Talus – Die Hexen von Edinburgh

Liza Grimm - Talus Band 1. Die Hexen von Edinburgh

Zu allererst: Liza Grimm kann schreiben. Dieses Buch ist einfach handwerklich gut. Das beginnt bei den abwechslungsreichen Satzlängen und hört bei den guten, realistischen Dialogen noch lange nicht auf. Dann dieser Weltenbau der Hexen, Geister und Tarot, eine Welt voller Magie und das tatsächliche Edinburgh ganz locker miteinander verknüpft. Der lässige Mix an Genre-Elementen von Horror bis hin zu diversen Fantasy-Subgenre gelingt ihr großartig.

Allerdings hat sie mich mit der Prise Young Adult manchmal verloren. Mich interessiert es einfach nicht, wer wem gerade warum schöne Augen macht und wer von wem mit einem unausgesprochenen Halbsatz missverstanden wurde.

Um so mehr gewonnen hat mich Liza Grimm mit dem Schluss des ersten Bands ihrer Talus-Trilogie. Das berührt auf herzerwärmende Art die großen Fragen des Lebens: Was bin ich bereit, für eine bessere Welt zu leisten? Und was ist wirklich mein größter Herzenswunsch – und was meine größte Angst?

Doch am meisten fasziniert hat sie mich mit den feinen Verknüpfungen, die vom magischen Denken, das viele Kinder und manche Erwachsene haben, zu einer magischen Welt führt, die ihre Magie gerade zu verlieren scheint.

Mag ich sehr – könnte auf die Liste der Buch-Serien kommen, die ich vielleicht weiter lesen werde (was bei mir nicht so selbstverständlich ist – mehr dazu hier).


Infos zum Buch:

Liza Grimm

Talus
Die Hexen von Edinburgh

Droemer Knaur


Hier findet ihr mehr Fantasy-Buchtipps auf meinem Blog. Wie wäre es zum Beispiel mit dem absoluten Geheimrezept für erfolgreiche Fantasy-Schmöker?

Steampunk satt: Die Abenteuer von Sarah Goldberg und Archibald Leach

Ab und an muss es einfach eine fette Ladung Steampunk sein. »Archibald Leach und die Monstrositäten des Marquis de Mortemarte » von Markus Cremer hat alles, um diesen Lesehunger zu stillen. Aberwitzige Erfindungen, Magie und Okkultismus. Ein genial-verrücktes Ermittler-Pärchen, ein schurkischer Bösewicht, Geheimgesellschaften und eine eigensinnige Königin Viktoria als Nebenfigur. Einen kritischen Blick auf die viktorianische Gesellschaft, den Kolonialismus und die Sklaverei. Ein grandioses Finale, auf das James Bond garantiert neidisch wäre. Dazu jede Menge Anspielungen auf Literatur und Film, von denen ich sicherlich nur einen Bruchteil entschlüsselt habe.

In fast jedem der meist kurzen Kapitel knallt und raucht es. Das erzeugt eine atemlose Atmosphäre. Dabei ist der episoden-artige Eindruck gar nicht gerechtfertigt, den Archibald Leach und Sarah Goldberg entwickeln sich stärker weiter, als ich anfangs erwartet habe. Gerade die Entwicklung der Charaktere hat mich mit etwas anderem versöhnt. Der »male gaze« ist stark in dem Buch. Das mag zum viktorianischen Zeitalter passen, wird mir aber zu wenig kommentiert. In der Darstellung der Frauenfiguren ist für mich noch Luft nach oben – mal sehen, wie es im zweiten Band »Archibald Leach und die Machenschaften der Mama Legba« weitergehen wird! Dieses Zitat gegen Ende des Romans macht Hoffnung:

In jedem Leben kommt aber der Zeitpunkt, wo es für das persönliche Glück notwendig ist, die guten Sitten über Bord zu werfen.

