Museumsbesuch – Der Hohenhof in Hagen

Das altmodische Wort Wohnsitz ist für mich der einzige Begriff, der zur Villa Hohenhof in Hagen passt. Der Hohenhof war der Familienwohnsitz des Gründers des Folkwang-Museums Karl Ernst Osthaus und wurde 1906 bis 1908 vom Architekten Henry van de Velde konzipiert und erbaut. Dieses Gesamtkunstwerk des Jugendstils ist bis heute unverändert erhalten geblieben. Sogar die Ausstattung der repräsentativen Räume wie Möbel, Wanddekorationen, Lampen und Stoffe bis hin zu Heizkörperverkleidungen sind unverändert erhalten geblieben! Dies macht das Museum „Villa Hohenhof“, eine Außenstelle des Osthaus-Museums in Hagen, zu etwas ganz besonderem. Auf lichtbild.org findet ihr großartige Fotos, die das Besondere dieses Hauses aufzeigen. Dort erkennt ihr auch, das diese Form des Jugendstils so gar nichts mit floraler Leichtigkeit zu tun hat, wie es zum Beispiel beim Wiener Jugendstil der Fall ist. Hier zeigt sich der Jugendstil von seiner eher sachlichen Seite und weist den Weg zum Bauhaus-Stil. Von der Straßenseite zeigt sich der Hohenhof…

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Blogparade: Die "Neuen" – Aus- und Weiterbildung in der Buchbranche

„Willkommen im vierten Lehrjahr!“ mit diesem Satz habe ich gerne meine Azubis nach bestandener Prüfung begrüßt. Wenn ich mich richtig erinnere, waren die meisten von Ihnen  nur mäßig davon begeistert, hatten sich aber nach drei Lehrjahren in meiner Buchhandlung an meine Vorstellung von Humor gewöhnt. Im November 2012 hätten sie sich mit einem herzlichen „Willkommen im 25. Lehrjahr!“ revanchieren können und ich hätte es geliebt! Meine drei Empfehlungen an Berufsanfänger, die sich hinter dem Satz „Willkommen im vierten Lehrjahr!“ verbergen, lauten: Neugier ist die Grundvoraussetzung für ein abwechslungsreiches und inspirierendes Berufsleben. Aus Neugier habe ich im ersten Monat meiner Buchhandels-Ausbildung begonnen, das Börsenblatt zu lesen. Komplett. Inklusive der Beilage „Aus dem Antiquariat“, die es damals noch gab. Verstanden habe ich erst einmal nichts – lauter Namen, die ich nicht kannte und Probleme, von denen ich noch nie was gehört hatte. So erwarb ich mir eine Grundorientierung; ein Gefühl für Zusammenhänge.…

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Richard Harland – Worldshaker – Rezension

Virtuos, beeindruckend und durch und durch ein Jugendbuch: Richard Harlands „Worldshaker“ Worldshaker ist ein Buch, dem ich wünsche, in den Kanon der Jugendbuch-Klassiker aufgenommen zu werden. Richard Harland erzählt spannend und virtuos und verwebt viele Ebenen, die alle in der Welt und den Erfahrungen Jugendlicher verwurzelt sind. Wer bin ich? Wie will ich leben? Wie funktioniert die Welt?Genau diese Fragen stellt sich der Held Colbert Porpentine erst einmal nicht. Er ist der Enkel des Oberbefehlshabers der Worldshaker und sein Nachfolger. Eines Tages wird Colbert der wichtigste Mann nach Königin Victoria sein. Er wird die Route des Juggernauten bestimmen, auf der dieses riesige Land-Luftschiff-Dampfer-Gefährt die Handelsstützpunkte anfährt und dabei versucht, schneller zu sein als die französische und deutsche Konkurrenz. Er wird dafür sorgen, dass die Dreckigen, die Arbeiter dieser abgeschlossenen Welt, zu Höchstleistungen angetrieben werden. Vor allen Dingen wird er stets loyal sein zum Königspaar, den Großeltern und seiner Familie –…

