Andreas Séché – Zeit der Zikaden – Rezension

Wir müssen über den Schluss reden. Wirklich! „Zeit der Zikaden“ von Andreas Séché hat einen einzigartigen Schluss. Ein Paukenschlag voll leiser Töne.  Eine solche Formulierung ist unmöglich und genau so endet der Roman. Unmöglich großartig. Mein Leserinnen-Herz fieberte mit dem Helden mit und meine Lese-Erfahrung beruhigte mich, das Andreas Séché seinen Selim schon nicht vereinsamt sterben lassen wird. Doch die Wendung, die die Geschichte nimmt, übertrifft alle meine Lese-Erwartungen und lässt mich verblüfft zurück. Dann müssen wir noch über Musik reden. Zumindestens meint der Verlag das und erweckt den Anschein, als wäre „Zeit der Zikaden“ ein Buch über klassische Musik. Das ist nicht falsch, aber zu kurz gegriffen. Es geht darum, wie Kunst Emotionen wecken kann und welche Kraft Menschen daraus schöpfen können. Das kann klassische Musik, aber auch die Poesie und die Architektur können das. Auch diese Künste spielen in dem Buch eine wichtige Rolle und deswegen gefällt mir diese…

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Christian Rätsch – Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen – Rezension

Wie schmeckt eigentlich gegrillter Papagei? Die Frage geht mir seit der Lektüre von Christian Rätschs Autobiographie „Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ nicht mehr aus dem Kopf. Bevor sich jetzt wütende Veganer auf mich stürzen, möchte ich betonen, dass ich nicht vorhabe, den Papagei in der Nachbarschaft mit Pfeil und Bogen zu erschießen, um ihn am offenen Feuer zu grillen. In „Vom Forscher, der auszog, das Zaubern zu lernen“ beschreibt Christian Rätsch, wie er mit den Lakandonen, bei denen er ein Jahr lebt, auf Papageienjagd geht. Die Aufregung der Jagd und seine Vorfreude auf das leckere Papageienfleisch sind greifbar, regelrecht spürbar. All das Fremde des Lebens mit einem Maya-Volk wurde für mich in dieser Passage in einem magischen Lesemoment zusammengefasst. Die zweite Schlüsselszene verbindet für mich die fast nicht mehr greifbare europäische magische Tradition mit der, zumindestens damals noch, lebendigen, magischen Maya-Tradition.Ein Lakandone, der sich den Fuß verknackst…

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Andreas Séché – Zwitschernde Fische – Rezension

Doch bevor ich erzähle, wie es dazu kam, erzähle ich etwas über das Buch „Zwitschernde Fische“ von Andreas Séché – denn das finde ich wichtiger als mein ganz persönliches Leseverhalten. Ehrlich. Für mich ist „Zwitschernde Fische“ vor allen Dingen eine Liebesgeschichte – die Liebe zu den Büchern, zur Literatur, zu den Märchen, zu Buchhandlungen und natürlich die Liebe des Helden zu Lio, der geheimnisvollen Buchhändlerin. Dann ist „Zwitschernde Fische“ eine Abenteuergeschichte. Wie könnte es anders sein, wenn Sir Arthur Conan Doyle und die griechischen Götter eine wichtige Rolle spielen. Dazu ist „Zwitschernde Fische“ auch noch ein charmantes, wohltuendes, intelligentes Büchlein voller schöner Sätze. So wie dieser Satz hier: Zwar darf man, wenn man ein Buch kauft, deshalb auch nicht gleich die Liebe der Buchhändlerin erwarten. Wenn man sich aber in eine Buchhändlerin verliebt, bekommt man, wenn alles gut geht, auch die Bücher dazu. Und warum hat „Zwitschernde Fische“ mein Leseverhalten verändert? Dieses Buch kam auf einem ganz eigenen Weg zu mir. Ich hatte in dem…

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Georg Schweisfurth – Bewusst anders – Rezension

In seinen schlechten Momenten ist „Bewusst anders – Erfahrungen eines Öko-Pioniers“ von Georg Schweisfurth ein erweiterter beruflicher Lebenslauf. Da muss der Leser durch. Belohnung für dieses klein bisschen Lese-Ausdauer gibt es reichlich, denn in seinen guten Momenten ist „Bewusst anders – Erfahrungen eines Öko-Pioniers“ inspirierend, bereichernd, motivierend. Und die guten Momente überwiegen! Autobiografien funktionieren für mich dann am besten, wenn ich als Leserin eine persönliche Beziehung zum Autoren aufstellen kann. Über Georg Schweisfurth wusste ich vor meiner Lektüre nichts. Der Familienname Schweisfurth sagte mir etwas, genauso wie die Herrmannsdorfer Landwerkstätten. Welche Projekte noch alles im Umfeld der Familie Schweisfurth entstanden waren und das Georg Schweisfurth einer der Gründer der Bio-Supermarktkette Basic ist, bei der ich selbst gelegentlich einkaufe, war mir nicht bewusst. Warum habe ich eigentlich zu dem Buch gegriffen? Das lag wohl an dem Titel: „Bewusst anders“ – ein sehr schönes Lebensmotto. Mich hat die Lebensgeschichte von Georg Schweisfurth immer…

