Saline Arc et Senans – Museumsbesuch

Museum Saline Arc et Senans

Pragmatisches Prestigeobjekt, gebaut von einem Architekten, der viel lieber Visionen als Paläste und Industrieanlagen verwirklicht hätte – das ist mein Eindruck von der Saline Arc et Senans, die zum UNESCO Weltkulturerbe zählt.

Es heißt, dass die französische Aristokratie sich damals, 1774, über die Architektur echauffierte. 140 Säulen für eine Produktionsstätte? Unerhört, denn Säulen gehören nur an Kirchen und Paläste. Der Architekt Claude-Nicolas Ledoux musste Paläste bauen, denn dafür bekam er Aufträge. Seine nicht verwirklichten Entwürfe in dem kleinen Museum innerhalb der Saline Arc et Senans zeigen wohl das, was er am liebsten gebaut hätte: die perfekte Stadt. Die Saline liegt irgendwo zwischen diesen Polen.

Vielleicht habe ich das aber auch alles ganz falsch verstanden, denn das Museum macht es einem nicht wirklich einfach. Es ist kein technisches Museum zur Salzgewinnung, kein Freilichtmuseum, das zeigt, wie damals gelebt und gearbeitet wurde. Es ist auch kein Architekturmuseum und kein Wirtschaftsmuseum. Es ist von allem ein wenig und dazu noch ein Hotel, ein Kongresszentrum und ein Garten. Doch trotz des sichtbar vorhanden Nutzungskonzepts für die gesamte Anlage ist die Saline Arc et Senans vor allen Dingen Architektur. Viel Architektur.

Beeindruckend ist das allemal – nur das Museum überzeugte mich nicht und den Eintritt von 8,80€ pro Erwachsenen (Stand 2015) fand ich nicht angemessen für das, was mir an Informationen geboten wurde.

Möglicherweise habe ich aber auch nicht alle Informationsmöglichkeiten entdeckt – auf der Webseite finde ich einen Hinweis auf einen deutschen Audioguide. Der wurde mir aber an der Museumskasse nicht angeboten. Angeblich gibt es auch ein deutschsprachiges Informationsblatt an der Kasse – das habe ich beim Besuch nicht erhalten. Ich wurde nur auf Informationstafeln in den Museumsräumen hingewiesen. Die gab es aber nur in wenigen Räumen und waren sehr seltsam übersetzt. Ich weiß nun, dass ich Salzfässern, die zu einem Tafelservice gehören, Respekt erweisen muss.

Touristische Informationen zur „Saline d’Arc et Senans“ findet Ihr hier auf der Webseite. Sie richtet sich wie so viele französische Tourismus-Online-Auftritte nur an Franzosen und ist mobil fast nicht zu bedienen.

Ein Beitrag auf Arte hatte mich auf die Königliche Saline Arc et Senans aufmerksam gemacht – in diesem Fall war der Beitrag für mich informativer als der Besuch vor Ort.


 Ein Museumsbesuch, der mich mehr begeistert hat: Boom – Industriekultur in Sachsen

 

Jüdisches Museum in Worms – Museumstipp

Synagoge Worms im Frühling
Synagoge beim Jüdischen Museum in Worms

Synagoge, Mikwe und jüdisches Museum – all das kann man in Worms ganz entspannt an einem Vormittag besichtigen.

Und es lohnt sich!

Die Synagoge wurde 1174, zeitgleich mit dem romanischen Dom in Worms, erbaut; das Ritualbad, die Mikwe, wurde 1185 erbaut. 1938 wurde die Synagoge niedergebrannt und in den Folgejahren komplett verwüstet.

1961 entschlossen sich Stadt und Bürger, die Synagoge unter Verwendung der wenigen noch existierenden Original-Bauteile wieder aufzubauen. Eine jüdische Gemeinde existiert in Worms allerdings bis heute noch nicht wieder.

Neben der besonderen Geschichte der Synagoge hat mich bei meinem Museumsbesuch das Ritualbad und seine Atmosphäre beeindruckt.

Das Jüdische Museum besteht aus drei kleinen Räumen mit einer wohl durchdachten Sammlung. Im ersten Raum wird etwas zur Geschichte der Juden in Worms und zu den SchUM-Städten erzählt, die seit 2012 UNESCO-Weltkulturerbe sind.

