in dem nicht nur das Wetter so ganz anders ist, realisierte sie erst später. Mit ihrem Buch lässt sie uns an ihren Erfahrungen teilhaben. Der Untertitel „Wie Deutschland und ich uns aneinander gewöhnt haben“ ist perfekt gewählt. Heimweh, Fettnäpfchen und der Kampf mit der Bürokratie: Mutmacher mit Tiefgang In erster Linie hat sie…

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Workbook gegen Kopfchaos: Blick in den Maschinenraum eines neurodivergenten Gehirns

Den Ratgeber „Dein Workbook gegen Kopfchaos. Strategien und Methoden für neurodivergente Menschen“ wollte ich aus zwei Gründen lesen. Einmal, weil ich mir sicher war, dass auch ich darin gute Tipps und Tricks finden werde, wie ich mit den Herausforderungen des Alltags besser klar komme. Spoiler: Das war so. Der zweite Grund war, dass ich in den letzten Jahrzehnten ein paar Mal mit Menschen zusammen gearbeitet habe, von denen ich im Nachhinein vermute, dass sie im neurodivergenten Spektrum unterwegs waren. Damals kannte ich weder den Begriff noch das Konzept dahinter. Wäre die Zusammenarbeit besser gewesen, wenn ich Wissen über Neurodivergenz gehabt hätte? Bestimmt. Hätten wir besser miteinander gearbeitet, wenn ich die Strategien gegen Kopfchaos gekannt hätte? Spoiler: eher nicht. Denn das ist nicht das Ziel des Ratgebers. Dieses Workbook wurde vor allem für neurodivergente Menschen geschrieben. Es setzt sehr konsequent bei den Betroffenen und ihrer Verantwortung für sich selbst an. Selbstermächtigung pur – wohltuend und wertschätzend!…

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