Wie leben? Wie wohnen? Wie arbeiten? Zukunftsbilder im Hack Museum

Im Hack Museum war ich nun schon lange nicht mehr, was nicht daran liegt, dass es für eine Mannheimerin wie mich auf der falschen Rheinseite liegt. Ehrlich! Für eine gute Ausstellung fahre ich sogar nach Ludwigshafen. Allein, es gab schon lange keine Ausstellung mehr, die mich gelockt hätte. Aber jetzt: Wie leben? Zukunftsbilder von Malewitsch bis Fujimoto Wie wollen wir leben? Wie wollen wir wohnen? Wie wollen wir arbeiten? Welche Gedanken haben sich Künstler dazu gemacht? Das ist ein Ausstellungsthema, das perfekt zu Ludwigshafen passt. Diese Stadt leidet noch heute unter den Folgen städtebaulicher Visionen vergangener Zeiten: marode Hochstraßen, verödete Fußgängerzonen und einem Bahnhof, bei dem das Umsteigen vom Regional- in den Fernverkehr zum Wanderevent mutiert. (Immerhin wurde in Ludwigshafen 1902 der Pfälzerwald-Verein gegründet.) Was noch möglich gewesen wäre Mit etwas mehr Mut oder einem größeren Budget oder mit etwas weniger Sponsoring durch die BASF hätte man genau das zum wichtigen Neben-Thema der Ausstellung machen…

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Kein Steinzeit-Disneyland: Zu Besuch in Lascaux II

T-Shirt Lascaux

Ich war skeptisch. Die Originalhöhle von Lascaux musste geschlossen werden, weil die vielen Besucher den prähistorischen Zeichnungen geschadet haben. Deswegen wurde die Höhle von Lascaux eins zu eins nachgebaut. Aus Beton. Was das dann wohl sein mag – ein Steinzeit-Disneyland? Eine Betonwüste? Doch die Umschreibung „Nachbau aus Beton“ führt in die Irre. Lascaux fühlt sich sehr lebendig an. Das hat meines Erachtens zwei Gründe: die ungeheure Genauigkeit des Nachbaus und die Art und Weise, wie die Bilder an die Wand gebracht wurden. In Lascaux wurde nicht einfach eine Höhle aus Spritzbeton hingestellt. Vielmehr wurde die Originalhöhle millimetergenau vermessen und nachmodelliert. Der enge Durchgang zwischen den beiden Höhlenkammern ist auch in Lascaux II ein sehr enger Durchgang. Lediglich der Boden ist ein stolperfreier Turnhallenboden, das ist aber auch das einzige Zugeständnis an moderne Bequemlichkeitsbedürfnisse. Graffiti mit Röhrenknochen – Künstler in der Steinzeit Die Bilder wurden auch nicht mit einer modernen Projektionstechnik an die Wand gebracht. Ganz im Gegenteil:…

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Saline Arc et Senans – Museumsbesuch

Museum Saline Arc et Senans

Pragmatisches Prestigeobjekt, gebaut von einem Architekten, der viel lieber Visionen als Paläste und Industrieanlagen verwirklicht hätte – das ist mein Eindruck von der Saline Arc et Senans, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt. Es heißt, dass die französische Aristokratie sich damals, 1774, über die Architektur echauffierte. 140 Säulen für eine Produktionsstätte? Unerhört, denn Säulen gehören nur an Kirchen und Paläste. Der Architekt Claude-Nicolas Ledoux musste Paläste bauen, denn dafür bekam er Aufträge. Seine nicht verwirklichten Entwürfe in dem kleinen Museum innerhalb der Saline Arc et Senans zeigen wohl das, was er am liebsten gebaut hätte: die perfekte Stadt. Die Saline liegt irgendwo zwischen diesen Polen. Vielleicht habe ich das aber auch alles ganz falsch verstanden, denn das Museum macht es einem nicht wirklich einfach. Es ist kein technisches Museum zur Salzgewinnung, kein Freilichtmuseum, das zeigt, wie damals gelebt und gearbeitet wurde. Es ist auch kein Architekturmuseum und kein Wirtschaftsmuseum. Es ist von allem ein wenig und dazu…