SchUM setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der mittelalterlichen, hebräischen Namen der drei Städte zusammen und ist der Begriff, den die Juden selbst für ihre Heimat verwendeten:

  • Schin (Sch) für Schpira, Speyer
  • Waw (U) für Warmaisa , Worms
  • Mem (M) für Magenza, Mainz

Die Ausstellung im Keller hat mich am meisten interessiert. Anhand der jüdischen Feste und Feiertage und der dazugehörigen Ritualgegenstände wird hier der jüdische Glauben erläutert. Dafür genügen dem Museum wenige, klug ausgewählte Ausstellungsobjekte.

Im letzten Raum wird der obligatorische Museumsfilm gezeigt, der mich wie immer nicht interessiert hat. Diese Form der Museumspädagogik geht einfach komplett an mir vorbei.

Zum Heiligen Sand, dem jüdischen Friedhof in Worms, habe ich es an diesem Tag leider nicht mehr geschafft. Den habe ich mir für den nächsten Besuch vorgemerkt.

Informationen zum Museum:

Jüdische Museum im Raschi-Haus
Hintere Judengasse 6
67547 Worms

Das Museum liegt etwas versteckt hinter der Synagoge. 

Der Eintritt für Erwachsene betrug im Frühjahr 2015 1,80€ und für Jugendliche 80 Cent.

Jüdisches Museum in der Nibelungenstadt Worms – die Webseite.

Mikwe und Synagoge in Worms – die Webseite


Mit diesem Buch könnt ihr die jüdische Lyrikerin Gertrud Kolmar entdecken: Alles ist seltsam in der Welt

Jugendstilmuseum in Nancy

Eintritsskarten Jugendstilmuseum Nancy

Die Villa an sich ist schon einen Besuch wert – das Jugendstilmuseum um so mehr. Musée de l’École de Nancy lautet der korrekte Name des Museums, denn es  geht  in der Sammlung nicht um den Jugendstil an sich, sondern ganz konkret um die Schule von Nancy.

Nancy war damals eine aufstrebende Industrieregion und einige Architekten, Designer und Kunsthandwerker hatten den Ehrgeiz, Nancy und Lothringen neben Paris zu einem zweiten Zentrum des Art Nouveau zu machen. Für eine kurze Zeit ist ihnen das sehr eindrucksvoll gelungen – ihre Spuren sind heute noch in Nancy im Stadtbild deutlich erkennbar.

Zum Glück überdauerte nicht nur die Jugendstil-Architektur, auch komplette Zimmereinrichtungen konnten gerettet werden. So entsteht ein Gesamteindruck; Visionen, Hoffnungen und Wünsche werden sichtbar.

Eines ist das Jugendstilmuseum in Nancy jedoch nicht: ein Freilichtmuseum, das vorführt, wie man zur Zeit des Jugendstils gelebt hat. Das, was in den einzelnen Räumen gezeigt wird, entspricht nicht der ursprünglichen Nutzung des Hauses. So wurde das Masson-Esszimmer zum Beispiel an die neuen Raum-Maße angepasst, die Proportionen stimmen nicht mehr so ganz. Der Pracht und der Einzigartigkeit schadet das jedoch nicht.

Gerade in diesem wunderbar erhaltenen, komplett durchgestalteten Esszimmer kam bei mir die Frage auf: hätte ich hier Tag für Tag essen wollen, den Tisch voll krümeln und die Tischdecke mit Sauce bekleckern? Hätte ich so leben wollen, in einer komplett durchkonzipierten Umgebung? Oder haben diese Räume im echten Leben – mit Kinderspielzeug, abgelegten Kleidungsstücken und anderer Unordnung – sowieso ganz anders gewirkt? Eine kurze Zeitreise in die Vergangenheit wäre verlockend!

Es gibt ein paar Objekte – insbesondere Vasen, Lampen und Ziermöbel – im Jugendstilmuseum, die mich kurz zweifeln ließen, ob dieser Beitrag in der Rubrik Kunst richtig eingeordnet ist. Schlechter Geschmack ist definitv keine Erfindung der Neuzeit und der Unterschied zwischen Kunsthandwerk und Kunst ist manchmal offensichtlich. Aber gerade das sorgt für einen Gesamteindruck und macht das Museum so sehenswert.

Informationen zum Museum:

Jugendstilmuseum – École de Nancy
Musée de l’École de Nancy
36-38, rue du Sergent-Blandan
54000 Nancy

Webseite des Jugendstilmuseums


Als Reiseführer empfehle ich Euch „Lothringen entdecken“. Einen guten Einstieg in das Thema bietet der Schnellkurs Jugendstil.