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Richard Harland – Worldshaker – Rezension

Virtuos, beeindruckend und durch und durch ein Jugendbuch: Richard Harlands „Worldshaker“ Worldshaker ist ein Buch, dem ich wünsche, in den Kanon der Jugendbuch-Klassiker aufgenommen zu werden. Richard Harland erzählt spannend und virtuos und verwebt viele Ebenen, die alle in der Welt und den Erfahrungen Jugendlicher verwurzelt sind. Wer bin ich? Wie will ich leben? Wie funktioniert die Welt?Genau diese Fragen stellt sich der Held Colbert Porpentine erst einmal nicht. Er ist der Enkel des Oberbefehlshabers der Worldshaker und sein Nachfolger. Eines Tages wird Colbert der wichtigste Mann nach Königin Victoria sein. Er wird die Route des Juggernauten bestimmen, auf der dieses riesige Land-Luftschiff-Dampfer-Gefährt die Handelsstützpunkte anfährt und dabei versucht, schneller zu sein als die französische und deutsche Konkurrenz. Er wird dafür sorgen, dass die Dreckigen, die Arbeiter dieser abgeschlossenen Welt, zu Höchstleistungen angetrieben werden. Vor allen Dingen wird er stets loyal sein zum Königspaar, den Großeltern und seiner Familie –…

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Martin Boroson – One Moment Meditation – Buch-Tipp

Das einzige, was „One Moment Meditation“ von Martin Boroson erschienen im Kamphausen Verlag mit anderen Meditationsbüchern gemeinsam hat, ist, das auch dieses Buch sich nicht von alleine meditiert. Jammern nützt nichts – selbst hinsetzen und üben ist angesagt. Aber damit hören auch schon alle Gemeinsamkeiten auf. Martin Boroson hat eine ganz eigene Meditationstechnik entwickelt, die ich als Achtsamkeitskonzentrat bezeichnen würde. Ob das nun noch echte Meditation ist oder nicht – darüber mögen sich bitte die Gelehrten streiten. Mich interessiert nur, ob es wirkt. Und es wirkt! Eine Minute genügt. Eine Minute ist nicht viel; eine Minute kann jeder erübrigen. Damit hebelt Martin Boroson schon mal eine der Lieblingsausreden aus: „Ich habe keine Zeit“ gilt nicht. Auch den anderen typischen Ausreden rückt er mit Charme, Sturheit und buddhistischer Gelassenheit auf den Leib. In meinem Fall blieb erst einmal nur eine Ausrede übrig: ich hatte keinen Wecker. Um die Basisminute der „One Moment…

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Donna Hay – Simple Dinners. Kochbuch-Tipp

Die meisten Kochbuch- Modewellen sind an mir vorübergegangen. Doch diesmal hat es mich und meine Küche voll erwischt: Donna Hay begeistert mich mit ihrer frischen, schnellen und spannend gewürzten Küche und hat meinen Speiseplan seit einigen Monaten fest im Griff. Vor 25 Jahren gab es in meiner Küche mal eine Paul-Bocuse-Phase. Das alte Heyne-Taschenbuch „Paul Bocuse: Die neue Küche. Die Rezepte des Königs der Köche“ haben wir immer noch. Mittlerweile sieht es richtig übel aus – schuld war eine Küche ohne Dunstabzug. Wirklich alltagstauglich war Bocuse nicht, Susi Piroués „Die echte französische Küche“ war da schon besser zum Nachkochen geeignet. Auf die Haute-Cuisine-Phase folgte die Länderküchen-Phase. Die indische Küche begeisterte uns am meisten. Eine Woche ohne Kardamom, Kurkuma und Curry ist eine schlechte Woche. Während dann Starköche in Mode kamen griffen wir zu den Standard-Werken. „Kochen, die große Schule“ aus dem Zabert-Sandmann Verlag und die beiden großen Teubner-Handbücher „Küchenpraxis“ und „Kochschule“ waren in…

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Das Achtsamkeits-Übungsbuch für Beruf und Alltag – Rezension