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Der Kinderbuchlotse und ich

Online-Redakteurin, Community-Manager, Online-Buchhändlerin  Die Zeit der eindeutigen Berufsbezeichnung habe ich hinter mir gelassen. Und das ist gut so! Meine Aufgaben beim Kinderbuchlotsen sind vielfältig und wesentlich abwechslungsreicher als meine Tätigkeit im stationären Buchhandel es in den letzten Jahren war. Trotzdem ist es kein radikaler Neuanfang, sondern ich baue auf dem auf, was ich in 25 Jahren Buchhandel gelernt, getan, ausprobiert und erfahren habe. Also fast alles beim Alten? Die Community unterhalten statt Kundenkontakt im Laden? Bücher online präsentieren und inszenieren statt direkt verkaufen? Mit der Presseabteilung reden statt dem Verlagsvertreter zu zuhören? Und das ganze ohne Inventuren am Sonntag und sowieso bei besseren Arbeitszeiten? Dazu noch der Vorteil, das man Blog-Beiträge nicht remittieren muss? Ja! Und nicht nur das: ich erfahre das Phänomen „Buch“ jetzt auf mehr Ebenen als vorher. Dadurch kann ich mich aus alten Sinnzusammenhängen lösen und meine Begeisterung für Bücher, Menschen und Geschichten viel freier leben. Im…

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Blogger schenken Lesefreude – Bonustrack: Und uns verbrennt die Nacht

Blog den Welttag des Buches – Blogger schenken Lesefreude. Bonustrack. Meine zweite Verlosung auf dem Grooveblog: Das Kultbuch „Und uns verbrennt die Nacht“ Als GeschichtenAgentin mag ich nicht nur Bücher, sondern auch Musik – insbesondere Musik, die Geschichten erzählt oder Musik, mit der ich Geschichten erlebt habe. Zusammen mit einem guten Freund betreibe ich auf Facebook den Grooveblog. Auch dort verlosen wir zum Welttag des Buches 2013 Bücher – schaut mal vorbei! Der Buchhändler vom Grooveblog verlost „Herr Lehmann“ von Sven Regener und  ich, die Buchhändlerin vom Grooveblog, verlose „Und uns verbrennt die Nacht – Roman mit Jim Morrison“ von Craig Kee Strete. Die Geschichte, die für mich zu diesem Buch gehört, erzähle ich Euch gleich hier: Ohne den Roman mit Jim Morrison “Uns verbrennt die Nacht” wäre meine Jugend unvollständig gewesen. Wobei mir nicht mehr so ganz klar ist, wie ich an das Buch gekommen bin. Von meinen Eltern werde ich es wohl kaum bekommen haben…

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Endspurt bei Blogger schenken Lesefreude 2013

Endspurt bei „Blogger schenken Lesefreude!“ Aus einer kleinen, privaten Idee wurde eine flächendeckende Gemeinschafts-Aktion der Blogger zum Welttag des Buches 2013. Wie kam es dazu? Am 29. Januar tauschten zwei Buch-Bloggerinnen, die sich noch nie gesehen hatten (und haben) ein paar PNs auf Facebook aus: Christina 19:29 am 29.Januar Huhu, sag mal dieses Jahr ist ja wieder Welttag des Buches (… ist wie Weihnachten das kommt auch jedes Jahr) Mir ist gerade in den Sinn gekommen ob man nicht „die Blogger“ aufrufen etwas gemeinsam an diesem Tag zu machen. Was genau weiß ich noch nicht. Meine erste Idee wäre, das jeder Blogger an seine Leser (oder Besucher) ein Buch verschenkt aus dem eigenen Regal um jemanden anderen „Lesefreude“ zu schenken. Was hältst du davon? Oder hast du andere Ideen? Dagmar 19:36  am 29.Januar Uff, danke für die rechtzeitige Erinnerung. Und ja, die Blogger sollten auf jeden Fall was machen. Bücher…

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Kurzbesprechung – Die digitale Gesellschaft – und was Goodreads damit zu tun hat