Alles so schön bunt hier: German Pop

German Pop - Ausstellung in der Schirn in Frankfurt Eingangsbereich

Alles so schön bunt hier: das erste, was der Besucher in der Ausstellung „German Pop“ zu sehen bekommt, ist eine Wand mit bunten Neon-Schriftzügen.

Ein guter Start, denn diese Installation von Ferdinand Kriwet vereint beide Seiten der deutschen Variante der Pop-Art: das poppig banale mit der Gesellschaftskritik; German Pop und Kapitalistischer Realismus.

Insgesamt empfand ich die Ausstellung als sehr kompakt. Sie hinterließ bei mir den Eindruck, eine 45-Minuten-Doku im Fernsehen gesehen zu haben: schöne Bilder, zu wenig Informationen, kaum Ansatzpunkte zur Vertiefung.

Für mich hat sich die Museumsbesuch aus zwei Gründen dann doch gelohnt. Künstler wie Gerhard Richter, Sigmar Polke und Klaus Staeck, bei denen ich bisher ihr Lebenswerk betrachtet habe, wurden in einem bestimmten Jahrzehnt mit einer bestimmten Schaffensperiode verankert. Das erschafft Zusammenhänge, die mir vorher so nicht bekannt waren. Eine breitere Bildauswahl wäre hier jedoch wünschenswert gewesen.

Der zweite Grund, warum sich der Besuch der Ausstellung „German Pop“ für mich gelohnt hat, ist, dass ich auch diesmal wieder neue Künstler entdecken konnte: Bettina von Armin und Christa Dichgans. Insbesondere letztere verstört mit ihren perfekt gemalten Stilleben voller Plastikspielzeug auch heute noch. Im Video erfahrt ihr mehr.

Wäre ich jedoch nur wegen dieser Ausstellung nach Frankfurt gefahren, wäre ich enttäuscht gewesen. Zu wenig Bilder, zu wenig Zusatzinformationen – was für ein Gegensatz zu der Ausstellung „Beuys Brock Vostell“ im ZKM, die mich mit ihrer Fülle an Informationen geradezu erschlagen hat!

Hier findet ihr Infos zur Ausstellung „German Pop“ in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 8. Februar 2014.

 

Manet Cézanne Van Gogh – aus aller Welt zu Gast in der Kunsthalle Mannheim

Manet Cezanne van Gogh Kunsthalle Mannheim
Der Januar-Wind war dem Bild nicht gewogen

Zum Glück habe ich es doch noch in die Ausstellung „Manet Cézanne Van Gogh – aus aller Welt zu Gast“ in der Kunsthalle in Mannheim geschafft, die nur noch bis zum 18. Januar 2015 gezeigt wird. Ich hätte sonst wirklich etwas verpasst!

Es ist eine kleine, feine Ausstellung, die Bilder aus dem Bestand der Mannheimer Kunsthalle Leihgaben aus großen Museen gegenüber stellt. Das klingt jetzt erst einmal sperrig, ist aber eine hochspannende Schule des Sehens.

Mittelpunkt der Ausstellung ist natürlich „Die Erschießung des Kaisers Maximilian von Mexiko“ von Édouard Manet. Auch diesmal habe ich mir das Recht des Laien herausgenommen und dieses Juwel der Mannheimer Sammlung weitesgehend ignoriert.

Umso länger habe ich mich in den letzten beiden Räumen aufgehalten, was aber auch daran lag, dass man vor lauter Besuchern am Dreikönigstag kaum einen Blick auf die Pfingstrosen von Renoir und die Blumen von Van Gogh, die dem rein gelben „Yellow Painting“ gegenüber gestellt wurden, erhaschen konnte. Das kam nicht unerwartet, war aber trotzdem schade, da das Ausstellungskonzept am besten funktioniert, wenn es einem gelingt, mindestens zwei Bilder gleichzeitig zu sehen.

Der nächste Raum entschädigte mich für das Gedränge: die Op-Art Josef Albers, der Impressionismus des Alfred Sisley und ein pixeliges Bild von Ellsworth Kelly vereint an einer Wand. So wird sichtbar, wie der Impressionismus die abstrakte Malerei vorbereitet. Das kann ich nicht beschreiben, dass muss man gesehen haben.

Der letzte Ausstellungsraum war für die drei Bilder definitiv zu klein. Es war kaum möglich, einen passenden Seh-Abstand zu Cézannes „Raucher mit aufgestützem Arm“ zu bekommen. Doch für das Seherlebnis, dieses Bild im Zusammenspiel mit einer Komposition von Piet Mondrian zu betrachten, nehme ich auch das gerne in Kauf. Auch diese beiden Bilder hätte ich für mich nie in einen Zusammenhang gebracht, aber ja, die Art wie Cézanne sein Bild in Farbflächen aufteilt …

Genau diese neuen Blickwinkel und Zusammenhänge machten diesen Museumsbesuch für mich spannend und ich bin jetzt sehr optimistisch, dass die Mannheimer Kunsthalle nun wieder an ihre alte Tradition der „Kunstvermittlung für alle“ anknüpfen wird.