Sarah Goldberg auf S. 539

Infos zum Buch:

Markus Cremer

Archibald Leach und die Monstrositäten des Marquis de Mortemarte

Art Skript Phantastik Verlag

Ausführliche Rezensionen zu beiden Bänden findet ihr auf dem Blog Phantastisch Lesen


Auch in diesem Buch ist der male gaze stark, wird aber nicht aufgelöst: Spacemen of Bohemia


Mehr Steampunk auf meinem Buchblog: Worldshaker

Sommerwaldfunkeln

Jugendbuch Sommerwaldfunkeln von Antonia Katt

Ja, ich kann mich noch gut an die Zeit in meinem Leben erinnern, damals mit 13, 14 Jahren. Während die Erwachsenen sich große Mühe gaben, Zuversicht und Kompetenz auszustrahlen und mir zu zeigen, dass alles ganz einfach sei, wollte ich sie am liebsten anfauchen: Seht ihr denn nicht, dass die Welt wunderbar komplex und vielschichtig ist, ein Labyrinth voller Abenteuer, die es zu erleben gilt?

»Sommerwaldfunkeln« von Antonia Katt nimmt diesen jugendlichen Blick auf das Leben ernst. Es ist zauberhaft und realistisch, spannend und einfühlsam, tiefsinnig und voller Albernheiten – es ist alles außer eindimensional!

Das zeigt sich schon am Stadtwald des Provinz-Kaffs, in das Malin etwas überstürzt mit ihrer Mutter zieht. Der Wald ist Jogger-Strecke, Naherholungsgebiet und Hundeklo. Er ist aber auch der Abenteuerspielplatz für Kinder. Was nur wenige wissen: Er ist die Heimat der Anderen, magischer Wesen, die dort verborgen vor dem Blick der Menschen leben.

Nur einmal im Jahr öffnet sich ein Tor für einen ausgewählten Sommergast. Doch kaum was im Leben der Anderen geschieht ohne Eigennutz. Welche Pläne verfolgen sie mit Malin?

Ist »Sommerwaldfunkeln« nun ein Fantasy-Roman für Jugendliche? Das entscheiden allein die Leserinnen und Leser, da das Buch allen einen ganz eigenen Zugang anbietet. Es lässt sich als Fantasy-Geschichte mit sehr überraschenden Wendungen lesen. Oder als Outdoor-Abenteuerroman, denn ohne Pfadfinder-Grundkenntnisse verläuft man sich schnell im Wald. Als Außenseiter-Freundschaftsgeschichte, weil zunächst nur Flora bereit ist, sich mit Malin anzufreunden. Als Coming-of-Age-Erzählung über die Zeit im Leben, wenn die Eltern schwierig werden. Als Mystery-Thriller über ein dunkles Geheimnis, denn Malin hat etwas angestellt, was den plötzlichen Umzug ausgelöst hat. Als Parabel über das, was Generationen verbindet. Und Shakespeare schaut auch noch um die Ecke …

Doch keines der Handlungselemente beansprucht die Vorreiterrolle. Wohin der eigene Leseweg durch den Sommerwald führt, entscheidet jede*r für sich.

Mein Leseweg führte mich sehr tief in den Wald. »Sommerwaldfunkeln« war über Monate hinweg mein Genussbuch – das Buch, dass ich in ganz kleinen Häppchen lese. Wie gerne habe ich abends ein Kapitel gelesen, um dann mit Bildern des Waldes vor meinen Augen einzuschlafen! Ich habe alles getan, das Ende des Buches hinauszuzögern. Ich glaube, mein inneres Kind wollte den Sommerwald gar nicht mehr verlassen. Jetzt bin ich durch – und habe den Wald einfach mit in mein wunderbar komplexes Leben genommen.


Angaben zum Jugendbuch:

Antonia Katt

Sommerwaldfunkeln

Edition Pastorplatz

Rezension auf dem Blog Geschichtenwolke


An dieser Stelle empfehle ich euch immer Bücher, die gut dazu passen. Das ist in diesem Fall schwierig, denn die Anderen aus dem Sommerwald haben mir zu verstehen gegeben, dass sie mit nichts und niemanden verglichen werden wollen. Da ich Malins Abenteuer kenne, nehme ich das ernst. Stattdessen mache ich euch auf die Bilderbücher aus der Edition Pastorplatz aufmerksam – die sind nämlich genauso eigenständig und großartig.