Wenn ich gehe, gehe ich.  Wenn ich esse, esse ich.  Wenn ich blogge, blogge ich. Schön wärs.  Ausatmen, Salzstangen zur Seite schieben, Social Media schließen, To-Do-Liste für morgen aus dem Blickfeld räumen, denn „Das Achtsamkeits-Übungsbuch für Beruf und Alltag“ hat meine volle Aufmerksamkeit verdient.Mehr Lebensqualität durch Entschleunigung verspricht der Ratgeber von Halko Weiss, Michael E. Harrer und Thomas Dietz aus dem Hause Klett-Cotta. Dies ist kein Wellness-Buch, kein Seelenstreichler, kein Buddha-leicht-gemacht für den Westler. „Das Achtsamkeits-Übungsbuch“ ist ein fundierter psychologischer Ratgeber. Die geballte Therapeuten-Erfahrung hilft, Achtsamkeit in den Alltag zu integrieren. Die Übungen sind machbar. Zwei (!) CDs helfen beim Training.Ja, ich meine wirklich Training – dieses Buch macht Arbeit. Erst einmal. Und dann bringt es Leichtigkeit im Alltag und damit mehr Raum für mehr Training. Achtsamkeit üben bedeutet lebenslanges Üben. Klingt schlimmer als es ist, denn Achtsamkeit üben bedeutet auch lebenslange Erfolgserlebnisse.Allerdings erfordert das Buch eine gewisse Bereitschaft, sich auf…

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Günter Faltin – Kopf schlägt Kapital – Rezension

„Kopf schlägt Kapital“ motiviert mich sofort loszulegen und mein eigenes Handelsprojekt zu starten – das kann der Autor Günter Faltin richtig, richtig gut.Einen Ratgeber in Buchform zu verfassen, kann er allerdings nicht so gut. Eine Aneinanderreihung von Kurzvorträgen ergibt leider kein schlüssiges Buchkonzept. So ist redundant noch ein nette Umschreibung. Oder ist es Absicht, weil der Autor davon ausgeht, dass angehende Manager nicht die Zeit haben, ein Buch komplett zu lesen? Für alle eiligen und oder unwilligen Leser mag es eine gute Nachricht sein, dass bei „Kopf schlägt Kapital“ drei beliebige Kapitel genügen, um die Kernaussagen zu erfassen. Ich fand die Wiederholungen und die Beschränkung auf die Kernaussage „Unternehmensgründung aus Komponenten lässt Raum für die richtig gute Idee und allein die ist entscheidend“ ermüdend. Warum habe ich den Ratgeber zur Unternehmensgründung dann doch ganz gelesen? Weil Günter Faltin hervorragend motivieren kann. Frisch, direkt und schwungvoll lenkt er den Blick weg von den Problemen hin zu den Möglichkeiten. Weg…

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Wie Erwachsene entdecken können, wie Kinder die Welt entdecken – Weltwissen der Siebenjährigen – Rezension

„Wie Kinder die Welt entdecken können“ – so lautet der Untertitel von Donata Elschenbroichs Buch „Weltwissen der Siebenjährigen“. Mir ging es bei der Lektüre vor vielen Jahren jedoch darum, wie ich als Erwachsene die Sicht der Kinder auf die Welt entdecken könnte. Und da hat mir dieses Buch wirklich die Augen geöffnet … Doch der Reihe nach. Damals wollte ich mal wieder etwas ganz genau wissen. Wie sehen Kinder die Kinderbuchabteilung, in der ich arbeite? Wie sehen sie die Bücher? Was interessiert sie? Und warum? Wie treffen sie ihre (Kauf)Entscheidungen? Und wie kann ich als Buchhändlerin ein Kind beraten? Auslöser war damals, dass ein paar mal zu oft ein Beratungsgespräch damit endete, dass das Kind die Klappentexte las und dann nach dem Cover auswählte … das ging gegen meine Berufs-Ehre. „Weltwissen der Siebenjährigen“ war für mich eines der wichtigsten Bücher – vorsicht, Pathos – es hat meinen Blick auf meine Kinderbuchabteilung…

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Permakultur für alle – Das Gartenbuch, das dazu führte, dass ich keine Gartenbücher mehr kaufe

Das Buch „Permakultur für alle“von Sepp und Margit Brunner kam 2007 zu mir.2007 hatte ich den Garten, den ich nie gesucht habe und der mich gefunden hat, seit 5 Jahren. So vieles war dort schon geschehen – Bäume gefällt, Beete verändert, Terrasse gebaut. Vieles hatte ich schon gelernt, vor allen Dingen Gärtner-Demut und Gärtner-Fachwissen.Meine Bibliothek an Gartenbücher war schon recht umfangreich, aber noch ein Buch mehr kann nicht schaden, oder?Als Naturgarten-Fan wollte ich mehr über Permakultur wissen, auch wenn die Hauptzielrichtung der Permakultur der Nutzgarten ist. An einem Nutzgarten war und bin ich nicht interessiert, denn dazu muss der Gärtner mit viel größerer Regelmäßigkeit, als ich sie aufbringen kann, sich um seinen Garten kümmern. Wenn wir etwas ernten können, freuen wir uns und wenn nicht – nun, Mangold ist auch eine wunderschöne Zierpflanze. Und die Vögel brauchen die Kirschen dringender als wir. Aber was für den Gemüseanbau gilt, gilt auch…

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