Gerade das, was mir an der Ausstellung so gut gefallen hat, kam jedoch beim Redakteur der RNZ überhaupt nicht gut an:

Der Versuch allerdings, mit Bildern von Piet Mondrian, Ellsworth Kelly und Josef Albers einen Diskurs über Kontinuität, Parallelen und Inspirationseinflüsse zu etablieren, ist beliebig und hat mit dieser grandiosen Ausstellung nichts zu tun.
Quelle RNZ online

Ohne diesen Diskurs wäre für mich die Ausstellung lediglich eine langweilige Aneinanderreihung berühmter Bilder gewesen; dann wäre es eine Ausstellung für Menschen, denen es wichtig ist, jedes Bild von Manet, Cézanne oder van Gogh einmal in echt gesehen zu haben.

Dann wäre es keine Ausstellung für mich.


Informationen zur Ausstellung in der Mannheimer Kunsthalle:

Manet  Cézanne  Van Gogh – aus aller Welt zu Gast
26.09. 2014 – 18.01. 2015


 Ich gehe einfach leidenschaftlich gerne ins Museum – hier meine Blogbeiträge dazu!

 

Naturkundemuseum Kassel #nkm3d

Naturkundemuseum Kassel Octopus in der Ausstellung #nkm3d
Huch! Tentakeln weg! #nkm3D

HUCH – wer will mir denn da die Handtasche ausräumen? Noch nicht mal mehr im Museum ist man sicher – unerhört!

Wenn schon am Eröffnungstag der Ausstellung im Naturkundemuseum Kassel solche Geschichten passieren – wo soll das alles hinführen?

Wo das im Laufe der nächsten Monate hinführt kann man tagesaktuell auf Instagram, Twitter und Facebook unter dem Hashtag #nkm3d – NaturKundeMuseum3D – beobachten.

Ich bin gespannt auf die Ideen und Bilder!

In dieser Ausstellung ist nämlich nicht nur Fotografieren erwünscht sondern auch der intensive Einsatz von Smartphones. Diese gemalten 3D-Tiere möchte raus aus dem Museum, raus in dieses Neuland – da helfe ich doch gerne beim auswildern!

3D Elefantenbild im Naturkundemuseum Kassel #nkm3D
Ätsch, mich machst Du nicht nass! #nkm3D

Ob das ganze nun wirklich etwas mit Kassel und seiner Naturgeschichte zu tun hat war mir, als Besucherin aus Mannheim, reichlich egal.

Ich hatte meinen Spaß – das war mir wichtiger.

Und ich glaube, dass sahen die meisten der herumsausenden Kinder genauso.Sie fanden die begehbaren Bilder einfach toll und ließen sich nur mit etwas Geduld oder Durchsetzungsvermögen dazu überreden, wenigstens einen Moment lang für ein Foto stillzuhalten. Mein Fotograf hatte es da einfacher mit mir!


Infos zur Ausstellung:

Naturkundemuseum Kassel im Ottoneum

Kassels Naturgeschichte 3D
… und Sie sind mittendrin!

Sonderausstellung bis September 2015

Pro-Tipp: Einige der Bilder sind begehbar, dafür müssen aber Schuhe ausgezogen werden. Also am besten darauf achten, dass die Socken keine Löcher haben! 😉


Ich gehe sehr, sehr gerne ins Museum – ihr auch? Dann klickt Euch doch mal durch meine Museums-Berichte!

Kunsthalle Schweinfurt – Expressiver Realismus im Hallenbad

Eintrittskarte Kunsthalle Schweinfurt expressiver Realismus
Expressiver Realismus in der Kunsthalle Schweinfurt

Schweinfurt ist eine Stadt, die nicht gerade auf meinen üblichen Reiserouten liegt. Daher war klar: wenn ich mal halbwegs dort in der Nähe vorbeikomme, werde ich anhalten und ins Museum gehen.

Doch nicht das bekannte „Museum Georg Schäfer“ war mein Ziel und schon gar nicht die Spitzweg-Ausstellung, die zu diesem Zeitpunkt lief.