Zum Beispiel dieses hier: Ballula Kugelfee


Ein paar Fantasy-Buchtipps habe ich natürlich auch noch für euch.
Einer davon enthält auch Spuren von Shakespeare (ups, jetzt habe ich es doch getan)

Was ich gerne schon mit 20 gelesen hätte: Anarchie Deco.

Anarchie Deco. Fantasy-Taschenbuch auf glitzerndem Untergrund.

Viele Jahre meines Leserinnen-Lebens habe ich mit Macho-Figuren wie dem Dunkelelfen verbracht. Abends, vor dem Einschlafen, hatte ich dann das dringende Bedürfnis, diese Geschichten umzudichten. Die Fantasy-Welten habe ich mit gescheiten, authentischen Frauen gefüllt und den Männern habe ich differenziertere Eigenschaften zugestanden, als deren Schöpfer das taten. Nur so konnte ich mich mit den Büchern wirklich wohl fühlen.

Wäre ich heute noch mal 20, ich müsste das nicht mehr machen. Ich könnte einfach in Fantasy-Welten eintauchen wie jene, die Judith und Christian Vogt erschaffen – und dort bleiben. Ohne etwas ändern zu müssen. Progressive Phantastik heißt das – und ich beginne süchtig zu werden.

„Anarchie Deco“ startet schon mal mit dem stärksten Buchbeginn, den ich in 2021 gelesen habe:

„Gott zaubert nicht!“ hatte Einstein gesagt. Das war der Grund, warum der angesehenste lebende Physiker heute nicht eingeladen war.

Es geht um Magie, die mit physikalischen Methoden ausgelöst werden kann. Wichtig dafür sind Gegensatzpaare wie Mann und Frau, Wissenschaft und Kunst. Doch dieser Magie passiert das, was jeder neuen Technik passiert: Während die Halbwelt ausprobiert, wie sich dadurch der Genuss steigern lässt, und die Intellektuellen diskutieren, ob sich damit die Menschheit befreien lässt, setzen Kriminelle die Entdeckung schon längst für ihre Verbrechen ein. Und die Wissenschaftler? Die forschen noch, derweil politische Gruppierungen bereits Verschwörungsmythen verbreiten, um ihre Interessen durchzusetzen.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt das Autoren-Duo J. C. Vogt einen Urban-Fantasy-Krimi, der genauso intelligent wie divers ist. Eine Vielzahl an sexuellen Identitäten, queere Lebensentwürfe, Migrationserfahrung, Feminismus, fehlende Chancengleichheit und Armut – alles ist im Leben der Protagonist*innen enthalten. Einfach genau so, wie es in meiner Realität auch ist.

Deswegen fühle ich mich von diesem Buch ernst genommen. Ich kann noch tiefer in die Geschichte eintauchen und sie viel intensiver miterleben. Wenn ich mir dann abends vor dem Einschlafen das Berlin im Jahr 1927 vorstelle, wie „Anarchie Deco“ es mir gezeigt hat, muss ich nichts mehr abändern. Ich kann mich einfach in das Setting, wie es ist, dazu träumen. Das hätte ich wirklich gerne schon mit Anfang 20 erlebt!


Infos zum Buch:

J. C. Vogt
Anarchie Deco

Fischer Tor


Mehr von J. C. Vogt auf meinem Blog:

Dystopische Fantasy: Zerrissene Erde

Zerrissene Erde von N. K. Jemisin. Buch vor einer MAuer aus Ziegeln.

Wenn es auf einem Kontinent alle paar Jahrhunderte die Erde zerreißt – Erdbeben und Vulkanausbrüchen, auf die Hungersnöte und Massenfluchten folgen – wie würde sich dort die Gesellschaft entwickeln? Welche Charaktereigenschaften braucht man, um Katastrophen zu überleben? Wie muss die Siedlungsstruktur sein, wie Landwirtschaft und Vorratshaltung?