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Jüdisches Museum in Worms – Museumstipp

Synagoge Worms im Frühling

Synagoge, Mikwe und jüdisches Museum – all das kann man in Worms ganz entspannt an einem Vormittag besichtigen. Und es lohnt sich! Die Synagoge wurde 1174, zeitgleich mit dem romanischen Dom in Worms, erbaut; das Ritualbad, die Mikwe, wurde 1185 erbaut. 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt und in den Folgejahren komplett verwüstet. 1961 entschlossen sich Stadt und Bürger, die Synagoge unter Verwendung der wenigen noch existierenden Original-Bauteile wieder aufzubauen. Eine jüdische Gemeinde existiert in Worms allerdings bis heute noch nicht wieder. Neben der besonderen Geschichte der Synagoge hat mich bei meinem Museumsbesuch das Ritualbad und seine Atmosphäre beeindruckt. Das Jüdische Museum besteht aus drei kleinen Räumen mit einer wohl durchdachten Sammlung. Im ersten Raum wird etwas zur Geschichte der Juden in Worms und zu den SchUM-Städten erzählt, die seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe sind. SchUM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen Namen der drei Städte zusammen und ist der Begriff, den die Juden selbst für ihre…

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Jugendstilmuseum in Nancy

Eintritsskarten Jugendstilmuseum Nancy

Die Villa an sich ist schon einen Besuch wert – das Jugendstilmuseum um so mehr. Musée de l’École de Nancy lautet der korrekte Name des Museums, denn es  geht  in der Sammlung nicht um den Jugendstil an sich, sondern ganz konkret um die Schule von Nancy. Nancy war damals eine aufstrebende Industrieregion und einige Architekten, Designer und Kunsthandwerker hatten den Ehrgeiz, Nancy und Lothringen neben Paris zu einem zweiten Zentrum des Art Nouveau zu machen. Für eine kurze Zeit ist ihnen das sehr eindrucksvoll gelungen – ihre Spuren sind heute noch in Nancy im Stadtbild deutlich erkennbar. Zum Glück überdauerte nicht nur die Jugendstil-Architektur, auch komplette Zimmereinrichtungen konnten gerettet werden. So entsteht ein Gesamteindruck; Visionen, Hoffnungen und Wünsche werden sichtbar. Eines ist das Jugendstilmuseum in Nancy jedoch nicht: ein Freilichtmuseum, das vorführt, wie man zur Zeit des Jugendstils gelebt hat. Das, was in den einzelnen Räumen gezeigt wird, entspricht nicht der ursprünglichen Nutzung des Hauses. So wurde das…

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Alles so schön bunt hier: German Pop

German Pop - Ausstellung in der Schirn in Frankfurt Eingangsbereich

Alles so schön bunt hier: das erste, was der Besucher in der Ausstellung „German Pop“ zu sehen bekommt, ist eine Wand mit bunten Neon-Schriftzügen. Ein guter Start, denn diese Installation von Ferdinand Kriwet vereint beide Seiten der deutschen Variante der Pop-Art: das poppig banale mit der Gesellschaftskritik; German Pop und Kapitalistischer Realismus. Insgesamt empfand ich die Ausstellung als sehr kompakt. Sie hinterließ bei mir den Eindruck, eine 45-Minuten-Doku im Fernsehen gesehen zu haben: schöne Bilder, zu wenig Informationen, kaum Ansatzpunkte zur Vertiefung. Für mich hat sich die Museumsbesuch aus zwei Gründen dann doch gelohnt. Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke und Klaus Staeck, bei denen ich bisher ihr Lebenswerk betrachtet habe, wurden in einem bestimmten Jahrzehnt mit einer bestimmten Schaffensperiode verankert. Das erschafft Zusammenhänge, die mir vorher so nicht bekannt waren. Eine breitere Bildauswahl wäre hier jedoch wünschenswert gewesen. Der zweite Grund, warum sich der Besuch der Ausstellung „German Pop“ für mich gelohnt hat, ist, dass ich…

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Manet Cézanne Van Gogh – aus aller Welt zu Gast in der Kunsthalle Mannheim