Mein Ziel waren die knatschgelben Türen der Kunsthalle Schweinfurt, hinter denen ich eine für mich neue Kunstrichtung entdeckte: Expressiver Realismus.

Expressionismus ist klar, Realismus auch. Aber was bitte ist Expressiver Realismus und wieso hatte ich bis dahin nichts davon gehört?

Die Maler des Expressiven Realismus sind eine „Lost Generation“. Noch bevor sie Erfolg haben konnten wurden sie als „entartet“ bezeichnet. Ihre Künstlerkarriere wurde unterbrochen, wenn nicht sogar beendet, bevor sie richtig begonnen hatte. Nach dem Krieg wendete sich die Öffentlichkeit anderen Kunstströmungen zu. Erst in den 1980er Jahren wurden die Maler des Expressiven Realismus wiederentdeckt.

Museumsmitarbeiter und Kunsthistoriker mögen mir bitte diese saloppe Formulierung verzeihen und sich auf das darin enthaltene Lob konzentrieren: mit den beiden Dauerausstellungen „Expressiver Realismus
Sammlung Joseph Hierling“ und „Wegmarken – Deutsche Kunst nach 1945“ bietet die Kunsthalle Schweinfurt Besuchern die Möglichkeit, die Vielfalt und die inneren Zusammenhänge der deutschen Kunst nach 1945 zu entdecken ohne dass dabei die Gefahr besteht, von großen Namen abgelenkt zu werden.

Damit bekommt die Schweinfurter Kunsthalle, die sich in einem 1933 eröffneten Hallenbad befindet, einen Ehrenplatz auf meiner Liste der kleinen, feinen Museen in Deutschland!


Informationen zum Museum:

Kunsthalle Schweinfurt
im ehemaligen Ernst-Sachs-Bad
Rüfferstraße 4


Ohne Museen, ohne mich – meine Empfehlungen findet ihr hier auf meinem Buch-Blog

Herzblut – Ausstellung und Tweetup im Technoseum Mannheim

Herzblut Sonderausstellung im Technoseum
Nachts im Technoseum in Mannheim

Nachts im Museum. Aber nicht alleine, sondern in Begleitung von 10 Menschen, die gerne twittern, instagrammen und bloggen – das sogar während einer Museumsführung.

Das nennt sich Tweetup und genau dazu hat das Technoseum in Mannheim anlässlich der Ausstellungseröffnung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“ eingeladen.

Die Ausstellung zeigt Medizintechnik vom 16. Jahrhundert bis heute – das beginnt etwas abstrakt bei der Säfte-Lehre und endet ganz greifbar beim japanischen Pflegeroboter Paro. Ein Großteil der Ausstellungsobjekte stammen aus dem Archiv des Museums – unvorstellbar, was da noch alles lagert. Zweieinhalb Jahre dauert es, eine solch umfassende Sonderausstellung vorzubereiten. Ich bewundere die Kunst, aus der Vielzahl der möglichen Ausstellungsobjekte genau die passenden auszusuchen!

Nachts im Museum

Geschichte der Medizintechnik – das kann unter Umständen recht gruselig sein. Daher habe ich zuerst einen kurzen Moment gezögert, ob ich mir die neue Ausstellung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“ im Technoseum in Mannheim wirklich anschauen möchte.

Doch wie gruselig die Ausstellung wird – das hat der Besucher selbst in der Hand. Natürlich kann man sich im zweiten Raum genau ausmalen, wie früher Amputationen mit der Säge durchgeführt wurden – angeblich schafften geübte Chirurgen das in zwei Minuten – aber man muss sich das nicht vorstellen.

Gleiches gilt für den blauen Heinrich, dieses hübsche kleine Glasgefäss, das dazu dient, den Husten-Auswurf bei Tuberkulose aufzufangen. Im blauen Glas fällt die Farbe des Auswurfs nicht so auf … nein, auch das muss man sich nicht im Detail vorstellen.

Es gibt auch ganz harmlose und trotzdem hochinteressante Ausstellungsobjekte – ehrlich!

Kurz: ich habe meinen Mut nicht bereut und werde mir die Ausstellung gerne noch einmal genau, gründlich und ganz ohne Smartphone anschauen!

Technoseum in Mannheim – oder auch
„Landesmuseum für Technik und Arbeit“

Technoseum – so ganz kann ich mich noch nicht an den neuen Namen, der schon gar nicht mehr so neu ist, gewöhnen. Für mich ist es immer noch das „Landesmuseum für Technik und Arbeit“ – das Museum, das eröffnet wurde, als ich noch Schülerin war.