Und wenn es dort, auf dieser zerrissenen Erde, Menschen geben würde, die mit mentalen Kräften Magma und Gestein beeinflussen können und so Naturkatastrophen abschwächen oder verhindern, aber auch auslösen können – welchen Staus hätten sie in dieser Gesellschaft?

Spoiler: Sie sind nicht die herrschende Klasse!

So könnte man das Ausgangsszenario des dystopischen Fantasy-Romans „Zerrissene Erde“ von N. K. Jemisin umschreiben. Eine bemerkenswert gründliche Rezension gibt auf dem Blog Teilzeithelden. In ihrem Fazit schreibt Heike Lindhold:

„Wer sich für zeitgenössische Phantastik interessiert, kommt um N. K. Jemisin nicht herum. In Zerrissene Erde erzählt die afroamerikanische Hugo-Preisträgerin von kulturellen Traumata, zwischenmenschlicher Grausamkeit und dem Ende der Welt, ohne dabei ins Düstere oder Pathetische abzugleiten.“

Teilzeithelden – Rezension: Die große Stille. Zerrissene Erde.

Das trifft es. Gekoppelt an die Geschichte einer Frau auf einem Rachefeldzug erzählt das Buch von einer Welt, die in Schönheit und Brutalität untergeht. Genau dann, als die Erde zerreißt, verfolgt Essun ihren Ehemann, der die gemeinsame Tochter entführt und den kleinen Sohn ermordet hat.

Obwohl „Zerrissene Erde“ ein Buch ist, das mit glaubwürdigen Charakteren und einem Weltenbau, der bis ins letzte Detail stimmig ist, überzeugt, muss man sich doch sehr bewusst auf diese Leseerfahrung einlassen.

Denn einfach macht es dieser Roman dem Leser zunächst nicht. Ein unbekannter Erzähler spricht die Protagonistin direkt an. Das liest sich ungewohnt. Bald springt die Handlung an einen anderen Ort zu einer anderen Frau. Drei werden es insgesamt und es dauerte lange, bis ich ahnte, wie all das zusammenhängen wird. Denn ich blieb beim Lesen dem Abenteuer verhaftet und weigerte mich, die großen Sinnfragen dahinter zu erkennen: Was muss geschehen, damit ein Mensch eine ganze Welt der Zerstörung preisgibt? Und wie muss eine Welt sein, damit es sich lohnt, sie vor der Vernichtung zu retten?


Angaben zum Buch:

N. K. Jemisin
Übersetzt von Susanne Gerold

Zerrissene Erde

Knaur Fantasy

Die Fantasy-Saga ist in folgender Reihenfolge erschienen:

  • »Zerrissene Erde«
  • »Brennender Fels«
  • »Steinerner Himmel«

Ein Fantasy-Roman, der gut dazu passt: Wasteland

Geheimrezept für Fantasy-Romane: Die Spiegelreisende

Ich, wie ich den Fantasy-Roman Die Spiegelreisende auf dem Kopf balanciere

Man nehme 500 Gramm gemischte Regency-Romane, einen soliden Brocken Fantasy-Weltenbau, eine Dosis High-Fantasy und eine geheime Familienzutat nach Wahl. All das jage man gründlich durch den Fleischwolf.

Die Masse würzt man mit einer Prise Hermine-Massala und etwas Georgette -Heyer-Pulver und forme daraus äußerst schmackhafte, nicht zu schwere Schmöker-Buletten.

Kurz: „Die Spiegelreisende – Die Verlobten des Winters“ von Christelle Dabos ist herrlich!

Aber das haben schon viele Buch-Bloggerinnen vor mir festgestellt. Hier eine Auswahl an Rezensionen:

  • Buchblog Tintenhain „Christelle Dabos gelingt es, ihre Welt ganz nebenbei durch die kritischen Augen der gutherzigen, unerfahrenen Ophelia zu vermitteln, ohne dabei mit Erklärungen und Details zu langweilen.“
  • Madame Klappentext „Ach und falls ein lebendiger Schal ein eigener Buchcharakter ist, muss ich natürlich auch Ophelias Wollschal erwähnen. Es ist zu drollig, wie er Emotionen ausdrücken kann.“
  • Bellas Wonderworld „Der Reihenauftakt „Die Verlobten des Winters“ konnte bei mir vor allen Dingen durch die fein gezeichneten Protagonisten punkten und wird durch einen faszinierenden Weltaufbau untermalt.“

Infos zur Fantasy-Serie Die Spiegelreisende:

  1. Die Verlobten des Winters
  2. Die Verschwundenen vom Mondscheinpalast
  3. Das Gedächtnis von Babel
  4. Im Sturm der Echos

Insel Verlag


Hier findet ihr mehr Fantasy-Tipps auf meinem Buch-Blog. Und das ist eine Auswahl an Fantasy-Büchern mit tollen Frauenfiguren:

Und natürlich Erdsee von Ursula le Guin:

Das Licht hinter den Wolken

Oliver Plaschka - Das Licht hinter den Wolken. Fantasy Roman. Aufgenommen im Garten neben einem Deko-Gargoyle.

Viel Spaß hatte ich in diesem Sommer mit Oliver Plaschkas „Das Licht hinter den Wolken“, ein High-Fantasy-Roman, der schon 2013 erschienen ist. Wie mir überhaupt in diesem Jahr mal wieder richtig bewusst wurde, dass ich bei Romanen bis an mein Lebensende lesen könnte, was jetzt schon lieferbar ist. Wir sitzen auf einem Buchschatz.

Kaum angefangen, schon schweife ich ab. Den Eindruck erweckt Oliver Plaschka manchmal auch. Aber ihr wisst ja: traue niemals einem Rollenspieler. Es gibt keine unnötigen Details, keine unnützen Charakterzüge und natürlich auch keine falschen Fährten. Niemals.

Für Leser:innen, die stets die Kontrolle behalten und immer wissen wollen, an welchem Punkt der Handlung sie sich gerade befinden, ist das nichts. Schon allein die geniale Verknüpfung von dem Anfang, der ein Ende und doch ein Beginn ist, wird sie auf die Palme bringen. Für Leserinnen wie mich, die gerne bereit sind, sich der Führung des Buches zu überlassen, ist „Das Licht hinter den Wolken“ ein großes Vergnügen und ein Sprachgenuss.

Wer also Lust hat auf einen komplex verschachtelten und doch kristallklaren Fantasy-Roman hat, dem sei das Buch ans Herz gelegt.

Infos zum Buch:

Oliver Plaschka
Das Licht hinter den Wolken
Lied des Zwei-Ringe-Lands

Illustriert von Karin Graf

Hobbit Presse

(Taschenbuch oder Hardcover)
Klett-Cotta Verlag


Rezension von Eva Bergschneider bei Phantastik-Couch

Hier findet ihr mehr Fantasy-Tipps auf meinem Blog – darunter auch einige Bücher von Oliver Plaschka:

Plötzlich Kaiser: Macht und Intrigen am Hof

Cover des Fantasy-Romans Der Winterkaiser von Katherine Addison

Ich habe ihn gefunden, den einen Fantasy-Roman, der (fast) ohne Brutalität, Gewalt und ganz ohne Schlachtengetümmel daher kommt: „Der Winterkaiser“ von Katherine Addison ähnelt einem Kammerspiel. Als bei einem Unglück der Kaiser und seine Thronfolger ums Leben kommen, findet sich Maia, der ungeliebte Sohn des Kaisers, auf einmal auf dem Thron wieder. Allerdings wuchs er in der Verbannung auf und hat weder Ahnung vom Leben am Hof noch von Politik und den Aufgaben eines Kaisers.

Aus diesem Setting entwickelt Katherine Addison einen hinterlistigen, stellenweise vergnüglichen Roman um einen jungen Mann, der versucht seinen Platz im Leben zu finden, und um Frauen, die zeigen wollen, dass sie mehr können als heiraten. An Tiefe gewinnt der Roman, weil Maia Sohn eines Elfenkönigs und einer Kobold-Prinzessin ist. Rassismus, Emanzipation und die Frage nach einer gerechten Gesellschaftsform sind Themen, die Katherine Addison geschickt in die Handlung einbindet, ohne sie groß in den Vordergrund zu stellen.

Das war genau das Richtige für den Start in meinen Lese-Urlaub! Hier bei „Papier und Tintenwelten“ findet ihr eine ausführliche Rezension mit mehr Infos zur Handlung.


Angaben zum Buch:

Katherine Addison
Übersetzt von Petra Huber

Der Winterkaiser

Fischer Tor


Entdeckt habe ich den Roman übrigens auf dieser Liste:

Die 100 besten Fantasy-Bücher aller Zeiten


Mehr Fantasy-Romane auf meinem Blog – dieser hier passt gut zum Winterkaiser:

Die Insel der besonderen Kinder. Oder: was ist ein leicht zu lesendes Buch?

Die Insel der besonderen Kinder. Taschenbuch vor Kellerwand, schaurig beleuchtet.

Wenn ich Rezensionen zu Fantasy-Büchern lese, wundere ich mich manchmal, was Leserinnen und Leser als „schwer zu lesen“ bezeichnen. Mal sind die Namen zu kompliziert, mal die Kapitel zu lang, mal gibt es zu viele Rückblenden oder Zeitsprünge. Diese Kritikpunkte können handwerkliche Mängel benennen. Doch fast immer sind es einfach nur stilistische Besonderheiten, die mich beim Lesen nicht ausbremsen würden.

Daran musste ich denken, als ich „Die Insel der besonderen Kinder“ las. Dieses Buch macht nämlich im Sinne dieser Rezensenten alles richtig. Es lässt sich verschlingen, in einem Rutsch durchlesen und man kann tief in die geheimnisvolle, gruselige Welt eintauchen.

Das sehe ich auch so. Obwohl Grusel oder Mystery nicht gerade zu meinen bevorzugten Genres zählen, hat mich das Buch gut unterhalten. Doch vor allem hat es mir vor Augen geführt, was andere Leser:innen meinen können, wenn sie sagen, dass diese Geschichte sich gut liest.

Bin ich hier im Kino? Oder: was zeichnet ein leicht zu lesendes Buch aus.

Straight herunter erzählte Handlung. Ausreichend Action im Wechsel mit ruhigeren Passagen. Charaktere, die exakt so viel Tiefe haben, dass man mit ihnen mitfühlen kann. Die aber nicht so komplex sind, als das man sich beim Lesen ihretwegen den Kopf zerbrechen müsste. Dialoge. Und vor allem: Bilder wie im Kino.

Ich hingegen werde misstrauisch, wenn mir beim Lesen zwischen den Zeilen entgegen gebrüllt wird: Hallo, findest Du nicht auch, dass ich mich als Drehbuch gut machen würde?

Doch die Welt der Bücher ist groß und vielfältig. Deswegen gibt es für alle und für jeden Anlass das richtige Buch. Für mich hat „Die Insel der besonderen Kinder“ in dem Moment bestens gepasst. Die Folgebände werde ich jedoch nicht lesen.


Infos zum Taschenbuch:

Ransom Riggs
Die Insel der besonderen Kinder
Band 1


Droemer Knaur

Ausführliche Rezension bei Paperblog


Ein Buch, das gut dazu passt: BUNGBund zum Schutz der Unterweltbewohner, Nachtwesen und Geister


BUNG – Bund zum Schutz der Unterweltbewohner, Nachtwesen und Geister

BUNG. Cover des Jugendbuchs.

Die meisten Bücher, die ich auf meinen Blogs bespreche, sind in mittelgroßen oder kleinen Verlagen erschienen. Bei dem Jugendbuch BUNG, dass ich als Überraschungspost in meinem Briefkasten fand, verhält es sich anders. Dieses Buch gibt es als kostenlosen Download auf der Website der Herausgeber UND als Kauf-Version bei epubli.

Ja, so habe ich auch geguckt. Doch sobald ich jemanden entdecke, der den Vertrieb von Büchern anders denkt, schaue ich genauer hin. Bei BUNG fand ich einen überraschend konstruierten Fantasy-Roman für Jugendliche, ein interessantes Kollektiv statt eines Verlags und einen Beweis, dass mein Blog gelesen wird. Aber der Reihe nach.

BUNG 1 – Vampire, Vampire!

Fünf Freunde bilden eine Bande und versuchen, hinter dem Rücken der Erwachsenen Missstände wieder in Ordnung zu bringen. Was wie ein Standard-Motiv für Jugendbücher klingt, kommt hier mit einem erfrischenden Dreh daher. Die Abkürzung BUNG steht für „Bund zum Schutz der Unterweltbewohner, Nachtwesen und Geister“. Dementsprechend warten sowohl die fünf Freunde als auch die zu rettenden Tiere mit einigen Überraschungen auf. Mehr möchte ich dazu nicht sagen, denn jeder Hinweis auf die Handlung wäre ein Spoiler.

Stilistisch hat das Buch ein paar Schwächen. So wird zum Beispiel jede neue Figur mit ihrer Wohnsituation eingeführt. Das ist eine schöne Technik, um einen Menschen zu charakterisieren, wirkt aber auf Dauer ein wenig ermüdend. Allerdings ist das mein erwachsener Blick auf das Buch, basierend auf langjährigen Lesegewohnheiten und der Angewohnheit, Bücher zu analysieren. Als Jugendliche hätte mich das einen feuchten Kehricht geschert – ich hätte einfach weitergelesen und mich von der Spannung und den unüblichen Charakteren mitreißen lassen. Wahrscheinlich hätte ich danach gleich überlegt, wo ich so non-konforme Freunde und Freundinnen für einen Geheimbund finden könnte.

Herausgeberinnengemeinschaft Paula & Karla Irrliche

Bücher wollen gelesen werden. Das Buch als Handelsware zu betrachten ist nicht der effektivste Weg, das zu erreichen. Die Buchhandlungen konzentrieren sich auf wenige Neuerscheinungen und Longseller. Auch die Bibliotheken haben nicht alles im Bestand. Was tun, wenn man ein Buch geschrieben hat, von dem man glaubt, dass die Welt das braucht, um ein besserer Ort zu werden? Ein Buch, das im Leben von Heranwachsenden einen Unterschied machen könnte, weil es ein anderes, freieres Miteinander beschreibt?

Irrliche geht dafür einen eigenen Weg.

Die Weiterverbreitung, Nutzung und Spiegelung der Texte ist ausdrücklich erwünscht.

Quelle: Website Irrliche

BUNG gibt es einmal als kostenlosen Download auf der Website. Für die, die es verschenken wollen oder ein Exemplar für eine Bibliothek haben möchten, gibt es eine gedruckte Version, die im Buchhandel oder direkt bei epubli erworben werden kann.

Wie fand die Herausgeberinnengemeinschaft zu mir?

Manchmal ist die Suchmaschine eben doch deine Freundin. Es dürfte nicht viele Buchblogs geben, die neben Fantasy auch Bücher über Anarchismus besprechen.

Und jetzt freue ich mich darauf, das Buch in einen öffentlichen Bücherschrank zu stellen, auf dass es noch viele Leserinnen und Leser findet!

BUNG - Vampire, Vampire! Cover des Jugendbuchs vor rostigem Gitter eines Kellerfensters

Infos zum Buch:

Tuja Tiira
Bung 1 – Vampire, Vampire!


Kaufversion bei epubli
Kostenloser Download beim Herausgeberinnenkollektiv Irrliche

Die Schattenkönigin

Fantasy Roman: Onyxpalast BAnd 1 - Die Schattenkönigin

Überhaupt mag ich mehr Fantasy lesen. Vor allem wenn sie so daher kommt wie „Der Onyxpalast – Die Schattenkönigin“ von Marie Brennan: ein intelligenter Plot, den zumindest ich noch nicht einhundertmal gelesen habe. Und fast noch wichtiger: Es wird zwar auch hier gekämpft und gestorben, aber die Handlung schreitet ohne Gewaltorgien und Blutbäder voran.

In diesem Fantasy-Roman stehen Intrigen und Ränkespiele im Mittelpunkt. Wir befinden uns am Hof von Königin Elisabeth, der letzten Monarchin der Tudors. Doch wir befinden uns auch unter ihrem Hof, im Onyxpalast von Invidiana, Herrscherin über alle Feen Englands. Die eine wäre ohne die andere nicht an der Macht.