Zum Glück habe ich es doch noch in die Ausstellung „Manet Cézanne Van Gogh – aus aller Welt zu Gast“ in der Kunsthalle in Mannheim geschafft, die nur noch bis zum 18. Januar 2015 gezeigt wird. Ich hätte sonst wirklich etwas verpasst! Es ist eine kleine, feine Ausstellung, die Bilder aus dem Bestand der Mannheimer Kunsthalle Leihgaben aus großen Museen gegenüber stellt. Das klingt jetzt erst einmal sperrig, ist aber eine hochspannende Schule des Sehens. Mittelpunkt der Ausstellung ist natürlich „Die Erschießung des Kaisers Maximilian von Mexiko“ von Édouard Manet. Auch diesmal habe ich mir das Recht des Laien herausgenommen und dieses Juwel der Mannheimer Sammlung weitesgehend ignoriert. Umso länger habe ich mich in den letzten beiden Räumen aufgehalten, was aber auch daran lag, dass man vor lauter Besuchern am Dreikönigstag kaum einen Blick auf die Pfingstrosen von Renoir und die Blumen von Van Gogh, die dem rein gelben „Yellow Painting“ gegenüber gestellt wurden, erhaschen konnte. Das kam…

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Naturkundemuseum Kassel #nkm3d

Naturkundemuseum Kassel Octopus in der Ausstellung #nkm3d

HUCH – wer will mir denn da die Handtasche ausräumen? Noch nicht mal mehr im Museum ist man sicher – unerhört! Wenn schon am Eröffnungstag der Ausstellung im Naturkundemuseum Kassel solche Geschichten passieren – wo soll das alles hinführen? Wo das im Laufe der nächsten Monate hinführt kann man tagesaktuell auf Instagram, Twitter und Facebook unter dem Hashtag #nkm3d – NaturKundeMuseum3D – beobachten. Ich bin gespannt auf die Ideen und Bilder! In dieser Ausstellung ist nämlich nicht nur Fotografieren erwünscht sondern auch der intensive Einsatz von Smartphones. Diese gemalten 3D-Tiere möchte raus aus dem Museum, raus in dieses Neuland – da helfe ich doch gerne beim auswildern! Ob das ganze nun wirklich etwas mit Kassel und seiner Naturgeschichte zu tun hat war mir, als Besucherin aus Mannheim, reichlich egal. Ich hatte meinen Spaß – das war mir wichtiger. Und ich glaube, dass sahen die meisten der herumsausenden Kinder genauso.Sie fanden die begehbaren Bilder einfach toll und ließen…

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Kunsthalle Schweinfurt – Expressiver Realismus im Hallenbad

Eintrittskarte Kunsthalle Schweinfurt expressiver Realismus

Schweinfurt ist eine Stadt, die nicht gerade auf meinen üblichen Reiserouten liegt. Daher war klar: wenn ich mal halbwegs dort in der Nähe vorbeikomme, werde ich anhalten und ins Museum gehen. Doch nicht das bekannte „Museum Georg Schäfer“ war mein Ziel und schon gar nicht die Spitzweg-Ausstellung, die zu diesem Zeitpunkt lief. Mein Ziel waren die knatschgelben Türen der Kunsthalle Schweinfurt, hinter denen ich eine für mich neue Kunstrichtung entdeckte: Expressiver Realismus. Expressionismus ist klar, Realismus auch. Aber was bitte ist Expressiver Realismus und wieso hatte ich bis dahin nichts davon gehört? Die Maler des Expressiven Realismus sind eine „Lost Generation“. Noch bevor sie Erfolg haben konnten wurden sie als „entartet“ bezeichnet. Ihre Künstlerkarriere wurde unterbrochen, wenn nicht sogar beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach dem Krieg wendete sich die Öffentlichkeit anderen Kunstströmungen zu. Erst in den 1980er Jahren wurden die Maler des Expressiven Realismus wiederentdeckt. Museumsmitarbeiter und Kunsthistoriker mögen mir bitte diese saloppe Formulierung verzeihen…

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Herzblut – Ausstellung und Tweetup im Technoseum Mannheim