Ich habe es von Anfang an geliebt. Die Architektur! Die Tatsache, dass man erst mit den tollen Fahrstühlen ganz nach oben fahren musste, um sich dann durch die Geschichte nach unten durch zu arbeiten. Die vielen Ausprobier-Stationen! Schubladen zum Aufziehen mit weiteren Objekten!

Und die Videos – ja genau, die Bildschirme mit den kleinen Hockern davor und der seltsamen menschlichen Figur daneben. In der Schule kamen Lehrfilme damals noch auf der Filmrolle. Videos im Museum – das war sensationell.

Als Schülerin habe ich einen kompletten Sommerferientag alleine im Museum verbrachte, weil ich unbedingt einmal alle Filme in voller Länge sehen wollte. Ich glaube, ich habe das auch genau so bis zur letzten Video-Station durchgezogen …

Damals war ich wegen der Videos im Museum – diesmal wegen meines ersten #Tweetup. Passt perfekt!

Hier findet ihr die komplette Zusammenfassung des Tweetups im Technoseum zur Ausstellungseröffnung „Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik“ mit vielen Bildern und hier den Blogbeitrag des Technoseums. (Beides nicht mehr online)

Informationen zur Ausstellung:

Herzblut – Geschichte und Zukunft der Medizintechnik
5. November 2014 bis zum 7. Juni 2015
täglich 9 bis 17 Uhr

Für den Besuch der Sonderausstellung alleine solltet Ihr mindestens eine gute Stunde einplanen – zwei Stunden sind realistischer.


Im Technoseum war ich häufiger – meine Berichte zu weiteren Sonderausstellungen:

Auch in diesem Beitrag spielt das Technoseum Mannheim eine Rolle:

Neil Young – ein Hippie träumt von der perfekten Modell-Eisenbahn

Autobiografie Neil Young

Neil Young eröffnet seine autobiographischen Fragmente mit Überlegungen und Schwärmereien zu seiner Lionel Modelleisenbahn. Das ist, gelinde gesagt, ein unerwarteter Einstieg in das Buch eines Rockstars.

Überhaupt ist so einiges überraschend an seinen Erinnerungen, die munter zwischen den Jahrzehnten und Themen hin und her springen und doch völlig in der Gegenwart und seiner Person verwurzelt sind.

Ja, man erfährt einiges über seine Musik, seine Weggefährten. Und ja, es gibt Anekdoten am Rande der Legalität. „Ein Hippie-Traum“ ist definitiv das Buch eines Rockstars. Doch es ist noch viel mehr.

weiterlesen

Sanspareil – ein Landschaftsgarten im Wald

Sanspareil - Weg im Felsengarten

Es gibt Orte, denen steht der Herbstnebel richtig gut. Der Felsengarten Sanspareil ist ein solcher Ort.

Bei meinem letzten Besuch schien die Sonne. Das erzeugte zwar ein wunderschönes Licht zwischen den Buchen, aber diesmal, bei Herbstnebel und Laubgeraschel, verzauberte mich der eigensinnige Landschaftsgarten noch mehr.

Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth, die legendäre Schwester Friedrichs des Großen, ließ den Garten ab 1744 anlegen.

Inspiriert wurde sie dabei von dem französischen Roman „Die Abenteuer des Telemach“, der die Grundprinzipien des vorbildlichen Herrschertums vermitteln soll. Zumindestens war das das Ziel des Autors François de Salignac de La Mothe-Fénelon, der dieses Werk für den Enkel von Ludwig XIV. schrieb.

Sanspareil – Bildungsreise mit Telemach, Mentor und Kalypso

So suchen wir also gemeinsam mit Telemach auf der Zauberinsel der Nymphe Kalypso seinen Vater Odysseus. Wir klettern durch Vulkanhöhlen, Sybillen- und Dianengrotten und begegnen Pan. Im Naturtheater träumen wir von weiteren Abenteuern und kehren geläutert und gebildet zum Ausgangspunkt zurück.

Sanspareil Naturtheater
Das Naturtheater in Sanspareil
Sanspareil Naturtheater detail

Sanspareil – Reiseziel für Book-Nerds

Ein Garten, der nach einem Buch gestaltet wurde: hiermit ernenne ich Sanspareil zum Pflicht-Reiseziel für alle Buch-Blogger!

Die Frage, wieviele der moralischen Prinzipien nun wirklich in dem Garten wiederzufinden sind, überlasse ich gerne den Gelehrten. Mit seinen gewundenen Wegen, bemoosten Felsen, Höhlen, Felsennischen und romantischen Verstecken erscheint mir der Garten eher wie ein Paradies für Verliebte, Spielkinder und Heimlichtuer.