Was mir neben dem klug gewebten Geflecht an Hofintrigen, dass sich ständig erweitert und neue Muster erkennen lässt, am meisten Lesespaß bereitet hat, war die subtile Erweiterung der typischen Fantasy-Charaktere um eine unerwartete Dimension.

Die Hauselfen bewahren die Fassade von Kochen, Putzen und Helfen. Doch eigentlich wissen sie mehr über die Politik an beiden Höfen als jeder Meisterspion – und sie wissen es zu nutzen. Der Held gewinnt den Kampf nur, weil er bereit ist, sich von einer Frau retten zu lassen.

Wirklich jede handelnde Person hat einen offensichtlichen Grund, aktiv zu werden, und einen geschickt verborgenen. So wurden die 480 Seiten für mich zu einem Lesevergnügen, zumal ich auch die perfekte, da leicht naive Leserin für solche Geschichten bin: Ich lasse mich einfach gerne überraschen. Trotzdem hätten es für mich gegen Ende vielleicht doch ein oder zwei Wendungen weniger sein können.

Weitere Infos zum Fantasy-Roman:

Marie Brennan

Der Onyxpalast Band 1
Die Schattenkönigin

Übersetzt von Andrea Blendl

Cross Cult

Entdeckt habe ich den Roman auf der Liste der besten Fantasy-Bücher 2019 bei TOR online. Überprüft habe ich meinen Lesewunsch dann mit dieser Rezension bei Phantastisch Lesen.

Bleibt die Frage: Was lese ich als Nächstes? Hat jemand Tipps für mich für intelligente, nicht blutige Fantasy mit gut ausgearbeiteten Frauenfiguren? Auf dass noch mehr Fantasy-Rezensionen auf meinem Blog erscheinen!

Der Wächter der Winde raunt Verse von Shakespeare

Oliver Plaschka - Der Wächter der Winde. Eine moderne Fantasygeschichte in der Tradition Neil Gaimans, die Motive aus William Shakespeares »Der Sturm« neu aufleben lässt.

Es ist eine faszinierende Welt, die Oliver Plaschka entworfen hat. Ein fantastischer Ort jenseits unserer Realität, verborgen von schweren Sturmwolken, zusammengehalten nur von der Phantasie, bevölkert von Träumen. Weit und eng zugleich.

In dieser Welt entwickelt sich ein klassisches Drama um einen alten König, einen jugendlichen Helden mit reinem Herzen und einem Mädchen, das seinen Platz in einer Welt der Männer sucht. Hätte der Klappentext nicht erwähnt, dass Oliver Plaschka für diese Fantasy-Geschichte Motive aus „Der Sturm“ von Shakespeare aufgreift, wäre mir diese Besonderheit gar nicht aufgefallen. Das zeigt vor allem eines: wie schlecht ich meinen Shakespeare kenne.

Doch so betrachtet entsprach meine Reaktion auf die Geschichte exakt meiner Haltung zu Shakespeare: Der alte König-Vater ging mir auf die Nerven, der jugendliche Held war zum Verlieben, die jugendliche Heldin zum Schütteln naiv. Am interessantesten fand ich die Mütter. Die Narren in Form der stets betrunkenen Stephanie und des Möchtegern-Gangsters Rince brachten mich zuverlässig zum Lachen, wirkten aber stellenweise marktschreierisch aufgesetzt.

Doch alles in allem wurde ich mit den Figuren nicht warm. Aber diese Welt! Die hat es in sich.

Angaben zum Buch:

Oliver Plaschka
Der Wächter der Winde

Klett-Cotta

Übrigens habe ich dieses Buch bei Phantastisch Lesen gewonnen. Danke dafür! Und wenn euch mein Leseeindruck nicht genügt, dann findet ihr dort auf dem Blog eine richtig ausführliche Rezension! Außerdem kann ich noch dieses Buch von Oliver Plaschka empfehlen: Der Magier von Montparnasse