Herzblut Sonderausstellung im Technoseum

Nachts im Museum. Aber nicht alleine, sondern in Begleitung von 10 Menschen, die gerne twittern, instagrammen und bloggen – das sogar während einer Museumsführung. Das nennt sich Tweetup und genau dazu hat das Technoseum in Mannheim anlässlich der Ausstellungseröffnung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“ eingeladen. Die Ausstellung zeigt Medizintechnik vom 16. Jahrhundert bis heute – das beginnt etwas abstrakt bei der Säfte-Lehre und endet ganz greifbar beim japanischen Pflegeroboter Paro. Ein Großteil der Ausstellungsobjekte stammen aus dem Archiv des Museums – unvorstellbar, was da noch alles lagert. Zweieinhalb Jahre dauert es, eine solch umfassende Sonderausstellung vorzubereiten. Ich bewundere die Kunst, aus der Vielzahl der möglichen Ausstellungsobjekte genau die passenden auszusuchen! Nachts im Museum Geschichte der Medizintechnik – das kann unter Umständen recht gruselig sein. Daher habe ich zuerst einen kurzen Moment gezögert, ob ich mir die neue Ausstellung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“ im Technoseum in Mannheim wirklich anschauen möchte. Doch wie gruselig die Ausstellung wird…

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Gärtner-Museum: Leben anno 1900

Die sehenswerte und gut erhaltene Altstadt Bambergs hätte alleine wohl nicht für die Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe genügt. Doch Bamberg besitzt mit seinem Stadtteil Gartenstadt einen ganz besonderen Schatz: eine einmalige innerstädtische Kulturlandschaft voller Gartenflächen – Obst- und Gemüseanbau mitten in der Stadt. Das Gärtner-Museum befindet sich in einem typischen Bamberger Gärtnerhaus von 1767: ein paar kleine Zimmer, ein Stall und ein schmaler, langer Garten hinter dem Haus. Angebaut wurden dort Obst und Gemüse, Süßholz, Blumen und Kräuter; gehandelt wurde über Bamberg hinaus mit Früchten, Gemüse, Heilkräutern und Sämereien. Das Museum zeigt Original-Werkzeug und Alltagsgegenstände und macht damit das Leben der Gärtner und Häcker greifbarer. Der Garten ist Teil des Museums. Dort werden die typischen Pflanzen von damals angebaut. Für Gärtner von heute kommt das fast einer garten-archäologischen Entdeckungsreise gleich: ich glaube nur wenige hätten das Spezialwerkzeug zum Schwarzwurzel ernten auf Anhieb richtig benannt. Um 1900 kam die Gärtner-Familie, der das Haus ursprünglich gehörte, zu wirtschaftlichen Wohlstand. Das Anwesen…

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ZKM – Museumsbesuch auf der Baustelle

Museumsbesuch ZKM 2014

Ganz Karlsruhe ist eine Baustelle. Das ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe – macht da keine Ausnahme. Ich war trotzdem dort. Zum Glück. Nur das Erdgeschoss ist derzeit zugänglich – wobei die Zugänglichkeit auch in spannenden Umwegen bestehen kann. Macht nichts, denn die Mitarbeiter des Museums sind auskunftsfreudig und helfen auch verirrten Besuchern zurück auf den richtigen Weg – also auf den Weg, für den die Eintrittskarte gilt. Derzeit laufen zwei große Ausstellungen. „Jean-Jacques Lebel: Die höchste Kunst ist der Aufstand“ ist vom ersten bis zum letzten Objekt beeindruckend. Einen Eindruck vermittelt ein Artikel bei Kultur-Online.net – aber die Wucht und Energie der Kunstwerke vermitteln die Fotos nicht. Eine ganz eigene Entdeckung innerhalb der Lebel-Ausstellung waren für mich die Bilder von Erró – diesen Maler werde ich weiterverfolgen. Die zweite Ausstellung „Beuys Brock Vostell“ war für mich ein erneuter Versuch, mich dem Phänomen Beuys anzunähern. Großartig aufgebaut, klasse erklärt, wunderbar in den Kontext…

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