Zu gerne würde ich einen Blick durch die Zeiten zurück werfen um zu erfahren, wie eigentlich die Hofdamen mit ihren üppigen Roben sich durch den Garten bewegt haben. Oder ließen sie sich die Treppe zum Belvedere hinauftragen? Angeblich geht der Name „Sanspareil“ auf eine Hofdame zurück, die den Ort im feinsten Hof-Französisch als „ohnegleichen“ bezeichnete. Der Fürst war angetan – ob von ihr oder dem Ausruf sei dahingestellt – und benannte gleich das ganze Dorf um.

Sanspareil ist ein zauberhafter Ort, der, obwohl er die meisten seiner Bauten eingebüßt hat, auch heute noch die Phantasie anregt.

Wir sind von dort aus zum Staffelberg weitergefahren, dem Hausberg Frankens, der einst eine keltische Stadt beheimatete, und ich habe den Eindruck, dass ich beides nicht zum letzten Mal besucht habe!


Infos zum Felsengarten Sanspareil:

Für den Besuch des Garten braucht man eine knappe Stunde. Festes Schuhwerk ist empfohlen. Sanspareil ist ein perfektes Ziel für einen Familienausflug. Die Hauptwege sind für Kinderwägen geeignet; die Nischen, Felsen und Grotten natürlich nicht. Kinder lieben die vielen Kletter- und Versteck-Möglichkeiten, die die Gartenanlage bietet. Der Garten selbst kostet keinen Eintritt, für den Maurischen Bau und die Burg Zwernitz wird Eintritt erhoben. Einkehren kann man im Schlosscafé, das im ehemaligen Küchenbau untergebracht ist. Mehr Infos auf der Website.

Außerdem kann die spätromanische Burg Zwernitz, die ebenfalls ab 1740 umgestaltet wurde, besichtigt werden.

Eine Wanderroute durch Sanspareil stellt Bergwelten vor. Eine Geschichte des Landschaftgartens Sanspareil findet Ihr bei der Bayerischen Schlösserverwaltung.

Felsengarten Sanspareil
Burg Zwernitz

Sanspareil 34
96197 Wonsees


GeschichtenAgentin auf Reisen – zum Beispiel in Franken

Gärtner-Museum: Leben anno 1900

Im Garten des Gärtner-Museums
Im Museumsgarten

Die sehenswerte und gut erhaltene Altstadt Bambergs hätte alleine wohl nicht für die Ernennung zum UNESCO Weltkulturerbe genügt. Doch Bamberg besitzt mit seinem Stadtteil Gartenstadt einen ganz besonderen Schatz: eine einmalige innerstädtische Kulturlandschaft voller Gartenflächen – Obst- und Gemüseanbau mitten in der Stadt.

Das Gärtner-Museum befindet sich in einem typischen Bamberger Gärtnerhaus von 1767: ein paar kleine Zimmer, ein Stall und ein schmaler, langer Garten hinter dem Haus.

Angebaut wurden dort Obst und Gemüse, Süßholz, Blumen und Kräuter; gehandelt wurde über Bamberg hinaus mit Früchten, Gemüse, Heilkräutern und Sämereien.

Das Museum zeigt Original-Werkzeug und Alltagsgegenstände und macht damit das Leben der Gärtner und Häcker greifbarer. Der Garten ist Teil des Museums. Dort werden die typischen Pflanzen von damals angebaut. Für Gärtner von heute kommt das fast einer garten-archäologischen Entdeckungsreise gleich: ich glaube nur wenige hätten das Spezialwerkzeug zum Schwarzwurzel ernten auf Anhieb richtig benannt.

Um 1900 kam die Gärtner-Familie, der das Haus ursprünglich gehörte, zu wirtschaftlichen Wohlstand. Das Anwesen wurde umgebaut, die Zimmer wurden nobler. Genau dieser Zustand wird heute gezeigt. Eine solch aufwändige Schablonen-Malerei an Decke und Wände habe ich bisher in keinem Museum gesehen!

Korrekt heißt das Museum „Gärtner- und Häckermuseum“. Häcker ist der Bamberger Ausdruck für Winzer, die auf den kirchlichen Weinbergen arbeiteten. Im 19. Jahrhundert rentierte sich der Weinanbau jedoch nicht mehr und man sattelte auf Hopfen und Obst um.

Wer entweder am Leben um 1900 interessiert ist oder selbst gärtnert, wird – genau wie ich – seinen Spaß im Museum haben!