Ich wollte nur mal kurz dieses Buch besprechen Netzpolitik, Bürgerrechte, die Machtfrage und GoodReads „Die digitale Gesellschaft – Netzpolitik, Bürgerrechte und die Machtfrage“ von Markus Beckedahl und Falk Lüke ist eine grundsolide, sehr gut lesbare Zusammenfassung der aktuellen Diskussionen um Internet und Gesellschaft. Urheberrecht, Online-Petitionen, freier Netz-Zugang, Blogs und Online-Journalismus, LKW-Maut und Gesundheitskarte – es gibt so viele Bereiche in Demokratie und Gesellschaft, die durch das Internet und seine Möglichkeiten berührt und verändert werden. Wer sich selbst zutraut, stets auf dem neuesten Stand der Diskussionen zu sein, braucht dieses Buch nicht. Ich habe es gebraucht. Damit wollte ich die Kurzbesprechung eigentlich beenden. Die Meldung, dass Amazon Goodreads kauft, kam mir dazwischen.  Diese Übernahme bedeutet Marktführerschaft auf einem höheren Level; auf einem Level, das in der Vor-Internet-Zeit nicht möglich war. Jahrelang war koffeinhaltige Brause gleichbedeutend mit Cola. Damit konnte ich leben (und werde heute abend eine Afri-Cola trinken, da die Kneipe keine Fritz-Cola…

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Blogparade: Und was machen Sie so beruflich?

Und was machen Sie so beruflich? Oder warum eindeutige Berufsbezeichnungen auch nicht weiterhelfen. In den letzten 25 Jahren gab es bei mir auf die Frage „Und was machen Sie so beruflich?“ eine einfache, klare Antwort: Buchhändlerin. Darauf gab es, vereinfacht ausgedrückt, drei verschiedene Reaktionsmuster: Während ich jahrelang auf diese Frage eine einfache Antwort geben konnte, veränderte sich mein Beruf. Doch die Antwort blieb die gleiche. Die Warenwirtschaftssysteme wurden eingeführt und die Betriebswirtschaft wurde wichtiger. Die Buchhandlungen wurden größer, die Zentrale gewann an Bedeutung und Betriebswirtschaft fand nur noch dort statt. Das Internet kam und brachte den informierten Kunden mit. Die Ladenöffnungszeiten wurden länger und die Kolleg*innen weniger. Harry Potter erschien, Jugendbücher wurden cool und die Buchhandlung zum Familienzentrum mit Events und Lebensberatung. Der E-Reader machte die Buchhändlerin zur Technikerin und immer noch antwortete ich mit „Ich bin Buchhändlerin“. Wie wenig die Vorstellung meines Gesprächspartners von diesem Beruf mit meiner Realität…

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Besuch in Nürnberg – Neues Museum

Nürnberg Neues Museum GeschichtenAgentin Museumsbesuch

Endlich hatte ich mal wieder Gelegenheit, ein Museum zu besuchen, das ich noch nicht kannte: Das neue Museum in Nürnberg. Die Architektur ist nicht nur sehenswert, ich habe mich in den Räumen auch wohl gefühlt. Manches an der Raumwirkung hat mich an das Museum der bildenden Künste in Leipzig erinnert. Da ich ein großer Leipzig-Fan bin, ist das ein Riesen-Lob. Da wir eine ausstellungsfreie Phase erwischt haben, waren nur zwei Etagen geöffnet – das dann wiederum zum Schnäppchenpreis von einem Euro. Design-Ausstellungen in einem Museum finde ich immer schwierig, da ich so nur die Form bewundern kann, aber nicht die Funktion testen kann. Trotzdem bleibt mir der Raum über Komplot im Gedächtnis, da hier sehr schön gezeigt wird, wie aus einer Ebene eine Lampe wird: der Design-Klassiker Sinus. Highlight war für mich der Gerhard Richter Raum, in dem Bilder aus ganz verschiedenen Schaffensperioden hängen. Keine Abbildung in einem Buch wird…

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Martin Boroson – One Moment Meditation – Buch-Tipp

Das einzige, was „One Moment Meditation“ von Martin Boroson erschienen im Kamphausen Verlag mit anderen Meditationsbüchern gemeinsam hat, ist, das auch dieses Buch sich nicht von alleine meditiert. Jammern nützt nichts – selbst hinsetzen und üben ist angesagt. Aber damit hören auch schon alle Gemeinsamkeiten auf. Martin Boroson hat eine ganz eigene Meditationstechnik entwickelt, die ich als Achtsamkeitskonzentrat bezeichnen würde. Ob das nun noch echte Meditation ist oder nicht – darüber mögen sich bitte die Gelehrten streiten. Mich interessiert nur, ob es wirkt. Und es wirkt! Eine Minute genügt. Eine Minute ist nicht viel; eine Minute kann jeder erübrigen. Damit hebelt Martin Boroson schon mal eine der Lieblingsausreden aus: „Ich habe keine Zeit“ gilt nicht. Auch den anderen typischen Ausreden rückt er mit Charme, Sturheit und buddhistischer Gelassenheit auf den Leib. In meinem Fall blieb erst einmal nur eine Ausrede übrig: ich hatte keinen Wecker. Um die Basisminute der „One Moment…

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Blogger-Lebenslauf. Warum ich einen eigenen Buch-Blog haben wollte

In love with a blogger oder die Sache mit dem verlinken

Die Website Buchkarriere hat mich gefragt, wie ich eigentlich Buch-Bloggerin wurde. Das war meine Antwort: „Es gab mal eine Zeit, da hatten Buchhändler und Literaturkritiker die Deutungshoheit über Bücher. Was gibt es, was lohnt sich zu lesen, was ist gut und was nicht … wir Buchhändler gaben Auskunft und der Leser folgte uns. Dann kamen die Buch-Blogger und alles änderte sich. Auf einmal hatten die Kunden andere Informationsquellen. Erst dachte ich, sie meinten ihre Freundinnen wenn sie von Steffi, Ada oder Daniela sprachen. Als ich begriff, das die Informationen aus Blogs kommen, begann ich selbst Blogs zu lesen und stellte fest, das Bloggerinnen tatsächlich so etwas wie beste Freundinnen sind, die ganz überzeugend „Das musst Du gelesen haben!“ ausrufen. Ganz schnell wurde ich Fan und die Begeisterung der Blogger*innen floss in meine Verkaufsgespräche ein. Genauso hatte ich es mit den Leseerfahrungen meiner Freundinnen schon immer gehalten. Keine Buchhändlerin kann alles gelesen haben, was im…

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Donna Hay – Simple Dinners. Kochbuch-Tipp

Die meisten Kochbuch- Modewellen sind an mir vorübergegangen. Doch diesmal hat es mich und meine Küche voll erwischt: Donna Hay begeistert mich mit ihrer frischen, schnellen und spannend gewürzten Küche und hat meinen Speiseplan seit einigen Monaten fest im Griff. Vor 25 Jahren gab es in meiner Küche mal eine Paul-Bocuse-Phase. Das alte Heyne-Taschenbuch „Paul Bocuse: Die neue Küche. Die Rezepte des Königs der Köche“ haben wir immer noch. Mittlerweile sieht es richtig übel aus – schuld war eine Küche ohne Dunstabzug. Wirklich alltagstauglich war Bocuse nicht, Susi Piroués „Die echte französische Küche“ war da schon besser zum Nachkochen geeignet. Auf die Haute-Cuisine-Phase folgte die Länderküchen-Phase. Die indische Küche begeisterte uns am meisten. Eine Woche ohne Kardamom, Kurkuma und Curry ist eine schlechte Woche. Während dann Starköche in Mode kamen griffen wir zu den Standard-Werken. „Kochen, die große Schule“ aus dem Zabert-Sandmann Verlag und die beiden großen Teubner-Handbücher „Küchenpraxis“ und „Kochschule“ waren in…

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