Museumsselfie Gärtner-Museum Bamberg
#Museumsselfie

 

Infos zum Gärtner-Museum:

Alle Infos zu Öffnungszeiten und Eintrittspreisen findet Ihr auf der Website des Museums. Es gibt einen empfehlenswerten Audio-Guide. Für den Museumsbesuch solltet ihr in etwa eine knappe Stunde einplanen und es ist definitiv für Kinder geeignet. Im Museum durfte bei meinem Besuch ohne Blitz fotografiert werden.

Gärtner- und Häckermuseum

Mittelstraße 34
96052 Bamberg


Hier findet ihr mehr Museumstipps auf meinem Buch-Blog. Dieses Museum ist ein Garten ist eine Insel ist Kunst: Hombroich

ZKM – Museumsbesuch auf der Baustelle

Museumsbesuch ZKM 2014

Ganz Karlsruhe ist eine Baustelle. Das ZKM – Zentrum für Kunst und Medientechnologie Karlsruhe – macht da keine Ausnahme.

Ich war trotzdem dort. Zum Glück.

Nur das Erdgeschoss ist derzeit zugänglich – wobei die Zugänglichkeit auch in spannenden Umwegen bestehen kann. Macht nichts, denn die Mitarbeiter des Museums sind auskunftsfreudig und helfen auch verirrten Besuchern zurück auf den richtigen Weg – also auf den Weg, für den die Eintrittskarte gilt.

Derzeit laufen zwei große Ausstellungen.

„Jean-Jacques Lebel: Die höchste Kunst ist der Aufstand“ ist vom ersten bis zum letzten Objekt beeindruckend. Einen Eindruck vermittelt ein Artikel bei Kultur-Online.net – aber die Wucht und Energie der Kunstwerke vermitteln die Fotos nicht. Eine ganz eigene Entdeckung innerhalb der Lebel-Ausstellung waren für mich die Bilder von Erró – diesen Maler werde ich weiterverfolgen.

Die zweite Ausstellung „Beuys Brock Vostell“ war für mich ein erneuter Versuch, mich dem Phänomen Beuys anzunähern. Großartig aufgebaut, klasse erklärt, wunderbar in den Kontext der Zeitgeschichte gesetzt – doch für mich ging es aus wie immer. Die Botschaft höre ich wohl, allein es mangelt mir an Glauben. Der Zugang zu den Werken von Bazon Brock und Wolf Vostell fiel mir deutlich leichter.

Diese Ausstellung bietet erschlagend viel Material – Texte, Objekte, Filme, Tondokumente – so dass ich einen zweiten Besuch in Erwägung ziehe.

Ganz ehrlich: danach war mein Kulturbeutel mehr als voll; eine weitere Aufnahme von Bildern und Ideen war mir nicht mehr möglich. Es war also doch nicht schlimm, dass „nur“ das Erdgeschoss des Museums zugänglich war.

Ein Alternativprogramm war schnell gefunden: Das Wetter war schön und ein kleiner Bummel über die Erbprinzenstraße ist immer nett!

Zum Glück hat das ZKM, das dieses Jahr seinen 25. Geburtstag feiert, einen neuen Webauftritt. Auf der alten Seite ist es mir kaum gelungen herauszufinden, welche Ausstellungsräume im Moment zugänglich sind und welche Ausstellungen dort gerade laufen. Und schon gar nicht konnte ich erkennen, wie großartig und hochkarätig die derzeitigen Ausstellungen sind!

Lasst Euch von den vielen Baustellen nicht schrecken – besucht das ZKM trotzdem und jetzt erst recht!


Infos zum Museum:

Das ZKM wurde 1989 gegründet. Seit 1997 befindet es sich im denkmalgeschützten Gebäude einer ehemaligen Munitionsfabrik, der Industriewerke Karlsruhe-Augsburg IWKA. Neben Malerei, Fotografie und Skulptur bietet das Museum vor allen Dingen Raum für Film, Video, Medienkunst, Musik, Tanz, Theater und Performance. Und für Computerspiele.

Alle Informationen zu den Öffnungszeiten und dem geplanten Fortschritt der Bauarbeiten findet ihr hier. Bei meinem Museumsbesuch durfte ohne Blitz fotografiert werden. Ein Parkhaus gibt es direkt unter dem Museum.


Lust auf noch mehr Museumsbesuche? Hier findet ihr meine Beiträge.


Auch die Kunsthalle Mannheim war mal Baustelle. Darüber habe ich hier geschrieben: